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Sonntag, 19. Februar 2017

370 »Familienidyll mit Monstern«

Teil  370 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein       
                


Foto 1: Unterwegs zur »Nikolauskapelle«.
Foto Walter-Jörg Langbein

»Landeskunde online« schreibt kurz und bündig in einer »digitalen Enzyklopädie des Kulturerbes« (1): »Die Nikolauskapelle im Untergeschoss des südlichen Hahnenturms gehört mit zum ältesten Baubestand des um 1200 begonnenen romanischen Münsterneubaus. Sie wurde im 14. Jahrhundert als Zugang zum neuen Chorumgang auch nach Osten hin aufgebrochen.«

Bevor das Münster zu Freiburg der Heiligen Mutter Gottes geweiht wurde, soll es unter dem Schutz des Heiligen Nikolaus gestanden haben. Diese These ist freilich umstritten und lässt sich nicht wirklich belegen. Sollte das Portal zur einstigen Nikolauskapelle auf einen längst vergessenen Kult hinweisen? Halten wir uns an die Fakten aus Stein, die rätselhaft genug sind!

Foto 2: Die mysteriöse »Familie«.
Mit Ingeborg Diekmann stehe ich vor dem Portal zur ehemaligen Nikolauskapelle. Links steht stolz eine Muttergottes mit dem Jesusknaben auf dem Arm. Die große Mondsichel könnte auch auf eine vorchristliche Mondgöttin hinweisen. Zu unserer Linken sehen wir auf niedrigem Säulenkapitell eine nur auf den ersten Blick idyllische Szene. Zwei Gestalten sind zu sehen. Eine davon hält ein Baby auf dem Arm, gibt dem kleinen Wicht die Brust. Die zweite Gestalt, vom Betrachter aus links, scheint die Hände zum Gebet zu heben. Sieht man näher hin, erkennt man ein weit profaneres Geschehen. Die linke Kreatur hält so etwas wie einen Fischschwanz noch oben. Und der gehört zum weiblichen Wesen mit dem Baby auf dem Arm. Wir treten näher und erkennen Monströses: Es ist ein Mischwesen mit dem Oberkörper einer menschlichen Frau und gleich zwei kräftigen Fischschwänzen als Unterleib. Die Mutter mit Baby an der Brust hat zwei Arme, zwei Beine.

Im großformatigen, opulent bebilderten Werk »Das Freiburger Münster« (2) lesen wir: »Linkerhand hat eine sogenannte Sirenenfamilie die beiden Eck-Kapitelle besetzt: fischschwänzige, nackte Kreaturen als sitzende Mutter mit Kind und eine dritte Figur, die eines der beiden Schwanzenden des Weibes emporhält.«

Biblisch ist diese Darstellung nicht, auch nicht im Entferntesten auch nur christlich angehaucht. Mich lässt diese mysteriöse Reliefarbeit im Freiburger Münster an Monstrositäten denken, die laut Historiker Eusebius von den Göttern geschaffen wurden:

Foto 3: Wesen mit Fischschwänzen...
»Menschen mit Schenkeln von Ziegen und Hörnern am Kopfe, noch andere, pferdefüßige, und andere von Pferdegestalt an der Hinterseite und Menschengestalt an der Vorderseite. Erzeugt hätten sie (die Götter) auch Stiere, menschenköpfige, und Hunde, vierleibige, deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückseits an den Hinterteilen hervorliefen, auch Pferde mit Hundeköpfen...sowie andere Ungeheuer, pferdeköpfige und menschenleibige und nach Art der Fische beschwänzte, dazu weiter auch allerlei drachenförmige Unwesen und Fische und Reptilien und Schlangen und eine Menge von Wunderwesen, mannigfaltig gearteten und untereinander verschieden geformten.«

Das Mutterwesen ist – wie bei Eusebius zu lesen –  »menschenleibig und nach Art der Fische beschwänzt«. Die Beschreibung des Eusebius trifft exakt auf das Relief im Freiburger Münster zu. Das Mutter-Wesen hat einen Menschenleib mit Armen und Beinen wie ein Mensch und es ist zusätzlich noch »nach Art der Fische beschwänzt«. Es ist also kein typisches Mischwesen, denn dann hätte es den Oberkörper eines Menschen und als Unterleib einen Fischschwanz, vergleichbar mit einer Nixe. Detlef Zinke mutmaßt (3), die Frau »reicht dem Kleinen die Brust, gleichsam als Parodie des dem Christentum vertrauten Madonnentypus der nährenden Mutter«.

Foto 4: Befremdliches »Monster-Idyll«

Eine »Parodie des dem Christentum vertrauten Madonnentypus« vermag ich freilich nicht zu erkennen. Warum sollte man auch in einem altehrwürdigen Gotteshaus vor rund einem Jahrtausend Jesu Mutter Maria parodiert haben, und das ausgerechnet im »Münster Unserer Lieben Frau«, das doch zu Ehren der Maria errichtet wurde? Die »nährende Mutter« Maria nannte man im Kirchenlatein »alma mater«. Die christliche »alma mater« freilich ist eine Kopie der heidnischen, der nährenden und segenspendenden Gottesmutter, die auch »magna mater«, also »Große Mutter« genannt wurde. Im christlichen Sprachgebrauch ist mit »alma mater« in der Regel die »Gottesmutter Maria« gemeint, im Römischen Reich war »alma mater« ein ehrender Beiname von Ceres, Tellus und Venus. Ceres war die römische Göttin der Fruchtbarkeit, auch des Ackerbaus. Auch wenn der Name »Tellus«  im Lateinischen männlich ist (4), so stand er doch für »terra mater«, für die mütterliche Erde. Ihr Pendant in Griechenland war »Gaia«. Und Venus – wie »Ceres« und »Tellus« trug auch sie den Beinamen »alma mater« - war die Göttin der Liebe (mit der Taube als Symboltier). Ceres, Tellus und Venus bilden ein feminines Dreiergespann, eine weibliche Trinität.

In Esther M. Hardings Werk »Frauen-Mysterien, einst und jetzt« (5) stieß ich auf eine mysteriöse Tradition. Demnach gebiert eine göttliche »Fisch-Mutter« den himmlischen »Sohn der Fischmutter«. Auch das Baby hat einen schuppigen Unterleib. Stellt also das rätselhafte Relief am Eingangstor zur einstigen Nikolauskapelle eine »Fisch-Mutter« und ihren »Sohn der Fischmutter« dar?

Foto 5: Melusine
Ich habe versucht, einer möglichst frühen »Fisch-Mutter« auf die Spur zu kommen. In der 4. Dynastie – also etwa 2620 bis 2500 v.Chr. – wurde »Hatmehit«, alias »Hat-Mehit«, verehrt, und zwar als eine Mischwesen aus Frau und Fisch. Geht also die aus heutiger Sicht monströse Fisch-Menschenfrau- oder Menschenfrau-Fisch-Gestalt auf ein göttliches Wesen zurück, das Jahrtausende vor Christi Geburt verehrt wurde? In der Heraldik ist die Melusine (Foto 5, rechts!) bekannt, angeblich ein mythologisches Wesen aus vorchristlichen Zeiten: weiblicher Oberkörper, zwei Fischschwänze als Unterleib. Meist hebt sie die Fischschwänze mit beiden Händen hoch.

Eine kuriose Parallele gibt es: Schon bei meinem ersten Besuch auf der Osterinsel anno 1992 zeigte man mir im Archiv des kleinen Museums einige Manuskripte. Die älteren stammten aus dem 19. Jahrhundert. Sorgsam ausgearbeitet waren angeblich exakte Kopien der bis heute nicht entzifferten Schriftzeichen (6) der Ur-Osterinsulaner. Immer wieder taucht ein seltsames Zeichen auf, das den wichtigen Gott Make Make darstellen soll: als Wesen mit halbwegs menschlichem Kopf und Oberkörper und dem Unterleib eines Fisches!

Fotos 6 und 7: Das Baby hält den Vogel

Zurück zu den Kapitellen am Eingang zur einstigen Nikolaus-Kapelle im Freiburger Münster. Links neben der Frau mit dem doppelten Fischschwanz und einem fischschwänzigen Baby an der Brust steht eine weitere Fisch-Mensch-Kreatur. Während die Mutter recht dominant wirkt, viel Platz einnimmt und auf einer Art Thron (?) zu sitzen scheint, steht die fischschwänzige Kreatur daneben, wie ein helfender Diener, der einen der Fischschwänze der Göttin (?) anhebt und hält. Detlef Zinke spekuliert vorsichtig (7): »So mag man, moralisierend, in ihnen (den Mischwesen) Personifikationen der Triebhaftigkeit und der Unzucht erblicken.« Mag ja sein, dass man dergleichen sieht, wenn man eine »Theologenbrille« trägt. Der unvoreingenommene Betrachter freilich vermag kein Anzeichen von personifizierter Triebhaftigkeit und Unzucht zu erkennen. Vielleicht bezeichnen wir die Kreaturen etwas voreilig als »Monster«, einfach weil sie auf uns sehr befremdlich wirken. Aber bei der dargestellten Familie der Fischschwanzträger geht es doch idyllisch-gesittet zu.


