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Sonntag, 2. März 2014

215 »Jesus, Atahualpa und die Pyramiden von Cochasquí«

Jesus von Cochasqui.
Foto: Ingeborg Diekmann
Teil 215 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                    
von Walter-Jörg Langbein


Jesus ist von den Toten auferstanden. Er fährt auf zum Himmel. So ist es beim Evangelisten Markus zu lesen  (1). Nach einem der Petrusbriefe (2) ist Jesus der, »der in den Himmel gegangen ist, dort ist er zur Rechten Gottes und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.« Ein unbekannter Künstler, vermutlich aus Quito, Ecuador, hat diese berühmte Szene in Stein verewigt. Man sieht Jesus gen Himmel schweben, zahlreiche Hände versuchen noch, nach ihm zu greifen.

In Cusco erklärte mir ein katholischer Geistlicher: »Vor rund 2000 Jahren hofften Jesu Anhänger, ihr Messias werde sie erlösen – von der Knechtschaft der Römer. Die Anhänger Atahualpas setzten ihre Hoffnungen in den letzten Herrscher der Inkas. Sie wurden aber enttäuscht. Atahualpa wurde – wie Jesus – hingerichtet. (3) Und das, obwohl die Inkas aus dem gesamten Reich gigantische Gold- und Silberschätze als »Lösegeld« herbeischafften. Herrlichste Kunstwerke aus Gold und Silber wurden tonnenweise zu Barren geschmolzen… etwa fünf Wochen lang! Man schätzt, dass rund 200 Tonnen Preziosen geraubt und vernichtet wurden. Aber die »zivilisierten« Spanier brachen ihr Versprechen, Atahualpa freizulassen. Sie befürchteten wohl mit Recht, der Inka-Herrscher Atahualpa könnte nach seiner Freilassung doch noch ein riesiges Heer aufstellen die entscheidende Schlacht gewinnen. Zahlenmäßig waren die Inka-Truppen den spanischen haushoch überlegen. Aus Sicht der Spanier war Inka-General Ruminahui.


Mauerreste eines angeblichen Palasts von Atahualpa.
Foto Walter-Jörg Langbein

Gold- und Silberschätze trafen auch nach der Ermordung Atahualpas aus allen Teilen des riesigen Reiches ein. Unzählige Karawanen mit unvorstellbaren Reichtümern schafften gewaltige Gold- und Silbermengen zu den spanischen Verbrechern. Noch so mancher Transport wurde in entlegenen Regionen des Inkareichs beladen und losgeschickt, als die Spanier ihren Gefangenen nach einem Scheinprozess längst ermordet hatten. So trafen weiter Teile des Lösegeldes ein, sollen aber noch rechtzeitig vor den Spaniern versteckt worden sein! Aber wo?

In den kilometerlangen unterirdischen Gängen von Cusco, zum Beispiel. Noch heute soll es ein gigantisches Netz von unterirdischen Tunneln geben: unter der alten Stadt Cusco ebenso wie im Umfeld der alten Metropole. Aus Zeiten der spanischen Eroberung sind Berichte überliefert. Demnach sollen einzelne Zeugen in der mysteriösen Unterwelt tatsächlich Gold- und Silberschätze aus Atahualpas Lösegeld gesehen haben.


Einige der Pyramiden von Cochasqui, Ecuador.
Foto Walter-Jörg Langbein

Es gab leider offenbar schon vor Jahrhunderten das Gerücht, die mysteriösen Pyramiden von Cochasquí in Ecuador würden in ihrem Inneren unvorstellbare Kostbarkeiten bergen. Cochasquí liegt rund 50 Kilometer nördlich von Quito, Ecuador, in der Pichincha-Provinz – in einer Höhe von 3100 Metern über dem Meeresspiegel.

