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Sonntag, 25. Dezember 2011

101 »Lelu und die Ruinen der Zyklopenbauten«

Teil 101 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Die Saga »Fluch der Karibik« wird fortgesetzt. Johnny Depp besteht auch in Teil 4 der Filmreihe grandiose Abenteuer und erobert die Herzen der Kinogänger. Sollte den Hollywoodgiganten zu Jack Sparrow nichts mehr Neues einfallen ... dann empfehle ich Recherchen zu William Hanry Hayes, genannt Bully Hayes. Der »Händler«, Preisboxer und Pirat Hayes soll auf Kosrae einen gigantischen Schatz vergraben haben ... der bis heute nicht gefunden wurde!

Unterwegs nach Kosrae - Foto W-J.Langbein
Bei meiner ersten großen Weltreise war die Insel Kosrae nur ein bedeutungsloser Zwischenstopp: Frankfurt–Amsterdam, Amsterdam–Tokio, Tokio–Guam, Guam–Pohnpei (Mikronesien, Ruinen von Nan Madol), Pohnpei–Kosrae, Kosrae–Honolulu, Honolulu–Sydney (Australien), Sydney–Port Vila (Vanuatu), Port Vila–Tanna (John-Frum-Kult), Tanna–Port Vila, Port Vila–Nadi (Fiji), Nadi–Honolulu, Honolulu–Minneapolis, Minneapolis–Detroit, Detroit–Frankfurt.

Die Landung war ein echtes Erlebnis, das ich so schnell wohl nicht vergessen werde. Der Flughafen liegt im Nordnordwesten des Eilands, direkt beim »Okat«-Hafen. Die Errichtung einer Landebahn auf dem Festland des kleinen Eilands wäre extrem aufwendig und teuer gewesen ... also errichtete man die Piste – 1753 Meter lang – im Meer, drei Meter über den Wellen. ... Offen gesagt: Ich halte das Applaudieren nach jeder Flugzeuglandung für eine alberne Unsitte. Als aber »unser« Pilot punktgenau »mitten im Meer« auf der schmalen Landebahn aufsetzte ... rechts und links von den Schaumkronen hoher Wellen begleitet ... da stimmte ich mit heftigem Händeklatschen in die rasch anschwellende Dankbarkeitsbekundung ein. Und als »unsere« Maschine dann nur wenige Meter vor dem abrupten Ende der Landbahn mitten im Meer zum Stehen kam, da kannte auch meine Begeisterung kaum Grenzen. Und hätte ich damals gewusst, dass das Eiland einst echte Monstermauern zu bieten hatte ... dann hätte ich einen Aufenthalt auf dem Eiland eingeplant ...

Touristisch erschlossen ist Kosrae bis heute nicht. Geradezu rührend mutet ein »Willkommensschild« aus Sperrholz an, das die wenigen Besucher aus der Fremde freundlich begrüßt ...

Willkommen ...
Foto W-J.Langbein
Mit einer Landfläche von knapp unter 110 Quadratkilometern ist Kosrae immerhin das zweitgrößte Eiland der »Föderierten Staaten von Mikronesien«. Die Felseninsel wird – und das ist die große Ausnahme – von einem Korallenriff geschützt. Acht kleine Nebeninselchen finden sich in diesem Schutzwall. Eine davon ist bewohnt: Lelu! Und Lelu bietet Ruinen ... die Ruinen der einstigen Monstermauern!

Kosrae hat einen vielversprechenden Namen: »Insel der schlafenden Lady«. Allerdings kann ich beim besten Willen nicht erkennen, dass die Konturen des Eilands an eine schlafende oder wache Lady erinnern ... Der massive steinerne Kern von Kosrae ist von üppigem Grün überwuchert ... wie ein Schloss aus dem Märchen. Die üppige Flora ist im wahrsten Sinne des Wortes Südsee pur. Wer sich mühsam abseits schmaler Trampelpfade durch das üppige, alles Menschenwerk aus uralten Zeiten verschlingende Grün kämpft, erahnt, welche archäologischen Schätze da noch auf Entdeckung warten mögen!

Da waren Meister der Baukunst am Werk! Da wurden einst zyklopenhafte Mauern aufgetürmt ... riesige Steinbrocken mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit verbaut.

