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Freitag, 23. November 2018

In memoriam John F. Kennedy

Präsident John F. Kennedy/ Fotocopyright Langbein


Am 22. November 1963 wurde der Präsident der USA, John F. Kennedy (*29.Mai 1917), ermordet. Bis heute ungeklärt: Gab es wirklich nur einen einzelnen Täter? Agierte Lee Harvey Oswald allein? Gab es eine Verschwörung?

Präsident John F. Kennedy/ Fotocopyright Langbein


In memoriam John F. Kenndy erlaube ich mir einige Fotos vorzustellen, die mein Vater Walter Langbein (*1924; †2005) im Frühsommer 1963 im Weißen Haus aufgenommen hat. Mein Vater war damals Gast im Weißen Haus. Die Aufnahmen (Dias) sind für mich ein kostbarer „Schatz“.

Präsident John F. Kennedy/ Fotocopyright Langbein

Mein Vater unterrichtete damals für ein Jahr an der „Lakeshore Highschool“, ein Kollege (John Adams) kam für ein Jahr ans »Meranier Gymnasium Lichtenfels«. John Adams, 86jährig, lebt nach wie vor am Michigan-See.

Mein Vater Walter Langbein im Weißen Haus. Fotocopyright Langbein

Siehe hierzu auch:  »Halloween und der Mord an John F. Kennedy«!

http://www.ein-buch-lesen.de/2016/06/334-halloween-und-der-mord-john-f.html
 



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Sonntag, 20. August 2017

396 »Heimat, deine Kelten!«

Teil  396 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Geoglyphen in der Atacamawüste
Zwei Monate habe ich mit Freunden Südamerika bereist. Von Quito aus hatten wir mysteriöse Stätten besucht: in Ecuador, Peru, Bolivien und Chile. Wir kletterten auf  Pyramiden aus Stein, auf Pyramiden aus Erde (»Mounds«), wir standen vor riesigen Scharrzeichnungen und Geoglyphen an Erdhängen, flogen im Kleinflugzeug über Riesenbilder in trostloser Wüste. Wir standen vor Steinkolossen, die vor Ewigkeiten mit unbekannten Werkzeugen millimetergenau bearbeitet worden waren. Wir krochen durch dichten Urwald, auf der Suche nach vergessenen Pyramiden, wir erstiegen den Kegel eines erloschenen Vulkans. Und schließlich machte ich einen Abstecher zur Osterinsel. Tagelang erkundete ich mit einem französischen Ehepaar das Eiland. Wir tasteten uns durch muffige Höhlen, klettern auf heute verbotenen Wegen zu im Erdreich versinkenden Steinkolossen und suchten nach verwaschenen Gravuren in formlosen Klumpen  vor Ewigkeiten erkalteter Lavamassen.

Nach zwei aufregenden Monaten in fernen Welten traten wir die Heimreise ein. Unser Gepäck war aufgegeben, die letzten Briefe und Karten waren verschickt. Geduldig warteten wir, bis wir aufgefordert wurden, »unser« Flugzeug zu betreten. Ich weiß nicht mehr, was für eine Maschine es war, die uns von Quito nach Amsterdam bringen sollte. Es war ein Flugzeug der KLM. Als ich von einer freundlichen Stewardess begrüßt wurde, fühlte ich mich – 9548 Kilometer von zuhause entfernt – daheim, in der Heimat.

Was ist das, Heimat? Als Kind sagte mir der Begriff nichts. Als Jugendlicher wollte ich so schnell wie möglich die Heimat verlassen und die Welt bereisen. Aber als ich schließlich in der fernen Fremde nach uralten Geheimnissen suchte, spürte ich die Sehnsucht nach der Heimat. Meine Heimat ist das Frankenland. Michelau in Oberfranken, da bin ich geboren. Das ist und bleibt meine Heimat, auch wenn ich schon seit Jahrzehnten im preußischen Exil lebe.

