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Sonntag, 8. Dezember 2019

516. »Aquila und die Söhne der Götter«

Teil 516 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Historische Aufnahme der Großen Pyramide, um 1910.

Tief unter uns sehen wir, grau in grau, die scheinbar unendliche Wüste. Die sich weithin erstreckende Leere wirkt trist und deprimierend. Plötzlich taucht weit unter uns ein monumentales Bauwerk auf. Aus der Höhe wirkt es klein, in der Realität aber ist es riesig. Wir erkennen es: Es ist die nach Pharao Cheops benannte »Große Pyramide«, wie das Weltwunder im englischsprachigen Raum genannt wird. Wir fliegen staunend über dem jahrtausendealten Denkmal genialer Baukunst. Wir machen die stoisch der Zeit trotzende Sphinx-Statue aus.

Aber schon entschwinden Pyramide und Sphinx aus unserem Blickfeld. Allein schon diese höchst beeindruckenden Bilder machen den Film »Charlie Chan in Egypt« (»Charlie Chan in Ägypten«) aus dem Jahr 1935 sehenswert. Warner Oland (*1879; †1938) fliegt als Detektiv Charlie Chan in einer offenen Propellermaschine über Pyramide und Sphinx. Für einen kurzen Moment kommt es dem fantasievollen Zuschauer so vor, als sei man weit zurück in die Vergangenheit gereist. Die Zeit scheint spurlos an der »Großen Pyramide« vorübergegangen zu sein.

Seit 1935 fliegt Charlie Chan im Film immer wieder über die »Große Pyramide«, unterwegs zur Lösung eines kniffeligen Geheimnisses. Er wird wieder Morde aufklären, keine Frage. Überlassen wir Charlie Chan seiner detektivischen Mission. Er benötigt nicht unsere Hilfe.

Wenden wir uns dem Geheimnis der Göttersöhne zu, die doch so gar nicht in die Bibel zu passen scheinen. Im heiligen Buch des monotheistischen Judentums wie der Christenheit haben Göttersöhne doch wohl nichts zu suchen. Oder doch? Die Göttersöhne sind keine »Erfindung« der Autoren des »Alten Testaments«. Das ist in der Theologie durchaus bekannt. Es gibt in wissenschaftlichen Publikationen aus dem Fachbereich »Altes Testament« Fachaufsätze, die sich mit den Göttersöhnen beschäftigen. Die werden allerdings im Studium der evangelischen Theologie nicht wahrgenommen. Und in der Welt der populärwissenschaftlichen Theologie kommen sie schon gar nicht vor.

Foto 2: Die »Arche Noah«
und die tierischen Passagiere
als Markenblock (Liberia 2014).
Die altehrwürdige »Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft«, gilt in Theologenkreisen weltweit als eines der führenden Organe schlechthin. Die »Z.A.W.«, 1881 von Bernhard Stade gegründet, konzentriert sich auf  theologische, sprachliche und historische Probleme des »Alten Testaments der Bibel.

Anno 1964 wurde ein umfangreicher Artikel über die Göttersöhne veröffentlicht (1). Cooke kommt zum Ergebnis dass die Göttersöhne bereits vor Jahrtausenden in den Hochkulturen von Ägypten bis Mesopotamien aktiv waren.

Jacob Johannes Theodoor Doedens verfasste eine spannende Dissertation zum Thema (2) »Die Söhne Gottes in Genesis 6,1-4«, die 2013 in Ungarn veröffentlicht wurde. Mich verwundert es nicht, dass in Textfragmenten von Qumran von einer »Ratsversammlung der reinen Göttlichen Wesen« zu lesen ist (3).

In der Doktorarbeit von Doedens lese ich auch, dass die »Söhne Gottes« in »Söhne des Himmels«, »die Heiligen«, »Engel« oder »Wächter« umbenannt wurden (4). Warum das geschehen ist lässt sich nur vermuten. Naheliegend ist die Vermutung, dass »Söhne Gottes« oder gar »Söhne er Götter« als mit einem streng monotheistischen Gott nicht vereinbar angesehen wurden. Vor allem sah man in der Welt des strengen Monotheismus den alleinigen Gott als Allmächtigen und Allwissenden an, dem menschlich-irdische Gelüste nach weiblichen Wesen vollkommen fremd zu sein hatten. Ausdrücklich weist Doedens aber darauf hin, dass in anderen Textfragmenten von Qumran immer noch »Söhne der Götter« oder »Söhne Gottes« auftauchen.

William F. Albright (*1891; †1971) hat bereits in seinem fundamentalen Werk über die Entwicklung religiöser Vorstellungen von der Steinzeit bis zum Christentum in überzeugender Weise nachgewiesen, dass die Göttersöhne des »Alten Testaments« auf uralte Mythen zurückgehen, die sehr viel älter als das »Alte Testament« sind.

Foto 3: Die »Arche Noah« als Markenblock (Liberia 2014).

Albrights Magnum Opus »From the Stone Age to Christianity« kann als das Lebenswerk des großen theologischen Wissenschaftlers angesehen werden. Albright, von 1929 bis 1959 Professor für semitische Sprachen an der an der »Johns Hopkins University«, war davon überzeugt, dass was von der »modernen« Theologie gern als märchenhaft und fiktiv angesehen wird, durchaus einen realen historischen Hintergrund haben kann. Er neigt dazu, die Historizität vieler Bibeltexte als erwiesen anzusehen.

Ich habe während meines Studiums der evangelischen Theologie einiges von Albright gelesen. Mir imponierte seine wissenschaftliche Neugier. Allzu oft versuchen Theologen nur, vorgefasste theologische Lehrmeinungen zu bestätigen. Ich will nicht von betrügerischen Absichten reden. Wer absolut von der nicht anzweifelbaren Wirklichkeit der eigenen religiösen Ansichten überzeugt ist, der findet alles nur bestätigt und nimmt Widersprüche gar nicht wahr.

Albright, der auch viele Jahre Direktor der »American School of Oriental Research in Jerusalem« war, leistete als echter Pionier der biblischen Archäologie wichtige Arbeit bei seinen Expeditionen zu wichtigen biblischen Stätten in Südarabien und Altsyrien. Er führte selbst Ausgrabungen durch. Mit bewundernswerter Akribie datierte er biblische Stätten mit Hilfe von Keramikfunden.

Für Albright gab es keinen Zweifel: Die Verfasser des »Alten Testaments« schöpften aus einem uralten, reichhaltigen Fundus. Sie übernahmen die Götter (Elohim) und Gottes- und Göttersöhne aus mythologischen Quellen. Der Ethnologe Konrad Th. Preuss konstatierte anno 1933: »In Mythos und Kult werden die Erlebnisse der Urzeit Machvollzogen!« Und Georges Dumezil zollte 1859 der Quelle aus fernster Vergangenheit seinen Respekt: »Die Mythen sind Alleinbesitz der Urzeiten gewesen und spiegeln den Zustand und die Ereignisse der damaligen Gesellschaft wider.«

Leider ist Dan Browns Romanheld Professor Robert Langdon nur ein fiktiver Professor an der »Harvard University«. In der Romanwelt der Weltbestseller Dan Browns und in den Verfilmungen nach Browns Romanen unterrichtet Langdon angeblich » religiöse Ikonologie und Symbologie«. Dieses Forschungsgebiet gibt es in der realen akademischen Welt der Wissenschaften leider nicht. Es sollte aber geschaffen werden, damit wir die weltweit entdeckten uralten Symbole aus geheimnisvollen Zeiten verstehen können.

Foto 4: Nur wenige Tiere werden gerettet
(Liberia 2014).
Ein »Professor Langdon«, der firm ist auf dem Gebiet der Mythen im »Alten Testament«, müsste sich endlich einmal intensiv in die ältesten Mythen von Ägypten über Mesopotamien bis Ugarit einarbeiten. Und ein solcher Gelehrter müsste ohne Rücksicht auf die eigene wissenschaftliche Karriere und die Einwände der werten Kollegen die wirklichen Quellen biblischer Mythologie erforschen. So ein »Professor Langdon« ist aber leider in der Realität nicht in Sicht. So sind wir auf eigene Recherche, auf eigene Interpretationen und Schlussfolgerungen angewiesen.

Unbestreitbar ist, dass schon in den Schrifttafeln von Ugarit Götterversammlungen beschrieben werden In Ugarit gab es die »Söhne Els«, so wie offenbar auch der biblische Gott seine »Söhne« um sich scharte. Die Söhne des biblischen Gottes (oder der biblischen Götter) rebellieren, steigen vom Himmel hinab auf die Erde und paaren sich mit den schönen Töchtern der Menschen.

