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Sonntag, 7. Februar 2016

316 »Winnetou, tödliches Gas und Old Faithful«

Teil 316 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1
Karl May war vom »Yellowstone Nationalpark« fasziniert. Kapitel 5 seines Opus »Winnetou III« leitet er mit der Wiedergabe der Verordnung über das Yellowstone-Gebiet als Nationalpark ein. Und wenig später ist bei May zu lesen : »Jenseits der weiten westlichen Prärien, fern noch hinter dem Höhenzuge der Blackhills, ragen die gigantischen Mauern des Felsengebirges zum Himmel empor. … Man möchte sagen, hier habe nicht die Hand, sondern die Faust des Schöpfers gewaltet. Wo sind die Zyklopen, die solche Basteien zu türmen vermögen? Wo sind die Titanen, die solche Lasten bis über die Wolken treiben könnten? Wo ist der Meister, der jene Firnen mit ewigem Schnee und Eise krönte? Hier hat der Schöpfer‚ ein Gedächtnis seiner Wunder‘ errichtet, welches nicht imposanter und ergreifender sein könnte.«

Dramatisch beschreibt Karl May wenige Zeilen weiter die Gefahren jener geheimnisvollen Welt zwischen Höllenschlund und Erdoberfläche: »Und hinter jenen gigantischen Mauern, da wallet und siedet, da dampft und brodelt es noch heut aus den kochenden Tiefen des Erdinnern hervor; da treibt die dünne Erdkruste Blasen, da zischen glühende Schwefeldämpfe empor, und mit einem Getöse, welches dem Kanonendonner gleicht, sprühen riesige Geysir ihre siedenden Wassermassen in die zitternden Lüfte. Plutonische und vulkanische Gewalten kämpfen gegen die Gestaltungen des Lichtes. Die Unterwelt öffnet von Minute zu Minute Rachen, um die Feuer der Tiefe emporzuspeien und die Gebilde des Tages in den tosenden Schlund hinabzusaugen.

Hier ist oft jeder einzelne Schritt mit Todesgefahren verbunden. Der Fuß kann durch die trügerische Kruste brechen, der dampfende Katarakt den müden Wanderer erfassen, der unterhöhlte Felsen mit dem Ruhenden in den gähnenden Abgrund stürzen.«

Foto 2: Gase steigen empor
In der Tat: Gase entweichen der Unterwelt des Nationalparks. Da wäre zum einen das »carbon dioxide“, also Kohlendioxid. Kohlendioxid ist höchst gefährlich. Bei vier Prozent Kohlendioxid in der Atemluft können einen Menschen bereits betäuben. Übersteigt der Kohlendioxid-Gehalt acht Prozent, so droht Erstickungsgefahr. In der »Poison Cave« (zu Deutsch »Gifthöhle«) im Yellowstone Nationalpark treten erhebliche Konzentrationen des Gases auf. Tiere, die in der Höhle Schutz suchen, kommen um. Das zweite häufig auftretende Gas ist Schwefelwasserstoff. Zu erkennen ist es am Gestank, der an faule Eier erinnert. In geringer Konzentration ist es ungefährlich.

Foto 3: Old Faithful
Im Nordosten des Parks liegt »Death Gulch« (zu Deutsch »Todesschlucht«).Der Name sollte selbst neugierige Menschen davon abhalten, diesen Ort zu besuchen. Bären sind da leichtsinniger als die meisten Touristen und so mancher Petz ist. Die von Karl May erwähnten Schwefeldämpfe sind höchst real und durchaus gefährlich! Die manchmal sicher scheinende, »steinerne« Erdoberfläche ist an manchen Stellen in Wirklichkeit nur eine dünne Kruste. Wer sie durchbricht kann mit einigem Pech in eine »Blase« kochenden Wassers geraten und an den Verbrühungen sterben. Auch die heißen Quellen sind durchaus gefährlich. Im Jahr 2013 kamen zwanzig Menschen durch Stürze in das brodelnde Wasser zu Tode (1).

