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Sonntag, 20. August 2017

396 »Heimat, deine Kelten!«

Teil  396 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Geoglyphen in der Atacamawüste
Zwei Monate habe ich mit Freunden Südamerika bereist. Von Quito aus hatten wir mysteriöse Stätten besucht: in Ecuador, Peru, Bolivien und Chile. Wir kletterten auf  Pyramiden aus Stein, auf Pyramiden aus Erde (»Mounds«), wir standen vor riesigen Scharrzeichnungen und Geoglyphen an Erdhängen, flogen im Kleinflugzeug über Riesenbilder in trostloser Wüste. Wir standen vor Steinkolossen, die vor Ewigkeiten mit unbekannten Werkzeugen millimetergenau bearbeitet worden waren. Wir krochen durch dichten Urwald, auf der Suche nach vergessenen Pyramiden, wir erstiegen den Kegel eines erloschenen Vulkans. Und schließlich machte ich einen Abstecher zur Osterinsel. Tagelang erkundete ich mit einem französischen Ehepaar das Eiland. Wir tasteten uns durch muffige Höhlen, klettern auf heute verbotenen Wegen zu im Erdreich versinkenden Steinkolossen und suchten nach verwaschenen Gravuren in formlosen Klumpen  vor Ewigkeiten erkalteter Lavamassen.

Nach zwei aufregenden Monaten in fernen Welten traten wir die Heimreise ein. Unser Gepäck war aufgegeben, die letzten Briefe und Karten waren verschickt. Geduldig warteten wir, bis wir aufgefordert wurden, »unser« Flugzeug zu betreten. Ich weiß nicht mehr, was für eine Maschine es war, die uns von Quito nach Amsterdam bringen sollte. Es war ein Flugzeug der KLM. Als ich von einer freundlichen Stewardess begrüßt wurde, fühlte ich mich – 9548 Kilometer von zuhause entfernt – daheim, in der Heimat.

Was ist das, Heimat? Als Kind sagte mir der Begriff nichts. Als Jugendlicher wollte ich so schnell wie möglich die Heimat verlassen und die Welt bereisen. Aber als ich schließlich in der fernen Fremde nach uralten Geheimnissen suchte, spürte ich die Sehnsucht nach der Heimat. Meine Heimat ist das Frankenland. Michelau in Oberfranken, da bin ich geboren. Das ist und bleibt meine Heimat, auch wenn ich schon seit Jahrzehnten im preußischen Exil lebe.

Foto 2: Staffelberg, historische Ansichtskarte

Befremdet stelle ich fest, dass der Begriff »Heimat« in zunehmendem Maße verpönt wird. Der Duden führt »verpönt« auf der »Liste der rechtschreiblich schwierigen Wörter«. »Heimat« gilt in zunehmendem Maße als bestenfalls reaktionär. Aber braucht nicht jeder Mensch »Heimat«? Es ist eine Art Schizophrenie, die zu bedauernd und zu bemitleiden, die in der Ferne die Heimat verlassen müssen, und sich gleichzeitig geradezu zu schämen, die eigene Heimat als Heimat zu bezeichnen.

Was wissen wir über unsere Heimat? Kennen wir ihre Geheimnisse, ihre Mysterien? An der Pazifikküste Perus erzählten mir eines Abends peruanische Freunde vom mysteriösen Riesenfisch im »La Raya«-Berg. Ich revanchierte mich mit der Sage vom Riesenfisch im Staffelberg. Und ich erzählte, wie ich in meiner Jugend gemeinsam mit meinem Vater (1) den Staffelberg erkundet habe. Wir suchten und fanden immer wieder Reste einer komplexen Wallanlage, die vor rund 2200 Jahren von den Kelten angelegt worden ist. Auf dem Hochplateau hatten die Kelten einst eine wehrhafte Festung angelegt.

Foto 3: Staffelberg, historische Ansichtskarte  von 1926

Heimatforscher Konrad Radunz über den Staffelberg (2): »Seine überragendste Bedeutung erhält der Berg aber wohl durch die Tatsache, daß er über Jahrtausende hinweg von Menschen besiedelt war und in verschiedenen Epochen der Vorzeit auch befestigt war.« Weiter schreibt Radunz (3): »Während der Besucher des Berges heute von seiner landschaftlichen Schönheit angezogen wird, war es früher das Sicherheitsbedürfnis des Menschen, das ihn vor Zeiten veranlasste, die Hochfläche des Berges aufzusuchen.«


Foto 4: Frater Heinrich vor Klause und Kapelle. Historische Ansichtskarte

Die ältesten Funde, die man auf dem Plateau des Staffelbergs machte, sind rund 12000 Jahre alt! Besiedelt wurde der Tafelberg in der Jungsteinzeit, also von etwa 5500 bis 3800 Jahren. Zu einer regelrechten Festung bauten die Kelten den Staffelberg aus. Wie imposant die Verteidigungsanlage um das Plateau einst war lassen die Spuren einer einst 4,50 dicken Mauer erahnen. Freilich gehen die Ursprünge dieses Befestigungssystems in weit ältere Zeiten zurück, nämlich (4) »bis in die ausgehende Steinzeit, ca. 1800 v.Chr.«

