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Samstag, 13. März 2010

Samstagsrezension Helga König : "Fluffige und andere Zeiten" G.C.Roth

"... und meine Freiheit ist nur so groß, wie der Schmerz, den ich ertragen kann.!"

G.C.Roth wartet in "Fluffige und andere Zeiten" mit heiteren, skurrilen und besinnlichen Kurzgeschichten, Fabeln und Gedichten auf. Ihre Kurzgeschichten zeigen, dass die Autorin ihre Umwelt mit ironischem Blick beobachtet. Sie ist keine Zynikerin, sondern eine Frau, die amüsiert, allerdings ohne gehässigen Unterton über die Absonderlichkeiten ihrer Mitmenschen schreibt.

Besonders gut hat mir die Kurzgeschichte mit der Überschrift "Herr Wichtig" gefallen. Personen, wie die hier beschriebene gibt es überall, wie Roth und ihre Leser natürlich wissen : "In Ihrer Straße wohnt einer,in der Schule unterrichtet er eines Ihrer Kinder, beim Finanzamt bearbeitet er Ihre Unterlagen, er sitzt im Bus und wo immer man sich denken mag - Herr Wichtig ist schon da. Mit dieser nervtötenden Tatsache haben wir uns alle irgendwie arrangiert, und nehmen sie mehr oder weniger wichtig. Doch es gibt einen Lebensbereich, in dem uns Herr Wichtig ganz besonders zu Leibe rückt. Er taucht eines Tages, keiner weiß wieso, in der Firma auf, in der sie seit vielen Jahren mit ihren hart arbeitenden Kollegen ein supergutes, durchschnittliches Arbeitsklima entwickelt haben..."

Roth beschreibt den Typus des Wichtigtuers sehr gut, der in vielem dem Typus des Besserwissers gleicht. Gespeist wird ein solches Verhalten durch ein überbordendes Ego. Die Autorin zieht die richtigen Schlüsse, wie man mit solch einem Menschen am besten umgeht. Wichtigtuer sind durch ihr Ego so verblendet, dass ihnen Selbstreflektion unmöglich ist. Deshalb sollte man sein eigenes Verhalten zu diesen Personen ändern, sie am besten links liegen lassen oder so vorgehen, wie die Autorin es in ihrer Geschichte zeigt.

Die beiden Fabeln lassen erkennen, dass Roth ein nachdenklicher, sehr feinfühliger Mensch ist. Dies wird auch in manchem ihrer Gedichte deutlich, besonders dann, wenn sie Verse nicht in Reime presst, sondern ihren Gedanken frei fließen lässt.

Ich erlaube mir ihr m.E. schönstes Gedicht an dieser Stelle vorzustellen:
Freiheit

Du sagst ich bin stark,
und wünschst Dir es auch zu sein.
Du sagst , ich bin unabhängig,
und wünschst Dir es auch zu sein.
Du sagst, du liebst die Art wie ich lebe,
und wünschst Dir zu leben wie ich.
Du sagst, du liebst mein Lachen
und willst immer mit mir lachen.
Täusche Dich nicht lieber Freund,
Mein Boot treibt auf einem Meer
von Tränen
und meine Freiheit ist nur so groß,
wie mein Schmerz,
den ich ertragen kann.

Montag, 18. Januar 2010

"Lies mir etwas vor"

Ab wann sollten Kinder eigentlich anfangen, hin und wieder ein Buch zu lesen?
Gute Frage. Denn wirklich lesen können die meisten ja erst, wenn sie ein bis zwei Klassen der Grundschule hinter sich haben. Also kann man sich vorher den Kauf von Büchern eigentlich sparen?

Nein, natürlich nicht. Lesen beginnt sehr viel früher im Leben. Genau genommen ist schon das Betrachten von Bildern, die erste Form des Lesens. Wer der Meinung ist, dass das kein „richtiges“ Lesen ist, der irrt. Die ersten geschriebenen Geschichten und Nachrichten, die Menschen hinterlassen haben, bestanden auch aus Zeichnungen und Abbildungen ihrer Erlebnisse, Vorstellungen und Vermutungen. Und andere Menschen waren in der Lage diese Bilder zu lesen und weiterzuerzählen.

Bilderbücher für Kinder machen also durchaus Sinn. Ein dort abgebildetes zweidimensionales Auto zu erkennen, ist schon die erste Leseleistung. Denn was für uns Erwachsene so einfach und selbstverständlich ist, muss ein junges Gehirn erst erkennen: Das dreidimensionale Auto auf der Straße kann zweidimensional abgebildet werden. Steht unter dieser Abbildung dann noch das Wort „Auto“, dann ist das für das Gehirn ein Angebot, das Abbild Auto mit einer bestimmten Zeichenkombination abzuspeichern, die „irgendwie“ dazugehört. Auch, wenn ein Kind den Zusammenhang noch nicht erkennt.

