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Sonntag, 23. Februar 2014

214 »Vögel, Mythen, Fabelwesen«

Teil 214 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein



Ein Mensch reitet einen fliegenden Drachen.
Sammlung Prof. Dr. Javier Cabrera.
Foto Walter-Jörg Langbein

Anno 1912 erschien der fantastische Roman »The Lost World« (»Die vergessene Welt«) von Sir Arthur Conan Doyle. Auf einem mysteriösen Plateau in Südamerika haben Kolonien von Sauriern überlebt. Herrliche Fantasie...

In Prof. Dr. Javier Cabreras damals noch geheimer Sammlung fantastischer Statuetten sah ich in den frühen 1990ern angeblich uralte Statuetten von allen möglichen Arten von Sauriern. Manche dieser Figürchen tragen Reiter. Auch auf Flugsauriern hocken in Prof. Cabreras Museum Menschen, die die riesigen Tiere durch die Lüfte steuern. Fantastische Märchen für die Kinoleinwand... und (bei Cabrera) geschickt gefälschte Fantasieprodukte?

Anno 1945 entdeckte der deutsche Einwanderer Waldemar Julsrud bei Ausgrabungen am Fuße des »El Toro«-Berges, Acambaro, Mexiko, Tonfigürchen u.a. von Sauriern. Nachdem die wissenschaftliche Lehrmeinung »Mensch und Saurier« als unanzweifelbares Evangelium gilt, durften Cabrera- und Julsrud-Saurier nur Fälschungen sein, Fantasiegebilde wie Sir Arthur Conan Doyles Roman »The Lost World« und Camerons »Avatar«. Indes, allen Widerständen zum Trotz, erwiesen sich die fantastischen Objekte aus der Julsrud-Sammlung als echt, Jahrtausende alt.


Acambaro collection DEGUFO Archiv Sammlung Krump

33 000 Objekte umfasst die Julsrud-Sammlung, die wie durch ein Wunder Jahrzehnte in einer Scheune überlebte, obwohl sie angeblich nur aus wertlosem Plunder bestand. Niemand weiß, wie viele Artefakte heimlich verkauft wurden. Unklar ist nach wie vor, wie Menschen vor Jahrtausenden naturgetreue Saurier modellieren konnten, so als hätten sie die Riesen der Urzeit leibhaftig gesehen, wie auf Sir Arthur Conan fiktivem Plateau irgendwo in Südamerika.

Cabreras Figürchen und Julsrud Statuetten erinnern an die Drachen der Mythen... und stellen realistisch Saurier dar, die längst ausgestorben sein sollen, bevor der Mensch die Bühne des Lebens betrat. Ich habe wiederholt Cabreras Sammlungen besucht. In seinem lange Zeit der Öffentlichkeit nicht zugänglichen »geheimen Sammlung« fühlte ich mich in die Welt der Sagen versetzt, als Siegfried den Drachen des Nibelungenliedes tötete... Wie bewerten wir derlei Sagengestalten? Etwa als Ausgeburten der menschlichen Fantasie? Machen wir einen Unterschied zwischen Siegfried und dem Heiligen Georg, der auch Drachen metzelte?

Georg tötet einen Drachen. Darstellung in der kleinen Wehrkirche
von Urschalling am Chiemsee. Foto Walter-Jörg Langbein

Wie können Künstler vor Jahrtausenden, ich wiederhole mich, die Julsrud-Saurier so naturgetreu dargestellt haben? Woher bezogen christliche Künstler ihre Anregung, als sie Saurier als Drachen in frommen Kontext stellten?

Warum findet sich auf einer Fahne, die Jesus in der Kirche von Marienmünster trägt, ein Saurier?  Welche Vorlage stand dem unbekannten Maler zur Verfügung, der vor vielen Jahrhunderten in der Wehrkirche von Urschalling am Chiemsee den Heiligen Georg beim Töten eines Drachen-Sauriers zeigt? Drachen-Saurier in christlicher Kunst sind in der Regel recht klein, vielleicht etwa so groß wie ein Schäferhund.

Der Drache auf der Fahne Jesu. Marienmüsnter.
Foto W-J. Langbein

»Das Fantasieprodukte!«, bekomme ich oft zu hören, wenn ich nach der Bedeutung von fantastisch anmutenden Darstellungen frage. Diese Antwort aber zieht eine wichtige Frage nach sich: Wie ist es möglich, dass in der Fantasie des Menschen weltweit Bilder von Sauriern schlummern, und das schon seit Jahrtausenden?

