Posts mit dem Label Pachamama werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pachamama werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 29. Juli 2018

445 »Das Mekka Südamerikas«


Teil 445 der Serie 
»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 
von Walter-Jörg Langbein

Ich weiß, ich wiederhole mich: Angeblich wurden die Goldschätze Pachacamacs zum Großteil von den Inkas rechtzeitig vor den Spaniern in Sicherheit gebracht und im Wüstenboden von Pachacamac vergraben. Für die Inkas stand aber nicht der Goldwert ihrer sakralen Kunstwerke im Vordergrund, sondern deren tiefe religiöse Bedeutung. Die Spanier sahen nur Gold, Gold und Gold.

Fotos 1 und 2: Der Sonnentempel
Ob die plündernden Spanier auch goldene Statuen der Göttin Pachamama im Heiligtum von Pachacamac vorfanden? Wenn ja, dann haben sie sie eingeschmolzen und in Barrenform nach Europa geschickt. Heute gibt es keine einzige Darstellung der Göttin aus Inka- oder gar Vorinkazeiten mehr. Und die kleinen Püppchen, die Touristen als »Pachamama« angeboten werden, sind moderne Fantasien, für die bei dummen Fremden Geld kassiert wird. Mit Paschamama, der »Mutter der Welt« oder der »Mutter des Kosmos« haben diese Püppchen nichts zu tun. Von einem Theologieprofessor, Fachbereich Kirchengeschichte, Universität von Erlangen, erhielt ich erstaunliche Hinweise, auch über das Aussehen von Pachamama, als ich mich auf eine Südamerikareise vorbereitete.

»Hüten Sie sich vor dieser satanischen Pachamama!«, warnte er mich mit drohender Stimme. »Die Heiden in Peru haben sie als weiblichen Drachen dargestellt! Sie wurde verehrt und angebetet. Sie war im Glauben dieser Heiden eine Fruchtbarkeitsgöttin, verantwortlich für Wachsen und Gedeihen, für Leben und Sterben. Das männliche Gegenstück war Pachacamac!«

In Machu Picchu, zu Deutsch »alter Gipfel«, sei die Göttin in einem »Höhlentempel« verehrt worden. Diesen »Höhlentempel« gibt es tatsächlich in Machu Picchu. Ich habe ihn, den Warnungen des Professors und einem Verbotsschild am Eingang zum Trotz dennoch besucht. Die »Höhle« wurde zweifelsohne mit großem Aufwand in den gewachsenen Stein geschlagen. Beeindruckend sind die glattpolierten Wände. Deutlich zu  erkennen sind mehrere in die Wände gemeißelte Nischen. Welchem Zweck sie wohl gedient haben mögen? Dazu gibt es nur Spekulationen. Vielleicht standen da einst Statuetten der Göttin? Ein Archäologe vor Ort äußerte sich sehr vorsichtig. Die »Höhle« könne durchaus der Pachamama geweiht gewesen sein.

Bei ersten Untersuchungen von fünfzig Grabstätten analysierte man über einhundert Skelette. Man kam zum Schluss, dass über 80 Prozent weiblich waren. Das könnte darauf hinweisen, dass es in Machu Picchu tatsächlich ein Heiligtum für eine Muttergöttin gegeben hat.

Foto 3: Machu Picchu

»Jungfrauen der Sonne«, so heißt es, hätten in Machu Picchu gehaust. Solche »Jungfrauen« lebten auf der Osterinsel in verliesartigen Höhlen. In Pachacamac gab es ein Gebäude für die »Jungfrauen der Sonne«. Fakt ist, dass bei den Inkas neben dem Sonnengott Inti die Göttin Pachamama verehrt und angebetet wurde. Wer aber herrschte zum Anbeginn der Zeit? War es Inti? Oder war es Pachamama? Pachamama war eine uralte Erdgöttin, zu der die Inkas inbrünstig beteten.

Für den Besuch in den Ruinen von Pachacamac ist wenig Zeit vorgesehen, zu wenig für meinen Geschmack. Also verzichte ich auf das Abendessen in Lima und fahre am späten Nachmittag wie Jahre zuvor mit dem Taxi zur faszinierenden Stätte. Im Hotel hat man mich vor einem Alleingang eindringlich gewarnt. »In der gottverlassenen Region da draußen müssen sie damit rechnen, überfallen zu werden. Und nicht nur das! Schnell ist man da als vermeintlich reicher Tourist erschlagen, ausgeraubt und irgendwo im Wüstenboden verscharrt!« Angeblich sehen sich manche Räuber als Rächer der Inkas, die von den spanischen Räubern gepeinigt, beraubt und ermordet wurden!«
Foto 4: Im »Höhlentempel«
Bei meinem ersten Besuch Jahre zuvor hatte ich zwei Kameras dabei. Die versagten aus mysteriösen Gründen. Bei meinem zweiten Besuch, wieder im Alleingang, verzichtete  auf meine beiden Kameras. Erst als ich mit einer Gruppe in den Ruinen unterwegs war machte ich Fotos und Dias. Auf meinen Reisen war ich deshalb meist mit zwei Kameras (Minolta) unterwegs. Lange Jahre fotografierte ich nach alter Väter Sitte analog. Eine Kamera war mit Diafilm, die andere mit Negativfilm bestückt. Erst sehr spät stieg ich auf digitale Fotografie (Nikon) um.