Fotos 8 und 9: Der Vogel – Symbol oder was?

Konzentrieren wir uns nun auf das Baby, das an der Brust der Dame mit Menschenleib und zwei Fischschwänzen liegt. Man übersieht leicht, dass das kleine Wesen mit einer Hand etwas festhält, nämlich einen Vogel. Der Vogel, vom fischschwänzigen Kind an den Beinen gepackt – was mag er darstellen? Christliche Interpreten vermuten, dass der Vogel für die Seele steht. Für welche Seele? Für die Seele des Babys? Hält das Baby die eigene Seele fest, weil es noch lange leben möchte?

Wir stehen vor einem kleinen, rätselhaften Relief, das wir nicht verstehen. Es ist, als würden wir ein Bild betrachten, zu dem es einst einen erklärenden Text gab, der freilich verschwunden ist. Verzichten wir darauf, uns eine »Erklärung« aus den Fingern zu saugen,  für ein »Familienidyll mit Monstern«!

Wenden wir uns den anderen Reliefs zu. Sie sind nicht weniger rätselhaft! Da gibt es zum Beispie den Kampf mit einem Fabelwesen! Fortsetzung folgt in einer Woche!

Foto 10: Kampf mit einem Fabelwesen

Fußnoten

1) http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/freiburg/muenster/nikolauskapelle1.htm (Stand 24.11.2016)
2) Freiburger Münsterbauverein (Hrsg.): »Das Freiburger Münster«, 2. Auflage, 
     Regensburg 2011, S. 188
3) ebenda
4) Im Lateinischen ist die Endung »us« männlich, wie in »dominus«, der Herr. Die 
     Endung »a« ist weiblich - »domina«, die Herrin, Endung »um« ist Neutrum.
5) Harding, M. Esther: »Frauen-Mysterien, einst und jetzt«, Zürich 1949. Die 
     deutschsprachige Ausgabe ist gelegentlich in Antiquariaten erhältlich. Die US-
     Ausgabe soll demnächst – noch 2017? – neu aufgelegt werden.
6) Umstritten ist die interessante Publikation von Egbert Richter-Ushanas, der
     behauptet, die Urschrift der »sprechenden Hölzer« der Osterinsel entziffert zu
     haben. Richter-Ushanas, Egbert: »Die Schrifttafeln der Osterinsel in der Lesung
     Metoros und Ure Vaeikos«, Bremen 2000
7) Freiburger Münsterbauverein (Hrsg.): »Das Freiburger Münster«, 2. Auflage, 
     Regensburg 2011, S. 188

Foto 11: Kämpfende Fabelwesen
Zu den Fotos
Foto 1: Unterwegs zur »Nikolauskapelle«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Die mysteriöse »Familie«. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Wesen mit Fischschwänzen... Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Befremdliches »Monster-Idyll«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Melusine. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 6 und 7: Das Baby hält den Vogel. Fotos Walter-Jörg Langbein
Fotos 8 und 9: Der Vogel – Symbol oder was? Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Kampf mit einem Fabelwesen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Kämpfende Fabelwesen. Foto Walter-Jörg Langbein

371 »Von Monstern und Götterwagen«,
Teil  371 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 26.02.2017



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Sonntag, 13. Juli 2014

234 »Alte Götter, neue Götter, tote Götter…«


Teil 234 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Der steinerne Koloss wendet dem Meer den Rücken zu und blickt ins Landesinnere. Warum? Warum starren die steinernen Kolosse – mit einer Ausnahme – nie aufs Meer hinaus? Sollten sie etwa Angst vor den Fluten gehabt haben? Galt ihre ganze Aufmerksamkeit der Besiedlung des Landes? Oder wollten sie demonstrieren, dass ihnen die Wassermassen herzlich gleichgültig waren? Wir wissen es nicht. Und die Osterinsulaner schweigen…

Der Riese schaut ins Land. Foto Ingeborg Diekmann

Die Besiedelung der Südsee vor Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden stellt eine gewaltige seefahrerische Leistung dar. Die winzigen Eilande in den schier unendlichen Weiten des Pazifik wirken verloren wie Sterne im gigantischen Universum. Mit berechtigter Bewunderung stellt Annie Francé-Harrar fest (1): »Es ist also sehr merkwürdig, daß man den alten Melanesiern und Polynesiern nicht mehr und nicht weniger zutraut, als die Eroberung des Stillen Ozeans, und das ist, an ihrer Zivilisation gemessen, eine unvergleichlich größerer Leistung, als alle europäischen Entdeckungsfahrten von Marco Polo bis Columbus zusammen.«

Das ist wohl wahr! Wenn man von einer europäischen Küste einfach gen Westen reist, kommt man zwangsläufig irgendwann an einer amerikanischen Küste an. Der amerikanische Kontinent ist nicht zu verfehlen. Wenn man aber von einem mikronesischen Eiland auf einem kleinen Floß in See sticht und sich gen Osten vorkämpft, dann grenzt es schon an ein Wunder, wenn die wagemutigen Seefahrer die winzige Osterinsel treffen. Man muss sich fragen, wie viele Expeditionen einst losgeschickt wurden und wie wenige wohl eine rettende Insel erreicht haben mögen! Wie viele dieser frühen Seefahrer mögen wohl in den Weiten des gar nicht immer so friedlichen, riesigen Pazifik umgekommen sein? So muss die Entdeckung und Besiedlung von Inseln im Pazifik von Polynesien aus als gewaltige Leistung angesehen werden.

Die »Entdeckung« der Südseeinseln durch »zivilisierte« Europäer war dank modernen Wissens um Navigation sehr viel einfacher, für die Bewohner der Eilande aber in der Regel eine Katastrophe. Die Vertreter der vermeintlich so viel höher stehenden modernen Zivilisationen gaben gern vor, dass den armen, unwissenden Heiden das segensreiche Christentum nahegebracht werden sollte. Annie Francé-Harrar konstatiert erschüttert (2): »Das alte Kolonialwort, daß dem Missionar der Händler, dem Händler der Soldat folgt, hat für die Südsee in weitestem Maße gegolten. Auflehnung gegen das oft ungeschickte und gewalttätige Vorgehen einzelner Missionsbrüder haben nicht selten das Eingreifen von Kriegsschiffen und den Tod vieler Farbigen (sic) nach sich gezogen. So geschah es zum Beispiel den Neukaldoniern, die 1862 aus Protest die Mission von Houagap belagerten (ohne freilich jemandem ein Leides zuzufügen) und denen aus ›Revanche‹ die Brigg ›Gazelle‹ dann alle Pflanzungen zerstörte, die Häuptlinge – auch jene, die sich ergaben – niederschoß, viele Kanaken ums Leben brachte und denen Land fortnahm, um es unter die europäischen Kolonisten zu verteilen.«

Osterinselidyll 19. Jahrhundert. Foto Archiv

In den vergangenen Jahrzehnten lernte ich auf meinen Reisen in Südamerika wie in der Südsee so manchen Missionar kennen. Speziell in Südamerika – zum Beispiel in Peru und Bolivien – setzen sich viele Geistliche für die Interessen der Ärmsten der Armen ein, was offenbar keineswegs bei den Vertretern der Amtskirchen nur auf Begeisterung stößt. In der Südsee – auf der Osterinsel, in Mikronesien und auf den Neuen Hebriden, zum Beispiel – überwog meiner Beobachtung nach die Verbreitung des christlichen Glaubens. Vordergründig betrachtet kann man derlei Bemühungen frommer Glaubensbrüder allenfalls belächeln, aber doch nicht negativ bewerten. Allerdings geht die Überzeugungsarbeit für das Christentum auf Kosten alter Glaubenswelten.

Es besteht die Gefahr, dass die »Heiden« ihre Wurzeln verlieren, der eigenen Kultur entfremdet werden. Dieser Prozess ist ein schleichender. Nicht selten wird der christliche Glaube im Gewand der einheimischen Kulte und Religionen angeboten. Im Bereich des mysteriösen »John-Frum-Kults« der Südsee etwa agieren christliche Missionare und deren Gehilfen recht effektiv. Sie bieten nicht etwa den Jesus des »Neuen Testaments« als Alternative zum verehrten »John Frum« an, sondern lassen als »John Frum« verkleidete Jesusse bei Zeremonien auftreten. So verschwinden die Unterschiede zwischen »John Frum« und »Jesus« und Anhänger von »John Frum« sind sehr viel geneigter, »Jesus Frum« anzunehmen.

