Posts mit dem Label Santiago werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Santiago werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 11. August 2013

186 »Das Geheimnis der Totenschädel«

Teil 186 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Der Heilige Petrus auf
heidnischem Podest
Foto: W-J.Langbein
Es war der letzte Tag auf der Osterinsel. Am nächsten Morgen würde es vom Flughafen in Hanga Roa mit Lan Chile nach Santiago gehen. Meinen Koffer hatte ich gepackt, die Kameras waren verstaut. Flugticket und Reisepass lagen auf dem Nachttischchen in meinem kleinen Zimmer in einer kleinen Pension. Noch ahnte ich nicht, dass mir eine unheimliche Begegnung bevorstand ... in einer Höhle der Kannibalen ...

Ich geb's zu: Wehmut machte sich breit. Nur noch Stunden würde ich auf dem winzigen Eiland im Pazifik verbringen dürfen. Dann würde es aus der stillen Einsamkeit der Südsee zurück ins Großstadtgewühl, in Smog und Lärm gehen. So unternahm ich einen ausgiebigen Spaziergang von meiner Pension zur kleinen Kirche, dann die »Hauptstraße« hinunter zum kleinen »Hafen« ... vorbei am »Heiligen Petrus«.

Der Wirt des teuersten Lokals auf der Osterinsel mit teurer französischer Küche winkt ... aber ich verabschiede mich lieber von Petrus mit dem Schlüssel. Er steht stolz auf einem »heidnischen« Podest. An jeder Seite reckt ein mythologischer Vogelmensch Kopf und Schnabel gen Himmel. Der Vogelmensch dominiert den alten Osterinselkult, den kein Besucher von außerhalb versteht.

Petrus hält Bibel und Schlüssel. Wenn wir nur ein Buch lesen könnten ... über die verborgenen Geheimnisse der Osterinsel! Wenn es nur einen Schlüssel gäbe, zu den verborgenen Welten von Rapa Nui, die nur wenigen Eingeweihten vertraut sind ... Zurück geht’s, an lachenden Jugendlichen vorbei. Was ist das für ein Sport, den sie da betreiben? Mir scheint, da wird Fußball und Basketball zugleich gespielt ... Ich gehe zurück, die staubige »Hauptstraße« empor, zurück in meine Pension. Mein Wirt hat die Rechnung fertig gemacht. Ich zahle in US-Dollars, bedanke mich für die familiäre Betreuung.

Vogelmenschen tragen Petrus
Foto: W-J.Langbein
Ich will mich schon, zum letzten Mal, in mein Zimmer zurückziehen ... Da bedeutet mir der Wirt zu warten. Kurze Zeit später komplimentiert er mich in seinen Jeep ... und los geht die Fahrt. Polternd rumpeln wir die »Hauptstraße« zum Hafen. Einige Hühner flattern noch rechtzeitig zur Seite. Dann folgen wir der »Küstenstraße«. Inzwischen ist es stockdunkel. Querfeldein geht es weiter. Kurz taucht, hinter niedrigem Gestrüpp und einigen Bäumen, ein steinerner Sockel mit mehreren stolzen Statuen auf. »Sie sollen bald wieder ihre ›Hüte‹ aus Stein bekommen. Wir müssen nur den Kran aus Japan bekommen ...«

In einer anscheinend ausschließend aus Schlaglöchern unterschiedlicher Größe bestehendem Weg kommt das Vehikel arg ins Schlingern. Der Motor heult auf. Endlich hat die Fahrt ein Ende. Ich darf aus dem Vehikel klettern. Einige Beulen lassen vermuten, dass manche Fahrt weniger glimpflich endete.

Im Mondlicht erkenne ich einen kleinen »Hügel«. Wir gehen darauf zu. Er scheint künstlich angelegt zu sein ... ein ehemaliger »Sockel« für eine Statue. Im Schein der Taschenlampe meines wackeren Fahrers erkenne ich ein »Loch« in der Erde. Es ist von unbearbeiteten Steinbrocken eingerahmt. »Ein Brunnen?«, frage ich. Mein Guide verneint. Schon klettert er, die Taschenlampe in den Zähnen haltend, ins enge Loch. Da er doch etwas korpulent ist, muss er sich mit einiger Mühe durch die schmale Öffnung zwängen. Erstaunlich behende klettert er nach unten. Er geht in die Hocke und ist aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich folge vorsichtig.

