Posts mit dem Label Ica werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ica werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 15. Dezember 2013

204 »Noch mehr Saurier, Teil I«

Teil 204 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein



Mensch auf Saurier, Spinne (Siehe Kreis/ Pfeil)
Foto: Walter-Jörg Langbein

Eine dicke Spinne senkt sich an langem seidenen Faden von der Decke herab. Schwaches Licht erhellt den sich scheinbar in der Unendlichkeit verlierenden Gang. Rechts und links reicht ein schier unendlich langes Regal vom Boden bis zur Decke. Tausende und Abertausende von Tonfiguren sind in jeder Etage der Regale aneinander gereiht. Dicht an dicht, mehrere hintereinander.

Bei meinem ersten Besuch in der Geheimkammer von Prof. Javier Cabrera (1924-2001) in seinem Museum, Ica, Peru,  habe ich nur kurz Gelegenheit heimlich zu fotografieren. Hastig ist mein Fotoapparat ausgepackt, das Zusatzblitzlicht aufgeschraubt. Seltsam, der Blitz wird nicht ausgelöst. Nervös überprüfe ich die Kontakte, ziehe den Blitz aus der Halterung, schiebe ihn wieder hinein. Endlich klappt es. Ein seltsames Knistern... und schon wird ein Teil des unheimlich wirkenden Korridors in gespenstisches Licht getaucht.

Ich fühle mich in einen amerikanischen Horrorfilm versetzt, bei dem auch immer wieder Blitzlichter eine gruselige Szenerie kurz aus dem Dunkel auftauchen lassen. Die Fantasie spielt verrückt. Was habe ich wirklich gesehen, was habe ich mir nur eingebildet? Waren da nicht eben Saurier aus Ton zu erkennen? Saurier im Geheimarchiv eines Museums, womöglich Jahrtausende alt... ist das möglich?

Was da in den Regalen steht, ist nur zu erahnen. Es sind Kreaturen, die eher aus Albträumen stammen, als aus der Wirklichkeit. Da gibt es monströse Urtiere, Hunderte in Ton gearbeitet. Wer soll diese Masse an Kunstwerken geschaffen haben? Da sind Saurier dargestellt, auf denen Menschen reiten.

Cabreras Geheimkammer - Foto: Walter-Jörg Langbein

Saurier auf denen Menschen reiten ... sind natürlich eine Unmöglichkeit. Mensch und Saurier waren niemals Zeitgenossen, darin sind sich alle seriösen Wissenschaftler einig. Also kann es sich bei eben solchen Darstellungen nur um Fälschungen handeln, keineswegs um alte Artefakte aus rätselhaften Zeiten! Und so posaunierte die Gilde der Skeptiker in die Welt hinaus, dass die Sammlung von Prof. Javier Cabrera von keinerlei Bedeutung sei. „Alles Fälschungen!“, verkündeten Experten und solche Zeitgenossen, die gern welche wären. Angeschaut hat sich keiner dieser Skeptiker die Artefakten-Sammlung Cabreras vor Ort. Wenn überhaupt, dann „studierte“ man Fotos, um zu einem vernichtenden Urteil zu kommen.

Wer sind nun diese Skeptiker? Skeptiker sind nicht, wie der Name vermuten ließe, Menschen, die die herkömmliche Lehrmeinung der Schulwissenschaften skeptisch betrachten. Als Skeptiker bezeichnen sich vielmehr besonders der Schulwissenschaft verpflichtete Erzkonservative, die keinerlei Zweifel an der aktuellen Lehrmeinung zulassen. Mir sind schon viele Skeptiker begegnet. Sie alle huldigten – fast wie religiöse Sektierer – der Schulwissenschaft. Zweifler am Bild von der Vergangenheit der Menschheit scheinen für diese Skeptiker so etwas wie Häretiker zu sein, die es mit Eifer und Arroganz zu bekämpfen gilt.

Vor Jahrhunderten landeten Ketzer der religiösen Art in Folterkammern und auf Scheiterhaufen. Skeptikern unserer Tage stehen nur noch weniger drastische Mittel zur Verfügung: Wer anderer Meinung ist als sie, wird lächerlich gemacht, angefeindet und als unglaubwürdig diffamiert. So ein Ketzer war Prof. Javier Cabrera für die Gilde der Skeptiker von Anfang an. Nikolai Grube, ein anerkannter Maya-Forscher, fordert: „Wir müssen auch bereit sein, unsere sicher geglaubten Erkenntnisse mal über Bord zu werfen. Eines Tages wird man vielleicht auch über das lachen, was wir glauben, über die Dinosaurier zu wissen.“ (1)

Unmengen von Tonfiguren. Foto Walter-Jörg Langbein

Dazu sind aber die „Skeptiker“ offenbar nicht bereit. Sie haben ein fest gefügtes Weltbild, wovon sie überzeugt sind. Nicht wenige „Skeptiker“ erinnern mich an verbissene Sektierer, die ihren Glauben als das Nonplusultra ansehen. Was nicht in das Schema ihres Glaubens passt, kann nicht echt sein. Das darf nicht echt sein!

Nikolai Grube hat Recht! Seriöse Wissenschaft wird nie den Anspruch auf Unfehlbarkeit erheben. Jede wissenschaftliche Erkenntnis gilt nur so lange als richtig, bis sie widerlegt wird. Das gilt natürlich auch für unser Wissen über die Saurier. Bislang gilt, dass Saurier und Menschen keine Zeitgenossen waren. Als es die ersten intelligenten Menschen gab, waren die Saurier längst ausgestorben.

Ich lasse das Blitzlicht meines Fotoapparats noch einmal den langen Korridor im Privatmuseum von Prof. Cabrera. Einige Schwarzweißaufnahmen entstehen. Ich gehe einige Schritte in den Gang hinein. Ich lasse den Finger aus Licht meiner kleinen Taschenlampe über die Artefakte gleiten. Da sind Hunderte, Tausende Tonfiguren. Da erkenne ich kleine Gruppen. Kleine,  irgendwie Angst einflößende Wesen stehen um „Tische“ herum, auf denen Wesen liegen. Offenbar werden an den Liegenden medizinische Eingriffe vorgenommen. Wer operiert da wenn? Und wann wurden diese seltsamen Ensembles aus Ton angefertigt? Vor Jahrtausenden?

Und dann sind da Saurier, Saurier.. und noch mehr Saurier. Damit nicht genug. Es wurden – vor Jahrtausenden? – nicht nur Saurier erschreckend realistisch modelliert! Da gibt es auch Darstellungen von Menschen und Sauriern in schöner Eintracht, als Zeitgenossen! Skandalös! Unmöglich? Wenn diese Tonfiguren echt sind, muss die eine oder die andere wissenschaftliche Lehre in Sachen Vergangenheit der Menschheit drastisch revidiert werden. Aber sind die Figuren echt?

Operationen am laufenden Band
Foto: Walter-Jörg Langbein
Ich packe meinen Fotoapparat wieder ein. Verlasse den mysteriösen Korridor. Im Licht meiner Taschenlampe sehe ich in einem Pappkarton einen Ton-Saurier, der sich aufbäumt. Direkt vor ihm steht ein Mensch mit seltsamem Kopfschmuck. Er hat so etwas wie einen „Stock“, mit dem er auf den Saurier zielt. Sollte da ein Mensch bei der Jagd auf Saurier in Ton modelliert worden sein? Wann? Vor Jahrtausenden?

Plötzlich ist Prof. Javier Cabrera wieder da, der mich kurz im Allerheiligsten seines Museums allein gelassen hat. „Sie haben nicht fotografiert?“, fragt er eindringlich. „Sie haben keine Fotos gemacht?“, fragt er weiter. Bevor ich auch nur antworten kann, lacht er: „Veröffentlichen Sie sie nicht!“ Ich nicke. Jahre später, bei einem weiteren Treffen, gibt mir Prof. Cabrera die Gelegenheit, zu fotografieren. Und ich darf Fotos – als erster Sachbuchautor überhaupt – in meinem Buch „Bevor die Sintflut kam“ veröffentlichen.

Ich frage Prof. Cabrera, ob ich mir einige wenige Proben aus seiner Sammlung mitnehmen darf, um sie wissenschaftlich datieren zu lassen. „Drei Stückchen!“ gestattet er mir. So gehe ich wieder zurück in den Korridor. Natürlich werde ich keine der unzähligen Figuren beschädigen.


Ich gehe noch einmal in den Gang, lasse den Kegel meiner Taschenlampe über unzählige Figuren und Figürchen gleiten. Dicht gedrängt stehe sie, Stück an Stück. Einige sind eindeutig als Saurier zu erkennen. Wer mag diese Kunstwerke geschaffen haben? Und wann? Andere wirken wie Monster aus albtraumhaften Horrorfilmen unserer Tage. Nicht definierbare Kreaturen aus uralten Zeiten... wer hat sie modelliert?

Saurier ... Monster ... Foto: Walter-Jörg Langbein

Natürlich werde ich von keiner intakten Figur etwas abbrechen. Aber es gibt eine Vielzahl von kleinen Bruchstücken. Drei davon wähle ich aus. Prof. Cabrera erlaubt mir, sie mit nach Deutschland zu nehmen.

„Was werden Sie mit den Proben machen?“, fragt mich Prof. Cabrera ernst. „Ich werde sie von drei verschiedenen Instituten untersuchen und ihr Alter bestimmen lassen!“, antworte ich. „Und dann?“ Ich stutze. Bis heute habe ich die Tonteile nicht datieren lassen. Warum nicht? Könnten doch die Datierungen die Echtheit von Cabreras Sammlung beweisen. Wirklich?

