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Sonntag, 24. Juli 2011

79 »Das Geheimnis der Dienerin«

Teil 79 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24.7.2011


Heute gibt es weltweit rund 2,3 Milliarden Anhänger des Christentums, 1,6 Milliarden Menschen sind Anhänger des Islam, rund 900 Millionen Menschen werden dem Hinduismus zugerechnet. Vor rund zwei Jahrtausenden scharte Jesus ein kleines Häuflein von Anhängern um sich. Als er gekreuzigt wurde, gab es »das Christentum« noch gar nicht. Niemand hat damals geglaubt, dass sich das Christentum zu der am meisten verbreiteten Religion der Welt entwickeln würde.

Das mysteriöse »Abendmahl«
von Kirchbrak - Foto: W-J.Langbein
Jesus selbst wollte zunächst sein Wirken nur auf das kleine Volk der Kinder Israel beschränkt sehen. Überspitzt formuliert: Er war ausländerfeindlich. Für Menschen aus dem nahegelegenen Kanaan war er seiner Meinung nach nicht zuständig. Es war eine Frau, die Jesu Horizont erweiterte. Es war eine Frau, die dem Provinzprediger Jesus die Grenzen aufstieß. Diese namenlose kanaanäische Frau bat Jesus, ihre kranke Tochter zu heilen. Kanaanäische Gefilde aber waren »Ausland« für Jesus und er erwiderte barsch (1): »Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.« Und dann verglich Jesus die kanaanäischen Menschen – und das war eine schlimme, wirklich üble Beleidigung – mit Hunden (2): »Es ist nicht fein, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.« In geradezu unterwürfiger Weise griff die kanaanäische Frau den Vergleich Jesu auf (3): »Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die von des Herrn Tisch fallen.«

Die anonyme Frau hat wie kaum ein zweiter Mensch Jesus beeinflusst. Sie brachte ihn dazu, ihre Tochter zu heilen ... Sie ließ Jesus über seinen Schatten springen. Sie legte den Grundstein zur Weltreligion Christentum, das sonst womöglich eine kleine jüdisch-christliche Sekte geblieben wäre ... von der heute niemand mehr sprechen würde.

Der unbekannte Künstler von Kirchbrak spielt meiner Meinung nach auf das Gleichnis Jesu von den Hunden, die unter dem Tisch des Herrn verköstigt werden an. Allerdings bekommen die Hunde nicht nur Brosamen, sie werden geradezu verwöhnt.

Hunde unter dem Tisch des Herrn
Foto: W-J.Langbein
Jesus sitzt im Zentrum einer Schar von dreizehn und nicht zwölf Jüngern. Vom Betrachter aus gesehen links hinten erkennen wir eine weibliche Person, jugendlich, bartlos, die Arme keusch bedeckt. Insgesamt zählen wir aber nicht vierzehn Personen (Jesus plus 13 Jünger)... sondern 15! Die 15. Person befindet sich etwas außerhalb der Gesellschaft Jesu, vom Betrachter aus gesehen vorn rechts. Auch sie hat die weiblichen Attribute, auch sie ist – wie Maria Magdalena – bartlos jugendlich, auch sie hat die Arme keusch bedeckt. Sie aber steht außerhalb der Gesellschaft um Jesus, sie ist eine Dienerin.

Im bunt bemalten hölzernen Schnitzwerk von Kirchbrak steht die Dienerin diagonal entgegengesetzt zu Maria Magdalena. Sie ist, vom Künstler symbolisch ausgedrückt, das Gegenstück zu Maria Magdalena. Oder anders ausgedrückt: Maria Magdalena ist das Gegenstück zur Dienerin, sie gehört zum engsten Kreis um Jesus. Sie ist die Jüngerin, die Jesus mehr liebte als alle männlichen Jünger.

