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Sonntag, 22. Januar 2012

105 »Am Nabel der Welt«

»Am Nabel der Welt«
Teil 105 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Geheimnisvolle
Osterinsel
Foto: W-J.Langbein
»Te Pito O Te Henua« wurde vom holländischen Admiral Jacob Roggeveen am 5. April 1772 »entdeckt«: ein kleines, von friedlichen Menschen bevölkertes Eiland in den unendlichen Weiten der Südsee ... am Ostersonntag. Und so taufte Roggeveen die einsame Insel »Paasch Eiland«, »Osterinsel«. Wer aber hat den kleinen Flecken im Pazifik wirklich entdeckt?

Uralte Sagen und Mythen geben Auskunft. Im Westen der Osterinsel gab es einst das »Atlantis« der Südsee, Maori Nui Nui genannt. Es drohte in den Fluten zu versinken. König Hotu Matua ließ nach einer neuen Heimat für sein Volk suchen ... lange vergeblich. Schließlich griff der fliegende Gott Make Make ein. Er verschleppte den Priester Hau Maka zu einer fernen Insel.
Make Make brachte den Priester schließlich zurück in seine sterbende Heimat. Hau Maka informierte seinen König über seinen »Traum«, denn seine Flugreise konnte doch nur ein Traum gewesen sein. Fedor Petrovic Krendelov schreibt in seinem Werk »Die Geheimnisse der Osterinsel« (1): »Die Beschreibung der Insel, die er im Traum gesehen hatte, war derart realistisch, dass sich der Gedanke aufdrängt, dass ihm die Osterinsel bekannt gewesen ist.« König Hotu Matua jedenfalls glaubte dem Priester ...

Kinder, die im Wasser stehen
Foto:  W-J.Langbein
Fedor Petrovic Krendelov (2): »In Vorbereitung der Übersiedlung entsandte Hotu Matua sieben Jünglinge mit dem Auftrag, die Insel zu finden, Yams (eine essbare Knolle) anzupflanzen und eine Bucht zu suchen, die für die Landung von Menschen aus großen Schiffen geeignet wäre. Die Kundschafter sahen den Vulkan Rano-Kao, der ihnen zur Orientierung diente, sowie daneben drei Inselchen, von denen Hau Maka als von ›Kindern, die im Wasser stehen‹ gesprochen hatte.«

Darf man derlei Überlieferungen glauben? Vor fast 40 Jahren interviewte ich zu diesem Thema den renommierten Osterinsel-Experten Dr. Fritz Felbermayer. Der Wissenschaftler antwortete mir: »Es ist meine felsenfeste Überzeugung, dass diese Überlieferung eine absolut wahre Begebenheit beschreibt. Von den alten Insulanern wird diese Tatsache so klar und ohne Zögern wiedererzählt, und immer in derselben Weise. Es werden Namen genannt, die einfach nicht erfunden wurden. So konnte ich diese Begebenheiten ohne jeden Zusatz aufschreiben. Im Vorwort meines Buches (3) habe ich auf eine Sache hingewiesen, die Sie lesen müssen: ›Wenn derjenige, der gerade erzählte, sich irrte oder auch nur einige wenige Worte änderte, die an sich ohne Bedeutung waren, so protestierten die anderen Zuhörer so lange, bis der Sprecher die Worte genauso wiedergab, wie sie die Vorfahren berichteten.‹«

Wann aber wurde die Osterinsel von Hotu Matua und seinem Volk besiedelt? Im Lauf der letzten vier Jahrzehnte las ich unterschiedliche Zeitangaben. Genannt wurden stark abweichende Daten: 500 n. Chr., 1000 n. Chr. und 1500 n. Chr. Ein eher unscheinbarer Vulkankegel im Osten des Eilands weist auf eine viel frühere »Entdeckung« hin. Der kleine Vulkan trägt den Namen »Puku-puhipuhi«, zu Deutsch: »der Keuchende« oder »der Schnaufende«. Die letzte vulkanische Tätigkeit auf der Osterinsel gab es um 500 vor Christus. Damals müssen schon Menschen auf der Osterinsel gelebt haben, die den kleinen Vulkan noch aktiv kennengelernt haben!