Diese drei kleinen Proben durfte ich mitnehmen
Foto: Walter-Jörg Langbein

Mir wurde versichert, dass die Proben datiert werden können. Es könne aber sein, dass die kleinen Proben beim Prozess der Altersbestimmung vollkommen zerstört werden. Und wenn das nicht der Fall sei, wollte mir niemand garantieren, dass ich die mysteriösen Mitbringsel aus Cabreras Museum zurück erhalte.

Zwei Möglichkeiten gibt es. Die Datierung der Tonstückchen ergibt ein hohes Alter... oder nicht. Wenn die Altersbestimmung ergibt, dass die drei Stückchen nur wenige Jahre oder Jahrzehnte alt sind, wird das die Skeptiker entzücken. „Cabreras Artefakte sind Fälschungen!“, werden sie frohlocken, sich auf die eigene Schulter klopfen.. „Wir haben es ja gewusst!“ Wenn die Proben aus Cabreras Sammlung aber Jahrtausende alt sein sollten, wird das die ablehnende Haltung der Skeptiker nicht erschüttern. „Wer sagt denn, dass die Tonstückchen tatsächlich aus Cabreras Museum stammen?“, werden sie einwenden.

Eine der drei Proben
Foto: Walter-Jörg Langbein
Und deshalb wurden bis heute die Mitbringsel aus Prof. Cabreras Sammlung nicht analysiert. Es scheint Taktik der „Skeptiker“ zu sein, Fundstücke, die es nach  offizieller Lehrmeinung gar nicht existieren dürften, als plumpe Fälschungen abzutun. Das wird entsprechend laut verkündet, so dass sich kaum ein seriöser Wissenschaftler traut,  „anstößige" Fundstücke aus grauer Vorzeit näher zu untersuchen. Skeptiker müssen derlei Objekte nicht unter die Lupe nehmen. Weil sie ja falsch sind... weil sie falsch sein müssen!


Fußnote
1 zitiert in Bürgin, Luc: Lexikon der verbotenen Archäologie, Rottenburg 2009, Seite 65

»Noch mehr Saurier«, Teil II,
Teil 205 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 22.12.2013




Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!


Sonntag, 30. Oktober 2011

93 »Bestätigung für Professor Cabrera!«

Teil 93 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ein Operateur bei der Arbeit
Foto: Reinhard Habeck
Die »Skeptiker« sind heute für die Welt der Wissenschaft, was einst die »Heilige Inquisition« für die Welt des Glaubens war. Wer vom wahren Glauben abwich, wurde von der Inquisition ausfindig gemacht. Wer auf seiner von der allgemeinen Lehrmeinung abweichenden Ansicht, unbeirrt der Inquisition trotzend, beharrte ... landete nicht selten im Folterkeller und auf dem Scheiterhaufen.

An die Stelle der Inquisition sind die Skeptiker getreten. Wer vom wahren Glauben der wirklichen Wissenschaftlichkeit abweicht, muss heute zum Glück nicht mehr mit Tortur und Tod rechnen ... nur noch mit Spott und Hohn. Skeptiker entscheiden, was echtes Artefakt und was plumpe Fälschung ist. Zur Kategorie »plumpe Fälschung« zählen die Keramiken aus der Sammlung des Arztes und Hobbyarchäologen Dr. Javier Cabrera Darquea (1924-2001).

Hinlänglich bekannt sind die von Dr. Javier Cabrera Darquea in seinem Privatmuseum gehorteten »Operationsszenen« in Ton. In hundertfachen Varianten wird letztlich immer wieder die gleiche Geschichte illustriert. Da liegt ein menschenähnliches Wesen auf einem »Operationstisch« und wird »behandelt«. »Arzt« wie »Patient« haben fremdartig wirkende Augen. Sie sitzen seltsam tief, oft in Nasenhöhe und darunter.

Operateure bei
der Arbeit
Foto: W-J.Langbein
Die »medizinischen Eingriffe«, die vorgenommen werden, passen so ganz und gar nicht in uralte Zeiten. Da werden Herzen transplantiert, Kaiserschnittoperationen ausgeführt, Köpfe geöffnet. Manchmal wird der Ablauf einer komplizierten Operation wie ein Comic in mehreren Keramikensembles dargestellt. Staunend ging ich wiederholt durch Cabreras Geheimkammer und versuchte mir einen Überblick über die zahllosen Artefakte zu verschaffen. Dr. Javier Cabrera Darquea beteuerte stets, dass die Tonfiguren echt seien. Für die Skeptiker sind sie alle plumpe Fälschungen, hergestellt in unermüdlichem Einsatz von einem einzigen Künstler seines Fachs.

Skeptiker trauen dem »Meisterfälscher« sehr viel zu: Neben der kaum zu überblickenden Masse an Keramiken erarbeitete er ein zweites Genre. Er ritzte ganz ähnliche Szenen von Operateuren bei der Arbeit in Stein. Auch hier gibt es, comicstripartig in Etappen dargestellt, komplizierte chirurgische Eingriffe bei Menschen. Auf faustgroßen Steinen findet sich in der Regel nur ein Bild, auf fußball- und medizinballgroßen haben entsprechend mehr Darstellungen Platz. Manche Brocken sind von beachtlicher Größe und erzählen in Bildern ganze Geschichten.

Operationszene in Stein geritzt
Foto: W-J.Langbein
Ich bin davon überzeugt, das Cabrera in seinen beiden Sammlungen echte wie falsche Stücke zusammengetragen hat. Welche Artefakte nun alt und welche modern sind ... diese Frage wurde bis heute nicht beantwortet. Weil mit Nachdruck von Skeptikern in die Welt posauniert wurde, alles in Cabreras Museum sei wertloser Plunder ... wurde erst gar nicht der Versuch unternommen, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Angesichts der wirklich kaum zu überblickenden Fülle von Artefakten in Cabreras Sammlungen kommen bei mir Zweifel auf: Wer sollte sich warum so eine gewaltige Arbeit gemacht haben? Cabrera zeigte lange Zeit seine Objekte nicht der Öffentlichkeit. Dann führte er schließlich doch interessierte Besucher durch seine überquellenden Räume ... und forderte zunächst nicht einmal Eintritt. Erst später musste man als Besucher einen kleinen Obolus entrichten.

Ich habe wiederholt Cabreras Sammlungen besucht ... und maße mir nicht an, entscheiden zu können, was echt und was gefälscht ist. Skeptiker indes scheinen dazu in der Lage zu sein, auch ohne sich die Mühe zu machen, vor Ort die umstrittenen Objekte in Augenschein zu nehmen.

Ein kleiner Teil von
Cabreras gravierten
Steinen
Foto: W-J.Langbein
Ich gebe ja zu: Komplizierte Operation vor Jahrtausenden ... das ist starker Tobak. Aber darf man gleich alles, was nicht in unser Bild von der Vergangenheit des Menschen passt ... ungeprüft als »plumpe Fälschung« abtun? Wird hier nicht vorschnell nach dem Motto verfahren »Es kann nicht sein, was nicht sein darf!«? Woran erkenne ich, ob zum Beispiel die mysteriösen Operationsszenen echt oder falsch ... alt oder neu sind? Ich habe den Eindruck, dass alles, was irgendwie mit Cabreras Sammlungen zusammenhängt ... per definitionem als »gefälscht« abgewertet wird. Wissenschaftlich ist das aber nicht!

Zaghafte Untersuchungen gab es bereits im Sommer des Jahres 1967. Damals analysierte die »Compania Minera Mauricio Hochschild« einige der gravierten Steinen aus der umfangreichen Sammlung von Prof. Cabrera. Der Geologe Dr. Erik Wolf analysierte angeblich Oxydationsschichten, die über den Ritzungen liegen. Die Einritzungen müssten demnach sehr alt sein ... und nicht das Werk moderner Fälscher. Weitere Untersuchungen wissenschaftlicher Art gab es nicht. Man muss nur als Skeptiker ein Artefakt als eindeutig gefälscht bezeichnen und diese Behauptung lautstark verkünden ... schon wagt es kaum jemand, sich mit dem Objekt auseinander zu setzen ...

Diese Keramik ... ist echt
Foto: Reinhard Habeck
Und nun muss ich eine kleine List eingestehen ... Dieses Artefakt hat zwar ganz eindeutig die klassischen Merkmale der Cabrera-Artefakte ... Aber es gehört nicht zu Cabreras Sammlung. Reinhard Habeck fotografierte es im staatlichen »Anthropologischen Museum« von Lima. Das Objekt, so Kollege Habeck, dokumentiert ein gebeugtes Wesen bei einer Operation.

Und das bestätigt für mich Professor Cabrera: Ein anerkanntes Museum zeigt ein mysteriöses Objekt mit einem Motiv, das in mehr oder minder identischer Form zigmal bei Cabrera zu finden war.

Mit großer Sorge beobachte ich die Entwicklung in Ica, Peru. Was wird aus Prof. Cabreras Sammlungen? Ich habe die Befürchtung, dass die Keramiken bereits verschwunden sind. Werden die gravierten Steine auch bald »entsorgt«?

