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Sonntag, 2. April 2017

376 »Ochs‘ und Esel und das Blut des Pelikans«

Teil  376 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Das Freiburger Münster
Auf meinen Reisen im In- und Ausland begegneten mir immer wieder religiöse Darstellungen in Kapellen, Kirchen und Kathedralen. Oft zierten sie den Eingangsbereich von Gotteshäusern aus alten Zeiten. Immer wieder bekam ich zu hören: »Diese Bildwerke waren für Menschen gedacht, die des Lesens unkundig waren. Ihnen sollte auf dem Weg der bildlichen Darstellung der christliche Glaube vermittelt werden!«

Diese Erklärungen leuchten natürlich ein. Freilich erschließt sich die Bedeutung steinerner Reliefs oder hölzerner Schnitzwerke nicht ohne weiteres von selbst. Man muss die Geschichten kennen, die dargestellt werden. Dann – und nur dann – weiß man zum Beispiel mit dem Tympanon über dem Haupteingang zum Münster von Freiburg etwas anzufangen.

Wenn da Ochs und Esel im Stall zu sehen sind, wie sie andächtig Heu fressen, während eine Frau auf einer Bettstatt liegend ein Baby liebkost, dann verstehen wir, worum es da geht: Um die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Wir erkennen das künstlerisch schön gestaltete Szenario in seiner Bedeutung, weil wir die Weihnachtsgeschichte von Bethlehem kennen. Wäre sie uns unbekannt, so könnten wir mit der Bildergeschichte nichts anfangen. Mit Fantasie könnten wir sogar ganz unterschiedliche Aussagen hineininterpretieren.

Foto 2: Ochs' und Esel im Tympanon
Wir kennen die christliche Vorstellung, dass auf jeden Mensch nach seinem Tode das »jüngste Gericht« wartet. Die Guten gelangen in den Himmel, die Bösen kommen in die Hölle. Betrachten wir nun das Tympanon von Freiburg, so wissen wir, was da geschieht: Zur rechten Seite von Jesus schleppt ein Teufel Menschen an einer schweren Eisenkette in den Höllenschlund, das sind die Sünder, die für ihre Untaten büßen müssen. Denen zur rechten Seite Jesu geht es viel besser, das sind die Gerechten. Es müssen die Gerechten sein, sagt uns unser Wissen. Zufrieden sehen sie aus, in der Erwartung auf Belohnung für ein gutes Leben nach den Regeln des christlichen Glaubens.

In Cuzco zeigte mir ein Geistlicher den »Nebenraum« einer alten Kirche. Da verstaubte ein Ölgemälde von bemerkenswerten Ausmaßen vor sich hin. Zwei mal drei Meter mag es gemessen haben. Große Teile des Bildes waren unter einer Schmutzschicht nicht einmal mehr zu erahnen. Andere Partien hatte man »gereinigt«, so dass wieder einiges zu erkennen war. In der Mitte stand eine Art Kreuz. Zur linken Seite des »Kreuzes« hingen Menschen aufgehängt an den Ästen eines weit ausladenden Baumes. Zur rechten Seite hingegen hatte sich eine ganz andere Schar Menschen versammelt. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen auf der anderen Seite, die in Lumpen gehüllt waren, trugen sie sehr saubere, ordentliche Kleidung und sprachen fast  wie im »Schlaraffenland« allen möglichen Speisen zu.

Foto 3: Unterwegs in Cuzco
Was aber zeigte mir das Gemälde? Das »Jüngste Gericht« etwa, die Bestrafung der Sünder und Belohnung der Guten? Spielte das Geschehen im Jenseits, nach dem Tode, oder doch im Diesseits? Waren es auf der einen Seite die Inkas, die sich den Spaniern widersetzten und dafür aufgehängt wurden? Sollten dann die Menschen auf der anderen Seite die im Überfluss lebenden Inkas sein, die ihren Widerstand gegen die Eroberer aus Europa aufgegeben hatten und entsprechend belohnt wurden? Mit einem Geistlichen unterhielt ich mich kurz über das Werk. Es schien ihm Spaß zu machen. Mich zu irritieren. Dargestellt wurde womöglich etwas ganz anderes. Aber was? Schmunzelnd bot der Geistliche eine kurios anmutende Variante: »Das Geschehen spielt auf einem Kontinent, bevor er im Meer versank. Die Menschen hassten einander. Die einen lebten im Überfluss und stopften sich Taschen und Mäuler voll. Die anderen lebten in Armut und wurden für selbst kleine Vergehen mit dem Tode bestraft.«

Was mir das Gespräch mit dem Geistlichen von Cuzco verdeutlichte? Bilder ohne Worte können oft nicht nur auf eine Weise interpretiert werden. Ein Maler mag eine ganz bestimmte Aussage im Sinn gehabt haben, als er sein Werk schuf. Wer das Bild aber betrachtet, ist auf seine Fantasie angewiesen. Er erkennt, was er zu kennen meint.

Foto 4: Der Engel mit der Waage
Wenden wir uns wieder dem Tympanon in der Turmvorhalle zu. Wir picken uns eine kleine Szene heraus. Da stehen zwei Gestalten. Der eine ist unschwer als Engel zu erkennen. Er hält eine Waage. In der einen Waagschale sitzt ein Kind. In der anderen hockt ein kleines Wesen. Das Kind ist schwerer als das Wesen auf der anderen Seite, sinkt nach unten, ist also schwerer. Das Wesen ist offenbar leichter, freilich hängt sich ein Teufel an seine Waagschale und versucht, sie nach unten zu ziehen. Was ist dargestellt? Ein Engel entscheidet, ob eine Seele in den Himmel oder in die Hölle kommt. Wer als zu leicht befunden wird, hat verloren. Geht es um das »schwere Kind«, um die Seele eines Menschen? Sitzt in der anderen Waagschale ein Teufel, zerrt ein zweiter Teufel an der Waage, weil er die Seele des Kindes für sich beansprucht? Rechts neben der Waage steht ein Teufel, der zum Engel blickt. Warum faltet der Teufel die Hände wie zum Gebet?

Foto 5: Blick auf das Tympanon
Guido Linke ist Kunsthistoriker. Er lebt in Freiburg. Sein Spezialgebiet ist die historische Bauforschung.  Er kann sich kompetent zum Tympanon äußern. Ich darf zitieren (1):

»In der Mitte des Streifens ist der Erzengel Michael bei der Seelenwägung zu sehen (Foto 4). In einer Waagschale sieht man ein Menschlein, während zwei Teufelchen die andere Schale herabzusenken versuchen. Daneben steht der ob seiner zusammengelegten Hände fälschlich so genannte ›betende Teufel‹. Tatsächlich betet er nicht, er ringt die Hände, da er sieht, dass die Waagschale sich zum Guten neigt und ihm diese Seele wohl entkommen wird.«

Die Turmvorhalle des Freiburger Münsters bietet im Tympanon eine Folge von Szenen in mehreren Etagen, wobei wir die Bedeutung der meisten Bilder zu kennen meinen. Aber liegen wir mit unserer Voreingenommenheit richtig? Oder interpretieren wir in die Darstellungen hinein, was wie für richtig halten? Könnte es sein, dass die Künstler der Gotik da und dort ganz andere Vorstellungen hatten? Weil die einzelnen Teilszenen oftmals förmlich ineinander übergehen und zudem auch nicht chronologisch geordnet sind, können wir uns durchaus auch täuschen!

Foto 6: Jesus am »Baum-Kreuz«

Im Zentrum steht das Kreuz. Es ist kaum größer als Jesus, der Gemarterte. Und es ist ganz anders gestaltet als wir das sonst aus Kirchen kennen. Der senkrecht stehende Balken ist nicht zu sehen, wird vom Körper Jesu verdeckt. Der sonst waagrecht angebrachte Querbalken erinnert an eine Irminsul, also an einen Lebensbaum. Es kommt mir so vor, als habe man Jesus an einem Baum gekreuzigt, die Arme an zwei massive Äste genagelt. Ich meine, man sieht zahlreiche Ansätze von kleinen Ästen und Zweigen, die man abgesägt hat. Über dem Haupt Jesu ist etwas auszumachen. Vor Ort in Freiburg hielt ich es für die Dornenkrone Jesu. Beim Betrachten meiner Fotos erkenne ich aber, dass es sich bei dem goldenen Flechtwerk um ein Vogelnest handelt. Ganz klar sind zwei Jungvögel im Nest zu sehen, darüber könnte ein großer Vogel verewigt worden sein.