Ich muss zugeben: Die zum Teil drastischen Warnungen haben mich doch beeindruckt und verunsichert. Also verzichte ich bei meinem Alleingang auf meine Kamera. In der Brusttasche meines Hemdes hatte ich einen Fünfzigdollar-Schein. Falls ich überfallen werden sollte, so nahm ich mir vor, würde ich sofort und ungefragt das Geld aushändigen.

Zu einem Kontakt mit einem »Räuber« kam es nicht. Ich sichtete überhaupt nur einen einzelnen Menschen. Der beachtete mich gar nicht. Mit einem Vorschlaghammer trieb er eine Eisenstange in den Boden. Er holte immer wieder weit aus und ließ seinen Hammer auf das Ende der Stange sausen. Ich glaube, dass man das metallische »Kling« bei jedem Schlag weit hören konnte. Nach einiger Zeit rüttelte der Mann an der Stange, zerrte sie wieder heraus, ging einige Schritte weiter, um erneut den Metallstab wieder ins Erdreich zu treiben.

Ich vermute, dass es sich bei dem Mann nicht um einen Archäologen, sondern um einen potentiellen Grabräuber handelte. Offenbar war er auf der Suche nach Hohlräumen im Wüstenboden. Archäologen wie Grabräuber vermuten, dass es im Bereich der Ruinen von Pachacamac noch unberührte Grabkammern gibt. Mit seiner sicher etwas brachialen, aber letztlich sehr effektiven Methode hoffte der Mann wohl Grabkammern ausfindig zu machen.

Im Hotel versicherte man mir, dass bei illegalen Grabungen wiederholt mumifizierte Hunde im Areal von Pachacamac gefunden wurden. Nach der Meinung von örtlichen Sachkundigen wurden die fast perfekt konservierten Tiere im 15. Jahrhundert als Opfer für lokale Gottheiten bestattet. Das soll bei der Beerdigung bedeutsamer Persönlichkeiten geschehen sein. Man wollte auf diese Weise die Gottheiten positiv stimmen, ihnen die Toten besonders ans Herz legen. Das würde den Verstorbenen helfen, im Jenseits angenehmer zu leben. Seltsam ist, dass man, so wurde mir berichtet, zwar die Hundemumien ausgegraben hat, aber weder die sterblichen Überreste der Menschen, noch Grabbeigaben gefunden haben will.

Foto 5: Hier wurden mumifizierte Hunde gefunden

»BBC NEWS« berichtete im September 2006 über Ausgrabungen. Man hatte Gräber von Menschen vom Chiribaya-Volk entdeckt. Im Bericht heißt es (1): »Archäologen in Peru haben die mumifizierten Überreste von mehr als 40 Hunden freigelegt, die mit Decken und Futter neben ihren Herrchen begraben wurden.« Laut BBC gehen die Archäologen davon aus, dass die Chiribaya von einem Weiterleben nach dem Tode ausgingen, und zwar von Mensch und Hund. Ob dieser Entdeckung waren die Archäologen höchst erstaunt. Grabbeigaben für tote Hunde für ihr Leben nach dem Tode seien bislang nur aus Ägypten bekannt. Eine Verbindung zwischen Peru und Ägypten kann es nach offizieller Archäologie in vorkolumbischer Zeit aber nicht gegeben haben.

Direkt beim Heiligtum von Pachacamac wurden am 9. November 2010 sechs äußerst gut erhaltene mumifizierte Hunde bei Ausgrabungen im Wüstenboden gefunden. Sie stammen aus dem 15. Jahrhundert. Am 12. November 2013 wurde eine weitere Meldung lanciert (2): »Archäologen finden mehr als 100 mumifizierte Hunde in Peru«. Alter: fast ein Jahrtausend. Es scheint in Peru einen weit verbreiteten Brauch gegeben zu haben: Bestattung von Hunden, manchmal mit, manchmal ohne menschliche Begleitung.

Foto 6: Das »steinerne Tor« von Pachacamac
Zurück ins Heiligtum von Pachacamac, zu meiner Recherche vor Ort. Außer meinem Dollarschein hatte ich ein vergilbtes Foto dabei. Es zeigte eine Zeichnung, die zwischen 1850 und 1880 entstanden sein soll. Zu sehen war ein steinernes Tor, das sich irgendwo auf dem Areal von Pachacamac befinden soll. Meinen Rundgang startete ich am »Sonnentempel«. Weiter ging es zum »Mondtempel«.  Der »Sonnentempel« wurde, das scheint erwiesen zu sein, von den Inkas erbaut, und zwar an »heiliger Stätte«. Schon 600 bis 800 n.Chr. gab es hier ein Zentrum der Wari. Lange bevor die Inkas kamen, wurde ein Gott »Ychsma« verehrt. Aus der Wari-Zeit soll das seltsame »steinerne Tor« stammen. Angeblich wurde der Stein spiegelglatt poliert, wurde der Rahmen des Tors mit unglaublicher Präzision in den Stein gefräst.