Eltern, die mit ihren Kindern die Bilderbücher gemeinsam ansehen, können noch einen weiteren Schritt mit dem Kind gehen, ohne dass das Ganze etwas damit zu tun hat, dem Kind aus eigenem Ehrgeiz, unbedingt das Lesen beizubringen und es zu überfordern. Ganz einfach, indem die Dinge, die betrachtet werden, auch gleich einen Namen bekommen. So erfahren schon die Kleinsten, dass ein Bild etwas ist, das man mit Worten beschreiben kann. Das Gehörte und Gesehene wird als Einheit abgespeichert. Passiert dies einige Male, dann wird das Kind sehr schnell ein Lieblingsbuch haben, dessen Inhalt es auswendig kennt. Es kann anhand der Bilder und der Schrift die Dinge erkennen und benennen. Ist es an diesem Punkt, dann funktioniert das Ganze schon bald ohne die dazugehörigen Bilder. Denn die Zeichenfolge wurde ja mit dem Bild zusammen abgespeichert. So kann es, passieren, dass Kinder das Wort Auto sehen und dann entrüstet mitteilen: „Auto weg!“. Klar, sie haben Recht, das Abbild des Autos ist verschwunden. Dennoch haben sie das Wort gelesen und mit dem richtigen Gegenstand verknüpft.

Doch das Lesen lernen hat noch andere Aspekte. Zweidimensionale Bilder können Babys noch nicht erkennen. Sie reagieren gelangweilt, wenn man mit ihnen Bilder betrachten möchte. Dennoch kann eine Vorbereitung zum Lesen und zum Sprachverständnis stattfinden. Und zwar durch das Vorlesen. Dabei geht es in den ersten eineinhalb Jahren nicht so sehr darum, den Inhalt zu verstehen, sondern vor allem darum, Wortmelodien aufzunehmen und unterschiedliche Stimmungen daraus zu erkennen. Mein ältester Sohn hat meiner jüngsten Tochter bereits im Alter von zwei Monaten jeden Morgen Artikel aus der Zeitung vorgelesen. Erstaunlicherweise hat sie aufmerksam gelauscht. Seiner Stimme, seiner Betonung und ich denke, sie hat sehr wohl registriert, dass das Vorlesen aus der Zeitung sich völlig von der sprachlichen Zuwendung unterscheidet, die sie sonst gewohnt war.

In den Jahren bis zum Schuleintritt, und noch eine Zeit darüber hinaus, habe ich meinen Kindern jeden Abend vor dem Schlafen vorgelesen. Eltern, die das machen, höre ich gerade aufstöhnen. Denn nicht immer ist das ein reines Vergnügen. Zum Beispiel dann nicht, wenn ein Kind - aus welchem Grund auch immer - eine Lieblingsgeschichte hat, die es wochen- oder monatelang immer wieder vorgelesen haben möchte. Man kann Kinder nicht an der Nase herumführen und vielleicht zur eigenen Entlastung, den einen oder anderen Satz überspringen. Da gibt es sofort Protest, weil das Kind die Geschichte längst in- und auswendig kennt. Für derart geplagte Eltern mag es sinnlos erscheinen, Abend für Abend den gleichen Text vorzulesen. Tun sie es trotzdem! Ihr Kind beschäftigt sich offensichtlich sehr intensiv mit dem Inhalt der Geschichte. Und das ist die zweite wichtige Voraussetzung, um wirklich lesen zu können: Die Aussagen in einem Text aufzunehmen, zu verarbeiten und zu verstehen. An diesem Punkt kann man sich ziemlich sicher sein, dass dieses Kind schon sehr bald ein Interesse entwickeln wird, herauszufinden, welche spannenden Geschichten in anderen Büchern stecken mögen. Fangen Kinder an, im Alter von etwa sieben Jahren, die ersten Bücher selbstständig zu lesen, dann sollten sie diese unbedingt selbst aussuchen dürfen. Eltern sollten ihrem Kind niemals ein Buch verweigern, weil sie der Ansicht sind, dass es pädagogisch nicht wertvoll genug ist oder ihnen sinnlos erscheint. Je mehr unterschiedliche Bücher Kinder lesen, desto kritischer können sie auch in der Auswahl ihrer Lektüre werden.



Das Lesen von Büchern ist für die kindliche Entwicklung ein ungeheurer Gewinn, der sich für das ganze Leben, auf alle Ebenen positiv auswirkt. Es fördert die Fantasie, erweitert den Wortschatz, verbessert das Verständnis für umfassende Zusammenhänge, gibt Anreize und Vorlagen zu kritischem Denken, fördert die Konzentration und macht nicht zuletzt auch noch einen Riesenspaß! Lesen ist ein aktiver Vorgang und ungleich spannender als das Betrachten von Fernsehbildern, wo kaum Raum bleibt, für eigene kreative Prozesse im Denken. All diese Eigenschaften erleichtern Kindern den erfolgreichen Schulbesuch und so manch kleine Leseratte, beginnt schon bald mit dem Schreiben eigener Geschichten.