In den 1960er Jahren erkundete ich – mit meinem Vater Walter Langbein sen., aber auch allein – den Staffelberg. So manches Mal kletterte ich querfeldein bis zum Plateau empor und stieß immer wieder auf Spuren der alten Wälle. Freilich war der Staffelberg nicht nur, und das über einen Zeitraum von Jahrtausenden, von militärischer Bedeutung. Konrad Radunz weist auf »die religiöse Bedeutung des Staffelberges« hin (5):

»Während die ehemals überragende Bedeutung des Staffelbergs im Bereich der Besiedlung, Verteidigung und wahrscheinlich auch der Administration in vollkommene Vergessenheit geraten ist, lebt die religiöse Überlieferung im Volke unvermindert nach. Abgesehen von zahlreichen Sagen, die sich heute noch um den Berg ›ranken‹ und auf eine starke mythische Bedeutung der ehemaligen Siedlung schließen lassen, besitzt der Berg heute noch eine starke religiöse Ausstrahlungskraft.«

Foto 5: Adelgundiskappe und Klause. Historische Ansichtskarte

Heutige Besucher des Staffelbergs blicken vom Plateau hinab ins Maintal, das Viktor von Scheffel anno 1859 besungen hat: »Zum heil´gen Veit von Staffelstein komm` ich emporgestiegen und seh´ die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen. Vom Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel die breite, stromdurchglänzte Au – ich wollt´, mir wüchsen Flügel. Vallerie …« Die schlichte Kapelle findet kaum Beachtung, die einstige Klause lädt zu einem kleinen Imbiss und zu gutem fränkischen Bier ein.

Die »Adelgundiskapelle« freilich kann uns an vorchristliche, ja keltische Zeiten erinnern. Sigrid Radunz gibt in ihrer Broschüre »Der Staffelberg« eine interessante Legende wieder (6) : »Wie die Kapelle auf den Staffelberg kam«. Sie schreibt: »Man weiß nicht genau, wann die erste Kapelle auf dem Staffelberg errichtet wurde, doch man erzählt sich, daß die Stelle auf der dieses Gotteshaus heute steht, durch ein Wunder bestimmt wurde. Ursprünglich wollte man nämlich die Kirche auf dem Alten Staffelberg bauen. Jede Nacht aber trugen Engel die Bausteine und alles Material, das auf dem Bauplatz lag, auf den Staffelberg. Selbst als die Wände schon ein Stück emporgemauert waren, fand man am nächsten Tag dieses Mauerwerk auf dem Plateau des Staffelberges. Schließlich entschloß man sich, der Kapelle den Platz zu geben, den der Himmel für sie ausersehen hatte.« Die Frage, die sich uns stellt: Warum hatte »der Himmel« nachhaltiges Interesse daran, dass die Adelgundiskapelle just dort errichtet wurde, wo sie heute steht?

Foto 6: Blick auf den Staffelberg.
Ein Rabe, so heißt es in einer anderen Legende (7) griff beim Bau der Adelgundiskapelle ein: »Als besondere Schwierigkeit beim Bau der Kapelle erwies sich, daß man Baumaterialien wie Sand und Wasser erst vom Tal auf den Berg transportieren mußte. Da fiel einem Maurer auf, daß häufig ein Rabe zur Baustelle kam, der aus seinem Schnabel Sand rieseln ließ. Der neugierige Arbeiter folgte unbemerkt dem Vogel und beobachtete, daß dieser in das Querkelesloch flog. Als der Mann nachforschte, fand er am Boden der Höhle Dolomitensand.«

Einst wurde auf dem Staffelberg die Statue der »Heiligen Adelgundis« verehrt. Auf ihrem Haupt saß ein Rabe. Nach christlicher Interpretation stellte der Vogel freilich den Heiligen Geist dar, auch wenn er weniger einer Taube als einem Raben ähnelt. Ein Kelte freilich würde die Statue auf seine Weise interpretieren. Für ihn wäre die Heilige Adelgundis mit dem Vogel eine keltische Göttin, etwa Badb, Morrigan, Macha oder Nemain.

Der Name der Göttin Badb lässt sich mit »Kampfesmut« übersetzen, Adelgundis bedeutet »edle Kämpferin«. Sollte es sich also bei Adelgundis um die keltische Göttin Badb in christlichem Gewand handeln? Bleiben wir am Ball, besser gesagt an der Göttin. Die keltische Göttin Morrigan – Attribut Rabe – erscheint als weibliche Trinität, als Fruchtbarkeitsgöttin Anu, als Muttergöttin Badb und als Todesgöttin Macha, kurz als heidnische Dreifaltigkeit! In keltischen Gebieten des »Imperium Romanum« gab es den Typus der Muttergottheiten, Matronen genannt. Häufig traten die himmlischen Damen als Trinität auf (Foto 7, weiter unten!).

