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Sonntag, 7. Oktober 2018

455 »Ahurikiriki und das Geheimnis der verschwundenen Statuen«

Teil 455 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörgangbein

Foto 1: Die 15 Kolosse von Tongariki.

Die Kolossalstatuen der Osterinsel haben das einsame Eiland in den Weiten des Pazifiks weltberühmt gemacht. Die größte steinerne Plattform, Tongariki, befindet sich am östlichen Ende der Südküste der Osterinsel. Fünfzehn Statuen stehen heute wieder auf dem altehrwürdigen »ahu«, den Blick ins Innere des Eilands gerichtet. Eine größere Ansammlung von steinernen Riesen auf einer Plattform findet sich nirgendwo auf dem Eiland. Es soll aber einst eine noch größere Plattform mit sechzehn Statuen gegeben haben.

William  J. Thomson,  Zahlmeister auf dem Schiff »USS Mohican«, publizierte (1) eine recht lange, penibel genau geführte Liste von Monumenten, so wie er sie in der kurzen Zeit vom 18. bis 31. Dezember 1886 inspiziert und vermessen hat. Das wohl bemerkenswerteste Denkmal, das er beschreibt, konnte er allerdings nur aus der Distanz beschreiben. Dieses Monument ist irgendwann spurlos verschwunden und gibt bis heute Rätsel auf. Immer wieder wurde nach »Plattform Nr. 112« gesucht. Bis heute vergeblich.

Foto 2: Einige der 15 Kolosse von Tongariki.

Thomson schreibt (2): »Plattform No. 112. – Genannt Ahurikiriki. Gelegen am äußersten südwestlichen Ende der Insel, und außergewöhnlich wegen ihrer Position an einer lotrecht abfallendend Klippe (Höhe fast 1.000 Fuß) und mittig zwischen Meer und oberem Rand.«

Diese Beschreibung weist sehr deutlich auf die in der Tat fast 1.000 Fuß hohe  Felswand an der Südwestspitze der Osterinsel hin. Vom Zeremonial-Zentrum der Osterinsel kletterten mutige Männer 300 Meter in die Tiefe, um zur »Vogelinsel« zu schwimmen (»Vogelmann-Kult«). Und an dieser Felswand sollen einst, so Thomson, wohl auf einem kleinen Felsvorsprung sechzehn kleine Statuen gestanden haben. Als Thomson sie 1886 zu Gesicht bekam, standen sie aber schon nicht mehr. Sollte Thomsons Schilderung den Tatsachen entsprechen, dann hätten auf dem Felsvorsprung in der Steilklippe mehr Statuen gestanden als auf jeder anderen Plattform.

Foto 3: 15 Statuen. Foto Ingeborg Diekmann

Thomson (3): »Sechzehn kleine Götzenbilder liegen auf dieser Plattform und viele davon scheinen sich in einem ausgezeichneten Zustand zu befinden. Wir konnten keine Möglichkeit ausfindig machen, wie wir diesen kleinen Vorsprung hätten erreichen können, auf welchem diese Plattform steht. Kein Weg führt vom  oberen Rand der Klippe hinab, es gibt auch keinen Zugang von rechts oder links, und von unten geht es lotrecht nach oben.«

Thomson weist auf die Brecher des Meeres, die gegen den Fuß der Klippe schlagen und stellt Überlegungen an, wie wohl die sechzehn kleinen »Götzenbilder« an Ort und Stelle gebracht werden konnten. Er hält es für »kaum wahrscheinlich«, dass die Figuren einst von oben an Seilen hinab gelassen wurden. Seine Schlussfolgerung: Es müsse einmal einen »Zugang« (4) gegeben haben, der von den tosenden Wellen abgetragen wurde. Ganz ähnlich sieht es im »Dorf der Toten« aus: Unklar ist, wie die »Sarkophage« von Karajia an ihren Bestimmungsort gelangten.  Sie stehen auf einem kleinen Felsvorsprung an  einer senkrechten Felswand, etwa auf halber Höhe, etwa dreihundert Meter unterhalb des Dorfes Karajia. Die mysteriösen »Sarkophage« von Karajia befinden sich allerdings noch heute an Ort und Stelle.