Schenken wir Kindern Bücher und fördern wir das Lesen, wo immer es möglich ist. Damit Menschen aufwachsen, die in der Lage sind, Dinge von vielen verschiedenen Positionen aus zu betrachten und die fähig sind, bei auftauchenden Problemen, kreative Prozesse in Gang zu bringen, die befriedigende Lösungen nach sich ziehen. Das kommt sowohl dem einzelnen Menschen, wie auch unserer Gesellschaft zugute.

Übrigens, sobald die Kinder selbst lesen können, ist es eine herrliche Beschäftigung, an verregneten Sonntagnachmittagen, sich gegenseitig aus einem Buch vorzulesen und gemeinsam mit den Helden, zu lachen, zu weinen und eine spannende Zeit zu verbringen.

© gcroth
Fotos: oben: pixelio; Simone Peter;
unten: Satzstudio Roth

Dienstag, 12. Januar 2010

Ein Buch lesen: Wir wachsen weiter ...

Ankündigung

Liebe Leserinnen und Leser,

nicht zuletzt Ihr starker Zuspruch zu unserem Blog und unserer Website hat uns Mut gemacht, uns weiter zu vergrößern. Wir sind nun auch an weiteren Orten im Netz zu finden:

Auf Twitter finden Sie uns seit Kurzem unter folgender Adresse: http://twitter.com/ein_Buch_lesen

Viele spannende Buchtrailer unserer Mitglieder und Gastautoren finden Sie auf unserem brandneuen YouTube-Channel: http://www.youtube.com/einbuchlesen

Ausgabe 1 der E-Book-Reihe ist ebenfalls on gegangen, in welcher wir Ihnen in loser Folge unsere Bücher vorstellen möchten. Die PDF steht hier zum Download für Sie bereit:
http://www.wortschmiede-roth.de/Ausgabe%2001.pdf

Wir freuen uns immer über Ihren zahlreichen Besuch!


Es grüßt Sie

das Team von Ein Buch lesen!


Sonntag, 13. Dezember 2009

Krimi: Elke Müller-Mees stellt sich vor

Ein Gedicht passend zur Jahreszeit:

Kerzenschein und Plätzchenduft,
Weihnachten liegt in der Luft.
Ja, das Christkind kommt nun bald
aus dem weißen Winterwald.
Drum zünden wir die Kerzen an,
damit es uns auch finden kann.


Der Anfang ist das Wichtigste beim Schreiben. Deshalb hier also der Anfang meines Krimis „Blutfährte“. Er verrät natürlich nicht, was folgt, aber …

1. KAPITEL

Kurt Alexi verlangsamte das Tempo, keuchte. Verdammt, nur eine Runde im Nordpark! Er fuhr sich mit dem Handrücken über die Stirnglatze. Sein Sweatshirt war klitschnass, sein Schweiß roch beißend. Nach Mäusepisse.
Weniger rauchen, dachte er. Aber sein innerer Schweinehund winkte ab. He, und was ist mit den zwei, drei Flaschen Altbier am Abend? Den Chips? Willst du auf die etwa auch verzichten?
Außerdem war es kein Wunder, dass er bei diesem lauen Novemberwetter aus allen Poren schwitzte. Im Schein der Straßenlaternen glänzte das Pflaster. Eine Decke aus feuchtwarmen Schwaden von Nebel und Abgasen lag über der Stadt.
Alexi lief um die Ecke, trabte an den Häuserfronten entlang. Noch hundert Meter, dann hatte er es geschafft. Kurz duschen, dann den Fernseher an und die Füße hoch. Gut, manch einer mochte das langweilig finden. Ihm gefiel das gar nicht so schlecht. Eines Tages würde er ganz groß herauskommen. Dann würden sich alle wundern.
Er überquerte auf Höhe der U-Bahn-Station die Kaiserswerther Straße und bog rechts in die Friedrich-Lau-Straße ein. Das Erste, was er sah, war die Martinslaterne, Sterne und ein dicker Mond. Dann bemerkte er den Schatten auf dem Bürgersteig. Ein Bündel Lumpen, das jemand auf dem Weg zum Container fallen gelassen hatte? Ein Mantel? Alexi zwinkerte. Ein Besoffener. In dieser Gegend? Er lächelte hämisch und verfiel in Schritt.
Blondes Haar, der Rock war hochgerutscht, das linke Bein angewinkelt. Im Ausschnitt der Bluse wohlgeformte Brüste. Das gefiel Alexi. Plötzlich gefror das anzügliche Grinsen auf seinem Gesicht. Er schluckte einmal, zweimal. Er legte den Kopf in den Nacken und starrte nach oben. Vier Stockwerke. Wer von da oben hier unten ankam, konnte nur noch ein Haufen Fleisch, Knochen, Blut und verspritzte Gehirnmasse sein.

Elke Müller-Mees.

Das sei verraten: Ich bin Autorin zahlreicher Bücher und lebe als freie Schriftstellerin in Mülheim an der Ruhr.

