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Sonntag, 1. Juli 2012

128 »Puma Punku«

Das Geheimnis der Anden VII,
Teil 128 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Zertrümmerte Platten
Foto: W-J.Langbein
Man stelle sich ein gigantisches Fundament für ein riesenhaftes Bauwerk vor. Gewaltige Monstermauern sollen bald auf riesigen Betonplatten emporwachsen. Bevor mit dem eigentlichen Gebäude begonnen werden kann, muss ein solides Fundament gesetzt werden.

Man stelle sich vor, dass ein Heer von spezialisierten Arbeitskräften am Werk ist: Die einen gießen das Fundament, die anderen karren riesige Bauelemente heran. Und wieder andere schaffen Steinklötze an die Baustelle, die aus einem Baukasten zu stammen scheinen ... nur dass sie tonnenschwer sind.

Man stelle sich weiter vor, dass die Bauarbeiten abrupt beendet werden ... von einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Die gewaltigen Fundamente werden hochgeschleudert und zerbersten auf die Erde zurückfallend in riesige Teilstücke ... tonnenschwer. Was für eine Katastrophe mag das Werk der Zerstörung bewirkt haben? Eine apokalyptische Sintflut vielleicht, die riesige Bauelemente mit Schlamm bedeckt. Unter meterdickem Abraum verschwinden atemberaubende Fragmente ... Da und dort ragen Stücke von präzise ausgeführten Bauelementen aus dem im Lauf der Jahrtausende hart verbackenen Boden.

Zerschlagene Monsterplatten
Fotos: W-J.Langbein
Da und dort liegen Plattenteile mitten in wüstenartiger Landschaft ... als Zeugnisse einer längst vergessenen Zivilisation. Die Erbauer müssen exakt geplant, also eine Schrift besessen haben. Schriftliche Zeugnisse haben aber die Jahrtausende nicht überdauert. Und an den monströs anmutenden Ruinen-Brocken hat der Zahn der Zeit genagt. Man hat die Überbleibsel einer wuchtigen Anlage als Steinbruch benutzt und unvorstellbare Mengen an Baumaterial weggeschafft. Glatt polierte Platten wurden mutwillig zertrümmert und zu Schotter verarbeitet. Schöne Bauelemente wurden weg gezerrt und in sakralen Bauten zur Ehre Gottes eingesetzt oder dienten armseligen Lehmhütten als Verschönerung ...

Man könnte sich ein solches Szenario als Kulisse für den Beginn eines spannenden Science-Fiction-Films vorstellen ... auf einem fernen Planeten. Oder endet ein Filmepos vielleicht so ... auf Planet Erde ... mit einem Blick auf die Überbleibsel einer einst hoch stehenden Zivilisation, nach einem infernalischen Krieg in grauer Vorzeit? Das beschriebene Szenario ist aber, so kühn es auch anmuten mag, nicht fiktiv, sondern höchst real. Man findet es hoch oben in den Anden Boliviens, unweit des Titicaca-Sees, einen »Steinwurf« von den Ruinen von Tiahuanaco entfernt. Die Kuriositäten aus grauem Diorit (sehr hart!) und rotem Sandstein (weicher) gibt es wirklich. Die zertrümmerten Platten, die einst ein Fundament bildeten ...

Was von Puma Punku übrig blieb ...
Foto W-J.Langbein
Sie sind real. Und das schon seit vielen Jahrhunderten. Sie sehen wirklich aus, als seien sie aus Beton gegossen. Bei manchen möchte man meinen, die Verschalung sei eben erst – vor wenigen Minuten, allenfalls Stunden – entfernt worden. Der Eindruck täuscht: Es waren keine Betongießer am Werk, sondern Steinmetze. Ihre zum Teil monumental anmutenden Werke wurden allesamt aus (zum Teil härtestem Gestein) gemeißelte oder gesägt.