Als Kind las ich bei Karl May zum ersten Mal vom »Yellowstone Nationalpark«.     Diese Lektüre machte mich neugierig und lockte mich einige Male nach Amerika. Besonders imposant wirkte auf mich »Old Faithful«. »Old Faithful« (»Alter Getreuer«) ist der bekannteste Geysir im Yellowstone Nationalpark. Seine Öffnung ist recht klein, kaum einen Quadratmeter groß. Durchschnittlich alle 91 Minuten speit der Getreue riesige Wassermassen bis zu 55 Meter in den Himmel. Bis zu 30.000 Liter kochenden Wasser pulsieren wie eine brodelnde Säule aus Schaum und Wolken empor. Staunend stand ich einige Male am »Old Faithful«, zum ersten Mal als Kind anno 1963.  Stets trat »Old Faithful« mit nur geringen Abweichungen von der von Parkwächtern berechneten und angekündigten Zeit in Aktion.

Foto 4: Schematische Darstellung
Vereinfacht ausgedrückt: Sickerwasser sinkt von der Erdoberfläche nach unten. Es sammelt sich in einer unterirdischen Höhle. Das »höllische« Magma erhitzt das Wasser von unten. Wenn nun ein schmaler »Schlot« bis an die Erdoberfläche reicht, dann steigt die Wassertemperatur in der Höhle rapide. Voraussetzung ist, dass dieser »Schlot« sehr eng ist. So ist das Wasser im Reservoir fast völlig abgeschlossen, vergleichbar mit einem Dampfkochtopf. Die Wassertemperatur kann die 100-Grad-Grenze überschreiten, wenn in dem Schlot ausreichend Wasser steht. Der Druck des über der Kammer stehenden Wassers erhöht den Siedepunkt auf über 100 Grad. Das heißt: das Wasser bleibt länger flüssig, auch bei Temperaturen von über dem Siedepunkt von 100 Grad. Hat das Wasser in der Kammer eine deutlich über dem Siedepunkt liegende Temperatur erreicht, wächst der Druck immens und dann steigen Dampfblasen durch Kamin hoch. Sie schieben mit großem Druck die Wassersäule nach oben. Jetzt sinkt der Druck in der Kammer schlagartig ab, das erhitzte Wasser verwandelt sich in Dampf. Eine Dampf-Wasser-Fontäne entsteht.

So wie »Old Faithful« ist auch der gigantische Supervulkan unter dem Yellowstone Nationalpark sehr zuverlässig. Beide arbeiten in schöner Konstanz, in regelmäßigen zyklischen Abständen. Es mag tröstlich sein, dass der Supervulkan immer wieder Pausen von Jahrmillionen einlegt. Beunruhigend allerdings ist die Tatsache, dass der nächste Ausbruch eigentlich überfällig ist. Wer allerdings – wie der Supervulkan – in Jahrmillionen rechnet, dem kommt es auf ein paar Jahrtausende nicht an. Katastrophen, die sich nur alle paar Millionen Jahre ereignen, scheinen wir nicht besonders ernst zu nehmen. Wir leben in einer immer »schneller« werdenden Zeit. Zeitzyklen von Jahrmillionen übersteigen unsere Vorstellungskraft. Die regelmäßig auftretende Wasser-Dampf-Säule des »Old Faithful« lockt seit weit mehr als einhundert Jahren Millionen von Touristen an. So wurde in unmittelbarer Nähe des »Old Faithful« ein riesiges Hotel gebaut, das »Old Faithfull Inn«.

Foto 5: Der Laacher See

Sehr viel aktiver als der Supervulkan unter dem Yellowstone Nationalpark ist sein Kollege unter dem Laacher See bei Bonn. Alle 12.000 Jahre löst dieses Schwergewicht von Vulkan eine Katastrophe aus, zum letzten Mal vor 12.900 Jahren. Experten stellten entweichendes Kohlendioxid fest. Das könnte auf eine Reaktivierung des Vulkans und einen anstehenden Ausbruch hinweisen. (2)

Mayas wie Hindus rechneten in Zentralamerika und Indien mit gewaltigen Riesenzahlen, die der menschliche Geist nicht wirklich erfassen kann. Mayas und Hindus dachten zyklisch: auf eine lange Epoche folgte eine Apokalypse, gefolgt von einem neuen gigantischen Zeitalter. Die astronomischen Zahlenangaben sind in beiden Fällen unvorstellbar groß, lassen sich aber nicht miteinander in Einklang bringen. Es geht offenbar nicht um historisch korrekte, exakte Visionen, im Sinne einer genauen Chronologie künftiger Ereignisse. Wenn wir die Kalenderwissenschaft der Mayas studieren, sollten wir nicht auf eine Vorhersage der nächsten Weltkatastrophe auf den Tag genau hoffen. Sonst kommt man zu vielleicht präzisen, aber falschen Terminen für die Apokalypse.