Foto 7: Jesus und das Nest
Guido Linke erklärt (2): »Der Gekreuzigte überragt die Beistehenden und sprengt die Streifenordnung des Tympanons. Der Schädel Adams zu seinen Füßen zeigt ihn als Überwinder des Todes. Auf dem oberen Ende des Kreuzes, das mit Astansätzen als Lebensbaum gestaltet ist, sieht man ein Vogelnest. Hier wird die mittelalterliche Tierfabel vom Pelikan als christologisches Symbol eingesetzt. Nach dem Lehrbuch des Physiologus erweckt der Vogel seine toten Jungen mit seinem Blut zum Leben, indem er sich die Brust aufreißt. Ebenso habe Christus am Kreuz durch das Opfer seines Blutes für die Menschheit den Tod überwunden.«

Tatsächlich gibt es mittelalterliche Legenden, die in ihren Aussagen voneinander abweichen. Da heißt es zum Beispiel, dass »Mutter Pelikan« sich die eigene Brust aufriss, um ihre Jungen mit ihrem Blut zu füttern, sobald sie keine Nahrung mehr für die Kleinen finden konnte. Da heißt es aber auch, dass »Mutter Pelikan« mit ihrem Blut ihre toten Jungen zu neuem Leben erwecken konnte. In der christlichen Symbolik wurde Jesus zum Pelikan, der sich opfert, um die Toten aus dem Totenreich ins Leben zu holen.

Foto 8: Der »Pelikan« füttert seine Jungen mit Blut
In Cuzco erklärte mir »mein« Geistlicher, das Kreuz des Christentums sei vergleichbar mit einem wichtigen Maya-Symbol. Es stehe für die Unterwelt (Reich der Toten), die Welt der Lebenden und den Himmel.  Es wurzelt in der Unterwelt, Stamm und Querbalken symbolisierten die Welt in der wir leben und der darüber hinausragende senkrechte Teil verweise auf den Himmel. Ich musste an Exkursionen ins Land der Mayas denken. Auf Reisen erfuhr ich lebhafter und mehr als aus Büchern über die alte Mythologie der Mayas (3). Wichtig war ihnen der Ceibabaum. Die Maya von Yucatán verstanden ihn als Weltachse. Seine Wurzeln, die sich tief ins Erdreich graben, versinnbildlichten die Unterwelt, sein mächtiger Stamm entspricht der Welt der Lebenden und seine Krone dem Himmel. Dieses kosmische Symbol erkenne ich auch in alten Gotteshäusern des Christentums: Die Krypta steht für die Unterwelt, das Reich der Toten, das Kirchenschiff mit den Gläubigen bildet die Welt der Lebenden ab und der Turm ragt in den Himmel.

So können christliche Symbole und Bilder weit über die Grenzen einer Konfession hinaus gedeutet und verstanden werden. Die Frage ist nur, ob die Vertreter aller Religionen dazu bereit sind, die Gemeinsamkeit mit anderen Religionen zu sehen. Das könnte zu einer Verständigung zwischen den Religionen führen. Aber ist eine solche Verständigung überhaupt erwünscht? Da habe ich meine Zweifel. Gerade in unseren Tagen sieht es ganz so aus, als ob sich – speziell im Islam – radikalere Interpretationen durchsetzen, die die eigene Sichtweise zur allein gültigen erklären.


Fotos 9-11: Der heilige Baum der Mayas - Symbol für die Welt

Fußnoten
1) Linke, Guido: »Freiburger Münster/ Gotische Skulpturen der Turmvorhalle«,
     Freiburg, 1. Auflage 2011, Seite 29, rechte Spalte unten und Seite 30, linke
     Spalte oben
2) ebenda, Seite 31, linke Spalte oben
3) Siehe hierzu Schele, Linda und Freidel, David: »Die Unbekannte Welt der Maya/
     Das Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt«, Augsburg 1994

Zu den Fotos
Foto 1:  Das Freiburger Münster - Turm. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 
Foto 2: Ochs' und Esel im Tympanon. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Unterwegs in Cuzco. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4 Der Engel mit der Waage. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Blick auf das Tympanon. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Jesus am »Baum-Kreuz«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Jesus und das Nest. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Der »Pelikan« füttert seine Jungen mit Blut. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 9-11: Der heilige Baum der Mayas - Symbol für die Welt. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 12: Der geheimnisvolle »Lichtbringer«. Foto Walter-Jörg Langbein


Foto 12: Der geheimnisvolle »Lichtbringer«


377 »Der Teufel im Stall von Bethlehem«,
Teil  377 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 09.04.2017


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Sonntag, 26. März 2017

375 »Tod und Teufel«

Teil  375 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Deutsche Bauzeitung 1881

Nach wie vor stehen wir vor dem Tympanon des Freiburger Münsters. In der untersten »Zeile« sehen wir von rechts nach links die Verkündung von Jesu Geburt auf dem Felde. Als nächstes folgt rechts davon das Idyll der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Chronologisch geht es jetzt nicht weiter. Links von der »Ecclesia« mit der Kerze in der Hand (Allegorie für die christliche Kirche. Foto 2!) folgt die Geißelung Jesu, der am Marterpfahl gefesselt steht. Zwei Folterknechte schlagen auf Jesus ein. Einer der beiden holt gerade mit einer gewaltigen Keule zum Schlag aus.

Foto 2: Ecclesia am Bett Mariens.
Im nächsten Bild folgt eine der bekanntesten Szenen aus dem »Neuen Testament«: Judas verrät Jesus im Garten Gethsemane und wird von römischen Schergen gefangen genommen. Jesus wendet sich von einem rot gekleideten Soldaten ab, der Jesus derb am Kragen packt und in der anderen Hand einen Knüppel schwingt. Der muskulöse linke Arm des brutalen Mannes verdeckt weitestgehend den Kopf eines Juden, der typische »Judenhut« ist gut zu sehen. Illuminiert wird das Ganze mittels einer lodernden Fackel, die ein römischer Soldat hält. In der anderen Hand hat der Römer ein mächtiges Henkersbeil drohend erhoben.

Von links nähert sich Jesus gerade der »Verräter« Judas, der zum berühmten Judas-Kuss ansetzt. Ihm gilt Jesu ganze Aufmerksamkeit. Dem Verräter? Vor seiner Verhaftung befand sich Jesus – so die Evangelien des »Neuen Testaments« –  an mehreren Tagen im Tempel von Jerusalem und predigte vermutlich zu Tausenden. Zumindest in jenen Tagen muss Jesus, glaubt man dem »Neuen Testament«, stadtbekannt gewesen sein. Ein verräterischer Freund wäre also überhaupt nicht erforderlich gewesen.

In einem Punkt stimmen die vier kanonischen Evangelien, bei allen Widersprüchen, überein: Jesus weiß beim letzten Abendmahl mit seinen Getreuen, dass ihn einer seiner Jünger verraten wird. Das besagt eindeutig der Text aller gängigen Ausgaben des »Neuen Testaments«...allerdings nur in Übersetzungen. Im griechischen Originaltext wird man aber vergeblich nach dem Verb »verraten« suchen. Da wird stets das Griechische »paradidonai« benützt.

Foto 3: Jesus wird gepeinigt.

Was aber bedeutet »paradidonai«? Das geht aus dem Brief des Paulus an die Galater deutlich hervor (1):  Paulus preist Jesus, der sich als Sohn Gottes für den Menschen Paulus freiwillig hingab. Für den Neutestamentler Pinchas Lapide ist somit Judas nicht der bösartige Verräter Jesu, sondern der treue Jünger Jesu, der mithalf, den göttlichen Plan im Einverständnis mit Jesus selbst in Erfüllung gehen zu lassen.

So fordert Jesus Judas im Evangelium nach Johannes – in der wörtlichen Übersetzung – konkret auf (3): »Was Du zu tun im Begriff bist, das tue schneller.« Möglich ist auch die Übersetzung: »Was Du tun musst, dass tue schneller!« Der große Kirchenlehrer Origines (etwa 185-254 n.Chr.) verstand den Kreuzestod Jesu deshalb auch nicht als Folge eines teuflischen, bösartigen Verrats, sondern als heilgeschichtliche Unvermeidlichkeit im großen Plan Gottes. Jesu Tod war demnach kein Unglück als Folge eines Verbrechens, sondern planmäßiges Geschehen.

Geht man den vier Evangelientexten nach Johannes, Markus, Lukas und Matthäus im griechischen Original auf den Grund, so wird aus einem Verrat durch Judas die »Dahingabe« mit Jesu Einverständnis. Die Evangelientexte bringen, bei aller Widersprüchlichkeit, eine theologische Überzeugung zum Ausdruck. Übereinstimmung herrscht im Christentum, dass Jesu Opfertod den Menschen zum Segen gereicht. Jesus starb demnach für die Sünden der Welt und erlöste damit die Menschheit. Wie kann dann Judas der teuflische Verräter sein, da doch ohne seinen »Verrat« Jesu Tod am Kreuz nicht möglich gewesen wäre. Und ohne diesen Foltertod gäbe es auch nicht die Erlösung der Menschheit – nach christlicher Glaubenslehre. Demnach muss man Judas als Mitwirkenden im göttlichen Plan sehen, der Jesus an die römische Justiz übergab. Und das geschah mit dem Einverständnis Jesu.