Foto 2: Staffelberg, historische Ansichtskarte

Befremdet stelle ich fest, dass der Begriff »Heimat« in zunehmendem Maße verpönt wird. Der Duden führt »verpönt« auf der »Liste der rechtschreiblich schwierigen Wörter«. »Heimat« gilt in zunehmendem Maße als bestenfalls reaktionär. Aber braucht nicht jeder Mensch »Heimat«? Es ist eine Art Schizophrenie, die zu bedauernd und zu bemitleiden, die in der Ferne die Heimat verlassen müssen, und sich gleichzeitig geradezu zu schämen, die eigene Heimat als Heimat zu bezeichnen.

Was wissen wir über unsere Heimat? Kennen wir ihre Geheimnisse, ihre Mysterien? An der Pazifikküste Perus erzählten mir eines Abends peruanische Freunde vom mysteriösen Riesenfisch im »La Raya«-Berg. Ich revanchierte mich mit der Sage vom Riesenfisch im Staffelberg. Und ich erzählte, wie ich in meiner Jugend gemeinsam mit meinem Vater (1) den Staffelberg erkundet habe. Wir suchten und fanden immer wieder Reste einer komplexen Wallanlage, die vor rund 2200 Jahren von den Kelten angelegt worden ist. Auf dem Hochplateau hatten die Kelten einst eine wehrhafte Festung angelegt.

Foto 3: Staffelberg, historische Ansichtskarte  von 1926

Heimatforscher Konrad Radunz über den Staffelberg (2): »Seine überragendste Bedeutung erhält der Berg aber wohl durch die Tatsache, daß er über Jahrtausende hinweg von Menschen besiedelt war und in verschiedenen Epochen der Vorzeit auch befestigt war.« Weiter schreibt Radunz (3): »Während der Besucher des Berges heute von seiner landschaftlichen Schönheit angezogen wird, war es früher das Sicherheitsbedürfnis des Menschen, das ihn vor Zeiten veranlasste, die Hochfläche des Berges aufzusuchen.«


Foto 4: Frater Heinrich vor Klause und Kapelle. Historische Ansichtskarte

Die ältesten Funde, die man auf dem Plateau des Staffelbergs machte, sind rund 12000 Jahre alt! Besiedelt wurde der Tafelberg in der Jungsteinzeit, also von etwa 5500 bis 3800 Jahren. Zu einer regelrechten Festung bauten die Kelten den Staffelberg aus. Wie imposant die Verteidigungsanlage um das Plateau einst war lassen die Spuren einer einst 4,50 dicken Mauer erahnen. Freilich gehen die Ursprünge dieses Befestigungssystems in weit ältere Zeiten zurück, nämlich (4) »bis in die ausgehende Steinzeit, ca. 1800 v.Chr.«

In den 1960er Jahren erkundete ich – mit meinem Vater Walter Langbein sen., aber auch allein – den Staffelberg. So manches Mal kletterte ich querfeldein bis zum Plateau empor und stieß immer wieder auf Spuren der alten Wälle. Freilich war der Staffelberg nicht nur, und das über einen Zeitraum von Jahrtausenden, von militärischer Bedeutung. Konrad Radunz weist auf »die religiöse Bedeutung des Staffelberges« hin (5):

»Während die ehemals überragende Bedeutung des Staffelbergs im Bereich der Besiedlung, Verteidigung und wahrscheinlich auch der Administration in vollkommene Vergessenheit geraten ist, lebt die religiöse Überlieferung im Volke unvermindert nach. Abgesehen von zahlreichen Sagen, die sich heute noch um den Berg ›ranken‹ und auf eine starke mythische Bedeutung der ehemaligen Siedlung schließen lassen, besitzt der Berg heute noch eine starke religiöse Ausstrahlungskraft.«

Foto 5: Adelgundiskappe und Klause. Historische Ansichtskarte

Heutige Besucher des Staffelbergs blicken vom Plateau hinab ins Maintal, das Viktor von Scheffel anno 1859 besungen hat: »Zum heil´gen Veit von Staffelstein komm` ich emporgestiegen und seh´ die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen. Vom Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel die breite, stromdurchglänzte Au – ich wollt´, mir wüchsen Flügel. Vallerie …« Die schlichte Kapelle findet kaum Beachtung, die einstige Klause lädt zu einem kleinen Imbiss und zu gutem fränkischen Bier ein.