Ein Mitreisender erkundet den
Urwald - Foto W-J.Langbein
Wissenschaftliche Untersuchungen wie Datierungen wurden auf Kosrae kaum vorgenommen. Man vermutet, dass schon vor drei Jahrtausenden Besiedler aus dem polynesischen Raum eintrafen. Sicher ist das nicht. Vielleicht wurde die mysteriöse Inselwelt schon sehr viel früher entdeckt.

Falsch ist meiner Überzeugung nach die Datierung von »Steinbauten« auf der Insel Lelu. Angeblich wurden sie vor rund einem halben Jahrtausend errichtet ... Vor Ort erklärte man mir, man habe in den Ruinen Holzkohlenreste und Knochensplitter gefunden, die – laut Radiocarbonmessung – fünf- bis sechshundert Jahre alt waren. Meine Meinung: Mag ja sein, dass vor fünf bis sechs Jahrhunderten Menschen in den altehrwürdigen Ruinen hausten. Das müssen aber keineswegs die Erbauer der kolossalen Mauern gewesen sein!

Der Überlieferung nach eroberte der legendäre Isokelekel Nan Madol, des legendäre Venedig der Südsee ... Mit 333 Kriegern soll er das etwa 500 Kilometer entfernte Eiland besetzt haben. Nichts spricht dafür, dass Isokelekel und seine Mannen die monströsen Bauten von Nan Madol, Ponape, errichtet haben. Unklar ist auch, wieso in der kaum besiedelten Südsee meterdicke Mauern aufgetürmt wurden ... Mauern, die so gewaltig sind, dass wir auch heute noch vor einem Rätsel stehen. Welchen Zweck erfüllten sie? Wie wurden sie zum Teil um zehn Meter hoch aufgetürmt, aus gewaltigen Basaltsäulen?

Wie viele dieser monströsen Mauern gab es einst? Wie viele sind noch unter Urwalddickicht zu entdecken? Wie viele fielen den Naturgewalten zum Opfer und stürzten ein?

Mauern von Nan Madol
Foto: W-J.Langbein
Nan Madol lockt – wegen der exotischen Ferne – auch heute kaum Touristen an. Kosrae ist selbst Insidern kaum bekannt. Dabei wurden auf dem Inselchen Lelu im Osten von Kosrae ganz ähnliche Bauten wie auf Nan Madol errichtet! Weil Kosrae kaum von Fremden besucht wird, sind die finanziellen Mittel mehr als knapp. Und da kaum Geld in die Kassen fließt, wird auf Lelu auch nur sehr wenig getan, um die mysteriösen Mauern vom molochartig wuchernden Grün zu befreien.

Reich sollen die Herrscher von Lelu gewesen sein. Die Aristokraten bauten bombastische Steinpaläste ... für ihre Toten. Die Verstorbenen wurden aber in den bunkerartigen Räumen nicht zur ewigen Ruhe gebettet ... sondern offenbar nur vorübergehend aufgebahrt. Erst wenn von den Toten nur noch die trockenen Knochen übrig waren, wurden sie umgebettet und bestattet. Ein Heimatforscher erklärte mir vor Ort, es habe Kannibalismus gegeben. Das Fleisch der Vornehmsten sei rituell von den Knochen geschabt und verzehrt worden. So habe man die Kraft der Toten in sich aufgenommen.

Angeblich sollen auch heute noch Wissende das Geheimnis der vergrabenen Knochen kennen ... aber nicht preisgeben. Ihnen soll bekannt sein, wo die nackten Knochen zur letzten Ruhe gebettet wurden. Oder wurden sie nach vielen Jahren ausgegraben und verbrannt? Rätsel über Rätsel ...

Blockhaus-Bauweise von Lelu
Foto: W-J.Langbein
Die Baumeister von Lelu wie die von Nan Madol setzten natürlich »gewachsene« kristalline Basaltsäulen ein: Im Blockhüttenstil entstanden auf beiden Eilanden Zyklopenmauern. Immer wieder stellt sich die Frage: Warum wurde dieser gewaltige Aufwand betrieben? Warum wurden tonnenschwere Steinsäulen verbaut ... und nicht das in rauen Mengen vorhandene Holz? Sollten die monströsen Wände die Ewigkeiten überdauern? Und wenn ja: warum? Von meterhohen Mauern ragt nur noch ein Teil aus dem satten Grün. Es ist gefährlich, die Ruinen zu besteigen

Woher stammen die Steinmassen ... auf Nan Madol wie auf Lelu? Wie wurden sie bearbeitet, transportiert und verbaut? Fragen wie diese sind auch heute noch weitestgehend unbeantwortet geblieben! Von »Magie« sprechen die Einheimischen, die in grauer Vorzeit zum Einsatz gekommen sei. Von Zauberern, die die tonnenschweren Steinkolosse durch die Lüfte schweben lassen konnten ... berichten alte Überlieferungen. An solchen »Humbug« glaubt man als aufgeklärter Mensch natürlich nicht. Aber: klügere Antworten gibt es bis heute nicht.