Die keltische Göttin Macha, Attribut Rabe, spielt eine wichtige Rolle in der Mythologie Irlands. Ihr Name geht auf die indogermanische Wurzel »magh« zurück, zu Deutsch »kämpfen«. Ist also Adelgundis, zu Deutsch »edle Kämpferin«, die christliche Version der keltischen Göttin Macha? Da verwundert es mich nicht, dass auch Nemain, Attribut, eine Göttin des Kampfes war! Ist es ein Zufall, dass der Adelgundis, der »edlen Kämpferin« ein rabenartiger Vogel beigestellt wird, so wie den keltischen Göttinnen Badb, Morrigan, Macha und Nemain?

»Das Namensfest der hl. Adelgundis liegt in verdächtiger Nähe zum 1. Februar, dem Geburtstag der heiligen Brigitte von Irland, die damit das keltische Fest Imbolc, den Frühlingsanfang, christianisierte. Interessanterweise befindet sich die heilige Brigida unter den 16 Nothelfern, die in der Kapelle mitverehrt werden.«, lesen wir bei Paul und Sylvia Botheroyd (8).

Der Rabe ist offensichtlich sehr wichtig in der keltischen Welt der Göttinnen und Götter (9): Der germanische Gott Odin (Wotan), Gott der Weisheit und der Schlachten, konnte sich gelegentlich in einen Raben verwandeln. Außerdem führte er immer »Munin« und »Kunin« mit sich, zwei Raben, die er jeden Tag ausschickte um zu erfahren, was in der Welt Wichtiges geschah. Odin war der höchste Gott der Germanen und deshalb waren ihnen die Raben heilig. Sie verehrten sie als Göttervögel.

Foto 7: Keltische Matronen-Göttinnen.

»Heimat, deine Kelten«… Besinnen wir uns unserer kulturellen Wurzeln. Was wissen wir über unsere Heimat? Erkunden wir unsere Heimat! Gibt es auch bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Spuren der Kelten? Gibt es auch bei Ihnen in Kapellen und Kirchen Hinweise auf »Heilige«, die als keltische Göttinnen in christlichem Gewand identifiziert werden können? Es lohnt sich zu recherchieren, zum Beispiel in altehrwürdigen Gotteshäusern, aber auch in Museen und Bibliotheken. Sagen aus alten Zeiten enthalten oft verschlüsselte Hinweise auf eine Vergangenheit, die vielleicht schon bald verdrängt und vergessen sein wird!

Fußnoten
1) Walter Langbein sen. (1924-2005)
2) Radunz, Konrad: »Der Staffelberg, eine antike Befestigung am Obermain«, »Heimatbeilage zum Amtlichen Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken«, Bayreuth im Juli 1971, Nr. 36, Titelseite, Zeilen 11 – 13 von unten
3) ebenda, Seite 2, Zeilen 1-3 von unten und Seite 3, 3. Zeile von unten
4) ebenda, Zeile 10 von unten
5) ebenda, Seite 23, Zeilen 1-7 von unten
6) Radunz, Sigrid: »Der Staffelberg«, Lichtenfels 1983, Seite 19 unten und S. 20 oben
7) ebenda, S. 20: »Der hilfreiche Rabe«
8) Botheroyd, Paul und Sylvia: »Deutschland/ Auf den Spuren der Kelten«, München 1989, Kapitel Staffelstein, S. 193-196, Zitat S. 194
9) »Planet Wissen«/ Harald Brenner, ARD, http://www.planet-wissen.de,  Stand 23.10.2014


Zu den Fotos
Foto 1: Geoglyphen in der Atacamawüste, Chile. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Staffelberg, historische Ansichtskarte. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Staffelberg, historische Ansichtskarte  von 1926. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Frater Heinrich vor Klause und Kapelle. Historische Ansichtskarte, Archiv Walter-Jörg Langbein

Foto 5: Adelgundiskappe und Klause. Historische Ansichtskarte , Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Blick auf den Staffelberg. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Keltische Matronen-Göttinnen. Foto wiki commons/ Mediatus


Walter-Jörg Langbein
397 »Von einem, der auszog, um Pfarrer zu werden«,
Teil  397 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 27.8.2017


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Sonntag, 18. November 2012

148 »Salar de Atacama«

Teil 148 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Bilderbücher im Wüstensand
Foto W-J.Langbein
So trocken wie die Wüste von Atacama, so langweilig war auch der Erdkundeunterricht: Öde Zahlen wurden vom desinteressierten Pädagogen heruntergeleiert. Dabei gehört das staubtrockene Land zu den exotischsten Reisezielen unseres Planeten! Damals, im Schulfach Geographie wäre ich vor Langeweile fast eingeschlafen. Ich hätte nie und nimmer geglaubt, dass ich diese surreale Landschaft einmal leibhaftig erleben würde!