Te  Pito O Te Henua
Foto: W-J.Langbein
»Entdeckt« aber hat auch Priester Hau Maka nicht die Osterinsel. Sie war nämlich schon besiedelt. Die sieben Kundschafter trafen einen gewissen Jaga Tawake an ... Wer also als Erster die winzige Osterinsel erspähte ... Wir wissen es nicht. Admiral Jacob Roggeveen als »Entdecker« des Eilands zu feiern, beweist nur die Arroganz von uns Europäern. Nach wie vor tun wir so, als beginne die eigentliche Geschichte eines Eilands wie der Osterinsel erst mit dem Erscheinen eines Europäers. Für europäische Arroganz spricht auch die Umbenennung des mysteriösen Eilandes in »Osterinsel«. Der ursprüngliche Name aber lautet – poetisch und wohlklingend wie eine träumerische Melodie – Te Pito O Te Henua ... »Nabel der Welt«.

Wer die Osterinsel besucht, sollte unbedingt beim »Nabel der Welt« Halt machen. Direkt an steiniger Küste gelegen ... findet sich ein mysteriöses Denkmal. Ein Steinmäuerchen schützt einen eiförmigen Stein, um den wiederum vier kleinere, ebenfalls eiförmige Steine angeordnet sind. Wiederholt habe ich vor Ort recherchiert ... und unterschiedliche, voneinander abweichende Erklärungen erhalten: von Einheimischen, aber auch vom Magier Houngan-Man.

Nahaufnahme von
Te Pito O Te Henua
Foto W-J.Langbein
Variante A: Das Mäuerchen symbolisiert das Meer ... oder den Erdkreis. Das Ei in der Mitte zeigt präzise den exakten Punkt »Nabel der Welt« an. Um diesen Mittelpunkt ist das Meer ... ist die gesamte Welt, ja das gesamte Universum angeordnet. Die vier kleineren Steineier zeigen die vier Himmelsrichtungen an.

Variante B: Das Steinmäuerchen dient lediglich als Schutz für das eigentliche Heiligtum, das große Steinei in der Mitte. Die vier kleineren »Eier« haben – wie die Steinmauer – keine tiefere Bedeutung. Sie dienten lediglich andächtigen Besuchern als – eher unbequeme – Hocker.

Ich fand die Bezeichnung »Nabel der Welt« schon immer irritierend. Meiner Meinung nach passt er weniger zur Mentalität von Südseeinsulanern als von Europäern. Wir sehen unsere Welt gern als Zentrum aller Kultur und Zivilisation. So wundert es nicht, dass in Griechenland ein »Nabel der Welt« zu bestaunen ist! Im Allerheiligsten des Apollon-Tempels zu Delphi stand er eins ... der Omphalos. Alter Mythologie zufolge fiel der kurios geformte Stein einst aus dem Himmel zur Erde herab. Der angebliche Phallusstein dürfte aber kein Denkmal für männlich-göttlichen Stolz gewesen sein. Vielmehr diente er wohl in vorpatriarchalischen Zeiten der Erdmutter und Muttergöttin Gaia als Opferstein!

Der mysteriöse Omphalos-
Stein - Foto:
Ingeborg Diekmann
Intensives Literaturstudium hat mich zur Überzeugung gebracht, dass » Te Pito O Te Henua« ursprünglich mit dem ominösen »Nabel der Welt« nichts zu tun hat! Tatsächlich bedeutet »henua« zu Deutsch »Erde« oder »Welt«. Und man kann »pito« auch mit »Nabel« übersetzen! Weit verbreitet im Pazifik ist eine andere Bedeutung: »Ende«. »Te Pito O Te Henua« hieße dann ... »Ende der Welt«. Nach alten Überlieferungen ist die »Osterinsel« ein kleines Überbleibsel eines einst »sehr großen Landes«

Den Osterinselexperten Prof. Dr. Fjodor Petrowitsch (andere Schreibwiese Petrovic) Krendeljow und seinem Kollegen Dr. phil. Aleksandr Michailowitsch Kondratow standen Unterlagen Thor Heyerdahls über die Geschichte der »Osterinsel« zur Verfügung. Heyerdahl lagen demnach Texte vor, die belegen, dass das mysteriöse Eiland tatsächlich der karge Rest eines einst stolzen Kontinents war. Ein göttliches Strafgericht soll dieses Atlantis der Südsee weitestgehend zerstört haben. Ich darf zitieren (4): »Der Jüngling Tea Waka sagte: ›Unsere Erde war früher ein großes Land, ein sehr großes Land.‹ Kuukuu fragte ihn: ›Aber warum wurde das Land klein?’‹ Tea Waka antwortete: ›Uwoke senkte seinen Stab darauf. Er senkte seinen Stab auf die Gegend Ohio.‹«