Zurück zur verschwundenen Plattform Nr. 112, genannt »Ahurikiriki«. Leider sind Thomsons Reisenotizen, die eventuell zusätzliche Informationen zu »Ahurikiriki« enthalten haben mögen, unauffindbar. Sie sollen sich bis 1904 im Besitz des »Smithsonian Institution«, Washington D.C., befunden haben, wurden aber offenbar an Thomson zurück geschickt. Vergeblich hat man die in der »Smithsonian Institution« aufbewahrten Thomson-Fotos durchforstet. Es fand sich keine einzige Aufnahme der mysteriösen Plattform. Wie dem auch sei: 1886 will Thomson die 16 Götzenbilder in der Felswand gesehen haben. Oder hat der gute Thomson einfach nur fantasiert? 

Foto 4: Eine beeindruckende Kolonne von Riesen.

Offenbar nicht! Denn Katherine Routledge bestätigt Thomson (5). Demnach konnte Thomson anno 1886 eine »Reihe von Götzenbildern (6) sehen, aber nicht erreichen. Als Katherine Routledge 1913/1914 vor Ort war, waren die Figuren allerdings abgestürzt und lagen »1.000 Fuß tiefer« am Meeresufer. Katherine Routledge scheint einen zweiten Band zum Thema Osterinsel geplant zu haben. Offenbar wollte sie auch näher auf die Plattform Nr. 112, genannt »Ahurikiriki« eingehen, Das legen ihre handschriftlichen Notizen nahe, die erhalten geblieben sind. Zu einem zweiten Buch aber kam es leider nicht.

Eine Lehrerin, die in einer der Schulen von Hanga Roa unterrichtete, erklärte mir: »Ahurikiriki hat zweifelsohne existiert! Es gibt einige Lieder, die diese Statuen am Abgrund besingen!« Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, begann sie sogleich, mir eines der Lieder vorzusingen, in der so vokalreichen, wohlklingenden Sprache der Osterinsel. Immer wieder tauchte »I Ahu Rikiriki«. Die Lehrerin übersetzte mir einige Passagen: »Ich bin bei der Plattform (ahu) von Rikiriki und sie bringen die moai zu Fall.«

Foto 5: Tongariki soll einst ein religiöses Zentrum gewesen sein.

Voller Begeisterung erzählte mir die Lehrerin vom alten Urglauben der Osterinsel, verschwieg aber mehr als sie zu enthüllen bereit war. So erfuhr ich von »religiösen Praktiken«, die zum »Iviatua«-Kult gehörten. Im Zentrum der Religion stand der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele. Die Seelen der Dahingeschiedenen konnten noch zwei Jahre nach dem physischen Tod der Menschen auftauchen und den Nachkömmlingen der Toten helfen, so die in Not geraten sollten.  Zwei Jahre nach dem Tod machten sich die Seelen auf die Reise in ein sagenumwobenes Totenreich irgendwo im Westen.

Die Totenbräuche der Osterinsulaner muten makaber an. Man wartete offenbar bis alles Fleisch eines Toten verwest war. Dann trennte man den Schädel vom übrigen Skelett und setzte ihn bei. Die Knochen wurden gesäubert und kamen in eine »Steinkammer«. Dort begegneten die Geister der kürzlich Verstorbenen den Seelen der Vorfahren, die offenbar aus dem Totenreich angereist kamen.

Als Gottheit wurde Make Make verehrt, als allmächtiger Schöpfergott angebetet. Stammesfürsten verfügten über eine geheimnisvolle »Kraft« oder »Energie«, »Mana« genannt. Mit dieser Kraft konnten Feinde bekämpft, konnte der Wohlstand der Stammesmitglieder gesteigert werden. Mit dieser »übernatürlichen Kraft« konnten Eingeweihte die moai genannten Steinriesen veranlassen, vom Steinbruch aus an ihre Bestimmungsorte zu gehen oder zu fliegen.

Foto 6: Sie wenden dem Meer den Rücken zu.