Puma Punku war ein Weltwunder ... und die Ruinen sind auch heute noch atemberaubend. Fotos können nicht vermitteln, welch kolossale Leistungen in grauer Vorzeit erbracht worden sind ... von Menschen auf »Steinzeitniveau«. Und doch wurde dieses Welträtsel von der Wissenschaft – gelinde gesagt – stiefmütterlich vernachlässigt. Noch 1979 fanden sich im fulminant illustrierten Werk »Die Kunst des alten Amerika« (1) nur einige wenige Zeilen über Puma Punku (2): »In der Südwestecke von Tiahuanaco steht die große, Puma-Punku genannte Pyramide. Ihre obere Plattform bilden zwei verschieden hohe Flächen, die man über mehrere Treppen erreicht. Auf einer dieser Plattformen dürfte ein Tempel gestanden haben, dessen Eingang aus drei im Stil des Sonnentores ausgeführten Plattformen bestand.«

Seit Jahrhunderten
unverändert ...
Foto: W-J.Langbein
Erich von Däniken war es, der erstmals eine breite Öffentlichkeit auf das Phänomen »Puma Punku« aufmerksam machte. Touristengruppen wurden im Sauseschritt durch Tiahuanaco geführt, Puma Punku – einen Steinwurf entfernt – wurde ihnen »erspart«. Antonio de Castro y del Castillo, Bischof von La Paz hingegen pries vor rund 350 Jahren Puma-Punku als Meisterwerk unbekannter Schöpfer, als »ein wunderbares Gebäude von solcher Schönheit« (4), wie es selbst die Spanier nicht hätten errichten können. Die Inkas, so der Bischof anno 1651, seien nicht die Erbauer gewesen.

Die größte Steinplatte von Puma Punku kann nur geschätzt werden ... das 100-plus-Tonnenmonster geht auf keine Waage. Wie hat man diesen Riesenstein mit »primitiven« Mitteln über zehn Kilometer hinweg bewegt? Acht Meter lang ... fünf Meter breit ... gut einen Meter dick: Wie hat man diesen Koloss angelüftet und »in Marsch gesetzt«? Es wird aber noch verrückter: Die wahrlich gewichtige Steinplatte – nach Schätzungen womöglich 130 Tonnen schwer – ist nur ein Teilstück. Ursprünglich war sie nicht acht, sondern vierzig (!!!) Meter lang. Sie muss ein geradezu astronomisches Gewicht gehabt haben ... und wurde dennoch zehn Kilometer weit transportiert! Wie ist das geschehen? Eine weitere Frage muss sich dem Beobachter vor Ort aufdrängen: Wie kam es dazu, dass wuchtige Steinplatten so zertrümmert und durcheinander geworfen wurden?

Wie nach einer Explosion
Foto W-J.Langbein
Dr. Johannes Fiebag (1956-1999) stellt in seinem Fachartikel »Neue Entdeckungen in Bolivien und Peru« (5) fest: »Puma Punku: Die Grabungen an der Mondpyramide sind noch immer nicht wiederaufgenommen worden. Die von uns in Augenschein genommene gute Erhaltung und weitgehende unbeschädigte Natur dieser Struktur macht es aber mehr als unwahrscheinlich, dass Tiahuanaco und Puma Punku durch ein gewaltiges Erdbeben zerstört wurden – in diesem Falle hätte auch die Pyramide massiv darunter leiden müssen.« Völlig zurecht fragt Dr. Fiebag: »Was wirbelte dann die gewaltigen Steinblöcke jenseits der Mondpyramide durcheinander? Welches eng begrenzte Ereignis vermag Derartiges zu bewirken? Hier ist die Annahme einer gezielten Sprengung wohl nicht ganz abwegig.«

Wie ist dieses Werk der Zerstörung zu erklären? Wer oder was schleuderte die steinernen Platten umher? Skeptiker, für die es die großen Mysterien der Vergangenheit gar nicht gibt, behaupten ... diese Frage sei längst geklärt. Habe doch Anfang des 20. Jahrhunderts eine bolivianische Armee Schießübungen auf Puma Punku durchgeführt. Richtig ist aber auch, dass die bolivianische Armee auf steinerne Statuen von Puma Punku schoss. Die Statuen wurden beschädigt oder zerstört ... Damit bleibt aber die Frage unbeantwortet, wer die gewaltigen Steinplatten durcheinander wirbelte.