Am Ende der Welt ...
Foto: W-J.Langbein
In einer weiteren Überlieferung, sie wurde ebenfalls in den Aufzeichnungen Thor Heyerdahls vor dem Vergessen bewahrt, ist zu lesen (5): »Kuukuu sagte zu ihm: ›Früher war diese Erde groß.‹ Der Freund Tea Waka sagte: ›Diese Gegend nennt sich Ko-te-To-monga-o-Tea-Waka.‹ Ariki Hotu Matua fragte: ›Warum versank das Land?‹ ›Uwoke machte das; er versenkte das Land‹ antwortete Tea Waka. ›Von nun an wurde das Land Te-Pito-o-te-Henua genannt.«

Mich überzeugt die mythologische Erklärung für den melodischen Namen: Die »Osterinsulaner« gingen davon aus, dass ihre Heimat einst zu einem riesigen Land im Pazifik gehörte, zum Atlantis der Südsee ... das in den Fluten versank!

»Te Pito O Te Henua« ... das »Ende der Welt« hat für mich eine geradezu prophetische Qualität. Sehen wir die »Osterinsel« als eine mahnende Warnung an uns Menschen des 21. Jahrhunderts! Eingebildet, wie wir sind, sehen wir uns gern als »Nabel der Welt« ... und verdrängen dabei begründete Angst vor einer großen Katastrophe, die alles Leben auf Planet Erde in einer gewaltigen Apokalypse auszulöschen vermag!

Bedenke ich den Umgang mit Nuklearenergie auf Planet Erde, kommen mir Zweifel an der Intelligenz des Menschen der Gegenwart. Manchmal hat es den Anschein, als wollte die Spezies Mensch die finale Apokalypse selbst herbeiführen ... und alles in einem atomaren Inferno versinken lassen!


Lektüre-Empfehlung

In meinem Buch »2012« gehe ich sehr ausführlich auf das ominöse »Atlantis der Südsee« ein. Wer sich gründlicher informieren möchte ... lese dort nach. Die Fülle von Fakten zum Thema würde den Rahmen eines Blogbeitrags sprengen! Buch jetzt bestellen >>

Fußnoten
1 Krendelov, Fedor Petrovic: »Die Geheimnisse der Osterinsel«, 2.Auflage, Leipzig 1990, S. 20
2 ebenda
3 Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg o. J.
4 Krendelov, Fedor Petrovic: »Die Geheimnisse der Osterinsel«, 2.Auflage, Leipzig 1990, Seite 109
5 ebenda

»Von roten Hüten und runden Köpfen«
Teil 106 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 29.01.2012


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Sonntag, 13. Dezember 2009

Beweise für Atlantis?

Walter-Jörg Langbein :
Roland Horn und die Suche nach Beweisen für Atlantis

Atlantis... was für ein magischer Name! Atlantis... Donovan hat den versunkenen Kontinent besungen. Platon hat ihn beschrieben. Seit vielen Jahrhunderten haben ihn unzählige Fantasten und Forscher gesucht. Atlantis... für die einen ein realer Ort, für die anderen eine Fiktion. Hat es Atlantis wirklich gegeben?

Platon liefert eine Begründung für den Untergang des riesigen Reiches, das im Meer versank: So wie der biblische Turm zu Babel dem göttlichen Zorn zum Opfer fiel, so soll auch Atlantis nach einem göttlichen Strafgericht ausgelöscht worden sein. Atlantis wie der Turm zu Babel... sind das zwei fiktive Beispiele märchenhaft-mythischer Bilder aus Parabeln über die Überheblichkeit des Menschen, die den Untergang nach sich zieht? Atlantis und der Turm zu Babel... sind das Fatamorganas, bloße Produkte menschlicher Fantasie?

