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Sonntag, 29. Juli 2012

132 »Schienen in den Himmel«

Teil 132 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Unterwegs nach El Fuerte
Foto W-J.Langbein
Im Vergleich zu Puma-Punku (4.000 Meter über dem Meeresspiegel gelegen) liegen die mysteriösen »Schienen in den Himmel« in nur »geringer« Höhe ... 1.950 Meter über Normal-Null. Meine Besuche der ungewöhnlichen archäologischen Stätte werde ich so schnell nicht vergessen ... Die erste Visite verlief besonders strapaziös: Von Santa Cruz fuhr ich mit dem Bus bis nach Bermejo. Hier übernachtete ich in »Hostal und Restaurant Oriental«. Meine Unterkunft war weniger »orientalisch« als einfach ... für die Übernachtung inklusive Frühstück bezahlte ich aber auch nur 4 US-Dollar.
Von Bermejo ging es weiter bis zur »Abzweigung Fuerte«.

Der Rest der Strecke konnte nicht mehr motorisiert zurückgelegt werden. Grund: Sintflutartige Regengüsse waren in den Tagen zuvor vom Himmel geprasselt und hatten die Straße unbefahrbar gemacht. Das ist eine Erfahrung, die der Reisende in den Anden häufig macht. Regenschauer führen zu Schlammlawinen ... Erdreich mit Steinbrocken rutscht ab ... und schon ist eine Straße unpassierbar. Geduldig wartet man auf das Eintreffen von Räumfahrzeugen ... oder macht kehrt und versucht sein Glück am nächsten Tag noch einmal. Von der »Abzweigung« aus, so versicherte mir der Busfahrer, sei es nur noch ein »Katzensprung« bis zu meinem Ziel.

Mein Ziel ... der Huckel von
El Fuerte - Foto Paco1966
Der Katzensprung bezog sich wohl auf ein gigantisches Riesentier. Zwei Stunden ging es immer steil bergauf. Dieser Fußmarsch war die Hölle und wurde durch die in Schwärmen auftretenden Moskitos nicht wirklich angenehmer.

Diese Strapazen mit erheblichen Blutspenden an die surrend-fiepsenden Moskitos wollte ich beim zweiten Besuch meinen Reisegefährten ersparen. So mietete ich für unsere kleine Reisegesellschaft einen Bus ... und wir fuhren gut gelaunt von Santa Cruz aus durch eine fruchtbare Ebene Richtung Samaipata. Die gut zweistündige Fahrt ließ uns eine idyllische Landschaft kennenlernen, geprägt von Feldern, auf denen Zuckerrohr, Mais, Orangen und Pampelmusen angebaut wurden. Zufrieden graste kraftstrotzendes Vieh links und rechts der Straße. Zufrieden genossen alle Reiseteilnehmer die Fahrt ... bis es zusehends »gebirgiger« wurde ...

Je höher die Berge der »Cordillera Oriental« wurden, desto wagemutiger nahm der Busfahrer die zum Teil recht engen Kurven der Serpentinen. Wer rechts aus dem Fenster blickte, der sah die scheinbar senkrecht ansteigende Felswand. Wer links aus dem Fenster sah, wurde nicht selten von Schaudern erfasst. Denn da ging es fast senkrecht hinab in die Tiefe ... Von einer Teerstraße konnte keine Rede sein. Es war eher eine Schotterfurt, die den Bus gelegentlich abrutschen und von links nach rechts schwenken ließ. Und da die Straße doch recht schmal war, kam es immer wieder zu erschreckenden Momenten.

Das Zentrum von El Fuerte
Foto W-J.Langbein
Je höher sich unser Bus empor quälte, desto häufiger wurden die Augenblicke des Schreckens ... Das eine oder das andere Mal ragte schon ein Rad des Busses über den Abgrund hinaus! Der Fahrer pfiff dabei unbeeindruckt muntere Weisen und ergötzte sich an uns, den ängstlichen Gringos. Immer wieder baten Mitreisende den Busfahrer, doch anzuhalten. Sie wollten, so erklärten sie, sich lieber zu Fuß bis zu den »Schienen in den Himmel« aufmachen ... als mit dem Bus in den Abgrund zu stürzen. Immer wieder stoppte der Busfahrer sein Vehikel, immer wieder stiegen weitere Reisende aus.

Die Busbesatzung wurde immer kleiner, der Busfahrer aber wich nicht von seinem Arbeitsplatz. In Erinnerung an die Moskitoschwärme, die mich bei meinem ersten Besuch begleitet hatten, blieb ich im Bus ... und erreichte dann auch das Ziel. Bis auf einen – und den Busfahrer natürlich – waren alle übrigen Reisegefährten ausgestiegen ...

Die letzten 500 Meter habe ich erstaunlich schnell zurückgelegt. Es waren besonders stechwütige Moskitos, die meinen Schritt erheblich beschleunigten. Endlich stand ich vor »El Fuerte« ... vor der »Festung«. Die spanischen Eroberer haben der mysteriösen Anlage diesen Namen verliehen. Eine Festung war El Fuerte allerdings nie. Im Internet-Lexikon ist hoffnungsvoll Stimmendes zu lesen:

Die mysteriösen Schienen von El Fuerte
Foto: Erich von Däniken
»Der Zweck der Anlage war lange Zeit unbekannt.« Wenn der Zweck »lange Zeit unbekannt war« ... wissen wir dann heute, welchem Zweck El Fuerte diente? Wir lesen weiter bei Wikipedia (1): »Auch wenn die Bedeutung der Darstellungen im Einzelnen nach wie vor nicht vollständig geklärt ist, besteht heute Einigkeit, dass es sich um eine Zeremonialstätte der Inka handelt.« So wird das nicht vorhandene Wissen der Archäologie trefflich zusammengefasst. Sobald Archäologen auf eine Kultstätte stoßen, deren Sinn sie nicht erkennen ... wird rasch ein Etikett aufgeklebt: »Zeremonialstätte«.

Sollte El Fuerte ein heiliger Platz gewesen sein, an dem »Zeremonien« gefeiert wurden ... dann müssen wir zugeben, nicht den Hauch einer Ahnung zu haben, wie diese Zeremonien ausgesehen haben mögen. Zudem ist El Fuerte einzigartig im Reich der Inkas. Vielleicht waren es die Inkas, die El Fuerte »bauten«. Vielleicht nutzen die Inkas tatsächlich die Stätte für »Zeremonien«. Vielleicht waren es aber auch nicht die Inkas, die den gewachsenen Sandstein von El Fuerte modellierten. Vielleicht hat er auch nichts mit »Zeremonien« zu tun. Kurzum: Wir haben keine Ahnung!

Da stehe ich also im Zentrum einer mysteriösen Stätte, im Urwald Boliviens, knapp 2.000 Meter über dem Meeresspiegel. Wie groß die »Stätte« einst war ... wir wissen es nicht. Verschiedentlich ist von »vierzig Hektar« die Rede. Vor Ort nannte man weit größere Zahlen. Ausgegraben wurde aber erst ein winziger Bruchteil. Und dieses kleine Teilstückchen ist leicht zu überschauen. Es ist ein Sandsteinrücken, etwa 200 Meter lang und 40 Meter breit.

Rätselhaftes El Fuerte
Foto W-J.Langbein
Gelegentlich wird dieser steinerne Huckel als eine »Pyramide« bezeichnet, was völliger Unsinn ist! Eine Pyramide ist ein künstlich geschaffenes Denkmal. Das steinerne Zentrum von El Fuerte besteht aus gewachsenem Stein ... Allerdings wurde fast jeder Quadratzentimeter bearbeitet und behauen.

