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Sonntag, 3. Dezember 2017

411 »Vom Setzling und den Astronautengöttern«

Teil 3 von »Von einem, der auszog, um Pfarrer zu werden«,
Teil  411 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein 

3.12.2017                      

Foto 1: Adam und Eva von Urschalling.

Kurz vor Weihnachten 1968. Bundesweit diskutiert man über Erich von Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft«. Kaum eine Unterrichtsstunde vergeht ohne einen Hinweis auf Erich von Däniken. On Mathematik oder Musik, ob Geschichte oder Physik. Besonders angetan von den Theorien des Schweizer Bestsellerautoren ist Musiklehrer Heinz Müller-Beck. Mit Däniken gar nichts anfangen kann unser Religionslehrer, ein behäbiger Pfarrer, mit der Neigung zu drastischer Ausdrucksweise. »Das ist doch alles ein Scheiß!« pflegte der Gottesmann zu sagen, wenn es ihm an Gegenargumenten gebrach.

Foto 2: Adam von Urschalling.

Einmal hielt ich im Religionsunterricht einen kleinen Vortrag über »Erinnerungen an die Zukunft« unter besonderer Berücksichtigung biblischer Texte, von Babel bis Bomben auf Sodom, von Himmelfahrt Jesu bis Hesekiels Raumschiff. »Das ist doch alles ein Scheiß!« ließ der Religionslehrer wieder einmal vernehmen. Auf meine Frage, ob er denn wirklich genau wisse, dass Dänikens Interpretationen falsch seien, kam wieder sein »Das ist doch alles..«, gefolgt von »Ich habe die biblischen Texte in den Originalsprachen gelesen, da kommen keine Außerirdischen drin vor!«

Diese grimmig vorgetragene Äußerung des Geistlichen war mit einer der zentralen Gründe für mich, evangelische Theologie zu studieren. Ich wollte auch die Bibel in den Originalsprachen Hebräisch und Griechisch lesen. Ich wollte selbst herausfinden, ob die Originaltexte nicht vielleicht mehr über die »Astronautengötter« aussagten als die modernen Übersetzungen. Tatsächlich wurde ich fündig!Im Alten Testament schufen »Elohim«, also »Götter« (Mehrzahl) als erste Menschen Adam und Eva.

Foto 3: Eva ...
Laut Genesis (1. Buch Mose Kapitel 2 Vers 21) entstand Eva aus einer Rippe Adams. »Ti«, so heißt im Sumerischen das Zeichen für „Rippe“. Die Grundgedanken des biblischenSchöpfungsberichts basieren auf Überlieferungen aus dem Sumerischen.  »Ti« bedeutet aber gleichzeitig auch »Lebenskraft«. Darf man also übersetzen „Die Götter nahmen von Adams Lebenskraft.“? Wenn die »Elohim« Astronautengötter waren, entstand dann Eva als ein wissenschaftliches Experiment?

Was den Astronautengöttern vor Jahrtausenden möglich war, das mag schon heute klammheimlich in Laboren geschehen.  Täuschen wir uns nicht! Was wissenschaftlich möglich ist, es geschieht auch. Auch wenn viele Wissenschaftler aus ethischen Gründen auf  Experimente verzichten, es wird irgendwo schon längst skrupellose Wissenschaftler geben, die Gott spielen wollen.

Die Lebenskraft hat ihren Sitz in der Zelle. Gene sind Informationsträger der Vererbung. Die Grundinformation liegt bereits im DNS- Molekül. Durch künstlich herbeigeführte  Mutationen in diesem Bereich werden die Erbfaktoren verändert. So dürfte es möglich sein, intelligente »Tiermenschen« zu erschaffen schaffen, die der Sprache mächtig sind. An solchen Kreaturen dürften zum Beispiel Diktatoren interessiert sein. Warum? Sie träumen womöglich von einem Heer von Soldaten, von Wesen ohne Selbsterhaltungstrieb, von idealen Kämpfern ohne Skrupel.

Foto 4: Abel
Foto 5: Kain
Spekulieren wir weiter: Nehmen wir an, ein gentechnisch manipulierter Adam wurde geschaffen. Damit es aber nicht bei diesem einem Individuum bleibt, damit die veränderten Erbanlagen auch weitergegeben werden, muss der mutierte Chromosomensatz einem weiblichen Wesen eingepflanzt werden. Und just dieser Vorgang wird, so scheint mir, im »Schöpfungsbericht« der Bibel beschrieben, was freilich nur das hebräische Original erkennen lässt. Unsere Übersetzungen hingegen lassen die ursprüngliche Aussage nicht mehr auch nur erahnen. Schlagen wir also das 1. Buch Mose Kapitel 4 Vers 25 auf.  Ich wiederhole: Man muss den Text freilich wörtlich aus dem Hebräischen übersetzen, um den eigentlichen Sinn zu erkennen, der den Lesern heutiger, moderner Bibelausgaben fremd bleibt. Wie heißt es in gängigen Übersetzungen?