Eine mysteriöse Dienerin schenkt
Wein ein - Foto: W-J.Langbein
Das Geheimnis der Dienerin: Sie unterstreicht die dominante Rolle Maria Magdalenas. Das Geheimnis der Maria Magdalena wird in verbotenen Evangelien von Nag Hammadi, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden, verdeutlicht. Im »Evangelium der Maria (Magdalena)« wird der Neid der männlichen Jünger auf Maria Magdalena deutlich. Nach dem Tod Jesu wendet sich Petrus an Maria Magdalena und fragt scheinheilig (4): »Schwester, wir wissen, dass der Erlöser dich mehr liebt als die anderen Frauen. Sage uns daher die Worte des Erlösers, an die du dich erinnerst, die du kennst, wir aber nicht, und die wir auch nicht gehört haben.« Die Jünger sind eifersüchtig. Und das offenbar mit Recht. Offenbar hat Jesus Maria Magdalena Wissen anvertraut, das er seinen männlichen Jüngern vorenthielt (5): »Als Maria das gesagt hatte, schwieg sie. Denn dies war alles, was der Erlöser mit ihr besprochen hatte. Andreas aber hatte Einwände und sprach zu den Brüdern: ›Sagt an, was meint ihr zu dem, was sie gesagt hat? Ich jedenfalls glaube nicht, dass der Erlöser so gesprochen hat. Seine Lehren haben sicher ganz andere Bedeutungen.‹ Da machte auch Petrus Einwände zu dem Gesagten und fragte seine Brüder nach ihrer Meinung über den Erlöser: ›Sollte er wirklich mit einem Weibe unter vier Augen gesprochen haben und uns davon ausgeschlossen haben? Sollen wir uns etwa ihr zuwenden und alle auf sie hören? Hat er sie uns gegenüber bevorzugt?‹«

Die Dienerin schenkt ein
Foto W-J.Langbein
Nur einer der Jünger, Levi, engagierte sich für Maria Magdalena (6): »Petrus, du bist schon immer aufbrausend gewesen. Und auch jetzt sehe ich, wie du dich gegen diese Frau ereiferst, als wärest du ihr Widersacher. Wenn aber der Erlöser sie gewürdigt hat, wer bist du, dass du sie verwerfen dürftest?... Wir sollten uns schämen...und das Evangelium verkünden, wie er es uns aufgetragen hat, ohne dass wir ein weiteres Gebot oder Gesetz erlassen außer dem, worin uns der Erlöser unterwiesen hat.«

Pastor Andreas Pasewark, inzwischen in einer anderen Gemeinde tätig, betreute Kirchbrak als allseits beliebter Geistlicher. Zu meinen Thesen in Sachen Maria Magdalena auf dem Altarbild von Kirchbrak äußerte der Theologe in einem Interview durchaus wohlwollend (7): »Als ich das Buch von Langbein gelesen habe, bin ich direkt in die Kirche gelaufen und habe nachgeschaut. Der dreizehnte Jünger war für uns schon immer ein Rätsel, aber die Interpretation als Frau ist eine neue Möglichkeit.« Pastor Pasewark weiter: »Frauen sind für das Leben Jesu und die Entstehung des Christentums wichtiger, als es die Evangelisten darstellen!«

Leonardo da Vinci schuf sein weltberühmtes Abendmahl 1495 bis 1489, Philippe de Champaigne kreierte sein Abendmahl anno 1662... und um 1750 schnitzte und bemalte ein unbekannter Künstler das Abendmahl von Kirchbrak.Und auf allen diesen Kunstwerken taucht ein Geheimnis auf.... eine Frau im Kreis der Jünger Jesu.

Maria Magdalena und Jesus, von Philippe de Champaigne
Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Ich bin davon überzeugt: Es ist Maria Magdalena, Apostelin der Apostel, wurde viele Jahrhunderte zu Unrecht als die »Sünderin« und Prostituierte verunglimpft... obwohl es für diese absurde Behauptung keinen Beleg in der Bibel gibt. Papst Gregor I. war es, der schon im Jahre 591 die Apostelin der Apostel zur Hure machte. Obwohl diese bösartige Verunglimpfung frei erfunden ist, dauerte es 1378 Jahre, bis die römisch-katholische Kirche anno 1969 Maria Magdalena vom falschen Makel, eine Prostituierte zu sein, befreite. Diese Rehabilitation wurde eher sehr verhalten-leise verkündet, so dass Maria Magdalena auch heute noch von vielen Menschen – christlich orientiert oder nicht – als Prostituierte gesehen wird.