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Freitag, 11. Dezember 2009

Roland Stickel: "Augenblicke im Leben eines Menschen" und "Hinterm Horizont"

Etwas über mich selbst zu schreiben, ist nicht so einfach, weil, irgendwie habe ich so das Gefühl, befangen zu sein, auch so was wie rote Bäckchen kommen da auf, aber mir wurde der Vorschlag gemacht, gerade dieses zu tun, etwas über mich schreiben, hier im „ein-buch-lesen-Blog“ –
ja wie fange ich denn da an, so mit geboren am? Nö, ich mach`s mir jetzt einfach und der Klärus, mein Buchheld soll das gefälligst übernehmen – Klärus!! Würdest du bitte…



…was soll ich? Über meinen Schreiber schreiben?

Na gut. Aaaaaaalso, mein Schreiber ist eigentlich ein netter Kerl, der sich in seinem Leben mehr vorgenommen hat, als sein Körper verkraften konnte. Zur Schule ging er nicht gerne und gleich am Anfang dieser Laufbahn lachte er sich in einem völlig verdreckten Schwimmbad einen Poliovirus an, der dann sein Leben veränderte. Eine Vision begleitete ihn sein Leben lang. Auf der Intensivstation sah er im Geiste eine Gruppe buddhistischer Mönche, die ihm sagten, dass wenn er einmal nicht mehr weiterwisse, er zu ihnen kommen solle. Was ein buddhistischer Mönch ist, wusste er in dieser Zeit natürlich nicht. Zur damaligen Zeit war ein behindertes Kind noch so was wie eine Schande für Eltern und so wurde ihm vom Vater eingetrichtert immer dreimal so gut sein zu müssen, wie nicht behinderte Menschen, was er aber zeitlebens nicht schaffte.
So dümpelte er von Reha zu Reha und von Schulklasse zu Schulklasse und hat diese Instanz auch hinter sich bekommen. Beamter sollte er auch werden, da er ja schließlich behindert war und als Beamter seine Pensionsansprüche hätte. Das hat er auch eine Zeit lang mitgemacht, aber die 68er Zeiten haben ihn infiziert und ins wahre Leben geschleudert. Als Hippi mit weit auseinander gestreckten Armen, langen, im Wind wehenden Haaren, fühle er sich sooo frei und hatte Hunger nach irdischer Nahrung und nach Leben. Das Studium der war seine Sturm und Drangzeit, denn er hatte einiges nachzuholen. Auch wollte er allen Menschen helfen, die vom Leben benachteiligt waren. Carlos Castaneda und Hermann Hesse waren seine Wegbegleiter, er lebte in Wohngemeinschaften und wurde recht schnell mit anderem konfrontiert als mit Politik. Erleuchtung kam nämlich nicht durch diese, sondern kam jetzt erstmal aus Indien. Die Schriften des Bhagwan berührten sein Herz. Außerdem lernte mein Schreiber als Student die Psychoanalyse kennen und noch andere Formen des therapeutischen Tuns. Nach dem Studium bekam er sofort einen Platz in einer psychiatrischen Einrichtung und war somit täglich und auch ab und zu des Nachts konfrontiert mit psychisch kranken, auch psychotischen Menschen. Er kam beruflich in die geschlossenen psychiatrischen Anstalten, Haftanstalten und wurde mit diversen Suiziten konfrontiert. Später machte er noch die Geschäftsführung in einer Drogeneinrichtung, in welcher die Drogenabhängigen noch voll „drauf“ waren. Das war auf die Dauer nicht auszuhalten, denn die Schriften von Bhagwan öffneten das Herz und wer damals was auf sich hielt, wollte zum ursprünglichen Leben zurück und gründete eine Landkommune. Er trennte sich von Beruf, schöner Wohnung, seinem Heiligtum, ein großes Auto, um ein völlig neues Leben zu beginnen. Doch die Landkommune war für meinen Schreiber voll der Hammer, denn nichts klappte –außer – er lernte seine liebe Frau kennen. Mit ihr fand er dann das Landleben und gründete eine eigene Kommune. Sie bekamen zwei wunderbare Kinder.
Aber körperlich war er erschöpft. Er bekam einen Schwächeanfall und vieles, was seine Schützlinge bislang hatten. Er hatte eine erhebliche Platzangst, Panikattacken und er konnte kaum noch in einen Laden gehen. Auch öffentliche Veranstaltungen waren der Horror. Alles war vielleicht zu viel für ihn und er wusste damals noch nichts von Polio-Spätfolgen, was wahrscheinlich auch damit zusammen hing. In dieser und trotz dieser Situation hatte er die Kraft, ein eigenes Geschäft aufzubauen. Dann wurde er „geführt“. Wegen seines körperlichen Zustandes fand er in ein spirituelles Zentrum, lernte die spirituelle Psychotherapie kennen und machte später eine jahrelange Ausbildung. Dann kamen alle Disziplinen dran.
Mein Schreiber lernte die Heilkraft der Steine, Bachblüten, Düfte, Taro usw kennen, beschäftigte sich mit Prophezeiungen der Hopis, Mayas, Nostradamus u.a., lernte hellsichtige Menschen kennen, Heiler, Schamanen und lernte zu unterscheiden. Auch wurde er Schüler von Yogananda. Es ging ihm immer besser.
Bis dann nach Jahren die Polio wieder zuschlug und wieder wurde er „geführt“ in ein Leben mit wenig Körperkraft und neuen Erkenntnissen und neuer spirituellen Gemeinschaft. Mein Schreiber hat sie erlebt und kennen gelernt, die Gesetze des Lebens, die biblische Heilungen, zahlreiche Heilungen von Unheilbar, medizinisch geprüft und begutachtet, mit der unerfüllten Sehnsucht nach der eigenen Heilung. Viele Heilungen hat er selbst erlebt, aber mit seinem Körper muss er wohl noch eine Aufgabe haben – seinem Körper?
…Mein Gott, habe ich jetzt womöglich schon wieder nur von mir erzählt und habe das gar nicht gemerkt? Egal, wir sind eh alle miteinander verwoben und deswegen schreibe ich jetzt nicht alles noch mal von neuem. Nur eines will ich noch sagen und diesmal geht es wirklich um meinen Schreiber.
Im Jahre 2001 oder so, hat er angefangen zu schreiben. Er konnte ja kaum noch was anderes tun. Das hatte er bis dahin auch noch nie gemacht und in der Schule war er im Aufsatz schreiben so gut wie ein Schwein im Rad fahren und im Jahre 2007 veröffentlichte er sein erstes Buch „Augenblicke im Leben eines Menschen“ und jetzt sein Zweites „Hinterm Horizont“ und in den Büchern stehen keine Leidensgeschichten, sondern sie öffnen Herzen, erfüllen mit Freude und öffnen durch Betroffenheit vielleicht Sicht- und Betrachtungsweisen des geneigten Lesers. Zumindest sagten das einige geneigte Leser. Der zunehmend philosophische Inhalt lässt trotz aller Ernsthaftigkeit auch humorvoll altes Wissen in den Alltag integrieren, ohne belehrend zu sein.
Das Buch ist ein Wegweiser zur Zuversicht, möchte ich mal sagen – ich, der Klärus.