Fakt ist: Drei wissenschaftliche Institute aus Nordamerika (1) haben Julsrud-Objekte getestet. Unabhängig voneinander kamen alle drei zu Ergebnissen, die nur einen Schluss zulassen: Die datierten Artefakte sind keine Fälschungen! Untersuchung wurden durchgeführt:

  • vom »Teledyne Isotopes Laboratories«, Westwood, New Jersey
  • vom »Museum Applied Science Center for Archaeology« der »University of Pennsylvania« und
  • von den »Geochron Laboratories«, Massachusetts.
Wieder muss ich fragen: Wenn vor einigen Jahrtausenden in Zentralamerika Saurier richtig dargestellt wurden, woher stammte das Wissen? Die Schöpfer der Julsrud-Plastiken können damals keine Saurier gesehen haben. Selbst wenn sie Skelette von Sauriern gekannt haben sollten, konnten sie nicht die so korrekten Darstellungen der Urechsen rekonstruieren! Sollte es so etwas wie eine Ur-Erinnerung geben, die in uns schlummert, vererbt vor unseren Vorfahren, die leibhaftige Saurier gesehen haben?

Der mysteriöse »Vogel auf der Stange« von Tanna.
Foto Walter-Jörg Langbein

Der »Vogel auf der Stange« beim
feierlichen Hissen der Flaggen.
Foto Walter-Jörg Langbein
Auf meinen Reisen zu den mysteriösesten Orten unseres Globus begegneten mir immer wieder Hinweise auf geheimnisvolle Fabelwesen. Auf Tanna in der Südsee nahm ich an der großen Jahresfeier des John Frum Kults teil. Kaum beachtet von der Wissenschaft fristet ein künstlicher Vogel sei Dasein. Gewöhnlich wird er am zentralen Punkt der Feierlichkeiten auf einer langen Stange präsentiert. Wo ehrfürchtig Fahnen gehisst werden, dort ist auf Tanna auch dieser »Vogel« präsent, wenn es denn wirklich ein gefiederter Vogel sein sollte!

Angeblich hauste das furchteinflößende Tier in unterirdischen Höhlen und kam nur selten ans Tageslicht. Der als Kultmodell so harmlos aussehende Vogel war laut Überlieferung ein wirklich kurioses Fabelwesen, das eher an eine künstliche Maschine als an ein lebendes Wesen erinnert!

Von der Südsee ins Reich der Inkas: Die Inka-Herrscher, so heißt es, besaßen einen heiligen Gegenstand, der in einer besonderen Truhe aufbewahrt wurde. Einst, so heißt es, brachte Manco Cápac den mysteriösen Kultgegenstand von einer  Reise mit ... in einer Kiste. Die wurde von Inka zu Inka weitervererbt, durfte aber nicht geöffnet werden. Erst der fünfte Inka hätte das Recht gehabt, das Kultobjekt, genannt Inti, aus seinem Behältnis zu holen.  Mayta Cápac, der vierte Herrscher des Königreiches Cusco, befreite das Ding. Es soll wie ein Vogel ausgesehen haben. Der »Anti-Vogel« begann der Überlieferung nach sofort zu sprechen und gab Ratschläge, etwa in Sachen Kriegsführung. Solcher Ratschläge konnte Mayta Cápac auch gut gebrauchen, kam es zu seiner Regierungszeit doch immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen um die Stadt Cusco.

Im »Phallus-Tempel« von Chucuito, Peru, gibt es seltsame Darstellungen in Stein, die - so wurde mir vor Ort mitgeteilt - den mythisch-legendären Iti-Vogel zeigen sollen. Oder wollte der Künstler so etwas wie einen Vogel-Menschen abbilden?

Der Iti-Vogel von Chucuito, Peru?
Oder doch ein Vogel-Mensch-Mischwesen?
Fotos Walter-Jörg Langbein

Wie viel Wahrheit mag in Mythen vom Höhlenvogel (Tanna) und vom »Vogel« Inti stecken? Inti-Vogel erinnert mich an den namenlosen Maschinen-Vogel der Südseeinsel Tanna ...