Fakt ist: der biblische Turm zu Babel hatte historische Vorbilder. Fakt ist: rund 90 Kilometer südlich von Bagdad im heutigen Irak stand er einst tatsächlich: der Monsterturm von Babel. 1913 hat der deutsche Architekt und Archäologe den Beweis erbracht. Sargon von Akkard hat ihn womöglich schon einmal 2300 v.Chr. zerstören lassen... nicht Gott, der biblische Allmächtige! Wurde er wieder aufgebaut und 1700 v.Chr. in den Historien des assyrischen Königs Sanherib erwähnt? 689 v.Chr. wurde offenbar auf Befehl Sanheribs der »Tempel des stolz erhobenen Hauptes« erneut dem Erdboden gleich gemacht. Sanheribs Nachfolger Assurhaddon (680-669 v.Chr.) wollte den Koloss wieder erstehen lassen. Assubanipal, Nabopolassar und Nebukadnezar II.(604-562 v.Chr.) haben das Weltwunder angeblich neu erstehen lassen.

Man mag darüber streiten, ob das Monument in den folgenden Jahrhunderten dem Zahn der Zeit zum Opfer fiel... oder der Zerstörungswut von Xerxes I. (486-465 v.Chr.). 323 v.Chr. ... jedenfalls fand Alexander der Große nur noch traurige Ruinen vor.
10 000 Arbeiter benötigten immerhin zwei Monate, um sie abzutragen. Alexander wollte das einstige Weltwunder neu und eigener Ehre erstehen lassen... starb aber bald darauf. Projekt »Turmbau zu Babel« wurde endgültig aufgegeben. Die Überreste des Weltwunders versanken im Staub der Wüste.... so wie Atlantis im Meer versank?

Atlantis ist zum Synonym für himmlische Bestrafung für menschliche Überheblichkeit... so wie der Turm zu Babel. Aber: den Turm zu Babel hat es wirklich gegeben! War also auch Atlantis einst Realität? Biblische Autoren interpretierten die Geschichte vom Turm zu Babel und seiner Zerstörung als göttliche Strafe. Auch wenn Gott nicht leibhaftig vom Himmel stieg... um das Wunderwerk der Menschen zum Einsturz zu bringen... den Turm hat es gegeben. War auch Atlantis Realität? Eine hochstehende Zivilisation Jahrtausende vor der unseren scheint so manchem – auch »wissenschaftlichen« – Zeitgenossen nicht zu behagen. Wollen wir doch die »Krone der Schöpfung« bleiben... vor uns darf es keine höherstehende Zivilisation gegeben haben. Werden deshalb Beweise für die Existenz von Atlantis bewusst verleugnet?

Es geht nicht mehr um philosophische Diskussionen um Atlantis. Es geht auch nicht um sprachgeschichtliche Studien, sondern um knallharte Beweise, die sehr konkret sind... wie Roland Horn ausführt!

Roland M. Horn wurde am 16. Februar 1963 in Erbach/Odw. geboren. Bereits in jungen Jahren interessierte er sich für den umfangreichen Themenkomplex »Rätselhafte Phänomene«. Horn ist Mitglied bei mehreren Gruppen und Projekten, die sich mit diesem Themenkreis beschäftigen. Er ist als Journalist und Sachbuchautor tätig. Bekannt wurde er insbesondere durch sein Buch »Leben im Weltraum« sowie durch weitere Bücher wie »UFO-Sekten« (zusammen mit Lars Fischinger) und »Erinnerungen an Atlantis«. Im Jahr 2009 veröffentlichte er die Bücher »Atlantis - Alter Mythos - Neue Beweise« und »Apokalyptische Endzeit«. Roland M. Horn lebt heute mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Kleinblittersdorf an der Saar.

Beweise für Atlantis?
Roland M. Horn

Der griechische Philosoph Platon beschreibt in seinen Dialogen Timaios und Kritias eine ehemals existierende große Insel, die „im Verlauf eines schrecklichen Tages und einer schlimmen Nacht“ in den Fluten des Atlantiks versunken sein soll. Seit Platons Zeiten ist Atlantis ein Thema, über das immer wieder diskutiert wird. Kann es tatsächlich eine Insel größeren Ausmaßes im Atlantik gegeben haben, die später versunken ist? Die Hauptströmung der Wissenschaft ist sich heute sicher: „Atlantis kann nicht existiert haben!“ Besonders die Geologie lehnt diese Vorstellung entschieden ab. Umso erstaunlich ist die Feststellung, dass gerade Ozeanologen und Geologen Beweise für die Existenz einer ehemaligen Landmasse im Atlantischen Ozean gefunden haben. Zu diesen Forschern gehören unter anderem Dr. R. W. Kolbe und Otto Mellis.