Mich haben die teilweise riesengroßen Scharrzeichnungen in die Gefilde von San Pedro de Atacama gelockt. Von hier aus unternahm ich immer wieder Ausflüge zu den geheimnisvollen Bilderbüchern. Sie wurden vor vielen Jahrhunderten in den Wüstenboden gescharrt ... oder mosaikartig aus Steinbrocken in den Wüstenstaub gelegt. Wer sollte die Bilder sehen, die man oft am besten aus der Luft erkennt, wie den mysteriösen Riesen der Atacama-Wüste?

Immer wieder entdeckte ich eine Kombination von Steinhaufen, die miteinander durch Linien verbunden waren. Oft führte so eine Linie von Steinanhäufung zu Steinanhäufung direkt zu Berggipfeln. Verwiesen diese Wegweiser vor vielen Jahrhunderten auf besonders heilige Ziele, zu denen die Menschen durch die Wüste pilgerten? Legten die Verehrer längst vergessener Göttinnen und Götter die Scharrzeichnungen an, in der Hoffnung, die Himmlischen würden sie wie ein Buch lesen können?

Wegweiser durch die
Wüste - Foto:
W-J.Langbein
Viele Jahrhunderte lang konnte der Zahn der Zeit den uralten Bildnissen nichts anhaben. Heute trampeln neugierige Touristen auf den mysteriösen Wüstenzeichnungen herum, bedrohen die Existenz bis heute unverstandener Botschaften. Werden sie zerstört werden, bevor wir sie verstehen? In Chile hörte ich wiederholt die folgende Erklärung:

»Die weithin sichtbaren Linien führten einst die Wüstenbewohner zu Wasserquellen hin. Die Menschen mussten oft riesige Strecken zu Fuß zurücklegen, um an sauberes Trinkwasser zu kommen. Markierungen wiesen den Menschen den Weg. Am »Straßenrand« hinterließen sie Zeichnungen und Symbole. Mag sein, dass bestimmte Wege von bestimmten Stämmen als Eigentum angesehen wurden, die mit der Bilderschrift ihre Ansprüche verewigten. Mag sein, dass den nachfolgenden Wassersuchern wichtige Hinweise vermittelt wurden, etwa, dass da eine Quelle versiegt sei und dass dort eine andere Quelle wieder Wasser führe.« Beweise für diese These gibt es keine. Mir ist keine einzige Peillinie begegnet, die tatsächlich zu einem Brunnen oder zu einer Quelle führte ...

10.000 vor Christus sollen die ersten Menschen in die bizarre Wüstenregion gekommen sein. Regen gibt es in der Trockenzeit so gut wie keinen. Einzig nennenswerter, sichtbarer Hauptlieferant von Süßwasser ist der Fluss San Pedro. Es soll aber eine ganze Reihe von unterirdischen Zuflüssen geben.

Todeszone Wüste
Foto W-J.Langbein
In rund 2300 Metern Höhe erstreckt sich im Süden von San Pedro de Atacama die Salzwüste »Salar de Atacama« (auch »Solar de Atacama«). 3000 Quadratkilometer groß ist sie ... 3000 Quadratkilometer Planet Erde, die so fremdartig wirken, dass man sich auf einen fernen Planeten versetzt fühlt.

Nur mit kundigem Führer sollte man sich in die Wüste wagen ... und sich auf die Sonne vorbereiten und Sonnencreme mit höchstem Schutzfaktor rechtzeitig dick auftragen! Temperaturen von 50 Grad sind keine Seltenheit. Bei solcher Höllenhitze muss ausreichend getrunken werden. Richtwert: 1 Liter pro Stunde ... wenn man gemächlich schlendert. Schwer arbeitende Einheimische trinken täglich bis zu fünfzehn Liter Wasser!

Sollte man an einem kleinen Lokal vorbeikommen ... in irgendeinem Dörfchen ... dann ist es sehr riskant, Wasser mit Eiswürfeln zu konsumieren. Mag das eigentliche Trinkwasser im Glas noch so sauber sein, die Eiswürfel können aus für den Besucher ungenießbarem Wasser bestehen ... und zu horrendem Durchfall führen. Dieses Leiden kann einen Aufenthalt in der Wüste zur tödlichen Gefahr machen: Dem Körper wird viel zu schnell zu viel Wasser entzogen! Hitzschlag droht!

Wunderwelt Solar de Atacama
Foto: W-J.Langbein
Sportive Radler dürfen nicht einem folgenschweren Irrtum erliegen: Man könnte meinen, der Hitze des Tages in der Nacht entfliehen zu können. Die dann jedoch auftretenden eisigen Temperaturen machen aber das Radfahren nicht zu einem gemütlichen Sonntagsausflug!