Die »Adelgundiskapelle« freilich kann uns an vorchristliche, ja keltische Zeiten erinnern. Sigrid Radunz gibt in ihrer Broschüre »Der Staffelberg« eine interessante Legende wieder (6) : »Wie die Kapelle auf den Staffelberg kam«. Sie schreibt: »Man weiß nicht genau, wann die erste Kapelle auf dem Staffelberg errichtet wurde, doch man erzählt sich, daß die Stelle auf der dieses Gotteshaus heute steht, durch ein Wunder bestimmt wurde. Ursprünglich wollte man nämlich die Kirche auf dem Alten Staffelberg bauen. Jede Nacht aber trugen Engel die Bausteine und alles Material, das auf dem Bauplatz lag, auf den Staffelberg. Selbst als die Wände schon ein Stück emporgemauert waren, fand man am nächsten Tag dieses Mauerwerk auf dem Plateau des Staffelberges. Schließlich entschloß man sich, der Kapelle den Platz zu geben, den der Himmel für sie ausersehen hatte.« Die Frage, die sich uns stellt: Warum hatte »der Himmel« nachhaltiges Interesse daran, dass die Adelgundiskapelle just dort errichtet wurde, wo sie heute steht?

Foto 6: Blick auf den Staffelberg.
Ein Rabe, so heißt es in einer anderen Legende (7) griff beim Bau der Adelgundiskapelle ein: »Als besondere Schwierigkeit beim Bau der Kapelle erwies sich, daß man Baumaterialien wie Sand und Wasser erst vom Tal auf den Berg transportieren mußte. Da fiel einem Maurer auf, daß häufig ein Rabe zur Baustelle kam, der aus seinem Schnabel Sand rieseln ließ. Der neugierige Arbeiter folgte unbemerkt dem Vogel und beobachtete, daß dieser in das Querkelesloch flog. Als der Mann nachforschte, fand er am Boden der Höhle Dolomitensand.«

Einst wurde auf dem Staffelberg die Statue der »Heiligen Adelgundis« verehrt. Auf ihrem Haupt saß ein Rabe. Nach christlicher Interpretation stellte der Vogel freilich den Heiligen Geist dar, auch wenn er weniger einer Taube als einem Raben ähnelt. Ein Kelte freilich würde die Statue auf seine Weise interpretieren. Für ihn wäre die Heilige Adelgundis mit dem Vogel eine keltische Göttin, etwa Badb, Morrigan, Macha oder Nemain.

Der Name der Göttin Badb lässt sich mit »Kampfesmut« übersetzen, Adelgundis bedeutet »edle Kämpferin«. Sollte es sich also bei Adelgundis um die keltische Göttin Badb in christlichem Gewand handeln? Bleiben wir am Ball, besser gesagt an der Göttin. Die keltische Göttin Morrigan – Attribut Rabe – erscheint als weibliche Trinität, als Fruchtbarkeitsgöttin Anu, als Muttergöttin Badb und als Todesgöttin Macha, kurz als heidnische Dreifaltigkeit! In keltischen Gebieten des »Imperium Romanum« gab es den Typus der Muttergottheiten, Matronen genannt. Häufig traten die himmlischen Damen als Trinität auf (Foto 7, weiter unten!).

Die keltische Göttin Macha, Attribut Rabe, spielt eine wichtige Rolle in der Mythologie Irlands. Ihr Name geht auf die indogermanische Wurzel »magh« zurück, zu Deutsch »kämpfen«. Ist also Adelgundis, zu Deutsch »edle Kämpferin«, die christliche Version der keltischen Göttin Macha? Da verwundert es mich nicht, dass auch Nemain, Attribut, eine Göttin des Kampfes war! Ist es ein Zufall, dass der Adelgundis, der »edlen Kämpferin« ein rabenartiger Vogel beigestellt wird, so wie den keltischen Göttinnen Badb, Morrigan, Macha und Nemain?

»Das Namensfest der hl. Adelgundis liegt in verdächtiger Nähe zum 1. Februar, dem Geburtstag der heiligen Brigitte von Irland, die damit das keltische Fest Imbolc, den Frühlingsanfang, christianisierte. Interessanterweise befindet sich die heilige Brigida unter den 16 Nothelfern, die in der Kapelle mitverehrt werden.«, lesen wir bei Paul und Sylvia Botheroyd (8).