Wo sich das Tor befinden soll, konnte ich bei meinen Vorbereitungen nicht eruieren. Auch in Lima befragte Archäologen zucken nur mit den Schultern, als ich ihnen das Foto zeige. Im Zentrum von Pachacamac jedenfalls sei so ein Tor nicht zu finden. »Aber das Umfeld ist riesig! Gut möglich, dass es da irgendwo so ein Tor gibt!« Oder das Tor wurde Ende des 19. Jahrhunderts zerschlagen, als man Schotter für den Straßenbau benötigte. Vielleicht wurde auch der Stein mit dem Tor im Ganzen irgendwo in ein modernes Gebäude integriert, vielleicht in eine Kirche.

»Mein« Tor habe ich nicht gefunden. Dafür habe ich einen Eindruck gewonnen, wie riesig allein schon das Heilige Zentrum war. Die Inkas respektierten die Religion der besiegten Wari. Sie ließen ihr Heiligtum unangetastet, errichteten aber zusätzliche Bauten: den »Sonnentempel« und das »Haus der Sonnenjungfrauen«. Pizarro ließ aus dem Heiligtum Pachacamacs zentnerwiese Gold schleppen, als Pachacamacs Anteil am Lösegeld für Atahualpa (geboren um 1500, ermordet am 26. Juli 1533 in Cajamarca). Über 7 Zentner sollen die filigranen Kunstwerke aus Gold gewogen haben, die die verbrecherischen Banden von Pizarro und Co. raubten. An sakralen Kunstwerken aus Silber wurden noch größere Mengen aus dem Heiligtum geraubt.

Foto 7: Der Mondtempel (Hof)

Ich begann meinen Erkundungsgang beim Mondtempel von Pachacamac, umrundete ihn in immer größer werdenden Kreisen. Vermutlich hatte ich auch ohne es zu ahnen die eine oder andere Grabkammer unter meinen Füßen. Im Frühsommer 2018 entdeckten Archäologen der »Université libre de Bruxelles« eine unversehrte Grabkammer mit intakter Mumie (3). Die Mumie, so frohlockten die Wissenschaftler enthusiasmiert, war außergewöhnlich gut erhalten. Der Tote wurde vor rund einem Jahrtausend in ein Tuch aus pflanzlichen Fasern, Textilien und Baumwolle gewickelt. Die unter vielen Lagen Stoff verborgene Leichnam soll nun genauestens untersucht werden. Dabei wollen die Wissenschaftler darauf verzichten, die Mumie auszuwickeln. Vielmehr soll das Mumienbündel so bleiben wie es ist und mit modernsten Methoden aus der Medizin, etwa mit Hilfe  der Computeraxialtomographie, durchleuchtet werden.

Foto 8: Diese Pyramide von Sipán könne auch in Pachacamac stehen

Ausgegraben hat man auch »Strukturen«, sprich Reste von Fundamenten von Gebäuden, die schon in der Vorinkazeit Pilger beherbergten, die die heiligen Stätten von Pachacamac besuchten. Ephraim George Squier beschreibt die altehrwürdige Ruinenstadt ausführlich in seinem Werk über Peru (4): 

»In alten Zeiten war Pachacamac das Mekka Südamerikas. Und die Verehrung des Schöpfers der Welt, die von hause aus rein war, bekleidete seinen Tempel mit solcher Heiligkeit, dass Pilger aus den entlegensten Stämmen her sich zu ihm hin begaben und unbelästigt durch Stämme wallfahren durften, mit denen sie gerade im Krieg sein mochten. Natürlich erhob sich allmählich um den alten und neuen Tempel eine große Stadt, welche Priester und Tempeldiener bewohnten, und welche ›tambos‹ oder Herbergen für die Pilger enthielt. Die Wüste  ist aber über die alte Stadt hereingebrochen und hat einen groszen Teil derselben samt Stücken ihrer Ringmauer unter Flugsand begraben.«

Ephraim George Squiers Werk erschien in englischer Sprache bereits 1877 (5) unter dem Titel »Peru - Incidents and Explorations in the Land of the Incas«, zu Deutsch etwa »Peru – Vorkommnisse und Untersuchungen im Land der Inkas«. Vor rund 150 Jahren war Ephraim George Squier vor Ort. In den folgenden Jahrzehnten kamen kaum Fremde nach Pachacamac, dabei lag es doch recht günstig quasi vor den Toren Limas. Doch man ist fest entschlossen, Pachacamac zu einer Touristenattraktion zu machen. Touristen sollen in möglichst großer Zahl den Sonnentempel der Inkas erkunden und auch sonst zwischen Mauerresten schlendern.