Seltsam: Die Göttersöhne (7) finden Gefallen an den Töchtern der Menschen. Das missfällt dem biblischen Gott sehr. Er beschließt zu strafen: allerdings nicht die eigentlich Schuldigen. Unbehelligt bleiben die Göttersöhne, bestraft werden die Menschen. Ihre Lebenszeit wird auf 120 Jahre begrenzt. Und dann lässt Gott gar die Sintflut über die Erde hereinbrechen. Alles Leben soll erst einmal ausgetilgt werden. Mit Hilfe von Noahs Arche soll ein Neustart auf Planet Erde gewagt werden.  

Der biblische Gott handelt nach heutigem Verständnis höchst ungerecht, indem er die Falschen und dann ganz pauschal alle Menschen bestraft. Und warum sollen auch die Tiere fast vollkommen ausgerottet werden? Ein Paar von jeder Art darf überleben. Die Tiere haben ja nun wirklich keine Schuld auf sich geladen.

Die Göttersöhne wiederum benehmen sich recht ungöttlich, wenn sie beim Anblick schöner Menschentochter offenbar die Kontrolle verlieren. Dieses »ungöttliche Verhalten« moniert auch Hermann Gunkel (*1862; †1832), der erst spät, nämlich 1907, zum ordentlichen Professor im Fachbereich »Altes Testament« nach Gießen berufen wurde, in der renommierten Lexikonreihe »Religion in Geschichte und Gegenwart« (8).

Foto 5: Arche Noah und Tiere, auf Briefmarken
(St. Vincent, Karibik).

Bereits von 250 v.Chr. bis 100 n.Chr. entstand die »Septuaginta«, die älteste vollständige Übersetzung des »Alten Testaments«. Freilich sah sich Aquila genötigt, eine neue Übersetzung der Schriften des »Alte Testaments« ins Griechische vorzunehmen, da die Septuaginta zu fehlerhaft war. Er machte sich mit geradezu pedantischem Eifer ans Werk und schloss seine sehr wortgetreue Übersetzung um 125 n.Chr. ab.

Aquila (9), Schüler des legendären Rabbi Akiva, ist für seine in der Regel sehr wortgetreue Übersetzung des »Alten Testaments« aus dem Hebräischen ins Griechische bekannt. Und bei ihm lesen wir, dass »die Söhne der Götter« Wohlgefallen an den schönen Töchtern der Menschen fanden. 

Wenn bei Aquila von »Söhnen der Götter« die Rede ist, dann darf man davon ausgehen, dass man vor zwei Jahrtausenden an die »Söhne der Götter« glaubte. Bleibt nur die Frage, die auch heute noch nicht wirklich beantwortet werden kann: Wer oder was waren die »Göttersöhne«?

Foto 6:  Noah und seine Frau
vor der rettenden Arche (Liberia 2014).
Fußnoten
(1) Cooke, Gerald: »The Sons of (the) God(s)«, »Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft«, Nr. 76, 1964, Seiten 22-47
(2) Doedens, Jacob Johannes Theodoor: »The Sons of God in Genesis 6,1-4«,
Kapitális Printing House, Debrecen, Ungarn 2013
(3) Ebenda, Seite 315, 2. Zeile von oben
(4) Ebenda, Seite 315 unten und Seite 316 oben
(5) Ebenda, Seite 316, 3.+4. Zeile von oben
Im Original: » In the following fragments the expression ›sons of the gods‹ or ›sons of God‹ occurs.«
(6) Albright, William F.: »From the Stone Age to Christianity/ Monotheism and the Historical Process «, New York 1957, Seiten 295-298
(7) 1. Buch Mose, Kapitel 6, Verse 1-4
(8) Gunkel, Hermann: »Mythen und Mythologie, II, Israel« in »Religion in Geschichte und Gegenwart«, 1. Auflage 1913, IV, Spalten 620-632.
(9) Das Internet-Lexikon »wikipedia« schreibt übe Aquila von Sinope (Stand 13.12.2019): »Über Person und Leben Aquilas ist wenig bekannt. Unsicherer Überlieferung nach stammt er aus Sinope (heute Türkei); ebenfalls unsicher ist die oft angenommene Schülerschaft bei dem berühmten jüdischen Lehrer Akiba (50/55–135 n. Chr.). Die Lebensdaten Aquilas lassen sich nur anhand seiner Übersetzungen schätzen, die er um 125 n. Chr. fertigstellte. Die Übersetzung Aquilas ist heute hauptsächlich als christliche Schriftüberlieferung in griechischer Sprache erhalten, woher er auch seine Bedeutung für die alttestamentliche Wissenschaft erbt.«

Zu den Fotos
Foto 1: Historische Aufnahme der Großen Pyramide, um 1910. Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 2: Die »Arche Noah« und die tierischen Passagiere als Markenblock (Liberia 2014). Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 3: Die »Arche Noah« als Markenblock (Liberia 2014). Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 4: Nur wenige Tiere werden gerettet (Liberia 2014). Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 5: Arche Noah und Tiere, auf Briefmarken (St. Vincent, Karibik). Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 6:  Noah und seine Frau vor der rettenden Arche (Liberia 2014). Archiv Walter-Jörg Langbein.


517. »Von einer Wüstenstadt zu fremden ›Erden‹«,
Teil 517 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15. Dezember 2019



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Mittwoch, 17. Januar 2018

418 »Monstermauern, Mumien und Mysterien – ein Jubiläum«

Teil  418 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein




»Kuelap, eine geheimnisvolle Metropole der ›Chachapoyas‹«, der legendären »Wolkenmenschen«, so hieß Folge 1 meiner Sonntagsserie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«. Eine echte Monstermauer schütze einst die rätselhafte Stadt Kuelap der »Chachapoyas«. Erschienen ist sie am 17. Januar 2010, also heute auf den Tag genau vor acht Jahren. Ich plante ursprünglich eine »Miniserie« mit insgesamt zehn Folgen. Die Resonanz war von Anfang an höchst positiv. Und so wurde rasch an zusätzliche Folgen gedacht. Nach 25 Folgen würde Schluss sein. Oder nach 50? Sonntag für Sonntag lief meine Serie. Es machte großen Spaß, sie zu schreiben.

Foto 2: Unterwegs im Reich der Wolkenmenschen.
Riesig ist mein Fundus an Erinnerungen an Reisen zu den interessantesten Stätten auf unserem Planeten. Wirklich groß ist mein Fotoarchiv. Beim Stöbern in den sorgsam archivierten Aufnahmen wurden Erinnerungen an so manch‘ anstrengende Reise wach, an so manches »Abenteuer«. Immer wieder zog es mich in die »Unterwelt«: So kroch ich in die »unvollendete Grabkammer« unter der »Cheopspyramide«, in das Ganglabyrinth unter den »Tempelruinen« von Chavin de Huantar im Norden Perus. Der Weg in die »Unterwelt« der »Großen Pyramide« Ägyptens war alles andere als leicht.

Die sogenannte »unvollendete Grabkammer« liegt im massiven Fundament aus gewachsenem Stein unter dem gigantischen Bauwerk. Wann wurde sie in den Fels geschlagen? Wurden die Arbeiten begonnen, bevor der Grundstein für die Cheopspyramide gesetzt wurde? Bautechnisch wäre es die einfachste Lösung gewesen, zunächst die heute als unvollendete Grabkammer bekannte »Gruft« auszuheben, um nach vollendeter Arbeit die Pyramide darüber zu bauen. Dann wäre es relativ leicht gewesen, den Abraum durch einen kurzen Schacht ins Freie zu schaffen.
   
Der Gang in die mysteriöse Unterwelt führt aber zum Großteil durch den mächtigen Leib der Pyramide. Wurden also gleichzeitig unterirdisch die geheimnisvolle Kammer und die riesige Pyramide darüber geschaffen? Ein »Gehen« in die Tiefe im herkömmlichen Sinn war unmöglich. Ganze 1,20 Meter hoch und 1,06 Meter breit macht der »Gang« eine Fortbewegung im Stehen unmöglich. Vor Anstrengung keuchend und bald heftig schwitzend, sodass mir die Kleidung wie eine zweite Haut am Leibe klebt, kroch ich krabbelnd dem vielleicht eigentlichen Rätsel der Pyramide entgegen.

Foto 3:  Im Tunnel unterwegs zur »unvollendeten Grabkammer«.

Ehrlich gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Baumeister des Weltwunders »Cheopspyramide« so schlecht geplant und während des Entstehens der riesigen Pyramide plötzlich umdisponiert haben. Ich vermute, dass die »unvollendete Grabkammer« einen uns bis heute unbekannten Zweck erfüllte. Vielleicht war sie Teil eines Systems aus Gängen und Kammern, das bis heute erst zum Teil bekannt ist. Weitere »Hohlräume« - Kammern, Gänge? – werden im mächtigen Leib der Cheopspyramide vermutet. Pyramidenforscher Axel Klitzke machte schon vor Jahren sehr konkrete Angaben zu einem noch verborgenen Kammer-Gangsystem in der Cheopspyramide. Sein Buch »Pyramiden: Wissensträger aus Stein« (1) ist leider vergriffen und nur antiquarisch erhältlich.