Der Rabe ist offensichtlich sehr wichtig in der keltischen Welt der Göttinnen und Götter (9): Der germanische Gott Odin (Wotan), Gott der Weisheit und der Schlachten, konnte sich gelegentlich in einen Raben verwandeln. Außerdem führte er immer »Munin« und »Kunin« mit sich, zwei Raben, die er jeden Tag ausschickte um zu erfahren, was in der Welt Wichtiges geschah. Odin war der höchste Gott der Germanen und deshalb waren ihnen die Raben heilig. Sie verehrten sie als Göttervögel.

Foto 7: Keltische Matronen-Göttinnen.

»Heimat, deine Kelten«… Besinnen wir uns unserer kulturellen Wurzeln. Was wissen wir über unsere Heimat? Erkunden wir unsere Heimat! Gibt es auch bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Spuren der Kelten? Gibt es auch bei Ihnen in Kapellen und Kirchen Hinweise auf »Heilige«, die als keltische Göttinnen in christlichem Gewand identifiziert werden können? Es lohnt sich zu recherchieren, zum Beispiel in altehrwürdigen Gotteshäusern, aber auch in Museen und Bibliotheken. Sagen aus alten Zeiten enthalten oft verschlüsselte Hinweise auf eine Vergangenheit, die vielleicht schon bald verdrängt und vergessen sein wird!

Fußnoten
1) Walter Langbein sen. (1924-2005)
2) Radunz, Konrad: »Der Staffelberg, eine antike Befestigung am Obermain«, »Heimatbeilage zum Amtlichen Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken«, Bayreuth im Juli 1971, Nr. 36, Titelseite, Zeilen 11 – 13 von unten
3) ebenda, Seite 2, Zeilen 1-3 von unten und Seite 3, 3. Zeile von unten
4) ebenda, Zeile 10 von unten
5) ebenda, Seite 23, Zeilen 1-7 von unten
6) Radunz, Sigrid: »Der Staffelberg«, Lichtenfels 1983, Seite 19 unten und S. 20 oben
7) ebenda, S. 20: »Der hilfreiche Rabe«
8) Botheroyd, Paul und Sylvia: »Deutschland/ Auf den Spuren der Kelten«, München 1989, Kapitel Staffelstein, S. 193-196, Zitat S. 194
9) »Planet Wissen«/ Harald Brenner, ARD, http://www.planet-wissen.de,  Stand 23.10.2014


Zu den Fotos
Foto 1: Geoglyphen in der Atacamawüste, Chile. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Staffelberg, historische Ansichtskarte. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Staffelberg, historische Ansichtskarte  von 1926. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Frater Heinrich vor Klause und Kapelle. Historische Ansichtskarte, Archiv Walter-Jörg Langbein

Foto 5: Adelgundiskappe und Klause. Historische Ansichtskarte , Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Blick auf den Staffelberg. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Keltische Matronen-Göttinnen. Foto wiki commons/ Mediatus


Walter-Jörg Langbein
397 »Von einem, der auszog, um Pfarrer zu werden«,
Teil  397 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 27.8.2017


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Sonntag, 31. Januar 2016

315 »Die Hölle unter unseren Füßen«

Teil 315 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 31.01.2016


Foto 1: Geysire weisen auf die unteriridische Hölle hin.

»Wir stehen hier über dem Höllenschlund!«, schreit der kleine schmächtige Mann. »Unter uns brodelt das Höllenfeuer! Es wird ausbrechen und diese sündige Welt austilgen im Höllenfeuer! Bereut eure Sünden! Wendet euch ab vom sündigen Treiben und bereut! Bereut, bevor es zu spät ist!« Gestenreich unterstreicht der Prediger einer der vielen amerikanischen Sekten seine düsteren Worte. Die Menschen reagieren teils belustigt, teils verärgert. Sie wollen sich die gute Laune an einem sommerlichen Tag im August im weltberühmten Yellowstone Nationalpark nicht trüben lassen. Sie wollen speiende Geysire sehen, blubbernde Heißwasserquellen und fantastisch anmutende Landschaften.