So lesen wir in der »Luther-Bibel«, Ausgabe 2017: »Adam erkannte
abermals seine Frau, und sie gebar einen Sohn, den nannte sie Set: ›Denn Gott hat mir einen andern Sohn gegeben für Abel, den Kain erschlagen hat.‹« Konsultieren wir die »Elberfelder Bibel«:  »Und Adam erkannte noch einmal seine Frau, und sie gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Set: Denn Gott hat mir einen anderen Nachkommen gesetzt anstelle Abels, weil Kain ihn erschlagen hat.« Lassen wir noch die »Schlachter-Bibel« von 1951 zu Wort kommen: »Und Adam erkannte sein Weib abermal; die gebar einen Sohn und nannte ihn Seth; denn Gott hat mir für Abel einen andern Samen gesetzt, weil Kain ihn umgebracht hat.«

Die »Einheitsübersetzung« bemüht sich immerhin um Klärung der Frage, warum denn nun Eva ihren dritten Sohn Seth genannt hat. Des Rätsels Lösung: Der hebräische Name »Seht« (andere Schreibweise ist »Schet«) lässt sich übersetzen. Und diese Übersetzung wird in der »Einheitsübersetzung« in Klammern angegeben: »Adam erkannte noch einmal seine Frau. Sie gebar einen Sohn und nannte ihn Set (Setzling); denn sie sagte: Gott setzte mir anderen Nachwuchs ein für Abel, weil ihn Kain erschlug.«

Foto 6: Adam und Eva, Höxter
Auch diese Übersetzung mutet noch etwas seltsam an. Wie sollen wir den verstehen, dass »Gott« ihr »anderen Nachwuchs« einsetzte? Die Luther-Bibel von 1912 ist genauer in ihrer Übersetzung:  Sie verrät uns, dass Eva ihren 3. Sohn Seth nannte, »denn Gott hat mir, sprach sie, einen andern Samen gesetzt für Abel, den Kain erwürgt hat.« Dem »fremden Samen« begegnen wir auch in der Luther-Bibel von 1545: »Adam erkandte aber mal sein weib / vnd sie gebar einen Son den hies sie Seth / Denn Gott hat mir (sprach sie) einen andern samen gesetzt fur Habel den Kain erwürget hat.«

Die wortwörtliche Wiedergabe, die wortgetreue Übersetzung aus dem hebräischen Original lautet: »Und Adam schwängerte nochmals seine Frau, und sie gebar einen Sohn, den nannte sie Setzling (oder: Eingepflanzter), denn gesetzt haben mir die Elohim (die Götter) fremden Samen für Abel, welchen Kain erschlug.«

Der Vollständigkeit halber: Analysiert man den vorliegenden Satz im Hebräischen gründlich, dann scheint da etwas nicht zu passen. Es gibt nur eine Erklärung! Es wurden offensichtlich zwei Sätze aus verschiedenen Urquellen miteinander verknüpft. Satz 1 berichtet »Und Adam schwängerte nochmals seine Frau und sie gebar.« Satz 2 ist in wörtlicher Rede gefasst und erklärt, warum Eva den Knaben Seth, nämlich Setzling nannte: »Denn gesetzt haben mir »Elohim« die Götter fremden Samen für Abel, welchen der Kain erschlug.« Beide Sätze, wobei der zweite älter sein dürfte, als der erste, wurden miteinander vermengt. Im Hebräischen ist noch zu erkennen ist, dass da zwei Sätze wie zwei nicht wirklich zusammen passende Puzzleteile in ein Bild gepresst wurden, während dieser Sachverhalt in späteren Übersetzungen entstellt wurde.

Demnach war Adam nicht der biologische Vater von Seth, wurde doch der Eva fremder Same »gesetzt«. Warum scheuen Bibelübersetzer davor zurück die Sache mit Seth zu erklären? Wieso vermeiden Bibelübersetzer den Hinweis auf die Bedeutung des Namens Seth? Rühmliche Ausnahme ist Martin Buber.

Foto 7
Wer das »Alte Testament« im Original lesen möchte, muss das biblische Althebräisch beherrschen und kann überprüfen, ob Übersetzungen der Texte korrekt erfolgt sind. Dem Original sehr viel näher als andere kommt die »Verdeutschung« des »Alten Testaments« von Martin Buber und Franz Rosenzweig (1). Buber wählte bewusst den Ausdruck »Verdeutschung«, weil er bemüht war, so viel wie möglich vom Original zu erhalten.

Martin Buber (1925-1978) war ein weltweit geachteter österreichisch-israelischer jüdischer Religionsphilosoph. Intensiv wie kein anderer Gelehrter setzte er sich mit den Schriften des »Tenach«, in unseren Gefilden als »Altes Testament« bekannt, auseinander. Der Philosoph und Schriftkundige war zeitlebens bemüht, die altehrwürdigen Texte so ins Deutsche zu übertragen, dass möglichst alle sprachlichen Besonderheiten erhalten blieben. Wie Buber in einem Interview erklärte, ging es ihm dabei nicht um die Untermauerung einer Lehre oder Theologie. Vielmehr wollte er, sinnbildlich gesprochen, ein Fenster zur Welt des »Tenach« aufstoßen.

Martin Buber gibt Genesis 4, Vers 25 wie folgt wieder (2): »Adam erkannte nochmals sein Weib und sie gebar einen Sohn. Sie rief seinen Namen: Schet, Setzling! Denn gesetzt hat Gott mir einen andern Samen für Habel, weil ihn Kajin erschlug.« Das Einsetzen fremden Samens klingt in meinen Ohren mehr nach außerirdischen Experimentatoren als nach einem biblischen Gott.