Foto 4: Verhaftung Jesu im Garten Gethsemane.

Was Judas als historische Gestalt angeht, so gibt es da im Kreis der »wissenschaftlichen« Theologie durchaus Zweifel! Der Theologe J.M. Robertson hält Judas für eine frei erfundene Gestalt, erschaffen von der frühen christlichen Kirche, als Propaganda gegen Juden und Judentum (4).

Frank Kermode (5) glaubt nicht an Judas als personifiziertes Negativbild vom Juden, sondern hält ihn für das Ergebnis literarischen Schaffens. Wenn es auf der einen Seite den guten Jesus gab, so forderte die Ausgewogenheit die Existenz eines negativen Gegenspielers auf der anderen Seite. Vladimir Propp schließlich (6) weist den Judastypen als typischen Part in zahlreichen folkloristischen Erzählungen nach. Ist Judas also nie eine wirkliche Person gewesen, sondern ein fiktiver literarischer Typ?

Kehren wir zu den biblischen Evangelien zurück. Am Rande der Verhaftung Jesu spielt sich Dramatisches ab. Während Jesus mit seinem Schicksal einverstanden ist, greift ein Jünger zum Schwert. Wie würde Jesus antworten? DER reine Pazifist scheint Jesus nach dem »Neuen Testament« nicht gewesen zu sein. Lesen wir nach im Evangelium, das nach Lukas benannt wurde (7): » Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Geldbeutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch eine Tasche, und wer's nicht hat, verkaufe seinen Mantel und kaufe ein Schwert.« Diese Worte fallen kurz vor den dramatischen Geschehnissen im Garten von Gethsemane! Doch im Moment der Verhaftung unterbindet Jesus jede Gewalt gegen die Schergen der Römer. Bei Lukas heißt es weiter (8): »Und einer von ihnen (gemeint: Petrus) schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Da sprach Jesus: ›Lasst ab! Nicht weiter! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.«

Foto 5: Petrus haut Malchus ein Ohr ab.

Im Evangelium nach Matthäus spielt sich die bewegende Szene ganz ähnlich ab (9): »Und siehe, einer von denen, die bei Jesus waren, streckte die Hand aus und zog sein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab. Da sprach Jesus zu ihm: ›Stecke dein Schwert an einen anderen Ort. Denn wer das Schwert nimmt, der soll durch das Schwert umkommen.‹«

Markus berichtet den Sachverhalt genauso, wenn auch etwas knapper (10). Und selbst das Evangelium nach Johannes, das sonst nicht immer mit den Texten der synoptischen Kollegen konform geht, geht auf den Vorfall ein (11). Er enthüllt, dass Simon Petrus es war, der dem Knecht des Hohenpriesters das rechte Ohr abhaut. Auch der Name des Verletzten wird genannt: Malchus. Barsch befiehlt Jesus (12): »Steck dein Schwert in die Scheide!«

Diese dramatische Szene finden wir auch im  Tympanon dargestellt. Guido Linke schreibt in »Gotische Skulpturen der Turmvorhalle« (13): »Drei Figuren tragen einen Judenhut, dazu gehört auch der kauernde Knecht Malchus, dem der schwertschwingende Petrus ein Ohr abschlägt, das Jesus den Evangelien zufolge wieder anheftete.«

Foto 6: Selbstmord des Judas.
Nach Matthäus (14) bereute Judas seinen Verrat an Jesus. Der Lohn für den Verrat, den Judas von den Priestern erhalten hatte, brannte ihm förmlich in den Händen. Er wollte die Silbermünzen nicht behalten, sondern seinen Auftraggebern zurückgeben. Die Herren von der Priesterschaft hatten keinerlei Bedenken gehabt, ein Kopfgeld auf Jesus auszuloben. Jetzt aber weigerten sie sich schamhaft, den Preis für den Verrat zurückzunehmen. An dem Geld klebte doch Blut! Judas war verzweifelt, weil er das Blutgeld nicht wieder los wurde. Wie von Sinnen warf er das Silbergeld zurück in den Tempel. Dann (15) »erhängte er sich selbst«.

In der  »Apostelgeschichte« (16) vermeldete Petrus das traurige Ende des Verräters. Und für seinen Lohn habe sich der Gottlose »einen Acker« erworben.  Blutacker, Silberlinge, Der Widerspruch ist eklatant. Bei Matthäus (17) heißt es: »Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: ›Es taugt nicht, dass wir diese in den Gotteskasten legen, denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rat und kauften den Töpferacker dafür zum Begräbnis der Pilger. Dafür ist dieser Acker genannt der Blutacker bis auf den heutigen Tag.«

Bei Matthäus sind es die Priester, die den Acker kaufen. In der Apostelgeschichte ist es freilich Judas selbst, der das Stück Land erwirbt, bevor er Selbstmord verübt. Allerdings hängt er sich nicht wie bei Matthäus auf (18): Er »stürzte vornüber und ist mitten entzweigeborsten und all sein Eingeweide ist ausgeschüttet. Und es ist kundgetan worden allen, die zu Jerusalem wohnten, so dass dieser Acker genannt wird Blutacker.«

Bei Matthäus sind es die Priester, die für den Judaslohn einen Acker kaufen und Blutacker nennen, weil er mit dem Blutgeld bezahlt wurde. In der Apostelgeschichte ersteht Judas das Land vor seinem Tod selbst. Das Landstück erhält den Namen Blutacker, weil Judas darauf stürzte und aufplatzte. Es gibt also im »Neuen Testaments« Widersprüchliches über den Tod des Judas. Ist er nun gefallen und aufgeplatzt? Oder hat er sich aufgehängt? Diese beiden Versionen schließen einander eigentlich aus.  Oder doch nicht? Amerikanische Fundamentalisten sind da manchmal recht findig. So gelingt es Gleason L. Archer beide Versionen miteinander in Einklang zu bringen. Diese Harmonisierung der Texte mutet haarsträubend an (19):

Judas erhängte sich demnach an einem Baum. Der muss nicht nur einen morschen Ast gehabt, sondern auch noch an einer steilen Klippe gestanden haben. Der besagte Ast ragte über den Abgrund. Ein heftiger Windstoß ließ den Ast abbrechen, der tote Judas stürzte in die Tiefe. Dann schlug er mit den in der Apostelgeschichte vermerkten unappetitlichen Folgen auf dem Feld auf. Im Tympanon sieht man nur eine kleine Auswahl von Szenen aus Jesu Leben, von seiner Geburt bis zum Tod am Kreuz. Der Tod des Judas ist eine davon. Es gelingt dem unbekannten Künstler, beide widersprüchliche Todesarten in einem Bild recht plastisch darzustellen. Man sieht Judas an einem Baum schwingen – und sein Leib ist aufgeplatzt. Auch lässt die Judas-Skulptur keinen Zweifel aufkommen, dass Judas als Handlanger des Teufels gesehen wird!

Foto 7: Teufel zerrt Seelen in die Hölle.

Dem toten Judas entgleiten die Silberlinge und fallen zu Boden. Gleichzeitig entweicht dem Leichnam die Seele des Toten. Sie wird – wie so oft in der Gotik – als kleines Kind dargestellt. Wie alle Seelen strebt natürlich auch die des Judas gen Himmel. Doch dieses Ziel erreicht sie nicht. Zwei Teufel verhindern das Emporschweben der Seele. Zwei satanische Gesellen (20) fangen sie »in Gestalt eines kleinen Menschleins« ein. Mir scheint, sie durchbohren sie mit Spießen, um eine Flucht gen Himmel zu verhindern. Guido Linke merkt kommentierend an (21): »Die Szenenauswahl scheint erstaunlich knapp, offenbar sollte ein besonderer Akzent auf den Verrat des Judas gelegt werden.«

Tod und Teufel scheinen das Tympanon dominieren zu wollen. Da werden uns die Toten gezeigt, wie sie verzweifelt versuchen, aus ihren Grabstätten zu klettern. Offensichtlich schwere steinerne Grabplatten erschweren das sehr. Auf der einen Seite sehen wir ein Totenkopf-Skelett-Wesen, das höhnisch zu lachen scheint. Auf der anderen steht tatenkräftig ein Teufel. Der Teufel hat es auf die Seelen der Menschen abgesehen. Nach dem Tode zerrt Satan die Sünder, die mit einer Kette aneinander gebunden sind, in sein Reich.

Foto 8: Tod und arme Tote.


Gierig reißt das Höllenmonster seinen Schlund auf. Der Teufel – als monströses, schuppiges Wesen dargestellt – geht schon voran, setzt einen Fuß ins Höllenmaul. Und er zerrt seine Beute an schwerer Kette hinter sich her. Der Stand der Toten spielt keine Rolle. Wer dem Teufel verfallen ist, findet kein Erbarmen, da kann auch ein König noch so jammervoll und Mitleid erregend die Hände gefaltet gen Himmel recken, auch er muss in die Hölle. Das gilt auch für hohe kirchliche Würdenträger!