Pyramide mit »Narbe«. Foto Walter-Jörg Langbein

Das Gerücht führte dazu, dass teilweise mit brachialer Gewalt Schatzsucher den Pyramiden von Cochasquí zu Leibe rückten. Fünfzehn Pyramiden-Stümpfe und etwa genau so viele Grabstätten sind von Archäologen katalogisiert worden. Wie mir ein katholischer Geistlicher schmunzelnd erzählte, suchen seit Jahrhunderten Archäologen und Grabräuber um die Wette. Gold und Silber wurden bislang so gut wie nicht gefunden. »Pyramide 9« machte auf mich einen besonders traurigen Eindruck. Es sieht so aus, als habe man ihr mit einem riesigen Messer eine klaffende Wunder zugefügt. Hier waren Grabräuber, keine Archäologen, am Werk. Zu ihrer großen Enttäuschung stießen sie aber nur auf massives Mauerwerk. Und das diente nicht als Schutz für Preziosen aus Inkazeiten, sondern als inneres »Skelett«, das dem künstlichen »Berg« Halt verleihen sollte.

Zu welchem Zweck wurden die Pyramiden von Cochasquí gebaut? Archäologie war oft  von Doktrinen bestimmt. So galten die Pyramiden Ägyptens als Grabanlagen, die von Mexiko als Plattformen für Tempel. Es zeigte sich allerdings, dass eine Stufenpyramide einen Tempel tragen und eine Gruft enthalten kann (bekanntes Beispiel: »Tempel der Inschriften«, Palenque, Mexiko).


 »Tempel der Inschriften«, Palenque, Foto W-J.Langbein
  



Die Pyramiden von Cochasquí erinnern am ehesten an die Bauten von Mexiko. Sie sind oben flach. Als Grabanlagen dienten sie offenbar nie. Runde Grabbauten gab es separat von den Pyramiden. Zum Teil führten eins recht lange Rampen nach oben auf die abgeplatteten Pyramiden. Die längste Rampe dürfte fast 300 Meter gemessen haben. Ein derart langer Weg auf eher niedrige Pyramiden macht keinen praktischen Sinn.

Mich erinnert diese Bauweise an Observatorien im Alten Indien. Dort beobachteten und studierten Priester-Astronomen die Planeten unseres Sonnensystems, aber auch ferne Sterne. Trotz der Verwüstung der Pyramiden von Cochasquí konnte inzwischen bewiesen werden, dass zumindest einige der mysteriösen Bauwerke ganz eindeutig astronomische Bedeutung hatten. Es wurden von den Pyramidenbauern astronomische Beobachtungen durchgeführt, laut Lehrmeinung auch um einen möglichst präzisen Kalender erstellen zu können. Die langen Rampen waren offenbar erforderlich, um unter einem bestimmten Winkel zu bestimmten Zeiten Planeten und Sterne anzupeilen.

Cochasquí muss ein ganz besonderer Ort gewesen sein. Wer heute zu Fuß das weiträumige Areal ergründet, erahnt, wie riesig es einst gewesen sein muss ... Und wie eindrucksvoll! Wie viele Pyramiden mögen im Verlauf der Jahrhunderte ganz abgetragen worden sein? Manche der noch erhaltenen Pyramiden sind nur mit einiger Mühe als künstliche Bauwerke zu erkennen.


Eine der gut erhaltenen Pyramiden von Cochasqui. 
Foto Walter-Jörg Langbein


Unzählige Pyramiden mit langen schmalen Rampen waren auf dem rund 100 Hektar großen Gebiet verteilt. Wie viele Pyramiden mögen im Verlauf der Jahrhunderte ganz abgetragen worden sein? Manche der noch erhaltenen Pyramiden sind nur mit einiger Mühe als künstliche Bauwerke zu erkennen.

Einigkeit herrscht weitestgehend: Einst widmeten sich die Wissenschaftler von Cochasqui der Astronomie. Von den Pyramidenplattformen starrten sie in den Himmel, peilten Gestirne und Planeten an. Wie? Sie müssen eigentlich schon über  Hilfsmittel zur Anpeilung von Planeten und Sternen gehabt haben, vielleicht gar Fernrohre! Unwillkürlich muss ich an die Steingravuren aus dem Museum von Prof. Dr. Javier Cabrera denken. Nach Prof. Dr. Cabrera stammen diese Darstellungen aus der Vorinkazeit. Offiziell gelten sie aber als Fälschungen.