Foto 9: Auch diese Pyramide von Túcume passt zu Pachacamac.



Fußnoten
(1) Meldung »Mummified dogs uncovered in Peru«, »BBC News, Lima«,  23. September 2006, Quelle: http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/5374748.stm (Stand 18. Juni 2018)
(2) Meldung: »Archaeologists Find More Than 100 Mummified Dogs in Peru«, 12. November 2013, https://www.dogster.com/the-scoop/mummified-mummy-dogs-lima-peru (Stand 18. Juni 2018)
(3) Meldung:»Archaeologists discover a 1,000-year-old mummy in Peru«, 25. Mai 2018.Quelle: https://phys.org/news/2018-05-archaeologists-year-old-mummy-peru.html
(4) Squier, Ephraim George: »Peru - Reise- und Forschungs-Erlebnisse in dem Lande der Incas«, Leipzig 1883, Seite 84 Mitte
(5) Squier, Ephraim George: »Peru - Incidents and Explorations in the Land of the Incas«, New York 1877

Zu den Fotos
Fotos 1 und 2: Der Sonnentempel bon Pachacamac. Beide Fotos: Ingeborg Diekmann.
Foto 3: Machu Picchu. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Im »Höhlentempel«. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 5: Hier wurden mumifizierte Hunde gefunden. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Das »steinerne Tor« von Pachacamac. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der Mondtempel (Hof). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Diese Pyramide von Sipán könne auch in Pachacamac stehen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Auch diese Pyramide von Túcume passt zu Pachacamac. Foto Walter-Jörg Langbein

446 »Bleierne Zeit über einer Wüste des Todes«,
Teil 446 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am
5. August 2018


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 2. März 2014

215 »Jesus, Atahualpa und die Pyramiden von Cochasquí«

Jesus von Cochasqui.
Foto: Ingeborg Diekmann
Teil 215 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                    
von Walter-Jörg Langbein


Jesus ist von den Toten auferstanden. Er fährt auf zum Himmel. So ist es beim Evangelisten Markus zu lesen  (1). Nach einem der Petrusbriefe (2) ist Jesus der, »der in den Himmel gegangen ist, dort ist er zur Rechten Gottes und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.« Ein unbekannter Künstler, vermutlich aus Quito, Ecuador, hat diese berühmte Szene in Stein verewigt. Man sieht Jesus gen Himmel schweben, zahlreiche Hände versuchen noch, nach ihm zu greifen.

In Cusco erklärte mir ein katholischer Geistlicher: »Vor rund 2000 Jahren hofften Jesu Anhänger, ihr Messias werde sie erlösen – von der Knechtschaft der Römer. Die Anhänger Atahualpas setzten ihre Hoffnungen in den letzten Herrscher der Inkas. Sie wurden aber enttäuscht. Atahualpa wurde – wie Jesus – hingerichtet. (3) Und das, obwohl die Inkas aus dem gesamten Reich gigantische Gold- und Silberschätze als »Lösegeld« herbeischafften. Herrlichste Kunstwerke aus Gold und Silber wurden tonnenweise zu Barren geschmolzen… etwa fünf Wochen lang! Man schätzt, dass rund 200 Tonnen Preziosen geraubt und vernichtet wurden. Aber die »zivilisierten« Spanier brachen ihr Versprechen, Atahualpa freizulassen. Sie befürchteten wohl mit Recht, der Inka-Herrscher Atahualpa könnte nach seiner Freilassung doch noch ein riesiges Heer aufstellen die entscheidende Schlacht gewinnen. Zahlenmäßig waren die Inka-Truppen den spanischen haushoch überlegen. Aus Sicht der Spanier war Inka-General Ruminahui.


Mauerreste eines angeblichen Palasts von Atahualpa.
Foto Walter-Jörg Langbein

Gold- und Silberschätze trafen auch nach der Ermordung Atahualpas aus allen Teilen des riesigen Reiches ein. Unzählige Karawanen mit unvorstellbaren Reichtümern schafften gewaltige Gold- und Silbermengen zu den spanischen Verbrechern. Noch so mancher Transport wurde in entlegenen Regionen des Inkareichs beladen und losgeschickt, als die Spanier ihren Gefangenen nach einem Scheinprozess längst ermordet hatten. So trafen weiter Teile des Lösegeldes ein, sollen aber noch rechtzeitig vor den Spaniern versteckt worden sein! Aber wo?

In den kilometerlangen unterirdischen Gängen von Cusco, zum Beispiel. Noch heute soll es ein gigantisches Netz von unterirdischen Tunneln geben: unter der alten Stadt Cusco ebenso wie im Umfeld der alten Metropole. Aus Zeiten der spanischen Eroberung sind Berichte überliefert. Demnach sollen einzelne Zeugen in der mysteriösen Unterwelt tatsächlich Gold- und Silberschätze aus Atahualpas Lösegeld gesehen haben.