Foto 9: Teufel und Tote.

Fußnoten
1) »Brief des Paulus an die Galater« Kapitel 2, Vers 20
2) Siehe hierzu Lapide, Pinchas: »Ist die Bibel richtig übersetzt«, Band 1, 5.  
     Auflage, Gütersloh 1995, Lapide, Pinchas: »Ist die Bibel richtig übersetzt?«,
     Band 2, Gütersloh 1994 und Lapide, Pinchas: »Wer war schuld an Jesu Tod?«
     Gütersloh 1987
3) »Evangelium nach Johannes« Kapitel 13, Vers 27
4) Robertson, J.M.: »Jesus and Judas: a Textual and Historical Investigation«,
     London 1927. Siehe hierzu auch Robertson, J.M.: »Die Evangelienmythen«,
     Jena 1910
5) Siehe Kermode, Frank: »The Genesis of Secrecy«, Cambridge 1979
6) Propp, Vladimir: »Morphology of Folktale«, Bloomington 1958
7) »Evangelium nach Lukas« Kapitel 22, Vers 36, zitiert nach der »Lutherbibel«,
     2017
8) »Evangelium nach Lukas« Kapitel 22, Verse 50 und 51
9) »Evangelium nach Matthäus« Kapitel 26, Verse 51 und 52
10) »Evangelium nach Markus« Kapitel 14, Vers 47
11) »Evangelium nach Johannes« Kapitel 18, Verse 2-12
12) »Evangelium nach Johannes« Kapitel 18 Vers 11
13) Linke, Guido: »Freiburger Münster/ Gotische Skulpturen der Turmvorhalle«,
     Freiburg, 1. Auflage 2011, Seite 28, rechte Spalte unten und Seite 29, linke
     Spalte oben
14) »Evangelium nach Matthäus« Kapitel 27, Vers 3
15) Ebenda, Vers 5
16) »Apostelgeschichte des Lukas« Kapitel 1, Vers 18a
17) »Evangelium nach Matthäus« Kapitel 27, Verse 6-8
18) »Apostelgeschichte des Lukas« Kapitel 1, Vers 18b
19) Archer, Gleason L.: »Encyclopedia of Bible Difficulties«, Grand Rapids,
     Michigan 1982, S. 344
20) Linke, Guido: »Freiburger Münster/ Gotische Skulpturen der Turmvorhalle«,
     Freiburg, 1. Auflage 2011, Seite 29, linke Spalte oben
21) ebenda, linke Spalte unten


Foto 10: Ab in die Hölle!


Zu den Fotos
Foto 1: Deutsche Bauzeitung 1881. Foto Archiv Langbein
Foto 2: Ecclesia am Bett Mariens. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Jesus wird gepeinigt. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Verhaftung Jesu im Garten Gethsemane. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Petrus haut Malchus ein Ohr ab. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Selbstmord des Judas. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Teufel zerrt Seelen in die Hölle. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Tod und arme Tote. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Teufel und Tote. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Ab in die Hölle! Foto Walter-Jörg Langbein


376 »Ochs‘ und Esel und das Blut des Pelikans«,
 Teil  376 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 02.04.2017

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Sonntag, 19. März 2017

374 »Zwischen den Zeiten«

Teil  374 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein 


An alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim diesjährigen Seminar "Phantastische Phänomene": Meine Aktion "Hilfe für Obdachlose in Bremen" erbrachte insgesamt Euro 155,00. Ich habe "aufgestockt" auf Euro 175,00 und das Geld überwiesen an "Die Bremer Suppenengel e.V." Ich danke allen, die zum Erfolg beigetragen haben. Recht herzlich - Walter.                      

Foto 1: Nach dem Bombenterror!

27. November 1944. Die Britische Luftwaffe lässt ein Inferno über das abendliche Freiburg hereinbrechen. 150.000 Bomben werden abgeworfen, die Innenstadt versinkt in Schutt und Asche. Wie durch ein Wunder bleibt das Münster weitestgehend verschont. Keinen einzigen direkten Treffer bekommt das prächtige Gotteshaus ab. Nur der Chorumgang und das Dach des Hochchores werden durch Bombentreffer im Bereich des Münsterplatzes beschädigt. Auch nach dem himmlischen Bombardement, das Zeitzeugen freilich mehr an einen Ausbruch der Hölle erinnerte, steht stolz der Westturms des Münsters, der auch heute noch das Wahrzeichen von Freiburg im Breisgau ist. Gläubige Christen dankten der Patronin des Gotteshauses. War es der Beistand Marias, der das Münster den massiven Bombenabwürfen trotzen ließ? Oder war es der Zufall? In keiner Stadt haben britische Bomberverbände auch nur den Versuch unternommen, die ältesten sakralen Bauten zu verschonen.

Dem Haupteingang des Münsters zu Freiburg nähert man sich durch das Erdgeschoss des mächtigen Westturms. Und schon steht man vor, nein in einem dreidimensionalen »Bilderbuch«, dessen Detailfreudigkeit mehr als nur erstaunt. Man ist umgeben von einer Fülle von Figuren, von denen es zu viele gibt, als dass man sie wirklich erfassen könnte. Für wen wurden sie geschaffen und, banal gefragt, warum, zu welchem Zweck? Wollte man Ende des 13. Jahrhunderts den leseunkundigen Besuchern des beeindruckenden Gotteshauses so etwas wie eine Bibel, die ohne das geschriebene Wort auskommt, bieten?

Foto 2: Der Haupteingang.
Wir stehen vor dem Mittelpfeiler des Westportals. Maria, sie ist die Patronin des Münsters, begrüßt uns. Sie steht zwischen den Türflügeln, die – so erklärt mir ein rundlicher Mönch verschmitzt lächelnd - »erst 1606 geschaffen wurden«. Zu ihren Füßen schläft Jesse, Vater von König David. Aus seinem Leib heraus wächst eine Pflanze. Es ist der Stammbaum Jesu, der im frommen Kirchenlied so umschrieben wird:

»Es ist ein Ros' entsprungen
Aus einer Wurzel zart,
Wie uns die Alten sungen
Von wundersamer Art;
Und hat ein Blümlein bracht
Mitten im kalten Winter,
Wohl zu der halben Nacht.«

Ich tippe diese Zeilen am Abend des 5. Januar 2017. Der Kölner »Express« vermeldet online (1): »Düsseldorf. Die Altstadt. Die Mauer neben dem ›Kom(m)ödchen‹. Grablichter flackern im Wind. Worte  an der Wand: ›Wir bitten um eine Kranzspende.‹ Obdachlose weinen. Sie trauern um ihre ›Elli‹, die  am 28. Dezember hier auf dem Boden in eisiger Kälte starb.«  Was für eine Schande für unser reiches Land. 150 Euro sind gespendet worden, für einen Kranz für »Elli«, die mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht erfroren ist, im Alter von 48 Jahren. Es fällt mir schwer, an meinem Text weiter zu schreiben.

Aus dem Hause Davids musste, so die christliche Überzeugung, der Messias kommen. Das soll der schlafende Jesse mit dem aus seinem Leib wachsenden Stammbaum darstellen. Direkt darüber: die »Trumeau-Madonna« mit dem Jesuskind auf dem Arm. Als »Trumeau« bezeichnet man den mittleren Steinpfeiler eines Portals, auf dem das Tympanon zu ruhen scheint. Der Ausdruck »Tympanon« beschreibt eine Schmuckfläche, wie man sie im Halbrund von Kirchenportalen findet.

Foto 3: Das Tympanon
Wir heben den Blick zum Tympanon. »Mein« rundlicher Mönch erklärt mir: »Beachten Sie  das Tympanon über der Tür. Aus welchem Material mag es gefertigt sein?« Ich antworte: »Aus Holz…« Mild lächelt der kundige Mönch: »Der Eindruck kann entstehen, ist aber falsch. »Das Tympanon besteht aus sechs Steinplatten, die jeweils 45 Zentimeter dick sind. Das heißt: dick waren. Denn aus diesen Steinplatten hat man die filigranen Figuren reliefartig herausgearbeitet.«

Das Tympanon zeigt nicht etwa ein Bild, sondern eine ganze Reihe von Einzelbildern, die in mehreren »Etagen« übereinander aneinander gereiht sind. Man könnte von Einzelbildern aus einem Filmstreifen sprechen, der eine Geschichte erzählt. Oder ist ein anderer Vergleich treffender? Entstanden ist die Szenenfolge im späten 13. Oder frühen 14. Jahrhundert. Ursprünglich waren die säuberlich gemeißelten Figuren braun-grau, im 19. Jahrhundert wurden sie farblich gefasst. In den Jahren 1999 bis 2004 wurden sie aufwändig gereinigt. Umweltschmutz hatte sich im Laufe der Jahrhunderte wie ein Schleier über die steinernen Bildnisse gelegt.