Im Zentrum des pyramidenförmigen »Huckels« verlaufen zwei »Schienen«, genauer gesagt zwei Rillen. Beide sind fast vierzig Zentimeter breit und – meiner Messung nach – fast dreißig Meter lang. Ich stehe am Fuße des Huckels und schaue nach oben. Neben den Rillen – sie sehen wie Schienen in den Himmel aus – hat man auf beiden Seiten Zickzacklinien in den Sandstein gemeißelt.

Welchem Zweck dienten die beiden Rillen? Waren sie als »Kanäle« gedacht, in denen einst flüssiges Metall floss, im Rahmen eines technischen Programms? Wurde ein heute nicht mehr bekanntes Verfahren zur Reinigung von Metallen angewandt? Ein immer wieder wiederholtes technisches Verfahren könnte aus Sicht technisch vollkommen Unbedarfter wie ein seltsames sakrales Ritual verstanden worden sein, das dazu diente – beispielsweise – reines Gold zu gewinnen.

Rätselhafte Steinbearbeitungen
Fotos W-J.Langbein
Ich marschierte auf Strumpfsocken den »Schienen« folgend ... nach oben. Mir flößt »El Fuerte« Respekt ein – wie eine christliche Kirche, ein indischer Tempel oder ein Steinkreis auf der Osterinsel. Hoch oben, am höchsten Punkt des Huckels, wurden Rondelle in den Fels gemeißelt. Eines befindet sich am Ende der »Schienen« in den Himmel. Sollte hier tatsächlich etwas »in den Himmel« geflogen sein? UFOs waren es sicher nicht ... aber vielleicht sehr viel primitivere »Flugobjekte«?

Erich von Däniken schlägt eine kühn anmutende Lösung vor (2): »Bei einer solchen Betrachtungsweise hätten die Erbauer am unteren Ende der Rillen einen Drachen oder eine Art Segelflugzeug befestigt, das auf Schienen in den Rillen lief. Oben, am Rondell, wäre ein Gummiband aufgewickelt gewesen, das hinunterlief und an dem Flugapparat befestigt war. Auch vorinkaischen Völkern dürfte es nicht schwer gefallen sein, eine Ausklinkvorrichtung zu konstruieren.«

Kurz und bündig: Am unteren Ende der beiden »Schienen« wartet ein Segelflugzeug auf seinen Start. Es ist an einem starken Gummiband befestigt, das von starken Männern mittels einer Vorrichtung im Rondell so straff wie möglich angespannt wurde. Sobald das Band maximal gespannt war, wurde ein »Ausklinkmechanismus« betätigt – und der Segelflieger sauste empor und wurde schließlich in den Himmel katapultiert. In den beiden Rillen könnten – auch das ist Spekulation – die Kufen des Segelflugzeugs entlang geglitten sein ... bis zum Start des Vehikels.

Miniatur-Modell
El Fuerte - Foto:
W-J.Langbein
Zugegeben: Diese technische Version, von Erich von Däniken vorgeschlagen, passt so ganz und gar nicht zu unseren Vorstellungen von den Inkas und den Vorfahren der Inkas. Aber vielleicht sind ja unsere Vorstellungen falsch? Auch wenn wir von der »Segelflug-Erklärung« ausgehen, bleibt noch vieles rätselhaft in El Fuerte. Da wurden nischenartige Vertiefungen in den Stein gemeißelt. Da wurden kleine Becken in den Stein geschlagen, in denen sich Wasser sammelt. Da wurden offenbar im Stein Röhren gebohrt, die die Becken miteinander verbinden ... El Fuerte bei Samai Pata in Bolivien ist und bleibt geheimnisvoll. Könnten wir doch die Steinbearbeitungen von El Fuerte wie ein Buch lesen ...

Bei einem meiner Besuche erwarb ich vor Ort ein kleines Miniaturmodell von El Fuerte. Es hat in meinem Arbeitszimmer einen Ehrenplatz gefunden ... Mich überzeugt die Wischiwaschi-Erklärung von der »Zeremonialanlage« El Fuerte nicht. Sie passt überall und nirgendwo auf geheimnisvolle Stätten unseres Planeten. Sie macht bequem, weil Hinterfragen überflüssig ...

Ein kleines Gedankenspiel ... In einigen Jahrtausenden ist von unserer Zivilisation kaum etwas übrig geblieben. Archäologen finden Überbleibsel eines Fußballstadions im süddeutschen Raum. Vereinzelte Stoff-Fetzen tragen Inschriften. Rasch haben die Archäologen eine Erklärung zur Hand: Das war eine Kultstätte, für Zeremonien der Glaubensgemeinschaft »FC Bayern«. Manchmal kamen auf fernen Gestaden Besucher, die an den sakralen Handlungen teilnahmen ... zum Beispiel Anhänger der »St.Pauli-Religion« ...

Fußnoten
1 Stand 14.10.2011
2 Däniken, Erich von: »Raumfahrt im Altertum. Auf den Spuren der Allmächtigen«, München 1993, S



»Ein Motor aus Stein?«,
Teil 133 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 05.08.2012



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Sonntag, 15. Juli 2012

130 »Abschied von Puma Punku«

Das Geheimnis der Anden IX,
Teil 130 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Das Sonnentor als Teil einer imposanten Anlage.
Fotos: Archiv Hans Schindler-Bellamy,
Ingeborg Diekmann (kl. Foto)
Einst gab es einen riesigen Baukomplex in den Hochanden des heutigen Bolivien. Die heutigen Ruinen von Tiahuanaco und Puma Punku lassen kaum noch erahnen, wie die weitestgehend verwüstete und vernichtete Stätte ausgesehen haben mag. Meine Meinung: Sie bildeten einst einen großen Komplex. Prof. Hans Schindler-Bellamy legte mir vor mehr als dreißig Jahren eine sorgsame zeichnerische Rekonstruktion der einst stolzen Bauten vor. Er breitete Fotos und Zeichnungen auf dem Boden eines luxuriösen Hotels in München aus. »Das war nicht das Werk von steinzeitlichen Menschen!« wiederholte er immer wieder. Ich konnte ihm nur beipflichten.

Die Erbauer der prachtvollen Anlagen hinterließen uns, so der hochgebildete Gelehrte, nicht ein Buch, das wir lesen können ... »Aber die Symbolik des Sonnentores beschreibt in einer mathematischen Sprache ungeheureres Wissen, zum Beispiel Astronomie!« Prof. Hans Schindler-Bellamy war überzeugt, die Sprache des Sonnentores entschlüsselt zu haben und wie ein Buch lesen zu können. (1) Es ist nicht die »primitive« Sprache eines Steinzeitvolkes. Sie wurde – zum Beispiel – in das legendäre »Sonnentor« von Tiahuanaco graviert. Offenbar sollten es spätere Generationen wie ein Buch lesen können.

Das »Sonnentor von Tiahuanaco« war demnach einst Teil einer imposanten Fassade. Heute steht es einsam und verloren auf freier Fläche, notdürftig repariert. Im Trümmerfeld bei Tiwanaku entdeckte ich den traurigen Rest eines ähnlichen Tores. Offenbar wurde es einst zerschlagen. Einen Teil hat man abtransportiert und vielleicht in einer Kirche verbaut ... oder zu Schotter für die Eisenbahntrasse verarbeitet. Vielleicht liegt aber der Rest des Tores irgendwo im Erdreich verborgen.

Rückseite des weltberühmten
Sonnentores (oben).
Unten Fotomontage.
Fotos W-J.Langbein
In einer Fotomontage setzte ich das Bruchstück eines weiteren Tores in das Foto des weltbekannten Sonnentores. Kein Zweifel: Das Teilstück gehörte einst zu einem weiteren Tor. Wie viele solcher Tore mag es einst gegeben haben? Wie viele wurden zerschlagen, wie viele wurden weggeschleppt und verbaut?