Erst ein Bruchteil von Puma Punku
wurde ausgegraben
Foto W-J.Langbein
Max Uhle wurde Zeuge dieser Schießübungen ... auf die Statuen. Und Max Uhle beschreibt konsterniert das Durcheinander der Platten in dem Monumentalwerk »Die Ruinenstätte von Tiahuanaco im Hochland des alten Peru«, 1892 erschienen (6): »Den merkwürdigsten Teil der Ruinen von Puma-Punku bilden die noch an Ort und Stelle befindlichen ›Plattformen‹ und die zwischen ihnen liegenden ganzen oder abgebrochenen Blöcke, welche nach Form, Größe und Bearbeitung eine außerordentliche Mannigfaltigkeit zeigen. Da gibt es plattenförmige Steine, gleichmäßig bearbeitete Lavaplatten, solche mit kleinen, torartigen Ausarbeitungen, Steine mit muldenartigen Vertiefungen, Steine mit kreuzartigen Ornamenten, mit kleinen Nischen und dick oder ganz dünn erhabenen Leisten sowie ungezählte andere Formen.«

Fazit: Die wuchtigen Steinplatten wurden nicht Opfer der bolivianischen Arme, die so gar keine Achtung vor uralten Statuen hatte. Wer oder was zertrümmerte die einst riesigen Platten?

Der Autor und einer der
mysteriösen Steine
Foto Willi Dünnenberger
Ich habe mich manchen Tag auf dem Ruinenfeld von Puma Punku aufgehalten. Ich staune auch heute noch über die Leistungen der Altvorderen. Fakt ist: Die Bauelemente, die aus einem »Baukastensystem« zu stammen scheinen ... gibt es ebenso wie wuchtige Platten. Aber auch die »kleinen Teile« sehen aus wie gegossen. Jedoch wurden auch sie mit unbekannten Werkzeugen aus zum Teil härtestem Stein gemeißelt.

Viele Fragen bleiben seit Jahrhunderten unbeantwortet. Wie wurden diese Kolosse transportiert? Wie wurden sie bearbeitet? Wie wurden sie zurecht gesägt? Wie wurden sie poliert? Wie wurden sie millimetergenau geplant und dann geschaffen ... und zu welchem Zweck? Was war einfach nur schönes Ornament, was hatte technische Funktion? Und: Wer hat Tiahuanaco und Puma Punku gebaut?

Fußnoten

1 Alcino, José: »Die Kunst des Alten Amerika«, Freiburg 1979
2 Zitiert nach Däniken, Erich von: »Reise nach Kiribati«, Düsseldorf und Wien 1981, 1. Auflage, S. 279
3 Däniken, Erich von: »Reise nach Kiribati«, Düsseldorf und Wien 1981, Kapitel VI, »Götterdämmerung«, S. 249-323
4 ebenda zitiert S. 280 und 281
5 Fiebag, Dr. Johannes: »Neue Entdeckungen in Bolivien und Peru«, »Ancient Skies«, 19. Jahrgang, Nr.3/1995, S.10-13, Zitat S.10
6 Stübel, Alphons und Uhle, Max »Die Ruinenstätte von Tiahuanaco im Hochland des alten Peru«, Leipzig 1892, zitiert nach Däniken, Erich von: »Reise nach Kiribati«, Düsseldorf und Wien 1981, 1. Auflage, S. 284



»Sie hatten schwarzes Blut!«,
Das Geheimnis der Anden VIII,
Teil 129 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 08.07.2012



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Sonntag, 12. Dezember 2010

47 »Beweise für ein Wunder«

Teil 47 der Serie»Monstermauern, Mumien und Mysterien«von Walter-Jörg Langbein

Gottesdienst im Gotteshaus der Maria von
Guadalupe. Foto: Ingeborg Diekmann
Millionen Pilger strömen Jahr für Jahr zur Maria von Guadalupe. Unzählige Gottesdienste werden gehalten. Die Menschen kommen aber weniger der Priester wegen... sie wollen dem mysteriösen Bildnis nahe sein. Ständig kommen und gehen Menschen, aber dennoch bleibt die Ruhe im riesigen Gotteshaus gewahrt. Als nüchterner Beobachter muss ich konstatieren: Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre, das Bildnis der Gottesmutter zieht jeden in seinen Bann...