Dr. R. W. Kolbe war Untersuchungs-Mitarbeiter am Paläontologischen Department des Schwedischen Museums der Naturgeschichte und Dozent in Diatomologie (Kunde von den Diatomeen [Kieselalgen]) an der Universität in Stockholm. Er schrieb 1957 einen sehr interessanten Artikel zum Thema Süßwasser-Kieselalgen aus den atlantischen Tiefsee-Sedimenten (1). Darin berichtet er von der schwedischen Tiefsee-Expedition von 1947-1948, die von Hans Pettersson geleitet wurde. Die Aufgabe ihres Schiffes, der Albatross, war es, Untersuchungen hauptsächlich in der Äquatorialregion des Pazifischen, Indischen und Atlantischen Ozeans durchzuführen.

Eine wichtige Zielsetzung der Expedition war die Untersuchung von Tiefsee-Sedimenten in Bohrkernen, die in so großer Tiefe durchgeführt wurde, wie die damals moderne Technik es eben zuließ. Kolbe war zuständig für die Untersuchung der Diatomeen, die in den Bohrkernen gefunden wurden. Einige große Bohrkerne beinhalteten an ihrer tiefsten Ebene Kieselalgen, die sich lange gehalten haben müssen. Die Untersuchung zeigte, dass einige Kerne sich bereits in der letzen Phase des Tertiär-Zeitalters entwickelt haben müssen. (Das Tertiär begann vor 65 Millionen Jahren und dauerte bis zum Beginn der Klimaänderung vor rund 2,6 Millionen Jahren.) Eine der bedeutendsten Beobachtungen war sicherlich das unerwartete Vorhandensein einiger Süßwasser-Kieselalgen, die von der Albatross in einer großen Entfernung zur Küste (etwa tausend Kilometer) parallel zur Küstenlinie des äquatorialen Afrikas geborgen wurden.

In anderen Teilen des Weltmeeres waren dagegen nur spärlich Süßwasser-Diatomeen gefunden worden. Hier – mitten im Atlantik – aber wurden beständig Süß-Wasser-Kieselalgen in großer Zahl und großer Vielfalt der Exemplare in atlantischen Tiefsee- Bohrkernen geborgen. Mehr als sechzig Süßwasser-Arten, die zu unterschiedlichen ökologischen Gruppen gehörten, wurden beobachtet. In manchen Fällen konnte nur eine geringe Menge davon im Sediment beobachtet werden, in anderen war die Frequenz jedoch groß bis sehr groß. Die am häufigsten vorgekommenen Süßwasser-Diatomeen waren Melosira granulata (Fadenalgen) in der so genannten „Romanche-Tiefe“ in über 7300 Metern (nach neueren Angaben sogar über 7700 Metern) Tiefe. Diese Tiefe (eine der größten im Atlantik) war einst durch die französische Fregatte Romanche entdeckt worden. Bei dieser Romanche-Tiefe handelt es sich um eine Bruchzone des Mittelatlantischen Rückens, die in Äquatornähe verläuft.

Kolbe nennt drei Möglichkeiten, wie Diatomeen, noch dazu in einer solch großen Zahl, im Atlantik gefunden werden konnten, und fasst sie anschließend zusammen. Laut Kolbe bestehen folgende Möglichkeiten:

1. Die Kieselalgen stammen aus afrikanischen Seen, Flüssen und Sümpfen. Sie wurden durch Flüsse in den Atlantik transportiert und zum Fundort getrieben.

2. Die Diatomeen stammen aus afrikanischen Seen, Flüssen und Sümpfen. In der trockenen Jahreszeit und nach der Austrocknung der Sümpfe, Bäche usw. wird der feine Staub (oft zusammen mit Asche von verbrannten Pflanzen) durch den Austausch von Winden („Harmattan-Staub“) ins Meer getrieben und letztlich an den entsprechenden Stellen abgelegt.

3. Die Kieselalgen stammen von einem See des hypothetischen Kontinents Atlantis oder seinen verbliebenen Inseln. Der Kontinent sank tief unter den jetzigen Meeresspiegel, und die geographische Lokalisation blieb unverändert.