Es geht in Sachen Mayas vielmehr um eine allgemeinere Aussage: Die Botschaft der Mayas gilt für die Ewigkeit. Sie lautet klipp und klar: Unser Planet wird immer wieder von Katastrophen heimgesucht. Kataklysmen sind aber nicht das Ende der Zeit, sondern nur Punkte auf sich ewig drehenden Rädern. Die Räder der Zeit bleiben bei den Mayas niemals stehen.

Die Botschaft der Mayas besagt nicht, dass die Welt im Jahr 2012 untergehen wird. Es geht auch nicht um Bewusstseinsstufen. Die Botschaft der Mayas birgt eine sehr ernste Mahnung, die wir nicht überhören sollten: Es ist im Lauf der Erdgeschichte immer wieder zu Apokalypsen gekommen. Also wird es auch immer wieder gewaltige Katastrophen geben. Auf die schlimmsten Verwüstungen folgt wieder ein Neuanfang.

Foto 6: »Old Faithful Inn«
Der Supervulkan des »Yellowstone Nationalpark« ist schon längst überfällig. Wird die Menschheit den Vulkanausbruch vom »Yellowstone Nationalpark« überleben? Vergessen wir nicht, dass der Menschen für die Erderwärmung verantwortlich gemacht wird. Die Industrialisierung sei verantwortlich für eine drohende Katastrophe auf Erden! Vergessen wird dabei, dass es seit Ewigkeiten ein Auf und Ab der Temperaturen gibt! Aus ideologischen Gründen wird gern jede menschliche Technologie verabscheut. Moderne Technologie aber wird im Falle der »Yellowstone-Apokalypse« die einzige Chance der Überlebenden sein, auch nach dem gigantischen Kataklysmus zu existieren! Ohne modernste Technik werden die Überlebenden durch die Apokalypse weit zurück in die Steinzeit katapultiert werden. Ein gigantischer Vulkanausbruch kann die Durchschnittstemperatur auf unserem Planeten ganz erheblich  senken! Zumindest lokal können Eiszeiten ausbrechen.

Vom Höllenfeuer unter seinen Füßen ahnt der arglose Tourist nichts. Er sieht nur die herrliche Natur und die bizarren Ergebnisse der Natur. So speien Geysire nicht einfach nur Wasser aus dem Höllenschlund an die Oberfläche. Sie führen auch unterschiedlich farbige Mineralien mit sich. So kommt es zu Ablagerungen, die sich im Lauf von Jahrzehnten und Jahrhunderten zu Kraterkegeln formieren. Ernst von Hesse Wartegg schreibt im zweiten Band seines großformationen Opus »Die Wunder der Welt«, kurz vor dem Ersten Weltkrieg erschienen (3): »Selbst der Boden, auf dem man zwischen diesen Hexenkesseln einherwandert, wird von den plötzlichen Geiserausbrüchen überflutet oder gibt stellenweise unter dem Fuß des Besuchers nach, und aus den Eindrücken quillt dicker, gelber, übelriechender Schlamm. In zahlreichen Öffnungen und Erdspalten brodelt und pfeift und pustet es aus der Unterwelt hervor, mit häufigen Auswürfen von kochendem Wasser oder Schlamm. Die Farbe des Wassers wechselt zwischen Gelb, Milchweiß, Rot, Blau, Milchiggrün oder kristallener durchsichtiger Weiße.«

Foto 7: Ablagerungen türmen sich zu fantastischen Gebilden

Fußnoten

1) Whittlesey, Lee H.: »Death in Yellowstone/ Accidents and Foolhardiness in the First National
Park«, Manuskript
2) »Apokalypse im Rheintal«, »Spektrum der Wissenschaft«, Februar 2009, S. 78-87
3) Hesse-Wartegg, Ernst von: »Die Wunder der
Welt/ Zweiter Band«, Stuttgart, Berlin, Leipzig, ohne Jahresangabe, vermutlich 1912/
1913, Seite 42


Zu den Fotos:
Foto 1 (Buchcover) Verlag
Fotos 2 und 3: Walter Langbein sen.
Foto 4: wikimedia commons Huebi
Foto 5: Panorama Laacher See 2010 wikimedia commons/ Holger Weinandt
Fotos 6 und 7: Walter Langbein sen.