Vor fast einem halben Jahrtausend fand Juan Diego auf Geheiß einer Marienerscheinung mitten in der Trockenzeit Knospen und Blüten. Er trug sie in seiner Tilma, in seinem Umhang, zum Bischof. Auf wundersame Weise entstand auf dem groben Stoff ein erstaunliches Bildnis, das es nach aller Logik gar nicht geben dürfte!
Das »unmögliche« und doch höchst
realeBildnis der  Maria von Guadalupe.
Foto: Walter-Jörg Langbein
Schon der Stoff der Tilma selbst ist so etwas wie ein Wunder. Er ist, das haben strenge wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, tatsächlich fast 500 Jahre alt. Er stammt eindeutig aus dem Jahr 1531. Das aber ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Warum? Der Stoff wurde im frühen 16. Jahrhundert – zu Lebzeiten Martin Luthers – aus groben Agavefasern gewebt. Er hätte eigentlich schon zwanzig Jahre nach Herstellung wieder zerfallen müssen. Länger hält so ein Gewebe nämlich gewöhnlich nicht. Und Konservierungsstoffe kamen nicht zum Einsatz! Wie konnte das Gewand des Juan Diego fast ein halbes Jahrtausend überstehen?

Mysteriös ist nach wie vor auch das Bildnis selbst. Ein Sammelsurium aus Pflanzenblüten und Knospen, in einem Stück Stoff getragen, würde niemals ein auch nur ansatzweise erkennbares Bild ergeben. Wie aber entstand die geheimnisvolle Darstellung der Gottesmutter?
Ein Gemälde ist es, das ergaben Analysen von Professor Richard Kuhn, Nobelpreisträger aus Heidelberg eindeutig nicht. Was es auch ist, wie es auch hergestellt wurde: es wurde nicht gemalt. Fakt ist: Nicht die kleinste Spur eines Pinselstrichs ist ausfindig zu machen. Farbe befindet sich weder oberflächlich auf, aber auch nicht in den Fasern. Im Verlauf der letzten dreißig Jahre tauchten immer wieder Meldungen auf, dass angeblich da und dort doch Farbspuren entdeckt worden seien. Diesen Hinweisen bin ich in der Literatur gefolgt. Es fand sich keine Bestätigung!
Maria von Guadalupe auf einem
Heiligenbildchen
Foto: Walter-Jörg Langbein
Sehr verwirrend fiel das Ergebnis einer Untersuchung durch Spezialisten der Firma Kodak aus. Resultat: »Das Bild ist seinem Wesen nach eine Fotografie.« Damit wurde eine geradezu Entdeckung bestätigt, die der mexikanische Fotograf Alfonso Gonzales bereits 1929 gemacht hatte. Gonzales hat damals »Unmögliches« herausgefunden, nämlich dass sich irgend etwas in den Augen zwischen den teilweise geschlossenen Lidern widerspiegelt...in den Augen der Maria von Guadalupe auf dem uralten Umgang Aber was? Genau konnte das Alfonso Gonzales nicht feststellen. Was da in den winzigen Pupillen zu sehen ist, fand erst der Augenarzt Dr. Jorge Escalante Padilla heraus... Jahrzehnte später.

Mit Hilfe eines Elektronikmikroskops konnte er Winziges vergrößern und erkennbar machen. Dem verblüfften Wissenschaftler kam es so vor, als sei er mit Hilfe einer Zeitmaschine fast 500 Jahre in die Vergangenheit gereist. Es ist eine Sensation: In den winzigen Pupillen der Maria von Guadalupe ist eine anrührende Szene dargestellt.