Warum wird Maria Magdalena bis heute verächtlich gemacht? Warum werden seit fast zwei Jahrtausenden Evangelien ignoriert, die sie als Gefährtin Jesu titulieren? Meine Antwort: Weil eine starke, Jesus sehr nahestehende Frau immer noch nicht ihren verdienten Platz in der Kirche findet... In einer strikt patriarchalisch gestrickten Kirche wird man ihr auch weiterhin die verdiente Anerkennung vorenthalten. Eine Zukunft kann aber Kirche nur haben, wenn sie sich für Frauen öffnet... nicht nur in untergeordneten Positionen.

Dan Brown fasziniert mit seinen spannenden Romanen. Die Wirklichkeit aber ist oft spannender als jede Fiktion. Das erkennt man, wenn man alte Meisterwerke der Kunst mit offenen Augen studiert.... wie das Abendmahl von Kirchbrak!



Buch zum Thema von Walter-Jörg Langbein: »Das Sakrileg und die Heiligen Frauen«

Fußnoten
1: Evangelium nach Matthäus Kapitel 15, Vers 24
2: ebenda, Vers 26
3: ebenda, Vers 27
4: »Apokryphe Evangelien aus Nag Hammadi«, Andechs 1988, S. 258
5: »Apokryphe Evangelien aus Nag Hammadi«, Andechs 1988, S. 260
6: ebenda
7: Täglicher Anzeiger Holzminden, 5. Mai 2011

»Der Heilige Geist war eine Frau«,
Teil 80 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 31.7.2011


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Montag, 28. März 2011

Kolja Brand

– ein realistischer Träumer mit Fantasie und großem Talent Miniporträt eines jungen Komponisten mit großer Zukunft, verfasst von Walter-Jörg Langbein

Kolja Brand
Foto: © Mirko Stödter
Kolja Brand – ich kenne ihn seit einigen Jahren persönlich – ist ein realistischer Träumer, der Gefühle als Musik zum Ausdruck bringt wie ein Maler seine Fantasien mit Farben auf die Leinwand zaubert. Kolja Brand kombiniert die Welt moderner Computertechnologie mit der uralten Kunst der Komposition. Er ist ein Notendichter der neuen Art. Kolja Brand hat Talent und verfolgt zielstrebig seine große Leidenschaft: Musik! Nun steht er vor einem bedeutsamen Moment in seiner Karriere: Er hat die Chance, den wichtigen Wettbewerb »Dein Song 2011« zu gewinnen. Einen großen Erfolg, zu dem ich mit meinen Kolleginnen von »Ein-Buch-lesen« von Herzen gratuliere, Kolja Brand hat es ins Finale geschafft: ist einer der acht besten Jungkomponisten! Ob er vom Publikum zur »Nummer 1« gewählt wird? Verdient hätte es der überaus talentierte Komponist allemal! Wie auch die Entscheidung ausfällt: Von Kolja Brand werden wir, davon bin ich überzeugt, noch viel hören!
Das Team von »Ein-Buch-lesen« im Gespräch mit Kolja Brand.

Kolja Brand
Foto: © Mirko Stödter
Frage: Von DSDS hört man, dass Kandidaten oft bis über die nervliche Belastungsgrenze hinaus strapaziert werden. Wie fühlst Du Dich bei »Dein Song 2011«?

Kolja Brand: Das Casting mit den 16 besten Teilnehmern war mit viel Geduld verbunden. Wir haben stundenlang im Jagdschlosskeller auf unseren Auftritt gewartet. Viele Szenen mussten nochmal gedreht werden, wie z.B. die Ankunft aller Kandidaten am Schloss. Ungefähr zehn mal mussten wir »gut gelaunt« über den roten Teppich laufen. Man kann aber keinesfalls sagen dass wir nervlich am Ende waren. Die Produktionsleute haben schon darauf geachtet, dass es uns gut geht. Es gab zwei Betreuerinnen, die uns gefragt haben, ob es uns gut geht und ob wir etwas brauchen. Ein gutes Catering gab es auch. Es gab Wartezeiten, das war sogar ganz gut. Schließlich war ich überhaupt nicht aufgeregt, als ich dann vor die Jury treten musste.