Einige der Pyramiden von Cochasqui, Ecuador.
Foto Walter-Jörg Langbein

Es gab leider offenbar schon vor Jahrhunderten das Gerücht, die mysteriösen Pyramiden von Cochasquí in Ecuador würden in ihrem Inneren unvorstellbare Kostbarkeiten bergen. Cochasquí liegt rund 50 Kilometer nördlich von Quito, Ecuador, in der Pichincha-Provinz – in einer Höhe von 3100 Metern über dem Meeresspiegel.

Pyramide mit »Narbe«. Foto Walter-Jörg Langbein

Das Gerücht führte dazu, dass teilweise mit brachialer Gewalt Schatzsucher den Pyramiden von Cochasquí zu Leibe rückten. Fünfzehn Pyramiden-Stümpfe und etwa genau so viele Grabstätten sind von Archäologen katalogisiert worden. Wie mir ein katholischer Geistlicher schmunzelnd erzählte, suchen seit Jahrhunderten Archäologen und Grabräuber um die Wette. Gold und Silber wurden bislang so gut wie nicht gefunden. »Pyramide 9« machte auf mich einen besonders traurigen Eindruck. Es sieht so aus, als habe man ihr mit einem riesigen Messer eine klaffende Wunder zugefügt. Hier waren Grabräuber, keine Archäologen, am Werk. Zu ihrer großen Enttäuschung stießen sie aber nur auf massives Mauerwerk. Und das diente nicht als Schutz für Preziosen aus Inkazeiten, sondern als inneres »Skelett«, das dem künstlichen »Berg« Halt verleihen sollte.

Zu welchem Zweck wurden die Pyramiden von Cochasquí gebaut? Archäologie war oft  von Doktrinen bestimmt. So galten die Pyramiden Ägyptens als Grabanlagen, die von Mexiko als Plattformen für Tempel. Es zeigte sich allerdings, dass eine Stufenpyramide einen Tempel tragen und eine Gruft enthalten kann (bekanntes Beispiel: »Tempel der Inschriften«, Palenque, Mexiko).


 »Tempel der Inschriften«, Palenque, Foto W-J.Langbein
  



Die Pyramiden von Cochasquí erinnern am ehesten an die Bauten von Mexiko. Sie sind oben flach. Als Grabanlagen dienten sie offenbar nie. Runde Grabbauten gab es separat von den Pyramiden. Zum Teil führten eins recht lange Rampen nach oben auf die abgeplatteten Pyramiden. Die längste Rampe dürfte fast 300 Meter gemessen haben. Ein derart langer Weg auf eher niedrige Pyramiden macht keinen praktischen Sinn.

Mich erinnert diese Bauweise an Observatorien im Alten Indien. Dort beobachteten und studierten Priester-Astronomen die Planeten unseres Sonnensystems, aber auch ferne Sterne. Trotz der Verwüstung der Pyramiden von Cochasquí konnte inzwischen bewiesen werden, dass zumindest einige der mysteriösen Bauwerke ganz eindeutig astronomische Bedeutung hatten. Es wurden von den Pyramidenbauern astronomische Beobachtungen durchgeführt, laut Lehrmeinung auch um einen möglichst präzisen Kalender erstellen zu können. Die langen Rampen waren offenbar erforderlich, um unter einem bestimmten Winkel zu bestimmten Zeiten Planeten und Sterne anzupeilen.

Cochasquí muss ein ganz besonderer Ort gewesen sein. Wer heute zu Fuß das weiträumige Areal ergründet, erahnt, wie riesig es einst gewesen sein muss ... Und wie eindrucksvoll! Wie viele Pyramiden mögen im Verlauf der Jahrhunderte ganz abgetragen worden sein? Manche der noch erhaltenen Pyramiden sind nur mit einiger Mühe als künstliche Bauwerke zu erkennen.


Eine der gut erhaltenen Pyramiden von Cochasqui. 
Foto Walter-Jörg Langbein


Unzählige Pyramiden mit langen schmalen Rampen waren auf dem rund 100 Hektar großen Gebiet verteilt. Wie viele Pyramiden mögen im Verlauf der Jahrhunderte ganz abgetragen worden sein? Manche der noch erhaltenen Pyramiden sind nur mit einiger Mühe als künstliche Bauwerke zu erkennen.

Einigkeit herrscht weitestgehend: Einst widmeten sich die Wissenschaftler von Cochasqui der Astronomie. Von den Pyramidenplattformen starrten sie in den Himmel, peilten Gestirne und Planeten an. Wie? Sie müssen eigentlich schon über  Hilfsmittel zur Anpeilung von Planeten und Sternen gehabt haben, vielleicht gar Fernrohre! Unwillkürlich muss ich an die Steingravuren aus dem Museum von Prof. Dr. Javier Cabrera denken. Nach Prof. Dr. Cabrera stammen diese Darstellungen aus der Vorinkazeit. Offiziell gelten sie aber als Fälschungen.