»Flugzeuge aus Gold«,
Teil 94 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 06.11.2011


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 27. Februar 2011

58 »Steht Cabreras Museum vor dem Aus?«

Teil 58 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 27.02.2011


Prof. Cabrera schließt sein
privates Museum auf
Foto: Walter-Jörg Langbein
So manches Mal habe ich Prof. Javier Cabrera Darquea (1924-2001) besucht. Und jedes Mal war es für mich fast ein magischer Moment, wenn er die Tür zu seinem geheimnisvollen Museum aufschloss. Wenn die Tür aufgedrückt wurde, erschloss sich mir eine fremdartige Welt. Ich betrat ein Museum, das in Teilen mehr einem Horrorkabinett glich. Es war wie in einem Indiane-Jones-Film: der Abenteurer betritt eine fantastisch anmutende Welt.

Auf viel zu engem Raum bewahrte Prof. Javier Cabrera Darquea Steine unterschiedlichster Größen auf. Regale quollen förmlich über von meist schwarzen Steinen in Faustgröße. Am Boden lagen solche in Medizinballgröße... und alle waren sie mit Gravuren versehen. Auf manchen Steinen war nur eine Ritzzeichnung zu sehen. Andere wiederum erzählten in Bilderfolgen faszinierende Geschichten. Es war immer wieder ein Erlebnis, von Prof. Cabrera durch eine faszinierende Welt geführt zu werden. Er tat dies immer voller Elan und mit Begeisterung.

Tausende Steine mit Zigtausenden von Gravuren müsse man, so beteuerte Prof. Cabrera Darquea immer wieder, wie ein Buch lesen. Ich frage mich besorgt: Werden die gravierten Steine bald verstummen... bevor man ihnen richtig zugehört hat? Laut Cabrera ruhen in einem unterirdischen Depot noch sehr viel mehr rätselhafte Objekte. Nur ein Bruchteil der Funde konnte, so Cabrera, in sein Museum geschafft werden. Gibt es dieses mysteriöse Depot wirklich? Wenn es nicht der Fantasie Cabreras entsprungen sein sollte.... wird es wahrscheinlich nie seine Schätze freigeben. Denn Prof. Cabrera nahm das Wissen, wo sich das ominöse Depot befinden soll, mit ins Grab.

Ein Mensch reitet Saurier
Foto: Walter-Jörg Langbein
Die Bibliothek der gravierten Steine erzähle, so der Museumsgründer, fantastisch anmutende Geschichten: Von uralten Epochen unseres Globus, als Menschen und Saurier gemeinsam unseren Planeten bevölkert haben sollen. Ja es soll den Menschen sogar gelungen sein, Saurier zu domestizieren und auf ihnen zu reiten. Eine uralte Kultur sei in graue Vorzeit untergegangen.

Prof. Cabrera Darquea trug seine Thesen über die fantastische Vergangenheit unserer Erde stets mit missionarischem Eifer vor. Sei Museum war sein Leben. Kritik an seinen oft kühn anmutenden Gedanken konnte den sonst sehr umgänglichen Mediziner gelegentlich aufbrausend werden lassen. Allerdings sah er sich immer wieder auch unfairer und unsachlicher Kritik ausgesetzt. Sein Museum wurde auch von Kritikern lächerlich gemacht, die nie auch nur einen Fuß in das mit Fundstücken überquellende Gebäude gesetzt haben. Viele Jahre wäre das möglich gewesen. Seit dem Tod Cabreras aber wurde das immer schwieriger!

Gleiches Motiv in Ton
Foto: Walter-Jörg Langbein
Auf anderen Steinen wurden medizinische Eingriffe dargestellt: keine einfachen Operationen, sondern Organtransplantationen wie Herzverpflanzungen. Gar manches Mal erklärte mir Prof. Cabrera Darquea, wie man die Vielzahl von Einzelbildern wie ein Buch lesen könne: von Sauriern, Menschen und moderner Medizin vor unermesslichen langen Zeiten. Erst als der Gelehrte Vertrauen zu mir gefasst hatte, durfte ich seine »Geheimkammer« betreten. Tausende Figürchen aus gebranntem Ton erzählten die gleichen Geschichten wie die gravierten Steine: von Menschen, die als Zeitgenossen der Saurier lebten... und von komplizierten Operationen in grauer Vorzeit. Kurzum: Prof. Javier Cabrera Darquea wollte die Besucher seines Museums ein Buch lesen lassen, das das Bild von unserer Vergangenheit auf den Kopf stellte.

Nach unserem heutigen Verständnis waren die Saurier nie und nimmer Zeitgenossen des Menschen. Diese Monsterwesen waren nach dem Konsens der Gelehrtenwelt viele Jahrmillionen ausgestorben, als der Mensch auftauchte. Und natürlich wurden erst vor wenigen Jahrzehnten Herzoperation ausgeführt, nicht in grauer Vorzeit. Und doch zeigte Prof. Cabrera Darquea just solche Motive in seinem Museum.

Herzoperation als Steingravur
Foto: Walter-Jörg Langbein
Die Reaktion der Gelehrtenwelt fiel weitestgehend unisono aus: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf... muss es sich bei den Museumsartefakten um Fälschungen handeln. Zu diesem Urteil kamen die Gelehrten in der Regel, ohne auch nur einen Stein oder Tonfigur auch nur in der Hand gehalten zu haben. Als dann Cabrera starb, verlor das Museum seinen wichtigsten Unterstützer. Und dann kam der 15. August 2007. Ein gewaltiges Erdbeben suchte Südamerika heim. Betroffen war hauptsächlich Peru. Aber auch Ecuador, Brasilien und Chile spürten die Ausläufer.

In Peru starben nach amtlicher Zählung »über 510 Menschen« Wie viele Tote insgesamt zu beklagen waren, ist nicht bekannt. Unter den Ärmsten der Ärmsten gab es so manches Opfer, das nie in die Statistik aufgenommen wurde. Allein im Städtchen Pisco wurden 80 Prozent der Häuser zerstört, 200 Tote wurden aus den Trümmern geborgen. Das Hypozentrum des Bebens – es erreichte eine Stärke zwischen 7,5 und 8 – lag vor Südamerika: wo sich die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte schiebt. So entstehen regelmäßig Erdbeben. Ein noch stärkeres Beben könnte sehr wohl eine gewaltige Flutwelle auslösen und ein ganzes Land, ja einen Kontinent verwüsten.

Herzoperation in Ton gebrannt
Foto: Walter-Jörg Langbein
Auch Ica wurde vom Erdbeben heimgesucht: Prof. Cabreras Museum wurde beschädigt. Gravierte Steine zerbrachen oder wurden zumindest beschädigt.

Wie überstanden die so leicht zerbrechlichen Tonfiguren die Katastrophe? Trotz intensiver Recherche konnte ich das nicht erfahren. Angeblich wurden die Tausenden von fantastischen Tonfiguren bereits vor dem Erdbeben in ein »Depot« gebracht. Angeblich blieben diese »unmöglichen« Objekte verschont. Sie sind aber nicht mehr im Museum zu bestaunen. Wo befinden sie sich? Ich habe erhebliche Bedenken... und befürchte, dass das mysteriöse Museum vor dem Aus steht.

Als Prof. Javier Cabrera Darquea noch lebte, führte er gern interessierte Menschen durch sein Museum. Er wollte so viele Mitmenschen mit seinem Enthusiasmus anstecken. Während der sympathische Mediziner vor Ort lebte, ist die neue Leiterin Eugenia Cabrera nach Lima gezogen. Die Tochter Cabreras steht theoretisch für Besichtigungen des Museums zur Verfügung. Sie muss aber jedes Mal erst aus Lima anreisen... ein höchst umständliches Unterfangen in Peru.

»Urmeli« in Stein graviert
Foto: Walter-Jörg Langbein
Theoretisch kann man einen Teil der Museumsstücke noch sehen (nur die gravierten Steine!), praktisch ist das aber recht schwierig geworden. De facto ist die Sammlung kaum noch für die Öffentlichkeit zugänglich. Ich befürchte, dass das einst berühmte Museum zusehends in Vergessenheit gerät. Und dann ist es nur noch ein Schritt, bis die gravierten Steine in der Versenkung verschwinden. Zur Erinnerung: Pater Crespis Sammlung wurde bereits zum Großteil abgetan. Ein Großteil der gravierten Metallplatten ist für immer verloren. Sie wurden zum Beispiel Teil – das ergab meine Recherche – beim Kirchenbau in Cuenca im Boden einbetoniert.

Ich bedauere diese allgemeine Tendenz sehr: Archäologische Objekte, die das herkömmliche Geschichtsbild zu erschüttern drohen... sollten nicht ungeprüft zu Fälschungen erklärt werden. Wirkliche Wissenschaft sollte den Mut haben, sich auch kritischen Fragen zu stellen. Könnte man doch die Fundstücke Cabreras wie ein Buch lesen. Das aber kann nicht geschehen, wenn alle umstrittenen Funde rasch zum wertlosen Plunder erklärt werden... Und das meist per Ferndiagnose.

Auf meinen Reisen zu den mysteriösesten Orten unseres Planeten habe ich immer wieder archäologische Objekte sehen dürfen, die es eigentlich nicht geben dürfte. Ich sehe es als meine Aufgabe an, diese Funde der verbotenen Archäologie so gut wie möglich zu dokumentieren.

Dank: Ich bedanke mich vielmals bei Eugenia Cabrera, die mir stets ausführlich auf meine Fragen zum Museum ihres Vaters antwortete.