Schon vor fast einem Jahrhundert monierte Annie Francé-Harrar arbeiten manche Missionare durchaus wissenschaftlich und publizieren interessante Werke über die Glaubenswelten alter Südseevölker. Aber, so Annie Francé-Harrar (3) »da sie wirklich und in allem ein Staat im Staate sind, der niemandem Rechenschaft gibt, so handeln sie nur nach ihren vorgeschriebenen Glaubensinteressen, die ihnen gebieten, das natürliche Eingeborenenleben von Grund auf zu ändern, die alten Künste und Gebräuche abzuschaffen, das Selbstbewußtsein des Farbigen zu brechen und ihm dem Dienst bei seinem ›weißen Bruder‹ geneigt zu machen.«

Alte, für die Südsee typische, religiös fundierte Kultur wurde zerstört. Das so entstandene Defizit wurde und wird aber durch neue Religionsformen oft nur vordergründig behoben. So entstand ein Mangel an Verbundenheit zu den eigenen Wurzeln. Auch erschienen die christlichen Missionare in der Südsee nicht immer als wirklich glaubwürdig, speziell dann nicht, wenn sich unterschiedliche christliche Gruppierungen – katholische, protestantische, amerikanische Sekten – untereinander bekämpften.

Bei meinem Besuch in Tahiti erfuhr ich, dass Ende des 19. Jahrhunderts nicht wenige, vormals hoch angesehene Einheimische nur den Suizid als Ausweg sahen. Die Missionsarbeit hat sich – polemisch ausgedrückt – als durchschlagender Erfolg erwiesen. Die alten Glaubenswelten waren gezielt ins Lächerliche gezogen, als Teufelswerk verurteilt und planmäßig zerstört worden. Die einst im alten Glauben tief verwurzelten »Heiden« standen vor dem Trümmerhaufen ihrer geistigen Welt. Sie waren zur Überzeugung gebracht worden, dass ihre alten Götter tot waren. Sie konnten aber die neuen Götter nicht als »Ersatz« akzeptieren.

Die berühmte christliche Dreifaltigkeit empfanden sie als drei neue Götter (Mehrzahl), die ihrem Leben keinen neuen Sinn gaben. (4)

In das Leben der Osterinsulaner griff die »christliche Welt« im 19. Jahrhundert vor allem in Gestalt von Sklavenhändlern ein, die einen Großteil der Bevölkerung verschleppten 1862 sollen rund 5 000 Osterinsulaner verschleppt und versklavt worden sein. Die Geknechteten starben unter unmenschlichen Bedingungen in großer Zahl. Die wenigen Überlebenden, die schließlich auf die heimatliche Osterinsel zurückkehren durften, brachten Epidemien mit, denen fast die gesamte Bevölkerung des Eilands zum Opfer fiel. Ironie des Schicksals: Die todbringende Heimkehr überlebender Sklaven erfolgte auf Betreiben der katholischen Geistlichkeit. Das Christentum hat so fast die gesamte Bevölkerung der Osterinsel ausgelöscht.

Ausgelöscht wurde auch weitestgehend die Geschichte eines mysteriösen Inselvolks, das einst – so wird es überliefert – aus dem Westen der Südsee Zuflucht auf der Osterinsel fand, weil die eigene Heimat in den Fluten der Südsee versank. Weitestgehend verdrängt und vergessen wurden die Erinnerungen an Götter und Göttinnen der Osterinsel. Die meisten Wissenden wurden einst als Sklaven verschleppt oder kamen bei Epidemien ums Leben. Und dennoch wurden noch Mythen überliefert, auswendig gelernt und weitergereicht. Ich bin davon überzeugt, dass es auch heute noch einzelne Eingeweihte auf der Osterinsel gibt, die Fremden gegenüber Stillschweigen wahren. Ob eines Tages die »sprechenden Hölzer« wieder zum Reden gebracht werden können?

Eines der »sprechenden Hölzer«. Foto wiki commons, gemeinfrei

Bischof Tepano Janssen interessierte sich in den 1860-er Jahren für die hölzernen Täfelchen mit geheimnisvollen Schriftzeichen. Bruder Eyraud sollte nun, vom Bischof beauftragt, möglichst viele der Schrifttäfelchen einsammeln. »Seine Bitte kam leider zu spät.«, stellt Jacek Machowski (5) fest. »Die fanatischen Missionare nämlich, die in diesen Tafeln einen Gegenstand heidnischen Kults entdeckt zu haben glaubten, hatten die Tafeln erbarmungslos vernichtet und sie unter anderem als Feuerholz in der Missionsküche verwandt.«

Vermutlich würde so manches Geheimnis der Osterinsel geklärt, wenn wir wieder den »sprechenden Hölzern« lauschen könnten. Angeblich dienten sie einst  beim Vortragen der alten Mythen und Sagen als Gedächtnisstütze. Nur Auserwählte sollen die Kunst beherrscht haben, die Botschaften der Holztafeln zu entschlüsseln. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts soll es eine Schule gegeben haben, in der die Zeichen und ihre Bedeutung gelehrt wurden. Die Wissenden aber wurden in die Sklaverei verschleppt, starben unter den Lasten der Arbeit.. oder wurden von Krankheiten dahingerafft. Bedenkt man, dass aus unserer »zivilisierten Welt« nur Tod und Verderben aufs Eiland in der Südsee kamen, wäre es ein Wunder, wenn heutige Wissende uns »Zivilisierte« einweihen würden…..

Osterinselschrift... Foto wiki commons, gemeinfrei


Fußnoten

1) Francé-Harrar, Annie: »Südsee/ Korallen – Urwald – Menschenfresser«, Berlin 1928, S.143 Hinweis: Die Zitate werden, auch in der Orthografie, unverändert wiedergegeben und nicht nach Regeln der Rechtschreibreformen »korrigiert«. Unverändert übernommen wurden auch Begriffe, die der heutigen politischen »Korrektheit« nicht mehr entsprechen.
2) ebenda, S. 160
3) ebenda
4) ebenda, S. 161: ».. denn die alten Götter seien tot, und es hätte für sie keinen Sinn mehr zu   leben«.
5) Machowski, Jacek: »Insel der Geheimnisse/ Die Entdeckung und Erforschung der Osterinsel«, Leipzig 1968, S. 12

Wenn er nur sprechen könnte... Foto W-J.Langbein


Literaturempfehlungen

Bacon, Edward (Herausgeber): Versunkene Kulturen/ Geheimnis und Rätsel früher Welten, Volksausgabe, München 1970
Bahn, Paul und Flenley, John: Easter Island, Earth Island/ A message from our past for the future of our planet, London 1992
Barthel, Thomas S. et al.: 1500 Jahre Kultur der Osterinsel/ Schätze aus dem Land des Hotu Matua/ Ausstellungskatalog, Mainz 1989
Berg, Eberhard: Zwischen den Welten/ Anthropologie der Aufklärung und das Werk Georg Forsters, Berlin 1982 (Die Osterinsel: Verschiedene Grade von Cultur S. 99-101)
Blumrich, Josef F.: Kasskara und die sieben Welten, Wien 1979
Brown, John Macmillan: The Riddle of the Paific, Honolulu, Hawaii, Nachdruck 1996
Diamond, Jared: Kollaps/ Warum Gesellschaften überleben oder untergehen, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt 2011 (Teil 2/ Kapitel 2: Schatten über der Osterinsel, S. 103-154)
Felbermayer, Fritz: Sagen und Überlieferungen der Osterinsel, Nürnberg 1971
Francé-Harrar, Annie: Südsee/ Korallen – Urwald – Menschenfresser, Berlin 1928 (Osterinsel S. 143-152)
Heyerdahl, Thor: Aku-Aku/ Das Geheimnis der Osterinsel, Berlin 1972
Lee, Georgia: The Rock Art of Easter Island/ Symbols of Power, Prayers to the Gods, Los Angeles 1992
Machowski, Jacek: Insel der Geheimnisse/ Die Entdeckung und Erforschung der Osterinsel, Leipzig 1968


Ein steinernes Idol und Pferde am Strand. Foto W-J.Langbein


Mann, Peggy: Land of Mysteries, New York 1976
Métraux, Alfred: Ethnology of Easter Island, Honolulu, Hawaii, 1971
Orliac, Catherine und Michel: Mysteries of Easterisland, London 1995
Petersen, Richard: The Lost Cities of Cibola, Phoenix 1985 (Island of Mystery, chapter 10, pages 219 fff.)
Richter-Ushanas, Egbert: Die Schrifttafeln der Osterinsel in der Lesung Metoros und Ure Vaeikos, Bremen 2000
Rosasco, Jose Luis und Lira, Juan Pablo: Easter Island The Endless Enigma, Santiago 1991
Routledge, Katherine: The Mystery of  Easter Island, 1919, Nachdruck Kempton 1998
Winkel, Karl zum: Köpfe, Schlangen, Pyramiden in Lateinamerika/ Alte Kulturen von Mexiko bis zur Osterinsel, Heidelberg 2001


»Drei Göttinnen im Dom«,
Teil 235 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                        
erscheint am 20.7.2014



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Sonntag, 6. Juli 2014

233 »Riesen, Pyramiden, Menschenfresser«

Teil 233 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Gestürzter Koloss, zerbrochener Koloss
Foto W-J.Langbein

Die von der Osterinsel bekannten Fotos und Filme zeigen die mysteriösen Kolosse auf ihren Podesten stehend, mit rötlichen Steinzylindern auf dem stolz erhobenen Kopf. Was kaum bekannt ist: In diesem Zustand befinden sich nur wenige Statuen, die erst im 20. Jahrhundert mit heutiger Technik (Einsatz eines aus Japan herangeschafften Krans usw.) wieder aufgerichtet worden sind. Die überwiegende Zahl der Kolosse, die einst auf einem »Ahu« standen, wurden zu Fall gebracht und liegen nach wie vor am Boden. Die meisten der schweren Kolosse haben den Fall nicht überlebt und sind meist mehrfach zerbrochen. Fast immer brach im wahrsten Sinne des Wortes das Genick. Durch Witterungseinflüsse sind manche der einst so präzisen Steinmetzarbeiten kaum noch als künstlich geschaffene Figuren zu erkennen. Am besten erhalten sind die Statuen, die sich noch im Steinbruch befinden, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht fertig gestellt wurden. Andere Statuen blieben beim Transport vom Steinbruch an den Bestimmungsort einfach liegen. Wieder andere wurden halb oder bis zum Kopf eingegraben.