»Das ist meine Familienhöhle. Als ich Kind war, hat mich mein Großvater hierher gebracht. Damals war mir angst und bange ...« Ich versuche mich aufzurichten, stoße mich heftig an der niedrigen Decke. So setze ich mich wieder. Mein Guide lässt den Kegel seiner Taschenlampe wandern. Bizarre Steinfiguren tauchen auf. Ein fischartiges Wesen mit menschlichem Kopf und gefletschten Zähnen verschwindet schon wieder aus dem Licht. Dafür erkenne ich einen »Totenkopf« aus Stein. Er könnte von einem Urmenschen stammen.

Ein Einstieg in die »Unterwelt«
Foto: W-J.Langbein
Die leeren Augenhöhlen liegen fremdartig weit auseinander. Der Mund ist leicht geöffnet, lässt viele kleine Zähne scharfe erkennen. »Das ist einer der Geisterwächter!«, erfahre ich. »Einst hatte jede Familie so eine Höhle. Mit dem Christentum sollte unser alter Glaube, sollte auch unser Brauchtum vergessen werden. Die Missionare haben das mit Nachdruck versucht. Sie predigten Hölle und ewige Qualen für jene, die am alten Glauben festhalten würden. Die meisten Neuchristen gingen zwar regelmäßig in die Kirche, behielten aber ihren alten Glauben bei.«

Ich nicke. »In der Kirche sind ja viele Hinweise auf den alten Glauben zu finden!« So trägt eine hölzerne Marien-Statue das Jesuskind auf dem Arm. Auf ihrem Haupt aber thront das Vogelwesen aus dem mysteriösen »Vogelmann-Kult«. Die Augen der Gottesmutter erinnern an die der steinernen Osterinselriesen. Überall begegnet man den glotzäugigen Gesichtern des Make-Make-Gottes. Selbst der wuchtige, steinerne Fuß eines Altartischs weist deutlich mythologische Vogelmenschen auf. Meist wird allerdings eine übergroße weiße Decke auf dem Tisch des Herrn aufgelegt, die die heidnischen Motive verdecken soll.

Die gleichen Motive wie in der christlichen Kirche finden sich auch in der Familienhöhle. Auf der Stirn eines steinernen Schädels prangt der gleiche Vogelmensch wie auf Marias Gewand. Das gleiche Gesicht wie auf einer kleinen hölzernen Jesus Statuette in der Kirche prangt auf einem steinernen Schiff. Es sieht aus wie ein kleines Ruderboot, hat aber drei Segel ... alles mit viel Liebe zum Detail aus Stein geschnitzt. »Mit solchen Booten kamen meine Vorfahren aus dem versinkenden Land im westlichen Pazifik.«, erklärt stolz mein Guide. »Sie reisten viele Tausend Meilen, in kleinen Booten, auch gegen starke Strömung.«

Ein Mischwesen erinnert an eine Schildkröte, aber auch an einen Fisch ... hat aber sechs Beine wie ein Insekt. Am Schwanz ist ein zweiter, kleiner Kopf zu erkennen. »Diese Kreatur kann im Wasser schwimmen und tauchen, sie kann aber auch an Land gehen. Sie blickt dabei stets nach vorn und zugleich nach hinten. Sie sieht die Vergangenheit und die Zukunft! Sie ist ein magisches Wesen!«

Ein menschenähnliches Wesen mit grotesken Gesichtszügen trägt so etwas wie einen Rucksack. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Ding als ein quallenartiges Tier, das sich der »Mensch« auf den Rücken geschnallt hat. »Was hat das zu bedeuten?«, frage ich. Mein Guide legt demonstrativ den Zeigefinger auf seinen Mund. »Vieles weiß ich, darf es aber nicht verraten!«

Ob es viele solche Höhlen gibt, erkundige ich mich. »Hunderte ... Tausende!«, behauptet mein Guide. Ob er übertreibt? »Jede Familie hatte eine eigene Höhle!«, erfahre ich. »Und oft bekamen Söhne wiederum eigene Höhlen!« Bekanntlich ist die kleine Osterinsel das Produkt gewaltiger Vulkanausbrüche. Innerhalb von einigen Millionen Jahren – geologisch betrachtet ist das nur ein kurzer Moment – brach auf dem Grund des Meeres die Glut der Hölle aus dem Erdinneren aus. Poike, der älteste Vulkankegel entstand vor drei Millionen, vielleicht aber auch erst vor 600.000 Jahren. Er markiert die Südostecke des Südseeeilands. Es folgten die Eruptionen des Ranu Kau im Südwesten und – vor 200 000 Jahren – des Terevaka im Norden.