Herzlichst
Euer Klärus



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Augenblicke im Leben eines Menschen
Hinterm Horizont


Mittwoch, 18. November 2009

Lyrische Satire - Die Lieschen-Bücher von Sylvia B.

Ein modernes Märchen für Erwachsene, las ich im Untertitel, als ich das Buch "Briefe an Lieschen" von Sylvia B. in der Hand hielt. Da ich mir recht wenig darunter vorstellen konnte, schlug ich es neugierig auf.
Was mich erwartete, war köstliche Unterhaltung der Spitzenklasse, in lyrischer Form verdichtet.
Mit leichter Hand überspringt Sylvia B. die Genregrenzen und fügt Elemente verschiedenster Literaturgattungen zu einer neuen Gattung zusammen, die man treffend eigentlich nur mit "Sylvia B. Herself" umschreiben könnte:

Märchenelemente (ein Geistwesen namens Charlotte, das sich als die verstorbene Urgroßmutter der Ich-Erzählerin entpuppt, und das sich zu einem spirituellen Führer der originellen Art auswächst) mischen sich mit Lyrik (in der Tat ist der Schreibstil von Sylvia B. so unverwechselbar wie ihre Geschichten und durchgängig in Gedichtform gehalten, was Sylvia B. nicht hindert, die Story stringent voranzutreiben).
Für das Erzählen ihrer Geschichte hat die Autorin die spätestens seit Goethes "Leiden des jungen Werther" aus der Literatur nicht mehr wegzudenkende Form des Briefromans gewählt. Adressatin von Lyrichs köstlichen Berichten ist eine Frau namens Lieschen. Und Lieschen dürfte sich vor Lachen kringeln, wenn sie diese ihre Post öffnet. Nicht anders geht es dem Leser, der in den Genuss kommt, mit einem verstohlenen Blick über Lieschens Schulter zum Mitwisser der unerhörten Vorgänge in "Briefe an Lieschen" werden zu dürfen.

Was sich da auf 88 Seiten entspinnt, das ist, um eine weitere hier zutreffende Genrebezeichnung einzuführen, reinste Satire. Mit scharfem Instinkt und spitzer Feder zeichnet Sylvia B. das Bild einer Frau (Lyrich), die es meisterhaft versteht, aus einer im wahrsten Sinne des Wortes schlüpfrigen Geschäftsidee einen weltumspannenden Konzern aufzubauen. Um welche Geschäftsidee es genau geht, das wird hier nicht verraten. Nur so viel: Ihnen wird der Atem stocken angesichts dieser Frivolität, die dank der Erzählkunst der Autorin jedoch nie ins Derbe abgleitet.