Frage: Du hast bei »Dein Song 2011« prominente Paten, das »Faure Quartett«? Wie klappt die Zusammenarbeit?
Kolja Brand mit seinen prominenten Paten,
dem Fauré-Quartett Bild: ©Andrea Enderlein
Kolja Brand: Die Zusammenarbeit lief großartig. Alle Musiker konnten mit meiner Komposition etwas anfangen und waren bereit viel Energie und Konzentration während der Aufnahme einzubringen. Wir hörten uns gemeinsam mit dem Produzenten »Peter Hoffmann« die Entwicklung meiner Komposition an.... : Es gab zu dem Zeitpunkt schon mehrere Versionen meines Tracks, die von der ersten Idee an bis zum Ende entstanden sind. Darunter eine Crossover (Klassik - Rock) Version, die ich kurz vor Ibiza aufgenommen hatte.

Vor dem Studiotag hatte ich dem Produzenten auch noch weitere Ideen zugeschickt, damit meine Musik nochmal genau für diese vier Musiker arrangieren werden konnte. Am Studiotag hat das »Faure Quartett« meinen Song »Mission Hollywood« ungefähr zehn mal eingespielt. Währenddessen haben Peter Hoffmann und ich in der »Regie« am Mischpult gesessen und haben auch anhand der vorliegenden Partitur überlegt, was man noch verändern könnte. Eine Veränderung, die ich vorgeschlagen hatte war zum Beispiel: „»Das Klavier lässt bitte im 5. Takt die linke Hand weg!« Zwischendurch kamen noch kleinere Anweisungen von einem Tonmeister, der auch anwesend war.

Frage: Du warst mitten in der großen Welt des Films?

Kolja Brand: Das kann man sagen! Unsere Aufnahme Session hatten wir im Studio »Traumton« in Berlin – Spandau. Dort wurden bereits Filmmusikaufnahmen für z.B. »Das Parfum« (Regie: Tom Tykwer) gemacht.

Frage: Haben aktuelle Ereignisse Einfluss auf Deine Musik? Fließen beispielsweise Geschehnisse wie die Katastrophe in Japan in Deine Arbeit ein?

Kolja Brand: Geschehnisse auf der ganzen Welt haben Einfluss auf mich und die Musik die ich komponiere. In meiner Musik klingen natürlich vor allem eigene Erfahrungen an. Dinge die mir persönlich in meinem bisherigen Leben passiert sind.

Als Filmkomponist muss man jemand sein, der viele Emotionen in der Musik umsetzen kann. Daher kann zum Beispiel die traurigste Erfahrung die ich hatte, meine Komposition für einen dramatischen Film beeinflussen. Die Gefühle in der Musik können hörbar werden, nur muss man aufpassen, dass man als Komponist nicht depressiv wird.

Frage: Welchen Rat gibst Du Kindern und Jugendlichen mit auf den Weg, wenn sie selbst gerne Musik machen möchten aber nicht genau wissen, wie sie es angehen sollen?


Kolja Brand
Kolja Brand: Mir hat das Internet sehr geholfen! Ohne das Internet hätte ich heute nicht das Wissen, das ich jetzt habe. Ich kann also empfehlen, kompetente Menschen zu fragen, die sich auch mit Musik befassen. Man findet sie oft in »Foren« oder »Communitys« . Auch in Büchern kann man sehr viel nachlesen und immer wieder dazulernen.

Frage: Haben Deine Eltern den von Dir gewählten Weg von Anfang an unterstützt oder musstest Du gegen Widerstände ankämpfen?

Kolja Brand: Die Eltern, aber auch die Schule war für mich ein großes Hindernis. Ich bin nicht gern zur Schule gegangen und habe sie gehasst. Nie hatte ich die Möglichkeit, meine Talente weiterzuentwickeln und das zu machen, was ich wirklich will. Ich habe mich dann irgendwann dazu entschlossen, dass ich die Schule nicht brauche um meine Ziele zu erreichen. Das fanden natürlich die Lehrer sowie manche Schüler nicht gut. Das Problem war einfach, dass die Lehrer mit einem Ausnahmefall wie mir anscheinend nichts anfangen konnten. Meine Eltern haben mich zwar als Kind zur musikalischen Früherziehung geschickt, sie sind aber trotzdem dagegen, dass ich Musik zu meinem Beruf machen möchte. Würde ich mich nicht ständig wehren und durchsetzen, so hätte ich bis heute nicht meine technische Ausrüstung. Und bei »Dein Song« hätte ich mich auch nie beworben.

