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Sonntag, 2. Februar 2014

211 »Viracocha«

Teil 211 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

»Viracocha«- ein Name von vielen für den großen Schöpfergott
der peruanischen Anden.
Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein

Bevor Südamerika von christlichen Entdeckern aus Europa heimgesucht wurde, wurde in Peru ein mächtiger Schöpfergott verehrt. Für viele Inkas war er namenlos, trug aber zahlreiche Ehrentitel wie Ilya-Tiqsi Wiraqoca Pacayacaciq. Viracocha mag ein Name sein, der aus einem Ehrentitel entwickelt wurde. Viracocha war nur ein Name von vielen, unter denen der große Schöpfergott in Südamerika bekannt war.

Bei San Pedro im nördlichen Peru wurde Viracocha in einer riesigen Kultanlage verehrt. Sein Tempel dürfte das höchste und größte überdachte Bauwerk Südamerikas gewesen sein. Wie es einst aussah, wir wissen es nicht mehr... so wie wir die ältesten Namen der Schöpfergötter Südamerikas nicht mehr kennen.

Teilweise stümperhafte Rekonstruktion von »Inkamauerwerk«.
Foto Walter-Jörg Langbein

Weltweit gab es einen Wandel in den Glaubenswelten. Alte Religionen wichen »neuen«, alte Götter sollten in Vergessenheit geraten. Sie überlebten aber die Jahrtausende, erhielten nur neue Namen. So ist die heute im Katholizismus verehrte »Himmelskönigin« Maria, die nach neueren Glaubensvorstellungen leibhaftig in den Himmel aufgenommen wurde, kaum zu unterscheiden von ägyptischen oder altperuanischen Muttergottheiten.

Links: Inkamauerwerk, rechts Archäologenpfusch.
Fotos Walter-Jörg Langbein

Die Rekonstruktion der Ruinen von Raqchi mutet teilweise mehr als stümperhaft an. Auf der einen Seite ist nach wie vor »Inkamauerwerk« erhalten, bestehend aus millimetergenau auf- und ineinander gefügten Andesit-Steinen. Wie aber sah das einst riesige Viracocha-Gebäude aus? Hatte es einst ein spitzes Dach, das von einer wahren Monstermauer getragen wurde? Wurde dieses Dach von wuchtigen Steintürmen getragen, deren runde Fundamente noch erhalten sind? Oder hatten diese Türme einst eine ganz andere Funktion? Sie erinnern stark an die »Grabtürme« von Sillustanti (Triticaca-See).


Dachstützen oder Grabtürme? Fotos Walter-Jörg Langbein

Wiederholt sprach ich vor Ort mit Archäologen, die schmunzelnd zugaben, nicht wirklich zu rekonstruieren, sondern ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Archäologische Stätten sind nun einmal auch in Peru Anziehungspunkt für Touristen, sprich Einnahmequelle.

Um den immer größer werdenden Besucherströmen etwas bieten zu können, wurden Teile der Tempelanlage »rekonstruiert« - als eine Art »Pfusch am Bau«. Statt exakt zugeschnittene Steine aneinander millimetergenau anzupassen und mörtellos zusammen zu setzen... wurden vergleichsweise primitiv wirkende Mauerteile aus viel Mörtel und wahllos  eingebauten Steinen auf die bewundernswerten originalen Mauerwerkreste gesetzt... Viracocha würde sich mit Grausen wenden.

Die Monstermauer von Raqchi... Foto Walter-Jörg Langbein

Inkabauten... die Originale... überstanden Erdbeben zum Trotz Jahrhunderte. Die teilweise stümperhafte »Rekonstruktion« durch moderne Baumeister wackelt schon nach wenigen Jahrzehnten und droht auch ohne Erdbeben einzustürzen. Primitive Holzstützen sollen das verhindern.

Viracocha wurde auch in der einst gigantischen Kultanlage von Tiahuanaco verehrt. Die mysteriöse Ruinenstätte aus Vorinkazeiten liegt knapp 4 000 Meter über dem Meeresspiegel in der trostlosen Hochebene des Altiplano bei Tiwanacu, Bolivien, im Westen von La Paz (Entfernung 70 Kilometer). Wer von La Paz nach Tiwanacu reist, fühlt sich in eine fremde Welt versetzt, die als Kulisse für einen Science-Fiction-Film dienen könnte. Astronauten könnten im Film die Reste einer uralten Kultur auf einem fernen Planeten untersuchen. Doch die Ruinen von Tiahuanaco und Puma Punku entstanden auf unserem Heimatplaneten, auf der Erde. Sie wurden erst im Jahre 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt... und nur zu einem kleinen Bruchteil erforscht.

Viracocha, der Erschaffer und Zerstörer vieler Welten, galt als ein Supergott. Viracocha, so heißt es, schuf den ersten Inka, Manco Capac. In Tiahuanaco soll er lange vor dem Anbeginn der Zeit die ersten Menschen  aus Stein geschaffen haben. Die Tiwanaku hausten in den Ruinen von Tiahuanaco, gaben aber nicht vor, die uralten – nur noch bruchstückhaft erhaltenen Bauten – errichtet zu haben. Vielmehr habe Viracocha Riesen kreiert die die gewaltigen Steinmassen bewegten und auftürmten. In einer großen Flut soll Viracocha seine Geschöpfe schließlich vernichtet haben, so wie der Gott der Bibel nach dem Buch der Bibel.