Übrigens: Der Sachverhalt des Einpflanzens fremden Samens wird, dies als interessante Ergänzung, auch im altindischen »Nala und Damayanti«, einem Teilstück des altindischen Epos »Mahabharata«, unabhängig vom Alten Testament Jahrtausende zuvor entstanden, gleichfalls beschrieben (2). Da erhält die Frau des Herrschers Bhima von den Göttern, vermittelt von einem Rsi, der zwischen himmlischen und irdischen Gefilden pendelte, Knaben- und Mädchenperlen. Diese werden eingepflanzt, die Königin wird schwanger und gebiert Kinder, just so, wie sie gewünscht worden waren, die Gene waren von den Göttern präpariert worden.

Foto 8: Eva am »Adam und Eva Haus«
Mein Fazit: Der Schöpfungsbericht im Alten Testament ist nicht Wort Gottes, er beschreibt vielmehr die Angelegenheiten der Götter.

Fußnoten
1) »Die Schrift. Aus dem Hebräischen verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig«, 4 Bände, 2688 Seiten, Deutsche Bibelgesellschaft, 1. Auflage, 1992
2) »Nala und Damayanti/ Eine Episode aus dem Mahabharata«, Stuttgart 1965

Zu den Fotos
Foto 1: Adam und Eva von Urschalling. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Adam von Urschalling. Foto Walter-Jörg Langbei
Foto 3: Eva von Urschalling.  Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Abel will Gott opfern. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Kain will Gott opfern. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Adam und Eva am »Adam- und Eva-Haus«, Höxter.
Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Adam am »Adam- und Eva-Haus«, Höxter. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Eva am »Adam- und Eva-Haus«, Höxter. Foto Walter-Jörg Langbein


412 »Jakobs Himmelsleiter und das Tor zum Himmel«,
Teil  412 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 10.12.2017


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Sonntag, 14. Mai 2017

382 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 2«,

»König David und der Heilige vom Gebirge Paran?«,
Teil  382 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 

- In Memoriam Rolf Streblow † -

Fotos 1 und 2: Jesse/ Isai und Co

Links neben dem Mann in Blau erkennen wir einen grün gekleideten Mann (Person 3). Es fällt uns leicht, ihn als David mit Harfe zu identifizieren. Im Spruchband lesen wir: »In sole posuit tabernaculum suum Ps.18« Ps.18 steht für Psalm 18. Suchen wir den Psalm 18 in der Vulgata auf, so finden wir als Vers 6: »In sole posuit tabernaculum suum ; et ipse tamquam sponsus procedens de thalamo suo.« Die aktuelle Luther-Bibel von 2017 übersetzt (1): »Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer.«

Fotos 3 und 4: König David am Dom zu Paderborn

Links von David mit seiner Harfe steht ein in Rot gekleideter Mann (Person 4) mit roter Mütze. Auch er verfügt über ein Schriftband, das sich vom Kopf nach unten schlängelt: »Stillabunt montes dulcedinem. Joel«. Hier fehlt ein Hinweis auf das Kapitel, aus dem das kurze Zitat stammt. Roman Nickel, dessen detektivischer Spürsinn nicht genug gelobt werden kann, hat’s gefunden (2): 

Die wenigen Worte sind aus dem Buch Joel entnommen, und zwar aus Kapitel 3, Vers 18. In der Vulgata lesen wir: »Et erit in die illa : stillabunt montes dulcedinem, et colles fluent lacte, et per omnes rivos Juda ibunt aquae ; et fons de domo Domini egredietur, et irrigabit torrentem spinarum.«

Foto 5: Blick in den Dom
In der Luther-Bibel von 2017 wie in allen anderen Bibelausgaben endet freilich Joel Kapitel 3 mit Vers 5. Die Übersetzung des zitierten lateinischen Verses findet sich in Kapitel 4, Vers 18: »Zur selben Zeit werden die Berge von Most triefen und die Hügel von Milch fließen, und alle Bäche in Juda werden voll Wasser sein. Und es wird eine Quelle ausgehen vom Hause des Herrn, die wird das Tal Schittim bewässern.«

Am Ende von Joel Kapitel 4, Vers 18 lesen wir im hebräischen Urtext: »nachal haschittim«.  Die Bedeutung ist unklar. Es ist von einem »Tal Schittim« die Rede. Schittim deutet, wie die »Gute Nachricht«-Bibel mutmaßt (3), auf Akazien hin, die in Steppe und Wüste wachsen. Das freilich ist spekulativ. Und so lesen wir in der »Gute Nachricht«-Bibel, dass die Quelle aus dem Haus des Herrn »auch noch das trockenste Tal bewässert«. Auch die lateinische Vulgata weiß nicht wirklich, was genau der hebräische Text meint und übersetzt interpretierend: »… et irrigabit torrentem spinarum.« Zu Deutsch: »Und wird bewässern das Tal der Dornen.«

Es ist stets interessant, Veränderungen von Texten vom Hebräischen ins Lateinische der Vulgata und schließlich ins Deutsche zu verfolgen. Dabei fällt auf, dass was wir für eine Übersetzung halten schon Interpretation ist. So wird immer wieder versucht, vage geographische Angaben zu konkretisieren. Im hebräischen Text von Joel findet sich kein konkreter Hinweis auf die Lokalisation des Tales.

Foto 6: Wer steht denn da?