Joja Wendt (Jurymitglied »Dein Song«) sagte in einem Interview so schön: »Ich glaube, dass Kolja ein junger sortierter Mann ist, der genau weiß was er macht und warum er es macht.«

Kolja Brand
Foto: Mirko Stödter
Frage: Du hast jetzt die Chance, einen wichtigen Wettbewerb zu gewinnen. Der Erfolg ist zum Greifen nahe. Macht Dir das Angst oder spornt es Dich an?
Kolja Brand: Es spornt mich an und sollte ich den Wettbewerb gewinnen, würde ich natürlich das Beste daraus machen. Die Zuschauer entscheiden, wer Songwriter des Jahres wird. Ich hoffe daher, dass viele Menschen für mich anrufen. Für die Zuschauer sind es ja nur ein paar Anrufe, ein paar Cent. Für mich ist das allerdings ein großer Schritt in Richtung Hollywood. Frage: Wie stark nimmt Dich die Musik in Anspruch? Hast Du noch Privatleben ... Zeit für eine Freundin?

Kolja Brand: Musik ist 24 Stunden in mir. Ich kann das nicht abzustellen. Außerdem weiß ich: Nur wenn ich hart arbeite, kann ich mein Ziel auch erreichen. Zeit für eine Freundin bleibt, nur entscheide ich mich lieber für die Musik. Ich trenne auch nicht Musik und Privatleben voneinander. Der Großteil meiner Freunde hat auch irgendwie etwas mit Musik oder Film zu tun.

Frage: Wie geht es nach dem Wettbewerb weiter? Hast Du schon konkrete Pläne?

Kolja Brand: Ich habe schon ein paar Pläne, ja. Nur weiß ich nicht, ob die auch aufgehen. Daher möchte ich darüber vorerst nicht sprechen. Es gibt Sachen, die kann man nicht planen. Ich kann nur mein Bestes geben und hoffen, dass ich mein Ziel erreiche.

»Ein-Buch-lesen«: Kolja, wir drücken Dir für »Dein Song« ganz fest die Daumen. Wir sind davon überzeugt, dass Du Deinen Weg gehen wirst! Wir wünschen Dir viel Erfolg!

Kolja Brand: Danke.
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Filmmusik von Kolja Brand www.facebook.com/kolja.brand
www.koljabrand.com

Samstag, 4. September 2010

Samstagsrezension Helga König: Ostseeküste - Mecklenburg-Vorpommern

Dieser wunderschöne Bildband enthält eine Fülle von imposanten Aufnahmen von Mecklenburg-Vorpommerns Ostseeküste und hier vom Klützer Winkel, von Boltenhagen, von Schloss Bothmer, von Wismar, Kühlungsborn und Heiligendamm, Bad Doberan und Rostock, vom Fischland-Darß-Zingst, von der alten Hansestadt Stralsund, den Insels Poel, Rügen, Hiddensee und Usedom sowie den Städten Greifwald und Wolgast.

Den Bildern sind jeweils knappe erläuternde Texte in deutscher, englischer und französischer Sprache begegeben. Anhand von Landkarten zu Beginn und am Ende des Buches kann man sich einen Überblick über die Ostseeküste verschaffen.

Die Autorin Hanne Bahra schreibt in ihrem Eingangtext, dass sich die Ostseeküste nirgendwo so vielgestaltig darstellt, wie in Mecklenburg-Vorpommern. Sie begründet dies damit, dass tiefe Buchten und mehr als hundert Inseln für eine kleinteilige Küstenlandschaft sorgen, die Lebensraum für ungezählte Wasservögel bilden.