Alle Fotos: Walter-Jörg Langbein

»Gold in geheimnisvollen Gräbern«,
Teil 59 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 06.03.2011

Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 20. Februar 2011

57 »Ist Dr. Cabreras Sammlung in Gefahr?«

Teil 57 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

In der heutigen Folge meiner Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« kehre ich zu einer geheimnisvollen archäologischen Sammlung zurück, die seit vielen Jahren heiß diskutiert wird. Ich war der erste Sachbuchautor, der die lange Zeit verheimlichten Artefakte in Wort und Bild dargestellt hat. Meine Befürchtung: Die Sammlung von Prof. Javier Cabrera Darquea verschwindet in der Versenkung, bevor sie ernsthaft wissenschaftlich untersucht werden kann ...

Prof. Cabrera Darquea und
Autor Langbein. Foto: Ingeborg Diekmann
Wer die großen Mysterien unseres Planeten erforschen will, muss einen langen Atem haben. Wer intensiv sucht, stößt immer wieder auf geheimnisvolle Spuren. Schon in den Siebziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts trafen bei mir Informationen ein: über ein Museum mit angeblich monströsen Objekten. Ein Dr. Javier Cabrera Darquea habe die sensationellen Funde zu einem umstrittenen Museum zusammengetragen. Je intensiver ich recherchierte, desto spannender wurde die mysteriöse Story. So besitze Dr. Javier Cabrera Darquea nicht eine, sondern zwei Sammlungen. Nur eine sei für die Besucher seines Museums zugänglich. Die zweite, geheime Sammlung bekämen nur die engsten Vertrauten des Professors zu sehen.

Im Herbst 1992 unternahm ich meinen ersten Versuch, Prof. Cabreras Sammlungen vor Ort in Augenschein zu nehmen. Mit drei Freunden sprach ich in Ica, Peru, vor. Zu unserer großen Enttäuschung war aber Prof. Cabrera just zu dieser Zeit.... in Europa unterwegs, um Vorträge über sein Museum zu halten. Prof. Cabreras Bruder bestätigte mir aber die Existenz der zweiten, geheimen Sammlung.

Zwei Jahre später erschien das Buch »Die Steine von Ica« von Cornelia Petratu und Bernard Roidinger (1). Ausführlich wird da die »offizielle« Sammlung Cabreras beschrieben: die geradezu gigantische Menge von gravierten Steinen. Ich las Seite für Seite... von der geheimen zweiten Sammlung keine Spur. Erst im Nachwort gehen Petrartu und Roidinger auf eben diese besonders mysteriöse zweite Sammlung ein. Zum Abschluss gestattete Prof. Cabrera den beiden Buchautoren, so berichten sie im Nachwort (2), einen Blick in die »geheimen Kammern«.

Die Operateure in Ton. Mein erstes
Foto aus der Geheimsammlung!
Foto: Walter-Jörg Langbein
Was da von Dr. Cabrera der Öffentlichkeit vorenthalten werde, »alle Grenzen rationaler Vorstellungskraft«. Es sei »erschütternd«, was dort von Prof. Cabrera aufbewahrt werde. Was aber war es? 1994 war es dann endlich so weit: Ich erhielt Zugang zur »Geheimsammlung« Prof. Cabreras. Als erster Buchautor überhaupt wurde es mir gestattet, über die mysteriöse zweite Sammlung zu schreiben... Fotos davon zu veröffentlichen: in meinem Buch »Bevor die Sintflut kam« (3).

Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch in jenem korridorartigen Raum. Die Luft war staubtrocken. Einige nackte Glühbirnen spendeten nur spärliches Licht. Meine Taschenlampe ließ ihren Lichtkegel wandern. Rechts und links von mir türmten sich Regale vom Boden bis zur Decke. Sie wirkten wenig vertrauenserweckend, schienen die Last der Tonfiguren kaum tragen zu können. Wie lang dieser Korridor war ... ich weiß es nicht.

Hunderte, nein Tausende Tonfiguren verstaubten in den Regalen... plastische Darstellungen, die durchaus einen Horrorfilm bereichern könnten. Ich schrieb in meinem Buch »Bevor die Sintflut kam« (4): »Die Exponate in der geheimen archäologischen Sammlung, sie lassen mich schaudern. Inzwischen sind wissenschaftliche Untersuchungen geplant, die das Alter der Artefakte des Grauens ermitteln sollen. Und wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben: Ich hoffe von ganzem Herzen, dass diese entsetzlichen Tonfiguren gefälscht sind ... Ich wäre froh, wenn ich vermelden könnte, dass die Artefakte unecht sind. Albträume gibt es schon genug.«

Arzt oder skrupelloser Wissenschaftler?
Foto: W.-J.Langbein
Immer wieder wiederholen sich da ganz ähnliche Szenen. Da liegt eine Gestalt ausgestreckt auf einer Art Operationstisch. Manchmal steht eine weitere Gestalt dabei, manchmal sind es zwei seltsame Wesen. Die liegende Gestalt wird immer operiert. Ihr Leib wird aufgeschnitten. Die Operationsszenen stellen verschiedene Stadien medizinischer Eingriffe dar. Hier setzt ein »Chirurg« gerade das Messer an. Dort haben zwei Chirurgen bereits den Leib ihres »Patienten« geöffnet. Dort wird dem Liegenden ein Organ aus dem Körper genommen. Was geschieht da? Sind da »Ärzte« am Werk, die Kranken helfen? Mich erinnern die plastisch in Ton dargestellten Szenen mehr an Wissenschaftler, die nicht heilen, sondern sezieren. Mir scheint, dass den Liegenden nicht geholfen wird. Sie kommen mir mehr wie hilflose Opfer vor, die als »Material« für wissenschaftliche Experimente missbraucht werden!
Wie viele Figürchen mag es geben? Es sind wohl nicht nur Hunderte, sondern Tausende. Und wie mir Prof. Javier Cabrera Darquea bei verschiedenen Besuchen immer wieder versichert hat, gibt es in einem unterirdischen Tunnelsystem schätzungsweise 100 000 dieser Objekte. Prof. Javier Cabrera Darquea hat immer wieder seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass einmal ein großes Museum gebaut wird. Ein solides, wohl temperiertes Haus solle den unüberschaubaren Mengen an Figuren eine sichere Heimat bieten. Doch ein solches Museum ist bis heute nicht einmal geplant. Ich bin pessimistisch: Ich glaube nicht, dass je ein solches Museum entstehen wird.

Professor Dr. Javier Cabrera Darquea (geboren1924) verstarb im Jahre 2001. Damals verlor die gewaltige Sammlung Cabreras ihren wichtigsten Fürsprecher, der es als seine Lebensaufgabe ansah, seinen Museumsstücken ein großes Museum zu schaffen.

Schreckliche Museumsstücke... Foto: W.-J.Langbein
Am 15. August 2007 wurde Peru von einem gewaltigen Erdbeben heimgesucht. Besonders stark betroffen war auch die Region von Ica. Wie viele Menschen starben, das ist bis heute unbekannt. Die Toten unter den Ärmsten der Armen, die in primitiven Hütten hausten, oftmals illegal... niemand kennt ihre genaue Zahl.

Stark in Mitleidenschaft bezogen war auch das Museum Cabreras! In der öffentlich zugänglichen Sammlung stürzten gewaltige gravierte Steine von den Regalen und zerbarsten. Manche wurden vollkommen zerstört, andere wurden nur leicht beschädigt. Und was geschah mit den leicht zerbrechlichen Figürchen in der »Geheimkammer«? Wie viele dieser fragilen Ausstellungsstücke wurden vernichtet?

Aus Gesprächen mit »Experten« weiß ich, dass es so mancher Hüter der archäologischen Wahrheiten gerne sehen würden, wenn Cabreras Sammlung verschwinden würde und erst gar nicht wirklich gründlich untersucht werden müsste!

Fußnoten:
(1) Petratu, Cornelia und Roidinger, Bernard: »Die Steine von Ica/ Protokoll einer anderen Menschenheit«, Essen, München 1994

(2) ebenda, S. 263/ 264


(4) ebenda, S. 320


»Steht Cabreras Museum vor dem Aus?«,
Teil 58 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 27.02.2011

Samstag, 24. April 2010

15 »Fantastische Funde oder Fälschungen?«

Teil 15 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
von Walter-Jörg Langbein


Prof. Dr. Javier Cabrera Darquea (1924-2001) hat im Verlauf von Jahrzehnten eines der ungewöhnlichsten Museen unseres Planeten aufgebaut, die ich je gesehen habe. In Hülle und Fülle werden da Artefakte gezeigt, die – so sie echt sind – zu einem Umschreiben der Geschichte der Menschheit führen müssten. Wer Reisen unternimmt, um die Geheimnisse unseres Planeten zu erforschen, stößt immer wieder auf unliebsame, mysteriöse Artefakte.

In zahlreichen Museen kann man oft sehr anschaulich sehr viel über die Entwicklungsgeschichte der Menschheit erfahren. Wertvolle Ausstellungsstücke illustrieren den Werdegang des Lebens vom primitiven Einzeller bis zum Computerexperten. Der Museumsbesucher kann so nachvollziehen, wie die Evolution gewirkt hat: als treibende Kraft bei der Entstehung der heutigen tierischen Lebewesen ebenso wie beim Aufstieg des Menschen vom primitiven »homo sapiens« zum Jetztmenschen.