Wir gehen ein Stück weiter nach links. Da wendet uns ein Mann seinen Rücken zu (Person 5). Er trägt gelbe Kleidung, dazu eine gelbe Mütze. Ein Spruchband scheint seinem Mund zu entweichen: »Femina circumdabit virum.« Wieder bietet das Spruchband keinen Hinweis auf die präzise Bibelstelle. Sie ist per Computer leicht ausfindig zu machen. Man suche sich eine Onlineausgabe der Vulgata im Internet, gebe die drei lateinischen Worte in die Suchmaschine ein, schon stößt man auf Jesaja Kapitel 31, Vers 22: »Usquequo deliciis dissolveris, filia vaga ? Quia creavit Dominus novum super terram: femina circumdabit virum.«

Anno 2017 übersetzt die aktuellste Lutherausgabe: »Wie lang willst du in der Irre gehen, du abtrünnige Tochter? Denn der Herr wird ein Neues im Lande schaffen: Die Frau wird den Mann umgeben.« Rätselhaft ist der Worte Sinn. Angesprochen wird als »Abtrünnige« das Volk Israel. Jahwe, der Herr, wird sein Volk zurückführen. »Hoffnung für alle« versucht zu verdeutlichen:

»Wie lange willst du noch umherirren, mein Volk, das mir die Treue gebrochen hat? Wenn du wieder in deinem Land bist, lasse ich etwas ganz Neues geschehen: Du wirst bei mir bleiben wie eine Frau bei ihrem Mann.«

Foto 7: »Egressus es in salutem populi tui. Hab.«

Gehen wir einen Schritt weiter nach links. Von einer im Hintergrund stehenden Person (Person 6) sehen wir nur den Kopf. Auch diesem Mann, er ist in Graublau gehüllt, ist ein Schriftband zugeordnet: »Egressus es in salutem populi tui. Hab.« Hab. verweist auf den Urheber des Zitats, auf Habakuk. Aber auch ohne diese Angabe werden wir via Suchmaschine rasch in der Vulgata fündig. Das Kurzzitat stammt aus Habakuk Kapitel 3, Vers 13. Die aktuelle Luther-Übersetzung von 2017 gibt diese Worte wieder als: »Du ziehst aus, deinem Volk zu helfen.«

Übersetzungen alter Texte – ob aus dem alten Indien, dem Reich der Sumerer oder der Bibel – erfordern immer der Interpretation. Können wir uns gedanklich in die Zeit versetzen, als vor langer Zeit mysteriöse Texte entstanden? Wie sah die Welt des Alten Testaments aus? Eine heute nicht nur in Kreisen der Prä-Astronautik weit verbreitete Interpretation sieht in Gott Jahwe einen Außerirdischen.

Spekulieren wir: Jahwe war ein Außerirdischer, der das Volk Israel warum auch immer auserwählt hat. Von dieser Spekulation ausgehend, entdecken wir bei der Lektüre der Bibel immer wieder Textstellen, die nun in ganz anderem Licht erscheinen. Wenn es also bei Habakuk heißt »Du ziehst aus, deinem Volk zu helfen.«, ist dann ein Außerirdischer gemeint?

Behalten wir die Vorstellung vom Jahwe-Nauten im Kopf und durchforsten wir HabakukKapitel 3 in der aktuellen Luther-Version von 2017: »Gott kommt von Teman und der Heilige vom Gebirge Paran. Seine Hoheit bedeckt den Himmel. Sein Glanz ist wie Licht; Strahlen gehen aus von seinen Händen. Darin ist verborgen seine Macht. Er steht auf und lässt erbeben die Erde; er schaut und lässt erzittern die Völker. Zerschmettert werden die uralten Berge, und bücken müssen sich die uralten Hügel. Das sind von jeher seine Wege. Die Berge sehen dich und beben. Du ziehst aus, deinem Volk zu helfen. Du zerschlägst das Dach vom Hause des Gottlosen und entblößt die Grundfeste bis auf den Fels.«

Wenn Gott von Teman her kam, wer ist dann der Heilige vom Gebirge Paran?

Foto 8:»Quia ecce Dominus«
Wenden wir uns nun noch dem ganz links außen stehenden Mann (Person 7) zu. Sein Schriftband strebt von seinem bemützten Kopf nach oben: »Quia ecce Dominus egredietur de loco suo Mich. 3« Mich steht für Micha. Die 3 könnte auf Kapitel 3 deuten, die zitierten Worte finden sich da freilich nicht. Die Suchmaschine bringt uns wie ein Bibelnavi an die richtige Stelle: Micha Kapitel 1, Vers 3: »Quia ecce Dominus egredietur de loco suo, et descendet, et calcabit super excelsa terrae.«

Die aktuelle Luther-Bibel von 2017 übersetzt, und ich füge auch noch Vers 4 an: »Denn siehe, der Herr geht aus von seiner Stätte und fährt herab und tritt auf die Höhen der Erde, dass die Berge unter ihm schmelzen und die Täler sich spalten, gleichwie Wachs vor dem Feuer zerschmilzt, wie die Wasser, die talwärts stürzen.«  Haben wir es da wieder mit einem Jahwe-Nauten zu tun, der von seinem Raumschiff, »von seiner Stätte«, herab fährt auf die »Höhen der Erde«, der mit seinem Vehikel beträchtliche Schäden anrichten kann?

Übrigens: Man muss nicht der lateinischen Sprache mächtig sein, um die Vulgata mit heutigen Bibelübersetzungen vergleichen zu können! Bereits anno 1851 erschien »Die heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments aus der Vulgata mit Bezug auf den Grundtext neu übersetzt und mit kurzen Anmerkungen«. 

Mir liegt ein Nachdruck dieser immens wichtigen Bibelausgabe aus dem Jahr 1963 vor. Nach wie vor findet sich die eine oder andere Ausgabe der aus dem Lateinischen von Dr. Joseph Franz von Allioli ins Deutsche rückübersetzen Vulgata aus dem frühen 19. Jahrhundert, teils in sechs Bänden, teils in zwei Bänden. Man muss aber mehrere Hundert Euro anlegen für dieses »Schätzchen«.