Lebenserfahrung und Illusionslosigkeit im besten Sinne, das ist das Handwerkszeug von Lyrich. Ja, sie hat verstanden, was es ist, das viele Männer eigentlich umtreibt. Doch statt darüber zu lamentieren, ergreift sie, gemeinsam mit einigen Freundinnen, die Initiative und holt für sich das Allerbeste dabei heraus: Ihre lebenslange finanzielle Unabhängigkeit.

Am Ende ist man als Leser enttäuscht. Enttäuscht über die Tatsache, diese von Grund auf erheiternde Lektüre nun ausgelesen zu haben. Doch die Enttäuschung dauert nicht lange: Erleichtert stellt man fest, dass es auch einen Band II gibt, der einen an weiteren haarsträubenden Erlebnissen von Lyrich teilhaben lässt: "Hexenhausgeflüster"!

Nach dem Lesen von "Briefe an Lieschen" kann man einfach nicht umhin: Man bestellt sofort Nachschub. Und auch mit "Hexenhausgeflüster" ist ein Großangriff auf das Zwerchfell garantiert. Unter Beibehaltung ihres schon oben beschriebenen Stils erzählt Sylvia B. weiter:

Lyrich hat es also geschafft: Sie ist Chefin eines Großkonzerns. Fehlt ihr nur noch ein passendes Zuhause. Wer nun annimmt, eine so erfolgreiche Frau wie Lyrich werde sich nun eine Schickimicki-Villa mit allem erdenklichen Luxus zulegen, der kennt sie immer noch nicht richtig. Nein, ein Hexenhäuschen soll es sein. Sie hat auch schon bald ein passendes Objekt ins Auge gefasst. Wäre da nur nicht Bonsai, dieser Nachbar, der (nicht nur) mit ihrer Katze Äugelchen auf Kriegsfuß steht ...

Wieder mal ins Schwarze getroffen!, dachte ich vergnügt, als ich die letzten Zeilen von "Hexenhausgeflüster" ausgelesen hatte. Wie macht Sylvia B. das nur: ihre Lieschen-Bücher lassen mich stets mit einer diebischen Freude zurück ... ;-)
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Briefe an Lieschen

Hexenhausgeflüster


Montag, 9. November 2009

Der Trinker, das kleine Mädchen und die Puppe


Als Erich die Haustür hörte und wenig später seine Frau und seine Tochter im Wohnzimmer erschienen, erhob er sich von der Couch. Der Versuch, ein paar Schritte Richtung Tür zu machen, scheiterte an seiner mangelnden Fähigkeit, das Gleichgewicht zu halten. Ehe er Gelegenheit hatte, sich an etwas Stabilem festzuhalten, stürzte er bereits zu Boden. Er versuchte zwar sofort, sich zu erheben, doch es gelang ihm nicht. In seinem Kopf drehte sich alles.

„Du bist bereits wieder bis oben abgefüllt!“, stellte Vera, seine Frau, mit mühsam unterdrückter Wut fest. „Was willst du eigentlich noch hier? Bei deinen Saufkumpanen bist du doch viel besser aufgehoben.“

„Ich bin dein Ehemann und außerdem der Vater unserer Tochter“, erwiderte er. Unter großer Kraftanstrengung und deutlich nach Atem ringend, gelang es ihm schließlich doch noch, sich zu erheben.

„Ehemann? Vater?“, spottete sie. „Ein Säufer wie du ist weder ein richtiger Ehemann noch ein guter Vater“, hielt sie ihm vor. Angewidert blickte sie ihm mit eiskalten Augen ins Gesicht, dass ihn fröstelte und er sich fragte, wo die warmherzige Frau geblieben war, in die er sich einst verliebt, die er geheiratet und mit der er ein Kind gezeugt hatte?

In ihm tobte ein heftiger Sturm unterschiedlicher Gefühle und Gedanken. Nie zuvor hatte ihn jemand derart gekränkt. Als wäre sein Kopf ein Resonanzkörper, jagten die Schwingungen von Veras harter Stimme durch seinen Schädel.

Die großen Augen seiner Tochter drangen in sein Innerstes, als sie ihn mit ernstem Gesicht ansah. An einer Sessellehne Halt suchend, beugte er sich nieder, um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben. Sie wich ihm aber aus. Mit unbeweglichem Gesicht sagte sie nur: „Du stinkst.“

Die zwei Wörter seiner Tochter waren wie Messerstiche, und sie verletzten ihn mehr als der Ausbruch seiner Frau. Trotz und Wut stiegen in ihm auf. „Wenn ihr es so haben wollt, dann soll es mir recht sein. Ich brauche euch nicht“, brüllte er seine Frau an, verließ das Wohnzimmer und warf wütend die Tür hinter sich zu. Er griff nach seinem Mantel und nach seinem kleinen Rucksack und verließ das Haus.