Ich habe mich wiederholt durch Gestrüpp gekämpft, um mir einen Überblick über den Verlauf von Mauern zu schaffen. Eine »Entdeckung« machte ich: Was man wegen des wuchernden Grüns kaum fotografieren kann: die Mauern sind oft in Form eines Schiffsbugs aufgetürmt. Warum? Wollte man so den gefürchteten Gefahren des Meeres trotzen?

Mauern wie ein Schiffsbug
Foto: W-J.Langbein
Im 19. Jahrhundert erwarb sich William Henry Hayes einen höchst zweifelhaften Ruhm als »Händler« und Pirat. Schon zu seinen Lebzeiten kursierten Gerüchte über ihn als Barbetreiber, Sklavenhändler, Vergewaltiger, Aufrührer und Mörder. In Manila wurde er vor Gericht gestellt und zu Gefängnis verurteilt, weil er angeblich »politische Gefangene« aus dem Gefängnis befreit haben soll. Immer wieder sollen heftigste Anschuldigungen gegen ihn erhoben worden sein. Aber: Die Beweise reichten für eine Verurteilung nicht aus.

Im Sommer des Jahres 1868 machte eine Meldung nicht nur in den Häfen der Südsee die Runde. William Henry Hayes sei ermordet worden. Am 25. Juni 1868 vermeldete die Zeitung »Sydney Morning Heralds«: Hayes lebt, hat die Meldung über seinen Tod wohl selbst in Umlauf gesetzt, um die Justiz in die Irre zu führen. Hayes sei es vielmehr gelungen, ein Schiffswrack wieder flott zu machen ... und in See zu stechen!

Heute kann man nicht mehr unterscheiden zwischen historischer Biografie und fantasievoller Abenteuergeschichte. Fakt ist, dass Hayes – Seemann und gefürchteter Preisboxer – jahrzehntelang die Südsee befuhr. Immer wieder lief er mit seinem Schiff »Leonara« eine Bucht im Süden von Kosrae an. Hier sank auch die »Leonora« im Jahre 1874. Oder hat sie Hayes selbst auf Grund laufen lassen? Das Wrack wurde gefunden ... der Schatz des Piraten nicht!

Literatur
Fundierte Literatur zum Themenkomplex »Lelu / Nan Madol« ist schwer zu finden und fast ausschließlich in englischer Sprache verfasst. Folgende Werke kann ich für weiterführende Recherchen empfehlen:
Ashby, Gene (Herausgeber): »Micronesian Customs and Beliefs«, Pohnpei 1983
Ashby, Gene (Herausgeber): »Never and Always - Micronesian Legends, Fables and Folklore«, Kolonia, Pohnpei 1983
Ashby, Gene (Herausgeber): »A Guide to Pohnpei - An Island Argosy«, revidierte Auflage, Pohnpei 1993
Ballinger, Bill: »Lost City of Stone«, New York 1978
Brown, John Macmillan: »The Riddle of the Pacific«, London 1924
Childress, David Hatcher: »Lemuria and the Pacific«, Stelle, Illinois 1988
Childress, David Hatcher: »Ancient Tonga«, Stelle, Illinois, 1996
Childress, David Hatcher: »Ancient Micronesia«, Kempton, Illinois, 1998
Ellis, James J.: »Polynesian researches«, London 1932
Fox, Charles E.: »The threshold of the Pacific«, London 1924
Hambruch, Paul: »Ergebnisse der Südsee-Expedition 1908-10«, Berlin 1936
Morrill, Sibley (Herausgeber): »Ponape«, San Francisco 1970
»Polynesian Mythology«, Wellington, New Zealand, o.J.
Riesenberg, Saul: »The Native Polity of Ponape«, Washington 1968
Saxe, Dr. Arthur: »The Nan Madol Area of Ponape. Researches Into Bounding and Stabilizing an Ancient Administrative Center«, Office of the High Commissioner, Trust Terreitory of the Pacific, Saipan, Marianas Islands, 1980
Spegal, Lihp: persönliche Mitteilungen, aufgezeichnet vom Verfasser, Pohnpei, Februar 1998