»Sterngucker«, Sammlung Cabrera,
Foto Walter-Jörg Langbein

Aber wo lebten die Menschen von Cochasquí, die Gelehrten, die Geistlichen, die Arbeiter? Von ihren Quartieren wurde bislang keine Spur gefunden. Nach Carl Niemann, Dresden, gab es schon vor Jahrtausenden in Südamerika eine ausgesprochen hoch entwickelte Astronomie. Diese Gelehrten peilten nicht nur – zum Beispiel – die Plejaden an, sondern auch die dunklen Zonen unserer Milchstraße. Auch die ältesten Grundmauern von Cusco sind, so Carl Niemann, astronomisch ausgerichtet. Warum? Vermutlich spielten die Sterne eine bedeutende Rolle, bei den Inkas, aber auch schon bei deren Vorfahren.

Mysteriöser Pyramiden-Schacht (li),  
Massives Mauerwerk in einer der Pyramiden (re) 
Fotos: Ingeborg Diekmann



Aus Kostengründen wurde erst ein kleiner Teil der Pyramiden von Cochasquí wirklich archäologisch untersucht. Massives Mauerwerk wurde in einer der Pyramiden freigelegt. Ein massiver Schacht wurde gegraben ... von Grabräubern? Von Archäologen? Oder stammt er gar von den Erbauern der Pyramiden? Viele Fragen sind bis heute unbeantwortet geblieben ...

Auch in Ecuador habe ich vor Ort immer wieder festgestellt, dass alte Glaubensvorstellungen aus Zeiten lange vor der »Christianisierung« nur offiziell in Vergessenheit geraten sind. Tatsächlich  werden aber auch heute noch neben Jesus und seiner Mutter Maria, der Himmelskönigin, alte Gottheiten wie Pacha Mama und Pacha Papa verehrt und angebetet. Die Priester vor Ort haben es in der Regel längst aufgegeben, gegen vermeintlich »heidnisches« Brauchtum anzukämpfen. Sie dulden die Verehrung der alten Muttergöttin, solange die Anhänger auch getauft sind. Dann werden Kerzen für Maria und für Pacha Mama angezündet.

Jesus von Cochasqui.
Foto Ingeborg Diekmann
Mein Informant, ein katholischer Geistlicher: »Es wird wohl noch Jahrhunderte dauern, bis der alte Glauben vergessen sein wird, bis sich der Katholizismus wirklich durchsetzen wird. Ich freue mich schon, wenn heidnischen Kulten etwas versteckt und heimlich gefrönt, dem Katholizismus öffentlich gehuldigt wird. Mir ist klar, dass für die Menschen hier kein Widerspruch besteht zwischen alten und neuen Riten. Manchmal werde ich sogar zu heimlichen Kulthandlungen eingeladen. Das sehe ich als großen Vertrauensbeweis an!«

In Rom, so versicherte mir der Priester, interessiert das niemanden. Da zählt nur die Zahl in der Statistik. Man will möglichst viele Gläubige der eigenen Konfession vorweisen können, sprich Katholiken. Dass so mancher Nachkomme der Inkas kein echter Katholik ist, sondern auch noch an alte Göttinnen und Götter glaubt, erfährt dort niemand, zumindest nicht offiziell.




Die Wunde in der Pyramide ... 
Foto Walter-Jörg Langbein
 Fußnoten
1) Evangelium nach Markus Kapitel 19,
Vers 19
2) 1. Petrus Brief Kapitel 3, Vers 22
3) Siehe hierzu Prem, Hanns J.:
»Geschichte Altamerikas«, Oldenbourg
Wissenschaftsverlag 2007,
besonders Kapitel 8!