Leider verweigert sich die klassische Archäologie derlei Gedanken, speziell wenn sie von »Hobbyforschern« vorgetragen werden. Ägyptologen wie Dr. Zahi Hawass, der sein äußeres Erscheinungsbild mehr und mehr Indiana Jones anzupassen scheint, dulden keine Außenseiter mit neuen Gedanken. Das erschwert echte Fortschritte beim Erkunden der Pyramide.

Foto 4: In der »unvollendeten Grabkammer«.

Ähnlich niedrig und eng waren die Gänge unter den kargen Resten des einst riesigen »Tempelkomplexes« von Chavin de Huantar. Auch in der Unterwelt von Chavin musste man sich durch enge und niedrige Gänge zwängen. Freilich waren da Teile des komplexen Fangsystems eingebrochen, so dass ein Weiterkommen immer wieder unmöglich war. Also gab es nur eine Möglichkeit: Wieder zurück kriechen, eine andere Abzweigung nehmen. Immer wieder machte sich unangenehmer Geruch bemerkbar. Immer wieder musste man durch die Verdauungsprodukte von Fledermäusen krabbeln, so dass man am Ende einer stundenlangen Exkursion durch unheimliche Gänge völlig verdreckt und nicht gerade nach Veilchenduft riechend ans Tageslicht zurückkam.


Foto 5: Eingang zum Tempelkomplex von Chavin de Huantar.

Es ist nicht bekannt, welchem Zweck das Gangsystem diente, ja es ist noch nicht einmal klar, wie groß es einst war. Wer weiß, welche Teile schon vor vielen, vielen Jahrhunderten eingestürzt sind. Vor Ort erklärte mir ein Archäologe, dass einst Wasser durch die Tunnels unter dem Tempelkomplex von Chavin de Huantar floss. Aber warum? Um ein lautes Rauschen zu erzeugen, das irgendwie aus dem Inneren der Erde zu kommen schien. Wollten die Priester so die Gläubigen beeindrucken, ja in Angst und Schrecken versetzen?

»Die Priesterschaft hatte sicher Tricks auf Lager. Sie konnten womöglich einen ›Dialog‹ mit den Göttern inszenieren. Wenn das Volk gegen den Oberpriester murrte, wurden die Götter ›befragt‹. Etwa: ›Oh Ihr Götter! Soll das Volk dem Oberpriester weiterhin gehorchen, so lasst Eure Stimme erschallen!‹ Daraufhin wurden Schleusen geöffnet, Wassermassen strömten in die unterirdischen Gänge und lautes Rauschen kam aus dem Leib der Erde. Das war für die Gläubigen ein eindeutiges Zeichen, gesandt von den mächtigen Göttern!«

Foto 6: WJL in der Unterwelt von Chavin de Huantar
Solche reichlich spekulative Gedanken »meines« Archäologen übertreffen selbst kühnste Spekulationen der »Prä-Astronautik«-Gilde. Übrigens: Es sind gerade die selbsternannten Skeptiker, die Erich von Däniken und Co. Abstruse Behauptungen unterstellen, um sie dann genüsslich zu »widerlegen«. Das erkennt freilich nicht, wer auf die Lektüre der Bücher von Erich von Däniken und Co. verzichtet.

So wird der  Schweizer Bestsellerautor Erich von Däniken von    der  »wissenschaftlichen« Seite immer wieder »widerlegt«, etwa in Sachen Nasca. Da macht man sich lustig über den Bestsellerautor aus der Schweiz, der angeblich behauptet habe, die riesigen Bilder in der Wüstenebene von Nasca seien Landebahnen der Außerirdischen gewesen (2). Wer Erich von Däniken gelesen hat, der weiß: So einen hanebüchenen Unsinn hat der weltweit bekannteste Vertreter der Theorie von den »Astronautengöttern« niemals behauptet.

Am 17. Januar 2010, auf den Tag genau vor acht Jahren, erschien die erste Folge meiner sonntäglichen Serie. Natürlich habe ich die Leserinnen und Leser auch nach Nasca entführt, in die Luft über der Hochebene, aber auch in die Unterwelt von Nasca, in einige der rätselhaften Tunnels unter den gigantischen Scharrzeichen. Welchem Zweck das gigantische Bilderbuch in der Wüste auch diente, abgeschritten oder abgelaufen wurden die Linien nie. Das hätte sie nämlich zerstört. Ich bin – wie Erich von Däniken – der Meinung, dass die gewaltigen Bilder und Bahnen, die man übrigens vom Weltraum aus erkennt, für die Götter in himmlischen Gefilden gedacht waren. Die Astronautengötter sollten aufmerksam gemacht, vom Himmel zurück auf die Erde gelockt werden.

Foto 7: Unter Chavin de Huantar.
In 417 Folgen habe ich versucht, möglichst viele Leserinnen und Leser (noch) neugieriger auf die vielen Geheimnisse unseres Planeten zu machen. Und die sind beileibe nicht nur in weiter Ferne zu finden, sondern auch vor der sprichwörtlichen Haustüre, in Kirchen und Kapellen, aber auch an uralten Kultstätten (Beispiele: Externsteine im Teutoburger Wald, die »Keltenschanzen« von Holzhausen bei München, monströse Reliefs im Münster zu Hameln und am »Paradiestor« des Doms zu Paderborn).

417 Sonntagsbeiträge über Geheimnisse und Mysterien… 8 Jahre »Monstermauern, Mumien und Mysterien – ein Jubiläum«. Ich wollte und will informieren, aber niemandem eine bestimmte Sichtweise der Dinge aufzwingen. Doktrinen gibt es auch in der Welt der Wissenschaft genug. Was den Fortschritt bringt? Wer den Fortschritt bringt? Das sind Menschen, die keine Angst vor kühnen Fragen haben und die den Mut aufbringen, auch fantastisch anmutende Antworten in Erwägung zu ziehen.

Ich danke allen Leserinnen und Lesern, die meiner Sonntagsserie gefolgt sind. Wenn es mir gelingen sollte, den einen oder den anderen Interessierten zu eigenen Recherchen anzuregen, dann würde mich das sehr freuen.

Foto 8: Die Externsteine bei Detmold.

Fortsetzung folgt….

Fußnoten
1) Klitzke, Axel: »Pyramiden: Wissensträger aus Stein«, Govinda Verlag, Jestetten Januar 2006
2) Gadow, Gerhard: »Erinnerungen an die Wirklichkeit/ Sonderdruck der SAN-

Nachrichten von Gerhard Gadow/ Ein Kommentar zum Däniken Bestseller«, Berlin 1979


Zu den Fotos

Foto 9: Monsterwesen von Hameln.
Foto 1: Foto 1: Unterwegs zur Sadt der Wolkenmenschen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Unterwegs im Reich der Wolkenmenschen. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 3:  Im Tunnel unterwegs zur »unvollendeten Grabkammer«. Foto Walter Langbein sen.
Foto 4: In der »unvollendeten Grabkammer«. Foto Walter Langbein sen.
Foto 5: Eingang zum Tempelkomplex von Chavin de Huantar. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: WJL in der Unterwelt von Chavin de Huantar. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 7: Einer der unterirdischen Gänge von Chavin de Huantar. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8 Die Externsteine bei Detmold. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Monsterwesen von Hameln. Foto Walter-Jörg Langbein.
Foto 10: Monsterwesen von Paderborn. Foto Walter-Jörg Langbein.

Foto 11: »Phantastische Phänomene«, 3. und 4.3.2018.

Foto 10: Monsterwesen von Paderborn.

419 »Kreaturen aus einer anderen Welt«,
Teil  419 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 28.01.2018 


Foto 11: »Phantastische Phänomene«, 3. und 4.3.2018


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Sonntag, 6. November 2016

355 »Kunigundes Kopf«

Teil  355 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1 und 2: Das Sonnenloch
Wir stehen vor dem Ostchor des Bamberger Doms. Zu unserer Linken sehen wir die »Adamspforte«, zu unserer Rechten die »Marienpforte«. Betrachten wir die steinerne Wölbung des Ostchors genauer, so fällt uns in der Mitte zwischen zwei »Säulen« eine kreisrunde Öffnung im Mauerwerk auf. Man bezeichnet dieses lukenartige Fensterchen auch als »Sonnenloch«. (Siehe Fotos 1 und 2!) Wikipedia definiert den Ausdruck »Sonnenloch« wie folgt: »Als Sonnenloch wird eine Öffnung in manchen alten Kirchen und Kapellen bezeichnet, die an der Ostseite angebracht ist und durch die zu bestimmten Zeiten des Jahres (meistens ist es die Tagundnachtgleiche im März und September) das Sonnenlicht auf eine bestimmte Stelle der gegenüberliegenden Kirchenwand fällt und dort einen hellen Fleck oder auch ein Kreuz bildet.« Wikipedia illustriert diesen kurzen Artikel mit einem Foto des Sonnenlochs am Bamberger Dom.