Das Sonnentor mit dem Gott im Steinrelief.
Foto Ingeborg Diekmann

Auf dem berühmten Sonnentor von Tiahuanaco soll Viracocha als zentrale Gestalt im rätselhaften Steinrelief verewigt worden sein. Heute sind nur noch wenig steinerne Riesen erhalten, die einst die gewaltige Anlage von Tiahuanaco geschmückt haben. Sie sollen Viracocha dargestellt haben. Statuen wurden zwischen 1889 und 1920 im Gebiet von Tiahuanaco entdeckt, zum erheblichen Teil im Erdreich versunken. Brien Foerster (1) mutmaßt, dass die Kolosse einst »einem natürlichen Desaster, wie einer Flut aus dickem, schlammigen Wasser« ausgesetzt waren. Beweist das die historische Realität einer Flutkatastrophe im Raum von Tiahuanaco? 


Steinchaos heute (links), Steinchaos anno 1877
(Fotos Walter-Jörg Langbein, links, Squier 1877, rechts)

Tatsächlich wirkt die Umgebung von Tiahuanaco, als liege eine vor Ewigkeiten getrocknete Schlammschicht über allem, aus der monströse Felsbrocken ragen, die scheinbar mit modernen Geräten poliert und geschnitten worden sind. Teilweise wurde diese Schicht abegtragen, um eine Vielzahl präzise bearbeiteter Steinmonster freizulegen. Sie wurden, wie es scheint, einst von unvorstellbaren Naturgewalten durcheinander gewirbelt und im Schlamm begraben. Vereinzelt sind  Reste einstiger Mauerfundamente zu erkennen. Ich halte es für ausgeschlossen, zu rekonstruieren, wie die einst imposanten Gebäude von Tiahuanaco ausgesehen haben.

1833 soll es noch relativ gut erhaltene Steinplatten, Fundament eines mächtigen Bauwerks gegeben haben. War es ein sakraler Bau, ein Tempel zu Ehren des großen Viracocha? Ephraim George Squier vermeldet anno 1877 erschüttert (3): »Seit 1833 aber sind die Verwüster mit neuer Kraft an der Arbeit gewesen. Unfähig, die festen und mächtigen Steine des Fundaments .. zu entfernen, unterhöhlten sie dieselben und sprengten sie mit Schieszpulver, wonach sie sie dann viele der fleißszig und zierlich behauenen Trümmerstücke mitnahmen, um die Kathedrale zu La Paz zu pflastern.«

Tonnenschwere »Reste« der Anlage von Tiahuanaco.
Foto Walter-Jörg Langbein
Die riesige Anlage von Tiahuanaco und Puma Punku diente viele Jahrhunderte als Steinbruch. Die Bewohner des neuzeitlichen Dörfchens Tiwanaku schleppten riesige Mengen von Steinmaterial ab, um die eigenen Behausungen zu verschönern. Ephraim George Squier (4):

»Das erste, was dem Besucher des Dorfes Tiahuanuco auffällt, ist die große Anzahl schön behauener Steine, welche in die rohesten Mauern verbaut worden sind und in dem Pflaster der schmutzigsten Hofräume stecken. Sie sind als Schwellen, Thüren und Fensterpfosten, Sitze, Tische und Wasserbehälter verwendet.

Die Kirche ist durchweg aus solchen Steinen errichtet. Das Kreuz vor derselben steht auf einem Steinsockel, der das von ihm getragene Symbol bei weitem an Geschicklichkeit der Steinmetzarbeit übertrifft. Allenthalben umher finden sich die Spuren des Altertums. Die benachbarten Ruinen sind ein wahrer Steinbruch gewesen, aus welchem man die behauenen Steine nicht nur für Tiahuanuco und alle die Dörfer und Kirchen des Thales, sondern auch zum Bau der Kathedrale in La Paz, der Hauptstadt Boliviens entnommen hat... Die Baudenkmäler der Vergangenheit haben die meisten Materalien für die öffentlichen Gebäude, Brücken und Kunststraszen der Gegenwart geliefert.«

Einer der mysteriösen Steine nach Hans Schindler-Bellamy.
Foto Archiv Walter-Jörg Langbein


Was da an Kostbarkeiten für immer zerstört wurde, das lässt sich nicht einmal erahnen und erschüttert zutiefst. Prof. Hans Schindler-Bellamy stellte mir millimetergenaue Zeichnung von verschonten Steinen zur Verfügung, die erahnen lassen, dass der ursprüngliche Baukomplex von Tiahuanaco-Puma Punku eines der großen Weltwunder unseres Planeten war!

Ephraim George Squier stell bewundernd fest (5): »Ich darf mit voller Erwägung meiner Worte einfür allemal sagen: In keinem Teile der Welt habe ich mit solch mathematischer Genauigkeit und mit so erstaunlicher Geschicklichkeit behauene Steine gesehen, wie in Peru, und in keinem Teile Perus giebt (sic) es deren, welche die über die Fläche bei Tiahuanuco verrstreut liegenden überträfen.«

Die Tempelanlage von Tiahuanaco scheint von einer alten Kultur errichtet worden zu sein, von der wir nichts mehr wissen. Diese Kultur hinterließ Wunderwerke, deren Ruinen noch im 19. Jahrhundert mit barbarischer Konsequenz zerstört wurden.

Anmerkung


Die Rechtschreibung, die in den Zitaten von Squier zur Anwendung kam, blieb unverändert. Beispiele: »sz« statt »ß« und »Tiahuanauco« statt »Tiahuanaco«.