216. Maria-Mama, Pacha-Mama
Teil 216 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 09.03.2014


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Sonntag, 23. Februar 2014

214 »Vögel, Mythen, Fabelwesen«

Teil 214 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein



Ein Mensch reitet einen fliegenden Drachen.
Sammlung Prof. Dr. Javier Cabrera.
Foto Walter-Jörg Langbein

Anno 1912 erschien der fantastische Roman »The Lost World« (»Die vergessene Welt«) von Sir Arthur Conan Doyle. Auf einem mysteriösen Plateau in Südamerika haben Kolonien von Sauriern überlebt. Herrliche Fantasie...

In Prof. Dr. Javier Cabreras damals noch geheimer Sammlung fantastischer Statuetten sah ich in den frühen 1990ern angeblich uralte Statuetten von allen möglichen Arten von Sauriern. Manche dieser Figürchen tragen Reiter. Auch auf Flugsauriern hocken in Prof. Cabreras Museum Menschen, die die riesigen Tiere durch die Lüfte steuern. Fantastische Märchen für die Kinoleinwand... und (bei Cabrera) geschickt gefälschte Fantasieprodukte?

Anno 1945 entdeckte der deutsche Einwanderer Waldemar Julsrud bei Ausgrabungen am Fuße des »El Toro«-Berges, Acambaro, Mexiko, Tonfigürchen u.a. von Sauriern. Nachdem die wissenschaftliche Lehrmeinung »Mensch und Saurier« als unanzweifelbares Evangelium gilt, durften Cabrera- und Julsrud-Saurier nur Fälschungen sein, Fantasiegebilde wie Sir Arthur Conan Doyles Roman »The Lost World« und Camerons »Avatar«. Indes, allen Widerständen zum Trotz, erwiesen sich die fantastischen Objekte aus der Julsrud-Sammlung als echt, Jahrtausende alt.


Acambaro collection DEGUFO Archiv Sammlung Krump

33 000 Objekte umfasst die Julsrud-Sammlung, die wie durch ein Wunder Jahrzehnte in einer Scheune überlebte, obwohl sie angeblich nur aus wertlosem Plunder bestand. Niemand weiß, wie viele Artefakte heimlich verkauft wurden. Unklar ist nach wie vor, wie Menschen vor Jahrtausenden naturgetreue Saurier modellieren konnten, so als hätten sie die Riesen der Urzeit leibhaftig gesehen, wie auf Sir Arthur Conan fiktivem Plateau irgendwo in Südamerika.

Cabreras Figürchen und Julsrud Statuetten erinnern an die Drachen der Mythen... und stellen realistisch Saurier dar, die längst ausgestorben sein sollen, bevor der Mensch die Bühne des Lebens betrat. Ich habe wiederholt Cabreras Sammlungen besucht. In seinem lange Zeit der Öffentlichkeit nicht zugänglichen »geheimen Sammlung« fühlte ich mich in die Welt der Sagen versetzt, als Siegfried den Drachen des Nibelungenliedes tötete... Wie bewerten wir derlei Sagengestalten? Etwa als Ausgeburten der menschlichen Fantasie? Machen wir einen Unterschied zwischen Siegfried und dem Heiligen Georg, der auch Drachen metzelte?

Georg tötet einen Drachen. Darstellung in der kleinen Wehrkirche
von Urschalling am Chiemsee. Foto Walter-Jörg Langbein

Wie können Künstler vor Jahrtausenden, ich wiederhole mich, die Julsrud-Saurier so naturgetreu dargestellt haben? Woher bezogen christliche Künstler ihre Anregung, als sie Saurier als Drachen in frommen Kontext stellten?

Warum findet sich auf einer Fahne, die Jesus in der Kirche von Marienmünster trägt, ein Saurier?  Welche Vorlage stand dem unbekannten Maler zur Verfügung, der vor vielen Jahrhunderten in der Wehrkirche von Urschalling am Chiemsee den Heiligen Georg beim Töten eines Drachen-Sauriers zeigt? Drachen-Saurier in christlicher Kunst sind in der Regel recht klein, vielleicht etwa so groß wie ein Schäferhund.