Mysteriöse, manchmal monströse Fabelwesen gibt es nicht nur in fremden Ländern, sie wurden auch »vor der Haustür« verewigt, wo man sie nun ganz und gar nicht vermutet ... zum Beispiel am Ulmer Münster, anno 1377 begonnen. In luftiger Höhe wurden Traufrinnen angebracht. Damit das auf dem Dach gesammelte Wasser nicht ins Mauerwerk eindringen kann, wurden Gargouillen angebracht, Wasserspeier die das fürs Mauerwerk gefährliche Nass möglichst weit weg vom Gebäude gespuckt wird.

Mischwesen aus Fisch und Schlange
am Münster zu Ulm.
Foto Walter-Jörg Langbein
Am Ulmer Münster entdeckte ich Gargouillen, die wirklich monströs sind... als seien sie einem Albtraum entwichen. Da gibt es – zum Beispiel- Mischwesen aus  Fisch und Schlange (2). Ein mächtiges Fischhaupt sitzt auf einem ganz und gar nicht passenden gewundenen und geschlungenen Schlangenleib. Andere Wasserspeier am gleichen Gotteshaus sind in vorbildlicher Weise realistisch und naturnah dargestellt. Wer also die Fisch-Schlangen-Monstrositäten anfertigte, war sehr wohl dazu in der Lage völlig naturgetreu zum Beispiel Rinder und Kühe darzustellen...

Naturgetreue Darstellung von realen Tieren am Münster zu Ulm.
Foto Walter-Jörg Langbein

Die Burg Eltz, eine Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert im Tal der Elz, zwischen Maifeld und Vordereifel gelegen, hat einen »Lindwurm« als Wasserspeier zu bieten. An der Fassade von St. Jacobi, Göttingen, wimmelt es von Dämonen in unterschiedlichsten Varianten! Es sollen Dämonen sein, die die Gestalt von Drachen-, Wolfs-, Affen- oder Löwenwesen angenommen haben. Manche von ihnen haben Flügel, manche sind teuflisch gehörnt. Drachen-, Wolfs-, Affen-, oder Löwengestalt mit Flügeln, teilweise auch mit Hörnern zu sehen. Im Mittelalter war der Glaube an solche Wesen weit verbreitet. Sie sausten angeblich durch die Lüfte, stets den Menschen feindselig gesonnen!

»Der Kölner Dom«, so lese ich in einer Buchvorstellung (4), »verfügt über Wasserspeier vom 13. bis zum 21. Jahrhundert. Dämonenabwehr und Ereignisse aus der Stadtgeschichte spiegeln sich in den Wasserspeiern wieder, die am Kirchbau zur fließenden Grenze zwischen Heidentum und christlichem Gauben werden.«
Von der christlichen Kirche wurden die oft so gar nicht christlichen Wasserspeier in der Tat nicht erfunden. Sie waren schon in der Antike bekannt und zierten dort Tempeldächer (3).


Fußnoten

1) Bürgin, Luc: »Lexikon der verbotenen Archäologie: Mysteriöse Funde von A bis Z«, Rottenburg
2009, S. 22
2) Bergander, Birgit : »Wasserspeier am Ulmer Münster«, Laupheim 2004
3) Schymiczek, Regina E. G.: »Über deine Mauern, Jerusalem, habe ich Wächter bestellt/ Zur Entwicklung der Wasserspeierformen am Kölner Dom«, »Europäische
Hochschulschriften«, Reihe 28, Kunstgeschichte, Frankfurt am Main, Berlin u.a., 2004
4) Sehr empfehlenswert: Siehe 3!


215. Jesus, Atahualpa und die Pyramiden von Cochasqui
Teil 215 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 02.03.2014


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Sonntag, 11. April 2010

13 »Das Horrorkabinett des Dr. Cabrera«

Teil 13 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Eines der geheimnisvollsten Museen unseres Planeten habe ich in Ica, Peru, besucht. Es ist das »Museo de Piedras Grabadas de Ica« (»Museum der gravierten Steine von Ica«). Gegründet hat es Professor Dr. Javier Cabrera Darquea (1924-2001). Das Museum bietet zwei archäologische Sammlungen. Eine davon wurde jahrelang geheim gehalten. Beide dürfte es eigentlich gar nicht geben: Sie sind viel zu fantastisch. Aber die Wirklichkeit mutet manchmal sehr viel unrealistischer an als die unwahrscheinlichste Fiktion.