Für 2018 ist eine zweisprachige »Vulgata« – in Latein und Deutsch – geplant. Es heißt, diese wichtige Ausgabe wird im Verlagshaus De Gruyter, Berlin »voraussichtlich im Jahr 2018« in der »Tusculum Reihe« erscheinen. Als Herausgeber vorgesehen ist Prof. Dr. Michael Fieger, »Ordentlicher Professor für Alttestamentliche Wissenschaften «an der Theologischen Hochschule Chur.

Foto 9: Martin Buber
Wer das »Alte Testament« im Original lesen möchte, muss das biblische Althebräisch beherrschen. Dem Original sehr nah kommt die »Verdeutschung« von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Martin Buber (1925-1978) war ein weltweit geachteter österreichisch-israelischer jüdischer Religionsphilosoph. Intensiv wie kein anderer Gelehrter setzte er sich mit den Schriften des »Tenach«, in unseren Gefilden als »Altes Testament« bekannt, auseinander. Der Gelehrte war zeitlebens bemüht, die altehrwürdigen Texte so ins Deutsche zu übertragen, dass möglichst alle sprachlichen Besonderheiten erhalten blieben. Wie Buber in einem Interview erklärte, ging es ihm dabei nicht um die Untermauerung einer Lehre oder Theologie. Vielmehr wollte er, sinnbildlich gesprochen, ein Fenster zur Welt des »Tenach« aufstoßen.

Als der Verleger Lambert Schneider an Buber mit dem Vorschlag, einer textnahen Übertragung des »Alten Testaments« aus dem Hebräischen ins Deutsche zu übertragen, herantrat, da sagte der Gelehrte schnell zu und begann zusammen mit dem Philosophen Gtanz Rosenzweig (*1886 †1929) mit der Übersetzung  des Tanach, ins Deutsche. Die Bände erschienen zunächst Band für Band im Verlag von Lambert Schneider.  Nach Rosenzweigs Tod im Jahr 1929 führte Buber die wichtige Arbeit allein fort. 

Zwar ist die »Verdeutschung« von Buber und Rosenzweig im Lauf der Jahrzehnte immer wieder aufgelegt worden, sie ist aber heute nur antiquarisch erhältlich.

Foto 10: Johannes Piscator
Johannes Piscator (* 27. März 1546 in Straßburg; † 26. Juli 1625 in Herborn), ein elsässischer reformierter Theologe und Bibelübersetzer, übertrug 1602 bis 1604 die Texte des Alten und des Neuen Testaments aus den Originalsprachen Hebräisch und Griechisch ins Deutsche. Dabei hielt er sich sehr viel strikter als Martin Luther an die Vorlagen. Eine Neuauflage der »Piscator Bibel« zu einem erschwinglichen Preis ist überfällig. Für 2016 war eine eBook-Version der kompletten »Piscator Bibel« angekündigt. Noch ist das wichtige Werk aber nicht erschienen. Erhältlich sind Altes Testament, Neues Testament und Apokryphe Schriften in der Übersetzung von Piscator als Faksimile Druck in mehreren Bänden schon heute. Der Preis mag angemessen sein, liegt aber mit insgesamt über 1.000 Euro recht hoch. Mit etwas Glück findet man in Antiquariaten »Piscator-Bibeln« aus dem 18. und 17. Jahrhundert zu ähnlichen, manchmal gar günstigeren Preisen.

Angemerkt werden muss, dass das Piscator-Deutsch – 1602-1604! –für uns heute alles andere als leicht verständlich ist. Wünschenswert wäre, so wie wir das von Luthers Bibel kennen, eine Neuauflage in modernisierter Sprache. Dazu wird es aber wohl leider aus finanziellen Gründen nicht kommen.

Ein Wort des Dankes
Eva und  
Rolf Streblow † 
machten mich auf das geheimnisvolle Gemälde im Dom zu Limburg aufmerksam und stellten mir Fotos zur Verfügung! 
Dafür möchte ich mich bei ihnen recht herzlich bedanken!

Fußnoten

1) Kapitel- und Verseinteilung stimmen bei unseren gängigen
     Bibelübersetzungen nicht immer mit der Vulgata überein. Im vorliegenden
     Fall entspricht dem Psalm 18, Vers 6 in der Luther-Übersetzung Psalm 19,
     Verse 5 und 6.
2) Nickel, Roman: Manuskript ohne Titel, Archiv. Sabine Benecke vom  
     »Diözesanmuseums Limburg«, Abteilung »Kunst und Museen«,
     Limburg, hat mir dankenswerter Weise eine Kopie des Manuskripts zur
     Verfügung gestellt.
3) Siehe hierzu »Gute Nachricht Bibel«, Online-Ausgabe, Fußnote zu Joel   
    Kapitel 4, Vers 18. Eine schöne, hilfreiche Ausgabe ist die der »Deutschen
    Bibelgesellschaft«, Stuttgart, 3. Auflage, 1. März 2015
4) Allioli, Dr. Joseph Franz von (Übersetzer): »Die Heilige Schrift des Alten
    und Neuen Testaments/ Aus der Vulgata mit Bezug auf den Grundtext«, Wien,
    Britische und Ausländische Bibelgesellschaft, 1963
5) »Die Schrift. Aus dem Hebräischen verdeutscht von Martin Buber
     gemeinsam mit Franz Rosenzweig«, 4 Bände, 2688 Seiten, Deutsche
     Bibelgesellschaft, 1. Auflage, 1992
»Die Schrift. Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz
     Rosenzweig«,  mit Bildern von Marc Chagall , 1176 Seiten, GVH
     Wissenschaft & Gemeindepraxis, 1. Auflage Oktober 2007