Andächtig wird die Evolution als neuzeitliche Form einer wissenschaftlich anerkannten »Gottheit« verehrt. Vor Jahrhunderten war es Blasphemie, den biblischen Gott anzuzweifeln. Als Evangelium des modernen, aufgeklärten Menschen gilt heute als treibende Kraft nicht mehr Gottvater, der Schöpfer. Noch verpönter ist in wissenschaftlichen Kreisen, die große Göttin, die nach altem Glauben alles Leben hervorgebracht hat und – ewigen Zyklen der Wiederkehr folgend – immer wieder gebiert. Der patriarchalische Gott hat die Göttin verdrängt und wurde in wissenschaftlichen Kreisen durch die heilige Evolution ersetzt. Sie ist in vermeintlich aufgeklärten Kreisen der hehren Wissenschaft heute ebenso sakrosant wie der allmächtige Schöpfergott der Bibel vor Jahrhunderten.

Etwas hat sich allerdings geändert: Ketzer wurden vor Jahrhunderten gefoltert und verbrannt. Heute müssen sie um ihre Existenz bangen, so sie sich um einen Platz in der Welt des wissenschaftlichen Establishments bemühen. Tabus gibt es auch in atheistischen Kreisen der Wissenschaft.

In wissenschaftlichen Werken unserer Tage wird ebenso lautstark »die Wahrheit« verkündet wie einst in den religiösen Traktaten unterschiedlichster Couleur. Aber wie einst Theologen zum Beispiel nicht ins Konzept der Bibel passende Texte verbrannten oder nur verboten... so fristen auch Museumsartefakte eine ärmliches Dasein, die nicht zur allgemeinen Lehrmeinung passen. Sie verschwinden in muffigen Kellerräumen, wenn sie nicht gar – da angeblich wertlos – zerstört werden.

Als unanfechtbarer Kanon »der wissenschaftlichen Wahrheit« gilt: die Evolution führte zu einem allmählichen und kontinuierlichen Aufstieg. Der heutige Mensch hat den Zenit erklommen, alle menschlichen Vorgänger waren primitiver, alle früheren Kulturen waren primitiver. Es kann vor Jahrtausenden oder gar Jahrzehntausenden keine hochstehenden Kulturen gegeben haben, die in mancherlei Hinsicht der unseren überlegen war. Warum nicht? Weil es sie nach wissenschaftlichem Glauben nicht gegeben haben darf. Wer aber die Geschichte der Menschheit unvoreingenommen wie ein spannendes, informatives Buch lesen möchte... darf sein Denken nicht irgendwelchen Dogmen unterwerfen.

Objekte, die nicht ins allgemein gültige Geschichtsbild passen, werden nicht in den heiligen Hallen unserer Museen ausgestellt. Sie fristen ein jämmerliches Dasein in Archiven und Kellern, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Oder sie werden einfach ignoriert. Objekte, die in der schulwissenschaftlichen Lehrmeinung keinen Platz haben werden rasch als Fälschungen deklariert. Es müssen Fälschungen sein, weil sie nicht echt sein können. Und sie können nicht echt sein, weil sie nicht echt sein dürfen.

Cabreras gravierte Steine und Tonfiguren zeigen zum Beispiel ganz eindeutig vorzeitliche Saurier. Wie geht man mit solchen Objekten um? Wie stuft man sie ein? Man kann sie leichtfertig zu Fälschungen erklären, nach einem simplen Motto: Vor Jahrtausenden können Menschen in Südamerika nichts von Sauriern gewusst haben. Also können Artefakte, die Saurier zeigen, nicht Jahrtausende alt sein. Es gibt aber eine Alternative! Vielleicht ist unsere Vorstellung vom Wissensstand der Menschen, die vor Jahrtausenden in Südamerika lebten, falsch? Vielleicht müssen wir unsere Thesen über die graue Vergangenheit Südamerikas so ändern, dass auch unliebsame archäologische Funde Platz finden. Unsere Thesen über die Vergangenheit des Menschen dürfen keine unantastbaren Dogmen sein. Sie müssen ständig überprüft werden.

Leider weigert sich aber die Schulwissenschaft in der Regel, archäologische Funde, die nicht ins klassische Bild der Vergangenheit passen, zur Kenntnis zu nehmen.
Jahrtausende alte Saurierdarstellungen sind für Anhänger des schulwissenschaftlichen Kanons ein Gräuel. Und doch gibt es sie.

1897 wanderte der Bremer Kaufmann Waldemar Julsrud nach Mexiko aus. Wie Heinrich Schliemann (1822-1890) war er ein begeisterter Feldarchäologe aus Leidenschaft. Schliemann wurde von der Wissenschaft nicht ernst genommen. Er entdeckte Troja. Julsruds Funde dürften weitaus bedeutsamer sein für die Geschichte der Menschheit. Will man die wahre Geschichte der Menschheit wie ein Buch lesen, darf man auf Julsruds Seiten nicht verzichten.

In den Jahren 1944 bis 1952 gruben Einheimische in seinem Auftrag mehr als 33 000 kleinere Skulpturen aus. Darunter befinden sich unzählige – die genaue Zahl ist unbekannt – Saurierfiguren. Ohne dass auch nur eine einzige der phantastisch anmutenden Skulpturen wissenschaftlich untersucht wurden... erklärte man sie in Bausch und Bogen zu modernen Fälschungen. Sie konnten nicht echt sein, weil sie nicht echt sein durften.

Waldemar Julsrud funktionierte sein geräumiges Haus in ein bewohntes Museum um. Jeder freie Fleck wurde genutzt. Überall standen und lagen die bizarren Tonfiguren, auf Tischen und Schränken, in Regalen und Vitrinen. Julsruds Haus wurde zu einer bizarren Welt, die sich Menschen und monströs wirkende Wesen teilten. Tausende Figuren stellten eine Welt dar, die mehr an einen Mysteryfilm unserer Tage als an irdische Realität erinnerte. Immer mehr Neugierige besuchten die einzigartige Ausstellung. Vertreter der Wissenschaft indes hielten es nicht für erforderlich, die Artefakte näher in Augenschein zu nehmen. Sie konnten nur Fälschungen sein, weil sie Fälschungen sein mussten. Und sie mussten Fälschungen sein, weil sie nicht echt sein durften. Und um Fälschungen zu betrachten, war jedem Wissenschaftler auch ein noch so kurzer Weg zu weit... zumindest offiziell.

Anno 1964 wurde die mysteriöse Sammlung nach dem Tod von Waldemar Julsrud in ein Lagerhaus verbannt. Dort schlummerte sie, vorsorglich von der Öffentlichkeit weggeschlossen, bis Ende der 1990er Jahre Privatforscher auf die sensationellen Funde aufmerksam machten. Und siehe da... Es hatte doch wissenschaftliche Untersuchungen and Analysen der Funde gegeben. Warum aber wurden die Ergebnisse nicht publik gemacht. Warum wurden die Altersbestimmungen der »gefälschten Artefakte« nicht in die Welt hinaus posauniert? Lag es daran, dass die erhofften Resultate nicht geliefert wurden? Lag es daran, dass die Funde keine modernen Fälschungen sein können?

Fakt ist: Drei wissenschaftliche Institute aus Nordamerika (1) haben Julsrud-Objekte getestet. Unabhängig voneinander kamen alle drei zu Ergebnissen, die nur einen Schluss zulassen: Die datierten Artefakte sind keine Fälschungen! Untersuchung wurden durchgeführt:

· vom »Teledyne Isotopes Laboratories«, Westwood, New Jersey
· vom »Museum Applied Science Center for Archaeology« der »University of Pennsylvania« und
· von den »Geochron Laboratories«, Massachusetts.

Fasst man die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Untersuchungen zusammen, dann müssen die geheimnisvollen Skulpturen über einen langen Zeitraum hinweg geschaffen worden sein, nämlich zwischen 4500 vor Chr. (C14 Datierung von 1968) und 2500 v.Chr. (Thermolumineszenz Datierungen von 1973 und 1995). Doch wurde Julsrud rehabilitiert, nachdem die Fälscher-These eigentlich als widerlegt angesehen werden müsste?

Fakt ist: In Julsrud Sammlung gibt es Miniskulpturen, die Saurier darstellen. Wissenschaftliche Analysen sprechen den Artefakten Julsruds ein sehr hohes Alter zu. Ein winziger Bruchteil der Artefakte ist immerhin öffentlich ausgestellt im »Museum Waldemar Julsrud«, das am 28. Februar 2002 in Acámbaro eröffnet wurde. Jahrzehnte nach Waldemar Julsruds Tod hatte sich der Wunsch des unermüdlichen Forschers endlich erfüllt.

Fakt ist: Auch in Prof. Dr. Javier Cabrera Darqueas Museum gibt es Saurierdarstellungen. Auch diese Objekte werden gern in Bausch und Bogen verdammt und als Fälschungen diskreditiert. Dabei gibt es wissenschaftliche Studien, die dafür sprechen, dass es auch sehr alte »Cabrera-Objekte« gibt.

Fakt ist: Bereits im Sommer 1967 führte die »Compania Minera Mauricio Hochschild« eine Untersuchung von gravierten Steinen durch. Prof. Dr. Javier Cabrera Darquea zeigte mir die entsprechenden Dokumente in seinem Museum. Die Resultate sind sensationell, werden aber bis heute weitestgehend totgeschwiegen. Der Geologe Dr. Erik Wolf analysierte die Oxydationsschichten, die sich auf den Einritzungen gebildet hatten. Weitere Proben wurden von Professor Dr. Josef Frenchen vom »Institut für Mineralogie und Petrographie an der Universität Bonn« datiert. Im Frühjahr 1969 lag dann das eindeutige Ergebnis vor. Demnach müssen die Einritzungen vor mindestens 12 000 Jahren vorgenommen worden sein. Ein weit höheres Alter könne nicht ausgeschlossen werden.