Ich erinnere mich gut daran: Mit dem greisen Professor kroch ich am Boden seines Hotelzimmers zwischen Plänen, Büchern, Zeichnungen und Fotos umher. Wir betrachteten faszinierende Fotos der Stätte Puma-Punku/Tiahuanaco, wir verglichen rund 100 Jahre alte Aufnahmen mit heutigen. Wir überprüften zeichnerische Rekonstruktionen mit Fotos von Ruinen, die die Zeiten überdauert hatten.

»Vor Jahrtausenden verschwanden die eigentlichen Erbauer von Puma Punku und Tiahuanaco ...« meinte nachdenklich Prof. Hans Schindler-Bellamy. »War es ein freiwilliger Abschied?« Wir wissen es nicht. Gab es eine gewaltige Katastrophe? Übernahmen vermeintlich »primitivere« Stämme die Ruinen, viele Generationen nach dem Verschwinden der Erbauer? Wir würden wahrscheinlich Antworten auf unsere Fragen in jenen alten Texten finden, die von den spanischen Eroberern planmäßig gesucht und dann verbrannt worden sind. Der Chronist Fernando Montesino jedenfalls behauptet, die mysteriösen Steinbauten seien vor der Sintflut errichtet worden. Gab es eine solche Katastrophe? Die Aymara – so wird behauptet – haben angeblich die einst so stolzen Bauten erbaut. Die Aymara aber weisen das weit von sich. Die steinernen Städte seien sehr viel älter ... Sie stammen – so die Aymara – aus Zeiten, da es den heutigen Menschen noch gar nicht gab. Damals sei der Titicaca-See sehr viel größer als heute gewesen.

 Versuch der Rekonstruktion
 Foto: Ingeborg Diekmann
Sollte der »Fantast« Prof. Dr. Arthur Posnansky (1873-1946) die Wahrheit entdeckt haben (2)? Der Gelehrte ging von wiederholten gewaltigen Überschwemmungen aus ... von einem Titicacasee, der die Treppen von Tiahuanaco umspülte. Kalkspuren auf Steinen von Tiahuanaco sollen das beweisen. Noch heute soll auf der Hochebene von Puma-Punku und Tiahuanaco der einstige Küstenverlauf deutlich zu erkennen sein. Mir drängte sich vor Ort dieser Eindruck auf: Da und dort scheinen bei sporadischen archäologischen Arbeiten willkürlich Gräben gezogen oder Löcher ausgehoben worden zu sein. Da und dort liegen noch Schaufeln und Hacken herum. Ob den Wissenschaftlern das Geld ausgegangen ist? Es sieht so aus, als habe man die Arbeiten abrupt abgebrochen. Ich krabble in so einen Graben.

Sauber bearbeitete Steine scheint fest im einstmals schlammigen Morast förmlich verbacken worden zu sein. Es kommt mir so vor, als ob ein Erdbeben Gebäude umgestürzt hat, als ob die Trümmer dann von einer gewaltigen Flutwelle mit Schlamm bedeckt worden seien. Als sich die Wassermassen zurückzogen, blieb vieles im Schlamm verborgen. Nach und nach verfestigte sich der Schlamm. Für die christlich-missionierten Ureinwohner durfte eine solche Flut-Katastrophe nur jene des Alten Testaments gewesen sein.

So manches Mal habe ich Puma Punku und Tiahuanaco besucht. So manches Mal habe ich Abschied von den mysteriösen Ruinen genommen ... und mir einen Schatz aus Erinnerungen zusammengetragen. Was, so frage ich mich, ist das Geheimnis der Ruinen in den Hochanden?

Tonnenschwere
Steinmonster
Fotos: W-J.Langbein
Sind es die viele Tonnen schweren Steinmonster, von denen auch heute noch manche halb im Erdreich stecken? Sind es die zum Teil über 100 (einhundert!) Tonnen schweren Platten aus massivem Stein, die man – wie auch immer – transportiert hat? Sind es die kleinen gelben Blümchen, die in einer Höhe von 4.000 Metern über dem Meeresspiel förmlich strahlen?

Sind es die unglaublichen Steinmassen, die präzise bearbeitet wurden? Ist es die Präzision einzelner Steinquader, die nie und nimmer mit primitiven Werkzeugen so exakt zugeschnitten worden sein konnten? Wie wurden sie geschaffen ... und zu welchem Zweck? Schon vor rund 130 Jahren wurden tonnenschwere Steinquader millimetergenau vermessen, die einfach paradox sind. Sie sind Fremdkörper in der Geschichte.

Beispiel: Wer kreierte in »grauer Vorzeit« einen gut acht Tonnen (!!!) schweren Steinquader ... um ihn dann mit unbekannten Werkzeugen zu traktieren? Wer schnitt vielzackige Kanten in den Stein, wer fräste Vertiefungen? Wer hat diese Steinbearbeitungen geplant? Wie wurden die Pläne festgehalten ... von einem Volk, das keine Schrift kannte?

Ich muss immer wieder fragen: Wie konnte diese Präzision erreicht werden ... ohne Metallschablonen, ohne hochtourige Bohr/Schneide-Maschinen? Mir ist nicht bekannt, dass auch nur ein einziger solcher Stein in unseren Tagen kopiert wurde ... unter Verwendung primitiver Werkzeuge! Heute würde man Diamantbohrer verwenden, mit hoher Drehgeschwindigkeit. Man würde Stahlschablonen fest fixieren, die zu bearbeitenden Brocken in mächtige Klammern spannen. Man würde heute modernste Geräte einsetzen ... und hätte doch seine liebe Not, wollte man wiederholen, was vor ewigen Zeiten angeblich mit primitiven Werkzeugen gelungen ist!

Unglaublich komplex bearbeitete Steinquader
Fotos: Bellamy /Archiv Langbein
Die »Hünengräber« Norddeutschlands sind Zeugnisse erstaunlicher Fähigkeiten der Menschen vor Jahrtausenden. Sie konnten mit Brocken gewaltiger Masse scheinbar spielerisch umgehen. Sie konnten sie über große Entfernungen schleppen. Die Erbauer von Puma-Punku waren dazu auch in der Lage. Sie konnten aber zudem die Monstersteine millimetergenau schneiden, fräsen, schleifen, bohren.

Immer wieder höre ich von sogenannten »Skeptikern«, es gebe gar kein »Geheimnis« Puma-Punku/ Tiahuanaco. Wirklich nicht: Dann ans Werk: Man fertige mit einfachsten Mitteln so ein kurioses Steingebilde, sagen wir aus härtestem Diorit ... Man schleppe einen 130-Tonnen-Block mit primitivsten Mitteln nur ein paar Kilometer querfeldein, in der dünnen Luft der Hochanden! Wenn es so einfach war, jene steinernen Kuriosa zu erschaffen ... dann möge man bitte wiederholen, was den »Steinzeitmenschen« angeblich so leicht von der Hand ging. Man muss sich dann aber auch wirklich auf die primitiven Methoden beschränken, die man den Menschen von Puma-Punku zubilligt. Bis heute ist das nicht gelungen!

Ich habe den Eindruck, dass sich mancher »Experte« rasch von Puma-Punku/Tiahuanaco verabschiedet, ohne über die eigentlichen Geheimnisse nachzudenken.