Koloss mit magischen Augen
Foto W-J.Langbein

Die Augenhöhlen der »moai paea« blieben beim Transport leer. Erst wenn sie auf ihren Podesten standen, wurden ihnen weiße Augäpfel aus Koralle und Pupillen aus Vulkangestein eingesetzt. Das soll magisch-rituelle Bedeutung gehabt haben. »Sobald die moai Augen hatten, konnten sie sehen. Dann konnten verstorbene Könige oder wichtige Ahnen aus dem Geisterreich in die Figuren schlüpfen und das Leben auf ihrer Heimatinsel beobachten!«, erklärte mir Carolina Teao (6) nach einem sonntäglichen Gottesdienstbesuch. Die Osterinsulanerin beteuerte flüsternd: »Die moai standen auf Pyramiden aus Stein. In den Pyramiden waren Grabkammern, in denen die Toten ruhten. Die Geister der Toten können in die Statuen fahren, solange die Statuen intakt sind!«

Dass den Statuen einst Augen eingesetzt worden sind, wurde erst 1978 entdeckt, als der »Ahu Nau Nau« restauriert wurde. Dabei wurde ein zersplittertes Riesenauge – Länge des Ovals immerhin 35 Zentimeter – entdeckt.
Die Osterinselforscherin Catherine Routledge berichtete (1) bereits 1919 in ihrem Standardwerk »The Mystery of Easter Island« von »semi-pyramidal Ahus«. Unklar ist, welche »Ahu«-Form die älteste ist. Allem Anschein nach gab es in ältesten Zeiten primitive »Steinpyramiden«, kegelförmige Anhäufungen von Steinbrocken. Angeblich soll es auch mehrstufige Plattformen gegeben haben, auf denen Statuen standen, mit Grabkammern in den Plattformen. Andere »Ahus« sollen der Form nach Schiffen geähnelt haben.
Fundament eines uralten Bauwerks in Bootsform
Foto W-J.Langbein

Im 18. Jahrhundert sah Captain Cook eine »steinerne Plattform«, auf der unter Steinen ein menschliches Skelett lag. Unklar ist, ob man die sterblichen Überreste dort platziert hatte, damit die Verwesung fortschreiten konnte, oder ob Cook ein verfallenes »Ahi«-Grab beschrieb. Sollten also die Knochen da liegen? Oder kamen sie zum Vorschein, weil der »Ahu« nur noch eine Ruine war? Der Seefahrer La Pérouse besuchte ebenfalls im 18. Jahrhundert die Osterinsel. Er beobachtete und beschrieb »mehrere Pyramiden von Stein«, in deren Nähe Knochen verstreut lagen. War ein Grab geplündert worden? Hatte ein feindlicher Clan in der Gruft nach Grabbeigaben wie geschnitzten Angelhaken gesucht? Ein Geistlicher erklärte mir vor Ort: »Wirklich wichtig war für die Insulaner nur der Schädel, der Rest des Skeletts wurde oft recht pietätlos behandelt!« (2)
Solange Tote – sei es auf Holzgestellen, sei es auf steinernen Plattformen oder Pyramiden – aufgebahrt wurden, lag ein »Tapu« auf dem Grundstück. So durfte am nahegelegenen Strand nicht gefischt werden. Gekocht werden durfte auch nur bedingt im Bereich des Toten. Es bedarf keiner Fantasie, um sich vorzustellen, dass so ein offen aufgebahrter Leichnam nicht gerade ein ideales Ambiente für leckere Kocherei geboten hat. Offene Feuer im Umfeld des Toten unterlagen auch einem »Tapu« waren also auch verboten. Bei Tageslicht durfte man sich dem Toten nicht nähern, aber in der Nacht? Ein Steinhaufen mit einem weißen Stein an der Spitze zeigte wie ein Hinweisschild das »Tapu« an. Wer dagegen verstieß, wer die »Tapu«-Gebote nicht einhielt, der war des Todes und wurde mit einer Keule erschlagen. Da auf der Osterinsel lange Zeit Kannibalismus weit verbreitet war, kann es sein, dass so ein »Tapu«-Übertreter bald den Speisenplan bereicherte.
Was die Ernährung angeht, so waren Frauen nicht gleichberechtigt. Frauen mussten ihren Vater, Ehemann oder einen Bruder fragen, wenn sie Geflügel verzehren wollten. Beim Kannibalismus allerdings gab es für Frauen kein »Tapu«. Warum auch. Offenbar kämpften Frauen wie Männer in Kriegen Seite an Seite und teilten sich dann auch die Beute. Dazu gehörte eben auch das Fleisch der getöteten Feinde. Anlässe für Kriege gab es viele. Nach einem Mord an einem Osterinsulaner wurde der Täter ermittelt. Die Angehörigen des Stamms des Opfers erklärten dann dem Stamm des Mörders den Krieg. Und der endete mit dem Tod des Mörders. Anschließend feierten die Sieger bei einem Bankett… und verzehrten den Mörder. Damit hatte das Blutvergießen aber kein Ende. Denn jetzt sannen die Verwandten und Stammesangehörigen des Mörders nach Rache. Das Gemetzel wurde fortgesetzt.

Man zeigte mir im kleinen Osterinselmuseum eine Lithographie aus dem späten (?) 19. Jahrhundert. Sie stellt eine der »semi-pyramidalen« Strukturen dar. Offenbar schichtete man mehrere, nach oben hin kleiner werdende Plattformen aufeinander, so dass eine Art Stufenpyramide entstand. Auf der Lithographie sind zwei halbwegs korrekt dargestellte »moai« mit Steinhüten zu sehen. Allerdings wurden diese Wahrzeichen der Osterinsel – anders als im Bild gezeigt - stets auf die höchste Plattform gestellt.

Pyramidenartige Plattform ... Foto Archiv W-J.Langbein

Im Jahre 1864, so viel scheint sicher, waren alle Statuen von den »Begräbnisplattformen« gestürzt worden. Anno 1838 soll Admiral du Petit-Thouars noch einen der Osterinselkolosse auf einem Ahu stehend gesehen haben. Alfred Metraux geht nach Quellenlage davon aus, dass zwischen 1838 und 1864 die letzten Statuen gefallen sein müssen. Die »semi pyramidal Ahus« verfielen nach und nach oder wurden mutwillig zerstört. Ahus wurden aber auch in neuerer Zeit von Chilenen verwüstet (3). Zerstört worden ist alter Volksglaube der Osterinsulaner – durch christliche Missionare. Einzig der wichtigste Gott der Osterinsel, Make-Make, überdauerte die Zeiten. Seine »Kolleginnen und Kollegen« gerieten weitestgehend in Vergessenheit.
Die Osterinsulaner wurden bewusst ihrer religiösen und heimatlichen Wurzeln beraubt. Man vertrieb sie von ihren angestammten Wohngebieten und zwang sie in ein Dorf. Zeitweise waren sie wie Gefangene, die Dorf nur mit Genehmigung verlassen durften. Das importierte Vieh hatte mehr Rechte als die Osterinsulaner!