Im Jahre 2002 führten Maria del Carmen Olazar Benguira und Felix Arenas Marsical Ausgrabungen in der Wüste zwischen Nasca und Ica durch. Tagelang haben sie unter schwierigen Bedingungen gegraben. 200 Meter unterhalb des Gipfels des Cerro Norte fündig: gravierte Steine, vergleichbar mit den Artefakten aus Cabreras Museum! Im Museum von Prof. Dr. Javier Cabrera Darquea verblüffen Darstellungen von komplizierten medizinischen Eingriffen: in Steine graviert und plastisch als Tonfiguren.

Einer der 2002 ausgegrabenen Steine zeigt – wie die Artefakte im Cabrera-Museum – ebenfalls eine medizinische Szene: Eine Person, die auf einem Tisch liegt, wird operiert. Der Chirurg setzt offenbar gerade das Messer an. Einige der Steine –Luc Bürgin weist in seinem vorzüglichen Nachschlagewerk ausdrücklich darauf hin (2) – waren »mit Ablagerungen verklebt«. Bürgin: »Und die Karbonablagerungen auf den mitgebrachten Boden- und Gesteinsproben waren gemäß Thermoluminiszenz-Datierung ›mehr als 61 196 Jahre‹ respektive ›mehr als 99 240 Jahre‹ alt - ›bei einem Abweichungsfaktor von 5000 bis 8000 Jahren.‹«

Bürgin schließt seine Ausführungen über die »Ica-Steine« so: »Die unendliche Geschichte der Ica-Steine ist damit um ein weiteres Kapitel reicher. Wie sie wohl weitergeht?«


Zitierte Literatur

(1) Bürgin, Luc: »Lexikon der verbotenen Archäologie: Mysteriöse Funde von A bis Z«, Rottenburg 2009, S. 22

(2) Bürgin, Luc: »Lexikon der verbotenen Archäologie: Mysteriöse Funde von A bis Z«, Rottenburg 2009, S. 102

»Geheimnisvolles Nasca«,
Teil 16 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 2. Mai 2010




Sonntag, 18. April 2010

14 »Dr. Cabreras gravierte Steine«

Teil 14 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
1961 trat der Rio Ica über seine Ufer und überschwemmte Teile der Ocucaje-Wüste. War ein Erdbeben verantwortlich? Als sich die Wassermassen wieder zurückzogen, untersuchten einheimische Bauern die Schäden. Karge Felder waren vollkommen verwüstet. Wo zuvor Landwirtschaft betrieben werden konnte, da war die dünne Schicht fruchtbaren Bodens weggeschwemmt worden. Beim Abschreiten des Landes machten die Einheimischen eine erstaunliche Entdeckung: Steinbrocken unterschiedlicher Größen, die lange im knochentrockenen Erdreich verborgen gelegen hatten... waren von den Naturgewalten freigelegt worden. Die Steine mochten wohl Ewigkeiten vom Fluss poliert worden sein.

Sie waren abgerundet und wiesen glatte Oberflächen auf. Es handelt sich bei den Steinen um grauen Andesit, also um einen harten Stein. Deshalb wird er gern zum Pflastern von Plätzen verwendet. Wegen der hervorragenden Witterungsbeständigkeit und seiner besonderen Härte eignet er sich ideal für den Straßenbau.

Und doch weisen die Ica-Steine aus eben diesem Material seltsame Gravuren auf. Wegen ihrer Härte sind sie eigentlich nicht erste Wahl für die Herstellung von Abertausenden von über und über mit Gravuren verzierten Kunstwerke. Die armen Bauern freuten sich über die Funde und verkauften die Kunstwerke an Touristen. Die Gravuren wurden publikumswirksam von den geschäftstüchtigen Einheimischen als »Inka-Kunst« deklariert.

Was die emsigen Steinhändler sicher wussten: Sollte es sich bei den gravierten Steinen um archäologische Funde handeln, verstießen sie zweifach gegen geltendes Recht. War es doch strengstens verboten, archäologische Stätten zu plündern – wenn man kein Archäologe war – und vorgeschichtliche Funde zu verkaufen. Schon gar nicht durften sie ins Ausland geschafft werden. Das Erbe der Vorgeschichte Perus gehörte Peru und sollte nicht ins Ausland verkauft werden.

Und so zogen die Einheimischen nachts los, um die gravierten Steine zu suchen. Sie begnügten sich nicht mehr damit, sie aufzulesen. Sie gruben systematisch. Neu war ihnen diese Tätigkeit nicht. Hatte die Landwirtschaft schon seit Jahrhunderten eher karge Erträge gebracht, so war doch die Grabräuberei schon weit lukrativer. Ganze Heerscharen – so berichtete mir Prof. Dr. Javier Cabrera Darquea – machten sich besonders in sternklaren Nächten auf den Weg.

Funde gab es immer wieder: Textilien aus Vorinkazeiten, die sich im trockenen Wüstenboden erstaunlich gut gehalten hatten. Systematisch wurden Gräber – ebenfalls aus präinakischen Zeiten – aufgespürt und geplündert. Die Grabräuber trugen bei ihrer Arbeit Amulette, die sie vor dem Zorn der Totengeister schützen sollten. Die Polizei fürchteten sie bei ihrer nächtlichen Arbeit weniger, wohl aber die Toten. Wurden sie doch ihrer Grabbeigaben beraubt.

1966 bekam Dr. Javier Cabrera Darquea einen solchen gravierten Stein zum Geburtstag geschenkt. 1966 führte Santiago Agurto Calvo, ein Architekt, archäologische Grabungen durch. Er wurde fündig: immer wieder stieß er auf gravierte Steine. Calvo kam zu der Überzeugung, dass die Ritzzeichnungen von Künstlern aus vorinkaischen Zeiten stammten. Vergeblich versuchte er, Vertreter der schulwissenschaftlichen Archäologie für die mysteriösen Funde zu interessieren.

Dr. Javier Cabrera Darquea bekam immer wieder gravierte Steine geschenkt : von dankbaren Menschen, denen er unentgeltlich geholfen hatte. Und bald entwickelte der berühmte Sohn des Städtchens Ica eine wahre Sammelleidenschaft. Aus Hunderten von Steinen mit Ritzzeichnungen wurden innerhalb von Jahren viele Tausende. Dr. Javier Cabrera Darquea, der an der »Universidad Nacional San Luis Gonzaga«, Ica, Vorlesungen gehalten hatte, machte neben schlichten geometrischen Zeichnungen bald höchst ungewöhnliche aus: Pflanzen und Tiere aus prähistorischen Zeiten. Da gab es eindeutig zu identifizierende Saurier, die in die Oberfläche von Steinen geritzt worden waren. Wie sollten Menschen in vorinkaischen Zeiten gewusst haben, wie Saurier ausgesehen haben? Fantastischer noch: Die Künstler, die eine unüberschaubare Menge von Bildnissen schufen, stellten Menschen und Saurier als Zeitgenossen dar. Auf anderen Steinen waren komplizierte medizinische Eingriffe gezeigt, sogar Herztransplantationen und Kaiserschnittoperationen!

Wiederholt habe ich das Cabrera-Museum in Ica besucht. Prof. Dr. Javier Cabrera Darquea erwies sich stets als äußerst hilfsbereit. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass ihn die ablehnende Haltung der Wissenschaft geärgert und gekränkt hat. Immer wieder empörte er sich ob der Weigerung der Schulwissenschaft, die Bibliothek in Stein als echt anzuerkennen. »Man kann doch die gravierten Steine wie ein Buch lesen!« betonte der streitbare Museumsdirektor immer wieder.

Das sahen die meisten Wissenschaftler ganz anders: Menschen und Dinosaurier als Zeitgenossen? Eine hochstehende Zivilisation vor vielen Jahrtausenden, die eine sehr fortgeschrittene Medizin mit komplizierten chirurgischen Eingriffen beherrschte? Menschen, die vor vielen Jahrtausenden nicht nur hervorragende Mediziner waren, sondern die überhaupt den Wissenschaften huldigten? So sieht man auf nicht wenigen gravierten Steinen im Museum Menschen, die mit Hilfe von Teleskopen in den Himmel starrten.

Für die Schulwissenschaft war klar: So eine frühe hochstehende Zivilisation konnte es vor Jahrtausenden nicht gegeben haben... weil eine Anerkennung der Funde das bisherige Geschichtsbild komplett ad absurdum geführt hätte. Die Gravuren konnten nur Fälschungen sein.... weil sie Fälschungen sein mussten! Zur großen Freude der Schulwissenschaftler bewies anno 1998 der Spanier Vincente Paris: die Steine sind gefälscht. Das heißt: Vincente Paris untersuchte einige Steine mit Gravuren und kam zum Ergebnis, dass die Bildnisse nicht in grauer Vorzeit, sondern erst in jüngster Vergangenheit hergestellt worden sind. Seine Mikrofotographie-Aufnahmen wiesen, Luc Bürgin weist in seinem vorzüglichen Werk »Lexikon der verbotenen Archäologie – Mysteriöse Relikte von A bis Z darauf hin, »auf manchen Ica-Steinen Spuren von moderner Farbe und Poliermittel« nach.