Foto 4: Die Hirten auf dem Felde.
Heute halten engmaschige Netze Tauben von den sakralen Darstellungen fern. So wichtig der Schutz der  rund 800 Jahre alten Kostbarkeiten auch ist, die Netze stören beim Betrachten doch erheblich, besonders wenn man Details erkennen möchte. Fotografieren wird nicht einfacher durch diese Maßnahme. So entstehen viele Aufnahmen, die die kunstvollen Figuren des Tympanons in den Hintergrund rücken und die engen Maschen in den Vordergrund stellen.

Der sakrale Comicstrip beginnt mit »Bild 1« rechts unten. Wir erkennen, was dargestellt werden soll: Den »Hirten auf dem Felde« wird die Geburt des Heilands verkündet. Ein Engel (?) bläst in ein gewaltiges Horn, ein Engel verkündet die »frohe Botschaft«. Ein Hirte geht am Stock, führt seinen Hütehund an der Leine und blickt empor zum Engel, der ein kurzes Schriftband hält. Wenig beeindruckt zeigen sich die Schafe, die munter äsen. Vorsicht ist geboten. Die Bilder des Tympanons sind – anders als bei unseren heutigen Comics – nicht voneinander getrennt, sie gehen teilweise ineinander über. Die Totenköpfe über der idyllischen Szene haben mit den Hirten nichts zu tun. Links schließt sich schon die nächste Szene an. Wir wissen, was dargestellt werden soll. Auf dem prächtigen Bett, das so gar nicht in einen ärmlichen Stall von Bethlehem passt, ruht natürlich Maria, die »Gottesmutter«. Sie liebkost zärtlich das reichlich groß geratene Jesuskind. Das Baby mit lockigem Haupthaar wirkt eher wie ein Erwachsener als ein Neugeborenes. Ochs und Esel stehen dabei.

Foto 5: Jesu Geburt im Stall von Bethlehem.

Was »erzählt« uns das Bild? Die biblische Geschichte von Jesu Geburt. DIE Geschichte gibt es nicht. Lesen wir nach bei Lukas (2):  »Und als sie dort (in Bethlehem, der Autor) waren, da kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.« Weitere Angaben zur Geburtsstätte Jesu finden sich nicht bei Lukas. Als Europäer assoziieren wir allerdings  »Krippe« mit »Stall«. Von einem Stall aber ist bei Lukas nichts zu lesen, auch nicht bei Matthäus. Matthäus (3) weiß nur etwas von einem „Haus“. Wurde Jesus nun in einem Stall oder in einem Haus geboren? Das Tympanon lässt keinen Zweifel aufkommen: Es versetzt die Geburt Jesu in einen Stall, Ochs und Esel schauen zu. In den Evangelien der Bibel freilich gibt es derlei Beschreibungen nicht. Wie kamen nun Ochse und Esel ins fromme Bild? Die braven Tiere werden von den Evangelisten an keiner Stelle erwähnt.

Foto 6 Das große »Jesusbaby«.
Die Erklärung: Begierig suchte man auch noch Jahrhunderte nach Jesu Tod am Kreuz im Alten Testament nach Hinweisen auf Jesus. Bei Habakuk wurde man fündig (4): »Herr, ich habe die Kunde von dir gehört, ich habe dein Werk gesehen, Herr! Mache es lebendig in naher Zeit, und lass es kundwerden in naher Zeit.« Man muss schon über eine ausgeprägte Fantasie verfügen, damit man hier auch nur einen Hauch von Jesus erkennt. Für den frommen Interpreten heißt die Aufforderung, Gott möge sein Werk lebendig machen, er möge seinen Sohn Jesus schicken. Wann? Schaut man ins Hebräische und übersetzt wörtlich, liest man (5): »Jahwe, ich hörte von dir, ich stehe in Furcht vor deinem Wirken inmitten der Jahre. Erneuere es inmitten der Jahre.«
    
»Inmitten der Jahre« könnte auch »inmitten der Zeiten heißen« oder »zwischen den Zeitaltern«. Von irgendwelchen Tieren ist keine Rede. Im Griechischen der Septuaginta-Bibel (nicht in der lateinischen Ausgabe!) wird der Anlass zur Verwechselung geboten! Wo von »zwischen den Zeitaltern« gesprochen wird, steht da »zoe«. Und Tier heißt »zoon«. Die Ähnlichkeit führte zu einer sinnentstellenden, falschen Übersetzung. Jetzt ist nicht mehr von »zwischen den Zeiten«, sondern »zwischen den Tieren« die Rede! Und weil »zwischen Tieren« zu allgemein formuliert war, entschied man sich, um die Geschichte plastischer und konkreter werden zu lassen, für Ochs’ und Esel.
    
Frühestens im sechsten Jahrhundert nach Christus, als die Arbeiten an den Texten des Neuen Testaments längst abgeschlossen waren, entstand der sogenannte »Pseudo-Matthäus«. In Teilen der frühen Kirche wurde der apokryphe Text auch im Gottesdienst gelesen. In die Bibel wurde er aber nie offiziell aufgenommen. Im Pseudo-Matthäus lesen wir (6): »Dann trat Maria in einen Stall, legte das Kind in der Krippe nieder, und Ochse und Esel beteten es an.« Es mag ernüchternd sein: Das uns so vertraute Bild vom Jesusbaby in der Krippe zwischen Ochs‘ und Esel, seit Jahrhunderten nachgestellt in unzähligen Krippen, basiert auf einem Übersetzungsfehler. Im Tympanon wird uns das im Volksglauben verankerte Bild, wie wir es aus Krippen kennen, gezeigt.

Foto 7: Ochs' und Esel
Am Fußende des Betts hockt nachdenklich ein bärtiger Mann. Vermutlich soll das Joseph sein, dem womöglich noch immer nicht so recht klar ist, wie denn Maria, seine junge Frau, zum Kinde kam. Am Kopfende steht eine weitere Gestalt mit einer goldenen Krone. Sie hält eine Kerze, erleuchtet das Szenario im Stall von Bethlehem. Ist es eine Königin? Gehört sie zu den »Drei Heiligen Königen«? Oder stammt sie aus dem Umfeld der hartherzigen Menschen, die Maria und Joseph nur einen Platz im Stall, nicht aber in der Herberge zuwiesen? Aber warum trägt sie dann eine Krone? Die »theologische« Erklärung: Hier steht die allegorische Verkörperung der heiligen christlichen Kirche.

Fußnoten
1) http://www.express.de/25480844
2) »Das Evangelium nach Lukas« Kapitel 2, Verse 6 und 7
3) »Das Evangelium nach Matthäus« Kapitel 2, Vers 10
4) »Prophet Habakuk« Kapitel 3, Vers 2
5) Übersetzung aus dem Hebräischen durch den Verfasser
6) Daniel-Rops, Henri: Die apokryphen Evangelien des Neuen Testaments, Zürich 1956, S. 58

Foto 8: Joseph und Engel
Zu den Fotos
Foto 1: Nach dem Bombenterror! Freiburg 27.11.1944. Fotograf unbekannt. Archiv Langbein
Foto 2: Haupteingang. Foto wikimedia commons/ Todor Bozhinov
Foto 3: Haupteingang Freiburger Münster/ Tympanon. Foto wiki commons/ Daderot
Foto 4: Die Hirten auf dem Felde. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Jesu Geburt im Stall . Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6 Das große »Jesusbaby«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Ochs‘ und Esel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Joseph und ein Engel. Foto Walter-Jörg Langbein


375 »Tod und Teufel«,
Teil  375 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 26.03.2017



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Sonntag, 12. März 2017

373 »Alexander fliegt in den Himmel«

Teil  373 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein

Fotos 1-3: Das Münster zu Freiburg 1931-1944

»Hören Sie endlich auf, sich mit diesem Österreicher zu beschäftigen!«, ermahnte mich streng der Leiter eines christlichen Studentenheims nach meinem Vortrag über den Schweizer Erich von Däniken und seine »Astronautengötter«. »Der Mann schreibt doch nur Unsinn! Warum haben Sie denn in Ihrem Vortrag nicht darauf hingewiesen, dass nach diesem Däniken der Weihnachtsbaum eine Rakete darstellt? Es war Ihnen wohl auch peinlich, dass dieser Scharlatan die Glaskugeln am Weihnachtsbaum für Nachbildungen von UFOs hält?« Höflich wies ich darauf hin, dass nirgendwo in Erich von Dänikens Büchern so ein Unsinn steht und dass Erich von Däniken auch nicht in seinen Vorträgen derlei hirnrissige Thesen vertritt. »Oder haben Sie das irgendwo bei Däniken gelesen?« Der Leiter des Studentenheims winkte ab. »Ich und Däniken lesen? Ich bitte Sie! So etwas unterstellen Sie mir?«

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte habe ich immer wieder erlebt, dass gerade die schärfsten Gegner dänikenschen Gedankenguts wenig oder gar nichts von E.v.D. gelesen zu haben. »Mein« Pfarrer ließ sich durch Fakten nicht beirren. Er schwadronierte weiter: »Diese Himmelfahrten von Alexander dem Großen und Menschen wie Henoch und Elias hat es nicht gegeben!« Ich hatte in meinem Vortrag auf das weltweit auftretende Phänomen von Himmelsreisen hingewiesen.