Die Osterinsel ist weniger christlich als man denkt.
Foto W-J.Langbein

Als die ersten christlichen Kreuze aufgestellt wurden, wunderten sich die Insulaner sehr. Wieso hing da ihr Make-Make am Kreuz? Als ihnen der biblische Gott als der einzige Gott angepriesen wurde, gab es für die Insulaner keinen Zweifel mehr! Wenn der Bibel-Gott der mächtigste Gott war, dann musste er ihr Make-Make sein. So opferten die Insulaner dem Bibel-Gott, wie sie das bislang für Make-Make getan hatten. Dass de facto ein heidnischer Gott nach alter Väter Sitte verehrt und mit Opfergaben beschenkt wurde, nahm die christliche Geistlichkeit – grummelnd vielleicht – hin. Es war alles gut, solang die Osterinsel offiziell in den amtlichen Statistiken als »Katholiken« geführt werden konnten. Solange durften auch heidnische Darstellungen in der christlichen Kirche in christlichem Gewand die einheimischen Gläubigen anlocken.
Make-Make wurde in alten Überlieferungen auch als zorniger, eifersüchtiger Gott beschrieben, so wie Jahwe im »Alten Testament« der Bibel. Weinend erklärte mir eine greise Osterinsulanerin, Make-Make, Make-Make fresse die Seelen von Toten. »Deshalb wurden die Statuen auf die Gräber gestellt! Sie boten den Geistern der Verstorbenen Schutz vor dem strafenden Make-Make!«

Mischwesen ... Mensch und Eidechse
Foto W-J.Langbein

Make-Make war der große Schöpfergott. Er kreierte Menschen, aber auch ein Mischwesen, einen Gott-Mensch-Vogel. War er auch für seltsame Kreaturen verantwortlich, deren Abbilder auf alten Holzschnitzereien der Osterinsel erhalten geblieben sind? 1992 erwarb ich auf der Osterinsel die Kopie einer Gravur, die einen Eidechsen-Menschen zeigt. Das Wesen nimmt die typische Haltung einer Eidechse ein, hat eidechsenhafte Klauen als Greifinstrumente und einen Schwanz, gleichzeitig aber auch menschliche Attribute. Derlei monströs anmutende Mischwesen zierten häufig kunstvolles Schnitzwerk. Sie wurden vorwiegend am Kopf von hölzernen Statuetten eingeritzt. Waren es Kreaturen aus der »Werkstatt« von Make-Make?
Make-Make soll – auch – ein Seelenfresser gewesen sein. Manche Osterinsulaner sehen das heute positiv. So schützte Make-Make seine Gläubigen vor Angriffen durch bösartige Geister, die womöglich schon zu Lebzeiten Verbrecher gewesen waren. Mord- und Totschlag galten auch auf der Osterinsel als schlimme Untaten, Kannibalismus aber scheint eine akzeptierte Form der Ernährung gewesen zu sein (4). Nach Osterinselforscher Hippolyte Roussel waren es erst christliche Missionare, die diesen alten, unsäglichen Brauch verboten haben. Es wird überliefert, dass Krieger »Kai-tangatas« (Kannibalen) waren. Getötete Feinde, so heißt es, wurden verspeist. Gefangene, so wird berichtet, wurden in speziellen Hüten verwahrt und im Rahmen von Siegesfeiern im Angesicht der stolzen Riesenstatuen verzehrt. Kapitänleutnant Geiseler beschreibt (5) in seinem Buch »Die Oster-Insel«, anno 1883 in Berlin erschienen, dass Kriegsgefangene für »besondere Anlässe« aufgespart und dann zu Ehren der Götter getötet und verzehrt wurden!
Kriege zwischen einzelnen Stämmen gab es im Lauf der Geschichte auf der Osterinsel immer wieder. So soll nach langem Gemetzel der Tuu-Clan als Sieger in den heimischen Bezirk auf dem Eiland zurückgekehrt sein. Die Tuu-Krieger haben, so ist überliefert, ihre besiegten Gegner, die Hotu-iti, regelmäßig überfallen. Sie schleppten die getöteten Feinde zum Strand und transportierten sie in ihren Kanus nach Hause. Die Leichname wurden unter den Kriegern verteilt… und verzehrt. Im Gegenzug belagerten die Hoto-iti die Tuu in ihren Höhlen, hungerten sie aus. Die Tuu mussten sich ergeben… und einige von ihnen wurden verzehrt. (8)

In Höhlen wie dieser wurde Kannibalismus zelebriert.
Foto Ingeborg Diekmann

Zu kannibalistischen Exzessen soll es häufig in Höhlen gekommen sein. Dort, unter der Erde, verspeisten siegreiche Krieger ihre erschlagenen Feinde. Es heißt, sie glaubten auf diese Weise noch stärker zu werden, weil sie die Energie der Toten in sich aufnahmen. Auch sollte so den Gefallenen in gewisser Weise ein »Weiterleben« ermöglicht werden…Womöglich konnten sie dann auch als Geister ihren Mördern nicht mehr schaden.
Fritz Felbermayer überliefert eine ausführliche Legende zum Thema Kannibalismus, betitelt »Der große Krieg zwischen den Stämmen der ›Miru‹ und ›Tapahotu‹« (6). In der Einleitung lesen wir (7): »Die mächtigen Stämme nützten die Kriege, um sich mit Menschenfleisch zu versehen, denn in den vergangenen Zeiten herrschte Kannibalismus unter den Bewohnern der Insel. Die Stärkeren suchten jedwelchen Vorwand, um Konflikte mit den kleineren Stämmen herbeizuführen und so in Kämpfen zu dem von ihnen begehrten Fleischgenuß zu kommen.«

Fußnoten
1) Routledge, Catherine S.: »The Mystery of Easter Island«, London 1919, S. 172

2) Métraux, Alfred: Ethnology of Easter Island, Honolulu, Hawaii, 1971, S. 115, siehe »Funeral Rites«!

3) ebenda, siehe S. 86-88, »Destruction of the Images«

4) ebenda, siehe S. 150 und 151: »Cannibalism«

5) Geiseler, Kapitänleutnant: »Die Osterinsel«, Berlin 1883, S. 30

6) Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Seiten 51-63

7) ebenda, S. 51, linke Spalte, Zeilen 6-12 (Orthographie unverändert übernommen!)

8) Auch diese Geschichte wird in unterschiedlichen Varianten erzählt. Mal gehen die einen, mal die anderen als Sieger hervor. Zu Kannibalismus aber kam es in allen Versionen.


»Alte Götter, neue Götter, tote Götter…«,
Teil 234 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                        
erscheint am 13.7.2014




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Sonntag, 29. Juni 2014

232 »Von Luxor zur Osterinsel«

Teil 232 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Luxor... Monstersäulen... Riesenstatuen.
Fotos W-J.Langbein

Im alten Griechenland erfreute sich ein Rätsel größter Beliebtheit. Die – oder der – Sphinx befragte jeden Passanten: »Was ist das? Am Morgen geht es auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei Beinen?« Wer die Nuss nicht knacken konnte, wurde getötet. Die gesuchte Antwort: »Der Mensch! Als Baby krabbelt der Mensch auf vier ›Beinen‹, als Erwachsener geht er kraftvoll aufgerichtet auf zwei Beinen und als alter, schwacher Mensch nimmt er als drittes ›Bein‹ einen Stock zu Hilfe!«

Der Ursprung des Rätsels liegt allerdings nicht im alten Griechenland, sondern in Ägypten. Das harmlos wirkende Rätsel lässt uns einen Blick auf Jahrtausende alte Kosmologie werfen. Morgens ist die Sonne schwach und kriecht wie ein Käfer. Am Tag ist sie Re und abends Atum. Der ägyptische Re wurde als schlanker Pfeiler aus Rosengranit verkörpert. Seine steinerne Spitze war vergoldet und glänzte im Licht der Sonne. Gottheit Atum ging in Darstellungen am Stock.


Luxor. Eingang. Historische Aufnahme.
Foto Archiv W-J.Langbein

Betritt man den Tempel von Luxor von Norden her, so blickt man gen Süden.. wo die Sonne ihren Höchststand erreicht. Oder anders ausgedrückt: Stand die Sonne im Süden hoch am Himmel, schickte sie ihre Strahlen segnend herab, vor allem natürlich auf den mächtigen irdischen Herrscher, der nach seinem Tod zum Gott werden würde. Der Regent badete förmlich im Glanz göttlicher Autorität, ließ die frommen Gläubigen in Ehrfurcht erstarren. Wurde nicht ein irdischer Pharao durch die Huld der Sonne selbst auch zu göttlicher Autorität? Wurde dem Mächtigsten im Staate so das ehrenvolle »von Gottes Gnaden« verliehen?

Der Tempel von Luxor stand nicht zufällig in Theben. In der legendären Ilias ist in schnörkelloser Schlichtheit von »Thebai, Aigyptos´ Stadt« die Rede. Oder die mächtige Metropole wurde nur schlicht als »die Stadt« bezeichnet, also als Stadt der Städte. Der heilige Tempelbezirk »der« Stadt Ägyptens begann vor Jahrtausenden direkt am Nil. Pilger, die aus ihren Boten stiegen, betraten am Ufer sogleich den Vatikan Ägyptens. Niemand vermag zu sagen, welch gewaltige Mauerreste der Fundamente noch darauf warten, endlich wieder ausgegraben zu werden. Gewaltige Steinsäulen waren nicht in erster Linie praktische Pfeiler für ein gigantisches Dach, erklärte mir vor Ort ein Student der Archäologie, sie waren eher wie steinerne Bäume in einem steinernen Wald. Und dieser heilige Wald aus Schatten und Licht galt als der Nabel der Welt.