Vielleicht muss man wirklich vor Ort vor diesen riesigen Steinmonstern stehen, um wahrzunehmen, dass »primitive Werkzeuge« nicht ausgereicht haben können, um die Meisterleistungen von Puma-Punku zu vollbringen! Man mag darüber streiten, ob Puma-Punku vor 1.500 oder vor 15.000 Jahren gebaut wurde. Das ist nicht die zentrale Frage! Ob Puma-Punku vor 15, vor 150, vor 1.500 oder 15.000 Jahren kreiert wurde ... mit »primitiven« Werkzeugen ging es nicht!

Steine ... wie »gegossen«
Foto: W-J.Langbein
Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Eine Antwort freilich ist auszuschließen: Das Steinzeitvolk der Aymara hat Puma-Punku nicht gebaut!

Ich glaube – um es etwas provokant zu formulieren – sogenannte »Experten« verabschieden sich viel zu schnell von Puma-Punku, weil es vor unserer Zivilisation mit ihren technischen Möglichkeiten nichts Vergleichbares gegeben haben darf! Also wollen sie die »unmöglichen« Steinbearbeitungen aus den Hochanden gar nicht wirklich kennen.

Der Weg nach Puma-Punku in den Hochanden Boliviens ist auch heute noch steinig, mühsam und nicht ungefährlich. So manches Vehikel stürzte beim Erklimmen der Serpentinen ab ... schon mancher Mensch kam ums Leben. Mir scheint: Der Weg nach Puma-Punku ist besonders jenen Experten viel zu weit und zu beschwerlich, die nicht zugeben mögen / können (??), dass die Vergangenheit immer noch so manch' ungelöstes Rätsel zu bieten hat. Manchmal sind die Bretter vor unseren Köpfen härter als Granit ...

Wissenschaft soll Wissen schaffen. Wirkliche Wissenschaftler geben zu, wenn es auf manche Frage keine plausible Antwort gibt.

Fußnoten
1 Die umfangreichen Ausführungen von Prof. Hans Schindler-Bellamy würden den Rahmen dieser Serie sprengen. Ich muss und kann daher nur auf die leider nur noch antiquarisch beziehbaren, rar gewordenen Werke des Gelehrten hinweisen ...
Bellamy, H.S. Und Allan, P.: »The Calendar of Tiahuanaco/ The Measuring System of the Oldest Civilization«, London 1956
Bellamy, H.S. und Allan, P.: »The Great Idol of Tiahuanaco«, London 1959
2 Posnansky, Arthur: »Tihuanacu, the Cradle of American Man«, Bände I und II, ins Englische übersetzt von James F. Sheaver, New York und La Paz, Bolivien, 1945 und Bände III und IV, ins Englische übersetzt von James F. Sheaver, New York und La Paz, Bolivien, 1957

Dank und Lektüre-Empfehlung
Ohne Erich von Dänikens wunderbare Bücher – seit »Erinnerungen an die Zukunft« – hätte ich mich nie nach Puma-Punku aufgemacht. Ein herzliches Dankeschön an E.v.D.!

Sehr empfehlenswert ist das meiner Meinung nach faszinierendste aktuelle Buch zum Thema überhaupt, verfasst von Erich von Däniken.

Däniken, Erich von: »Götterdämmerung«, Rottenburg 2009



»Eine steinerne Nachlese«,
Das Geheimnis der Anden X,
Teil 131 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 22.07.2012


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Sonntag, 1. Juli 2012

128 »Puma Punku«

Das Geheimnis der Anden VII,
Teil 128 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Zertrümmerte Platten
Foto: W-J.Langbein
Man stelle sich ein gigantisches Fundament für ein riesenhaftes Bauwerk vor. Gewaltige Monstermauern sollen bald auf riesigen Betonplatten emporwachsen. Bevor mit dem eigentlichen Gebäude begonnen werden kann, muss ein solides Fundament gesetzt werden.

Man stelle sich vor, dass ein Heer von spezialisierten Arbeitskräften am Werk ist: Die einen gießen das Fundament, die anderen karren riesige Bauelemente heran. Und wieder andere schaffen Steinklötze an die Baustelle, die aus einem Baukasten zu stammen scheinen ... nur dass sie tonnenschwer sind.

Man stelle sich weiter vor, dass die Bauarbeiten abrupt beendet werden ... von einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Die gewaltigen Fundamente werden hochgeschleudert und zerbersten auf die Erde zurückfallend in riesige Teilstücke ... tonnenschwer. Was für eine Katastrophe mag das Werk der Zerstörung bewirkt haben? Eine apokalyptische Sintflut vielleicht, die riesige Bauelemente mit Schlamm bedeckt. Unter meterdickem Abraum verschwinden atemberaubende Fragmente ... Da und dort ragen Stücke von präzise ausgeführten Bauelementen aus dem im Lauf der Jahrtausende hart verbackenen Boden.

Zerschlagene Monsterplatten
Fotos: W-J.Langbein
Da und dort liegen Plattenteile mitten in wüstenartiger Landschaft ... als Zeugnisse einer längst vergessenen Zivilisation. Die Erbauer müssen exakt geplant, also eine Schrift besessen haben. Schriftliche Zeugnisse haben aber die Jahrtausende nicht überdauert. Und an den monströs anmutenden Ruinen-Brocken hat der Zahn der Zeit genagt. Man hat die Überbleibsel einer wuchtigen Anlage als Steinbruch benutzt und unvorstellbare Mengen an Baumaterial weggeschafft. Glatt polierte Platten wurden mutwillig zertrümmert und zu Schotter verarbeitet. Schöne Bauelemente wurden weg gezerrt und in sakralen Bauten zur Ehre Gottes eingesetzt oder dienten armseligen Lehmhütten als Verschönerung ...

Man könnte sich ein solches Szenario als Kulisse für den Beginn eines spannenden Science-Fiction-Films vorstellen ... auf einem fernen Planeten. Oder endet ein Filmepos vielleicht so ... auf Planet Erde ... mit einem Blick auf die Überbleibsel einer einst hoch stehenden Zivilisation, nach einem infernalischen Krieg in grauer Vorzeit? Das beschriebene Szenario ist aber, so kühn es auch anmuten mag, nicht fiktiv, sondern höchst real. Man findet es hoch oben in den Anden Boliviens, unweit des Titicaca-Sees, einen »Steinwurf« von den Ruinen von Tiahuanaco entfernt. Die Kuriositäten aus grauem Diorit (sehr hart!) und rotem Sandstein (weicher) gibt es wirklich. Die zertrümmerten Platten, die einst ein Fundament bildeten ...

Was von Puma Punku übrig blieb ...
Foto W-J.Langbein
Sie sind real. Und das schon seit vielen Jahrhunderten. Sie sehen wirklich aus, als seien sie aus Beton gegossen. Bei manchen möchte man meinen, die Verschalung sei eben erst – vor wenigen Minuten, allenfalls Stunden – entfernt worden. Der Eindruck täuscht: Es waren keine Betongießer am Werk, sondern Steinmetze. Ihre zum Teil monumental anmutenden Werke wurden allesamt aus (zum Teil härtestem Gestein) gemeißelte oder gesägt.