Der Viracocha-Gott vom Sonnentor.
Foto: Ingeborg Diekmann, Bremen
Fußnoten:


1) Brien Foerster: The enigma of Tiwanaku and Puma Punku, Create Space Independent Publishing Platform, ohne Ortsangabe, 2013

2) Ephraim George Squier: »Peru - Incidents and Explorations in the Land of the Incas«, 1877. Mir liegt die Erstauflage der Übersetzung ins Deutsche vor: »Peru - Reise- und Forschungs-Erlebnisse in dem Lande der Incas«,  Leipzig 1883,
Kapitel XV: »Tiahuanuco (sic), das Baalbec der neuen Welt«, S. 337-3723

3) ebenda, Seiten 349 ud 350
4) ebenda, Seite 339
5) ebenda, Seite 345






»Der ›Inka-Tempel‹
und Maria...«,
Teil 212 der Serie
»Monstermauern, Mumien
und Mysterien«                         
von Walter-JörgLangbein,                                                                                              
erscheint am 09.02.2014

Ausblick auf Folge 212. Foto Walter-Jörg Langbein














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Sonntag, 12. August 2012

134 »Noch ein kurioser Stein und der Garten aus Gold!«

Teil 134 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Rückseite von Santo Domingo
mit  Inkamauern
Foto: Håkan Svensson (Xauxa)
Mächtig und wehrhaft wirkt auch heute noch die steinerne Mauer an der Rückseite von Santo Domingo. Sie ist Teil des einstigen Heiligtums »Nr.1« der Inkas und hat schon im Verlauf vieler Jahrhunderte so manches Erdbeben überstanden.
An der Rückseite der Kirche entdeckte ich Hunderte von präzise bearbeiteten Steinen aus den Zeiten der Inkas, von fleißigen Archäologen in der Art einer steinernen »Prozession« aneinandergereiht. Sie stammen wohl vom Coricancha- Tempel. Der von den Spaniern verfälschte Name lautete in Quechua, der Inka-Sprache, »Qoricancha«, zu Deutsch »Goldener Hof«. Aber auch das war wohl nicht der Originalname ... der lautete wohl »Intikancha«, zu Deutsch »Sonnentempel« oder »Sonnenbezirk«.

Auf der Rückseite des stolzen Sakralbaus der katholischen Kirche lagen sie in Massen ... die steinernen Zeugnisse der Inka-Steinmetze. Wie in Tiahuanaco und Puma-Punku hatte ich den Eindruck, dass es so etwas wie genormte Steinformate gab. Und die wurden vor vielen Jahrhunderten wie am Fließband gefertigt, mit welchen Werkzeugen auch immer.

Massenprodukt Stein - Foto W-J.Langbein
Zwischen diesen uralten Bauelementen entdeckte ich zwei steinerne »Motore«... und einen weiteren, länglichen Stein. Genauer gesagt: Es handelt sich um ein Bruchstück eines größeren Steins. Die Bezeichnung »Stein« kommt mir irreführend vor. Auf mich macht das mysteriöse Objekt den Eindruck, als habe man ein technisches Werkstück kopiert, sprich in Stein nachmodelliert. Und von dem merkwürdigen, nachgebauten »Apparat« ist nur noch ein Teil erhalten.

Ich versuche objektiv zu beschreiben, ohne zu interpretieren ... Auf der Oberseite erkennt man präzise in den harten Stein gefräste Rillen, fünf an der Zahl. Am Ende jeder dieser Rillen findet sich ein säuberlich gebohrtes Loch. Die Bohrung führt durch den Stein, tritt an der Seite aus ... mündet wiederum in ein gebohrtes Loch. Darunter befindet sich – aus dem Stein gemeißelt – so etwas wie eine schmale »Leiste«. In diese Leiste wurden – unter den Löchern – wiederum Rillen eingefräs t... und die führen wiederum in sauber gebohrte Löcher, die im Stein verschwinden. Zu welchem Zweck wurden diese millimeterkleinen Löcher gebohrt? Darf man den Stein technisch interpretieren?

Der mysteriöse »Lochstein« (oben),
darunter einige der Bohrungen
Fotos: W-J.Langbein
Wenn ich meiner Fantasie freien Lauf lassen darf: Dieses Werkstück wäre ideal für Kabel, Stromleitungen etwa, geeignet ... nicht für Wasser. Die eingefrästen Rillen sind so schmal, dass sie nur winzigste Wassermengen im Tropfenbereich aufnehmen können. Auch die Bohrungen durch den Stein sind völlig ungeeignet, um eine Flüssigkeit zu befördern. Kleinste Schmutzpartikel würden rasch die Minikanälchen verstopfen.

Die Inkas kannten aber keinen elektrischen Strom. Kabel waren ihnen ebenso unbekannt wie elektronische Bauteile. Könnte es sein, dass Inkas – oder schon ihre Vorfahren – so etwas wie nicht verstandene Technologie sahen und kopierten?

Die Cargo-Kulte verschiedener Südseeinseln beweisen: Naturvölker verstanden vor Jahrzehnten überlegene Technologie nicht. Flugzeuge waren für die »Eingeborenen« rätselhafte Fabelwesen, die sie staunend beobachteten ... Später haben sie diese scheinbar überirdischen Wesen imitiert, nachgebaut ... mit primitiven Mitteln. (1) Wenn wir nicht wüssten, dass diesen künstlerisch ansprechenden Objekten reale Begegnungen mit Flugzeugen zugrunde liegen ... würden wir die aus einfachen Materialien nachgebauten Objekte auch heute noch für imaginäre Fabelwesen halten.