Der »Nabel der Welt« auf der Osterinsel.
Foto W-J.Langbein

Nabel der Welt? Als einer der ursprünglichen Namen der Osterinsel gilt »Te Pito O Te Henua«. Osterinselforscher Fritz Felbermayer (1): »›Te Pito O Te Henua‹ - ›Der Nabel der Erde‹ ist der wohl einst von den Eingeborenen gebrauchte Name, der immer wieder in ihren Sagen und Überlieferungen vorkommt. Der heutzutage von den Einheimischen gebrauchte Name ›Rapa Nui‹ - ›Große Insel‹ ist eigentlich modern.«

Eine weitere Parallele zwischen Osterinsel und Ägypten drängt sich mir auf. Auf dem fernen Eiland der Südsee wie im uralten Reich am Nil gab es offensichtlich ein Faible für kolossale Statuen. Fritz Felbermayer hält fest (2): »Die Osterinsel verdankt ihre Berühmtheit den riesigen Statuen aus Stein, die über die ganze Insel verstreut zu finden sind. Auf keiner der Inseln der Südsee findet man Steinstatuen in dieser Ausführung und Größe … Einige Statuen sind einen Meter hoch, andere ragen bis zu 20 Meter empor.«

Auch die »alten Ägypter« hatten ein Faible für kolossale Steinfiguren. Legendär sind die beiden Memnon-Kolosse, die im 14. Jahrhundert vor Christus errichtet wurden. Die südliche Memnon-Statue hat, Sockel inklusive, eine Gesamthöhe von 17,27 Metern, die nördliche Memnon-Riesenplastik ragt – Sockel inklusive – 18,36 Meter in den Himmel. Vom Format sind sie durchaus mit Riesen-Figuren der Osterinsel vergleichbar!

Die Osterinsel-Kolosse, so überliefern das einige uralte Legenden und Sagen, konnten einst aus eigener Kraft vom Steinbruch aus viele Kilometer zu ihren Bestimmungsorten gehen. Seltsam! Auch älteste Überlieferungen Ägyptens bringen Kolossalstatuen in Verbindung mit Leben! Trugen doch die Steinmetze und Bildhauer, die die gewaltigen Statuen schufen, die ehrenvolle Bezeichnung »Lebendigmacher«! Warum? War es die Aufgabe dieser Künstler, »Götter und Pharaonen in der Erinnerung der Nachkommen lebendig zu erhalten«, wie Bernd Mertz in seinem wirklich lesenswerten Werk »Ägypten« mutmaßt (3)?

Zwei Statuen von Abu Simbel.
Foto Walter Langbein sen.

Warum ließ zum Beispiel Ramses II. vier Statuen in den gewachsenen Fels von Abu Simbel schlagen, jede über zwanzig Meter hoch? Warum stellten die alten Ägypter Götter und Pharaonen so häufig als wahre Kolossalstatuen dar? Warum bauten sie – oftmals über Jahrhunderte hinweg – Tempel zu wahren Festungsanlagen aus, deren Größe den menschlichen Besucher winzig klein erscheinen lässt? Bernd A. Mertz erklärt (4): »Der Tempel musste großartig sein, weil die Götter es auch waren! Man kann einem Gott keine Lehmhütte bieten. Die Gottstatuen waren geschaffen, damit sich die Götter, wenn sie wollten, hier niederlassen konnten. Daher fielen auch die steinernen Figuren der Pharaonen so gigantisch aus, denn sobald sie bei Osiris waren, wurden sie selbst zu Göttern. Wollten sie nun wieder zurück, konnten ihre Seelen in den steingewordenen Abbildern Einzug halten.«

Mit anderen Worten: Götter und zu Göttern gewandelte Pharaonen konnten die Kolossalstatuen als »Eingangstore« nutzen, um von der überirdischen Welt in die profanen Gefilde des irdischen Alltags zu gelangen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Bezeichnung »Lebendigmacher« für die Erschaffer der Steinfiguren eine ganz andere Bedeutung. Hatten die Erbauer der steinernen Osterinselriesen ähnliche Vorstellungen? Der Überlieferung nach konnten die Osterinselkolosse gehen. Warum? Weil die Geister von Verstorbenen oder gar Götter in die toten Statuen fahren konnten und diese dann »lebendig« wurden?

Eine Verbindung zwischen den Riesenfiguren und den Toten gibt es in der Tat! Fritz Felbermayer berichtet (5): »Als ein zweites Wunder zieren die ›Ahu‹ die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Ahus sind Grabmäler, die sich fast alle an der Küste befinden; sie sind terrassenförmig aus Steinquadern aufgebaut. Auf ihrer höchsten Plattform standen einst Steinfiguren, die schon bei den ersten Besuchern das größte Erstaunen hervorriefen. Im Inneren dieser Steinterrassen befanden sich die Grabkammern, in denen vor langer Zeit die Bewohner der Insel ihre Toten beisetzten. Man kann deutlich sechs verschiedene Typen von Grabmälern unterscheiden. Von den beiden bedeutendsten ist der erste aus mächtigen, schön bearbeiteten Steinquadern so genau zusammengefügt, dass sich keine Figuren feststellen lassen. Seine Bauart weist auf die Inka in Peru.«


Eingang zu einer Grabkammer im »Ahu«.
Fotos W-J.Langbein

Die »Ahu« waren ursprünglich vom Aufbau her mit einfachen Stufenpyramiden vergleichbar, aufgetürmt aus tonnenschweren Blöcken, die in unglaublicher Präzision zusammengefügt worden sind. In diesen »Pyramiden« befanden sich Grabkammern. Von den alten Bestattungsriten der Ureinwohner ist einiges bekannt. Der Leichnam eines Verstorbenen wurde in eine Art Strohmatte eingewickelt, die an den Enden zugebunden wurde. Dann wurde der Tote mit dem Kopf in Richtung Meer auf einer »hölzernen Struktur« am Strand aufgebahrt. Manchmal wurde ein Leichnam aber auch eingewickelt und in einen Felsspalt am Strand gesenkt. Noch heute soll es tiefe Felsklippen an Steilküsten der Osterinsel geben, in denen Skelette ruhen. Ob auch in neuerer Zeit alte vorchristliche Bestattungsriten vollzogen werden?

Wie lange man gewartet hat, bis ein Toter in die Gruft im »Ahu« gebracht wurde? Alfred Metraux vermutet: Das geschah wahrscheinlich erst, wenn völlige Verwesung eingetreten war. Erst dann fand das Skelett seine vorerst letzte Ruhestätte in einer Kammer im »Ahu«. Damit endete dann die Trauerzeit. Nicht alle Skelette blieben für immer in den Gruften. Grund: Die Grabkammern in den »Ahus« sind recht beengt. Ein sehr schmaler, sehr niedriger, mit glatt polierten Steinen rundum ausgekleideter »Gang« führt in das Innere. Die Bezeichnung »Gang« irreführend. In einem Fall maß ich 1,20 Meter in Höhe und Breite. Pietätvoll kann es nicht gewesen sein, Skelette durch solche engen Röhren ins Innere der Grabkammern zu schaffen.

So ein Grab-»Ahu« diente einer Familie oder einem Clan viele Generationen. Es fielen also viele Tote an. Wenn Platzmangel eintrat, entfernte man wieder die Skelette bis auf den Totenschädel aus der Gruft. Die Knochen, so stellten frühe Osterinselbesucher fest, wurden dann verstreut: in der Nähe des »Ahu« oder auf dem ›Ahu‹. Nur noch die Totenköpfe blieben im Inneren der Ahus!

Übrigens: Pyramidale Strukturen gab es überall in der Südsee - von Maleden Island bis Tahiti..

Ahus in Form von Stufenpyramiden...
Foto Archiv Langbein

Was christliche Geistliche gar nicht gern hören: Auch nachdem die Osterinsel schon längst als christianisiert galt, hielten die Insulaner an ihren alten Riten fest. Sie duldeten es zwar, dass die Toten auf dem offiziellen, christlichen Friedhof beigesetzt wurden, gruben die Leichen aber nachts wieder aus, um sie nach den alten Riten zu »behandeln«. Öffentlich freilich blieb der Schein gewahrt.

Die Seelen von Menschen, die sich zu Lebzeiten an die religiösen Riten gehalten haben, sie konnten sich glücklich schätzen, gingen sie doch in ein »fernes Land« (Paradies?) ein. Die Seelen von bösen Menschen indes kehrten aus dem Jenseits zurück, litten Qualen und peinigten ihre Verwandten. Reine Geistwesen waren diese Spukgestalten wirklich nicht. Je weniger sie nach den damaligen Moralvorstellungen gelebt hatten, desto schlimmer wurden sie nach dem Tode als Geister von Hunger und Durst gequält. Verwandte stellten ihnen Speis‘ und Trank in Nähe der Begräbnisstätte auf. Das sollte die Geister milde stimmen.

Auf den »Pyramiden« thronten kolossale Steinfiguren. Staunend stand ich vor dem »Ahu Vinapú«, der nur noch erahnen lässt, wie imposant einst dieses Bauwerk gewesen sein muss. Ein großer Teil der Ruine scheint im Verlauf der Jahrhunderte abgetragen worden zu sein. Die Kolosse ragen nicht mehr stolz auf der einstigen Pyramiden-Plattform in den Himmel. Sie liegen zertrümmert am Boden. Im Verlauf der Zeit verwitterten die Statuen. Ein Eingang in die Grabkammer ist allerdings noch deutlich zu erkennen!