Die Osterinsulaner glaubten offenbar an zwei Reiche: an ein Reich des Lichts und an ein Reich der Finsternis. Ein örtlicher Geistlicher brachte im Gespräch seine »erheblichen Zweifel« zum Ausdruck. Was die Osterinsulaner einst wirklich glaubten, was wirklich echter Osterinselglaube sei, das könne man leider nicht mehr mit Sicherheit sagen. Und in der Tat: Die Bevölkerung der Osterinsel wurde ja fast völlig ausgelöscht. Starb mit den Menschen der wahre Osterinselglaube? Wurden religiöse Bilder und Überzeugungen aus Polynesien geholt? Nach polynesischer Theologie wurden menschliche Verstorbene zu niederen Göttern, weil sie magische Kräfte von höherrangigen Göttern erhielten. Eingeweiht in die geheimen Glaubenswelten waren hochrangige Priester, »ivi atua« genannt. Diese mächtigen Geistlichen hausten angeblich in kleinen Häusern unter gewaltigen Steinbrocken im Inneren des »Rano Kau«-Vulkans. Dort soll es ein zweites heiliges Zeremonial-Zentrum gegeben haben, das bis heute weitestgehend unerforscht blieb.


Oder die Priester arbeiteten in steinernen Türmen, von denen es auf der Osterinsel eine ganze Reihe gegeben haben soll. Kein einziges dieser Gebäude blieb bis in unsere Tage erhalten. Sie leben aber in Erzählungen aus den »alten Zeiten« fort. Wie sie ausgesehen haben? Das wissen auch die letzten echten Nachkommen der Ureinwohner nicht.

Foto 7: Einer der Kolosse von Tongariki.
Was die Priester in diesen Steintürmen genau getrieben haben? Das soll schon immer nur wenigen Eingeweihten bekannt gewesen sein. Angeblich studierten sie Zeichen aus der »natürlichen Welt«, um prophezeien zu können: über das Wetter, den Fischfang und die anstehende Ernte. Betrieben diese Priester Hokuspokus? Oder studierten sie den Ablauf der Jahreszeiten, stets auf der Suche nach Regelmäßigkeiten im Ablauf der Dinge, um Aussagen über die Zukunft treffen zu können? Von Priestern bemannte Türme könnten sehr wohl auf astronomische Studien hinweisen, die von der Bevölkerung als magische Rituale verstanden wurden. Es mag auch sein, dass die Priesterschaft bewusst den Eindruck zu erwecken suchte, dass sie magische Zauberkräfte besaßen.

Es waren auserwählte Priester, die die Schrift der Osterinsel beherrschten. Sie gravierten ihre Geheimnisse in Holztäfelchen, die bis heute nicht übersetzt werden konnten. Genauer gesagt: Es gibt verschiedene Versuche, einige der Texte zu übersetzen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen werden aber nicht von »der« Osterinselforschung anerkannt.

Fußnoten
(1) »Te Pito Te Henua, Or Easter Island by William  J. Thomson/ Paymaster, U.S. Navy. From the report of the National Museum, 1888-89, Pages 447-552«. Washington: Government Printing Office 1891.
(2) Global Grey 2014, eBook-Ausgabe, Seite 113, Pos. 1405 (Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein)
(3) ebenda
(4) »And the natural conclusion is, that a roadway once existed, which has been undermined by the waves and has fallen into the sea.«
(5) Routledge, Katherine: »The Mystery of  Easter Island«, 1919, Nachdruck
Kempton 1998, S. 174, ab Zeile 8 von unten
(6) Im englischen Original: »images«.