Vor Ort erkundigte ich mich bei einem Geistlichen, der eine Gruppe japanischer Touristen führte, nach der Bedeutung des »Sonnenlochs«. Er erklärte mir: »Am 29. Juni, dem Namenstag des heiligen Apostels Petrus« strahlt die Sonne für wenige Minuten durch diese kleine Öffnung und es taucht dann ein gleißender Lichtfleck auf dem Hauptaltar des Paulus im Westflügel auf!« Ich bat den Priester um ein kurzes Interview zum Thema, was er aber vehement ablehnte. Er erklärte mir, immer ärgerlicher werdend, dass »Sonnenlöcher« in christlichen Gotteshäusern für so manchen Theologen ein Tabuthema seien. »Sonnenlöcher werden oft als heidnisch angesehen, als Hinweis auf eine astronomische Ausrichtung der Kirchen, Kapellen und Dome.«

Foto 3: Die Belsener Kirche

So gab es zum Beispiel, wie ich erfuhr, in der Belsener Kirche, auch Belsener Kapelle (1) genannt, ein »Sonnenloch«.  Das rätselhafte kleine Gotteshaus entstand um 1150, und zwar auf den Fundamenten einer wesentlich älteren Kapelle.  Anno 1752 zierten einen Giebel der Kapelle gleich drei Sonnen. Sie sollen die Auferstehung Christi symbolisieren. Anno 1784 erschien in Stuttgart das Buch »Topographische Geschichte des Herzogthums Würtemberg« von Christian Friedrich Sattler. Es enthielt vor Seite 309 eine präzise Zeichnung des Giebels. Freilich wird da die Kapelle als »Tempel« bezeichnet und die merkwürdigen Darstellungen wurden als »Götzenbilder« tituliert.

Unverkennbar ist der Hinweis auf eine ursprünglich heidnische Bedeutung der Darstellungen. Auf der Homepage der »Ev. Kirchengemeine Belsen« lesen wir: »Bekannt ist die jetzige Kirche vor allem durch die geheimnisvollen und viel gedeuteten Reliefs am Westgiebel. Die drei »Sonnen« fielen den Witterungseinflüssen zum Opfer und sind längst verschwunden. Das Sonnenloch selbst wurde von außen geschlossen, von innen ist es aber noch zu erkennen. Computersimulationen bestätigten die Realität der Lichterscheinung. Zur Tag- und Nachtgleiche zauberte es auf der gegenüberliegenden Seite im Westen ein »Kreuz aus Lichtbalken«. Auf heidnische Wurzeln deutet eine keltische Viereckschanze im Süden von Belsen.

Von Belsen zurück nach Bamberg: Nach offizieller Lesart diente das »Sonnenloch« vom Bamberger Dom nicht, wie der Name suggeriert, um Sonnenstrahlen durchzulassen. Ein Reliquienschrein habe sich im Inneren des Doms direkt hinter der Öffnung in der Mauer befunden. Licht konnte also nicht von außen in das Gotteshaus fallen. Vielmehr sollen aus dem Inneren des Gotteshauses ganz besondere »Strahlen« auf Bamberg gefallen sein. Und die gingen nicht von der Sonne aus, sondern kamen aus dem Reliquienschrein, der den Schädel der heiligen Kunigunde beherbergte. Kunigunde, etwa 980 im heutigen Luxemburg geboren, um 1033 verstorben, Gattin Heinrich II., Mitbegründerin des ursprünglichen Doms, wurde im Jahr 1200 von Papst Innozenz III. heiliggesprochen. Erst anno 1513 vollendete kein Geringerer als Tilman Riemenschneider im Dom zu Bamberg das Grabmal des kaiserlichen Paares.

Fotos 4 und 5: Der Kaisersarg
Im Gespräch mit einer Pilgergruppe aus Altötting wurde mir klar, welch großer Beliebtheit sich die Heilige Kunigunde auch heute noch erfreut. Sie überstrahlt ihren bei weitem nicht so verehrten Gatten Heinrich II. (2). Im Lauf der Jahrhunderte rückte sie fast an die Seite der Gottesmutter Maria, als »Königin und Jungfrau« nimmt sie eine ganz besondere Position im Himmel ein. Der Legende nach bezichtigte man die Kaiserin der ehelichen Untreue. Um ihre Unschuld zu beweisen, bestand sie auf einem Gottesurteil. (Siehe Fotos 6 und 7!)

Sie lief, so heißt es, über rotglühende Pflugscharen – und blieb unverletzt. Nach einer Variante der Legende schritt sie nicht über Eisen, sondern über glühende Kohlen.

Im Volksglauben sah man wohl schon früh zwischen der Gottesmutter Maria und Kunigunde Parallelen. Letztere konnte als irdische Herrscherin durchaus ein wenig mit Maria (»Himmelskönigin«) verglichen werden. Ob freilich Kunigunde tatsächlich – wie dem katholischen Glauben nach Maria – ewige Jungfrau blieb, das sei dahingestellt. Kinderlos war die Ehe von Heinrich II. und Kunigunde allerdings. Ob freilich das kaiserlich Ehepaar wirklich aus religiösen Gründen auf Intimitäten verzichtete, oder ob es medizinische Gründe für den fehlenden Nachwuchs gab? Wir wissen es nicht.

Kunigundes Schädel wurde jedenfalls als besonders kraftvolle Reliquie angesehen, die durch das vermeintliche »Sonnenloch«  hindurch segensreichen Einfluss auf die Bewohnerinnen und Bewohner von Bamberg haben sollte. Eine andere Reliquie der Heiligen Kunigunde – vermutlich ein Stück des Oberschenkelknochens – gelangte irgendwann auf unbekanntem Wege nach Florenz und wird im Museum der Medicikapellen  in einem kostbaren Reliquiar aus geschliffenem Bergkristall verwahrt. Vorübergehend stellte das Museum die Reliquie dem Bamberger Dom als »Leihgabe« zur Verfügung.

Fotos 6 und 7: Kunigundes Gottesurteil
Polykarp von Smyrna (etwa 69-155) wird von der katholischen und orthodoxen Kirche als Märtyrer verstanden und als Heiliger verehrt. Nach kirchlicher Überlieferung kannte Polykarp die Jünger Jesu noch persönlich. Wie Jesus war er den Römern suspekt, wurde verhaftet und der grölenden Menge zur Ermordung ausgehändigt. Er sollte auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, so besagt es die fromme Legende. Als aber die heißen Flammen keinerlei Wirkung bei dem 86-jährigen Greis zeigten, wurde er kurzerhand erstochen. Die sterblichen Überreste Polykarps wurden von der jungen christlichen Gemeinde als heilig angesehen. Sie wurden zu den ersten  Reliquien der Christenheit. Heute befinden sie sich auf dem Hochaltar der Kirche Sant’Ambrogio della Massima.

Luther wetterte 1524 gegen Reliquien in seiner Schrift »Wider den neuen Abgott und alten Teufel«. Auslöser für Luthers Tiraden war die Verehrung, die den Gebeinen des heiliggesprochenen ehemaligen Bischofs Benno von Meißen (1010-1106) zuteilwurden. Derlei Knochen waren für Luther nur »tot Ding« (tote Dinge). Ob Luther nicht bekannt war, dass die segensreiche Wirkung von Reliquien bereits im Alten Testament beschrieben wird? Im 2. Buch Könige (3) lesen wir: »Als aber Elisa gestorben war und man ihn begraben hatte, fielen streifende Rotten der Moabiter ins Land Jahr um Jahr. Und es begab sich, dass man einen Mann zu Grabe trug. Als man aber einige Leute von ihnen sah, warf man den Mann in Elisas Grab. Und als er die Gebeine Elisas berührte, wurde er lebendig und trat auf seine Füße.«

Fotos 8-10: Kunst am Kaisersarg
Im Lauf der Jahrhunderte wurden Reliquien klassifiziert. Als Reliquien erster Klasse gelten die toten Leiber von Heiligen oder Teilstücke davon, zum Beispiel Haare oder Knochen. Reliquien zweiter Klasse sind Gegenstände, die in direkten Kontakt mit lebenden Heiligen hatten, zum Beispiel Gewänder oder Folterinstrumente. Reliquien dritter Klasse sind Objekte, die in Kontakt mit Reliquien erster Klasse gekommen sind. Mit solchen Reliquien wurde zeitweise ein schwunghafter Handel betrieben. Sie konnten beliebig hergestellt werden, indem man – zum Beispiel – Papier-  oder Stoffschnippselchen  kurz auf Knochen eines Heiligen legte. Speziell in Südeuropa werden derlei Reliquien von niederem Rang an Wallfahrtsorten an Pilger – etwa in Verbindung mit Heiligenbildchen – verkauft.