Ich möchte einige Fotos und deren Beschreibungen hervorheben, damit Sie einen Eindruck haben, was Sie im Buch zu erwarten haben. Gelungen ist die Aufnahme von Schloss Bothmer. Es handelt sich hierbei um die größte erhaltene barocke Schloss- und Gartenanlage Mecklenburgs. Eine gestutzte Lindenalle- man sieht sie auf dem Foto leider nicht- soll vom Vorwerk Holzumfelde direkt auf den Mittelrisalit des Schlosses zuführen. Der idyllische Anblick und die Kurzinformation zu diesem Barockschloss haben mich neugierig gemacht und mich veranlasst, mich über die Geschichte des Schlosses und ihre einstigen Besitzer kundig zu machen.
Gut gewählt sind die die Motive von Wismar. Natürlich darf man sich der historischen Fassaden von Gotik bis Gründerzeit am Wismarer Marktplatz erfreuen und hier auch des ältesten Patrizierhauses, das um 1380 bereits erbaut worden ist. Eine Luftaufnahme zeigt den Grundriss Wismars, einem Hanseumschlagsplatz, der 1229 Stadtrechte erhielt. Vier Fotos fokussieren die spätmittelalterliche Georgskirche, die 1945 zerstört und 1991 mithilfe der Deutschen Stiftung für Denkmalsschutz wieder aufgebaut wurde. Die Kirche war die größte Kirchenruine Deutschlands. Eine Aufnahme des Hochalters von 1430 mit vier Metern Höhe und zehn Metern Breite verdeutlicht, dass auch dieser perfekt wiederhergestellt worden ist.

Mit großem Interesse habe ich mir auch eine Innenaufnahme des Bad Doberaner Münsters angesehen. Es ist eines der meistbesuchtesten Bauwerke der Europäischen Route des Backsteingotik. Die Autorin skizziert in wenigen Zeilen - sehr gelungen- die historische Entwicklung dieses Münsters.
Mir gefällt es, dass auch in der Folge immer wieder Kirchen und Klöster in Augenschein genommen werden, die ich als Ausdruck vormaliger tiefer Gläubigkeit der Menschen an der Küste interpretiere.

Eine Luftaufnahmen von Fischland Darß-Zingst habe ich mir lange angesehen, nicht zuletzt weil ein verstorbener Onkel, der aus Ribnitz-Damgarten kam, mir immer wieder von der Gegend vorschwärmte. Auf ungefähr 60 Kilometer langen Halbinsel, die vom Festland durch eine Boddenkette getrennt ist, ist die Landabtragung und Landwerdung noch voll im Gange. Die Autorin schreibt: "Was Wind und Wellen der Küste hier entreißen, wird am Darßer Ort, mitten im 805 Quadratkilometer großen Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft wieder gelandet."

Wustrow kannte ich bislang noch nicht. Es handelt sich um ein altes Fischer- und Schifferdorf. Eines der hübschen, typischen Fischerhäuser dort ist abgebildet. Viele der Häuser hier haben so genannte "Klöntüren". Man hat die Möglichkeit den oberen Teil zu öffenen, um sich für ein Schwätzchen auf die Brüstung zu legen. Diese "Klöntüren" veranschaulichen, dass die Menschen von Fischand Darß-Zingst sehr kommunikativ sind. Genau wegen dieser netten, aufgeschlossenen, kommunikativen Art mochte ich meinen Onkel sehr.

Stralsund habe ich in den 90er Jahren besucht und mich gefreut, wie hübsch die Stadt mittlerweile restauriert ist. Besonders aufmerksam betrachtete ich mir ein Bild der Kirchenruine des ehemaligen Franziskanerklosters St. Johannis, die Kulisse für Konzerte ist. 1624 brannte die frühgotische Hallenkirche aus. Der unbedachte Kirchenraum beherbergt übrigens eine Pietà nach Ernst Barlach.
Die Aufnahmen von Rügen sind gut gewählt, weil sie auch Ansichten fokussieren, die nicht auf jeder Postkarte zu sehen sind. Mehr noch angesprochen haben mich allerdings die Impressionen von Hiddensee, der autofreien Insel, die durch ihre ruhige Schönheit besticht.

Ich war noch nie in Greifwald, aber die Bilder laden zu einem Besuch ein. Wäre ich nochmals jung, würde ich in Greifswald an der Universität studieren. Die Universität wurde übrigens 1456 gegründet.

Usedom und seine vielfältige Schönheit berührt mich immer wieder. Die alte Bäderarchitektur und die traumhafte Insellandschaft bilden den gelungenen Abschluss dieses Bildbandes, der dokumentiert, dass die Küste Mecklenburg-Vorpommerns ein alte Kulturlandschaft ist.

Empfehlenswert.

Fotos 2, 3 und 4: Veröffentlicht unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation auf Wikimedia.