Foto 8: Die Riesen von Tongariki... steinerne Hüter alten Wissens. Foto Ingeborg Diekmann


Zu den Fotos
Foto 1: Die 15 Kolosse von Tongariki. Foto Walter-Jörg Langbein 
Torsten Nierenberg hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Foto 
Nr.1 spiegelverkehrt wiedergegeben wurde. Ich habe das korrigiert 
und bedanke mich sehr herzlich bei Torsten für den hilfreichen Hinweis!
Foto 2: Einige der 15 Kolosse von Tongariki. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: 15 Statuen. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 4: Eine beeindruckende Kolonne von Riesen. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 5: Tongariki soll einst ein religiöses Zentrum gewesen sein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Sie wenden dem Meer den Rücken zu. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Einer der Kolosse von Tongariki. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Die Riesen von Tongariki... steinerne Hüter alten Wissens. Foto Ingeborg Diekmann

456 »Rätselhafte Kolosse und geheimnisvolle Kammern«,
Teil 456 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 14.10.2018


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Sonntag, 30. September 2018

454 »Pueblo de los Muertos - Das Dorf der Toten… «

Teil 454 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Festungsanlage der »Wolkenkrieger«.

Peru. Im Norden grenzt die Provinz »Luya« an die Provinz »Chachapoyas« an. Der Name hat Bedeutung: »Chachapoyas«, das waren die mysteriösen »Wolkenkrieger«, von denen wir nicht wirklich viel wissen. Ihre Religion kennen wir kaum. Offenbar glaubten sie an ein Leben nach dem Tode.  Hatten sie Priester? Zeremonien? Warum verschwanden sie Spurlos? Ja woher kamen sie? Vielleicht waren es gar Kelten, wie ein kühner Forscher spekuliert?

Die Provinz Luya hat eine sensationelle Festung zu bieten: Kuelap, die einstige Metropole der »Wolkenkrieger«. Als ich vor Jahren mit einigen Freunden Kuelap besuchte, waren wir mit Jeeps unterwegs. Nur so konnten wir weit abgelegene Stätten erreichen. Wir hatten immer einen Zusatzwagen dabei. Meist hatten wir drei Jeeps besetzt, ein vierter fuhr als Ersatzwagen mit. Wenn es zu einer Panne kam, wurde der defekte Jeep repariert, die drei anderen Vehikel fuhren weiter. Über zum Teil halsbrecherische »Straßen« gelangten wir auch in die Nähe der mysteriösen Ruinen. Den Rest des Wegs mussten wir auf Schusters Rappen zurücklegen. Da spürte man rasch, wie dünn die Luft und wie schwer der Rucksack mit den Kameras in einer Höhe von rund 3.000 Metern ist.

Nach Jahrzehnten der Forschung wurde erst ein kleiner Bruchteil von Kuelap untersucht und analysiert. Das soll sich jetzt ändern. Während sich noch vor Jahren kaum Fremde in das schwer zu erreichende Wunder der Baukunst wagten, sollen jetzt Touristenströme das Geld nur so sprudeln lassen. Höchst bequem sollen die Besuchermassen per Gondellift nach Kuelap geschafft werden. Viele Touristen bringt viel Geld, und davon soll der eine oder der andere Dollar auch der Archäologie zugutekommen.

Foto 2: Heute verschlossen... die Innenräume der Externsteine.

Leider bedeuten Touristenströme auch eine erhebliche Zunahme der Schäden an bedeutsamen Stätten. Abstoßendes Beispiel ist die »Caverna de Quiocta«. Die Höhle war meinst frei zugänglich. Nachdem sich immer wieder Touristen »bedienten« und kostbare Grabfunde als »Souvenirs« mitgehen ließen, wurde die Höhle mit einem Gitter abgesperrt. Sie darf nur noch unter Aufsicht eines Führers betreten werden. Immer wieder erlebe ich, dass Stätten nicht mehr besichtigt werden können. Beispiel: die geheimnisvollen Externsteine bieten ein imposantes Bild. Die »Innenwelt«, ineinander übergehende Kammern, standen jedermann zur Besichtigung offen. Weil es zu Schmierereien kam, wurden sie zur »Tabuzone« Nur mit Genehmigung darf man sie betreten, oder mit »amtlichem« Führer.

Ein angestellter Wächter erklärte mir empört: »Es ist vorgekommen, dass Schüler vor den Augen ihrer Lehrer ihre Namen in die Wände der Kammern geritzt haben. Die Pädagogen sind nicht eingeschritten. Traurige Zustände!