Dr. José Aste Tonsmann, Cornell-Universität, vergrößerte dieses unvorstellbar winzige Szenario auf das 2000fache. Mit Hilfe verschiedener optischer Filter gelang es ihm schließlich, auch noch so unscheinbare Einzelheiten erkennbar zu machen. Um zu erkennen, wie sensationell die Wahrheit ist, muss man sich die Größe des Gesamtbildes (das keines ist) vor Augen führen! Die Jungfrau von Guadalupe ist nur 152,24 Zentimeter groß. Die Pupillen sind weit kleiner als Stecknadelköpfe. Und doch spiegeln sie, winzig klein, ein Szenario wider... und zwar so als handele es sich um »richtige« Augen eines lebendigen Menschen.
Was sah das Bildnis der Maria von Guadalupe? Da ist ein älterer Mann im Profil zu sehen. Vermutlich handelt es sich um Bischof Zumarrage. Der ältere Herr spricht angeregt mit einer weiteren Person, wahrscheinlich handelt mit dem Dolmetscher Gonzales. Am Boden schließlich hockt Juan Diego selbst. Man sieht deutlich, wie er gerade seine Tilma ausbreitet. Weitere unbekannte Personen sind als Zeugen zugegen: Wir machen eine indianisch wirkende Frau mit einem Baby auf dem Rücken aus, einen jüngeren Indio, bei dem es sich um den Mann der Frau handeln könnte und einen kleinen Junge.

Rekapitulieren wir: Juan Diego betritt das Empfangszimmer von Bischof Zumarrage. In seinem Umhang hat er Blumenblüten und Knospen gesammelt. Er schüttet sie auf den Boden. Auf seinem Umhang wird ein Bild sichtbar. Es zeigt Maria... und in ihren Augen spiegelt sich eben diese Szene: Juan Diego im Besuchszimmer des Bischofs. Eine »vernünftige« Erklärung gibt es nicht. Versuchen wir eine fantastische Hypothese: Maria befindet sich unsichtbar im Empfangsraum des Bischofs. Sie sieht, wie Juan Diego den Raum betritt, wie er seinen vor der Brust geschürzten Umhang öffnet und wie die Blütenpracht zu Boden fällt. Sie nimmt wahr, wie die Menschen im Raum reagieren. Das Seznario spiegelt sich in den Pupillen ihrer Augen wieder. Auf dem Umhang Juan Diegos nun sieht man eben diese Maria... mit den Bildern in ihren Pupillen...
Heute wird das Bildnis durch eine
Glasscheibe geschützt
Foto: Walter-Jörg Langbein
Dr. Johannes Fiebag und Peter Fiebag versuchten das Mysterium zu verdeutlichen (1): »Der Prozess der Bildentstehung war dabei allerdings nicht eine Fotografie im herkömmlichen Sinne. Zum einen fungierte die Tilma Juan Diegos sowohl als ›Linse‹ als auch als ›Farbfilm‹, zum anderen blieb das Objekt der Fotografie – nämlich die Mariengestalt – während des Vorgangs unsichtbar. Möglicherweise haben wir es mit einer Art Infrarotaufnahme zu tun, die mit dem Auge nicht wahrnehmbare Wellenlängen sichtbar machte. Fraglos muss sich ›irgend etwas‹ im Raum befunden haben, andernfalls würden sich Juan Diego und die anderen Personen nicht im Auge der Gestalt widerspiegeln können.«