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»2012«
Teil 102 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 01.01.2012

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Sonntag, 14. November 2010

43 »Tulum - Tempel im Paradies«

Teil 43 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
von Walter-Jörg Langbein

Tulum - Mayafestung in der Karibik
Foto: Ingeborg Diekmann, Bremen
Nirgendwo habe ich das Meer so paradiesisch blau, den Sandstrand so weiß und den Nachthimmel so sternenklar gesehen wie hier. Nirgendwo laden rätselhafte Gemäuer mit geheimnisvollen Darstellungen von Göttern so zum Nachdenken ein wie hier. Nirgendwo in der realen Welt der sieben Meere fühlt man sich so sehr in die Filmkulissen der fantastischen Welt vom »Fluch der Karibik« wie hier. Kapitän Jack Sparrow könnte jeden Moment mit seiner Mannschaft landen... so scheint es... und versuchen, die steilen Klippen zu überwinden. Wird die steinerne Festung erobert werden können?

Am 4. März des Jahres 1517 sichteten hier Francisco Hernandez de Cordoba und seine Spießgesellen, die den übelsten Piraten der Karibik an Grausamkeit gewiss nicht nachstanden, nach langer Seefahrt Land. Am 4. März gingen die Spanier an Land... und wurden von den mexikanischen Indios kriegerisch empfangen. Ein Hagel von Pfeilen und Speeren prasselte auf die fremden Eindringlinge nieder. Die Spanier aber verfügten über Feuerwaffen. Baumwollpanzer und hölzerne Schilde taugten da nicht als Schutz. Fünfzehn mexikanische Indios wurden erschossen, zwei gefangen genommen. Die Spanier nahmen die geheimnisvolle Stadt auf den Klippen ohne weitere Probleme ein. Sie staunten über die »großen Häuser aus Stein und Kalk«. Sie nannten die alte Festung »das große Kairo«.

Stadt der Morgenröte
Foto Walter-Jörg Langbein
»Tulum«, die Festung, hieß einst »Zama«, »Stadt der Morgenröte«. Wann mag sie gegründet worden sein? In uralten Zeiten war Zama so etwas wie eine Pilgerstadt. Von hier aus traten die Anhänger der Göttin Ix-Chel die letzte Etappe ihrer Reise an: zur Insel Cozumel, um dort zur Göttin zu beten. Ix-Chel scheint eine der Urgöttinnen aus der Zeit des Matriarchats gewesen zu sein.... Sie war eine Fruchtbarkeitsgöttin, zuständig für Aussaat und Ernte, Leben und Tod. Ix-Chel war Erd- und Mondgöttin... wie so viele ihrer Vorgängerinnen überall auf der Welt. Ix-Chel schenkte den Menschen die Heilkunst, plagte sie aber auch mit Krankheiten.

Ix-Chel, auch »Göttin des Werdens« genannt, wurde mit der Schlange in Verbindung gebracht. Sollten Götter wie Kukulkan die Schlange der Göttin übernommen haben? Wurde Ix-Chel nur auf dem Eiland Cozumel verehrt, oder auch in Tulum. Wir wissen es nicht. Fest steht: »Tulum« bedeutet so viel wie »Festung« oder »Verschanzung«. Der Name ist mehr als passend: Tulum war einst von einer fast sieben Hundert Meter langen, vier Meter hohen und drei Meter dicken Mauer umschlossen. Nur zum Meer hin war sie offen. Doch unmittelbar hinter dem stolzen »Kastell« fällt eine steinerne Klippe steil zum Meer ab.