Wie sind die Erkenntnisse Vincente Paris zu bewerten? Sind alle gravierten Steine im Museum Fälschungen? Genau das behaupten seit Jahrzehnten sogenannte Skeptiker, selbsternannte Verteidiger der Schulwissenschaften. 1977 erschien Erich von Dänikens voluminöser Band »Beweise – Lokaltermin in fünf Kontinenten«. In diesem Band berichtete Däniken auch über die gravierten Steine von Ica (S. 415): »Die Familie Cabrera besitzt an der Plaza de Armas in Ica ein großes Haus, das sie auch braucht, denn die Cabreras sind sehr fruchtbar. Trotzdem sind drei große Räume vom Boden bis zur Decke hinauf mit Regalen versehen, in denen massenhaft Steine liegen. Von Fußball- bis Ballongröße. Jeder Stein ist mit anderen Motiven graviert... Man entdeckt Indianer, die auf Vögeln reiten. Es sind Indianer mit fremdartigen Werkzeugen in den Händen verewigt. Auf einem Stein bedient sich ein Indianer einer Lupe zum besseren Sehen. Ein Stein ist ein Globus im Taschenformat: die Umrisse fremder Länder, Kontinente und Ozeane sind sorgsam eingeritzt.... Mit Bedacht zeigt Dr. Cabrera, der selbst führender Chirurg ist, eine Serie von Steinen, die den Hergang einer Herztransplantation zeigen.

Dem Patienten, der auf einer Art von Operationstisch liegt, wird das Herz herausoperiert; Schläuche versorgen ihn mit Infusionen. Ein frisches Herz wird eingesetzt. Zwei Operateure schließen die Arterien. Die Brustöffnung wird geschlossen.«

1977 wurde Erich von Däniken heftig attackiert. »Kritische Journalisten« dokumentierten, so hieß es, was Däniken verschweige. In der Fernsehdokumentation »Pathways to the Gods« (etwa: »Pfade zu den Göttern«) führten besagte »Meister« der Recherche Basilio Uschuya vor, den sie angeblich ausfindig gemacht hatten.... den Fälscher der Steine. Uschuya, so hieß es, nicht ohne Häme, gravierte die Steine mit einem Zahnarztbohrer und ließ sie künstlich altern... durch Backen in Kuhdung. War damit Erich von Däniken entlarvt?

1996 nahm sich die BBC erneut der »Fälschungen« an. 1997 brillierte »Kabel 1« mit einer skeptischen Dokumentation. Wieder wurde Basilio Uschuya als Fälscher der Steine von Ica vorgestellt.

War somit die »Akte Ica-Steine« erledigt? Konnte sie endgültig geschlossen werden, da kritische Journalisten doch den Fälscher aller Steine auufgespürt hatten? Nun, ganz so einfach ist der Sachverhalt nicht. Es war keineswegs eine besonders schwierige Aufgabe, den Fälscher Basilio Uschuya zu »entdecken«. Dazu bedurfte es keines Meisterdetektivs wie Sherlock Holmes. Was von den »Enthüllern« gern verschwiegen wird: Erich von Däniken selbst stellte Basilio Uschuya in seinem Buch »Beweise – Lokaltermin in fünf Kontinenten« (1) vor. Um den Mann zu finden... muss man nur bei Däniken nachlesen.

Fakt ist: Erich von Däniken hat die Weltöffentlichkeit auf die gravierten Steine von Ica aufmerksam gemacht. Und er hat ganz offen über den »Fälscher« geschrieben. Nur: Erich von Däniken zweifelt aber stark an, dass Uschuya Zigtausende Gravuren gefälscht haben kann. Und in der Tat: Es ist unmöglich, dass Basilio Uschuya die gewaltige Masse an Steinen mit unzähligen Gravuren versehen hat.

Warum aber behauptet dann Basilio Uschuya selbst, »alle gravierten Steine« selbst hergestellt zu haben? Tut er das wirklich? Fakt ist: Basilio Uschuya hat nachweislich »gravierte Ica-Steine« an ausländische Touristen verkauft. Er wurde von den peruanischen Polizei mit dem Vorwurf konfrontiert, archäologische Funde illegal veräußert zu haben. Für das Übertreten dieses Gesetzes, das archäologische Erbe Perus schützen soll, wäre Basilio Uschuya empfindlich bestraft worden. Also erklärte er, die Steine gemeinsam mit seiner Frau gefälscht zu haben. Der Verkauf unechter archäologischer Gegenstände ist nämlich nicht verboten. Basilio Uschuya wurde nicht weiter belangt und auch nicht bestraft.

Basilio Uschuya (2): »Zwar habe ich der Polizei tatsächlich zu Protokoll gegeben, die Cabrera-Steine selbst fabriziert zu haben. Aber ich tat dies nur zu meinem eigenen Schutz. Man hätte mich sonst wegen Plünderung archäologischer Stätten verhaftet.«

Zitierte Literatur
(1) Erich von Däniken: »Beweise - Lokaltermin in fünf Kontinenten«, Düsseldorf und Wien 1977, S. 417 und S. 418

(2) Luc Bürgin: »Lexikon der verbotenen Archäologie: Mysteriöse Funde von A bis Z«, Rottenburg 2009, S. 101

Foto Cabrera/Langbein: Ingeborg Diekmann
Alle übrigen Fotos: Walter-Jörg Langbein
Copyright: Walter-Jörg Langbein



»Fantastische Funde oder Fälschungen?«,
Teil 15 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am
25.04.2010

Sonntag, 11. April 2010

13 »Das Horrorkabinett des Dr. Cabrera«

Teil 13 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Eines der geheimnisvollsten Museen unseres Planeten habe ich in Ica, Peru, besucht. Es ist das »Museo de Piedras Grabadas de Ica« (»Museum der gravierten Steine von Ica«). Gegründet hat es Professor Dr. Javier Cabrera Darquea (1924-2001). Das Museum bietet zwei archäologische Sammlungen. Eine davon wurde jahrelang geheim gehalten. Beide dürfte es eigentlich gar nicht geben: Sie sind viel zu fantastisch. Aber die Wirklichkeit mutet manchmal sehr viel unrealistischer an als die unwahrscheinlichste Fiktion.

Cornelia Petratu und Bernard Roidinger schreiben im Nachwort zu ihrem Werk »Die Steine von Ica« (S. 263/264) : »Pünktlich, frisch und voller Tatendrang erwartete uns Dr. Cabrera in seinem Museum.... Nichts unter seiner Regie hätte uns noch überraschen können. An diesem letzten Tag aber vollendete er seine Inszenierung.... Und so enthüllte uns Dr. Cabrera die versperrten Räume eines Hauses, das er seine ›geheimen Kammern‹ nannte. Hatte schon das Betreten des Privatmuseums von Dr. Cabrera wie ein Schock auf uns gewirkt, so übertraf das, was wie jetzt zu sehen bekamen, jegliche Vorstellungskraft. Was Dr. Cabreras ›geheime Kammern‹ bergen, ist so erschütternd, dass es alle Grenzen rationaler Vorstellungskraft sprengt. Auch wenn wir es zu erklären versuchen, wir können es nicht. Es übersteigt ganz einfach unsere Vorstellungskraft.«

Was haben Cornelia Petratu und Bernard Roidinger gesehen, aber nicht näher beschreiben dürfen? Was wurde ihnen gezeigt, was sie im Bilde nicht publik machen durften? Oder: Was haben sie gesehen, was sie nicht in ihr Buch aufzunehmen wagten?

Bereits Ende der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts hatte ich von den mysteriösen Objekten im Privatmuseum von Professor Dr. Javier Cabrera Darquea gehört. Von einem öffentlichen und von einem geheimen Teil einer mysteriösen archäologischen Sammlung war die Rede. Wirkliche Informationen waren aber nicht zu finden. Statements von Wissenschaftlern standen nicht zur Verfügung. Was hatte es sich mit Prof. Cabrera und Funden, die es angeblich eigentlich nicht geben dürfte, auf sich?

Im Herbst 1992 habe ich erstmals versucht, die mysteriösen Artefakte der Sammlung Dr. Cabreras anzusehen und zu fotografieren. Damals bereiste ich zusammen mit drei Freunden zwei Monate lang Südamerika von Ecuador bis zur Osterinsel. Als wir in Ica beim Privatmuseum Dr. Cabreras vorsprachen, da erlebten wir eine herbe Enttäuschung. Zunächst fand sich niemand, den wir hätten befragen können. Das Museum war geschlossen. Auf unser Klingeln reagierte niemand. Schließlich erfuhren wir: Dr. Cabrera war auf Reisen – in Europa. Welche Ironie: Da machten sich vier Europäer nach Ica in Peru auf den Weg, um Prof. Cabrera zu sprechen und Prof. Dr. Cabrera war gleichzeitig in Europa unterwegs.

Ich hatte aber schließlich Gelegenheit, mit einem Bruder von Prof. Cabrera ausführlich zu sprechen. Er bestätigte mir unumwunden die Existenz einer zweiten, geheimen Sammlung, die er mir aber leider nicht ohne die ausdrückliche Genehmigung seines Bruders zeigen dürfe. Und der war nicht zu erreichen.

Jahre später war es dann soweit... Langsam gewöhnten sich meine Augen an das diffuse Licht. Die Luft war staubgeschwängert. Vor mir erstreckte sich ein schmaler Korridor, dessen Ende ich nur zu erahnen vermochte. Rechts und links reichten Regale übermannshoch vom Boden bis zur Decke. Hunderte, ja Tausende von Tonfiguren lagen dicht gedrängt in mehreren Reihen hintereinander. Offenbar waren nachträglich immer wieder neue Bretter eingezogen worden, um immer mehr Fundstücken der mysteriösen Raum Platz zu bieten. Die gewaltige Sammlung wurde nach und nach immer wieder ergänzt.