Foto 2: Überall tummeln sich Bären ...

»Überall tummeln sich hier Bären!«, so wütet der bärtige Prediger weiter. »Sie sind Boten des Teufels, Boten der Hölle! Bereut Eure Sünden, bevor es zu spät ist!« In der Tat: Der »Yellowstone Nationalpark« ist weltberühmt für Yogi Bears Brüder und Schwestern. Die putzig anmutenden Riesengesellen können aber auch sehr gefährlich werden. »Boten Satans« sind sie aber doch wohl nicht.

Verlassen wir erst einmal den zornigen Prediger. Reisen wir gemeinsam einige Jahrhunderte in die Vergangenheit. Wir schreiben das Jahr 1565. Spanische Truppen besetzen mit brachialer Gewalt die Philippinen. Die Ureinwohner fliehen entsetzt vor der brachialen Übermacht und verstecken sich an den dicht bewaldeten Berg. Der rettende Berg schlummert. Der Pinatubo-Vulkan, im Westen der Insel Luzon gelegen, konnte urplötzlich das Feuer der Hölle ausspeien. Um 1441 und anno 1991 brach der Pinatubo aus. Am 15. Juni 1991, nach 550 Jahren des Schweigens, tat sich ein Tor zur Hölle auf, Lavaströme flossen die Flanken des Bergkegels hinab. Weitere Lavamassen wurden kilometerhoch in den Himmel geschleudert und fielen als tödliches Feuer vom Himmel.

Zum Glück hatten Experten bei seismologischen Messungen deutliche Vorzeichen richtig gedeutet und vor einem nahenden Ausbruch des Pinatubo gewarnt. Die unmittelbar gefährdeten Regionen wurden evakuiert, Zehntausende wurden kurzfristig umgesiedelt. Trotzdem starben rund tausend Menschen im Höllenfeuer des Vulkanausbruchs.

Foto 3: Die Magmablase unter dem Vulkankrater
So skurril das Gezeter des Predigers auch anmutete, so umschrieb er doch eine erschreckende Wahrheit. Seit Jahrzehnten gibt es Warnsignale, die auf einen Ausbruch des Supervulkans unter dem Yellowstone Nationalpark hinweisen. Eine gigantische Magmablase kann jederzeit an die Erdoberfläche und in den Himmel geschleudert werden. Mit katastrophalen Folgen!

Die Frage ist nicht, ob der Supervulkan ausbrechen wird, sondern wann das geschehen wird. Im Vergleich zu einer solchen Katastrophe wird der Ausbruch des Pinatubo wie ein lindes Lüftchen erscheinen. Eine unvorstellbare Explosion wird die Welt erschüttern. Der Höllenknall wird weltweit zu hören sein. Sieben Stunden wird der Schall von Amerika nach Deutschland unterwegs sein. Eine glühendheiße Lawine, 700 Grad Celsius heiß, wird sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreiten. Das Höllenfeuer wird mit mehreren hundert Stundenkilometern rasen und alles in Asche verwandeln.

Foto 4: Bären, Bären, Bären ...

Unvorstellbare Mengen an Material werden fünfzig Kilometer empor geschleudert werden und die Sonne verdunkeln. Totale Finsternis wird über weite Flächen hereinbrechen und alles Leben in tödliche Eiseskälte tauchen. Pflanzen werden absterben, weil sie das Sonnenlicht benötigen. Tiere, die sich von Pflanzen ernähren, werden verhungern, Menschen werden sterben. Und die, die überleben, werden Hungerkatastrophen unvorstellbaren Ausmaßes erleben. Diese Horrorvorstellung ist höchst real. Am 1. Juli 2014 vermeldete die »Süddeutsche Zeitung«, dass die bevorstehende »Yellowstone-Apokalypse« noch sehr viel schlimmer ausfallen wird als bisher schon angenommen: »Unter dem Yellowstone Nationalpark in den USA schwelt die riesige Magmakammer eines Supervulkans. Und die ist zweieinhalb Mal so groß wie bisher angenommen!«, berichten Seismologen der University of Utah. Weiter vermeldet Andreas Frey: »Im Yellowstone-Nationalpark in den USA sieht es aus, als hätte jemand mit einer gigantischen Axt hineingeschlagen. Es blubbert, es zischt, es stinkt – und nicht weit unter den Füßen schwelt die riesige Magmakammer eines Supervulkans.