Diese drei Vulkankegel bilden das Fundament der Osterinsel. Die gewaltigen Lavamassen sind natürlich nicht im Ganzen erstarrt. Vielmehr bildete sich zunächst eine harte Kruste, während die Vulkanberge im Inneren noch flüssig blieben. So entstanden im Inneren Hohlräume ... Blasen in der Lava. Lavaströme hinterließen auch röhrenartige »Gänge«.

Maria, Jesuskind und
Vogelmensch
Foto: W-J.Langbein
Wann die ersten Höhlen von den Ureinwohnern entdeckt wurden? Wir wissen es nicht. Einige dienten in Friedenszeiten als Behausungen. In andere zogen sich Familien oder Clans zurück, wenn sie von feindlichen Gruppen angegriffen wurden. Und irgendwann hatten Höhlen im Inneren der Erde so etwas wie eine sakrale Bedeutung. Wie viele Höhlen von den einzelnen Familien für ihre ganz persönlichen Sammlungen religiöser Kultobjekte verwendet wurden ... und werden? Mein Guide weiß es angeblich nicht.

Im Zentrum der niedrigen Höhle steht eine etwa eineinhalb Meter hohe Holzfigur. Der Kopf wirkt fast monströs. Ein mächtiger Schnabel bestimmt die harten Gesichtszüge. Lange dünne Arme an den Seiten der Figur erinnern an ein Skelett. In der Herzgegend des seltsamen Wesens prangt eine Make-Make Maske. Auf dem kantigen Vogelschädel hockt ein weiterer Vogelmensch. Das abgemilderte, christianisierte Pendant zu dieser Figur steht in der christlichen Kirche von Hanga Roa.

Fasziniert betrachte ich die unzähligen steinernen Figuren um mich herum. Ich versuche sie zu zählen, gebe aber nach einiger Zeit auf. Es müssen weit über hundert sein. »Diese Höhlen der Familien wurden und werden als unheimliche Orte gefürchtet ...«, bekomme ich zu hören. »In meiner Familienhöhle fanden Totenschädel ihre letzte Ruhestätte, die von Opfern von Kannibalismus stammen!« Mit meinem Guide krieche ich in eine niedrige Ecke der Höhle. Auf geflochtenem, schilfähnlichen Gras ruhen fünf Totenköpfe. Die Unterkiefer fehlen bei allen. Löcher in der Schädeldecke fallen auf. Offenbar wurden die Menschen erschlagen. »Ihr Fleisch wurde verzehrt, weil man glaubte, so die Kraft der Toten in sich aufzunehmen!«

Es wurden aber nicht nur Mitglieder verfeindeter Familien getötet und verspeist. »In manchen Familien gab es die Tradition, besonders ehrwürdige oder mächtige Familienmitglieder nach deren Tod zu essen. Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass die besondere Kraft solcher Menschen erhalten blieb!«

Im Schein der Taschenlampe erkenne ich Einritzungen in den Schädeln. Es sind Make-Make-Masken und Vogelmenschen, die kunstvoll eingeritzt worden sind. »Die Figuren, speziell die Symbole stellen eine große Kraft dar, vor der man Angst hatte! Viele aus Südamerika zugereiste Menschen, die heute auf Rapa Nui leben, haben keine Ahnung von der geheimnisvollen Unterwelt ...«

Aber auch den »Unwissenden« ist bekannt, dass Gott Make Make sehr mächtig war. Von seinen steinernen Masken, von seiner in den Stein geritzten Augenpartie geht ein starker Zauber aus. Da wundert es mich nicht, dass mir in der Familienhöhle immer wieder Make Make begegnet.

Make Make - Foto: W-J.Langbein

Literatur

Bacon, Edward (Herausgeber): Versunkene Kulturen/ Geheimnis und Rätsel
früher Welten, Volksausgabe, München 1970
Bahn, Paul und Flenley, John: Easter Island, Earth Island/ A message from
our past for the future of our planet, London 1992
Barthel, Thomas S. et al.: 1500 Jahre Kultur der Osterinsel/ Schätze aus dem
Land des Hotu Matua/ Ausstellungskatalog, Mainz 1989
Blumrich, Josef F.: Kasskara und die sieben Welten, Wien 1979
Brown, John Macmillan: The Riddle of the Paific, Honolulu, Hawaii, Nachdruck
Felbermayer, Fritz: Sagen und Überlieferungen der Osterinsel, Nürnberg 1971
Machowski, Jacek: Insel der Geheimnisse/ Die Entdeckung und Erforschung
der Osterinsel, Leiepzig 1968
Mann, Peggy: Land of Mysteries, New York 1976