Foto 11: Der Dom zu Limburg

Zu den Fotos

Fotos 1 und 2: Jesse/ Isai und Co.
Fotos 3 und 4: König David am Dom zu Paderborn. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Blick in den Dom zu Limburg. Foto: wiki commons/ Mylius talk/ contribs
Foto 6: Wer steht denn da? Fotoausschnitt/ wikimedia commons/ crop SteveK crop Bennylin
Foto 7: »Egressus es in salutem populi tui. Hab.«
Fotoausschnitt/ wikimedia commons/ crop SteveK crop Bennylin
Foto 8: »Quia ecce Dominus«.
Fotoausschnitt/ wikimedia commons/ crop SteveK crop Bennylin
Foto 9: Martin Buber. Foto wiki commons/ public domain/ gemeinfrei 
Foto 10: Johannes Piscator. Foto wiki commons/ public domain/ gemeinfrei 
Foto 11: Der Dom zu Limburg. Foto wikki commons/ iki/ Phantom3Pix


383 » Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 3«,
»Heilige Frauen und Könige«,
Teil  383 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 21.05.2017


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Sonntag, 19. Oktober 2014

248 »Was geschah vor der Schöpfung? Ein ›Reisebericht‹


Teil 248 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein 

Gott als Weltenschöpfer. Archiv Langbein

Am 25. Oktober 2014 werde ich im Rahmen des »One-Day-Meetings« der »A.A.S.«-Gesellschaft in Bremen einen Vortrag halten: »Pyramiden, Monster, Fabelwesen – Von Cheops bis zum Dom in Paderborn«. Hier im Blog lesen Sie eine ausführlichere Fassung meines Vortrags, heute Teil 1!

Mein Vortrag markiert ein Jubiläum: 35 Jahre sind seit Erscheinen meines ersten Buches - »Astronautengötter« - vergangen.


»Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.«, proklamiert die Bibel. Wirklich? Nicht wirklich! Folgen Sie mir, liebe Leserinnen und Leser, auf einer Reise in die Zeit vor der Schöpfung! Die Bibel weiß Erstaunliches über das Davor zu berichten!

Ich wiederhole... Wie beginnt die Geschichte von Gott in der Bibel? Die Antwort meinen selbst Atheisten zu kennen, die gewöhnlich die Bibel nicht lesen (1):

»Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe. Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.«

Mit diesen Worten wird die Bibel eingeleitet. Versteckt – und selbst Theologen oft unbekannt – im »Alten Testament« findet sich aber ein anderer Anfang der Geschichte von Gott. Bevor Gott mit der Schöpfung beginnen konnte musste er erst Rahab besiegen. Bei Hiob steht (2): »Durch seine Kraft hat er das Meer erregt, und durch seine Einsicht hat er Rahab zerschmettert.«    

Gott erschafft Behemoth und Leviathan.

Gott hat, noch bevor er mit seiner Schöpfung begann, das Meer aufgewühlt und Rahab getötet. Vor dem Beginn der biblischen Geschichte von Gott, wie sie das Alte Testament erzählt, war also Rahab. Wer oder was aber war Rahab?

Diverse Lutherausgaben der Bibel erklären in Fußnoten, Rahab sei »der Drache der Urzeit« gewesen. Und in der Tat: der Prophet Jesaja umschreibt Rahab als Drachen. Jesaja appelliert an Gott (3): »Wach auf, wach auf, zieh’ Macht an, du Arm des Herrn! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt! Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen durchbohrt hat?«

Adam
Bevor der Gott des Alten Testaments mit der eigentlichen Schöpfung anfangen konnte, musste er erst einmal den »Drachen« Rahab töten. Rahab existierte also schon bereits vor der Schöpfung. Verschweigt uns die Bibel da etwas? Der Schlüssel zum Geheimnis um Rahab findet sich gleich zu Beginn des Alten Testaments, allerdings muss man den Text gründlich im hebräischen Original untersuchen. In der Übersetzung heißt es wenig aussagekräftig (4): »Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe.«. Übersetzt man das hebräische Original wörtlich, lautet der zweite Teil des Verses: »Finsternis lag auf dem Antlitz von Tehom.« Tehom aber lässt sich auf uralte babylonische Mythologie zurückführen: auf die babylonische Gottheit Tiamat, die auch als Meeresdrachen bezeichnet wird. Ursprünglich aber war Tiamat die Meeresgöttin.

Die biblische Geschichte vom Kampf Gottes gegen Rahab ist eine Kopie einer älteren Vorlage.  Das Original steht in der babylonischen Geschichte von Gott: Schöpfergott Marduk muss erst Tiamat besiegen, damit er den Kosmos erschaffen kann. Jahwe, der biblische Gott, entspricht dem babylonischen Gott Marduk, Rahab ist die hebräische Variante der babylonischen Meeresgöttin Tiamat. In Rahab lebt also die Göttin des Meeres weiter. Das Alte Testament verdrängt weitestgehend die Erinnerung an die Göttin, die vor Jahwe geherrscht haben muss.