Kolbe bezog sich in seiner dritten möglichen Erklärung über die Herkunft der Kieselalgen auf den Forscher Renè Malaise und betont, dass alle drei Erklärungen ein gewisses spekulatives Moment besitzen.

Der Ozeanograph Otto Mellis beschäftigte sich intensiv mit dem Sand, der in den von der Albatross geborgenen Sedimenten gefunden wurde und berichtete darüber ausführlich in seinem Artikel Die Sedimentation in der Romanche-Tiefe. Ein Beitrag zur Erklärung der Entstehung des Tiefseesandes im Atlantischen Ozean (2). Mellis behandelt zwei Bohrkerne, die von jenem Schiff aus der Romanche-Tiefe gezogen worden sind. Dabei beruft er sich zunächst auf die Untersuchungen von E. Philippi, der 1883 mit dem Forschungsschiff Romanche, nach dem die Tiefe benannt ist, in 7230 Meter Tiefe in einem ungefähr einen halben Meter langen Bohrkern Sand gefunden hat. In der obersten Schicht des Kerns machten die Sandkörner etwa 30% des Sediments aus. Daraufhin stellte Philippi die Frage nach der Herkunft des Sandes mitten im Atlantischen Ozean, doch erst 1948, nach der Albatross-Expedition, konnten die Befunde nachgeprüft werden. Die beiden Bohrkerne, um die es hier gehen soll, enthielten tatsächlich Sandschichten von der von Philippi beschriebenen Zusammensetzung. Einer der Bohrkerne wurde an Hand von etwa einhundertsiebzig aus verschiedenen Teilen des Kernes, hauptsächlich in je zehn Zentimeter Abständen, entnommenen Proben petrographisch (Die Petrographie beschäftigt sich mit der Beschaffenheit der Gesteine) und chemisch untersucht; der zweite, kürzere, nur zur Ergänzung der aus dem anderen Bohrkern gewonnen Erkenntnisse herangezogen.

Der in der Romanche-Tiefe vorkommende Sand hat eine eigenartige mineralogische und chemische Zusammensetzung, und so untersuchte Mellis den Sand genauer und kam zu dem Ergebnis, dass der Romanche-Sand als eine küstennahe Bildung aufgefasst werden müsse. Ob er nun das Stadium eines Strandsandes durchlaufen habe, sei von der Stabilität der Küste abhängig. In einem Küstengebiet, das schnell sinkt, seien die Voraussetzungen für die Erhaltung der Mineralparagenese des Sandes günstig. Mellis schreibt (3):

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Romanche-Sand eine kurze Zeit Strandgebilde gewesen ist.“

Mellis fragt sich: „Wo ist der Ursprungsort des Sandes zu suchen? Ist der Sand in der Nähe des jetzigen Ablagerungsortes oder in einer größeren Entfernung davon entstanden?“ Er schreibt, dass Sand von der für die Romanche-Tiefe typischen Zusammensetzung bisher nirgendwo in der Umgebung dieser Tiefe nachgewiesen wurde. Sand in dieser Zusammensetzung sei bisher nicht in den Tiefsee-Sedimenten des Atlantiks gefunden worden. Dieser Umstand und die Feststellung, dass die Mineralparagenese der gröberen Fraktionen über die volle Mächtigkeit des Bohrkerns unverändert bliebe, weisen auf ein konstantes und räumlich begrenztes Ursprungsgebiet hin. Alle diese Gründe sprechen gegen einen langwierigen Transport des Sandes. Aufgrund der Tatsache, dass die Romanche-Tiefe am Fuß des Mittelatlantischen Rückens liegt, von der in der nächsten Umgebung Gipfel bis zu fünfzehnhundert Metern unter dem Meeresspiegel aufragen, sei es naheliegend, den Ursprungsort des Romanche-Sandes auf dem Mittelatlantischen Rücken zu suchen. Es sei logisch anzunehmen, dass zur Zeit der Bildung des Sandes größere oder kleinere Teile der Schwelle über den Meersspiegel hervorragten.