Vor solchem Vandalismus sind ganz besondere »Särge« der Chachapoyas von Karajia sicher. Was für Bergsteiger eine höchst interessante Herausforderung ist, das war für die »Wolkenkrieger« ein Friedhof, den sie »Pueblo de los Muertos«, »Dorf der Toten« nannten. An steiler Felswand gab es bunt bemalte Häuser zur rituellen Bestattung von Toten. Die Bezeichnung »Särge« ist irreführend. Es handelt sich dabei um riesige Tonfiguren, die doch große Ähnlichkeit mit den Statuen der Osterinsel aufweisen. Um zu den »Statuen-Särgen« der Chachapoyas zu gelangen, muss man versierter Bergsteiger sein. Man kann, wenn man das kann, eine senkrecht aufsteigende Felswand empor klettern. Oder man kann, wenn man dazu den Mut hat, sich von oben an der senkrechten Felswand abseilen.

Wie wohl die riesigen »Särge« von den Chachapoyas an ihre sicheren Plätze mitten in einer Felswand gebracht worden sein mögen? Und das ohne zu zerbrechen? Anders als die Osterinselriesen sind sie innen hohl und nicht aus Stein. Die »Wolkenkrieger« haben vor Jahrhunderten immer wieder ihre Toten an steilen Felswänden »bestattet«. Zum Teil nutzten sie natürliche Nischen im Fels, zum Teil bauten sie kleine »Plattformen«. So waren ihre Mumien ziemlich sicher vor Grabräubern. 

Fotos 3 und 4: Riesenfiguren im Vergleich – Wolkenkrieger (links),  Osterinsel (rechts)

Bei den Sarkophagen von Karajia handelt es sich um überlebensgroße Statuen aus Stroh und Lehm. Im Inneren einer jeden dieser »Särge« in Menschengestalt hockt eine Mumie. Die nach vielen Jahrhunderten nach wie vor gut erhaltenen Toten blicken gen Osten, als erwarteten sie den Sonnenaufgang. Vermutlich glaubten die »Wolkenkrieger« an eine Auferstehung der Toten und brachten die aufgehende Sonne mit dem neuen Leben nach dem Tode in Verbindung. Die Toten warteten im Leib der Riesenstatuen auf ihre Wiedergeburt: in kauernder Embryoposition.

Wie gelangten die »Sarkophage« von Karajia an ihren Bestimmungsort? Sie befinden sich an einer senkrechten Felswand, etwa auf halber Höhe, etwa dreihundert Meter unterhalb des Dorfes Karajia.Ich halte es für ausgeschlossen, dass man die relativ zerbrechlichen, recht großen Figuren von oben abgeseilt hat. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass sie von todesmutigen Chachapoyas nach der Methode Klettermaxe von unten empor geschafft wurden. Vermutlich gab es einmal die Möglichkeit von der Seite aus auf einem natürlichen Felsband zum Aufstellungsort der »Statuen« zu gelangen. Von einem solchen Felsband fehlt heute freilich jede Spur. Vielleicht wurde es unmittelbar nachdem man die riesigen Tonfiguren aufgestellt hatte zerstört. Oder das Felsband wurde nach Eintreffen der marodierenden Spanier abgeschlagen, um die vornehmen Toten zu schützen. Dass es sich bei den so aufwändig bestatteten Toten um hochrangige Angehörige der »Wolkenkrieger«, vielleicht Priester, handelte, das ist wohl anzunehmen. Für Angehörige des »niederen Volks« hätte man keinen so hohen Aufwand getrieben.

Die Sarkophage von Karajia ähneln den Statuen der Osterinsel. Die typische, überlebensgroße  Sarkophag-Figur der »Wolkenkrieger« hat ein markantes, scharf zulaufendes Kinn,  eine dominierende Nase, tiefliegende Augen, so wie wir das von den Osterinsel-Statuen kennen. Die Osterinsel-Kolosse trugen steinerne, zylindrische »Hüte«. Die Figuren der Chachapoyas weisen oft eine übertrieben ausgeformte Stirnpartie aus. Mag sein, dass da eine Art »Hut« imitiert wurde.