Für Südseeinsulaner war es eine Art Fabelwesen ...
Wir erkennen es als Flugzeug. Foto: W-J.Langbein
Sollten die Inkas ... oder deren Vorläufer ... mit Technologie in Berührung gekommen sein: mit Motoren zum Beispiel? Diese Motoren können dann aber kaum irdischen Ursprungs gewesen sein. Sollten die Inkas Kontakt mit Außerirdischen gehabt haben?
Zurück zu den kuriosen Steinen von Santo Domingo in Cuzco. Ein zweites Mal tauchte der schwäbelnde Geistliche im wehenden Talar auf. »Kennen Sie die Geschichte vom ›Goldenen Garten‹?« Natürlich hatte ich mich auf meine Reise nach Cuzco gut vorbereitet. So war mir der »Goldene Garten« ein Begriff. Ich fasste – mit etwas Stolz – mein Wissen in Sachen Inka-Gold zusammen.

Santo Domingo,
die Inkamauer von innen
Foto: Ingeborg Diekmann
Der legendäre Tupac Capak und seine Nachfolger erbeuteten auf ihren Feldzügen unermessliche Mengen Goldes – bei den Chimú, deren Kunstfertigkeit mehr als meisterhaft war. Und so vereinnahmte Tupac Capak nicht nur das kostbare Metall. Er verschleppte auch die besten Goldschmiede der Chimú, die von nun an für den Inka arbeiten mussten. Chimú-Goldschmiede waren es, die ein riesiges Standbild des Sonnengottes Inti kreierten. Sie fertigten auch – ebenso aus purem Gold – eine gewaltige Sonnenscheibe an: für die religiöse Metropole Cuzco. Vielleicht noch bedeutsamer war eine Statue von »Mama Ocllo«. »Mama Ocllo« war eine jener Urgöttinnen aus den Zeiten des Matriarchats, als Göttinnen die Schicksale der Menschen bestimmten.

»Wenn man nur diese Inka-Mauern wie ein Buch lesen könnte ... « murmelte ich vor mich hin und fotografierte weiter das Mauerwerk an der Rückseite von Santo Domingo. »Was wir dann erfahren könnten ...«

Der katholische Geistliche nickte zustimmend. »Mama Ocllo war so etwas wie eine Urgöttin ... eine Art göttliche Eva. Es gibt verschiedene Überlieferung über die Herkunft von Mama Ocllo. Sie sei die Tochter von Sonnengott Inti und Mama Qilla, heißt es. Nach einer anderen Überlieferung war sie eine Tochter von Viracocha und Mama Cocha.« Mama Qilla galt bei der Inkas als Mondgöttin ... Mama Cocha war die Göttin des Meeres.

Unvorstellbare Schätze fanden die
Spanier im Tempel der Inkas.
Fotos und Collage: W-J.Langbein
Der Geistliche fiel mir ins Wort: »Die Namen der Göttinnen sind nicht so wichtig. Von Bedeutung ist nur, dass in dieser religiösen Mythologie festgehalten wurde, dass es einst eine Herrschaft der Muttergöttin gab ... die die später mächtig werdenden männlichen Götter gebar. Die goldenen Statuen der Göttinnen befanden sich zuletzt in Räumen des Tempels, die noch zum Teil in und unter der Kirche Santo Domingo erhalten sind!«

Ob es denn wirklich diese Goldschätze gab, fragte ich ein wenig provokativ meinen Gesprächspartner. »Natürlich!« schnaubte er wütend. »So wie es auch den ›goldenen Garten‹ gab! Garcilasso de la Vega hat ihn ausführlich beschrieben!«

Auch der »goldene Garten« gehörte zum Superheiligtum Coricancha in Cuzco. Der »goldene Garten« war so etwas wie ein paradiesisches »Eden«. Von üppiger Pracht waren die schönsten Blumen und Pflanzen, die Bäume und Maisfelder mit prallen Kolben an jeder Maispflanze. Mit Sorgfalt ausgewählt waren die den Inkas wohlbekannten Heilpflanzen. An Büschen warteten reife Beeren darauf, geerntet zu werden. Käfer und Eidechsen krabbelten ... Lamas wurden von Hirten beaufsichtigt. Greise passten auf Enkelkinder auf. Bauern kümmerten sich um ihre Felder ... ein naturgetreues Szenario ... und alles aus purem Gold!

Santo Domingo bei Nacht.
Foto: Martin St-Amant
Der berühmte Archäologe und Inka-Kenner Prof. Dr. Miloslav Stingl kommentiert (2): »Dieses Wunder aller Wunder, das wohl auf der ganzen Welt nicht seinesgleichen hatte, ist wahrscheinlich das Werk der in Cuzco lebenden Chimú-Goldschmiede gewesen, die nach der Unterwerfung ihres Reiches in die Hauptstadt der Inka umgesiedelt worden waren. Die Spanier haben, gleich nach der Eroberung der Stadt, diese funkelnde Pracht feiner zisilierter Blumen und Ähren, diesen ganzen Goldenen Garten von Cuzco in ihrer Gier nach dem goldglänzenden Metall zerstört und ausgeraubt, so wie 60 Jahre vorher die Inka die Goldschätze Chan-Chans geplündert hatten.«

Der Hinweis auf die plündernden Inkas ist keine Entschuldigung für das brutale, räuberische Vorgehen der christlichen Spanier ... die auch heute noch – leider – in weiten Teilen Südamerikas als Vertreter einer überlegenen, ja höher stehenden Zivilisation angesehen werden. Sachlich betrachtet waren die Conquisadores nichts anderes als ein goldgieriger Haufen von Räubern, die vor keinem noch so schlimmen Verbrechen zurückschreckten ... wenn nur Gold als Belohnung winkte!