***

Das alles lag jetzt bereits einige Monate zurück. Er nahm einen kräftigen Schluck aus der Flasche und dachte an Sandra, seine kleine Tochter, und ohne dass er sich dagegen wehren konnte, dachte er auch an Vera. Tief im Innersten wusste er, dass Vera recht hatte. Was sollte sie mit einem Mann, dessen größte Liebe der Alkohol war? Sie brauchte einen verlässlichen Partner, der ihr beim Zusammenhalt der kleinen Familie half, insbesondere bei der Erziehung von Sandra. Ein Säufer, wie sie ihn genannt hatte, war keine Hilfe, sondern eine zusätzliche Belastung.

Doch trotz dieser Einsicht fühlte er sich noch immer gekränkt. Dass sie ihn einen Säufer genannt hatte, sogar in Anwesenheit ihrer gemeinsamen Tochter, das konnte er nicht verwinden, vor allem konnte er es ihr nicht verzeihen, und er wollte es auch gar nicht. Offensichtlich genoss er es, in Selbstmitleid baden zu können.

Bald nach der Trennung von seiner Familie trennte sich auch sein Arbeitgeber von ihm. Da er kaum nüchterne Zeiten hatte, war es ihm auch noch nicht gelungen, einen neuen Arbeitsplatz als Bauingenieur zu finden.

Seine reichlich vorhandene Freizeit verbrachte er häufig im Park. Sein kleiner Rucksack und darin enthalten eine Flasche Weinbrand waren seine treuen Begleiter.

Er setzte sich in die Mitte einer Bank, lehnte sich zurück und legte beide Arme auf die Rückenlehne, als wollte er der Welt demonstrieren, dass es seine Bank sei.

Plötzlich kam ein kleines Mädchen angelaufen, stolperte und stürzte nur wenige Meter von ihm entfernt zu Boden. Es hatte sich offensichtlich verletzt, denn es saß auf dem Rasen und betrachtete weinend sein aufgestoßenes Knie. Er sprang auf und lief zu der Kleinen, um ihr zu helfen. Als sie jedoch seine Alkoholfahne roch, rief sie laut nach ihrer Mutter. Die Gerufene eilte sofort herbei. Zunächst warf sie einen kurzen Blick auf das verletzte Knie ihrer kleinen Tochter und schien beruhigt. Anschließend richtete sie ihren prüfenden Blick auf ihn und betrachtete ihn äußerst misstrauisch. Immerhin hätte er ja ein Kinderschänder sein können.

„Ich wollte nur helfen“, beteuerte er.

Ob sie ihm glaubte, ließ sie nicht erkennen. Allerdings klärte sie ihn über die Reaktion ihrer Tochter auf: „In unserer Nachbarschaft lebte ein Alkoholiker, der Kinder belästigte; deshalb reagierte Gudrun so negativ auf Ihren Duft nach Alkohol.“

Er schwieg und senkte den Blick.

„Als Alkoholiker sollten Sie sich von Kindern lieber fernhalten“, warnte sie ihn, „denn es gibt Mütter, die nicht argumentieren, sondern zunächst laut kreischen und dann zuschlagen“.

Sie wartete einen Augenblick. Vermutlich nahm sie an, er würde etwas antworten. Doch er schwieg weiterhin.

Dann wandte sie sich an ihre Tochter und fragte fürsorglich: „Kannst du schon allein aufstehen? Oder soll ich dir helfen?“

„Das kann ich schon allein“, behauptete die Kleine und wie zum Beweis erhob sie sich. Inzwischen weinte sie nicht mehr. Mutter und Tochter warfen noch einen kurzen Blick auf ihn, dann gingen sie weiter, und er kehrte zur Bank zurück.

Dass er als Alkoholiker mit einem Kinderschänder auf eine Stufe gestellt wurde, schockierte ihn. Er fand es sehr ungerecht. – Doch nachdem er einige Tage darüber nachgedacht hatte, warf er die halb volle Flasche in einen Abfallkorb und fasste den Entschluss, das Trinken aufzugeben.

***

Nach etlichen Monaten der Abwesenheit nahm er allen Mut zusammen und wagte sich wieder in die Nähe des Hauses, in dem er mit seiner Familie gewohnt hatte. Nun lebten dort seine Frau und seine Tochter ohne ihn. Während er aus einiger Entfernung das Haus beobachtete, öffnete sich die Tür, und ein fremder Mann kam heraus, gefolgt von der Frau, die auf dem Papier noch immer seine Frau war. Die beiden umarmten und küssten sich. Anschließend schritt er zu seinem Auto, und sie kehrte ins Haus zurück.

Sie sieht noch immer verdammt gut aus, dachte er. Für ihn war es jedoch zu spät. Er hatte sich augenscheinlich zu lange mit dem Alkohol abgegeben. Sein Platz in seiner früheren Familie war neu besetzt worden. Ihn wunderte nur, dass er damit gar keine Probleme hatte, er überdachte es, als ginge es nicht um ihn, sondern um völlig Fremde. Einzig die Erinnerung an seine Tochter Sandra stimmte ihn traurig.