»Angst«,
Teil 187 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18.08.2013




Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 15. November 2009

Abschied von der Osterinsel (1)

Teil V der Serie
»Das Atlantis der Südsee«
von Walter-Jörg Langbein    

Santiago de Chile im Oktober 1992. In Deutschland wurde gerade mein Buch »Die großen Rätsel der letzten 2500 Jahre« ausgeliefert. Ich war in Südamerika unterwegs. Am Vortag hatte ich die mysteriösen Scharrzeichnungen in der Atacama-Wüste Chiles erkundet. Rätselhaft ist der »Riese« vor vielen Jahrhunderten in den trockenen Wüstenboden gescharrt. In der Literatur wird seine Größe mal mit 80, mal mit 120 Metern angegeben. Wer hat die rätselhafte Gestalt mit Strahlen am Kopf – oder ist es eine Krone? – im »Unitas-Hügel« ( nordöstlich von Iquique) verewigt? In seiner Gesamtheit kann man die wahrscheinlich größte Darstellung eines menschenähnlichen Wesens nur vom Flugzeug aus sehen. Wurde das gewaltige Kunstwerk geschaffen, um den himmlischen Göttern ein Zeichen zu geben, eine Botschaft zu übermitteln?

Endlich sollte ein Jugendtraum Wirklichkeit werden. Ich würde die Osterinsel besuchen!
Es war gegen Mitternacht, als ich mit Lan Chile in Santiago de Chile landete. Zehn Stunden würde auf meinen Anschlussflug zur Osterinsel warten müssen. Eine Putzfrau fragte mich in einem Gemisch aus Spanisch und Englisch, ob ich denn kein Hotelzimmer hätte. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich am nächsten Morgen zur Osterinsel fliegen werde.

Wenig später führte sie mich zu einem Linienbus vor dem Flughafen. Sie redete auf den Fahrer ein. Der verstaute schließlich meinen Koffer hinter einer rostigen Klappe im Heck des angejahrten Vehikels. Und los ging die Fahrt ins Ungewisse. Nach etwa einer Stunde fahrt hielt der Bus in einem dörflichen Vorort von Santiago. Eine Haltestelle vermochte ich nicht zu erkennen. Der Busfahrer stieg aus, holte meinen Koffer und schleppte ihn über die Straße zu einer kleinen Pension. Ich folgte. Kein Licht brannte im Haus. Der Busfahrer klingelte Sturm. Und wartete. Er wartete, bis die »Herbergsmutter« geöffnet und mir ein höchst preiswertes kleines Zimmer zugewiesen hatte. Erst dann verabschiedete sich der hilfsbereite Mann Busfahrer freundlich grüßend und sagte etwas von »morgen«. Ein »Trinkgeld« lehnte er empört-beleidigt ab.

Am nächsten Morgen gab’s ein leckeres Frühstück... und dann erschien wieder der so besonders freundliche und hilfsbereite Fahrer des Linienbusses vom Vorabend. Er holte mich von der kleinen Pension ab. Am Flughafen angekommen achtete er darauf, dass ich auch mein Gepäck am richtigen Schalter aufgab. Solche Erlebnisse mit freundlichen Menschen habe ich auf meinen Reisen in ferne Gefilde unseres Planeten immer wieder erlebt. In Deutschland allerdings scheint derlei menschliches Entgegenkommen eher selten zu sein.

Stunden später war ich zum ersten Mal auf der Osterinsel. Ein Kindheitstraum war in Erfüllung gegangen! Es gibt ein modernes Kuriosum auf dem Eiland! Die Landebahn wurde vor Jahren verlängert – auf 3353 Meter. Als Erklärung musste Space-Shuttle herhalten. Falls es unmittelbar nach dem Start so eines Raumflugzeugs zu einer Panne kommen sollte... könne es auf der Osterinsel notlanden. Allerdings benötigt das Space-Shuttle eine noch weit längere Landepiste, nämlich von etwa fünf Kilometern. Somit wäre also die Osterinsel nicht wirklich für Space-Shuttle geeignet... wohl aber für amerikanische Kampfjets wie F-15. Sollte also der Hinweis auf »Notlandeplatz für Space-Shuttles« nur den wahren Grund für die für das Minieiland ansonsten vollkommen unsinnige Landebahn sein? Wollen die USA in den Weiten des Pazifiks so etwas wie einen Militärstützpunkt vorbereiten, der im Kriegsfalle in kürzester Zeit besetzt werden könnte?