Millimeter genau sitzen mächtige
Steinquader in der Monstermauer.
Foto W-J.Langbein

Die glatt polierten mächtigen Steinquader von »Ahu Vinapú« sind millimetergenau aufeinander gefügt, ansonsten aber macht die einstmals stolze Plattform für riesige Statuen einen desaströsen Eindruck. Die Kolosse wurden vom Podest gestürzt und liegen in Trümmern am Boden. Umstritten ist, wie die Figuren zu Fall gebracht wurden. Eine These lautet, dass sich verfeindete Stämme bekriegten und gegenseitig die Statuen umwarfen. Diese Version wurde mir wiederholt von Osterinsulanern bestätigt. Demnach geht von den Statuen ein Zauber aus. Wer die größten Statuen hatte, dem stand die mächtigste Magie zur Verfügung. Wollte man einen feindlichen Stamm besiegen, musste dessen Magie zerstört werden. Also hat man versucht, möglichst viele »feindliche« Statuen unschädlich zu machen und selbst möglichst große Statuen zu errichten.

Fußnoten

1) Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, S. 6, rechte Spalte, Zeilen 4-9
2) ebenda, S. 7, linke Spalte, Zeilen 19-25
3) Mertz, Bernd A.: »Ägypten/ Das Land von Isis und Osiris«, herausgegeben von Wulfing v. Rohr, München 2/1991, S. 107, 3. Zeile von oben
4) ebenda, S. 106, Zeilen 12-20 und S. 107, Zeile 1
5) Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, S. 8, linke Spalte, Zeilen 3-17

Riesen, Pyramiden, Menschenfresser
Teil 233 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 6.7.2014


Sonntag, 22. Juni 2014

231 »Bibel, Götter, Monsterwesen«

Teil 231 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Mysteriöse Monsterwesen
nach einem theologischen Traktat.
Foto Archiv W-J.Langbein
 
Bevor Make-Make sein erstes Menschenpaar kreiert, erschafft er ein Mischwesen: Nach seinem Spiegelbild schuf er es und verabreichte ihm noch die Attribute eines Vogels, Schnabel, Flügel, Federn. Wer glaubt, dass Adam und Eva die ersten von Gott fabrizierten Lebewesen waren, irrt. Vor den Tieren und vor den Menschen rief Gott den mysteriösen »Behemoth«. Im kleinen Bibelbuch Hiob (1) lesen wir: »Sieh‘ doch den Behemoth, den ich gemacht habe wie dich: Gras frisst er wie der Ochse. … Er ist der Erstling der Wege Gottes; der ihn gemacht hat, reichte ihm sein Schwert.« In manchen Bibelausgaben wird per Fußnote erklärt, bei dem Behemoth habe es sich um einen grasfressenden Landsaurier gehandelt.


Mischwesen von Make-Make geschaffen.
Foto W-J.Langbein

Hiob beschreibt den Behemoth als unglaublich stark (2): »Sieh‘ doch, welche Kraft in seinen Lenden liegt und welche Stärke in seinen Bauchmuskeln! Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder, die Sehnen seiner Schenkel sind fest verflochten. Seine Knochen sind wie eherne Röhren, seine Gebeine wie Eisenstangen.«

Das klingt nach einem monströsen Tier. Aber was für ein Tier sollte gemeint sein? Ein Nilpferd vielleicht, oder ein Saurier? Wie ist der folgende Satz (3) gemeint? »Er ist der Erstling der Wege Gottes; der ihn gemacht hat, reichte ihm sein Schwert.« Ein Blick in den hebräischen Text verschafft vielleicht Klarheit. Die wortgetreue Übersetzung lautet: »Er/Es war der Erstling der Wege von El (Gott), der machende war ihn/es, dass er/es herbeibringe sein Schwert.« El schuf also Behemoth, damit der ihm sein Schwert bringen würde? Wieso sollte Behemoth dem mächtigen Gott sein Schwert apportieren? Oder gab umgekehrt Gott dem Behemoth sein Schwert? Das vermutet Martin Buber, dessen Bibelverdeutschung hohes Ansehen genießt. Buber interpretiert übersetzend (3): »Das ist der Erstling auf den Wegen des Gottesherrn, der es machte, reichte sein Schwertgebiß ihm.« Buber deutet also das »Schwert« als das besonders scharfe und gefährliche Gebiss des Monsters.

Kuriose Kreaturen auf assyrischem Relief.
Foto: Archiv W-J.Langbein

Völlig anders versteht Leopold Zunz den Vers. In seiner für jüdische Leser gedachten Übersetzung der Thora wird auch betont, dass Gott den Behemoth als Ersten schuf, aus dem Schwert aber wird ein Messer. Und das gehört weder Gott, noch dem Behemoth (4): »Er ist der Erstling des Werkes Gottes; wer ihn opfern will, mag sein Messer heranbringen.« Dazu wäre wohl ein besonders starker Gläubiger erforderlich gewesen, der das monströse Lebewesen hätte mit einem Messer töten können.

Wiederum eine andere Übersetzung bietet »The Interlinear Hebrew-English Old Testament« (5), die auf wortgetreue Wiedergabe Wert legt. Da heißt es dann, dass Gott, der den Behemoth schuf, dem Monster mit seinem Schwert entgegentreten kann. Mit anderen Worten: Die Kreatur war so stark und furchteinflößend, dass ihm nur Gott selbst mit dem Schwert in der Hand begegnen konnte. Unbewaffnet wäre das Risiko für Gott selbst zu groß gewesen.

Je mehr Übersetzungen ich konsultiere, desto mehr Varianten finde ich: Mal bringt das Monster Gott sein Schwert, mal überreicht umgekehrt Gott der Kreatur sein Schwert. Mal soll der, der das Monster opfern möchte, sein Messer mitbringen. Und mal muss sich Gott selbst mit seinem Schwert bewaffnen, wenn er dem Behemoth begegnen möchte. Mal wird der Terminus »Schwert« mit den Schneidezähnen des Behemoth gleichgesetzt. Nach Luthers Übersetzung von 1545 attackiert Gott den Behemoth (6): Gott, »der jn gemacht hat/ der greifft jn an mit seinem schwert«. In neueren Ausgaben des »Alten Testaments« nach Luther heißt es Gott (7), »der ihn gemacht hat, der gab ihm sein Schwert«.

Mischwesen auf dem legendären schwarzen Obelisk.
Foto: Archiv W-J.Langbein

In der Übersetzung des »Alten Testaments« ins Griechische, in der »Septuaginta« geht das Schwert vollkommen verloren (8): »Dies ist der Anfang der Schöpfung des Herrn, gemacht um von seinen Boten verspottet zu werden.« In einer Fußnote wird erklärt, dass es sich bei den »Boten« um »Engel« handele. Demnach wurde Behemoth geschaffen, damit die Engel über ihn lachen können. Völlig anders lautet eine Textvariante nach der »Elberfelder Bibel« (9): »Er ist gemacht zum Gewalthaber seiner Gefährten.« Das geschaffene Wesen wäre also so etwas wie ein »Leittier«.

Ich kann nur konstatieren: In Sachen Behemoth herrscht seit Jahrhunderten weitestgehend Ratlosigkeit bei den Übersetzern! Wer immer nur eine bestimmte Bibelübersetzung konsultiert, mag glauben, dass er damit die einzig wahre Übersetzung kennt. Fakt ist aber, dass unterschiedliche Bibelausgaben ganz unterschiedliche, voneinander stark abweichende Textversionen bieten. Nicht zuletzt dank des Internets kann heute auf unzählige Bibelvarianten zurückgegriffen werden, um mysteriöse Passagen in den unterschiedlichen Varianten miteinander zu vergleichen.

In den Chor der Interpreten mischt sich eine Stimme, die manchen Theologen schrill in den Ohren klingen mag. Vor nunmehr vierzig Jahren machte mich Theologieprofessor Maurer auf das Werk von Dr. J. Lanz-Liebenfels aufmerksam. Hinter einer Reihe von kirchengeschichtlichen Werken verstauben schmale Bändchen aus der Feder von Lanz-Liebenfels, stapelten sich Zeitschriften mit Artikeln über die Realität von Mischwesen. Lanz-Liebenfels, ein schon zu Lebzeiten umstrittener Theologe, schlug anno 1906 in seinem Werk »Theozoologie« (10) eine erstaunlich moderne Lösung für das Problem vor. Behemoth war seiner Überzeugung nach ein Tier-Mensch, also ein Mischwesen aus Mensch und Tier, so wie die namenlose Kreatur, die einst Gott Make-Make nach alter Mythologie auf der Osterinsel schuf. Und Lanz-Liebenfels zitiert den Talmud: »Gebenedeit sei der, der die Geschöpfe verändert.«

Tiermenschwesen auf dem schwarzen Obelisk.
Foto W-J.Langbein

Der Theologe konnte sich vor mehr als einem Jahrhundert nicht vorstellen, dass mit Hilfe der Gentechnik tatsächlich Geschöpfe tatsächlich »verändert« werden können. Gentechnik ist der Schlüssel zu einem realen Frankenstein-Labor, das schlimmste Horror-Kreaturen ins Leben rufen kann. Im Vergleich dazu mutet Dr. Frankensteins aus Leichenteilen zusammengesetztes Monster wie eine holde Lichtgestalt an.