Der seltsame Stein - Foto: W-J.Langbein
Fußnoten
1 Das Foto des nachgebauten Flugzeugs entstand am 29.08.2006 im »Mystery Park« (heute JungfrauPark) bei Interlaken, Schweiz.
2 Stingl, Miloslav: »Auf den Spuren der ältesten Reiche Perus«, Leipzig, Jena, Berlin, 2. Auflage 1990, S. 237

»Gold, Gold ... Gold«,
Teil 135 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 19.08.2012


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Sonntag, 29. Juli 2012

132 »Schienen in den Himmel«

Teil 132 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Unterwegs nach El Fuerte
Foto W-J.Langbein
Im Vergleich zu Puma-Punku (4.000 Meter über dem Meeresspiegel gelegen) liegen die mysteriösen »Schienen in den Himmel« in nur »geringer« Höhe ... 1.950 Meter über Normal-Null. Meine Besuche der ungewöhnlichen archäologischen Stätte werde ich so schnell nicht vergessen ... Die erste Visite verlief besonders strapaziös: Von Santa Cruz fuhr ich mit dem Bus bis nach Bermejo. Hier übernachtete ich in »Hostal und Restaurant Oriental«. Meine Unterkunft war weniger »orientalisch« als einfach ... für die Übernachtung inklusive Frühstück bezahlte ich aber auch nur 4 US-Dollar.
Von Bermejo ging es weiter bis zur »Abzweigung Fuerte«.

Der Rest der Strecke konnte nicht mehr motorisiert zurückgelegt werden. Grund: Sintflutartige Regengüsse waren in den Tagen zuvor vom Himmel geprasselt und hatten die Straße unbefahrbar gemacht. Das ist eine Erfahrung, die der Reisende in den Anden häufig macht. Regenschauer führen zu Schlammlawinen ... Erdreich mit Steinbrocken rutscht ab ... und schon ist eine Straße unpassierbar. Geduldig wartet man auf das Eintreffen von Räumfahrzeugen ... oder macht kehrt und versucht sein Glück am nächsten Tag noch einmal. Von der »Abzweigung« aus, so versicherte mir der Busfahrer, sei es nur noch ein »Katzensprung« bis zu meinem Ziel.

Mein Ziel ... der Huckel von
El Fuerte - Foto Paco1966
Der Katzensprung bezog sich wohl auf ein gigantisches Riesentier. Zwei Stunden ging es immer steil bergauf. Dieser Fußmarsch war die Hölle und wurde durch die in Schwärmen auftretenden Moskitos nicht wirklich angenehmer.

Diese Strapazen mit erheblichen Blutspenden an die surrend-fiepsenden Moskitos wollte ich beim zweiten Besuch meinen Reisegefährten ersparen. So mietete ich für unsere kleine Reisegesellschaft einen Bus ... und wir fuhren gut gelaunt von Santa Cruz aus durch eine fruchtbare Ebene Richtung Samaipata. Die gut zweistündige Fahrt ließ uns eine idyllische Landschaft kennenlernen, geprägt von Feldern, auf denen Zuckerrohr, Mais, Orangen und Pampelmusen angebaut wurden. Zufrieden graste kraftstrotzendes Vieh links und rechts der Straße. Zufrieden genossen alle Reiseteilnehmer die Fahrt ... bis es zusehends »gebirgiger« wurde ...

Je höher die Berge der »Cordillera Oriental« wurden, desto wagemutiger nahm der Busfahrer die zum Teil recht engen Kurven der Serpentinen. Wer rechts aus dem Fenster blickte, der sah die scheinbar senkrecht ansteigende Felswand. Wer links aus dem Fenster sah, wurde nicht selten von Schaudern erfasst. Denn da ging es fast senkrecht hinab in die Tiefe ... Von einer Teerstraße konnte keine Rede sein. Es war eher eine Schotterfurt, die den Bus gelegentlich abrutschen und von links nach rechts schwenken ließ. Und da die Straße doch recht schmal war, kam es immer wieder zu erschreckenden Momenten.

Das Zentrum von El Fuerte
Foto W-J.Langbein
Je höher sich unser Bus empor quälte, desto häufiger wurden die Augenblicke des Schreckens ... Das eine oder das andere Mal ragte schon ein Rad des Busses über den Abgrund hinaus! Der Fahrer pfiff dabei unbeeindruckt muntere Weisen und ergötzte sich an uns, den ängstlichen Gringos. Immer wieder baten Mitreisende den Busfahrer, doch anzuhalten. Sie wollten, so erklärten sie, sich lieber zu Fuß bis zu den »Schienen in den Himmel« aufmachen ... als mit dem Bus in den Abgrund zu stürzen. Immer wieder stoppte der Busfahrer sein Vehikel, immer wieder stiegen weitere Reisende aus.

Die Busbesatzung wurde immer kleiner, der Busfahrer aber wich nicht von seinem Arbeitsplatz. In Erinnerung an die Moskitoschwärme, die mich bei meinem ersten Besuch begleitet hatten, blieb ich im Bus ... und erreichte dann auch das Ziel. Bis auf einen – und den Busfahrer natürlich – waren alle übrigen Reisegefährten ausgestiegen ...

Die letzten 500 Meter habe ich erstaunlich schnell zurückgelegt. Es waren besonders stechwütige Moskitos, die meinen Schritt erheblich beschleunigten. Endlich stand ich vor »El Fuerte« ... vor der »Festung«. Die spanischen Eroberer haben der mysteriösen Anlage diesen Namen verliehen. Eine Festung war El Fuerte allerdings nie. Im Internet-Lexikon ist hoffnungsvoll Stimmendes zu lesen:

Die mysteriösen Schienen von El Fuerte
Foto: Erich von Däniken
»Der Zweck der Anlage war lange Zeit unbekannt.« Wenn der Zweck »lange Zeit unbekannt war« ... wissen wir dann heute, welchem Zweck El Fuerte diente? Wir lesen weiter bei Wikipedia (1): »Auch wenn die Bedeutung der Darstellungen im Einzelnen nach wie vor nicht vollständig geklärt ist, besteht heute Einigkeit, dass es sich um eine Zeremonialstätte der Inka handelt.« So wird das nicht vorhandene Wissen der Archäologie trefflich zusammengefasst. Sobald Archäologen auf eine Kultstätte stoßen, deren Sinn sie nicht erkennen ... wird rasch ein Etikett aufgeklebt: »Zeremonialstätte«.