Taxis bugsieren den interessierten Touristen zu erschwinglichen Preisen sicher an die interessantesten Plätze. Busse verkehren auch, aber oft gelangt man mit dem öffentlichen Verkehrsmittel nicht direkt ans gewünschte Ziel. Man muss dann oft noch erhebliche Strecken zu Fuß zurücklegen. Nicht unproblematisch ist das Fahrrad als Vehikel. Selbst sportliche Menschen mit guter Kondition können in der Atacama Wüste rasch an die Grenze ihrer Belastbarkeit kommen ... und setzen dann ihre Gesundheit aufs Spiel!

3000 Quadratkilometer groß ist Salar (auch Solar) de Atacama ... die vielleicht weltgrößte natürliche Produktionsanlage von Salz. In der Salar de Atacama sammelt sich stark mineralisches Wasser und verdunstet in der Sonnenglut. So lagert sich an der Oberfläche eine stetig wachsende Salzschicht ab, meist stark mit Lehmanteilen durchsetzt. Streckenweise glänzt das Salz geradezu blendend hell. Häufiger aber hat die Salzkruste gräulich-bräunliche Farbe.

Einsamer Wanderer im Federkleid
Foto: W-J.Langbein
Trinkwasser ist hier absolute Mangelware ... und wird doch aus Profitgier vergeudet. Schlummern doch im Wüstenboden wahre Schätze von unermesslichem Wert, die für die großen Industrienationen unseres Planeten immer kostbarer werden. Es geht großen Konzernen vor allem um Lithium. Fast die Hälfte der Lithiumbatterie unseres Planeten werden in der Atapuerca-Region vermutet. Gewaltige Wassermengen werden an die Erdoberfläche gepumpt und in flachen Becken zum Verdunsten gebracht. Kaliumchlorid und Kaliumsulfat lagern sich ab. Lithium bleibt noch im Wasser gelöst, wird in weiteren Schritten gewonnen. Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt und sinkt. Wie schnell der Mensch das Ökosystem Atacama-Wüste zerstört, das ist nicht abzusehen.
Der Sonnenhölle der Atacama-Wüste geht in Soalar de Atacama über ... in eine noch bizarrere Welt, eingebettet in eine wahrhaft fremdartige Kulisse. Die Salzwüste gebiert dieses Ambiente ständig neu ... Wasser steigt auf, verdunstet ... überzieht die Landschaft mit harter Salzkruste. An manchen Stellen durchbricht das unterirdisch Brodelnde der Salz-Lehm-Panzer. Die salzig-schmutzige Lauge quillt glucksend ans Tageslicht. Es entstehen Wasserbecken, die den Flamingos Lebensraum bieten. Die Luft flimmert flirrend über über der Salzbrühe. Man möchte an eine Fatamorgana glauben. Da die Luft extrem trocken ist, reicht der Blick sehr weit. Im Hintergrund erkennt man schneegekrönte Vulkane.



Die Vulkane Licancabur – fast 6 000 Meter hoch – und Vulkan Parinacota – 6300Meter hoch – sind atemberaubend schön ... und majestätisch. Sie waren von religiöser Bedeutung ... und sind es für die einheimische Bevölkerung auch heute noch. Noch heute pilgern sie zu den Riesen, die Himmel und Erde miteinander verbinden. Was für christlich geprägte Menschen einst der »Turm zu Babel« war, waren für Einheimische die riesigen Bergkegel der Vulkane. Von der Erde ausgespiene Türme, die Menschen der Welt der Göttinnen und Götter näherbringen können.

Keine Fatamorgana - Flamingos
in der scheinbaren Höhle
Foto: W-J.Langbein
Und durch die salzige Kruste watscheln und schreiten ... Flamingos. Sie filtern mit ihren Schnäbeln winzige Organismen aus dem Wasser. Die Flamingos sind sehr anpassungsfähig. Man trifft sie im Umfeld der Atacama-Wüste in Höhen von bis zu 4.000 Metern an!

Wüstenlandschaft mit fast steinharter Salzkruste ... Vulkane, die bis weit in den Himmel reichen ... in verschiedensten Farben schillernde Salzbrühe, die einen riesigen flachen »See« bildet ... durch den gemächlich-majestätisch Flamingos schreiten, meist mit gesenktem Kopf, Schnabel im Wasser ... Was für eine Szenerie! Sie könnte von einem Hollywoodgenie virtuell am Computer erschaffen worden sein, als Kulisse für einen fantastischen Science-Fiction-Film. Kein Kinofan würde sich über das Auftauchen von Sauriern oder Monstern aus dem All wundern. Oder sieht so die Erde nach der Apokalypse aus? Oder befinden wir uns in der Hölle, wo die Seelen der Sünder umherirren?

Mancher Kinobesucher würde vielleicht monieren, so eine Welt könne es doch in der Realität nicht geben! Das beschrieben Szenario liegt aber nicht auf einem fernen Planeten in den Weiten des Universums ... sondern auf unserem Heimatplaneten Erde, in Chile, an der Grenze zu Bolivien.