Der Drache auf der Fahne Jesu. Marienmüsnter.
Foto W-J. Langbein

»Das Fantasieprodukte!«, bekomme ich oft zu hören, wenn ich nach der Bedeutung von fantastisch anmutenden Darstellungen frage. Diese Antwort aber zieht eine wichtige Frage nach sich: Wie ist es möglich, dass in der Fantasie des Menschen weltweit Bilder von Sauriern schlummern, und das schon seit Jahrtausenden?

Fakt ist: Drei wissenschaftliche Institute aus Nordamerika (1) haben Julsrud-Objekte getestet. Unabhängig voneinander kamen alle drei zu Ergebnissen, die nur einen Schluss zulassen: Die datierten Artefakte sind keine Fälschungen! Untersuchung wurden durchgeführt:

  • vom »Teledyne Isotopes Laboratories«, Westwood, New Jersey
  • vom »Museum Applied Science Center for Archaeology« der »University of Pennsylvania« und
  • von den »Geochron Laboratories«, Massachusetts.
Wieder muss ich fragen: Wenn vor einigen Jahrtausenden in Zentralamerika Saurier richtig dargestellt wurden, woher stammte das Wissen? Die Schöpfer der Julsrud-Plastiken können damals keine Saurier gesehen haben. Selbst wenn sie Skelette von Sauriern gekannt haben sollten, konnten sie nicht die so korrekten Darstellungen der Urechsen rekonstruieren! Sollte es so etwas wie eine Ur-Erinnerung geben, die in uns schlummert, vererbt vor unseren Vorfahren, die leibhaftige Saurier gesehen haben?

Der mysteriöse »Vogel auf der Stange« von Tanna.
Foto Walter-Jörg Langbein

Der »Vogel auf der Stange« beim
feierlichen Hissen der Flaggen.
Foto Walter-Jörg Langbein
Auf meinen Reisen zu den mysteriösesten Orten unseres Globus begegneten mir immer wieder Hinweise auf geheimnisvolle Fabelwesen. Auf Tanna in der Südsee nahm ich an der großen Jahresfeier des John Frum Kults teil. Kaum beachtet von der Wissenschaft fristet ein künstlicher Vogel sei Dasein. Gewöhnlich wird er am zentralen Punkt der Feierlichkeiten auf einer langen Stange präsentiert. Wo ehrfürchtig Fahnen gehisst werden, dort ist auf Tanna auch dieser »Vogel« präsent, wenn es denn wirklich ein gefiederter Vogel sein sollte!

Angeblich hauste das furchteinflößende Tier in unterirdischen Höhlen und kam nur selten ans Tageslicht. Der als Kultmodell so harmlos aussehende Vogel war laut Überlieferung ein wirklich kurioses Fabelwesen, das eher an eine künstliche Maschine als an ein lebendes Wesen erinnert!

Von der Südsee ins Reich der Inkas: Die Inka-Herrscher, so heißt es, besaßen einen heiligen Gegenstand, der in einer besonderen Truhe aufbewahrt wurde. Einst, so heißt es, brachte Manco Cápac den mysteriösen Kultgegenstand von einer  Reise mit ... in einer Kiste. Die wurde von Inka zu Inka weitervererbt, durfte aber nicht geöffnet werden. Erst der fünfte Inka hätte das Recht gehabt, das Kultobjekt, genannt Inti, aus seinem Behältnis zu holen.  Mayta Cápac, der vierte Herrscher des Königreiches Cusco, befreite das Ding. Es soll wie ein Vogel ausgesehen haben. Der »Anti-Vogel« begann der Überlieferung nach sofort zu sprechen und gab Ratschläge, etwa in Sachen Kriegsführung. Solcher Ratschläge konnte Mayta Cápac auch gut gebrauchen, kam es zu seiner Regierungszeit doch immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen um die Stadt Cusco.

Im »Phallus-Tempel« von Chucuito, Peru, gibt es seltsame Darstellungen in Stein, die - so wurde mir vor Ort mitgeteilt - den mythisch-legendären Iti-Vogel zeigen sollen. Oder wollte der Künstler so etwas wie einen Vogel-Menschen abbilden?