1. Fazit: Vor der Schöpfung

Eva
Der biblische Gott wird uns als der Schöpfer schlechthin vorgestellt. Wirklich? Die Bibel selbst bekundet, dass vor der vermeintlichen »Urschöpfung« etwas da war. Schwebte doch laut Bibel der Geist Gottes über dem Wasser, bevor sich Gott an die Arbeit machte. Gott schuf demnach also nicht aus dem Nichts, sondern fand schon etwas vor. Und: Die Bibel bekundet, dass es vor dem Gott des Alten Testaments schon andere Götter gab.

Kehren wir zu den Schöpfungen der Bibel zurück! Gott kreiert Adam und Eva. Wie entstand Eva? Eva, so heißt es bei Moses (5) wurde von den Göttern aus Adams Rippe erschaffen. Das sumerische Keilschriftzeichen für »Rippe« heißt »ti« - und bedeutet auch »Lebenskraft«, und die hat ihren Sitz in der Zelle. Entstand also Eva als Kunstprodukt, basierend auf Adams Genen?

Adam und Eva haben zwei Kinder, Kain und Abel. Kain ermordet Abel. Eva bekommt ein drittes Kind, Schet. Der Name Schet bietet einem weiteren interessanten Hinweis, der sich allerdings nur dann erschließt, wenn wir den Text im hebräischen Original lesen. Die gängigen Übersetzungen lauten etwa so (6): »Sie (Eva) gebar einen Sohn und nannte ihn Seth, denn gewährt hat mir Gott einen anderen Samen für Abel, welchen Kain erschlug.« In unseren gängigen Übersetzung scheint dieser Vers kaum brisante Information zu enthalten, wohl aber in der wortwörtlichen Übertragung: »Und sie nannte ihn Schet (zu Deutsch: Setzling), denn gegeben haben mir die Götter fremden Samen für Abel, welchen Kajin erschlug.« Seth oder »Setzling« war demnach das Produkt einer künstlichen Befruchtung durch die Götter!

Ein ähnlicher Vorgang der kompliziert-medizinischen Art wird in »Nala und Damayanti« beschrieben, in einer Episode aus dem wohl ältesten Epos der Menschheitsgeschichte, dem Mahabharata. Im Vidarbaland, so heißt es da, herrschte einst der große Bhima. Die Menschen bewunderten ihn ob seiner Klugheit. Sie bedauerten ihn, weil der so ersehnte Nachwuchs ausblieb. Davon vernahm der brahmanische Rsi, ein Vermittler zwischen der himmlischen und der irdischen Welt. Er ließ sich vom König und seiner Frau bei einem mehrtägigen Besuch im Königspalast genau mitteilen, wie man sich welchen Nachwuchs wünschte. Er notierte sorgsam die erhofften Eigenschaften der geplanten Kinder. Dann kehrte er in die himmlischen Gefilde zurück und unterbreitete den Erhabenen die ihm aufgetragenen Wünsche.
    
Adam und Eva von Urschalling.

Von den Himmlischen erhielt der RSI schließlich sogenannte Mädchen- und Knabenperlen. Sie wurden der Königin offensichtlich eingepflanzt – und die edle Dame war schwanger. Im Verlauf der nächsten Jahre gebar sie drei Knaben und drei Mädchen. Die vornehme Dame war, wie ihr Gemahl auch, begeistert: Die Kinder fielen allesamt genauso aus, wie man sich das gewünscht hatte.

2. Fazit: Genetische Schöpfung oder .. Wer oder was war Behemoth

Bibel und Mahabharata berichten unabhängig voneinander von Schöpfung von Leben. Nach unserem Kenntnisstand kann es sich dabei sehr wohl um wissenschaftlich-genetische Kreationen gehandelt haben. Und in der Bibel finden sich weitere Kreationen, die uns von den Theologen geflissentlich verschwiegen werden…

Adam von Urschalling
Bevor Make-Make sein erstes Menschenpaar kreiert, erschafft er ein Mischwesen: Nach seinem Spiegelbild schuf er es und verabreichte ihm noch die Attribute eines Vogels, Schnabel, Flügel, Federn. Wer glaubt, dass Adam und Eva die ersten von Gott fabrizierten Lebewesen waren, irrt. Vor den Tieren und vor den Menschen rief Gott den mysteriösen »Behemoth«. Im kleinen Bibelbuch Hiob (7) lesen wir: »Sieh‘ doch den Behemoth, den ich gemacht habe wie dich: Gras frisst er wie der Ochse. … Er ist der Erstling der Wege Gottes; der ihn gemacht hat, reichte ihm sein Schwert.« In manchen Bibelausgaben wird per Fußnote erklärt, bei dem Behemoth habe es sich um einen grasfressenden Landsaurier gehandelt.

Hiob beschreibt den Behemoth als unglaublich stark (8): »Sieh‘ doch, welche Kraft in seinen Lenden liegt und welche Stärke in seinen Bauchmuskeln! Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder, die Sehnen seiner Schenkel sind fest verflochten. Seine Knochen sind wie eherne Röhren, seine Gebeine wie Eisenstangen.«

Das klingt nach einem monströsen Tier. Aber was für ein Tier sollte gemeint sein? Ein Nilpferd vielleicht, oder ein Saurier? Wie ist der folgende Satz gemeint? »Er ist der Erstling der Wege Gottes; der ihn gemacht hat, reichte ihm sein Schwert.« Ein Blick in den hebräischen Text verschafft vielleicht Klarheit. Die wortgetreue Übersetzung lautet: »Er/Es war der Erstling der Wege von El (Gott), der machende war ihn/es, dass er/es herbeibringe sein Schwert.« El schuf also Behemoth, damit der ihm sein Schwert bringen würde? Wieso sollte Behemoth dem mächtigen Gott sein Schwert apportieren? Oder gab umgekehrt Gott dem Behemoth sein Schwert? Das vermutet Martin Buber, dessen Bibelverdeutschung hohes Ansehen genießt. Buber interpretiert übersetzend (9):

»Das ist der Erstling auf den Wegen des Gottesherrn, der es machte, reichte sein Schwertgebiß ihm.« Buber deutet also das »Schwert« als das besonders scharfe und gefährliche Gebiss des Monsters.