Samstag, 22. Mai 2010

Samstagrezension: Blühendes Münsterland- Dr. Susanne Paus, Ursel Borstell

Meine liebe Freundin Tuna von Blumenstein, die im Münsterland lebt, schwärmt mir regelmäßig am Telefon von den schönen Gärten in dieser Region vor. Mit viel Freude tauschen wir unsere Erfahrungen als Hobby-Gärtnerinnen aus und sprechen in diesem Zusammenhang auch stets von Gartenbüchern. Immer wieder erwähnt Tuna den Garten Picker in Borken-Weseke, wo sie sich oft aufhält, um bei einer Tasse Kaffee den Wechsel der Farben und Formen zu genießen und die Blütenpracht fotografisch abzulichten. Auf ihr Anraten habe ich mich mit vorliegendem Buch befasst, um neben den hübschen Bildern, die sie mir zuschickte, noch weitere Eindrücke von "Picker", aber auch vielen anderen pittoresken Gärten im Münsterland zu erhalten. Tuna und ich stimmen Christiane Widmayr- Falconi bei: „ Ein gelungener Garten, das ist ein „Hintertürchen“ zum Paradies.“

Die Diplombiologin Dr. Susanne Paus hat gemeinsam mit Diplomfotografin Ursel Borstell (sie studierte an der renommierten Essener Folkwangschule Fotografie und Grafik-Design) dieses sehr schöne Buch mit dem Titel „Blühendes Münsterland- Garten öffnen ihre Pforten" realisiert.



Der Prachtband enthält eine Fülle zauberhafter Fotos von 24 Gärten im Münsterland. Diese visuellen Impressionen werden von hochinformativen Texten begleitet. Zudem erhält man zu jedem fokussierten Garten die genaue Anschrift, die Öffnungszeiten, eine gute Beschreibung der Anfahrt und Tipps im Hinblick auf Sehenswertes in der Nähe. Auf den ersten beiden Seiten kann man sich auf einem Landkartenausschnitt einen Überblick verschaffen, wo die einzelnen Gärten zu finden sind.

Gefallen hat mir die Idee von Dr. Paus ihren Texten und Borstells Bildern Gedichte oder Zitate von Dichtern und Denkern hinzufügen.

William Shakespeares
“Schön ist die Rose/ schöner scheint sie noch/durch jenen süßen Duft, / der in ihr lebt.“( S. 88) macht es deutlich: dieses Buch ist eine Einladung in das Münsterland. Wenn man Glück hat, kann man dort mit Tuna von Blumenstein im Garten Picker in Borken-Weseke oder auch im Garten Rosenhaege in Kotten/Winterswijk über das ewige Werden und Vergehen philosophieren. In Kotten hat man  auch  noch Gelegenheit, sich in der hauseigenen Gärtnerei mit nostalgischen Rosen zu versorgen und auf diese Weise, sich von dem „süßen Duft“, den Shakespeare anspricht, jeden Sommer zu Hause aufs Neue betören zu lassen.

Folgende Gärten werden im Buch näher in Augenschein genommen:

Der Garten Grimm in Versmold- Der Garten Göwert in Ostbevern -Der Kaldenhof im Münster- Die Gärtnerei Dahlmann in Münster-Hiltrup-Haus und Garten Galerie Wähning in Emsdetten - Der Garten Kopel in Emsbüren-Der Garten Klesse in Neuenkirchen-Der Kreislehrgarten Steinfurt-Der Garten Reinermann in Schöppingen-Der Garten Schwieters in Rosendahl-Holtwick-Der Garten Ruch in Billerbeck-Das Brauhaus Klute in Havixbeck- Burg Hülshoff und Rüschhaus in Havixbeck-Der Garten Rombach in Nottuln-Der Garten Wehling in Raesfeld- Der Garten Picker in Borken-Weseke- Der Garten Rosenhaege in Kotten/Winterwijk- Der Garten Lechtenberg in Vreden-Das Kasteel Twickel- Die Gärtnerei De Border in Belder- Das Kasteel Warmelo in Diepenheim- Das Kasteel De Wiersse in Vorden- Der Garten Brethouwer in De Heurne- Der Garten Pastwa in Bocholt.