Cornelia Petratu und Bernard Roidinger schreiben im Nachwort zu ihrem Werk »Die Steine von Ica« (S. 263/264) : »Pünktlich, frisch und voller Tatendrang erwartete uns Dr. Cabrera in seinem Museum.... Nichts unter seiner Regie hätte uns noch überraschen können. An diesem letzten Tag aber vollendete er seine Inszenierung.... Und so enthüllte uns Dr. Cabrera die versperrten Räume eines Hauses, das er seine ›geheimen Kammern‹ nannte. Hatte schon das Betreten des Privatmuseums von Dr. Cabrera wie ein Schock auf uns gewirkt, so übertraf das, was wie jetzt zu sehen bekamen, jegliche Vorstellungskraft. Was Dr. Cabreras ›geheime Kammern‹ bergen, ist so erschütternd, dass es alle Grenzen rationaler Vorstellungskraft sprengt. Auch wenn wir es zu erklären versuchen, wir können es nicht. Es übersteigt ganz einfach unsere Vorstellungskraft.«

Was haben Cornelia Petratu und Bernard Roidinger gesehen, aber nicht näher beschreiben dürfen? Was wurde ihnen gezeigt, was sie im Bilde nicht publik machen durften? Oder: Was haben sie gesehen, was sie nicht in ihr Buch aufzunehmen wagten?

Bereits Ende der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts hatte ich von den mysteriösen Objekten im Privatmuseum von Professor Dr. Javier Cabrera Darquea gehört. Von einem öffentlichen und von einem geheimen Teil einer mysteriösen archäologischen Sammlung war die Rede. Wirkliche Informationen waren aber nicht zu finden. Statements von Wissenschaftlern standen nicht zur Verfügung. Was hatte es sich mit Prof. Cabrera und Funden, die es angeblich eigentlich nicht geben dürfte, auf sich?

Im Herbst 1992 habe ich erstmals versucht, die mysteriösen Artefakte der Sammlung Dr. Cabreras anzusehen und zu fotografieren. Damals bereiste ich zusammen mit drei Freunden zwei Monate lang Südamerika von Ecuador bis zur Osterinsel. Als wir in Ica beim Privatmuseum Dr. Cabreras vorsprachen, da erlebten wir eine herbe Enttäuschung. Zunächst fand sich niemand, den wir hätten befragen können. Das Museum war geschlossen. Auf unser Klingeln reagierte niemand. Schließlich erfuhren wir: Dr. Cabrera war auf Reisen – in Europa. Welche Ironie: Da machten sich vier Europäer nach Ica in Peru auf den Weg, um Prof. Cabrera zu sprechen und Prof. Dr. Cabrera war gleichzeitig in Europa unterwegs.

Ich hatte aber schließlich Gelegenheit, mit einem Bruder von Prof. Cabrera ausführlich zu sprechen. Er bestätigte mir unumwunden die Existenz einer zweiten, geheimen Sammlung, die er mir aber leider nicht ohne die ausdrückliche Genehmigung seines Bruders zeigen dürfe. Und der war nicht zu erreichen.

Jahre später war es dann soweit... Langsam gewöhnten sich meine Augen an das diffuse Licht. Die Luft war staubgeschwängert. Vor mir erstreckte sich ein schmaler Korridor, dessen Ende ich nur zu erahnen vermochte. Rechts und links reichten Regale übermannshoch vom Boden bis zur Decke. Hunderte, ja Tausende von Tonfiguren lagen dicht gedrängt in mehreren Reihen hintereinander. Offenbar waren nachträglich immer wieder neue Bretter eingezogen worden, um immer mehr Fundstücken der mysteriösen Raum Platz zu bieten. Die gewaltige Sammlung wurde nach und nach immer wieder ergänzt.


Einige nackte Glühbirnen hängen an Drähten von der Decke. Ihr fahler Schein taucht das ganze Szenario in ein unheimliches Licht. Die Luft ist trocken und reizt zum Husten. Ich schreite langsam die Regale ab. Der Lichtkegel meiner starken Taschenlampe gleitet über die Figuren in den Regalen. Meist bilden je zwei menschenähnliche Wesen ein kleines erschreckendes Ensemble: Eine Gestalt liegt auf einer Art Tisch. Eine zweite steht daneben und »behandelt« die liegende Gestalt. Eine in Variationen häufig auftretende Gruppierung: Die stehende schneidet an der liegenden Person herum. In einigen Fällen hat der »Operateur« bereits mit einem Messer des »Patienten« geöffnet.