»UFOs, Götter, Astronauten«,
Teil 317 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 14.02.2016


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Sonntag, 31. Januar 2016

315 »Die Hölle unter unseren Füßen«

Teil 315 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 31.01.2016


Foto 1: Geysire weisen auf die unteriridische Hölle hin.

»Wir stehen hier über dem Höllenschlund!«, schreit der kleine schmächtige Mann. »Unter uns brodelt das Höllenfeuer! Es wird ausbrechen und diese sündige Welt austilgen im Höllenfeuer! Bereut eure Sünden! Wendet euch ab vom sündigen Treiben und bereut! Bereut, bevor es zu spät ist!« Gestenreich unterstreicht der Prediger einer der vielen amerikanischen Sekten seine düsteren Worte. Die Menschen reagieren teils belustigt, teils verärgert. Sie wollen sich die gute Laune an einem sommerlichen Tag im August im weltberühmten Yellowstone Nationalpark nicht trüben lassen. Sie wollen speiende Geysire sehen, blubbernde Heißwasserquellen und fantastisch anmutende Landschaften.

Foto 2: Überall tummeln sich Bären ...

»Überall tummeln sich hier Bären!«, so wütet der bärtige Prediger weiter. »Sie sind Boten des Teufels, Boten der Hölle! Bereut Eure Sünden, bevor es zu spät ist!« In der Tat: Der »Yellowstone Nationalpark« ist weltberühmt für Yogi Bears Brüder und Schwestern. Die putzig anmutenden Riesengesellen können aber auch sehr gefährlich werden. »Boten Satans« sind sie aber doch wohl nicht.

Verlassen wir erst einmal den zornigen Prediger. Reisen wir gemeinsam einige Jahrhunderte in die Vergangenheit. Wir schreiben das Jahr 1565. Spanische Truppen besetzen mit brachialer Gewalt die Philippinen. Die Ureinwohner fliehen entsetzt vor der brachialen Übermacht und verstecken sich an den dicht bewaldeten Berg. Der rettende Berg schlummert. Der Pinatubo-Vulkan, im Westen der Insel Luzon gelegen, konnte urplötzlich das Feuer der Hölle ausspeien. Um 1441 und anno 1991 brach der Pinatubo aus. Am 15. Juni 1991, nach 550 Jahren des Schweigens, tat sich ein Tor zur Hölle auf, Lavaströme flossen die Flanken des Bergkegels hinab. Weitere Lavamassen wurden kilometerhoch in den Himmel geschleudert und fielen als tödliches Feuer vom Himmel.

Zum Glück hatten Experten bei seismologischen Messungen deutliche Vorzeichen richtig gedeutet und vor einem nahenden Ausbruch des Pinatubo gewarnt. Die unmittelbar gefährdeten Regionen wurden evakuiert, Zehntausende wurden kurzfristig umgesiedelt. Trotzdem starben rund tausend Menschen im Höllenfeuer des Vulkanausbruchs.

Foto 3: Die Magmablase unter dem Vulkankrater
So skurril das Gezeter des Predigers auch anmutete, so umschrieb er doch eine erschreckende Wahrheit. Seit Jahrzehnten gibt es Warnsignale, die auf einen Ausbruch des Supervulkans unter dem Yellowstone Nationalpark hinweisen. Eine gigantische Magmablase kann jederzeit an die Erdoberfläche und in den Himmel geschleudert werden. Mit katastrophalen Folgen!

Die Frage ist nicht, ob der Supervulkan ausbrechen wird, sondern wann das geschehen wird. Im Vergleich zu einer solchen Katastrophe wird der Ausbruch des Pinatubo wie ein lindes Lüftchen erscheinen. Eine unvorstellbare Explosion wird die Welt erschüttern. Der Höllenknall wird weltweit zu hören sein. Sieben Stunden wird der Schall von Amerika nach Deutschland unterwegs sein. Eine glühendheiße Lawine, 700 Grad Celsius heiß, wird sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreiten. Das Höllenfeuer wird mit mehreren hundert Stundenkilometern rasen und alles in Asche verwandeln.

Foto 4: Bären, Bären, Bären ...