Unbestreitbar ist die Osterinsel für Militärs von größter strategischer Bedeutung für Militärs. Rührt daher das erstaunliche Interesse Chiles an dem einsamen Eiland? Am 11. September 1973 kam General Pinochet durch einen grausamen Militärputsch an die Macht. Zigtausende Menschen wurden von seinem Geheimdienst als »verdächtige Elemente« eingestuft, Viele Tausende wurden grausam gefoltert. Unzählige Gegner der Diktatur verschwanden spurlos. Manches spricht dafür, dass die CIA beim Sturz Allendes beteiligt war. 2000 Regimegegner – oder mehr – sollen ermordet worden sein.

1988 sprach sich das Volk von Chile mehrheitlich gegen Pinochet aus. 1989 gewann Christdemokrat und Pinochet-Gegner Patricio Aylwin die Wahlen zur Präsidentschaft. Doch erst 1998 gab Pinochet sein Amt als Oberkommandierender der Armee auf. In London wurde der Exdiktator verhaftet und schließlich von spanischen Richtern wegen schlimmster Menschenrechtsverletzungen verurteilt. Eine Strafe musste er jedoch nicht antraten. Vielmehr konnte Pinochet aus Krankheitsgründen als freier Mann nach Chile heimkehren. Weil er aus gesundheitlichen Gründen verhandlungsunfähig erklärt wurde, wurde ihm kein weiterer Prozess gemacht. Pinochet starb, unbehelligt von der Justiz, am 10. Dezember 2006 nach schwerer Krankheit.

Bereits 1888 wurde die Osterinsel von Chile annektiert – aus militärstrategischen Gründen. Im Ersten Weltkrieg spielte sie eine bedeutende Rolle. Bis 1967 herrschte chilenisches Kriegsrecht! Bis 1967 waren die Bewohner der Osterinsel Gefangene im eigenen Land. Sie waren eigentlich Chilenen, denn das geheimnisvolle Eiland gehörte ja zu Chile. Demokratie und Selbstbestimmung waren Fremdworte für die Nachkommen der Statuenbauer. Ein von Chile eingesetzter Gouverneur war die höchste Autorität. Osterinsulaner durften nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Gouverneurs die Insel verlassen. Frei bewegen durften sie sich nicht. Um Hangaroa herum war ihnen ein kleines Areal zugewiesen worden. Ein hoher Zaun trennte sie vom Rest der Insel. Wachen achteten darauf, dass die Menschen ihr Gefängnis nicht verließen. Der Rest des Eilands blieb Tabu.

Auch heute gehört das mysteriöse Eiland nach wie vor zu Chile. Es dürften nicht die riesigen Steinstatuen sein, die für heutige Militärs von Interesse sind. Verschwörungstheorien geistern durch die Welt, die meisten sind absurd und unsinnig. Ob es ein Geheimabkommen zwischen Chile und den USA gibt, die militärische Nutzung der Osterinsel im Kriegsfall betreffend? So absurd ist diese Vermutung nicht!

Ich erkundete das einsamste Eiland der Welt. Staunend stand ich vor den riesenhaften Statuen. Einst hatten sie »eingelegte Augen« aus Muschelkalk. Im Lauf der Jahrhunderte fielen sie aus den Augenhöhlen. Nur einige wenige Exemplare wurden bei archäologischen Ausgrabungen wiederentdeckt. Einst trugen die Kolosse gewaltige steinerne »Hüte« oder »Helme« auf den Köpfen. Wie gewaltig diese merkwürdigen Kopfbedeckungen sind, verdeutlicht der Größenvergleich... »Hut mit Dame«.

Heute werden kleinere bis allenfalls mittelgroße Statuen wieder aufgerichtet. Man verwendet dazu moderne Technologie, etwa Baumaschinen wie Krane. Die Einheimischen allerdings sind skeptisch. Moderne Technologie kann leicht die uralten Kolosse beschädigen, etwa wenn eine Statue mit einem Kran und Stahlketten hochgezerrt werden soll.