Die dargestellten Szenen variieren... und ähneln einander doch sehr. Ich fühle mich in ein steinernes Figurenkabinett á la Madame Tussaud versetzt... in die Gruselabteilung. Die Wesen aus grauem Ton sind – anders als in den Wachsmuseen Madame Tussauds – nicht menschengroß, sondern sehr viel kleiner. Bis zu dreißig Zentimeter sind sie hoch, habe ich nachgemessen. Verewigt wurden aber nicht – wie bei Madame Tussaud – prominente Individuen, sondern maskenhaft wirkende Gestalten. Ein ganzes Heer von seltsam uniform wirkenden Akteuren geht da einer blutigen Beschäftigung nach. Hundertfach, ja tausendfach wird da operiert oder seziert. Die Gestalten mit den Messern erinnern weniger an mitfühlende Ärzte, die Kranken zu helfen versuchen. Sie wirken mehr wie gefühlskalte Wissenschaftler, die menschliche Wesen als Versuchskaninchen missbrauchen und aus Forscherdrang öffnen und zerstückeln. Sind es überhaupt Menschen? Ihre Gesichtszüge wirken seltsam fremdartig.

Hunderte, ja Tausende von diesen Wesen habe ich in Prof. Cabreras geheimem Korridor gesehen. Sie standen dicht an dicht gedrängt. Eigentlich hätte ich einige Wochen lang Stück für Stück fotografieren müssen. In verstaubten Kartons entdeckte ich stark beschädigte Figürchen und nicht näher zu identifizierende Bruchstücke. Prof. Dr. Cabrfera: »Ich kann nur einen kleinen Teil der gut erhaltenen Figürchen ausstellen. Die Bruchstücke zusammenzufügen... dazu fehlt mir die Zeit!«

Immer wieder hat mir der Wissenschaftler versichert: In einer Höhle lagern Zigtausende solcher Figuren. Aus Platzmangel könne er in der geheimen Abteilung seines Museums nur einen kleinen Bruchteil seiner Figuren präsentieren. Nach Schätzungen von Professor Dr. Javier Cabrera Darquea haben die Einheimischen etwa 50.000 archäologische Objekte ausgraben. Er selbst, und auch das beteuerte er mir immer wieder, will in einem »unterirdischen Tunnel« schätzungsweise 100 000 der mysteriösen Objekte gesehen haben. »Um diese Schätze der Nachwelt dauerhaft erhalten zu können, ist ein großes Museum erforderlich. Die kostbaren Artefakte müssen fachgerecht geborgen, gesäubert, katalogisiert und unter idealen Bedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit) ausgestellt werden.«

Professor Dr. Javier Cabrera Darquea (1924-2001) ist weltweit für seine ungewöhnliche archäologische Sammlung bekannt. Robert Charrox berichtete bereits 1974 in seinem Buch »L’enigme des Andes« über das Museum von Prof. Cabrera. Die deutsche Übersetzung erschien 1974 unter dem Titel »Das Rätsel der Anden«: Es gibt keinen Hinweis auf die eigentliche Sensation... auf das Horrorkabinet des Dr. Cabrera. Dr. Cabrera versicherte mir: »Die Zeit war noch nicht reif!« Ob sich die Wissenschaft jemals mit den archäologischen Objekten aus der Sammlung Cabreras auseinandersetzen wird. Wird sie es tun? »Sie muss es!« meinte Prof. Cabrera immer wieder. Ich habe da meine Zweifel. Nach Cabrera sind die Artefakte seines Museums »viele Jahrtausende alt«. Sollten sie echt sein, müsste die Geschichte der Menschheit in Teilen komplett umgeschrieben werden. Denn bislang sind Ärzte, die vor Jahrtausenden im »alten Peru« chirurgische Eingriffe vornehmen konnten.... in den Annalen der menschlichen Historie nicht vorgesehen. Werden wir die monströs-mysteriösen Figürchen je wie ein Buch lesen können?

Genau davon aber ist Prof. Cabrera überzeugt. Ob die Tonfiguren vielleicht Menschenopfer zeigen? Haben Priester vor Jahrtausenden Menschen rituell geopfert... und nicht operiert? Diese Vermutung weist Prof. Cabrera weit von sich. Prof. Cabrera, ein direkter Nachfahre des Stadtgründers von Ica Captain Don Gerónimo Luis de Cabrera y Toledo, war selbst geachteter und beliebter Mediziner. »Sehen Sie doch genau hin!« fordert er mich fast barsch auf. »Was sehen Sie da?« Tatsächlich scheint da einem Menschen das Herz aus dem Leibe geschnitten worden zu sein. »Ein Menschenopfer also?« frage ich. Eine andere Tonplastik zeigt, wie das Herz medizinisch versorgt wird. Ein Wesen hält es in den Händen. Von einer dicken Vene führt so etwas wie ein Schlauch in ein Gefäß.