Jetzt haben Seismologen der University of Utah den Untergrund unter weiten Teilen des BundesstaatsWyoming neu vermessen – und ziemlich gestaunt. Denn die Magmakammer ist zweieinhalb Mal so groß wie gedacht.«

Foto 5: Kochende Quelle, von der Höllenglut erhitzt...

Bob Smith berichtete auf der Herbstkonferenz der amerikanischen Geophysikalischen Vereinigung, dass 35.000 Kubikkilometer geschmolzenes Gestein in der Unterwelt des Yellowstone National Parks nur darauf warten explosionsartig an die Erdoberfläche zu drängen. Die gigantische Lavahöhle liegt nach neuesten Erkenntnissen 15 Kilometer unter der Erde. Sie ist neunzig Kilometer lang und dreißig Kilometer breit. Es droht kein lokales Unglück, sondern eine Katastrophe, unter der die ganze Welt leiden wird. Ich muss mich wiederholen: Wir wissen nicht, wann es zu diesem gewaltigen Kataklysmus kommen wird. Wir wissen, dass die Katastrophe irgendwann eintreten wird.

Die Dunkelheit als Folge des Vulkanausbruchs wurde recht realistisch schon in vorchristlichen Zeiten beschrieben: Das »Buch Henoch« entstand im zweiten vorchristlichen Jahrhundert, vielleicht auch wesentlich früher. Es wurde nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen, gehört also zu den apokryphen Schriften des Judentums. Und doch wurden ganz offensichtlich Beschreibungen aus eben diesem Buch Henoch in Sachen Höllenfeuer von der katholischen Kirche herangezogen. Im »Buch Henoch« wird der Höllenpfuhl so beschrieben (103,7): »Und sei dir bewusst, dass sie (gemeint sind die Engel) eure Seelen in den Sheol (Hades oder Hölle) bringen werden und sie (die Seelen) werden Böses erleiden und eine schwere Prüfung durchzustehen haben, in Dunkelheit, Fesseln und brennenden Flammen.« In der Hölle wartet das Feuer auf die bösen Sünder (100,9): »Entsprechend der Taten der Bösen werden sie in lodernden Flammen brennen, schlimmer als Feuer!«

Sollten religiöse Visionäre als Höllenvisionen beschrieben haben, was sich höchst real ereignen wird, wenn ein »Supervulkan« wie jener unter dem Yellowstone Nationalpark in einer gigantischen Explosion die Hölle auf  Erden ausbrechen lassen wird?

Foto 6: Islamische Darstellung der »Hölle«

Auch der Koran kennt das Höllenfeuer.  Von den Griechen zur Buchreligion des Islam. Auch der Koran (Sure 4, 56) beschreibt es recht drastisch so: »Diejenigen, die nicht an unsere Zeichen glauben, die werden wir im Feuer brennen lassen: So oft ihre Haut verbrannt ist, geben wir ihnen eine andere Haut, damit sie die Strafe kosten. Wahrlich, Allah ist allmächtig, allweise.« In Sure 11 (106–107) steht zu lesen: »Die Unseligen werden dann im Höllenfeuer sein, wo sie laut aufheulen und hinausschreien, und wo sie weilen, solange Himmel und Erde währen, – soweit es dein Herr nicht anders will. Dein Herr tut, was er will.«

Im Koran (Sure 89,23) heißt es, dass die Hölle am Tag der Apokalypse »nahegebracht« wird. Das deutet darauf hin, dass das Höllenfeuer aus dem Leib der Erde zu den Menschen gelangt. Diesen Ausbruch der Hölle beschreibt die als heilig angesehene Hadith-Literatur, die zu den Werkender Überlieferung gehört. Die Sahih Muslim, die »Sechs Bücher«, gelten als Kanon der Hadith-Sammlungen. Während im Christentum apokryphe, nicht in den Kanon aufgenommene Bücher eher wenig beachtet werden, sind die apokryphen Texte des Koran höchst bedeutsam. »Sahih Muslim« (9. Jahrhundert) wird auch als »gesunde« oder »authentische Sammlung« bezeichnet. Dort heißt es über die Hölle: »Die Hölle wird an jenem Tag mit Hilfe von siebzig Tausend Seilen hervorgebracht werden, jedes Seil wird von siebzig Tausend Engeln gehalten.«

Foto 7: Gleich bricht »Old Faithful« aus!