Der Grundwasserspiegel sinkt ...
Foto W-J.Langbein
Mit Grausen denke ich an den langweiligen Geographieunterricht vor rund einem halben Jahrhundert. Es war schon wieder fast eine meisterhafte Leistung, uns Schulkindern die faszinierende Welt der Atacama-Wüste mit ihren Bilderbüchern am Boden, den Vulkanen und Flamingos in salzigem Wasserspiegel in so drögem Ton und so langweilig-farblos zu schildern. Ich bin überglücklich, trotz der abschreckenden Schulstunden jene fernen Regionen aufgesucht zu haben!

Und ich bin traurig, weil der Geographieunterricht so spannend hätte sein können wie die Wirklichkeit ...

Buchtipp:

Hermann, Helmut: Traumstrassen - Träume. Romantik und Realität der Panamerikana, Markgröningen 1985

»Laguna Lejia«,
Teil 149 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 25.11.2012


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Mittwoch, 10. Februar 2010

»Dříve, než přišla potopa« ... »Bevor die Sintflut kam«

Walter-Jörg Langbein

300.000 Kilometer legte ich in Flugzeugen zurück, um die großen Geheimnisse unseres Planeten zu erkunden: vor Ort und nicht in gelehrten Bibliotheken. Von Ägypten bis zur Osterinsel war ich unterwegs und sammelte Material für meine Bücher. Ich kletterte auf »heilige Berge« und kroch in Kulthöhlen und unterirdische Tunnelanlagen aus uralten Zeiten. Wie gefährlich meine Expeditionen oft waren, das wurde mir nicht selten erst hinterher bewusst: zum Beispiel mein nächtlicher Ausflug mit Grabräubern in Chile. In »ein Buch lesen« habe ich zum ersten Mal alle Einzelheiten meines Abenteuers, das mich in ein Jahrtausende altes Grab führte. Meine Notizen, die ich vor Ort gemacht hatte, frischten meine Erinnerungen wieder auf.

1996 erschien mein Buch »Bevor die Sintflut kam« (im Verlag Langen Müller). Bald darauf gab es auch eine tschechische Übersetzung, in zwei Bänden... leider ohne Bildteil. Schließlich wurde mein Buch ein zweites Mal ins Tschechische übersetzt... und erschien als Hardcoverausgabe, komplett mit allen Fotos in einem Band, unter dem Titel »Dříve, než přišla potopa« im Verlag Svoboda.

Ich arbeitete gerade am 5. Teil meiner Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« – »Die Tempel von Mahabalipuram (Indien)« – als mir dieser Tage der Briefträger ein Belegexemplar der neuen tschechischen Ausgabe mit einem netten Begleitschreiben meiner Agentur aushändigte. Zu meiner Freude erfuhr ich, dass auch mein Buch »2012« ins Tschechische übersetzt wird.

Meine Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« wird fortgesetzt. Ich werde weiter von meinen Reisen berichten, die mich seit mehr als 40 Jahren um den Globus führen, stets zu den rätselhaftesten Orten unserer Erde.

Am 14.02.2010 erscheint: »Die Tempel von Mahabalipuram (Indien)«

Sonntag, 7. Februar 2010

4 »Mit Grabräubern unterwegs«

Teil 4 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Als ob der Schädel lachen würde...

Unterwegs in Chile... Die aschfahle Scheibe des mitternächtlichen Vollmonds steht tief über der fahlen Wüstenlandschaft . Der pechschwarze Himmel lässt unzählige Sterne heller erscheinen als sonst wo auf der Welt. Kein Baum ist zu sehen, kein Strauch unterbricht die Monotonie. Mit etwas Phantasie kann man sich auf den Mond versetzt fühlen.

Der weißgelbliche Staub macht mir das Gehen schwer. Die kalte Luft beißt in den Lungen. Längst habe ich die Orientierung verloren. Liegt die Straße jetzt rechts von mir? Oder hinter mir? Immer wieder stolpere ich über scharfkantige Felsbrocken. Ein-, zweimal stürze ich in den festgebackenen Wüstensand.... irgendwo im Niemandsland zwischen Iquique und Patillos.

Die Strahlenfinger unserer Taschenlampen tasten sich durch die Dunkelheit. Sie springen umher. Sie tasten sich ruckartig durch die Schwärze der Nacht. Von irgendwo ertönt so etwas wie ein anhaltendes grelles Hupen. Oder ist es eine Polizeisirene? Wir schalten wie auf Kommando unsere Taschenlampen gleichzeitig aus. Pedro lacht. »Wenn man dich hier erwischt, dann wirst du sicher nach einigen Wochen oder Monaten abgeschoben.« hatte mir vor einigen Stunden Pedro im Auto erklärt. »Aber bis es so weit ist, sitzt du in Untersuchungshaft. Und unsere Gefängnisse hier sind wirklich keine Hotels!« Ich habe erst gar nicht versucht, mir ein Bild von den Zuständen in den örtlichen Haftanstalten zu machen. »Die meisten Polizisten gehen mit Grabräubern eher nachsichtig um. Weil die meisten von ihnen den einen oder den anderen Verwandten haben, der auf diese illegale Weise sein Geld verdient. Und manche Polizisten sind selbst im Gewerbe. Aber auf Gringos, die unsere Erde durchwühlen, reagieren sie oft allergisch.«

Pedro, der Anführer, bleibt plötzlich unvermutet stehen. In Spanisch raunt er seinen vier Gehilfen Befehle zu. Pedro bückt sich sucht nach einem Zeichen. Er findet es. Ein »Späher« hat es am Tag in einen Stein geritzt. Hier müsste etwas zu finden sein, glaubt man dem Späher. Der arbeitet nur am Tag, wird prozentual an den Dollars beteiligt, die Funde bei reichen Sammlern einbringen.