Prof. Dr. Cabrera macht mich auf ein weiteres Ensemble aufmerksam. Was ich da sehe, verschlägt mir den Atem. Was wird da in Tonplastik dargestellt? Was diente den Künstlern einst als Vorlage? Wird da einem menschlichen Körper das Herz entnommen, einem anderen Menschen die Brust geöffnet... dem Empfänger des Herzens? Wird da eine Herztransplantation gezeigt? »Unmöglich... das kann doch nur unmöglich sein...« drängt es mich, Prof. Cabrera zu entgegnen. Handelt es sich um eine Fälschung? Ein religiöses Menschenopfer, daran gibt es keinen Zweifel, stellt die Plastik nicht dar: Ich muss Prof. Cabrera recht geben. So sieht kein primitives Menschenopfer für die Götter aus. Da werden tatsächlich Menschen von Chirurgen operiert. Werden Herzen verpflanzt? Wer aber soll vor Jahrtausenden im »alten Peru« bereits Menschen am Herzen operiert haben? Und wer soll schon Herzen transplantiert haben? Prof. Cabrera ist davon überzeugt: Es gab im Gebiet des heutigen Peru vor vielen Jahrtausenden eine fortgeschrittene, hoch stehende Zivilisation, eine Urkultur, lange vor der unseren.

Die Kunstwerke scheinen eine Geschichte zu erzählen. Können wir die Tonfiguren wie ein Buch lesen und verstehen?

Viele Jahre war lediglich Prof. Cabreras Sammlung garvierter Steine bekannt. Die Tonfiguren hielt er noch geheim. Tausende und Abertausende Steine mit Tausenden und Abertausenden von Gravuren waren in Cabreras Museum in Ica am »Plaza de Armas« zu sehen – mit teilweise phantastischen Motiven. Unter anderem wurden auch hochkomplizierte chirurgische Eingriffe gezeigt: mit einer Fülle von Details, die die Tonkünstler als dreidimensionale Plastiken nicht mit der gewünschten Präzision verewigen konnten. Das ließ das grobe Tonmaterial einfach nicht zu. Also ritzten sie offenbar Zeichnungen in harten Stein, mit unvergleichlich mehr an deutlich zu erkennenden Einzelheiten. Plastiken und Ritzzeichnungen stellen immer wieder ähnliche Motive dar. Plastiken und Ritzzeichnungen dürften annähernd zur gleichen Zeit entstanden sein. Wann?

Schon im Sommer 1967 führte die »Compania Minera Mauricio Hochschild« eine Untersuchung von gravierten Steinen aus der Sammlung von Prof. Cabrera durch. Verantwortlich zeichnete der Geologe Dr. Erik Wolf. Der Wissenschaftler analysierte die Oxydationsschichten, die sich auf den Einritzungen gebildet hatten. Diese Schichten liegen auf oder über den Gravuren. Die eingeritzten Zeichnungen sind also von einer hauchdünnen natürlichen »Glasur« überzogen. Keine Frage: Die Gravuren müssen also älter als die Oxydationsschichten sein.

Auch wenn es fast unmöglich ist, das Alter der Ritzungen direkt zu bestimmen... so hilft es doch, die Oxydationsschicht zu datieren. Das Ergebnis verrät uns, wie alt die eingravierten Bilder mindestens sind. Neben Dr. Erik Wolf hat auch das »Institut für Mineralogie und Petrographie an der Universität Bonn« Tests durchgeführt. Ergebnis: Die Gravuren müssen vor mindestens 12 000 Jahren in den Stein geritzt worden sein. Sie sind also zwölf Jahrtausende alt... oder älter.

Foto Cabrera/Langbein: Ingeborg Diekmann
Alle sonstigen Fotos: Walter-Jörg Langbein
Copyright: Walter-Jörg Langbein


Adresse des Museums: »Museo de Piedras Grabadas de Ica«, Bolívar 170, Plaza de Armas Ica, Peru
Das Museum wurde nach dem Tod von Prof. Javier Cabrera Darquea weitergeführt.
»Dr. Cabreras gravierte Steine«,
Teil 14 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 18.04.2010

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