Puma Punku war ein Weltwunder ... und die Ruinen sind auch heute noch atemberaubend. Fotos können nicht vermitteln, welch kolossale Leistungen in grauer Vorzeit erbracht worden sind ... von Menschen auf »Steinzeitniveau«. Und doch wurde dieses Welträtsel von der Wissenschaft – gelinde gesagt – stiefmütterlich vernachlässigt. Noch 1979 fanden sich im fulminant illustrierten Werk »Die Kunst des alten Amerika« (1) nur einige wenige Zeilen über Puma Punku (2): »In der Südwestecke von Tiahuanaco steht die große, Puma-Punku genannte Pyramide. Ihre obere Plattform bilden zwei verschieden hohe Flächen, die man über mehrere Treppen erreicht. Auf einer dieser Plattformen dürfte ein Tempel gestanden haben, dessen Eingang aus drei im Stil des Sonnentores ausgeführten Plattformen bestand.«

Seit Jahrhunderten
unverändert ...
Foto: W-J.Langbein
Erich von Däniken war es, der erstmals eine breite Öffentlichkeit auf das Phänomen »Puma Punku« aufmerksam machte. Touristengruppen wurden im Sauseschritt durch Tiahuanaco geführt, Puma Punku – einen Steinwurf entfernt – wurde ihnen »erspart«. Antonio de Castro y del Castillo, Bischof von La Paz hingegen pries vor rund 350 Jahren Puma-Punku als Meisterwerk unbekannter Schöpfer, als »ein wunderbares Gebäude von solcher Schönheit« (4), wie es selbst die Spanier nicht hätten errichten können. Die Inkas, so der Bischof anno 1651, seien nicht die Erbauer gewesen.

Die größte Steinplatte von Puma Punku kann nur geschätzt werden ... das 100-plus-Tonnenmonster geht auf keine Waage. Wie hat man diesen Riesenstein mit »primitiven« Mitteln über zehn Kilometer hinweg bewegt? Acht Meter lang ... fünf Meter breit ... gut einen Meter dick: Wie hat man diesen Koloss angelüftet und »in Marsch gesetzt«? Es wird aber noch verrückter: Die wahrlich gewichtige Steinplatte – nach Schätzungen womöglich 130 Tonnen schwer – ist nur ein Teilstück. Ursprünglich war sie nicht acht, sondern vierzig (!!!) Meter lang. Sie muss ein geradezu astronomisches Gewicht gehabt haben ... und wurde dennoch zehn Kilometer weit transportiert! Wie ist das geschehen? Eine weitere Frage muss sich dem Beobachter vor Ort aufdrängen: Wie kam es dazu, dass wuchtige Steinplatten so zertrümmert und durcheinander geworfen wurden?

Wie nach einer Explosion
Foto W-J.Langbein
Dr. Johannes Fiebag (1956-1999) stellt in seinem Fachartikel »Neue Entdeckungen in Bolivien und Peru« (5) fest: »Puma Punku: Die Grabungen an der Mondpyramide sind noch immer nicht wiederaufgenommen worden. Die von uns in Augenschein genommene gute Erhaltung und weitgehende unbeschädigte Natur dieser Struktur macht es aber mehr als unwahrscheinlich, dass Tiahuanaco und Puma Punku durch ein gewaltiges Erdbeben zerstört wurden – in diesem Falle hätte auch die Pyramide massiv darunter leiden müssen.« Völlig zurecht fragt Dr. Fiebag: »Was wirbelte dann die gewaltigen Steinblöcke jenseits der Mondpyramide durcheinander? Welches eng begrenzte Ereignis vermag Derartiges zu bewirken? Hier ist die Annahme einer gezielten Sprengung wohl nicht ganz abwegig.«

Wie ist dieses Werk der Zerstörung zu erklären? Wer oder was schleuderte die steinernen Platten umher? Skeptiker, für die es die großen Mysterien der Vergangenheit gar nicht gibt, behaupten ... diese Frage sei längst geklärt. Habe doch Anfang des 20. Jahrhunderts eine bolivianische Armee Schießübungen auf Puma Punku durchgeführt. Richtig ist aber auch, dass die bolivianische Armee auf steinerne Statuen von Puma Punku schoss. Die Statuen wurden beschädigt oder zerstört ... Damit bleibt aber die Frage unbeantwortet, wer die gewaltigen Steinplatten durcheinander wirbelte.

Erst ein Bruchteil von Puma Punku
wurde ausgegraben
Foto W-J.Langbein
Max Uhle wurde Zeuge dieser Schießübungen ... auf die Statuen. Und Max Uhle beschreibt konsterniert das Durcheinander der Platten in dem Monumentalwerk »Die Ruinenstätte von Tiahuanaco im Hochland des alten Peru«, 1892 erschienen (6): »Den merkwürdigsten Teil der Ruinen von Puma-Punku bilden die noch an Ort und Stelle befindlichen ›Plattformen‹ und die zwischen ihnen liegenden ganzen oder abgebrochenen Blöcke, welche nach Form, Größe und Bearbeitung eine außerordentliche Mannigfaltigkeit zeigen. Da gibt es plattenförmige Steine, gleichmäßig bearbeitete Lavaplatten, solche mit kleinen, torartigen Ausarbeitungen, Steine mit muldenartigen Vertiefungen, Steine mit kreuzartigen Ornamenten, mit kleinen Nischen und dick oder ganz dünn erhabenen Leisten sowie ungezählte andere Formen.«

Fazit: Die wuchtigen Steinplatten wurden nicht Opfer der bolivianischen Arme, die so gar keine Achtung vor uralten Statuen hatte. Wer oder was zertrümmerte die einst riesigen Platten?

Der Autor und einer der
mysteriösen Steine
Foto Willi Dünnenberger
Ich habe mich manchen Tag auf dem Ruinenfeld von Puma Punku aufgehalten. Ich staune auch heute noch über die Leistungen der Altvorderen. Fakt ist: Die Bauelemente, die aus einem »Baukastensystem« zu stammen scheinen ... gibt es ebenso wie wuchtige Platten. Aber auch die »kleinen Teile« sehen aus wie gegossen. Jedoch wurden auch sie mit unbekannten Werkzeugen aus zum Teil härtestem Stein gemeißelt.

Viele Fragen bleiben seit Jahrhunderten unbeantwortet. Wie wurden diese Kolosse transportiert? Wie wurden sie bearbeitet? Wie wurden sie zurecht gesägt? Wie wurden sie poliert? Wie wurden sie millimetergenau geplant und dann geschaffen ... und zu welchem Zweck? Was war einfach nur schönes Ornament, was hatte technische Funktion? Und: Wer hat Tiahuanaco und Puma Punku gebaut?

Fußnoten

1 Alcino, José: »Die Kunst des Alten Amerika«, Freiburg 1979
2 Zitiert nach Däniken, Erich von: »Reise nach Kiribati«, Düsseldorf und Wien 1981, 1. Auflage, S. 279
3 Däniken, Erich von: »Reise nach Kiribati«, Düsseldorf und Wien 1981, Kapitel VI, »Götterdämmerung«, S. 249-323
4 ebenda zitiert S. 280 und 281
5 Fiebag, Dr. Johannes: »Neue Entdeckungen in Bolivien und Peru«, »Ancient Skies«, 19. Jahrgang, Nr.3/1995, S.10-13, Zitat S.10
6 Stübel, Alphons und Uhle, Max »Die Ruinenstätte von Tiahuanaco im Hochland des alten Peru«, Leipzig 1892, zitiert nach Däniken, Erich von: »Reise nach Kiribati«, Düsseldorf und Wien 1981, 1. Auflage, S. 284



»Sie hatten schwarzes Blut!«,
Das Geheimnis der Anden VIII,
Teil 129 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 08.07.2012



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Sonntag, 17. Juni 2012

126 »Der steinerne Riese von Tiahuanaco«

Das Geheimnis der Anden V,
Teil 126 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Der Koloss, noch im Freilichtmuseum
stehend - Foto W-J.Langbein
Im halbunterirdischen Museum von La Paz stand viele Jahrzehnte ein wahrer Gigant. Die riesenhafte Statue misst stolze 7,20 Meter, bei einem geschätzten Gewicht von zwanzig Tonnen. Anno 1932 wurde er hoch oben in den Anden Boliviens ausgegraben. Die vorzüglich erhaltene Statue befand sich tief im Erdreich der Tempelanlage, unterhalb des »versenkten Tempels« von Tiahuanaco. Als offizieller »Entdecker« gilt Wendell Clark Bennett (1905-1953). Bennett kam mit 48 Jahren bei einem mysteriösen Badeunfall ums Leben.