Da es unmöglich ist im Rahmen einer Rezension auf alle Gärten näher einzugehen, werde ich einige Gärten hervorheben, um eine Vorstellung davon zu vermitteln, was den Leser in diesem Buch erwartet. Dabei kann ich nicht umhin, sogleich die schönen fotografischen Eindrücke aus dem Garten Grimm zu erwähnen. Dort kann man sich derzeit des üppigen Blauregenflors erfreuen und  sollte allein deshalb dieses Refugium  jetzt aufzusuchen.


Besonders gut gefallen hat mir die Beschreibung von „Haus und Garten Galerie Wähning“. Die Eigentümer dieses 2700 Quadratmeter großen Villengartens in Emsdetten, ein Galeristenpaar, haben sich bei der Gestaltung in England inspirieren lassen. Viele wunderschöne Skulpturen, ein verspielter Kaskadenbrunnen und dezent in Form gebrachter Buchs verleihen der grünen Oase ein besonderes Flair, das sich sehr wohltuend auf die Seele - besonders von gestressten Zeitgenossen - auswirkt.

Der Garten Klesse in Neuenkirchen besticht durch seine kreative Gestaltung des Buchs, der dort der Hauptakteur ist. Die Autorin zählt auf : eine akkurate Hecke, Zipfelmütze, Kugel und Spirale. Vielleicht auch das:.bei den Fotos des Garten Schwieters fasziniert mich ein Arrangement aus rosafarbenen englischen Rosen. Dr. Paus kommentiert: “Glücklich, wer aus seinem Garten solch` zauberhafte Rosen schneiden kann. Und erst der Duft- er muss geradezu atmenberaubend sein.“ Wie Recht sie doch hat.

Die Dichterin Annette von Droste- Hülshoff lebte vor über 200 Jahren in der malerischen Burg  Hülshoff, deren Garten man im Buch kennen lernen kann. Beinahe prophetisch schrieb die Lyrikerin einst:“ Meine Lieder werden leben,/ wenn ich längst entschwand ./Mancher wird von ihnen beben,/ der gleich mir empfand.“ Droste- Hülshoff wurde nur 51 Jahre alt. Ihre Gesundheit soll labil gewesen sein, schwermütig und innerlich vereinsamt starb sie nicht zuletzt aus Kummer wegen einer enttäuschten Liebe, aber ihre empfindsame Seele lebt in dem Garten fort, der wie ein Gedicht der Natur anmutet.



Sehr lange verweilte mein Blick auf Tuna von Blumensteins Lieblingsort- dem Garten Picker in Borken- Weseke. Auf einer Fläche von 3000 Quadratmeter erstreckt sich das Staudenparadies mit Terrassen, Wegen und Sitzplätzen. In diesem Garten kann man weit mehr als 1000 Arten von Blumen aus Großmutters Zeiten bewundern, wie etwa rote Melde, Schmuckkörbchen, Schopfsalbei, Felberich, Montbretien, Phlox etc. und im „Pavillon d`Amour“ Kletterosen und eine Waldrebe. Im August endet bei Picker die jährliche Blühperiode mit einem großen Finale in Gelb.

Sollte ich dieses Jahr einige der schönen Gärten des Buches besuchen, dann wird neben "Picker" und anderen die Gartenanlage von Kasteel Warmelo“ sicher dazugehören. Das Spiel mit den Linien und Formen im dortigen Rokokogarten finde ich sehr schön . Die Baronin F.S.A. Creutz verhalf 1920 dem Garten zu neuem Glanz. Sie engagierte den Gartenarchitekten Hugo Poortmann, der die Garten- und Parkszenerie neu gestaltete und zwar zu einem Dornröschen-Reich. Auf Warmelo gibt es einen Fuchsiengarten mit rund mehr als 200 Varietäten, die im Spätherbst gemeinsam mit Zitronenbäumchen, Bougainvillen und anderen frostempfindlichen Exoten im Gewächshaus überwintern.
Ein schönes, inspirierendes Buch, in dem ich auch die nachstehende Sentenz gefunden habe, mit der ich meine Rezension beenden möchte: „ Wenn das Leben nur ein Durchgang ist, lasst uns mindestens während dieses Durchgangs Blumen säen.“( Michael de Montaigne)

Lesen Sie jetzt: "Blauregenmord", einen Krimi von Tuna von Blumenstein, der im Münsterländer Garten Picker spielt. 

Rezension Helga König





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