Foto 5: Sarkophage in Menschengestalt ...

Die Statuen der Osterinsel werden – und diese Erklärung scheint mir die vernünftigste zu sein – im Zusammenhang mit einem Totenkult gesehen. Das trifft auch auf die geheimnisvollen Sarkophage der »Wolkenkrieger« zu. Noch eine Gemeinsamkeit: Gruppen von Statuen wurden auf der Osterinsel häufig (nicht immer)in der Nähe von Wasser aufgestellt, so wie auch Gruppen der »Chachapoya-Särgen«. Die Materialien, aus denen die Sarkophage bestehen, Stroh und Lehm, konnten mit der C-14-Methode datiert werden. Sie wurden in der Zeit um die Jahre 1460 bis 1470 hergestellt. Das war noch bevor die Inkas in jene Region vorgedrungen sind. Nach der umstrittenen schulwissenschaftlichen Datierung sind in der Zeit von 1400 bis 1600 sehr viele der Osterinselriesen entstanden. Es könnte also sein, dass »Wolkenkrieger-Sarkophage« und zumindest einige Osterinsel-Statuen zur gleichen Zeit entstanden sind. Gab es eine Verbindung zwischen Peru und Osterinsel in jener Zeit?

Der scheinbar größte Unterschied: Die Osterinselriesen befanden sich auf Plattformen auf ebener Erde und nicht an senkrechten Felswänden. Die Bestattung in riesigen Statuen in Menschengestalt wurde schon anno 1791 in »Mercurio Peruano« erstmals erwähnt. Es dauerte aber fast zwei Jahrhunderte, bis sich die Wissenschaft interessiert zeigte. Anno 1965 war es der deutsch-peruanische Archäologen Federico Kauffmann Doig, der die Sarkophage von Karajia »entdeckte«. 

Foto 6: … tragen Tote wie Embryos im Leib.

Es sind zwar unzählige Osterinselriesen beschädigt oder zum Teil mehrfach zerbrochen. Es sind aber noch viele der Kolosse intakt. Sie wurden alle von den Podesten gestürzt. Wer oder was ist dafür verantwortlich? Ich glaube es waren Erdbeben. Trauriger ist es um die »Wolkenkrieger-Sarkophage« an Felswänden bestellt. Bis heute wurde kein zweiter intakter Komplex dieser Art entdeckt. Gefunden wurden auch einige aufgebrochene und geplünderte Sarkophage. Es soll aber eine ganze Reihe gegeben haben. Immer wieder sind offenbar solche Sarkophage Opfer von Erdbeben geworden. Die Erschütterungen der Naturgewalten brachten sie zu Fall. Sie stürzten aus den Felswänden und zerbarsten am Boden.

Bei einem meiner Besuche im dörflichen Museum in Hanga Roa stieß mich auf einen sehr knappen, aber sehr konkreten Hinweis. Verfasst und veröffentlich hat ihn William Thomson, Zahlmeister der »USS Mohican« Ende des 19. Jahrhunderts. In wenigen Tagen untersuchte und beschrieb das Team der »USS Mohican« weit über einhundert Zeremonial-Plattformen rund um die Insel.

Eine Sensation, die heute so gut wie vergessen ist: Thomson beschreibt Steinstatuen, die (wie die Riesen-Sarkophage der »Wolkenkrieger«) in luftiger Höhe auf einem kleinen Vorsprung an einer senkrechten Steinwand standen. Sie sind spurlos verschwunden.

Foto 7: »Wolkenkrieger« mit Helm.



Zu den Fotos
Foto 1: Festungsanlage der »Wolkenkrieger«.
Foto 2: Heute verschlossen... die Innenräume der Externsteine.
Fotos 3 und 4: Riesenfiguren im Vergleich – Wolkenkrieger (links),  Osterinsel (rechts)
Foto 5: Sarkophage in Menschengestalt ...
Foto 6: … tragen Tote wie Embryos im Leib.
Foto 7: »Wolkenkrieger« mit Helm.

455 »Ahurikiriki und das Geheimnis der verschwundenen Statuen«,
Teil 455 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07.10.2018



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