Völlig anders versteht Leopold Zunz den Vers. In seiner für jüdische Leser gedachten Übersetzung der Thora wird auch betont, dass Gott den Behemoth als Ersten schuf, aus dem Schwert aber wird ein Messer. Und das gehört weder Gott, noch dem Behemoth (10): »Er ist der Erstling des Werkes Gottes; wer ihn opfern will, mag sein Messer heranbringen.«  Dazu wäre wohl ein besonders starker Gläubiger erforderlich gewesen, der das monströse Lebewesen hätte mit einem Messer töten können.

Wiederum eine andere Übersetzung bietet »The Interlinear Hebrew-English Old Testament« (11), die auf wortgetreue Wiedergabe Wert legt. Da heißt es dann, dass Gott, der den Behemoth schuf, dem Monster mit seinem Schwert entgegentreten kann. Mit anderen Worten: Die Kreatur war so stark und furchteinflößend, dass ihm nur Gott selbst mit dem Schwert in der Hand begegnen konnte. Unbewaffnet wäre das Risiko für Gott selbst zu groß gewesen.

Eva von Urschalling
Je mehr Übersetzungen ich konsultiere, desto mehr Varianten finde ich: Mal bringt das Monster Gott sein Schwert, mal überreicht umgekehrt Gott der Kreatur sein Schwert. Mal soll der, der das Monster opfern möchte, sein Messer mitbringen. Und mal muss sich Gott selbst mit seinem Schwert bewaffnen, wenn er dem Behemoth begegnen möchte. Mal wird der Terminus »Schwert« mit den Schneidezähnen des Behemoth gleichgesetzt. Nach Luthers Übersetzung von 1545 attackiert Gott den Behemoth (12): Gott, »der jn gemacht hat/ der greifft jn an mit seinem schwert«. In neueren Ausgaben des »Alten Testaments« nach Luther heißt es Gott (13), »der ihn gemacht hat, der gab ihm sein Schwert«.

In der Übersetzung des »Alten Testaments« ins Griechische, in der »Septuaginta« geht das Schwert vollkommen verloren (14): »Dies ist der Anfang der Schöpfung des Herrn, gemacht um von seinen Boten verspottet zu werden.« In einer Fußnote wird erklärt, dass es sich bei den »Boten« um »Engel« handele. Demnach wurde Behemoth geschaffen, damit die Engel über ihn lachen können. Völlig anders lautet eine Textvariante nach der »Elberfelder Bibel« (15): »Er ist gemacht zum Gewalthaber seiner Gefährten.« Das geschaffene Wesen wäre also so etwas wie ein »Leittier«.

Angaben zu den Fotos

»Gott als Weltenschöpfer«: Französische Bibelillustration, frühes 15. Jahrhundert, gemeinfrei, Archiv Langbein
»Gott erschafft Behemoth und Leviathan« : William Blage, erstes Viertel des 18. Jahrhunderts, gemeinfrei, Archiv Langbein
»Adam« und »Eva«: »Adam und Eva Haus« Höxter, Fotos Walter-Jörg Langbein
»Adam und Eva von Urschalling«, »Adam von Urschalling« und »Eva von Urschalling«: Fotos Walter-Jörg Langbein



Fußnoten

Kain von Urschalling
1)  1. Buch Mose Kapitel 1, Verse 1-3
2)  Hiob Kapitel 26, Vers 12
3)  Jesaja Kapitel 51, Vers 9
4) 1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 2
5) 1. Buch Mose, Kapitel 2, Vers 21
6) 1. Buch Mose, Kapitel 25, Vers 4
7) Hiob, Kapitel 40, Verse 15 und 19
8) ebenda, Verse 16-18
9) »Die Schrift/ Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig«, Band 4, Heidelberg, 4. Verbesserte Auflage der neubearbeiteten Ausgabe von 1962, S. 336
10) »Die vierundzwanzig Bücher der Heiligen Schrift/ Übersetzt von Leopold Zunz«, Basel 1980, S. 616
11) »The Interlinear Hebrew-English Old Testament«, Grand Rapids, USA, 1987, S. 344

12) »Die gantze Heilige Schrifft Deudsch«, Wittenberg 1545, zitiert in der Schreibweise Luthers

Abel von Urschalling
13) Hiob, Kapitel 40, Vers 19, zitiert aus: »Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift nach der deutschen Übersetzung D. Martin Luthers«, Stuttgart 1915

14) »Septuaginta Deutsch/ Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung«, Stuttgart, 2. Verbesserte Auflage 2010

15) Hiob, Kapitel 40, Vers 19, zitiert aus: »Die Heilige Schrift/ Aus dem Grundtext übersetzt/ Elberfelder Bibel revidierte Fassung«, Wuppertal und Zürich, 4. Sonderausgabe 1995
 
»Vom biblischen Behemoth und anderen Monstern«,
Teil 249 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 26.10.2014


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