Die einst stolze Stadtmauer ist nur noch
zum Teil erhalten. Foto: Walter-Jörg Langbein
Zu meinem Befremden erkennt ein weit verbreiteter Reiseführer (1) in Tulum, deren Ruinen durch schlichte Schönheit bestechen, eine von »Dekadenz geprägte Architektur«. Dekadent, so will mir scheinen, sind eher Touristenhorden. Die immer wieder in die majestätische Ruinenstadt einfallen. Die Rede ist vorwiegend von amerikanischen Pauschaltouristen, die besonders preiswerte Touren von den USA aus unternehmen... mit »All you can eat and drink«-Angeboten! So viel essen und trinken wie man will, und das zu einem günstigen Pauschalpreis... das lockt nicht unbedingt nur Menschen an, die sich für die altehrwürdigen Ruinen von Tulum interessieren.

Tulum, der Tempel im Paradies, wird von Experten als »postklassisch« eingestuft. Die »dekadente Architektur« (was immer das sein mag) weise, so heißt es, auf das 12. oder 13. Jahrhundert hin. Auf einer Stele wurde allerdings das Datum 564 entdeckt. Stammt also Tulum schon aus dem sechsten Jahrhundert? Kritiker wenden ein, besagte Stele sei von den Mayas aus einer älteren Siedlung nach Tulum geschafft worden. Wann auch immer die Besiedlung durch die Mayas erfolgte... wann entstand das ursprüngliche Tulum, als Pendant zur Insel der Göttin?

Dekadente Architektur?
Foto: Walter-Jörg Langbein
Vor zwei Jahrtausenden siedelten die erste Mayas auf Cozumel. In der klassischen Periode (300 bis 900 n.Chr.) war die Insel so etwas wie das Mekka der Mayas. Die gläubige Maya-Frau absolvierte mindestens einmal im Leben eine Pilgerreise zur Göttin. Millionen von Maya-Frauen sollen im Verlauf der Jahrhunderte nach Cozumel gekommen sein.... bis Hernan Cortes anno 1519 auftauchte und die Maya-Kultur zerstörte. Allerdings werden auch heute noch auf Cozumel, der einst heiligen Insel der Schwalben – der Göttin kleine Opfergaben dargeboten, der christlichen Geistlichkeit zum Verdruss!

In der »weißen Mayastadt« Tulum finden sich keine sichtbaren Hinweise mehr auf die Göttin, wohl aber auf einen mysteriösen Gott. Wir kennen seinen Namen nicht mehr. In der Mythologie der Mayas wird er als »herabstürzender Gott« oder »herabsteigender Gott« umschrieben. War damit »Ah Mucen Cab« gemeint, der göttliche »Honigsammler«? »Ah Muzencab«, wie das mächtige himmlische Wesen auch genannt wurde, war in der Mythenwelt der Mayas ein Bienengott. Und in den heiligen Überlieferungen der Mayas war er ein »herabstürzender Gott«. Die »Chilam Balam«-Bücher preisen ihn als einen der Weltschöpfer. Einer der Tempel von Tulum war ihm geweiht... dem »herabstürzenden Gott«.

Tempel des herabsteigenden Gottes
Es mutet kurios an: Ein mächtiger Gott... als »Honigsammler«? In der Maya-Sprache bedeutet das Wirt »Honig« zugleich auch »Welt«. War dann der göttliche »Honigsammler« ein mächtiger, kosmischer Weltensammler? Wie auch immer: Offenbar stiegen in der Glaubenswelt der Mayas Götter vom Himmel herab... Im »Tempel im Paradies« wurden sie verehrt, diese kosmischen Wesen. Man findet sie immer wieder in Tulum. Die Abbildungen ähneln einander sehr: Immer wird die Gottheit mit dem Kopf nach unten und gespreizten Beinen nach oben dargestellt.

Mit einiger Fantasie erkennt man einen »Vogelschwanz« und »Flügel« an den Armen...

Das zentrale Gebäude von Tulum, der »Templo de los Frescos« (der »Freskentempel«) hat an zentraler Stelle die beschädigten Reste eines solchen Gottes aufzuweisen... Auch am »Castillo« wurde er in Stuck verewigt... der »herabstürzende Gott«. War es ein Gott... oder gehörten mehrere Gottheiten der geheimnisvollen Gruppe der Himmlischen an, die zur Erde herabkamen?

Einer der herabsteigenden Götter von Tulum
Foto: Ingeborg Diekmann
Fußnote
(1) »Knaurs Kulturführer in Farbe/ Mittelamerika/ Die Welt der Maya«, Lizenzausgabe München 1996, S. 293





»Luzifer der Südsee«,
Teil 44 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 21.11.2010

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