Wenn man sich diese Befunde vor Augen hält, muss man sich tatsächlich fragen, ob nicht die dritte von Kolbes möglichen Erklärungen bezüglich der in den Bohrkernen geborgenen Kieselalgen wahrscheinlicher ist als die beiden erstgenannten, denn wenn der Sand wahrscheinlich nicht von weither transportiert worden ist, warum sollen es dann die Süßwasserkieselalgen sein, zumal Kolbe ja auch seine ersten beiden Erklärungen als „spekulativ“ bezeichnet.

Mellis meint, die Frage ob der Mittelatlantische Rücken sich in einer Auf- oder Abwärtsbewegung befände sei wichtig, um festzustellen, ob es sich bei ihm um eine gesunkene oder um eine auftauchende Gebirgskette handelt. Mellis glaubt, dass sie sich in einer sinkenden Bewegung befindet. Mellis nennt H. Stille, W. W. Belussoff und René Malaise als seine Gewährsmänner. Für diese Annahmen sprechen für ihn unter anderem das komplizierte, stark zergliederte Relief und die auf dem Atlantischen Rücken kurz vor seiner Zeit entdeckte känozoischen (das Kaänozoikum begann vor 65 Mio. Jahren) Kalksteine. Es muss jedoch erwähnt werden, dass es die Meinung der heutigen Mainstream-Geologie ist, dass der Mittelatlantische Rücken sich in einer Aufwärtsbewegung befinde.

Mellis jedoch bezieht sich auf Stille, der meint, der Mittelatlantische Rücken hätte sich am Ende der Kreidezeit (also vor etwa 65,5 Millionen Jahren) gebildet, und das Sinken der gesamten Gebirgskette erfolgte nach seiner Ansicht „wahrscheinlich im Tertiär“. Das ist selbstverständlich eine etwas ungenaue Zeitangabe, und die Möglichkeit, dass der Untergang später erfolgte, wird hier offensichtlich nicht ganz ausgeschlossen.

Malaise schreibt jedenfalls, dass die erste Einströmung von atlantischem Wasser in den Arktischen Ozean vor etwa zehn- bis zwölftausend Jahren erfolgt sei. Zuvor müsse der Mittelatlantische Rücken über die Wasseroberfläche geragt haben (4). Mellis spricht das Vorhandensein einer dünnen Sial-Kruste an, die unter dem atlantischen Ozean liegt, und Sial ist ein alternativer Begriff für „Kontinentalkruste“. Im Ozean finden wir gewöhnlich nur Sima – eben die ozeanische Erdkruste.

Man mag sich nun fragen, warum man von den Problemen, die in diesem Artikel geschildert werden – und anderen, die hier nicht angesprochen werden konnten –, heute so wenig hört? Sind sie etwa auf eine andere Weise als mit der Annahme einer ehemaligen versunkenen Landmasse im Atlantik – wo Platon sein untergegangenes Atlantis sieht – erklärt worden? Keineswegs! Seit Mitte der 60er Jahre ist man in der Mainstream-Wissenschaft zu der Erkenntnis gekommen, dass Atlantis nicht existiert haben kann (oder sollte man besser sagen darf?) Denn wenn man vorgibt zu wissen, dass Atlantis nicht existiert haben kann, müsste man die Argumente, die dafür sprechen, widerlegt haben, doch stattdessen hüllt man sich in Schweigen…

Fußnoten
1) Kolbe, R. W.: Fresh Water Diatoms from Atlantic Deep-See Sediments. Science Vol. 126, 1957, S. 1053-1056

2) Geologische Rundschau, 1958, S.218-233

3) Mellis, Otto: Die Sedimentation in der Romanche-Tiefe (ein Beitrag zur Erklärungder Entstehung des Tiefseesandes im Atlantischen Ozean) In: Geologische Rundschau, 1958, S. 230

4) Malaise, René: Oceanic Bottom Investigations and their Bearings on Geology. In: Geologiska Forensingens I Stockholm, Forhandlingar, März-April 1957, S. 195-224

Hinweis:Es ist noch viel zu sagen zu diesem Themenkomplex, und in diesem Artikel konnte nur eine ausgewählte und zusammengefasste Fassung des Themas „Geologische Beweise für Atlantis“ präsentiert werden. Ausführliche Informationen finden Sie in meinem Buch „Atlantis - Alter Mythos - Neue Beweise“, erschienen im Aquamarin-Verlag, Grafing 2009.

Homepage Roland Horn: http://horn.alien.de/


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