Schwieriger als die berühmten Kolosse wieder aufzurichten ist es, ihnen ihre Kopfbedeckung erneut auf die Köpfe zu bugsieren... in luftiger Höhe. Es ist schon ein technisches Meisterwerk, die uralten Figuren wieder so empor auf die steinernen Sockel zu heben, dass sie nicht gleich wieder umfallen. Die steinernen »Kopfbedeckungen« müssen auf den Millimeter genau an der richtigen Stelle sitzen, sonst fallen die Figuren mitsamt »Hut« wieder um!

Wie riesig die roten »Zylinder« sind... das zeigt ein Foto: eine Osterinselbesucherin aus Deutschland vor einem der »Hüte«. Offenbar wurden zumindest manche der »Helme« mit einem tiefen Loch versehen, das genau auf einen steinernen Zapfen am Kopf der Riesen passte. So sollte gewährleistet sein, dass die Hüte auch auf den Köpfen blieben. Seltsamer Weise aber habe ich nicht einen einzigen Osterinselkoloss mit einem »Zapfen« am Kopf ausfindig machen können.

Die ersten europäischen Besucher der Osterinsel fanden vermutlich schon keine Monsterstatuen mehr auf ihren Sockeln stehend vor. Alle lagen am Boden. Waren die Kolosse einst in kriegerischen Auseinandersetzungen umgestoßen worden? Oder waren sie einst Naturkatastrophen – wie etwa Erdbeben – zum Opfer gefallen? Wie auch immer: Stolz auf Podesten stehende Riesen – wie etwa die steinernen »sieben Kundschafter« – sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme!

In grauer Vorzeit, so ist es überliefert, versank das »Atlantis der Südsee« in den Fluten. Der Priester des sterbenden Reiches wurde vom fliegenden Gott Make Make durch die Lüfte zur Osterinsel gebracht.. und zurück in die Heimat. Der König schickte sieben der besten Seefahrer los. Sie fanden die Osterinsel nach den Anweisungen des Priesters. Nach Rückkehr der sieben Kundschafter – sieben kolossale Statuen stellen die mutigen Männer dar – kam es zu einem Exodus in der Südsee: vom versinkenden Atlantis zur Osterinsel.

Wer wie ich wochenlang die Osterinsel nach den Spuren einer rätselhaften Vergangenheit abgesucht hat, gewinnt ein deprimierendes Bild. Die unzähligen Petroglyphen, die einst in das weiche Vulkangestein geritzt worden sind, befinden sich heute in einem traurigen Zustand. Man sollte sie auch heute noch wie ein Buch lesen können. Doch leider sind viele so gut wie nicht mehr zu erkennen! Besonders oft verewigt wurde offenbar ein mythischer »Vogelgott« oder »Vogelmensch«.

Viele, wenn nicht die meisten, sind kaum oder gar nicht mehr als von Menschenhand geschaffene Kunstwerke zu erkennen. Aber auch sehr viele Statuen befinden sich in einem erbärmlichen Zustand. Beim Sturz vom Podest sind nicht wenige von ihnen oft mehrfach zerbrochen. Der sprichwörtliche »Zahn der Zeit« nagt an ihnen. Nach und nach verlieren sie ihre Konturen, scheinen förmlich zu verrotten.

Manchmal, so scheint es, könnte man den einen oder den anderen maroden Steinriesen wieder rekonstruieren. Aber das wird ganz offensichtlich nicht versucht. Viele Bruchstücke werden in absehbarer Zeit wie formlose Klumpen aussehen. Sie werden nicht mehr zu imposanten Statuen zusammengesetzt werden können. Eigentlich müsste dieser Prozess doch zumindest aufgehalten werden können.

Wie es zur Beschädigung von Steinritzzeichnungen und Statuen kommt, ist hinlänglich bekannt: Das Tuffgestein, in das mythologischen Bilder eingraviert und aus welchem die Kolosse bestehen, ist sehr weich und vor allem porös. Zudem sind im Laufe der Jahrhunderte Risse entstanden. So konnte und kann Feuchtigkeit eindringen. Die Feuchtigkeit im Stein lässt – besonders bei den erheblichen Temperaturschwankungen – Schicht für Schicht abplatzen. Sollte es in den letzten Jahren einen Klimawandel gegeben haben, der den steinernen Kunstwerken mehr zusetzt als die Jahrhunderte zuvor?


Die weiteren Teile der Serie finden Sie hier:
Die Website von Walter-Jörg Langbein: http://www.2012-weltuntergang.com/

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)