Auch heute noch werden wahre archäologische Schätze im Erdreich von Tiahuanaco vermutet. Leider fehlen die Finanzen, um ausgiebige Ausgrabungen vornehmen zu lassen. Wenn ich nach Jahren wieder einmal Tiahuanaco besuchte, konnte ich keine Fortschritte erkennen.

Verantwortlich für die Ausgrabung von anno 1932 war das »American Museum of National History«, New York. Die zuständigen Behörden hatten präzise Vorgaben vertraglich fixiert: So waren »mehrere Einzel-Grabungen« von jeweils »höchstens zehn Quadratmetern Fläche« gestattet. Als ortskundiger Experte vor Ort machte sich Prof. Dr. Arthur Posnansky (1873-1946) verdient. Er war es, dem die Entdeckung der im harten Erdreich steckenden Riesenstatue zu verdanken ist!

Historische Aufnahme
Foto: H.Schindler-Bellamy
Der Experte aus La Paz fiel in der archäologischen Zunft allerdings in Ungnade. Wagte er doch das Bild, das die klassische Schulwissenschaft von Tiahuanaco zeichnete ... anzuzweifeln, ja abzulehnen. Nach Prof. Posnansky ist die riesige Kultanlage eher 15.000 als 1.500 Jahre alt. Nach Prof. Posnansky gab es bereits vor mindestens 15.000 Jahren eine hoch stehende Zivilisation in den Hochanden des heutigen Bolivien, die geradezu Wunderwerke aus Stein schufen.

Prof. Arthur Posnansky war von einem zyklischen Ablauf der Weltgeschichte überzeugt. So vertrat er die These, dass uralte Kultstätten wie Tiahuanaco in regelmäßigen Abständen durch gewaltige Kataklysmen apokalyptischen Ausmaßes vollkommen vernichtet wurden. Unvorstellbare Welt-Fluten, vergleichbar mit der biblischen Sintflut, sollen unermessliche Schäden verursacht haben.

1932 wurde nun bei Tiefengrabungen im verkrustet-verbackenen Schlamm unter dem »versenkten Tempel« von Tiahuanaco ... ein gewaltiger Monolith gefunden. Der Koloss machte – so groß er mit 7,20 Metern auch war – zunächst einen eher unscheinbaren Eindruck. Als aber die Archäologen dem Steinmonster mit Bürsten zuleibe rückten ... kam eine geradezu perfekt erhaltene Riesenstatue zum Vorschein. Unter der schützenden Erdschicht waren exakte Gravuren von unglaublicher Detailfreude konserviert worden.

Einige der Gravuren auf der
Rückseite des Idols
Foto: H.S.-Bellamy
Der Riesenmonolith wurde mit mächtigen Seilwinden aus der Grube gewuchtet ... und mit gewaltigem Aufwand nach La Paz in das dortige Freilichtmuseum geschafft. Ob seiner beachtlichen Größe bekam die Riesenstatue den Namen »Das große Idol von Tiahuanaco«. Seit etwa dreißig Jahren gibt es nun vor Ort Bestrebungen, den Koloss wieder in die Ruinen von Tiahuanaco zu schaffen.

Meine Meinung: »Das große Idol von Tiahuanaco« muss von herausragender Bedeutung für die Kultanlage von Tiahuanaco gewesen sein. »Die Statue gehört nicht in das Getöse der verpesteten Millionen-Metropole von La Paz, sondern nach Tiahuanaco, zurück in die Hochanden!« forderten nicht nur Lokalpatrioten. 2002 wurde sie – nach 70 Jahren – endlich wieder zurück gebracht.

Wiederholt habe ich staunend vor dem Riesenkoloss in La Paz gestanden, der alle anderen Artefakte im Freilichtmuseum geradezu klein erscheinen ließ. Selbst der Kolossalstatue, der zu Füßen der Riesenstatue lag, wirkte geradezu zierlich im Vergleich. Inzwischen ist das steinerne Haupt aus dem Museum entfernt worden. Man sieht es – wie auch »Das große Idol von Tiahuanaco« – nur noch auf alten, schon historischen Aufnahmen. Auch dieses mysteriöse steinerne Haupt stammte ursprünglich aus der Anlage von Tiahuanaco. Der zugehörige Rumpf wurde bis heute nicht gefunden. Allerdings wurde ja erst ein Prozent des Areals hoch in den Anden ausgegraben!

Der »große Steinkopf« aus dem
Freilichtmuseum - Foto:
Hans Schindler-Bellamy
Wiederholt habe ich staunend vor dem riesenhaften »Idol« gestanden. Ich bewunderte immer wieder die erstaunliche Größe des steinernen Riesen ... und habe dabei das eigentliche Geheimnis der Statue nicht erkannt! Prof. Hans Schindler-Bellamy legte mir bei mehreren persönlichen Begegnungen brisante Unterlagen vor: zum Beispiel millimetergenaue Zeichnungen der mysteriösen Bildwerke, die mit perfekter Präzision in den Rücken des Giganten gefräst worden sind.

Für den Gelehrten aus Wien stellt Tiahuanaco eines der großen Rätsel unseres Planeten dar. Prof. Schindler-Bellamy (1) in einem Vortrag 1975 in Zürich: »Die erstaunlichste Tatsache aber ist: Die Kultur von Tiahuanaco hat keine Wurzeln in diesem Raum! Sie ist weder dort aus unbedeutenden Anfängen heraus entstanden noch ist irgendwo anders ein solcher Ort des Ursprungs bekannt. Es mutet so an, als ob sie praktisch vollentwickelt ›plötzlich erschien‹«.

Prof. Schindler-Bellamy versicherte mir: »Mit steinzeitlichen Werkzeugen konnten diese komplexen Bildnisse nicht in den harten Stein gefräst werden! Die Steinmetze müssen ›modernes‹ Werkzeug besessen haben!« Mit derartigen »modernen Werkzeugen« wurden auch zahllose Zeichnungen mit größter Detailfreude in den – inzwischen aus dem Freilichtmuseum verschwundenen - »großen Steinkopf« gefräst: in härtesten Stein, millimeterbreit ... Prof. Hans Schindler-Bellamy: Leider wurden die Gravuren im »großen Kopf« nie wirklich untersucht.