Er löste sich vom Blick auf sein früheres Zuhause und lenkte seine Schritte in Richtung Park. Inzwischen war er für ihn zu einer Art von Zuflucht geworden. Als er dort ankam und sich gerade mit traurigem Gesicht auf einer Bank niederließ, kam eine Frau mit ihrer kleinen Tochter von zwei bis drei Jahren an ihm vorbei. Nachdem sie einige Meter weitergegangen waren, löste sich die Tochter von der Hand ihrer Mutter und ging zu ihm zurück, blieb kurz vor ihm stehen und überreichte ihm wortlos ihre Puppe. Anschließend kehrte Sie zu ihrer wartenden Mutter zurück. Beide gingen weiter.

Er war verwirrt und dachte über das ungewöhnliche Verhalten der Kleinen nach. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass seine Traurigkeit verschwunden war. Er betrachtete die Puppe. Sie hatte schon bessere Zeiten erlebt, zeigte sie doch bereits deutliche Spuren von häufigem Schmusen – dennoch fand er sie wunderschön. Er spürte, wie Hoffnung in ihn zurückkehrte.

Etwa zehn Minuten später kehrten Mutter und Tochter zurück und blieben vor ihm stehen.

„Ach Sie sind es!“, rief die Mutter plötzlich aus. „Wie geht es Ihnen?“

Jetzt erkannte er sie ebenfalls. Sie war die Frau, die ihm einige Monate vorher geraten hatte, sich als Alkoholiker von Kindern fernzuhalten, da Mütter für gewöhnlich keinen Spaß verstehen, wenn es um das Wohlergehen ihrer Kinder geht.

„Danke, es geht mir gut. Ich trinke nicht mehr“, versicherte er ihr.

„Ich weiß“, antwortete sie und lächelte.

„Sie wissen es – aber woher denn nur?“, fragte er verblüfft.

„Das ist kein großes Geheimnis“, antwortete sie, immer noch lächelnd, und fuhr dann fort, „Sie verwenden kein Eau de Cognac mehr.“

Jetzt musste sogar er etwas lächeln.

„Wie verbringen Sie jetzt eigentlich Ihre Zeit, seit Sie zu trinken aufgehört haben? Ich stelle mir vor, dass so ein Tag sehr lang werden kann, wenn man nichts zu tun hat.“ Sie sah ihn fragend an.

„Früher habe ich sehr gern gelesen, doch jetzt fehlen mir die Bücher. Sie stehen alle bei meiner Frau.“

„Und zu ihr möchten Sie nicht gehen, weil es Ihnen peinlich wäre – oder?“

„Das ist richtig“, bestätigte er.

Während des Gespräches ließ die Kleine kein Auge von ihm und der Puppe, sagte aber nichts. Als er sie jetzt aufmerksam betrachtete, hatte er die richtige Eingebung: „Ich danke dir von ganzem Herzen, dass du mir deine wunderbare Puppe geliehen hast. Das war sehr lieb von dir. Sie hat mir bereits geholfen. Nun möchte ich sie dir gern zurückgeben.“

Die Kleine freute sich, streckte einen Arm aus, nahm ihre Puppe entgegen und drückte sie gleich so innig an sich, als wäre sie eine Mutter, die ihr verloren gegangenes Kind wiedergefunden hat. Sie strahlte über das ganze Gesicht.

Mutter und Tochter waren im Begriff, ihn zu verlassen.

„Ist es denkbar, dass wir uns vielleicht einmal wiedersehen?“, platzte es aus ihm heraus.

Sie zeigte ein nachdenkliches Gesicht und schien in sich hineinzuhorchen. Mit einer Hand fasste sie an ihren Hinterkopf und schob ihr prächtiges Haar etwas aufwärts. – „Denkbar?“, wiederholte sie fragend, griff in ihre Handtasche und holte ein Buch hervor. Für einen Augenblick schien sie zu zögern, doch dann reichte sie ihm das Buch und erklärte: „Ich werde Ihnen dieses Buch leihen. Sobald Sie es ausgelesen haben, werden Sie sich wieder auf dieser Bank zeigen. Wenn ich dann vorbeikomme, können Sie mir das Buch zurückgeben.“

Erich betrachtete das Buch und war hocherfreut: „Danke, ich danke Ihnen sehr! Das ist ja Schuld und Sühne von Dostojewski, einem meiner Lieblingsdichter. Dieses Buch zu lesen versetzt mich zurück in eine glückliche Zeit, in der von Alkohol noch keine Rede war.“

„… oder in eine sehr schöne Zeit, in der von Alkohol nicht mehr die Rede ist“, ergänzte sie.

Er nickte und streichelte zärtlich über das Buch.

Sie wandte sich um und griff nach der kleinen Hand ihrer Tochter. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verließen ihn Mutter und Tochter.

Er blickte ihnen nach, bis sie hinter der nächsten Wegbiegung von Büschen und Sträuchern verdeckt wurden. Dann öffnete er das Buch und begann zu lesen.

Wolf-Gero Bajohr
November 2009

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