»Sterngucker«, Sammlung Cabrera,
Foto Walter-Jörg Langbein

Aber wo lebten die Menschen von Cochasquí, die Gelehrten, die Geistlichen, die Arbeiter? Von ihren Quartieren wurde bislang keine Spur gefunden. Nach Carl Niemann, Dresden, gab es schon vor Jahrtausenden in Südamerika eine ausgesprochen hoch entwickelte Astronomie. Diese Gelehrten peilten nicht nur – zum Beispiel – die Plejaden an, sondern auch die dunklen Zonen unserer Milchstraße. Auch die ältesten Grundmauern von Cusco sind, so Carl Niemann, astronomisch ausgerichtet. Warum? Vermutlich spielten die Sterne eine bedeutende Rolle, bei den Inkas, aber auch schon bei deren Vorfahren.

Mysteriöser Pyramiden-Schacht (li),  
Massives Mauerwerk in einer der Pyramiden (re) 
Fotos: Ingeborg Diekmann



Aus Kostengründen wurde erst ein kleiner Teil der Pyramiden von Cochasquí wirklich archäologisch untersucht. Massives Mauerwerk wurde in einer der Pyramiden freigelegt. Ein massiver Schacht wurde gegraben ... von Grabräubern? Von Archäologen? Oder stammt er gar von den Erbauern der Pyramiden? Viele Fragen sind bis heute unbeantwortet geblieben ...

Auch in Ecuador habe ich vor Ort immer wieder festgestellt, dass alte Glaubensvorstellungen aus Zeiten lange vor der »Christianisierung« nur offiziell in Vergessenheit geraten sind. Tatsächlich  werden aber auch heute noch neben Jesus und seiner Mutter Maria, der Himmelskönigin, alte Gottheiten wie Pacha Mama und Pacha Papa verehrt und angebetet. Die Priester vor Ort haben es in der Regel längst aufgegeben, gegen vermeintlich »heidnisches« Brauchtum anzukämpfen. Sie dulden die Verehrung der alten Muttergöttin, solange die Anhänger auch getauft sind. Dann werden Kerzen für Maria und für Pacha Mama angezündet.

Jesus von Cochasqui.
Foto Ingeborg Diekmann
Mein Informant, ein katholischer Geistlicher: »Es wird wohl noch Jahrhunderte dauern, bis der alte Glauben vergessen sein wird, bis sich der Katholizismus wirklich durchsetzen wird. Ich freue mich schon, wenn heidnischen Kulten etwas versteckt und heimlich gefrönt, dem Katholizismus öffentlich gehuldigt wird. Mir ist klar, dass für die Menschen hier kein Widerspruch besteht zwischen alten und neuen Riten. Manchmal werde ich sogar zu heimlichen Kulthandlungen eingeladen. Das sehe ich als großen Vertrauensbeweis an!«

In Rom, so versicherte mir der Priester, interessiert das niemanden. Da zählt nur die Zahl in der Statistik. Man will möglichst viele Gläubige der eigenen Konfession vorweisen können, sprich Katholiken. Dass so mancher Nachkomme der Inkas kein echter Katholik ist, sondern auch noch an alte Göttinnen und Götter glaubt, erfährt dort niemand, zumindest nicht offiziell.




Die Wunde in der Pyramide ... 
Foto Walter-Jörg Langbein
 Fußnoten
1) Evangelium nach Markus Kapitel 19,
Vers 19
2) 1. Petrus Brief Kapitel 3, Vers 22
3) Siehe hierzu Prem, Hanns J.:
»Geschichte Altamerikas«, Oldenbourg
Wissenschaftsverlag 2007,
besonders Kapitel 8!







216. Maria-Mama, Pacha-Mama
Teil 216 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 09.03.2014


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 24. Juni 2012

127 »Die Göttin und kuriose Steine«

Das Geheimnis der Anden VI,
Teil 127 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Künstliche Inseln auf dem
Titicaca-See
Foto: W-J.Langbein
Einst lebte das Volk der Uros auf künstlichen Schilf-Inseln ... auf dem Titicaca-See. Sie seien keine Menschen, wie die übrige Erdbevölkerung ... behaupteten sie stolz. Ihre Urahnen hätten schwarzes Blut gehabt, seien aus dem Kosmos zur Erde gekommen. Die Uros waren ein friedfertiges Volk. Oder waren sie arrogant? Sie zogen sich zurück, flohen vor den Kriegern des Aymara-Stamms, später vor den Horden der spanischen Eroberer. Um 1960 soll der letzte echte Angehörige des Stammes gestorben sein. Heute gibt es keine echten Uros mehr, aber die künstlichen Schilf-Inseln auf dem Titicaca-See werden immer noch gebaut.

Die Sonneninsel im Titicaca-See galt beim Volk der Aymara als Fleckchen Erde von besonderer Bedeutung. Nach ihren heiligen Überlieferungen kam hier der erste Inka, der legendäre Manco Cápac aus himmlischen Gefilden über einen mächtigen Steinbrocken zur Erde. So manche Legende rankt sich um den See, der immerhin fünfzehn Mal so groß wie der Bodensee ist ... und 3810 Meter über Meeresniveau liegt. Der »aufgeklärte« Mensch hält natürlich nichts von solchen Ammenmärchen ... und lächelt über Geschichten von Bauten in den Tiefen des geheimnisvollen Sees. Wie sollte es auch von Menschen errichtetes Mauerwerk geben ... in bis zu 280 Metern Tiefe?