2-4
Wortlos fangen sie an zu arbeiten. Die Routine von professionellen Grabräubern ist ihnen anzumerken. Stählerne Pickel fressen sich verbissen durch im Laufe von Jahrtausenden von der gnadenlosen Sonne zu einem zementharten Panzer verbackenen Wüstenboden. Die Kruste knirscht, bricht, platzt auf. Schnell ist sie aufgebrochen. Die Pickel werden zur Seite gelegt. Ruhig greifen die Männer zu Schaufeln. So bedächtig und gleichmäßig sie arbeiten, so schnell kommen sie doch voran.

Ich setze mich ein wenig abseits des Geschehens auf einen größeren Felsbrocken. Langsam fange ich an zu frieren. Wenn ich doch fotografieren dürfte. Das würde mich ablenken. Aber »no fotos!« hat es geheißen. An das mit strenger Stimme immer wieder vorgebrachte Verbot halte ich mich natürlich. Mir ist kalt. Und ich muss zugeben: Angst habe ich auch. Gesetzt den Fall, die Herren Grabräuber würden mir mit einem ihrer Werkzeuge den Schädel einschlagen und meinen Leichnam irgendwo verscharren? Wer weiß, ob man meine Gebeine je finden würde?

Pedro gesellt sich zu mir. In erstaunlich gutem Deutsch erzählt er mir, dass er als Hausdiener bei einer reichen Familie in Santiago arbeitet. »Bei den Herrschaften habe ich die Sprache der Germans erlernt!« Er setzt sich neben mich, bietet mir einen Schluck Pisco aus einem metallenen Flachmann an. Das hochprozentige Getränk wärmt und vertreibt die Angst. Es scheint sich aber auch schmerzhaft durch die Magenwände fressen zu wollen. Ich atme die kalte Luft hastig ein. Der brennende Schmerz lässt nach. Die Kälte kehrt zurück. Die Angst schwindet.

Etwa gegen zwei Uhr morgens macht sich Aufregung bei den Grabräubern bemerkbar. Nervös, mit fahrigen Händen, zündet sich Pedro eine Zigarette an. »Hörst du, der Klang der Schaufeln. Er hat sich geändert! Meine Freunde werden gleich auf einen Hohlraum stoßen! Das höre ich ganz deutlich!« Ob sich Pedro nur wichtig machen möchte?

Tatsächlich bricht nach einigen Minuten verhaltener Jubel aus. Pedro und ich nähern uns hastig dem Loch. Schwarze Leere lässt fast ein wenig schaudern. Mir ist, als stünde ich vor einem gefährlichen Schlund. Wie tief mag er sein? Zwei Meter? Oder sind es drei? Die Männer können in der kurzen Zeit nicht so viel gegraben haben. Sie sind offenbar auf einen unterirdischen Hohlraum nah an der Oberfläche der Wüste gestoßen. »So etwas erkennt unser Späher an der Verfärbung im Sand!« erklärt mir später Pedro.

Pedro ist im Moment nicht nach sprechen zumute. Auch wenn er es zu verbergen versucht: Er ist vom Fieber des Grabräubers befallen... von der Hoffnung auf kostbare Grabbeigaben. Pedro klettert an einer Strickleiter in das schmale Loch. Eine Taschenlampe leuchtet auf. Das Szenario ist mehr als gespenstisch. Pedro lädt mich ein. Ich soll, darf ihm zu folgen. Wenige Augenblicke später beuge ich mich über eine bleiche Mumie.

Foto 5: Uralte Stoffe, von der Wüste konserviert.

Das Gesicht des Toten erinnert an einen Horrorfilm unserer Tage. Es ist hinter einer schwarzen Maske verborgen. Der Mund ist zu einem Schmerzensschrei geöffnet. »Damit die Seele wieder in ihre alte Behausung zurückkehren kann!« erklärt mir Pedro. »Wir berauben die Gräber! Aber wir haben den Respekt vor den Toten nicht verloren!« Er zischt fast etwas gehässig: »Ob die gelehrten Archäologen auch so respektvoll sind?« Er schüttelt energisch den Kopf. »Wir belassen die Toten in den Gräbern! Die Archäologen holen sie heraus und stecken sie in Museumsvitrinen... wo sie von Neugierigen begafft werden!«