Heilende Wirkung von Reliquien der zweiten Klasse wird im Neuen Testament beschrieben. Ob auch dieser biblische Beleg dem Reformator Luther unbekannt war? Dem Stoff, der mit dem Paulus in Berührung gekommen war, haftete nach frühchristlichem Glauben noch dessen Heiligkeit an und ließ Kranke gesund werden (4): »So hielten sie auch die Schweißtücher und andere Tücher, die er auf seiner Haut getragen hatte, über die Kranken, und die Krankheiten wichen von ihnen und die bösen Geister fuhren aus.«

In Sachen »Heiligenverehrung« unterschied sich die junge christliche Kirche stark von der heidnischen Konkurrenz. Ein Mensch mochte zu Lebzeiten noch so heilig gewesen sein, nach seinem Tod galt für die Menschen der heidnischen Antike sein Leichnam als unrein, ja als gefährlich, und zwar aus Gründen der Hygiene.

Foto 11: Vitus-Reliquiar von Corvey

Mir begegneten Reliquien immer wieder auf meinen Reisen, zum Beispiel in Corvey. In Kairo wurden mir gar mehrere kleine einige Lederfetzen zum Kauf angeboten, die angeblich einst zum Schuhwerk des Apostels Paulus gehörten. Angeblich würden sie Fußbeschwerden jeder Art heilen. Angeblich wurden diese »Reliquien« zuletzt in koptischen Klöstern versteckt. Ich sei doch viel zu Fuß unterwegs, da würden gesundheitliche Probleme unweigerlich auftreten. Die angeblichen »Paulusreliquien« würden aber nicht nur mir gut tun, sondern der Allgemeinheit. »Tun Sie sich das Paulusleder in Ihre Schuhe. Ihre Füße werden niemals schmerzen. Und wo immer Sie entlang gehen, heiligen Sie den Boden, auf dem Sie wandeln!«

Als ich dankend ablehnte, wurden mir – zu erheblich günstigerem Preis – Reste von Cheops Mumie offeriert. »Auch das sind Reliquien! Sie schützen vor Flüchen jeglicher Art! Und sie verleihen die Weisheit des Pyramidenbauers!« Wieder nahm ich Abstand vom Erwerb der »Kostbarkeiten«. Derlei Schätze, so erklärte ich mit todernster Miene, müssten doch unbedingt in Ägypten bleiben.

Foto 12: Klosterkirche Corvey
Fußnoten

1) Belsen ist ein Stadtteil von Mössingen im Landkreis 
Tübingen, Baden-Württemberg , nicht zu verwechseln 
mit dem anderen, weltweit »bekannten« Belsen. 
Im KZ Bergen-Belsen, Kreis Zelle, starben bis zur 
Befreiung durch britische Truppen am 15. April 1945
mindestens 52.000 Häftlinge auf Grund der 
unsäglichen Haftbedingungen.
2) Heinrich II.  wurde bereits 1146 heiliggesprochen.
3) 2. Buch Könige Kapitel 13, Verse 20 und 21
4) Apostelgeschichte Kapitel 19, Vers 12

Zu den Fotos
Foto 13: Klosterkirche Corvey
Fotos 1 und 2: Das Sonnenloch. Der gelbe Pfeil deutet 
auf das Sonnenloch. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Die Belsener Kirche. Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 4 und 5: Der Kaisersarg. Fotos Walter-Jörg Langbein.
Fotos 6 und 7: Kunigundes Gottesurteil. 
Foto 6 Walter-Jörg Langbein. 
Foto 7 wikimedia commons public domain Johannes Otto Först
Fotos 8-10: Kunst am Kaisersarg. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Vitus-Reliquiar von Corvey. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 12: Klosterkirche Corvey. Foto Walter-Jörg Langbein 
Foto 13: Klosterkirche Corvey. Foto Walter-Jörg Langbein

356 »Wurde Papst Clemens II. ermordet? Teil I«,
Teil  356 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 13.11.2016

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Sonntag, 12. Januar 2014

208 »Glas und Waffen«

208 Glas und Waffen,
Teil 208 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Cheopspyramide und Sphinx - Historische Aufnahme um 1910

»Ich kann dir zeigen, wo Cheops wirklich bestattet wurde. Ich habe sein Grab gefunden!«,  raunt mir mit Verschwörermiene der bärtige Guide zu. Zehn Dollar will er für die Sensation haben, die mir als allererstem Besucher überhaupt gezeigt werden soll. Die Idee finde ich amüsant. Sie ist mir zehn Dollar wert. Ich zahle und schon weist mir der Nachkomme Ali Babas den Weg.

Erst musste ich unter einem Stacheldrahtzaun kriechen, dann ging's an einem kniehohen steinernen Mäuerchen entlang bis zu einem unscheinbaren Loch in der Erde. Eine wenig vertrauenerweckende hölzerne Leiter soll mich dann in die wahre Grabkammer des Cheops bringen. Angesichts der zu erwartenden grandiosen Entdeckungen klettere ich in das düstere Loch. Es riecht muffig nach Urin. Ein paar Schritte weiter erkenne ich eine Tür. Ich gehe hindurch und stehe im Dunkeln. Langsam gewöhnen sich meine Augen an die Umgebung.

Ist quadratisch, misst etwa drei mal drei Meter. In einer Ecke liegen einige Stofffetzen. »Das sind Reste der Mumie von Cheops!«, raunt mir mein Guide zu. Ob ich den kostbaren Stoff erwerben wolle? Weil ich so sympathisch sei, würden mir die Kostbarkeiten für 1000 Dollar überlassen. Als ich zögere, sinkt der Preis rapide auf zehn, schließlich auf fünf Dollar. Als ich mich immer noch weigere, das kartoffelsackartige »Gewebe« zu erstehen, wird mein Guide plötzlich unfreundlich. Mir habe er vertraut. Mir habe er das Geheimnis des wahren Grabes von Cheops offenbart. Und nun diese Enttäuschung!

»Diese Kostbarkeiten müssen in einem Museum ausgestellt werden!«, erkläre ich meine Weigerung zu kaufen. »Wenden Sie sich an das Museum in Kairo, man wird Sie fürstlich entlohnen!« Bevor mein Guide etwas antworten kann, klettere ich über die wackelige Holzleiter flugs wieder in die geradezu höllische Sonne Ägyptens. So durchschaubar der Guide mit der falschen Sensation war, es mehren sich Zweifel an Cheops als dem Erbauer der »Großen Pyramide«.

Cheops, der
 angebliche Erbauer
der Cheopspyramide
Foto: Archiv
Walter-Jörg Langbein
Seit Jahrtausenden suchen Grabräuber in Ägypten nach verborgenen Schätzen. Schon vor drei Jahrtausenden wurde im Land am Nil ein reger Handel mit Kostbarkeiten getrieben, die aus Gräbern im Tal der Könige oder dem Tal der Königinnen stammten. Oftmals warteten Plünderer nur auf den Abschluss von Zeremonien. Kaum war der vornehme Verstorbene bestattet, waren sie auch schon zur Stelle, um so schnell wie möglich Grabbeigaben zu stehlen. Angeblich halfen ihnen auch Priester, die genau wussten, wo etwas zu holen war. Die Geistlichen vollzogen ja die letzten Todesriten in den Grabstätten. Sie kannten die geheimen Wege in unterirdische Grabkammern oder den Verlauf der Gänge in Pyramiden.

In Ägypten waren es alteingesessene Grabräuberfamilien, die das Wissen um noch „unentdeckte“ Gräber von Generation zu Generation weiterreichten. Sie wussten oft sehr viel mehr als ihre Konkurrenten von der archäologischen Zunft. Manche arbeiteten mit Archäologen zusammen.

Gräber waren für eingeweihte Wissende so etwas wie Bankdepots. Besonders reich gefüllte Schatzkammern wurden geheim gehalten, die Konkurrenz war groß. Man holte nach und nach Kostbarkeiten, um sie zu verkaufen. Das Mitglied einer »renommierten« Grabräuberfamilie zum Verfasser: »Wir müssen vorsichtig vorgehen. Auf keinen Fall dürfen zu viele kostbare Fundstücke gleichzeitig auf den Markt geworfen werden, das würde den Archäologen und den Behörden schnell bekannt werden. Sie würden mit Recht vermuten, dass da ein reich bestücktes Grab entdeckt worden sein musste. Das erhöht natürlich das Risiko, dass man uns auf die Schliche kommt und die Quelle wäre dann versiegt!«

Wenn im 20. Jahrhundert Archäologen noch unberührte Gräber fanden, galt das schon als Sensation. Archäologen empören sich gern über Grabräuber. Allerdings gibt es aus Sicht der Verstorbenen kaum einen Unterschied zwischen jenen, die Schätze aus den Totengrüften holen und in Museen zur Schau stellen... und jenen, die die Kostbarkeiten verkaufen. Und Pharaonen-Mumien in Vitrinen von Museen als Zuschauermagnet, vergleichbar mit Kuriositäten in Jahrmarkt-Ausstellungen, lassen jegliche Pietät vermissen.