Sollte El Fuerte ein heiliger Platz gewesen sein, an dem »Zeremonien« gefeiert wurden ... dann müssen wir zugeben, nicht den Hauch einer Ahnung zu haben, wie diese Zeremonien ausgesehen haben mögen. Zudem ist El Fuerte einzigartig im Reich der Inkas. Vielleicht waren es die Inkas, die El Fuerte »bauten«. Vielleicht nutzen die Inkas tatsächlich die Stätte für »Zeremonien«. Vielleicht waren es aber auch nicht die Inkas, die den gewachsenen Sandstein von El Fuerte modellierten. Vielleicht hat er auch nichts mit »Zeremonien« zu tun. Kurzum: Wir haben keine Ahnung!

Da stehe ich also im Zentrum einer mysteriösen Stätte, im Urwald Boliviens, knapp 2.000 Meter über dem Meeresspiegel. Wie groß die »Stätte« einst war ... wir wissen es nicht. Verschiedentlich ist von »vierzig Hektar« die Rede. Vor Ort nannte man weit größere Zahlen. Ausgegraben wurde aber erst ein winziger Bruchteil. Und dieses kleine Teilstückchen ist leicht zu überschauen. Es ist ein Sandsteinrücken, etwa 200 Meter lang und 40 Meter breit.

Rätselhaftes El Fuerte
Foto W-J.Langbein
Gelegentlich wird dieser steinerne Huckel als eine »Pyramide« bezeichnet, was völliger Unsinn ist! Eine Pyramide ist ein künstlich geschaffenes Denkmal. Das steinerne Zentrum von El Fuerte besteht aus gewachsenem Stein ... Allerdings wurde fast jeder Quadratzentimeter bearbeitet und behauen.

Im Zentrum des pyramidenförmigen »Huckels« verlaufen zwei »Schienen«, genauer gesagt zwei Rillen. Beide sind fast vierzig Zentimeter breit und – meiner Messung nach – fast dreißig Meter lang. Ich stehe am Fuße des Huckels und schaue nach oben. Neben den Rillen – sie sehen wie Schienen in den Himmel aus – hat man auf beiden Seiten Zickzacklinien in den Sandstein gemeißelt.

Welchem Zweck dienten die beiden Rillen? Waren sie als »Kanäle« gedacht, in denen einst flüssiges Metall floss, im Rahmen eines technischen Programms? Wurde ein heute nicht mehr bekanntes Verfahren zur Reinigung von Metallen angewandt? Ein immer wieder wiederholtes technisches Verfahren könnte aus Sicht technisch vollkommen Unbedarfter wie ein seltsames sakrales Ritual verstanden worden sein, das dazu diente – beispielsweise – reines Gold zu gewinnen.

Rätselhafte Steinbearbeitungen
Fotos W-J.Langbein
Ich marschierte auf Strumpfsocken den »Schienen« folgend ... nach oben. Mir flößt »El Fuerte« Respekt ein – wie eine christliche Kirche, ein indischer Tempel oder ein Steinkreis auf der Osterinsel. Hoch oben, am höchsten Punkt des Huckels, wurden Rondelle in den Fels gemeißelt. Eines befindet sich am Ende der »Schienen« in den Himmel. Sollte hier tatsächlich etwas »in den Himmel« geflogen sein? UFOs waren es sicher nicht ... aber vielleicht sehr viel primitivere »Flugobjekte«?

Erich von Däniken schlägt eine kühn anmutende Lösung vor (2): »Bei einer solchen Betrachtungsweise hätten die Erbauer am unteren Ende der Rillen einen Drachen oder eine Art Segelflugzeug befestigt, das auf Schienen in den Rillen lief. Oben, am Rondell, wäre ein Gummiband aufgewickelt gewesen, das hinunterlief und an dem Flugapparat befestigt war. Auch vorinkaischen Völkern dürfte es nicht schwer gefallen sein, eine Ausklinkvorrichtung zu konstruieren.«

Kurz und bündig: Am unteren Ende der beiden »Schienen« wartet ein Segelflugzeug auf seinen Start. Es ist an einem starken Gummiband befestigt, das von starken Männern mittels einer Vorrichtung im Rondell so straff wie möglich angespannt wurde. Sobald das Band maximal gespannt war, wurde ein »Ausklinkmechanismus« betätigt – und der Segelflieger sauste empor und wurde schließlich in den Himmel katapultiert. In den beiden Rillen könnten – auch das ist Spekulation – die Kufen des Segelflugzeugs entlang geglitten sein ... bis zum Start des Vehikels.

Miniatur-Modell
El Fuerte - Foto:
W-J.Langbein
Zugegeben: Diese technische Version, von Erich von Däniken vorgeschlagen, passt so ganz und gar nicht zu unseren Vorstellungen von den Inkas und den Vorfahren der Inkas. Aber vielleicht sind ja unsere Vorstellungen falsch? Auch wenn wir von der »Segelflug-Erklärung« ausgehen, bleibt noch vieles rätselhaft in El Fuerte. Da wurden nischenartige Vertiefungen in den Stein gemeißelt. Da wurden kleine Becken in den Stein geschlagen, in denen sich Wasser sammelt. Da wurden offenbar im Stein Röhren gebohrt, die die Becken miteinander verbinden ... El Fuerte bei Samai Pata in Bolivien ist und bleibt geheimnisvoll. Könnten wir doch die Steinbearbeitungen von El Fuerte wie ein Buch lesen ...