Unvorstellbare Mengen an Material werden fünfzig Kilometer empor geschleudert werden und die Sonne verdunkeln. Totale Finsternis wird über weite Flächen hereinbrechen und alles Leben in tödliche Eiseskälte tauchen. Pflanzen werden absterben, weil sie das Sonnenlicht benötigen. Tiere, die sich von Pflanzen ernähren, werden verhungern, Menschen werden sterben. Und die, die überleben, werden Hungerkatastrophen unvorstellbaren Ausmaßes erleben. Diese Horrorvorstellung ist höchst real. Am 1. Juli 2014 vermeldete die »Süddeutsche Zeitung«, dass die bevorstehende »Yellowstone-Apokalypse« noch sehr viel schlimmer ausfallen wird als bisher schon angenommen: »Unter dem Yellowstone Nationalpark in den USA schwelt die riesige Magmakammer eines Supervulkans. Und die ist zweieinhalb Mal so groß wie bisher angenommen!«, berichten Seismologen der University of Utah. Weiter vermeldet Andreas Frey: »Im Yellowstone-Nationalpark in den USA sieht es aus, als hätte jemand mit einer gigantischen Axt hineingeschlagen. Es blubbert, es zischt, es stinkt – und nicht weit unter den Füßen schwelt die riesige Magmakammer eines Supervulkans.

Jetzt haben Seismologen der University of Utah den Untergrund unter weiten Teilen des BundesstaatsWyoming neu vermessen – und ziemlich gestaunt. Denn die Magmakammer ist zweieinhalb Mal so groß wie gedacht.«

Foto 5: Kochende Quelle, von der Höllenglut erhitzt...

Bob Smith berichtete auf der Herbstkonferenz der amerikanischen Geophysikalischen Vereinigung, dass 35.000 Kubikkilometer geschmolzenes Gestein in der Unterwelt des Yellowstone National Parks nur darauf warten explosionsartig an die Erdoberfläche zu drängen. Die gigantische Lavahöhle liegt nach neuesten Erkenntnissen 15 Kilometer unter der Erde. Sie ist neunzig Kilometer lang und dreißig Kilometer breit. Es droht kein lokales Unglück, sondern eine Katastrophe, unter der die ganze Welt leiden wird. Ich muss mich wiederholen: Wir wissen nicht, wann es zu diesem gewaltigen Kataklysmus kommen wird. Wir wissen, dass die Katastrophe irgendwann eintreten wird.

Die Dunkelheit als Folge des Vulkanausbruchs wurde recht realistisch schon in vorchristlichen Zeiten beschrieben: Das »Buch Henoch« entstand im zweiten vorchristlichen Jahrhundert, vielleicht auch wesentlich früher. Es wurde nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen, gehört also zu den apokryphen Schriften des Judentums. Und doch wurden ganz offensichtlich Beschreibungen aus eben diesem Buch Henoch in Sachen Höllenfeuer von der katholischen Kirche herangezogen. Im »Buch Henoch« wird der Höllenpfuhl so beschrieben (103,7): »Und sei dir bewusst, dass sie (gemeint sind die Engel) eure Seelen in den Sheol (Hades oder Hölle) bringen werden und sie (die Seelen) werden Böses erleiden und eine schwere Prüfung durchzustehen haben, in Dunkelheit, Fesseln und brennenden Flammen.« In der Hölle wartet das Feuer auf die bösen Sünder (100,9): »Entsprechend der Taten der Bösen werden sie in lodernden Flammen brennen, schlimmer als Feuer!«

Sollten religiöse Visionäre als Höllenvisionen beschrieben haben, was sich höchst real ereignen wird, wenn ein »Supervulkan« wie jener unter dem Yellowstone Nationalpark in einer gigantischen Explosion die Hölle auf  Erden ausbrechen lassen wird?

Foto 6: Islamische Darstellung der »Hölle«

Auch der Koran kennt das Höllenfeuer.  Von den Griechen zur Buchreligion des Islam. Auch der Koran (Sure 4, 56) beschreibt es recht drastisch so: »Diejenigen, die nicht an unsere Zeichen glauben, die werden wir im Feuer brennen lassen: So oft ihre Haut verbrannt ist, geben wir ihnen eine andere Haut, damit sie die Strafe kosten. Wahrlich, Allah ist allmächtig, allweise.« In Sure 11 (106–107) steht zu lesen: »Die Unseligen werden dann im Höllenfeuer sein, wo sie laut aufheulen und hinausschreien, und wo sie weilen, solange Himmel und Erde währen, – soweit es dein Herr nicht anders will. Dein Herr tut, was er will.«