Die Große Pyramide
Foto: Walter-Jörg Langbein
Bis heute, so scheint es, sind die wertvollsten Schätze Ägyptens unentdeckt geblieben. Welche Grabbeigaben mögen wohl dem König Harmais mit auf den letzten Weg mitgegeben worden sein? So lesen wir beim Historiker Cajus Plibnius Secundus im 17. Kapitel seines 36. Buches: »Vor diesen Pyramiden steht die Sphinx, eine Gottheit der dortigen Bewohner, welche noch weit mehr Bewunderung verdient, aber von den Schriftstellern fast mit Stillschweigen behandelt wird. In ihr soll der König Harmais begraben liegen, sie selbst aber anderswoher gebracht worden sein. Sie ist aus einem einzigen natürlichen Steine gearbeitet, und das rote Gesicht dieses Ungeheuers wird göttlich verehrt.«

Nun wird man allerdings einen »König Harmais« vergeblich in den Listen der Ägyptologie suchen. Herodot indes erwähnt einen „Amasis“. Der allerdings, so Herodot, habe zu einer Zeit regiert, als es nach herkömmlicher Ägyptologie im Land am Nil noch lange keine Könige gab.  Herodot aber beteuert: »Nach eigener Angabe der Ägypter waren nämlich bis zur Regierungszeit des Amasis siebzehntausend Jahre verflossen.«

Kühn mutet die Behauptung an, im Kopf der Sphinx befinde sich das Grab von Harmais/ Amasis. Indes, schon vor einem Jahrhundert machte der amerikanische Ägyptologe George Andrew Reisner weltweit Schlagzeilen mit der Behauptung, im Inneren der Sphinx befänden sich »zahlreiche Tunnel« und »Höhlen« und unter den Vorderpfoten des steinernen Riesentieres gebe es einen unterirdischen Raum. Leicht lassen sich derartige Behauptungen ins Reich der Fantasie verbannen, wenn da nicht konkrete Messergebnisse Geheimnisvolles andeuten würden! Wer auch immer das Umfeld der Sphinx durchleuchtete, stieß im Bereich der Vorderpfoten der Sphinx auf »Anomalien«. Mit anderen Worten: Es könnte sich dort sehr wohl ein unterirdischer Raum befinden.

Betrachtet man die Sphinx heute aus der Nähe, so stellt man zahlreiche Restaurierungsmaßnahmen fest, die man kritisch als Pfusch bezeichnen möchte. Da wurden Steine eingesetzt, dort wurden Mäuerchen errichtet. Hier erkennt man Risse, die womöglich ins Innere des Fabelwesens führen. Mehrfach versuchte ich mich dem unschönen neuzeitlichen Mauerwerk zu nähern. Ich wollte feststellen, ob es die verschiedentlich beschriebenen »Eingänge« in den Leib der Sphinx tatsächlich gibt. Ich wurde allerdings von grimmigen Wächtern daran gehindert. Fast habe ich den Eindruck, als ob das zugefügte Mauerwerk nicht nur Lücken füllen, sondern auch verbergen soll. Meiner Überzeugung nach wird intensiv an und in der Sphinx geforscht... wie auch im Inneren der Pyramide. Archäologen sind da nicht am Werk. Ich vermute, es sind Schatzsucher, die mit Duldung von höchster Stelle nach den mysteriösen Geheimnissen von Pyramide und Sphinx suchen!

Sphinx mit Pyramide im Hintergrund - Foto:Walter-Jörg Langbein

Ist es ein Zufall, dass das amerikanische Medium Edgar Cayce vor einem halben Jahrhundert behauptete, dass sich genau dort der Eingang zu den unterirdischen »Hallen der Aufzeichnungen« befindet? Diese mysteriösen Hallen sollen das gesamte Wissen der Menschheit bewahrt haben – aus der Zeit vor der Sintflut! »Spinnerei!«, ist der Leser zu sagen geneigt. Wirklich? Der arabische Historiker Al-Makrizi, auch Al-Maqeizi oder Muhammad al-Maqriz (1364-1442) hinterließ ein umfangreiches Werk, „Hitat“ genannt. Sprengstoff enthält Al-Makrizis »Pyramidenkapitel«. Erich Graefe übersetzte den Text und veröffentlichte ihn 1911 in Leipzig (1).

Stefan Eggers ist es zu verdanken, dass dieser lange Zeit nur Experten bekannte Text allgemein zugänglich wurde (2). So erfahren wir Rätselhaftes über die »Cheops-Pyramide«.  Im »Hitat« heißt es weitschweifig und trotzdem klar (3): »Der Lehrer Ibrahim b. Wasif Sah al Katib sagt, in den ›Nachrichten von Ägypten und seinen Wundern‹, da, wo er von Saurid erzählt, dem Sohne des Sahluk..., des Sohnes von Husal, einem der Könige Ägyptens vor der Sintflut...: Er (Saurid) war der Erbauer der beiden großen Pyramiden bei Misr (Kairo)...«

Nach Al-Makrizi wurde die sogenannte »Cheops-Pyramide« also nicht von Cheops, sondern von Saurid erbaut... und das schon viele Jahrtausende früher, nämlich vor der Sintflut. Warum? Wollte sich König Saurid ein Denkmal schaffen? Wollte er in einem massiven Grabmal bestattet werden, um ganz sicher allen Katastrophen zum Trotz dereinst wieder aufzuerstehen?

Die Sphinx. Foto links um 1910,
 Zeichnung rechts um 1760 - Archiv: W-J.Langbein

Saurid soll, so heißt es im »Hitat«, »300 Jahre vor der Sintflut« einen schrecklichen Albtraum gehabt haben. Er sah in einer apokalyptischen Vision die Erde in einer gewaltigen Katastrophe untergehen (4): »Die Erde kehrte sich mit ihren Bewohnern um, die Menschen flüchteten in blinder Hast, und die Sterne fielen herab, und einer (gemeint: ein Stern) stieß gegen den andern unter grauenhaftem Krachen.«

Die Katastrophe würde über Planet Erde hereinbrechen, darin waren sich alle von Saurid befragten Experten – 130 „oberste Wahrsager –  einig. Was war zu tun? Es wurde eine recht selbstlose Entscheidung getroffen. Nicht persönlicher Egoismus stand im Vordergrund. Es sollte vielmehr das gesamte damalige geheime Wissen in einer Art »Tresor« den Weltuntergang überdauern. In zwei Pyramiden wurden Kammern des Wissens eingebaut. Man verteilte die kostbaren Schätze auf zwei Pyramiden, wohl um auf »Nummer sicher« zu gehen. Selbst wenn eine der Pyramiden-Tesore zerstört werden würde, konnte in der anderen geheimes Wissen überdauern (5):

Welche Geheimnisse mag die/ der Sphinx hüten? Foto:
Archiv Walter-Jörg Langbein
 »Sie begannen den Bau der Pyramiden unter einem günstigen Gestirn... Darauf ließ er in der westlichen Pyramide 30 Schatzkammern aus farbigem Granit anlegen; die wurden angefüllt mit reichen Schätzen, mit Geräten und Bildsäulen aus kostbaren Edelsteinen, mit Geräten aus vortrefflichem Eisen, wie Waffen, die nicht rosten, mit Glas, das sich zusammenfalten lässt, ohne zu zerbrechen, mit seltsamen Talismanen, mit den verschiedenen Arten der einfachen oder der zusammengesetzten Heilmittel und mit tödlichen Giften.«

Sollte es tatsächlich in grauer Vorzeit in Ägypten eine Flutkatastrophe gegeben haben.... in der Wüste? Davon will die schulwissenschaftliche Ägyptologie nichts wissen. Indes, Prof. Robert M. Schoch von der Universität Boston hat nachgewiesen, dass die Sphinx erhebliche Wasserschäden aufweist. Vor Jahrtausenden müssen gewaltige Wassermassen auf die mysteriöse Riesenfigur eingewirkt haben. Sollte es wirklich so etwas wie eine Sintflut gegeben haben, der die Pyramiden von Kairo trotzen?