Bei einem meiner Besuche erwarb ich vor Ort ein kleines Miniaturmodell von El Fuerte. Es hat in meinem Arbeitszimmer einen Ehrenplatz gefunden ... Mich überzeugt die Wischiwaschi-Erklärung von der »Zeremonialanlage« El Fuerte nicht. Sie passt überall und nirgendwo auf geheimnisvolle Stätten unseres Planeten. Sie macht bequem, weil Hinterfragen überflüssig ...

Ein kleines Gedankenspiel ... In einigen Jahrtausenden ist von unserer Zivilisation kaum etwas übrig geblieben. Archäologen finden Überbleibsel eines Fußballstadions im süddeutschen Raum. Vereinzelte Stoff-Fetzen tragen Inschriften. Rasch haben die Archäologen eine Erklärung zur Hand: Das war eine Kultstätte, für Zeremonien der Glaubensgemeinschaft »FC Bayern«. Manchmal kamen auf fernen Gestaden Besucher, die an den sakralen Handlungen teilnahmen ... zum Beispiel Anhänger der »St.Pauli-Religion« ...

Fußnoten
1 Stand 14.10.2011
2 Däniken, Erich von: »Raumfahrt im Altertum. Auf den Spuren der Allmächtigen«, München 1993, S



»Ein Motor aus Stein?«,
Teil 133 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 05.08.2012



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Sonntag, 22. Juli 2012

131 »Eine steinerne Nachlese«

Das Geheimnis der Anden X,
Teil 131 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Der Rillenstein
Foto W-J.Langbein
Es ist bitterkalt. Feiner, eisiger Regen durchdringt scheinbar alles ... meine doppelte Schicht wollener Pullover ebenso wie meine Kameratasche. Ich möchte das Weitwinkelobjektiv abschrauben und durch ein 300-mm-Tele ersetzen. Aber bei diesem Regen? Ich suche also ein trockenes Plätzchen ... entferne mich nach und nach vom Ruinenfeld Puma-Punku. Plötzlich mache ich so etwas wie einen Bretterverschlag aus ... einen Unterschlupf gegen den Regen.

Knarrend lässt sich eine Holztüre öffnen. Ich stehe im Trockenen, aber der eisige Regen ist schlagartig vergessen ... Vor mir erkenne ich ein schier unüberschaubares Depot von eng beieinander stehenden archäologischen Schätzen. Ich fotografiere mehrfach ... bis meine Kamera ihren Geist aufgibt. Obwohl der Negativfilm noch längst nicht aufgebraucht ist ... meiner Kamera ist kein weiteres Foto mehr zu entlocken.

Ich setze mich auf einen massiven, glatt polierten Steinblock. Mysteriöse Steinbearbeitungen gibt es weltweit, aber Puma-Punku/Tiahuanaco ist so etwas wie eine prähistorische Zentrale der Steinmetzkunst ...

Durchbohrter Stein
Foto W-J.Langbein
Da steht mitten im Trümmerfeld von Puma-Punku in einem Meer von gelben Blumen – 4.000 Meter über dem Meeresspiegel – ein steinerner Block (Andesit?). Er ist spiegelglatt poliert. Von oben nach unten verläuft, exakt parallel zur Außenkante des Blocks ... eine senkrecht in das harte Material gefräste Rille. Und in diese Rille hinein wurden in regelmäßigem Abstand kleine Löcher gebohrt. Mit welchen Werkzeugen ... zu welchem Zweck? Heute kann man mit modernen Maschinen solche Rillen in härtesten Stein ziehen ... auch feinste Löcher bohren. Aber wie machten das »Steinzeitmenschen«?

Ein weiterer Steinbrocken stellt uns Fragen. Er ist nur roh zugehauen ... und wurde zweimal durchbohrt. Genauer: Zwei kreisrunde Löcher durchdringen den Fels, an zwei weiteren Stellen hat man offenbar den Bohrer nur angesetzt. Mir kommt es so vor, als handele es sich bei diesem gelochten Stein um eine Art »Probier-Stein«. Haben hier Lehrlinge erste Versuche mit einem Bohrer unternommen, bevor sie mit der eigentlichen Arbeit beginnen durften? Sollten besonders schön bearbeitete Steine im Lauf der Jahrhunderte von der archäologischen Stätte besonders gern verschleppt worden sein? Und blieben die weniger schönen Steine – etwa mit Probebohrungen – liegen?

Einer von vielen rätselhaften Steinen
Foto W-J.Langbein
Die Bohrlöcher passen nicht so recht zu einem »Steinzeitvolk«, was Archäologen vor Ort im Gespräch unter vier Augen auch zugeben. Steinzeitmenschen besaßen keine Bohrer im heutigen Sinn. Und doch finden sich klare Hinweise auf den Einsatz eben solcher Werkzeuge! In der »wissenschaftlichen« Literatur sind aber kritische Fragen nach den Steinmetzen von Puma-Punku verpönt. Warum ist es so problematisch, zuzugeben, dass wir nicht wissen, wer da so spielerisch mit Stein gewerkelt hat? Offenbar sehen es gesetzte Wissenschaftler als Schwäche an, Wissenslücken zuzugeben ...

Zufällig hat dieser Block mit den Bohr-Experimenten überlebt. Jahrhunderte lang lag er im Ruinenfeld von Puma-Punku ... Andere Steinkreationen aus uralten Zeiten regten womöglich gar humorvolle Archäologen zu fantasievollen Steincollagen an. Ein schönes Beispiel ... Die Kreation aus seltsamen archäologischen Artefakten erinnert mich an ein abstraktes Denkmal für den fleißigen Arbeiter.