Rätselhaftes Erbe von Tiahuanaco
Foto: Ingeborg Diekmann
»Auf dem Grunde des Titicaca-Sees schlummern Ruinen aus uralten Zeiten!« - »Vor vielen Jahrtausenden gab es eine hochstehende Kultur im Raum Bolivien-Peru. Es kam zu einer gewaltigen Katastrophe ... die steinernen Bauten wurden überschwemmt ... und liegen heute auf dem Grund des Titicaca-Sees!« Solche Aussagen kursieren in Südamerika schon seit Jahrhunderten. 1986 machte sich der berühmte Unterwasserforscher Jacques Cousteau (1910-1997) auf, um dem Geheimnis unterseeischer Ruinen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund zu gehen. Cousteau und sein Team konzentrierten sich auf die Umgebung der Eilande »Isla de Sol« (»Sonnen-«) und »Isla de Luna« (»Mond-Insel«). Sie fanden nichts. 1980 allerdings wurde der bekannte Forscher Hugo Boero Rojo, Experte für präkolumbische Kulturen, fündig. Unweit von Puerto Acosta, einem Dörfchen am nordöstlichen Ufer des Sees gelegen, entdeckte er Ruinen auf dem Meeresgrund! Und am 23. August 2000 vermeldete der renommierte Nachrichtensender »BBC«: »Antiker Tempel auf dem Grund des Titicaca-Sees entdeckt«. Taucher machten sensationelle Entdeckungen: eine künstlich angelegte Terrasse, eine 800 Meter lange Mauer und eine Straße ... auf dem Grund des Titicaca-Sees. Als die Taucher der Straße folgten, stießen sie auf die Ruinen eines uralten Tempels!

Geheimnisvoller Stein, präzise
bearbeitet - Foto: W-J.Langbein
Die sensationellen Entdeckungen bestätigten den Gelehrten Prof. Dr. Arthur Posnansky (1873-1946). Posnansky vertrat die These von immer wieder auftretenden gewaltigen Kataklysmen, die in periodischen Abständen zu verheerenden Fluten führten. Wenn nun bewiesen ist, dass auf dem Grund des Titicaca-Sees uralte Ruinen auf ihre Erforschung warten ... so bedeutet dies doch, dass Straßen, Mauern und Tempel in grauer Vorzeit ... in einer »Sintflut« überschwemmt und vom Titicaca-See verschlungen wurden. Und genau so – folgt man Gelehrten wie Arthur Posnansky und Edmund Kiss (1886-1960) erging es vor vielen Jahrtausenden der Stadt Tiahuanaco, 4.000 Meter über dem Meeresspiegel in den Hochanden!

Wenig, nur sehr wenig wissen wir über die Menschen von Tiahuanaco. Bekannt ist, dass sie einen unglaublich präzisen Kalender hatten: verewigt auf dem Sonnentor von Tiahuanaco ... und auf dem Rücken des riesigen »Idols von Tiahuanaco«. Dieser Kalender setzt ein gewaltiges Wissen in Astronomie und Mathematik voraus, höchste Präzision bei der Vermessung unseres Planeten ... und der Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen!

Mehrfach habe ich die Ruinen von Tiahuanaco erkundet, immer hat mir die gewaltige Ruine sprichwörtlich den Atem geraubt. Für mich ist es – bei aller Bewunderung für die Baumeister von Tiahuanaco – von eher geringer Bedeutung, wie hart der Stein war, den sie bearbeiteten und gravierten. Was mich staunen lässt, das ist die unglaubliche Präzision, mit der Tausende und Abertausende von Gravuren in Stein geritzt wurden! Im Ruinenfeld von Tiahuanaco wurden Steine aus uralten Zeiten dem verbackenen Erdreich entrissen, deren Bedeutung wir nicht kennen: mysteriös-technisch muten die Gravuren an.

Das gezeichnete Buch des
großen Idols - Foto:
Hans Schindler-Bellamy
Gewiss: Auf den ersten Blick beeindrucken die steinernen Kolossalstatuen, die roboterhaft-stoisch dreinblicken. Wenn sie nur sprechen könnten ... Auf den zweiten Blick übersieht man womöglich immer noch das Geheimnis von Tiahuanaco. Man findet es nur, wenn man weiß, dass es existiert. Es ist so etwas wie eine Bibliothek in Stein. So manche Statue stellt so etwas dar wie einen Folianten. So manche Statue wurde mit unbekannten Werkzeugen mit unzähligen Bildnisse förmlich übersät. Sie wurden in den Stein graviert ... Hunderte, ja Tausende einzelne Elemente, die wiederum kaum überschaubare »Bildwände« ergeben, die der Fachmann wie ein Buch lesen kann.