Einige nackte Glühbirnen hängen an Drähten von der Decke. Ihr fahler Schein taucht das ganze Szenario in ein unheimliches Licht. Die Luft ist trocken und reizt zum Husten. Ich schreite langsam die Regale ab. Der Lichtkegel meiner starken Taschenlampe gleitet über die Figuren in den Regalen. Meist bilden je zwei menschenähnliche Wesen ein kleines erschreckendes Ensemble: Eine Gestalt liegt auf einer Art Tisch. Eine zweite steht daneben und »behandelt« die liegende Gestalt. Eine in Variationen häufig auftretende Gruppierung: Die stehende schneidet an der liegenden Person herum. In einigen Fällen hat der »Operateur« bereits mit einem Messer des »Patienten« geöffnet.

Die dargestellten Szenen variieren... und ähneln einander doch sehr. Ich fühle mich in ein steinernes Figurenkabinett á la Madame Tussaud versetzt... in die Gruselabteilung. Die Wesen aus grauem Ton sind – anders als in den Wachsmuseen Madame Tussauds – nicht menschengroß, sondern sehr viel kleiner. Bis zu dreißig Zentimeter sind sie hoch, habe ich nachgemessen. Verewigt wurden aber nicht – wie bei Madame Tussaud – prominente Individuen, sondern maskenhaft wirkende Gestalten. Ein ganzes Heer von seltsam uniform wirkenden Akteuren geht da einer blutigen Beschäftigung nach. Hundertfach, ja tausendfach wird da operiert oder seziert. Die Gestalten mit den Messern erinnern weniger an mitfühlende Ärzte, die Kranken zu helfen versuchen. Sie wirken mehr wie gefühlskalte Wissenschaftler, die menschliche Wesen als Versuchskaninchen missbrauchen und aus Forscherdrang öffnen und zerstückeln. Sind es überhaupt Menschen? Ihre Gesichtszüge wirken seltsam fremdartig.

Hunderte, ja Tausende von diesen Wesen habe ich in Prof. Cabreras geheimem Korridor gesehen. Sie standen dicht an dicht gedrängt. Eigentlich hätte ich einige Wochen lang Stück für Stück fotografieren müssen. In verstaubten Kartons entdeckte ich stark beschädigte Figürchen und nicht näher zu identifizierende Bruchstücke. Prof. Dr. Cabrfera: »Ich kann nur einen kleinen Teil der gut erhaltenen Figürchen ausstellen. Die Bruchstücke zusammenzufügen... dazu fehlt mir die Zeit!«

Immer wieder hat mir der Wissenschaftler versichert: In einer Höhle lagern Zigtausende solcher Figuren. Aus Platzmangel könne er in der geheimen Abteilung seines Museums nur einen kleinen Bruchteil seiner Figuren präsentieren. Nach Schätzungen von Professor Dr. Javier Cabrera Darquea haben die Einheimischen etwa 50.000 archäologische Objekte ausgraben. Er selbst, und auch das beteuerte er mir immer wieder, will in einem »unterirdischen Tunnel« schätzungsweise 100 000 der mysteriösen Objekte gesehen haben. »Um diese Schätze der Nachwelt dauerhaft erhalten zu können, ist ein großes Museum erforderlich. Die kostbaren Artefakte müssen fachgerecht geborgen, gesäubert, katalogisiert und unter idealen Bedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit) ausgestellt werden.«

Professor Dr. Javier Cabrera Darquea (1924-2001) ist weltweit für seine ungewöhnliche archäologische Sammlung bekannt. Robert Charrox berichtete bereits 1974 in seinem Buch »L’enigme des Andes« über das Museum von Prof. Cabrera. Die deutsche Übersetzung erschien 1974 unter dem Titel »Das Rätsel der Anden«: Es gibt keinen Hinweis auf die eigentliche Sensation... auf das Horrorkabinet des Dr. Cabrera. Dr. Cabrera versicherte mir: »Die Zeit war noch nicht reif!« Ob sich die Wissenschaft jemals mit den archäologischen Objekten aus der Sammlung Cabreras auseinandersetzen wird. Wird sie es tun? »Sie muss es!« meinte Prof. Cabrera immer wieder. Ich habe da meine Zweifel. Nach Cabrera sind die Artefakte seines Museums »viele Jahrtausende alt«. Sollten sie echt sein, müsste die Geschichte der Menschheit in Teilen komplett umgeschrieben werden. Denn bislang sind Ärzte, die vor Jahrtausenden im »alten Peru« chirurgische Eingriffe vornehmen konnten.... in den Annalen der menschlichen Historie nicht vorgesehen. Werden wir die monströs-mysteriösen Figürchen je wie ein Buch lesen können?

Genau davon aber ist Prof. Cabrera überzeugt. Ob die Tonfiguren vielleicht Menschenopfer zeigen? Haben Priester vor Jahrtausenden Menschen rituell geopfert... und nicht operiert? Diese Vermutung weist Prof. Cabrera weit von sich. Prof. Cabrera, ein direkter Nachfahre des Stadtgründers von Ica Captain Don Gerónimo Luis de Cabrera y Toledo, war selbst geachteter und beliebter Mediziner. »Sehen Sie doch genau hin!« fordert er mich fast barsch auf. »Was sehen Sie da?« Tatsächlich scheint da einem Menschen das Herz aus dem Leibe geschnitten worden zu sein. »Ein Menschenopfer also?« frage ich. Eine andere Tonplastik zeigt, wie das Herz medizinisch versorgt wird. Ein Wesen hält es in den Händen. Von einer dicken Vene führt so etwas wie ein Schlauch in ein Gefäß.

Prof. Dr. Cabrera macht mich auf ein weiteres Ensemble aufmerksam. Was ich da sehe, verschlägt mir den Atem. Was wird da in Tonplastik dargestellt? Was diente den Künstlern einst als Vorlage? Wird da einem menschlichen Körper das Herz entnommen, einem anderen Menschen die Brust geöffnet... dem Empfänger des Herzens? Wird da eine Herztransplantation gezeigt? »Unmöglich... das kann doch nur unmöglich sein...« drängt es mich, Prof. Cabrera zu entgegnen. Handelt es sich um eine Fälschung? Ein religiöses Menschenopfer, daran gibt es keinen Zweifel, stellt die Plastik nicht dar: Ich muss Prof. Cabrera recht geben. So sieht kein primitives Menschenopfer für die Götter aus. Da werden tatsächlich Menschen von Chirurgen operiert. Werden Herzen verpflanzt? Wer aber soll vor Jahrtausenden im »alten Peru« bereits Menschen am Herzen operiert haben? Und wer soll schon Herzen transplantiert haben? Prof. Cabrera ist davon überzeugt: Es gab im Gebiet des heutigen Peru vor vielen Jahrtausenden eine fortgeschrittene, hoch stehende Zivilisation, eine Urkultur, lange vor der unseren.

Die Kunstwerke scheinen eine Geschichte zu erzählen. Können wir die Tonfiguren wie ein Buch lesen und verstehen?

Viele Jahre war lediglich Prof. Cabreras Sammlung garvierter Steine bekannt. Die Tonfiguren hielt er noch geheim. Tausende und Abertausende Steine mit Tausenden und Abertausenden von Gravuren waren in Cabreras Museum in Ica am »Plaza de Armas« zu sehen – mit teilweise phantastischen Motiven. Unter anderem wurden auch hochkomplizierte chirurgische Eingriffe gezeigt: mit einer Fülle von Details, die die Tonkünstler als dreidimensionale Plastiken nicht mit der gewünschten Präzision verewigen konnten. Das ließ das grobe Tonmaterial einfach nicht zu. Also ritzten sie offenbar Zeichnungen in harten Stein, mit unvergleichlich mehr an deutlich zu erkennenden Einzelheiten. Plastiken und Ritzzeichnungen stellen immer wieder ähnliche Motive dar. Plastiken und Ritzzeichnungen dürften annähernd zur gleichen Zeit entstanden sein. Wann?

Schon im Sommer 1967 führte die »Compania Minera Mauricio Hochschild« eine Untersuchung von gravierten Steinen aus der Sammlung von Prof. Cabrera durch. Verantwortlich zeichnete der Geologe Dr. Erik Wolf. Der Wissenschaftler analysierte die Oxydationsschichten, die sich auf den Einritzungen gebildet hatten. Diese Schichten liegen auf oder über den Gravuren. Die eingeritzten Zeichnungen sind also von einer hauchdünnen natürlichen »Glasur« überzogen. Keine Frage: Die Gravuren müssen also älter als die Oxydationsschichten sein.

Auch wenn es fast unmöglich ist, das Alter der Ritzungen direkt zu bestimmen... so hilft es doch, die Oxydationsschicht zu datieren. Das Ergebnis verrät uns, wie alt die eingravierten Bilder mindestens sind. Neben Dr. Erik Wolf hat auch das »Institut für Mineralogie und Petrographie an der Universität Bonn« Tests durchgeführt. Ergebnis: Die Gravuren müssen vor mindestens 12 000 Jahren in den Stein geritzt worden sein. Sie sind also zwölf Jahrtausende alt... oder älter.

Foto Cabrera/Langbein: Ingeborg Diekmann
Alle sonstigen Fotos: Walter-Jörg Langbein
Copyright: Walter-Jörg Langbein


Adresse des Museums: »Museo de Piedras Grabadas de Ica«, Bolívar 170, Plaza de Armas Ica, Peru
Das Museum wurde nach dem Tod von Prof. Javier Cabrera Darquea weitergeführt.
»Dr. Cabreras gravierte Steine«,
Teil 14 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 18.04.2010

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)