Vorder- und Rückseite
des »großen Idols«
Fotos:
Archiv Langbein
Fast etwas provokativ fragte ich den Gelehrten, ob diese Verzierungen eine tiefere Bedeutung hätten. Milde antwortete der Wissenschaftler: »Man kann diese komplexen Zeichnungen wie ein Buch lesen!« Prof. Schindler-Bellamy hat das Sonnentor von Tiahuanaco als Kalender entschlüsselt (2):

»Unsere umfassende Analyse der Skulpturen auf dem Sonnentor führte uns zu der erstaunlichen Erkenntnis, dass der Kalender weniger eine Auflistung der Tage für den ›Mann auf der Straße‹ des damaligen Tiahuanaco war (etwa um den Markttag oder die Freizeit anzuzeigen), sondern tatsächlich und insbesondere ein einzigartiges Dokument der astronomischen, mathematischen und den damit in Verbindung stehenden Wissenschaften, ein Dokument des wesentlichen Inhalts des Wissens der Begründer der Tiahuanaco-Kultur.«

Prof. Hans Schindler-Bellamy weiter (3): »Der Kalender zeigt sowohl den Jahresbeginn an, als auch die Tag- und Nachtgleichen, die Sonnenwenden, die Häufigkeit der Schalttage, Mitteilungen über die Schiefe der Ekliptik und die geographische Breite sowie viele andere geographische und astronomische Hinweise, die von uns Heutigen berechnet werden können und die offensichtlich auch den Wissenschaftlern von Tiahuanaco nicht unbekannt waren. Sie wussten zum Beispiel, dass die Erde eine Kugel ist, die sich um die eigene Achse dreht (nicht, dass die Sonne die flache Erde umkreist), weil sie auch genau die Zeit vorausberechneten, in denen Sonnenfinsternisse in anderen Teilen der Welt zu sehen waren. Man beginnt sich zu fragen, ob sie nicht wirklich dazu in der Lage waren, rund um die Welt zu reisen, und darüber zu spekulieren.« (4)

Einer der gravierten Riesen
von Tiahuanaco - Fotos:
Anakin (rechts)
und W-J.Langbein
Bei diesen sensationellen Erkenntnissen blieb es aber nicht. Peter Allan und Prof. Hans Schindler-Bellamy nahmen sich auch die Gravuren auf der Rückseite des »großen Idols« vor ... und siehe da: Sie stellten ebenfalls einen höchst komplexen Kalender dar ... wie die Gravuren auf dem Sonnentor. Die ältesten Daten auf der großen Statue reichen fast 30.000 Jahre zurück in die Vergangenheit! Vergeblich hat Prof. Schindler-Bellamy gehofft, dass seine Untersuchungen etwa an anderen Riesenstatuen von Tiahuanaco fortgesetzt werden würden. Das ist bis heute leider nicht geschehen.

Fußnoten
Auch diese Folge meiner Serie basiert auf meinen Recherchen vor Ort, also in Tiahuanaco und La Paz. Vor Ort sprach ich mit Experten und sah Fachliteratur ein.
1 Schindler-Bellamy, Prof. Hans: »Tiahuanaco und das Sonnentor«, Vortragsmanuskript, Zürich 1975

2 ebenda
3 ebenda

4 Die Thematik »Tiahuanaco-Kalender« ist sehr komplex und kompliziert. Prof. Schindler-Bellamys Hauptgedanken zu wiederholen, würde den zur Verfügung stehenden Rahmen bei weitem sprengen. Ich muss daher auf die von ihm verfasste Literatur verweisen:
Bellamy, H.S.: »Built before the Flood«, London 1953
Bellamy, H.S. und Allan, P.: »The Great Idol of Tiahuanaco«, London 1959
Beide Werke sind nur noch antiquarisch erhältlich. Sie liegen meines Wissens nur in englischer Sprache vor.

Persönliche Widmung von Prof. Hans Schindler-Bellamy
Foto: Archiv Langbein
Dank

Gern spreche ich Prof. Hans Schindler-Bellamy meinen aufrichtigen Dank aus: für aufschlussreiche Gespräche und hervorragendes Manterial (Bücher, Manuskripte und Fotos).

Danken darf ich auch an dieser Stelle Erich von Däniken, der mich schon vor vielen Jahrzehnten auf die großen Rätsel unseres Planeten aufmerksam machte! Sehr zu empfehlen ist ...

Däniken, Erich von: »Götterdämmerung«, Rottenburg 2009



Literaturtipp:
Lesen Sie auch »2012 - Endzeit und Neuanfang« von Walter-Jörg Langbein

Die Göttin und kuriose Steine,
Das Geheimnis der Anden VI,
Teil 127 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24.06.2012


Sonntag, 11. September 2011

86 »Das Geheimnis des Drachen«

Teil 86 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

.

Der Drachentöter von Urschalling
Foto: W-J.Langbein
Was hat Maria, Jesu holde Mutter, mit einem grässlichen Drachen zu tun? Man stelle sich vor ... Maria würde als zähnefletschendes Drachenmonster dargestellt. Ein Aufschrei der Empörung ginge durch die Christenheit. Mit Recht, oder? Drachen sind doch böse Wesen, denen von frommen Heiligen der Garaus gemacht wird. Der »Heilige Georg« hat sich da besonders hervorgetan und Drachen gemetzelt. Und doch gibt es eine scheinbar unvorstellbare Verbindung zwischen Maria und dem Drachen. Es gibt ein wohl gehütetes Geheimnis des Drachen ... und Maria ist darin verwickelt ...

Als ich mich auf meine erste Südamerikareise vorbereitete ... ich studierte damals evangelische Theologie ... warnte mich »mein« Professor für Kirchengeschichte: »Hüten Sie sich vor heidnischen Orten der Sünde!« Der gelehrte Mann dachte dabei allerdings nicht an verrufene Orte der käuflichen Liebe, der Drogen und überhaupt des Lasters ... sondern an uralte Kultstätten. Als ich gar noch gestand, auch Machu Picchu besuchen zu wollen, löste das empörtes Entsetzen beim Kirchenhistorikern aus.

Der Verfasser im
»Tempel der Pachamama«
Foto: Ingeborg Diekmann
»Dann nähern Sie sich auf keinen Fall dem Tempel der bösen Drachengöttin Pachamama!« Damit ich mich auch nicht versehentlich jenem schrecklichen Ort nähern würde ... zeigte mir der »Wissenschaftler« ein Foto von jenem »Tempel der Sünde«. Ich muss gestehen, dass ich jene Stätte keineswegs gemieden, sondern bewusst gesucht habe.

Ja schlimmer noch: Ich habe den höhlenartigen Tempel betreten. Im Dunkel machte ich mehrere, sauber in den Fels geschlagene Nischen aus. Welchem Zweck sie einst wohl gedient haben mögen? Wir wissen es nicht. Vielleicht wurden in ihnen Bildnisse der Göttin aufgestellt? Oder wurden darin Opfergaben abgelegt? Auch das ist unbekannt. Bei einem meiner letzten Besuche wurde der Höhlentempel millimetergenau vermessen und fotografiert. Angeblich sollten 3-D-Aufnahmen angefertigt werden.

Ich fragte einen der Archäologen: »Erforschen Sie die Geschichte von Pachamama?« Die Reaktion war heftig. Ich gab wieder einmal den biederen Theologiestudenten. »Wenn dies ein Tempel der Drachengöttin war ... muss ich mich doch fern halten ...« Ich hob ängstlich um mich blickend abwehrend die Hände. Der Archäologe reagierte jetzt recht milde. Die Höhle könne sehr wohl Ort der Verehrung für Muttergöttin Pachamama gewesen sein ... »eine Stätte frommer Verehrung, wie ein Wallfahrtsort für Maria. Beweise gebe es dafür aber keine.«

Der Verfasser vor dem
»Tempel der Pachamama«
Foto:  Ingeborg Diekmann
Der Archäologe versuchte mich zu beruhigen: »Im alten Europa wurden ja auch viele christliche Gotteshäuser auf den Fundamenten heidnischer Tempel gebaut. Und so wurden in Peru Orte der Verehrung für Göttinnen von Anhängern männlicher Götter übernommen!« Als ich den gelehrten Herrn um seinen Namen bat, wandte er sich unwirsch wieder seiner Arbeit zu ...

Als die Inkas die Orakelstadt Pachacamac übernahmen, zeigten sie die Toleranz, die die spanischen Eroberer Jahrhunderte später vermissen ließen. Als die Inkas in Pachacamac einzogen, bauten sie ihrem Sonnengott Inti einen neuen Tempel. Die für Pachacamac errichteten Kultstätten tasteten sie aber nicht an. Der alte Kult durfte ungehindert weiter zelebriert werden, es kam lediglich ein neuer hinzu. Und ganz offensichtlich gab es keinerlei Probleme im Miteinander von Pachacamac- und Inti-Anhängern.