Der Iti-Vogel von Chucuito, Peru?
Oder doch ein Vogel-Mensch-Mischwesen?
Fotos Walter-Jörg Langbein

Wie viel Wahrheit mag in Mythen vom Höhlenvogel (Tanna) und vom »Vogel« Inti stecken? Inti-Vogel erinnert mich an den namenlosen Maschinen-Vogel der Südseeinsel Tanna ...

Mysteriöse, manchmal monströse Fabelwesen gibt es nicht nur in fremden Ländern, sie wurden auch »vor der Haustür« verewigt, wo man sie nun ganz und gar nicht vermutet ... zum Beispiel am Ulmer Münster, anno 1377 begonnen. In luftiger Höhe wurden Traufrinnen angebracht. Damit das auf dem Dach gesammelte Wasser nicht ins Mauerwerk eindringen kann, wurden Gargouillen angebracht, Wasserspeier die das fürs Mauerwerk gefährliche Nass möglichst weit weg vom Gebäude gespuckt wird.

Mischwesen aus Fisch und Schlange
am Münster zu Ulm.
Foto Walter-Jörg Langbein
Am Ulmer Münster entdeckte ich Gargouillen, die wirklich monströs sind... als seien sie einem Albtraum entwichen. Da gibt es – zum Beispiel- Mischwesen aus  Fisch und Schlange (2). Ein mächtiges Fischhaupt sitzt auf einem ganz und gar nicht passenden gewundenen und geschlungenen Schlangenleib. Andere Wasserspeier am gleichen Gotteshaus sind in vorbildlicher Weise realistisch und naturnah dargestellt. Wer also die Fisch-Schlangen-Monstrositäten anfertigte, war sehr wohl dazu in der Lage völlig naturgetreu zum Beispiel Rinder und Kühe darzustellen...

Naturgetreue Darstellung von realen Tieren am Münster zu Ulm.
Foto Walter-Jörg Langbein

Die Burg Eltz, eine Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert im Tal der Elz, zwischen Maifeld und Vordereifel gelegen, hat einen »Lindwurm« als Wasserspeier zu bieten. An der Fassade von St. Jacobi, Göttingen, wimmelt es von Dämonen in unterschiedlichsten Varianten! Es sollen Dämonen sein, die die Gestalt von Drachen-, Wolfs-, Affen- oder Löwenwesen angenommen haben. Manche von ihnen haben Flügel, manche sind teuflisch gehörnt. Drachen-, Wolfs-, Affen-, oder Löwengestalt mit Flügeln, teilweise auch mit Hörnern zu sehen. Im Mittelalter war der Glaube an solche Wesen weit verbreitet. Sie sausten angeblich durch die Lüfte, stets den Menschen feindselig gesonnen!

»Der Kölner Dom«, so lese ich in einer Buchvorstellung (4), »verfügt über Wasserspeier vom 13. bis zum 21. Jahrhundert. Dämonenabwehr und Ereignisse aus der Stadtgeschichte spiegeln sich in den Wasserspeiern wieder, die am Kirchbau zur fließenden Grenze zwischen Heidentum und christlichem Gauben werden.«
Von der christlichen Kirche wurden die oft so gar nicht christlichen Wasserspeier in der Tat nicht erfunden. Sie waren schon in der Antike bekannt und zierten dort Tempeldächer (3).


Fußnoten

1) Bürgin, Luc: »Lexikon der verbotenen Archäologie: Mysteriöse Funde von A bis Z«, Rottenburg
2009, S. 22
2) Bergander, Birgit : »Wasserspeier am Ulmer Münster«, Laupheim 2004
3) Schymiczek, Regina E. G.: »Über deine Mauern, Jerusalem, habe ich Wächter bestellt/ Zur Entwicklung der Wasserspeierformen am Kölner Dom«, »Europäische
Hochschulschriften«, Reihe 28, Kunstgeschichte, Frankfurt am Main, Berlin u.a., 2004
4) Sehr empfehlenswert: Siehe 3!


215. Jesus, Atahualpa und die Pyramiden von Cochasqui
Teil 215 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 02.03.2014


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