Foto 4: Freiburg kurz vor Kriegsende 1944.

An meinen Vortrag, den ich Mitte der 1970er in Erlangen gehalten habe, erinnere ich mich lebhaft, als ich mit Ingeborg Diekmann vor dem Eingang zur einstigen Nikolaus-Kapelle im Münster zu Freiburg stehe. Da wurde nämlich in den Stein eine seltsam anmutende Szene gemeißelt. Die präzise ausgearbeitete Darstellung zeigt einen Menschen, der in einer Art Bottich oder Gondel sitzt. Rechts und links sieht man zwei große Greifvögel, die – an Schnüren angebunden – den Menschen in die Lüfte tragen. Sind es Adler? Oder sollen zwei Exemplare des mystisch-mythischen »Vogel Greif« gemeint?

Fotos 5 und 6: Alexanders Himmelfahrt

Nach übereinstimmender Meinung der Experten handelt es sich bei dem Mann um keinen Geringeren als Alexander den Großen. Als Vorlage für die Reliefarbeit vom Freiburger Münster diente wohl eine sehr alte, zunächst mündlich überlieferte Sage, die schließlich im dritten Jahrhundert in Alexanders Vita eigearbeitet wurde. Verschiedene Fassungen der Geschichte von Alexanders »Himmelfahrt« sind im byzantinischen Reich nachweisbar, wo sie schon im 4. nachchristlichen Jahrhundert kursierten. Noch im 7. Jahrhundert sollen Alexander-Biografien fabuliert worden sein.

Foto 7: Alexanders Himmelfahrt.

Das Pfarrhoftor von St. Peter und Paul in Remagen ziert eine »Himmelfahrt« Alexanders, an einem der niedrigen Säulenkapitelle am Eingang zur einstigen Nikolaus-Kapelle sehen wir ein ähnliches Szenario. Mit List gelingt es Alexander, die Greifvögel dazu zu bringen, ihm als treibende Kraft zu helfen und in den Himmel zu fliegen. Alexander hält in beiden Händen je einen Spieß mit einem Hasen als Lockmittel. Die Greifvögel wollen natürlich die Hasen vertilgen und versuchen sie zu fangen. Doch wie hoch sie auch fliegen, der scheinbar so leicht erreichbaren  Beute an den Spießen kommen sie keine Handbreit näher. So sehr sich die mächtigen Vögel auch anstrengen, Alexander hält die beiden Spieße eisern fest. So bleibt der Abstand von den Hasen zu den Schnäbeln der Adler immer gleich.

Fotos 8 und 9: Prinzip Lukas der Lokomotivführer.

In Michael Endes »Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer« kommt das gleiche Prinzip zum Einsatz. Lukas, der Lokomotivführer befestigt an der eisernen Lokomotive Emma ein Gestänge mit einem Magneten am Ende. Der Magnet zieht die Lokomotive zu sich heran, das Gestänge hält aber den Magneten immer in gleichbleibender Distanz. So fährt und fliegt Emma, die wackere Lokomotive, immer in Richtung Magnet. Sie kann ihn aber nie erreichen, da das Gestänge immer für den gleichen Abstand sorgt. Der Magnet, darauf beruht das Lukas-Prinzip, zieht die Lokomotive zu sich heran, das Gestänge aber schiebt den Magnet gleichzeitig weiter weg, und so bewegt sich die Lokomotive, auf den Wogen des Meeres, in der Wüste wie in den Lüften. Freilich funktioniert die Lokomotive als »perpetuum mobile« nur in der »Augsburger Puppenkiste«.

Foto 10: Alexanders Himmelfahrt

Die Darstellung von Alexanders Himmelfahrt hat auf den ersten Blick wirklich nichts Christliches an sich. Für Strenggläubige ist sie sogar blasphemisch, denn ein heidnischer Regent darf doch nicht wie später Jesus in den Himmel aufgefahren sein! Warum wurde die heidnische Legende in einem christlichen Gotteshaus angebracht? Wenn man keine plausible Erklärung für ein Kunstwerk anzubieten hat, dann greift man gern zum Begriff »Allegorie«. Zieren geschnitzte Darstellungen von heidnischen Göttinnen den rätselhaften Altar im Kirchlein »St. Michael« zu Kirchbrak, dann sind das natürlich allegorische Darstellungen. Im damals jugoslawischen Crikvenica kam ich mit einem Kirchenrestaurator ins Gespräch. Er zeigte mir an einem beachtlichen Säulenkapitell in einer eher kleinen, dörflichen Kapelle ein kleines kurioses Relief. Es stellte eine bärtige Person darf, die – auf einer Art  sitzend – von zwei gewaltigen Adlern in den Himmel getragen wurde. Hoch über dem Geschehen waren noch drei oder vier Sterne zu erkennen, die einst golden angemalt waren. »Sieht aus wie ein Astronaut!«, lachte der Restaurator. »Aber das hört man hier nicht gern. Also erklärt man die Darstellung zur Allegorie. Wenn etwas Allegorie heißt, darf alles in einer Kirche gezeigt werden!«

Offen gesagt: Der Mann auf der Wolke erinnerte mich überhaupt nicht an einen Astronauten. Zudem waren Teile seines Körpers nur noch zu erahnen oder schon ganz weggebröckelt. Aber unbestreitbar war, dass da jemand gen Himmel geflogen wurde.

Der Alexander der Große von Freiburg, der bei seiner Himmelfahrt zu den Sternen geschafft wird, stellt – als Allegorie – natürlich keinen realen Aufstieg von der Erde in den Himmel dar. Da klingen nicht etwa Erinnerungen an kosmische Reisen in grauer Vorzeit an, das wäre ja nicht christlich. Im übersichtlichen Führer »Das Münster zu Freiburg im Breisgau« heißt es klipp und klar (1): »Auf dem Kapitell ist die Himmelfahrt des mazedonischen Königs Alexander sinnbildlich für den menschlichen Hochmut dargestellt.« (2)

Foto 11: »Allegorische Darstellungen« von Kirchbrak.

So ganz aus der Luft gegriffen ist diese Erklärung zunächst nicht. »Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann« weiß Interessantes zu berichten (3): »Der Sage nach ließ sich Alexander der Große von einem Adler- oder Greifengespann Richtung Himmel bringen, wurde aber von einem geflügelten Wesen zur Umkehr gezwungen. Im Mittelalter galt das Motiv als Symbol für den Hochmut.« Pius Enderle schreibt (4): »Die Umformung der geschichtlichen Taten Alexanders des Großen in das Reich der Sage setzte schon innerhalb der hellenistischen Zeit ein. Im Mittelalter fand die Legende von der Greifenfahrt Alexanders des Großen in der Literatur und Kunst zahlreiche Darstellungen, in welche sich die Freiburger Skulpturengruppe einreiht.« (5)

Nach Enderle wurden historische Begebenheiten aus dem realen Leben Alexanders in Sagen verarbeitet. Ich frage mich wie so oft beim Betrachten sakraler Kunstwerke und bei der Lektüre uralter Mythen, ob es heute noch möglich ist, den realen Hintergrund hinter märchenhaft-mythologisch anmutenden Darstellungen zu erkennen. Konkreter: Ist es möglich, dass es vor Jahrtausenden kosmische Besucher auf unserem Planeten gab, die als Götter in Mythen Eingang fanden und auf »religiösen« Darstellungen verewigt wurden? Haben die Reisen Alexanders und Fausts in den Himmel einen realen Hintergrund?

Für christliche Interpreten begeht Alexander, der in den Himmel reisen möchte, eine der sieben klassischen »Todsünden« (6). Der Begriff der »sieben Todsünden« ist theologisch eigentlich falsch, theologisch korrekt ist der Begriff »Hauptlaster«. Im Verlauf der vergangenen eineinhalb Jahrtausende gab es verschiedene, leicht voneinander abweichende Listen dieser besonders schweren Sünden. Die klassischen »7 Todsünden« – ich verwende den im Volksglauben weit verbreiteten Begriff – sind Superbia (Hochmut), Avaritia (Geiz), Luxuria (Wollust), Ira (Zorn), Gula (Völlerei), Invidia (Neid) und Acedia (Trägheit).  Aus christlich-theologischer Sicht war Alexander der Große hochmütig und beging die schwere Sünde der Hoffart und die steht für den Theologen (7) »am Anfang aller menschlichen Laster«.