Mit anderen Worten: Bis zum »jüngsten Tag« des Weltgerichts ist die Hölle noch in der Erde. Zum Tag des Weltuntergangs wird sie aus der Erde hervorgehoben. Für den Geologen wird hier, im religiösen Gewand, auf aus dem Erdinneren strömende Lavamassen hingewiesen: wie bei einem mörderischen Supervulkanausbruch etwa.

Wird der Supervulkan des »Yellowstone National Parks« vielleicht schon bald die nächste Apokalypse bewirken? Hank Heasler, Park Geologe, lässt keine Zweifel aufkommen: »Die Frage ist nicht, ob er ausbrechen wird, sondern wann.« Vor 2,1 Millionen Jahren spie der Supervulkan 2450 Kubikkilometer Magma empor. Vor 1,3 Millionen Jahren waren es »nur« 280 Kubikkilometer. Vor 640.000 Jahren kam es zur bislang letzten gewaltigen Entladung: 1.000 Kubikkilometer. Zum Vergleich: Der gewaltigste Vulkanausbruch der jüngsten Vergangenheit war der von 1815 in Indonesien. Der »Tambora« schleuderte 50 Kubikkilometer glühende Magma in die Luft. Bei der Apokalypse im Gebiet des »Yellowstone Nationalparks« vor 2,1 Millionen Jahren war es fast 50 Mal so viel!    

Foto 8: Unterirdisch brodelt es, oberirdisch sterben die Bäume ...

Die Stärke eines Vulkanausbruchs hängt von den Magmamengen ab, die zur Verfügung stehen. Um Vulkanausbrüche miteinander vergleichen zu können, wurde der »Explosivitäts-Index« (»VEI«) eingeführt. Die Skala reicht von 0 bis 8. Ein Punkt mehr auf der Skala bedeutet die Verzehnfachung des ausgespuckten Magmas. Ein Vulkan mit einem Index von 3 beispielsweise speit zehn Mal so viel Magma aus wie ein Kollege mit dem Index 2 und 100 Mal so viel wie einer mit Index 1. Eine Vulkaneruption der Indexstärke 8 ist schon unvorstellbar stark. Der Vulkan des »Yellowstone Nationalparks« wird den Rahmen der Skala sprengen und ihre höchste Markierung bei weitem überschreiten. Er wird mit der in der Wissenschaft akzeptierten Messlatte gar nicht mehr in seiner gewaltigen Größe erfasst werden können.

»Spüren Sie denn nicht, wie das Höllenfeuer anklopft? Gleich wird es einen siedenden Vorboten schicken, der zur Reue mahnt! Old Faithful mahnt: Bereut! Bereut! Bereut! Oder Ihr Sünder landet alle in der Höllenglut!« Der Prediger schweigt plötzlich. Denn tatsächlich ist etwas zu vernehmen: ein Rumoren, ein Fauchen, das aus dem Erdinneren zu kommen scheint. »Bereut! Bereut! Bereut!« ruft fast triumphierend der Prediger. Auch so etwas wie Schadenfreude schwingt in seiner Stimme mit.

Übrigens: Schon Karl May hat über den »Yellowstone National Park« geschrieben!

Zu den Fotos:
Fotos 1, 2, 4, 5, 7, 8: Walter Langbein Sen. 1963
Foto 3 (Die Magmablase unter dem Krater): wiki commons/ Kbh3rd
Foto 6 (Islamische Darstellung der Hölle): wiki commons/ Snailwalker 

316 »Winnetou, tödliches Gas und Old Faithful«
Teil 316 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 07.02.2016



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