Drei Pyramiden und Kamele - Foto: W-J.Langbein

Die Sphinx müsste nach Prof. Schoch Jahrtausende älter sein als bislang angenommen. Gleiches gilt dann auch für die »Cheopspyramide« selbst, die ja in etwa gleichzeitig mit der Sphinx entstanden sein soll. Auch die Große Pyramide scheint, nach den äußeren Schäden zu urteilen, so etwas wie eine gewaltige Flut erlebt zu haben. Nach den Aussagen von Prof. Robert M. Schoch – und seine Angaben sind so klar, dass sie keine Zweifel aufkommen lassen – war  Chephren nicht der Erbauer der Sphinx. Demnach ließ der Herrscher das steinerne Fabeltier lediglich restaurieren. Sollte wirklich Saurid und nicht Cheops das Weltwunder in Auftrag gegeben haben, Jahrhunderte vor der Flut?

Gab es eine Katastrophe in Ägypten, die den Pyramiden von Kairo nichts anhaben konnte? Ruhen in den Pyramiden Schätze, die kostbarer als Gold und Edelsteine sind? Es gibt Hinweise, dass bislang unentdeckte Schätze in den Pyramiden ruhen.  Und es sieht ganz so aus, dass intensiv nach ihnen gesucht wird... unter Ausschluss der Öffentlichkeit!

Es wird ganz eindeutig gebohrt und gegraben, vermutlich gegen den Widerstand der Archäologie. Ohne Genehmigung von »ganz oben« ist das nicht möglich. Werden wir je ein Buch lesen könen, das die wahre Geschichte des Alten Ägypten erzählt?


Teilweise kolossale
Steinmonster wurden
zur Pyramide
aufgetürmt
Foto:
Walter-Jörg Langbein
Fußnoten
1 Graefe, Erich: Das Pyramidenkapitel in Al-Makrizis „Hitat“, Leipzig 1911
2 Eggers, Stefan (Hrsg.): Das Pyramidenkapitel in Al-Makrizi’s ›Hitat‹,
     Hamburg 2003 (sehr empfehlenswert!)
3 ebenda, S. 13 und 14
4 ebenda, S. 14
5 ebenda, S. 18

209  Die Straße der Sphingen
Teil 209 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 19.01.2014                                                                                          



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Sonntag, 5. Januar 2014

207 »Auf der Suche nach verborgenen Schätzen«

Teil 207 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Cheops vor „seiner“ Pyramide
Fotos: Archiv Langbein
Über Pharao Cheops ist so gut wie nichts bekannt. Keine Inschrift rühmt seine Taten. Nirgendwo findet sich eine Lobeshymne auf ihn als den Erbauer der größten Pyramide Ägyptens. Im Land der Pharaonen hieß er Chnum-chuf, zu Deutsch „(Gott) Chnum ist sein Schutz“, Kurzform Chufu, griechisch Cheops. Sir Flinders Petrie entdeckte in Abydos eine winzige Statue, keine acht Zentimeter klein, die den mächtigen Pyramidenbauer darstellen soll.

Historiker Herodot, der rund zwei Jahrtausende nach Cheops lebte, nennt Cheops als Erbauer der „Großen Pyramide“. In der Ägyptologie ist man begeistert ob dieser Aussage Herodots. Gleichzeitig aber verschweigt man so gut es geht, dass eben dieser Herodot ein fantastisch anmutendes Bild von der Geschichte Ägyptens zeichnet. Reicht doch nach Herodot die Frühgeschichte Ägyptens 11.340 Jahre in die Vergangenheit! Damals, so Herodot, weilten die Götter noch unter den Menschen.

Herodot stellt nicht einfach diese kühne Zahl in den Raum. Die Priester, so Herodot, hätten ihm in einem großen Tempel 345 hölzerne Statuen gezeigt. Jeder Oberpriester habe eine solche Statue anfertigen und aufstellen lassen. 345 Oberpriester seien seit den Tagen, als die Götter noch zu den Menschen kamen, in Amt und Würden gewesen.

Wurde der Eingang zur Pyramide schon vor Jahrtausenden freigelegt? Strabo behauptet jedenfalls, sie sei „begehbar“ gewesen. Im großen „Ägyptischen Museum“, Kairo, erklärte mir ein Archäologe, Strabo habe zum Ausdruck bringen wollen, dass man außen an der Pyramide bis zur Spitze hochklettern konnte. Natürlich sei das riesige Bauwerk damals noch verschlossen gewesen. Diese Erklärung kann mich nicht überzeugen.

Wir schreiben das Jahr 25 v. Chr. Strabo, einer der renommiertesten Geschichtsschreiber Griechenlands, besucht Ägypten. Staunend steht er vor dem vielleicht größten Weltwunder überhaupt, vor der nach Cheops benannten Pyramide. Strabo, zu Deutsch der „Schielende“, berichtet, dass es „in der Mitte“ des monumentalen Bauwerks einen Stein gegeben habe, der den Eingang in die Pyramide verschloss. Diesen Stein konnte man, so Strabo, herausnehmen und dann durch einen „gekrümmten Gang“ in das Innere gelangen. Was meinte Strabo mit „herausnehmbarer Stein“? Sollte diese Vorrichtung ständigen Zugang zur Pyramide ermöglichen?

Der freigelegte Eingang
Foto:
Archiv Walter-Jörg Langbein
Der Eingang zur Cheopspyramide befindet sich in der Nordseite des Bauwerks, in einer Höhe von 16,50 Metern. Eine Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert zeigt deutlich die massive Konstruktion des „Türsturzes“. Dieser Eingang wird heute nicht mehr verwendet, aber von meist grimmig drein blickenden Wächtern gesichert.  Gegen ein üppiges Bakschisch darf man allerdings an der Nordseite der Pyramide zum Eingang empor klettern. Das erfordert eine gewisse Sportlichkeit, wie ich erfahren musste. Es ist anstrengend, von Stufe zu Stufe emporzuklettern. Dieser Aufstieg an der Nordseite der Pyramide war von den Erbauern des Monuments nicht vorgesehen. Alle vier Pyramidenseiten waren ursprünglich vollkommen glatt. Weiße Tura-Kalksteinblöcke bildeten die äußere, glatte und stufenlose Schicht des monumentalen Bauwerks. Irgendwann in der Antike wurde die Pyramide „geplündert“. An der Spitze beginnend wurden die Tura-Blöcke abgetragen, so dass nach und nach die äußere Verkleidung verschwand. Konnte dann der verborgene Eingang in die Pyramide gesehen werden?

Gewaltige, spitzdachförmig angeordnete Deckplatten von zig Tonnen Gewicht bilden den „Türsturz“. Im Verhältnis dazu erscheint der Gang hinter der Tür erschreckend winzig. Er ist lediglich 1,20 Meter hoch und sogar nur 1,05 Meter breit. Es ist mehr als anstrengend, durch diese enge und niedrige Röhre in das Innere des Bauwerks vorzudringen.

Der Gang führt in einem Winkel von 26 Grad und 31 Minuten steil nach unten. Nach anstrengenden 105 Metern durch den massiven Leib der Pyramide und durch den gewachsenen Stein unter dem Fundament geht der Gang endlich in die Horizontale über. Nach weiteren 8,80 Metern mündet er in der sogenannten unvollendeten Grabkammer. Angeblich war der Raum unter der Pyramide ursprünglich als Gruft für den Pharao vorgesehen. Das erscheint mir nicht nur als recht fragwürdig, sondern als unmöglich. Sollte der Sarkophag mit den sterblichen Überresten des verehrten Pharao etwa durch diese enge und niedrige Röhre hinab in die Grabkammer geschafft werden? Das ist ausgeschlossen. Allenfalls die Mumie des mächtigen Herrschers hätte man durch den niedrigen und schmalen Tunnel in die „unvollendete Grabkammer“ schaffen können. Mit würdevollem Umgang mit dem toten Pharao hätte das nichts zu tun gehabt. Und wie wollte man den wuchtigen Sarg aus Stein an seinen Bestimmungsort schaffen, von den einem wichtigen Herrscher angemessenen Grabbeigaben einmal ganz abgesehen. Eine Prozession von Würdenträgern hätte auf diesem Wege den Toten nicht begleiten können.

Abstieg in die
Cheopspyramide
Foto um 1900
Archiv Langbein
Einige Meter schräg unter dem eigentlichen Eingang befindet sich ein mit roher Gewalt geschlagene Öffnung in der Pyramide. Es heißt, dass der Kalif El-Mamun anno 820 n. Chr. Dieses Loch hat schlagen lassen... und auch den folgenden, bergwerksartig in das massive Bauwerk getriebenen Gang. El-Mamun, so heißt es, hatte es auf die kostbaren Grabbeigaben abgesehen. Er wollte die Cheopspyramide   plündern. Wusste er, dass die Eingänge zu Pyramiden immer an der Nordseite zu finden waren?