Foto 12: Allegorie oder Göttin?

Was die Theologie verteufelt, priesen die frühen Alexander-Romane als höchst positive Eigenschaft (8): »Mit Wissensdurst und positiver Neugier wurde hier die unerhörte Tat Alexanders begründet, doch galt sie, insbesondere in Klerikerkreisen, auch und vor allem als Zeugnis eines sündhaften Hochmuts.« Religiöser Fundamentalismus macht den Menschen klein. Er hat nicht voller Forscherdrang nach wissenschaftlicher Erkenntnis zu suchen. Vielmehr hat er zu glauben und nicht etwa zu hinterfragen, was in »seinem« vermeintlich göttlich-heiligen Buch steht, sei es das Alte Testament, sei es die Bibel als Ganzes, sei es der Koran. Für den religiösen Fundamentalisten ist es sinnlos, außerhalb des jeweils gültigen »heiligen Buches« nach der Wahrheit zu suchen. Man hat sich darauf zu beschränken, die vermeintlich göttliche Offenbarung zu studieren und zu verinnerlichen, nicht etwa anzuzweifeln.

Wer daran glaubt, dass ein »heiliges Buch« die göttliche Wahrheit bietet, sieht gern menschliches Streben nach eigener Erkenntnis als sündhaften Hochmut an. Ein wie auch immer geartetes »heiliges Buch« verbietet geradezu eigenes Nachdenken, zweifelt man doch Gottes Wahrheit an, wenn man sich selbst auf die Suche nach Wahrheit macht und nicht davor zurückschreckt, logisches Denken dem Nachplappern vermeintlich göttlicher Wahrheiten vorzuziehen.

Foto 13: Allegorie oder Göttin Venus mit Taube?
Fußnoten
1) »Freiburger Münsterbauverein« (Hrsg.): »Das Münster zu Freiburg im Breisgau«, 4., überarbeitete Auflage, Lindenberg 2007, Seite 40, rechte Spalte, Zeilen 4-6 von oben
2) Siehe hierzu auch  Farnell, Lewis R.: »Greek Hero Cults and Ideas of Immortality«, Oxford 1921
3) http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_275.html (Stand 3.12.2016)
4) Enderle, Pius: »Der Neue David und das Neue Jerusalem/ Zur Typologie-Symbolik am Freiburger Münster«, Verlag Karl Schillinger, Freiburg 1983, S. 36
5) Anmerkung des Verfassers: Die Bezeichnung »Skulpturengruppe« ist irreführend. Es handelt sich nicht um Skulpturen, sondern kleinformatige Flachreliefs.
6) Buterus, Alexandra et.al. »Die 7 Todsünden/1.700 Jahre Kulturgeschichte zwischen Tugend und Laster«, Münster 2015
7) Freiburger Münsterbauverein (Hrsg.): »Das Freiburger Münster«, 2. Auflage,
Regensburg 2011, S. 188
8) ebenda


Zu den Fotos
Fotos 1-3: Das Münster zu Freiburg 1931-1944. Foto 1 1931, Foto 2 Foto 1940, Foto 3 1944. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Freiburg kurz vor Kriegsende 1944. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 
Fotos 5 und 6: Alexanders Himmelfahrt. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Alexanders Himmelfahrt. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 8 und 9: Prinzip Lukas der Lokomotivführer. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Alexanders Himmelfahrt aus Pius Enderles Der Neue David und das Neue Jerusalem Zur Typologie-Symbolik am Freiburger Münster Verlag Karl Schillinger Freiburg 1983. Abdruckgenehmigung telefonisch eingeholt.

Foto 11: »Allegorische Darstellungen« von Kirchbrak. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 12: Allegorie oder Göttin (Kirchbrak). Foto Walter-Jörg Langbein 
Foto 13: Allegorie oder Göttin Venus mit Taube? (Kirchbrak) Foto Walter-Jörg Langbein

An alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim diesjährigen Seminar "Phantastische Phänomene": Meine Aktion "Hilfe für Obdachlose in Bremen" erbrachte insgesamt Euro 155,00. Ich habe "aufgestockt" auf Euro 175,00 und das Geld überwiesen an "Die Bremer Suppenengel e.V." Ich danke allen, die zum Erfolg beigetragen haben. Recht herzlich - Walter.

374 »Zwischen den Zeiten«,
Teil  374 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 19.03.2017


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Sonntag, 26. Februar 2017

371 »Von Monstern und Götterwagen«

Teil  371 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Das Münster um 1926
Wir haben gründlich die fischschwänzige »Monsterfamilie« studiert. Direkt daneben wurde vor etwa einem Jahrtausend ein Szenario wie aus einem Fantasy-Film unserer Tage in den Stein geritzt: Da kämpfen Fabelwesen! Ich muss noch einmal Eusebius zitieren, der ganz ähnliche Monster beschrieben hat:

»Menschen mit Schenkeln von Ziegen und Hörnern am Kopfe, noch andere, pferdefüßige, und andere von Pferdegestalt an der Hinterseite und Menschengestalt an der Vorderseite. Erzeugt hätten sie (die Götter) auch Stiere, menschenköpfige, und Hunde, vierleibige, deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückseits an den Hinterteilen hervorliefen, auch Pferde mit Hundeköpfen...sowie andere Ungeheuer, pferdeköpfige und menschenleibige und nach Art der Fische beschwänzte, dazu weiter auch allerlei drachenförmige Unwesen und Fische und Reptilien und Schlangen und eine Menge von Wunderwesen, mannigfaltig gearteten und untereinander verschieden geformten.«

Es ist endlich an der Zeit, dass ein Katalog erstellt wird mit all‘ den Kreaturen, den Monstern, die immer wieder weltweit dargestellt wurden! Man möchte gern diese Horrorkreationen ins Reich der Märchen verbannen, möchte hoffen, dass es sie nie gegeben hat...doch in fast allen Museen der Erde finden sich Abbildungen, präzise Darstellungen jener Wesen. So werden im französischen Louvre Miniaturen aufbewahrt, etwa 4200 Jahre alt, die menschenköpfige Stiere darstellen.

Im Eingangsbereich des Ägyptischen Museums von Kairo sah ich in einer Glasvitrine das in Stein gearbeitete Halbrelief fremdartiger Monster. Ihre Leiber erinnern an Pferde , sie haben Löwenfüße, auf unnatürlich langen Hälsen sitzen verhältnismäßig kleine Köpfe, die an Löwenhäupter erinnern. Angriffslustig stehen die beiden Wesen einander gegenüber, scheinen gleich einander angreifen zu wollen. Noch hindern sie kleine, sehr naturgetreu dargestellte Wesen daran, zerren an Stricken...

Monstermischwesen sind auch auf der Osterinsel dargestellt, und zwar in Halbreliefs in Stein, halb Vogel, halb Mensch. Und Monsterwesen wurden vor fast einem Jahrtausend in den Eingang zur einstigen Nikolauskapelle eingearbeitet. Wurden diese rätselhaften Kunstwerke eigenes für das Freiburger Münster gefertigt? Oder wurden sie von einem älteren Bauwerk – etwa einem Tempel – übernommen? Detlef Zinke schreibt in seinem Beitrag zum opulenten Band »Das Freiburger Münster« (1):

Fotos 2-4:  Links die Monsterfamilie, rechts Duellanten

»Dass der aktuelle Versatz der Werkstücke kaum der ursprünglich beabsichtigte ist und einiges wohl erst baulich passend gemacht werden musste – unmotiviert erscheinende Schnittkanten sprächen dafür -, dürfte ohnehin ein übergreifendes Verständnis erschweren.« Wurden also die rätselhaften Reliefs tatsächlich aus einem älteren Bauwerk übernommen und für den Eingang zur einstigen Nikolauskapelle erst passend gemacht? In Südamerika hat man häufig erstaunlich präzise zugeschnittene Steine aus Inkatempeln in christliche Kirchen eingebaut. Auch hier fehlt ein wissenschaftlicher Katalog mit präzisen Auflistungen, in welchen christlichen Kirchen (etwa in Peru!) wo wie viel Inka-Mauerwerk eingebaut wurde. Die Inkas haben ihrerseits ältere Bausubstanz übernommen.