Im Koran (Sure 89,23) heißt es, dass die Hölle am Tag der Apokalypse »nahegebracht« wird. Das deutet darauf hin, dass das Höllenfeuer aus dem Leib der Erde zu den Menschen gelangt. Diesen Ausbruch der Hölle beschreibt die als heilig angesehene Hadith-Literatur, die zu den Werkender Überlieferung gehört. Die Sahih Muslim, die »Sechs Bücher«, gelten als Kanon der Hadith-Sammlungen. Während im Christentum apokryphe, nicht in den Kanon aufgenommene Bücher eher wenig beachtet werden, sind die apokryphen Texte des Koran höchst bedeutsam. »Sahih Muslim« (9. Jahrhundert) wird auch als »gesunde« oder »authentische Sammlung« bezeichnet. Dort heißt es über die Hölle: »Die Hölle wird an jenem Tag mit Hilfe von siebzig Tausend Seilen hervorgebracht werden, jedes Seil wird von siebzig Tausend Engeln gehalten.«

Foto 7: Gleich bricht »Old Faithful« aus!

Mit anderen Worten: Bis zum »jüngsten Tag« des Weltgerichts ist die Hölle noch in der Erde. Zum Tag des Weltuntergangs wird sie aus der Erde hervorgehoben. Für den Geologen wird hier, im religiösen Gewand, auf aus dem Erdinneren strömende Lavamassen hingewiesen: wie bei einem mörderischen Supervulkanausbruch etwa.

Wird der Supervulkan des »Yellowstone National Parks« vielleicht schon bald die nächste Apokalypse bewirken? Hank Heasler, Park Geologe, lässt keine Zweifel aufkommen: »Die Frage ist nicht, ob er ausbrechen wird, sondern wann.« Vor 2,1 Millionen Jahren spie der Supervulkan 2450 Kubikkilometer Magma empor. Vor 1,3 Millionen Jahren waren es »nur« 280 Kubikkilometer. Vor 640.000 Jahren kam es zur bislang letzten gewaltigen Entladung: 1.000 Kubikkilometer. Zum Vergleich: Der gewaltigste Vulkanausbruch der jüngsten Vergangenheit war der von 1815 in Indonesien. Der »Tambora« schleuderte 50 Kubikkilometer glühende Magma in die Luft. Bei der Apokalypse im Gebiet des »Yellowstone Nationalparks« vor 2,1 Millionen Jahren war es fast 50 Mal so viel!    

Foto 8: Unterirdisch brodelt es, oberirdisch sterben die Bäume ...

Die Stärke eines Vulkanausbruchs hängt von den Magmamengen ab, die zur Verfügung stehen. Um Vulkanausbrüche miteinander vergleichen zu können, wurde der »Explosivitäts-Index« (»VEI«) eingeführt. Die Skala reicht von 0 bis 8. Ein Punkt mehr auf der Skala bedeutet die Verzehnfachung des ausgespuckten Magmas. Ein Vulkan mit einem Index von 3 beispielsweise speit zehn Mal so viel Magma aus wie ein Kollege mit dem Index 2 und 100 Mal so viel wie einer mit Index 1. Eine Vulkaneruption der Indexstärke 8 ist schon unvorstellbar stark. Der Vulkan des »Yellowstone Nationalparks« wird den Rahmen der Skala sprengen und ihre höchste Markierung bei weitem überschreiten. Er wird mit der in der Wissenschaft akzeptierten Messlatte gar nicht mehr in seiner gewaltigen Größe erfasst werden können.

»Spüren Sie denn nicht, wie das Höllenfeuer anklopft? Gleich wird es einen siedenden Vorboten schicken, der zur Reue mahnt! Old Faithful mahnt: Bereut! Bereut! Bereut! Oder Ihr Sünder landet alle in der Höllenglut!« Der Prediger schweigt plötzlich. Denn tatsächlich ist etwas zu vernehmen: ein Rumoren, ein Fauchen, das aus dem Erdinneren zu kommen scheint. »Bereut! Bereut! Bereut!« ruft fast triumphierend der Prediger. Auch so etwas wie Schadenfreude schwingt in seiner Stimme mit.

Übrigens: Schon Karl May hat über den »Yellowstone National Park« geschrieben!

Zu den Fotos:
Fotos 1, 2, 4, 5, 7, 8: Walter Langbein Sen. 1963
Foto 3 (Die Magmablase unter dem Krater): wiki commons/ Kbh3rd
Foto 6 (Islamische Darstellung der Hölle): wiki commons/ Snailwalker 

316 »Winnetou, tödliches Gas und Old Faithful«
Teil 316 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 07.02.2016



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