Der sogenannte „Grabräubergang“ führt zunächst geradeaus in die Pyramide hinein, dann macht er einen Bogen und trifft dann exakt die schmale Röhre, die vom „richtigen“ Eingang nach unten zur „unvollendeten Grabkammer“ führt.... Und zwar genau an der Stelle, wo der aufsteigende Gang nach oben, zur „Königinnenkammer“ und zur „Königskammer“ führt. Seltsam: Strabo beschrieb bereits 25 v. Chr. Den gekrümmten Gang, der angeblich erst 845 Jahre später auf Befehl von El-Mamun angelegt wurde. Ich meine, man muss die Story von Grabräuber El-Mamun mit großer Skepsis betrachten. Vermutlich wurde der vermeintliche „Grabräubergang“ nicht erst Ende des ersten Jahrtausends nach Christus, sondern bereits lange davor angelegt, von wem auch immer. Heute wird in Kreisen der Wissenschaft immer wieder die These vertreten, dass die Cheopspyramide bereits in der „Ersten Zwischenzeit“, also etwa 2216 v. Chr. bis 2025 v. Chr. von Grabräubern heimgesucht, wie ein Tresor geknackt und geplündert wurde. Stammt der „Grabräubergang“ also aus dem dritten Jahrtausend vor Christus? Und ist es wirklich ein von Grabräubern angelegter Tunnel? Oder wurde er von den Erbauern der Cheopspyramide selbst angelegt, nachdem das eigentliche Gangsystem verschlossen worden war? Ein weiterer Gang soll ebenfalls von Schatzsuchern teilweise senkrecht nach unten geschlagen worden sein: Beginnend vor der „Großen Galerie“. Dieser Gang führt ein Stück durch die Pyramide, dann durch den gewachsenen Fels, um schließlich zufällig (?) auf den absteigenden Gang zur unvollendeten Grabkammer zu treffen.

Auch dieser „Schacht der Diebe“ könnte von den Erbauern der Pyramide stammen, um Frischluft in den absteigenden Gang zu schaffen... oder als „Fluchtweg“ für die Arbeiter.

Der Sarg in der Königskammer - Foto um 1900
Archiv  Walter-Jörg Langbein

Wie auch immer: In der „Königskammer“ fanden Archäologen einen steinernen Sarkophag, der beschädigt war. Hat man ihn mit Gewalt geöffnet? Von einer Mumie gab es jedenfalls keine Spur. Der steinerne Deckel, der den aus einem Stück gehauenen Steinsarg einst verschlossen haben mag, fehlte jede Spur. Sollten Grabräuber den Sarkophag gefunden und ausgeräumt haben... warum ließen sie dann den Sargdeckel verschwinden? Mir drängt sich eine Vermutung auf: Die Königskammer diente nie als Gruft für den Pharao. Der Sarg war von Anfang an leer. Grabräuber sollten denken, sie seien zu spät gekommen, Berufskollegen hätten schon längst alles Wertvolle, ja auch die Mumie des Pharao, geraubt. Man kann sich die Enttäuschung der goldgierigen Plünderer vorstellen, die dann unverrichteter Dinge abzogen... ohne weiter zu suchen. Sollte mit dieser List der Pharao geschützt werden, der dann unbehelligt von Grabräubern und Archäologen bleiben würde?

In der Ägyptologie gibt es die sogenannte Drei-Kammern-Theorie, die wie eine „Heilige Kuh“ nicht angetastet werden darf. Demnach gibt es in jeder Pyramide drei Kammern, nicht zwei oder vier, sondern drei. In der Cheopspyramide werden drei Kammern gezählt: die unvollendete, die der Königinnen und die des Königs. Also kann es keine weitere Kammer mehr geben, weil das die Theorie von den drei Kammern nicht zulässt. Dabei wird aber die „Große Galerie“ übersehen. Sie ist 47 Meter lang und 8,5 Meter hoch und kann mit Fug und Recht als vierte Kammer gewertet werden.

Auch wenn das offiziell nicht zugegeben wird, so wurden auf der Suche nach verborgenen Schätzen in der Cheopspyramide immer wieder weitere, bislang nicht geöffnete Kammern entdeckt. Mir wurde vor Ort versichert, dass noch mehr Gänge und Kammern ausfindig gemacht worden sind, als den veröffentlichten Berichten von Fachleuten zu entnehmen ist. Im Sommer des Jahres 1986 suchten zwei französische Forscher – Gilles Dormion und Jean-Patrice Goidin – elektronisches Equipment ein, um bis dahin unentdeckte Hohlräume ausfindig zu machen. Suchen konnten sie nur von den bekannten Gängen und Kammern aus. Sie wurden fündig! Unter dem Gang zur Königinnenkammer zum Beispiel machten sie einen Raum von beachtlicher Größe ausfindig. Er ist immerhin dreieinhalb Meter breit und fünfeinhalb Meter hoch!

Wer im 19. Jahrhundert die „Cheops-Pyramide“ erkundete, hatte keine Ahnung vom weitestgehend verborgenen Innenleben des gewaltigen Bauwerks.... Damals gab es noch nicht die Möglichkeit, mit technischen Finessen durch das Gestein hindurch zu sehen und verborgene Geheimnisse zu entdecken...

Erkundung
der Pyrmide.
Zeichnung aus dem
19. Jahrhundert
Archiv Langbein
Die französischen Wissenschaftler erhielten erstaunlicher Weise die Genehmigung, zweieinhalb Meter durch den Steinboden zu bohren. Die mysteriöse Kammer, so stellten sie fest, ist mit kristallinem Sand gefüllt!

Am 22. Januar 1987 machte sich ein Team von Wissenschaftlern der „Waseda University“, Tokio an die Arbeit. Mittels elektronischer Messungen durchleuchteten sie sozusagen Teile der Cheopspyramide und entdeckten dabei „ein ganzes Labyrinth“ von Korridoren. Mir wurde bereits Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts vor Ort versichert, dass das eigentliche Gang-Kammern-System der Cheops-Pyramide noch nicht gefunden worden sei... zumindest nicht offiziell.

Von geheimnisvollen „Schutzsystemen“ erzählte man mir, von Gängen, die zu den wirklich wichtigen Kammern führen. Diese Gänge seien mit Sand gefüllt. Es gebe Mechanismen, die – so man sie in Gang setzt – den Sand abfließen lassen und den Weg zu den Schätzen in der Pyramide freigeben! Sollte etwas Wahres dran sein an diesen abenteuerlichen Geschichten? „Natürlich!“, versicherte mir ein Informant unweit der Cheopspyramide. „Die Wirklichkeit in der 'Großen Pyramide' ist fantastischer als die Fiktion von Indiana-Jones-Filmen!“

Auch die Experten der Waseda University“, Tokio, konnten bei weitem nicht den gesamten Massivbau der „Großen Pyramide“ durchleuchten. Ihre Messungen mussten ja alle von den bekannten Gängen und Räumen aus durchgeführt werden. Von mehreren Hundert Metern Länge der noch nicht geöffneten Gänge und Räume ist die Rede! Erich von Däniken fasst das mehr als faszinierende Ergebnis der japanischen Wissenschaftler so zusammen (1):
 „Fasst man ganz grob die Längen der bekannten Schächte und Räume zusammen und addiert das vom Trupp der Waseda University, Tokio, geortete 'Labyrinth von Schächten und Korridoren', so müssten sich innerhalb der Großen Pyramide Hohlräume mit einer Länge von rund einem Kilometer befinden.“

Ich halte diese Schätzung für zu niedrig angesetzt, da das Team der japanischen Wissenschaftler nicht den gesamten Koloss der Pyramide „durchleuchten“ konnte. Es ist anzunehmen, dass es noch weit mehr Hohlräume gibt! (2)

Reste der einst gewaltigen Anlage von Abydos
Foto Walter-Jörg Langbein

Ein Archäologie im Ägyptischen Museum zu Kairo erklärte mir mit Verschwörermiene: „wenn Sie wüssten, was von der Archäologie alles geheim gehalten wird... Wenn Sie wüssten, was Spezialisten über die Große Pyramide wissen, was dem normalen Archäologen nicht anvertraut wird. In Abydos wurden Hinweise auf die wirklichen Geheimnisse der Cheopspyramide gefunden. Es geht um die Suche nach Schätzen, die sehr viel kostbarer sind als Gold und Silber...“ Ich hakte nach, fragte nach, bekam aber nur ausweichende Antworten. „Es geht um Wissen, an dem auch die Militärs unserer Zeit sehr interessiert sind, mehr noch als Archäologen!“

Wie auch immer... Die Suche nach verborgenen Schätzen läuft auf Hochtouren. Und niemand soll davon erfahren...

Fußnoten
1 Däniken, Erich von: „Der Mittelmeerraum und seine mysteriöse Vorzeit/ Rätselhafte Bauten, unglaubliche Fakten und als falsch entlarvte Lehrmeinungen“, Rottenburg 2012, S. 173
2 Siehe hierzu auch...  Zarei, Alireza: „Die verletzte Pyramide: Wie Neugier Geschichte zerstört“, Groß Gerau 2011

Glas und Waffen,
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