Foto 5: Die zwei Paare von Duellanten von Freiburg

Die sorgsam gearbeiteten Reliefs kommen mir jedenfalls wie Fremdkörper vor, die nicht so recht in den Kontext des Portals zur einstigen Nikolauskapelle passen. Es will mir so scheinen, als habe man diese Elemente irgendwo heraus gesägt, passend gemacht und neu eingesetzt. Glatte, flach polierte Schnittflächen könnten darauf hinweisen, dass nur Teile der Reliefs übernommen wurden. Womöglich erschien die Originalsubstanz der Reliefs den Steinmetzen vielleicht zu unchristlich und wurde in Teilen bewusst zerstört? Haben die mysteriösen Reliefs also womöglich einen heidnischen Hintergrund? Detlef Zinke jedenfalls konstatiert (2): »Eine Art magischer Wirkung geht noch immer von ihnen aus.«

Foto 6: Die zwei Kampfszenen von Freiburg

Kurz und bündig merkt »Das Münster zu Freiburg im Breisgau« (3) an: »Am Kapitell … eine fischgeschwänzte Sirenenfamilie, daneben zwei Kampfszenen zwischen einem Menschen und einem Greifen und zwei geflügelten Kentauren.« Biblisch ist die Darstellung auf keinen Fall, mir ist auch kein mythologischer Stoff bekannt, der hier in Stein verewigt sein könnte. Insgesamt sind zwei Paare von Duellanten zu erkennen: 

Foto 7: Greif contra Mensch
 Da ist einerseits ein mächtiger Vogel Greif, der sich mit einem Menschen duelliert. Der Vogel Greif: ein Mischwesen, eine Mixtur aus Löwe und Greifvogel. Der Mensch hält zur Verteidigung ein Schild vor sich und hebt gleichzeitig sein Schwert hoch über den Kopf. Offenbar fühlt er sich seinem Gegner gewachsen, ja vielleicht überlegen. Wird es ihm gleich gelingen, den Greif – das Untier dürfte in etwa Pferdegröße haben – zu töten?


Foto 8: Greif gegen Greif
Und da sind andererseits – Paarung Nummer 2 – zwei Kentauren. Auch sie tragen einen mörderischen Zweikampf aus. Sie haben Pferdeleiber mit spitz zulaufenden Flügeln und menschliche Oberkörper. Beide sind mit runden Schilden ausgestattet – und mit Schwertern. Eine der beiden Kreaturen holt mit der Waffe zum Schlag aus, die andere zum Stich. Es gelingt ihm, am Schild vorbei zu stoßen. Der linke Kentaur, scheint mir, wird den Kampf gewinnen. (Foto 8!)

Mischwesen sind mir auf meinen Reisen immer wieder begegnet, zum Beispiel in Indien. Der mächtigste Gott Indiens war – und ist – Shiva. Shiva hatte einen göttlichen Sohn, Ganesha. Ganesha wird schon seit »ewigen Zeiten« als Vermittler zwischen seinem Vater Shiva und den Menschen angesehen. Er wird als Mischwesen dargestellt: auf dem Körper eines Menschen sitzt der Kopf eines Elefanten. Wer Shivas göttlichen Beistand sucht, bittet Ganesha um Hilfe als Kontaktler zwischen einem Irdischen und dem Höchsten. Als besonders glücksbringend gilt es, von einem Elefanten »gesegnet« zu werden. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, diese huldvolle Geste zu empfangen, die schon kleine Elefanten spenden. Sanft legte so ein jugendlicher Repräsentant Ganeshas seinen geschmeidigen Rüssel auf mein Haupt.

Noch ein Beispiel: Auch wenn die Einzelheiten auch in der Bevölkerung der Osterinsel umstritten sind: Es wurde ein »Vogelmensch-Kult« zelebriert, dessen Ursprung in Vergessenheit geraten ist. Bei Orongo stellte man die geheimnisvollen »Vogelmenschen« dar: Seltsame, fast monströs wirkende Mischwesen aus Mensch und Vogel wurden in den Stein geritzt, oft direkt neben Darstellungen des fliegenden Gottes Make Make. Wer waren diese »Vogelmenschen«? Hatten sie einen Bezug zum fliegenden Gott Make Make und den gigantischen Statuen der Osterinsel? Und wann wurden die monströsen Figuren und kuriosen Ritzzeichnungen geschaffen? Und warum finden sich derlei Fabelwesen im Münster zu Freiburg?

Fotos 9 und 10: Der Küstentempel von Mahabalipuram. Göttervehikel in Stein

Die Kentauren der griechischen Mythologie gelten als unbeherrschte, lüsterne Wesen. Zur Begrüßung der Gläubigen am Eingang einer Kapelle in einem christlichen Gotteshaus sind sie denkbar ungeeignet. Die Kentauren Griechenlands gehen auf hinduistische »ashvins« zurück. Und das waren göttliche Wesen, die zwischen Himmel und Erde pendelten. Ausgiebig werden sie im altindischen Epos »Rig Veda« beschrieben. 

Die meiner Meinung nach beste Übersetzung stammt von Hermann Grassmann (Foto 11). Im uralten Epos erfahren wie viel über die Götter uralter Zeiten. Wann sich – zum Beispiel – die geschilderten Himmelsschlachten ereigneten, ist in der Welt der Wissenschaft umstritten und wird heftig diskutiert.

Foto 11: Übersetzung Grassmann
Sehnsüchtig hoffen die Menschen damals darauf, dass die Himmlischen zu ihnen kommen. Die (5) »Götterverlangenden«, so heißt es, warten auf den »Götterwagen«.  Der »Götterwagen« transportiert die Himmlischen zur Erde. Und die Götter halten sich gewöhnlich (6) im »weiten Luftraum« oder im »Lichtraum des Himmels« auf. Zur großen Schar der himmlischen Götter gehören die göttlichen Ashvin-Zwillinge Dasra und Nasatya. Mit ihrem goldenen Wagen fahren sie durch die Luft (7). Das darf nicht verwundern, sind die beiden doch »Herren des Himmels«, die auf ihren Reisen aus himmlischen Gefilden zu den Menschen durch die Lüfte den »Glanz ihres Wagens leuchten« lassen (9). Keinen Zweifel lassen die Hymnen an Götter wie die Ashvin-Zwillinge an der Fortbewegungsart der Götter aufkommen: Sie fliegen! Ihr (10) dreiteiliger Wagen ist »schneller als der Gedanke«, mit ihm fliegen die Götter durch die Lüfte, nach der Landung aber rollt er »wenn er zur Erde kommt«.

So führen uns die Fabelwesen im Münster zu Freiburg in die mythische Vergangenheit Indiens. Steinerne Tempel Indiens, wie die von Mahabalipuram, sollen die fliegenden Göttervehikel darstellen. Wie und warum die Kentauren als kunstvolles Relief in ein altehrwürdiges, christliches Gotteshaus gelangten, wir wissen es nicht.

Foto 12: Übersetzung Geldner
Fußnoten
1) Freiburger Münsterbauverein (Hrsg.): 
»Das Freiburger Münster«, 2. Auflage, 
Regensburg 2011, S. 186
2) ebenda
3) Freiburger Münsterbauverein (Hrsg.): »Das Münster zu Freiburg im Breisgau«, bearbeitet von Heike Mittmann, 4., überarbeitete Auflage, Lindenberg 2007
Anmerkung: Achten Sie beim Quellenstudium darauf, dass Sie mit
einer Übersetzung des Rig Veda arbeiten und nicht mit einer Nacherzählung.
Wenn es um Details geht, sind Nacherzählungen wenig hilfreich. Ich persönlich ziehe ältere Übersetzungen vor. Es ist aber an der Zeit, dass ein technisch versierter Übersetzer eine Neuübersetzung wagt.
4) »RIG VEDA. Übersetzt und mit kritischen und erläuternden Anmerkungen
     versehen von Hermann Grassmann in zwei Theilen«, Band 1 Leipzig 1876
(5) Liedkreis 7, Hymnus 2, Vers 5 (Verkürzt 7, 2, 5)
(6) Liedkreis 3, Hymnus 6, Vers 8 (Verkürzt 3, 6, 8)
(7) Liedkreis 1, Hymnus 139, Vers 4 (Verkürzt 1, 139, 4)
(8) Liedkreis 6, Hymnus 62, Vers 1 (Verkürzt 6, 62, 1)
(9) Liedkreis 6, Hymnus 62, Vers 2 (Verkürzt 6, 62, 2)
(10) Liedkreis 1, Hymnus 183, Verse 1 und 2 (Verkürzt 1, 183, 1 und 2)

Zu den Fotos
Foto 13: Rekonstruktion eines Göttervehikels.
Foto 1: Das Münster um 1926. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 
Fotos 2-4:  Links die Monsterfamilie, rechts Duellanten. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Die zwei Paare von Duellanten von Freiburg. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Die zwei Kampfszenen von Freiburg. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Greif contra Mensch. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Greif gegen Greif. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 9 und 10: Der Küstentempel von Mahabalipuram. Göttervehikel in Stein. Fotos Walter-Jörg Langbein 
Foto 11: Rig Veda in der Übersetzung von Hermann Grassmann. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 12: Eine weitere Übersetzung des »Rig Veda«. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 13: Rekonstruktion eines Göttervehikels. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein






372 »Vom Mönch, vom Wolf und von einem Sonnengott«,
Teil  372 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 05.03.2017

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