Pedro deutet auf die lederartigen Hände des Leichnams. Sie sind offensichtlich mit einem sehr scharfen Instrument glatt abgeschnitten worden. Dann hat man sie mit einfachen Schnüren wieder an den Armstümpfen befestigt. Pedro zieht bedächtig den wirklich sehr gut erhaltenen Stoff zur Seite. Der Körper des Toten kommt zum Vorschein. Sein Leib wirkt fremdartig, ja irgendwie unnatürlich. Pedro erklärt leise: »Es gab vor vielen Jahrtausenden einen einheitlichen Bestattungsritus. Bevor die Körper der Verstorbenen der Erde übergeben wurden, verfuhr man mit ihnen nach genau vorgeschriebenen Zeremonien!
´
Man hat zunächst das Gehirn entfernt. Es wurde durch ein Gemisch aus Asche und Stroh ersetzt. Sämtliche Innereien wurden dem Leib genommen. Damit der Körper seine natürliche Form behielt, wurde er wieder gefüllt: mit einem Brei aus Gras, Asche und Fischleim. Manchmal mengte man auch Tierblut bei!« Geheimnisvoll, ja erschreckend wirkt das Gesicht des Toten. Man hat dem Leichnam eine schwarze Maske aufgesetzt und mit einer klebrigen Masse bestrichen. Der Tote hat den Mund wie zu einem Schmerzensschrei aufgerissen. Der Weg nach oben über die Strickleiter fällt mir schwerer. Pedro und seine Gehilfen sind etwas enttäuscht. Wieder gab es nicht den ersehnten Goldschatz, und doch sind sie mehr als zufrieden. Der Tote war mit mehreren kunstvoll gestalteten Tongefässen bestattet worden. Besonders erfreut sind die Männer über einige kleinen Tonfiguren.

Foto 6: Hier war vor kurzem gegraben worden....

»Das sind die Diener, die dem Verstorbenen im Jenseits zur Hand gehen sollen!«, erfahre ich. Sorgsam werden die archäologischen Kostbarkeiten in Säcken verstaut. Kein Wissenschaftler wird sie je zu sehen bekommen. Sie werden in privaten Sammlungen reicher Nordamerikaner oder Europäer verschwinden. »Dieser Fund bringt jedem von uns mehr Dollars ein als wir in einem ganzen Monat mit anderer Arbeit verdienen können! Und die Gringos wollen nun einmal archäologische Schätze besitzen! Wenn wir sie nicht beliefern, dann tun es andere!«

Bevor das so schnell ausgehobene Loch wieder geschlossen wird, steigt Pedro noch ein letztes Mal die Strickleiter hinab. Was hat er vor? Warum hat er ein Beil mit hinab genommen? Ein Krachen und Splittern ist zu vernehmen. Das Geräusch geht durch Mark und Bein. Pedro erklärt mir auf dem Rückweg: »Wir berauben die Toten! Wir ziehen uns ihren Zorn zu! Wir fürchten ihre Rache! Dabei gehen wir doch respektvoll mit ihnen um. Bevor wir ihnen die Knochen zerschlagen, entschuldigen wir uns bei den Toten!«

Foto 7: Trostlose Wüstenei...

Ob denn Gefahr von totem Gebein ausgeht, will ich wissen. Pedro bleibt kurz stehen. Herablassend lächelt er mich an. Er murmelt etwas von »ahnungslosen Gringos!« Im Weitergehen doziert er: »Es ist zu befürchten, dass der Geist eines Toten in seinen Körper zurückkehrt. Als Zombie kann er dann in die Welt der Lebenden zurückkommen und sich den Menschen rächen, die ihn bestohlen haben!« Ich möchte wissen, ob Pedro jetzt vielleicht Angst hat. »Nein!« antwortet er etwas barsch. »Dieser Tote wird nicht mehr aus seinem Grab herauskriechen! Ich habe ihm die Beinknochen zerschlagen. Und das Rückgrat!« Sehr respektvoll ist dieser Umgang mit Toten aber nicht, denke ich. Meine Überlegungen behalte ich aber für mich. Ich will nicht richten über die Grabräuber. Schließlich war ich mit ihnen unterwegs, also auch an der Störung der Totenruhe beteiligt.

Von Albträumen der übelsten Art in den folgenden Nächten, in denen Zombies eine nicht unerhebliche Rolle spielen, will ich lieber schweigen!

Foto 8: Uraltes Mauerwerk in der Wüste.


Zu den Fotos:
Foto 1: Als ob der Totenschädel lachen würde... Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 2-4: Überall liegen Schädel... Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Uralte Stoffe, von der Wüste konserviert. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Hier war vor kurzem gegraben worden.... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Trostlose Wüstenei... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Uraltes Mauerwerk in der Wüste. Foto Walter-Jörg Langbein

»Die Tempel von Mahabalipuram (Indien)«,
Teil 5 der Serie 
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 14. Februar 2010


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©Fotos: Walter-Jörg Langbein. Alle Rechte vorbehalten.

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