Als die Spanier Mittel- und Südamerika eroberten und plünderten, zerstörten sie, wo sie nur konnten, jeden Hinweis auf die »heidnischen« Religionen. Die Codices der Mayas wurden zu riesigen Scheiterhaufen aufgetürmt und verbrannt. Und mit der Todesstrafe musste jeder »Heide« rechnen, der sich nicht »freiwillig« zur »Religion der Nächstenliebe« bekehren ließ. Für die riesige Kultanlage Pachacamac interessierten sich die Spanier wegen des großen Tempelschatzes ... Ein Großteil der Reichtümer konnte allerdings noch rechtzeitig vor den europäischen Räubern in Sicherheit gebracht werden. Werden sie je entdeckt werden?

Der göttliche
Pachacamac
Foto: W-J.Langbein
Nach meinen Recherchen stand den Tempelwächtern nicht viel Zeit zur Verfügung, die gewaltigen Mengen an Silber- und Goldpreziosen zu vergraben. Sie müssten sich also irgendwo in der Nähe der alten Gemäuer befinden ...

Die Glaubenswelt der Inka entstand nicht aus dem Nichts. Die Inkas entwickelten ältere Glaubensvorstellungen weiter, veränderten sie auch ... freilich ohne fremde Glaubensbilder auslöschen zu wollen. Bei den Moche (etwa fünftes bis siebtes Jahrhundert nach Christus) und bei den Chimu (Anfang des 13. Jahrhunderts) unterstanden Menschen wie Götter einer Mondgöttin. Sie regierte als allerhöchste Autorität die himmlischen Gefilde. Und sie war Beherrscherin der Jahreszeiten und des Wetters auf Erden. In der Glaubenswelt der Inkas schwand nach und nach ihre Bedeutung, während der männliche Gott Viracocha rasch in der Hierarchie aufstieg.

Viracocha alias Inti unterwarf aber nicht seinen männlichen Konkurrenten Pachacamac. War Pachacamac zu mächtig? Oder waren die Inkas in religiösen Fragen einfach nur tolerant?

Pachacamac hatte eine Partnerin, Pachamama. Pachamama – sie wurde als weiblicher Drache dargestellt – war eine Fruchtbarkeitsgöttin, zuständig für Wachsen und Gedeihen, aber auch für Leben und Sterben. Vor der Paarung Pachacamac/ Pachamama dürfte es aber eine ältere Gottheit gegeben haben ... eine Schöpfergöttin, die nach und nach an Bedeutung verlor und durch ein göttliches Paar ersetzt wurde. Der Überlieferung nach gab es vor Pachacamac eine Gottheit namens Con, die die ersten Menschen kreierte. Pachacamac besiegte Con und verwandelte die ersten Menschen ... in Affen.

Uraltes Mauerwerk von
Pachacamc - Foto: W.-J. Langbein
Auch in Mittelamerika, zum Beispiel bei den Mayas und den Azteken, war das Patriarchat der mächtigen Männer-Götter ... Nachfolger eines matriarchalischen Systems. Vor den Göttern kam auch hier die Urgöttin, die »Große Mutter«. Als Coatlicue lebte die Erdgöttin im jüngeren Patriarchat weiter, als weibliche Schlange! Auch in Zentralamerika wurde die Urgöttin als weiblicher Drache gesehen.

Prof. Dr. Hans Schindler-Bellamy erklärte mir: Die Darstellung der Urgöttin als »Drache« dürfte in einer Zeit des Übergangs zum Patriarchat erfolgt sein, als die einst so hochverehrte Muttergöttin nach und nach immer negativer gezeichnet wurde. Aus der omnipotenten, von ihren Anhängern ob ihrer Weisheit geliebten Göttin wurde nach und nach ein furchteinflößendes Wesen. Ist es ein Zufall, dass in der Bibel die gleiche Entwicklung vollzogen wurde? Auch wenn die entsprechenden Hinweise eher im Text des »Alten Testaments« stiefmütterlich behandelt werden ... so gibt es sie dennoch auch in unseren heutigen Bibelausgaben. So wird ganz eindeutig festgestellt, dass der männliche Schöpfergott Jahwe erst die Drachengöttin besiegen musste, bevor er sich ans Werk machen konnte! Da wird Jahwe gelobt (1): »Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen getötet hat? Im zweiten Vers des »Alten Testaments« (2) lesen wir in modernen Übersetzungen: »Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe.« Übersetzt man aber den Text wortwörtlich aus dem Hebräischen, so heißt es korrekter: »Finsternis lag auf dem Antlitz von Tehom.

Tehom aber ist ein »Plagiat«, wurde aus der babylonischen Mythologie übernommen. In der babylonischen Vorlage heißt Tehom Tiamat und wird vom männlichen Gott Marduk besiegt. Marduk muss erst die Meeresgöttin unterwerfen, bevor er mit der Schöpfung beginnen kann. Angeblich währte der Kampf Marduks gegen Tiamat Jahrhunderte ... und Tiamat soll ein Drache gewesen sein!

Bei den Mayas und Azteken in Mittelamerika, bei den Inkas und ihren Vorläufern in Südamerika ... und im »Alten Testament« unserer Bibel wird offensichtlich eine Geschichte erzählt ... Vor dem männlichen Gott regierte eine Göttin die Geschicke der Menschen.

Erbin der Drachengöttin
Foto: W-J.Langbein
Wer aber glaubt, es sei den Spaniern mit Feuer und Schwert gelungen, die Muttergöttin Pachamama zu besiegen ... der irrt gewaltig. Noch heute wird Pachamama in Südamerika verehrt und angebetet ... und nicht etwa von »bösen Heiden«, die dem Katholizismus fern stehen. Katholizismus und Pachamama-Verehrung werden nicht als Gegensätze gesehen. Auch wenn es die katholische Kirche offiziell nicht zugeben mag ... vor Ort beten fromme Katholiken gleichzeitig zu Maria und zu Pachamama!

Konkretes Beispiel: Im bolivianischen El Alto wurden zehn Kirchtürme errichtet. Die katholischen Gotteshäuser wurden, streng nach Ritualen des Pachamama-Glaubens, geweiht ... einschließlich der in den Fundamenten eingemauerten Lama-Föten. Auch Pater Sebastian Obermayer, seit Jahrzehnten in Bolivien, sieht keinen Konflikt zwischen Pachamama und Maria (3): »Unsere Gemütsbasis ist gut katholisch. In der Frömmigkeit passt das gut zusammen.«

Worin besteht das Geheimnis des Drachen? Der heilige Drachen war eine Drachin, also weiblich ... und keineswegs teuflisch-böse, sondern die mächtige Muttergöttin des Lebens. Gewiss, es ist in den Augen strenggläubiger europäischer Katholiken Sakrileg und Ketzerei zugleich ... aber dennoch wahr und unbestreitbar! Wir kennen Maria, die Mutter Jesu und christliche Himmelskönigin, als lieblich-holde Frauengestalt. Maria, Mutter Gottes im christlichen Glauben, hat aber eine pikant-heidnische Vergangenheit, ist sie doch die direkte Nachfolgerin einer heidnischen Drachengöttin ...

Fußnoten
1 Jesaja Kapitel 51, Vers 9
2 1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 2
3 Berlin Online


Bücher von Walter-Jörg Langbein
 
»Maria im Dornenbusch«,
Teil 87 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18.09.2011


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