Dr. Lanz-Liebenfels war vor mehr als einem Jahrhundert davon überzeugt, Abbildungen solcher Mischwesen gefunden zu haben (11): »Auf dem sogenannten schwarzen Obelisken des Assyrerkönigs Salamasar II. sind merkwürdige Darstellungen zweibeiniger menschenartiger Wesen zu sehen.«

Nun könnte man annehmen, dass da unbekannte Künstler vor rund drei Jahrtausenden irgendein Horrormärchen mit Fantasiegestalten illustriert haben. Dem ist aber nicht so. Die Gravuren gehören nicht zu einer Fantasy-Story, sondern – das wird im dazugehörigen Keilschrifttext genau aufgelistet – zu einem sachlichen Bericht (12): »Die Beischrift, eine nüchterne geschichtliche Tributliste, besagt, dass der König aus dem Lande Mursi (aramäische Landschaft) prati baziati und udumi als Tribut erhalten habe.«

Mischwesen an der Leine ...
schwarzer Obelisk gibt Rätsel auf.
Fotos Archiv W-J.Langbein

Da wurden also vor drei Jahrtausenden mysteriöse Mischwesen verewigt, in Wort und Bild, die es in der Natur nicht gegeben haben darf. Sind es »geänderte Geschöpfe«, so wie der Behemoth, den der biblische Gott als Erstes geschaffen hat, und zwar noch vor dem Menschen? Sind es gentechnisch fabrizierte Mischwesen aus Gottes Labor? Dr. Lanz-Liebenfels (13): »Werfen wir einen Blick auf die baziati. Die Wesen haben etwas affenartiges an sich, aber trotzdem dürfen sie nicht als Affe ohne weiteres angesprochen werden. Ihr Gesamttypus, - sackförmiger Leib, kurze Extremitäten - ist geradezu reptilienhaft.«

Dr. Lanz-Liebenfels ließ vor über hundert Jahren keinen Zweifel aufkommen (14): »… Ausgeschlossen ist es, dass die .. dargestellten Zoa (Lebewesen) aus Mangel an künstlerischer Technik unverlässlich seien. Die abgebildeten Tier- und Menschengestalten sind von überraschender Naturwahrheit. Übrigens zeigen die Assyrer um diese Zeit in der Plastik eine Realistik der Tierdarstellungen, die selbst heute noch ihresgleichen sucht. Bekanntlich nannte man die Assyrer in neuester Zeit scherzweise die ›Holländer‹ des Altertums. Die Wesen haben wirklich ausgesehen, wie sie dargestellt sind.«

Mischwesen auf altem Mosaik. Foto Walter-Jörg Langbein

Nicht anders urteilt Erich von Däniken, der die mysteriösen Mischwesen erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorstellte (15): »Auch die kleinwüchsigen Menschentiere auf dem assyrischen Obelisken werden von Wärtern an der kurzen Leine gehalten. Es sind Tiere mit menschlichen Köpfen; eines der Mischwesen steckt den Daumen in den Mund – die Monstren lebten!«

Weltweit wimmelt es von Legenden, Mythen und heiligen Überlieferungen, in denen Götter agieren. Weltweit gibt es Texte über Götter, die Lebewesen erschaffen. Waren es Götter, die weltweit mit genetchnischen Mitteln abstruseste Lebensformen erzeugt haben? Darstellungen dieser Kreaturen gibt es weltweit. Eine kleine Auswahl gefällig? Assurbanipals Soldaten erbeuteten einige dieser merkwürdigen Wesen. Künstler hielten fest, wie die Geschöpfe abtransportiert werden. Deutlich zu erkennen: Sie waren Tier-Mensch-Mischungen. Mischwesen wurden als Grabkunst vor 5 000 Jahren im Reiche Ur verewigt, darunter eine »Kombination« aus Mensch und Skorpion. Seltsam! Solche Skorpionwesen meißelten unbekannte Künstler auch vor nicht ganz 1 000 Jahren in den Fries am »Paradiestor« (Dom zu Paderborn).

Skorpionmensch links: Foto Archiv Langbein/
Mischwesen rechts, Paderborn, Foto W-J.Langbein

Tier-Mensch- oder Tier-Tier-Mischwesen begegneten mir auf meinen Reisen weltweit: auf der Osterinsel ebenso wie in einem Felsentempel in Mahabalipuram, Indien. Und immer schufen die Künstler, die die Mischwesen dargestellt haben, zusätzliche Bildnisse von Mensch und Tier in geradezu fotorealistischer Manier. Sie konnten also die Realität sehr naturgetreu abbilden, die Darstellungen der Mischwesen sind kein Resultat mangelhafter Fähigkeiten der Künstler. Mischwesen aber können nicht von der Natur hervorgebracht worden sein…. Wurden sie von »göttlichen« Gentechnikern entwickelt? Heutige Gentechniker können schon die monströsesten Mischwesen ins Leben rufen. Ich bin davon überzeugt, dass in geheimen Labors schon längst solche Mischwesen produziert werden, wie vor Jahrtausenden. Warum? Weil Experimente schon um ihrer selbst willen ausgeführt werden, oder einfach nur um auszutesten, was möglich ist!

Es ist nur eine Frage der Zeit, dass Tier-Mensch-Mischwesen realisiert werden. Kreaturen, wie sie im Film »Splice - Das Genexperiment« realisiert werden, verstoßen gegen jede menschliche Ethik. Ethische Bedenken werden aber schon immer vernachlässigt, wenn es um Profit ging. Mir schaudert, wenn ich an die Gentechnik von morgen und übermorgen denke.

Was unsere Vergangenheit angeht: Werden wir je die Sprache der alten sakralen Kunstwerke verstehen? Werden wir je ihre Symbolik begreifen? Werden wir je die uralten steinernen Zeugnisse wie ein Buch lesen können? Sind wir in der Lage, uralte Symbolik zu entschlüsseln? Wir müssen es immer wieder versuchen. Nur dann werden wir das Wissen aus uralten Zeiten verstehen!

Mischwesen von Mahablipuram.
Foto W-J.Langbein

Anmerkung:

Zitate aus älteren Quellen wurden möglichst buchstabengetreu übernommen. Die Schreibweise wurde nicht den heute gültigen Regeln der Rechtschreibreform angepasst.

Literaturempfehlung:

Däniken, Erich von: »Die Augen der Sphinx«, München 1989

Langbein, Walter-Jörg: »Das Sphinx-Syndrom/ Die Rückkehr der Astronautengötter«, München 1995

Mischwesen der unheimlichen Art ...
Grabanlagen von Ur. Fotos Archiv W-J.Langbein


Fußnoten

1) Hiob, Kapitel 40, Verse 15 und 19
2) ebenda, Verse 16-18
3) »Die Schrift/ Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig«, Band 4, Heidelberg, 4. Verbesserte Auflage der neubearbeiteten Ausgabe von 1962, S. 336
4) »Die vierundzwanzig Bücher der Heiligen Schrift/ Übersetzt von Leopold Zunz«, Basel 1980, S. 616
5) »The Interlinear Hebrew-English Old Testament«, Grand Rapids, USA, 1987, S. 344
6) »Die gantze Heilige Schrifft Deudsch«, Wittenberg 1545, zitiert in der Schreibweise Luthers
7) Hiob, Kapitel 40, Vers 19, zitiert aus: »Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift nach der deutschen Übersetzung D. Martin Luthers«, Stuttgart 1915
8) »Septuaginta Deutsch/ Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung«, Stuttgart, 2. Verbesserte Auflage 2010
9) Hiob, Kapitel 40, Vers 19, zitiert aus: »Die Heilige Schrift/ Aus dem Grundtext übersetzt/ Elberfelder Bibel revidierte Fassung«, Wuppertal und Zürich, 4. Sonderausgabe 1995
10) Lanz-Liebenfels, Dr. J.: »Bibeldokumente Band II: Theozoologie«, Wien, Leipzig, Budapest 1906, Seite 5 und 9
11) ebenda, S. 26
12) ebenda
13) Lanz-Liebenfels, Dr. J.: »Bibeldokumente/ Band III/ Der Affenmensch der Bibel«, »Neue Metaphysische Rundschau«, Berlin 1907, Seite 12
14) Lanz-Liebenfels, Dr. J.: »Bibeldokumente/ Band III/ Der Affenmensch der Bibel«, »Neue Metaphysische Rundschau«, Berlin 1907, Seite 2
15) Däniken, Erich von: »Die Augen der Sphinx«, München 1989. S. 81


232»Von Luxor zur Osterinsel«,
Teil 232 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 29.06.2014



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