Die »Biografie« der Maria von Guadalupe ist eine Ansammlung von Unmöglichkeiten. Je mehr ich mich mit dem wundersamen Bildnis auseinander setzte, desto rätselhafter wurde das Phänomen. Nachdem Bischof Zumarrage eine Kapelle für das Bildnis hatte bauen lassen, wurde das wundersame Tuch ein Jahrhundert lang ungeschützt aufgehängt. Unzählige Pilger nahmen es von der Wand, berührten es mit den Händen, küssten es. Leidende rieben schmerzende Glieder daran oder legten sich auf das Bildnis. Andere wollten etwas von der geheimen Wunderkraft des Tuches mit nach Hause nehmen und brachten es in Kontakt mit Kerzen, Kreuzen und anderen Objekten. Auch Amulette und Talismane sollten ein wenig vom Wunder aufnehmen.. und wurden in großer Zahl an das Bildnis gehalten.
Hunderttausende Pilger entzündeten Kerzen in unmittelbarer Umgebung des verehrten Bildes....und das Jahrhunderte lang. Allein schon das Licht dieser Millionen von Kerzen hätten das Bild zerstören müssen.
 Professor Philip Callahan von der Universität von Florida stellte das eigentlich Unmögliche fest. Das Licht dieser unzähligen Kerzen hätte längst schon das wie auch immer entstandene Bild zum Verschwinden bringen müssen, auf einem Stoff, der eigentlich schon vor Jahrhunderten hätte zerfallen müssen. Prof. Callahan (2): »Zu starkes ultraviolettes Licht bleicht die meisten Farbpigmente aus, seien sie organisch oder anorganisch.« Mit anderen Worten: Der Stoff der Tilma hätte vor Jahrhunderten zerfallen müssen. Er blieb auf wundersame Weise erhalten. Das Kerzenlicht hätte im Lauf der Jahrhunderte die Farben zum Verschwinden bringen müssen. Sie strahlen auch heute noch, ein halbes Jahrtausend später, in frischem Glanz!
Aber halt: Farben konnten ja gar nicht zum Verschwinden gebracht werden ... weil sich auf dem Tuch gar keine Farben befinden! Bereits 1936 analysierte der Chemienobelpreisträger Prof. Richard Kuhn eine Materialprobe. Selbst im mikroskopischen Bereich war nicht die Spur einer wie auch immer gearteten Farbe erkennbar.
Wir wissen nicht, wie die Maria auf den Umhang Juan Diegos kam. Wir wissen nicht, warum es das wundersame Bildnis noch gibt. Wir wissen aber, dass Maria eine Vorgängerin hatte: der Tepeyac-Hügel, Ort der Marienerscheinung, war schon in vorchristlichen Zeiten eine heilige Stätte. Coatlicue (die Mutter-Erdgöttin) alias Tonantzin (die Fruchtbarkeitsgöttin) wurden hier verehrt.
Wie sich doch die Bilder gleichen.... Coatlicue wurde als »unsere liebe Mutter« tituliert, so wie im Christentum Maria. Ein anderer Ehrenname war »die alle himmlischen Dinge gebiert«. Eva wurde als »Mutter alles Lebendigen« gepriesen... Coatlicues Tochter Coyolxauhqui war die Göttin des Mondes. In den alten Matriarchaten war stets der Mond das Gestirn der Muttergöttin. Ist es ein Zufall, dass die Maria von Guadalupe... auf einer Mondsichel steht?

Ist es ein Sakrileg, darüber nachzudenken... ob die christliche Maria schon vor Jahrtausenden als eine Muttergottheit verehrt wurde... nur unter anderem Namen? Verehren Christen heute wie einst die Azteken und andere Völker zuvor in Maria die Göttin des Matriarchats?
Ist Maria eine uralte Muttergottheit in
neuem Gewand? Muttergottes in
der Kapelle des St.Ansgar
Krankenhauses, Höxter
Foto: Walter-Jörg Langbein
 Fußnoten

 (1) Fiebag, Dr. Johannes und Fiebag, Peter: »Himmelszeichen«, München 1992, S. 312

 (2) zitiert bei Fiebag, Dr. Johannes und Fiebag, Peter: »Himmelszeichen«, München 1992, S. 302

 »Mysteriöses Mesaverde«,
Teil 48 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 19.12.2010

 Weiterlesen:
Walter-Jörg Langbein: Das Sakrileg und die Heiligen Frauen




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