Besonders mysteriös ist »das große Idol«, dessen vier Seiten über und über mit eingravierten Zeichnungen bedeckt sind. Die vier Seiten der Statue ergeben – man erkennt es erst in der Zeichnung – ein großes geritztes Bild mit unzähligen Details. Was will uns dieses »Bilderbuch« erzählen? Prof. Hans Schindler-Bellamy erkannte, dass auf der Rückseite des »großen Idols« der älteste Kalender der bekannten Menschheitsgeschichte eingraviert wurde. Ich frage mich: Wann werden die Erkenntnisse des Professors endlich anerkannt? Und wann werden seine wissenschaftlichen Recherchen fortgesetzt? Erst ein Bruchteil der bekannten Gravuren wurde übersetzt!

Die Kalender von Tiahuanaco zwingen uns eigentlich, das Bild von der Geschichte der Menschheit komplett umzuschreiben: was ihre Anfänge anbelangt. Vor Jahrtausenden muss es in Bolivien eine hochstehende Kultur gegeben haben, die über unvorstellbar präzise wissenschaftliche Erkenntnisse verfügte!

Mysteriöse Steine
von Tiahuanaco
Fotos: W-J.Langbein
Immer wieder stolpert man förmlich über mehr als mysteriöse Steine. Es gibt sie zu Hunderten. Sie sehen aus, als seien sie in einer Fabrik hergestellt worden. Und doch entstanden die Massenprodukte ... vor Jahrtausenden. Das eigentliche Geheimnis wird von Vielen zu Beginn des dritten Jahrtausends nicht gern gesehen!

Und doch gibt es einen mehr als deutlichen Hinweis auf ein uraltes Matriarchat im alten Reich von Tiahuanaco. Warum titulierte man die größte Statue, dies bislang in Tiahuanaco gefunden wurde, schlicht als »das große Idol«? Groß ist die Statue in der Tat ... gut 7,20 Meter. Doch während man bei den meisten Figuren nur Fantasienamen kennt, die den Statuen von den Spaniern verpasst wurden ... ist das beim großen Idol anders.

Das große Idol ... stellt eine weibliche Gottheit dar, Pachamama ... die Urgöttin, die Urmutter Südamerikas! Vergessen ist die Göttin schlechthin freilich nicht, auch wenn sie von christlichen Missionaren seit vielen Jahrhunderten bekämpft und durch die christliche »Göttin« Maria ersetzt werden soll. So fand am 21. Januar 2006 in Tiahuanaco eine höchst ungewöhnliche Zeremonie statt. Mehrere Tausend Menschen begrüßten den Sonnenaufgang und opferten Muttergöttin Pachamama! Die Feierlichkeiten fanden zum großen Verdruss der christlichen Geistlichkeit statt ... unter Beteiligung von Präsident Evo Morales!

Das Haupt der Göttin
Fotos: H.S.-Bellamy u. WJ.Langbein
Kehrt Pachamama in das offizielle Leben Boliviens zurück? Wenn ja: Wie lange mag es noch dauern, bis Pachamama wieder Anerkennung und Verehrung findet? Ihre Statue ist ja vor Jahren wieder nach Tiahuanaco zurückgekehrt. Und wer Augen hat zu sehen ... und auch sieht, der erkennt auch heute noch die Haarpracht der Göttin! Ihre langen Haare sind zu Zöpfen geflochten, die der Pachamama bis über die Schultern reichen.

Am 22. September 2011 hielt Papst Benedikt XVI. Eine Rede vor dem deutschen Bundestag. Der Papst führte aus, »dass irgend etwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen.« Ob dem »Heiligen Vater« dabei bewusst war, dass er einforderte, was für die Verehrer der Muttergöttin Pachamama selbstverständlich war?

Blick in die Unterwelt
Foto: W-J.Langbein
Die Ausbeutung der Erde wurde Jahrhunderte lang christlich legitimiert. Gebot doch der jüdisch-christliche Gott: »Macht euch die Erde untertan!« Pachamama ist »Mutter Erde«. Pachamama personifizierte Mutter Erde. Das Christentum versucht, Pachamama durch Maria zu ersetzen. Tatsächlich aber entspricht Pachamama eher Eva, von der die Bibel sagt, dass aus ihr alles Lebende hervorging. Pachamama wurde als allmächtige Göttin angebetet, die allen Kreaturen das Leben schenkt und sie – wie eine Mutter – nährt und erhält. Und sie verband – wie der Lebensbaum – Unter- und Oberwelt miteinander.

Die Unterwelt von Tiahuanaco ist bis heute weitestgehend unerforscht. Einst wurde die Kultanlage in den Anden von einer gewaltigen Pyramide bestimmt ... und darunter gab es unterirdische Räume ... die Unterwelt.

2008 wurde das Prinzip »Pachamama« in die neue Verfassung von Ecuador aufgenommen: Es geht um Schutz und Erhalt von »Mutter Erde« ... nicht um ihre Ausbeutung!

Puma Punku,
Das Geheimnis der Anden VII,
Teil 128 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 01.07.2012


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)