Kuriose Collage aus altem Stein
Foto W-J.Langbein
Da wurden zum Beispiel eine halbe Steinröhre und ein steinerner Quader zu einem abstrusen Ensemble aufgetürmt. Die Steinmetzen von Puma-Punku würden gewiss ob dieser Kombination erstaunt die Köpfe schütteln. Oder sollten sich da ein paar Arbeiter über die Herren Professoren lustig gemacht haben?

Steine über Steine bestimmen auch heute noch das Bild von Puma-Punku: Steine, die mit erstaunlicher Präzision bearbeitet wurden. Weil nur noch ein Bruchteil der Steinquader von Puma-Punku vorhanden ist, können wir heute nicht mehr diese komplex gestalteten Elemente zu einem passenden dreidimensionalen Bild zusammenfügen ...

Der eisig-kalte Regen hat mich förmlich in einen hölzernen Verschlag getrieben ... und plötzlich sehe ich mich einer kaum zu überblickenden Flut von bearbeiteten Steinen gegenüber. Einige wenige Aufnahmen gelingen mir, dann versagt die Kamera. Und plötzlich steht jemand hinter mir. Ein Wächter? Es ist, wie ich später erfahre, ein Student der Archäologie... In gutem Englisch erklärt er mir: »Die Erbauer von Tiahuanaco setzten auf Massenproduktion von Steinen. Es kommt mir so vor, als habe es genormte Steine gegeben, die massenhaft hergestellt wurden. Ich glaube, es gab so etwas wie ein Baukastensystem ... dank der genormten Steine konnten Gebäude von geradezu perfekter Gleichmäßigkeit gebaut werden ...«

Der Student kommt ins Grübeln. »Jahrhunderte lang wurden Skulpturen von Puma-Punku und Tiahuanaco, so sie halbwegs transportabel waren, weggeschleppt: an Sammler verkauft, von Dörflern in ihren Hütten versteckt ...« Er deutet auf ein kurioses »Tier« in Stein. »Solche Funde sind echte Raritäten ...«

Sind noch bedeutende Entdeckungen möglich? »Von den überirdischen Bauten ist so gut wie nichts mehr erhalten ... « wende ich ein. Der Student nickt. »An der Erdoberfläche ... nicht ... aber unterirdisch. Unterirdisch warten noch sensationelle Entdeckungen auf uns!« Aber werden diese Entdeckungen wirklich gemacht werden? Ich habe da meine Zweifel. Es ist fast unmöglich, eine Genehmigung für Ausgrabungen in Puma-Punku zu erhalten. Unabhängige Forscher haben keine Chance. Zugriff auf Grabungslizenzen haben nur bewährte Kräfte, die von der »Steinzeit-Theorie« ausgehen ...

Kurioses Tier im Steindepot
Foto W-J.Langbein
Puma-Punku hat von primitiven Steinzeitlern gebaut worden zu sein. Das ist die Vorgabe. Ausländische Kapazitäten könnten vielleicht helfen, so manches Rätsel von Tiahuanaco und Puma-Punku zu lösen. Das aber verhindert der ausgeprägte Nationalstolz: Wenn jemand etwas entdeckt, dann ein »Einheimischer«. Und nicht jede Entdeckung scheint »genehm«.

Fakt ist: Am 13. Juni 2006 wurde der winzige Eingang zu einem unterirdischen »Tunnel« entdeckt, der direkt unter die ehemalige »Pyramide« von Tiahuanaco führte. Der Begriff »Tunnel« ist irreführend. Es handelte sich eher um eine Röhre ... die nur mit einem kleinen Miniaturroboter erkundet werden konnte. Mit einer Kamera bestückt, so heißt es, fuhr die wendige Maschine in die Unterwelt von Tiahuanaco ... durch eine uralte »Röhre«. Niemand weiß, welchem Zweck sie diente.

Weinender Gott von
Tiahuanaco
Foto: Bellamy
(Archiv Langbein)
Was hat der kleine Roboter entdeckt? Was wurde gefilmt? Was wurde fotografiert? Bislang sind keine erwähnenswerten Resultate an die Öffentlichkeit gedrungen. Warum nicht?

»Sehen Sie ... ich studiere Archäologie... « erklärte mir vor Jahren der Student im seltsamen Steindepot. »Meine Aussichten auf einen bezahlten Job, etwa an einem Museum, sind nicht einmal schlecht!« Eine Voraussetzung aber muss der junge Mann erfüllen: Er muss stets die Überzeugung seines Professors vertreten. So lange er das tut, kommt er voran. »Sollte ich eine Entdeckung machen, die der Überzeugung meines Professors widerspricht ... dann halte ich den Mund!«

»Wird die Wahrheit über Puma-Punku und Tiahuanaco also nie publik werden?« frage ich den Studenten. »Ich befürchte es!« antwortet er. Inzwischen hat der Regen aufgehört. Gemeinsam gehen wir zum Sonnentor von Tiahuanaco. Wir blicken empor zur Zentralgestalt, einem seltsam fremd wirkenden Wesen. »Der Gott weint ... « sinniert der Student. Und lächelnd fügt er hinzu: »Wenn wir sehen, was aus den prachtvollen Bauten von Puma-Punku und Tiahuanaco geworden ist ... dann ist das ja auch zum Weinen ...«

 Mysteriöse Rille mit feinen Bohrlöchern ... Foto: W-J.Langbein





Dank und Lektüre-Empfehlung
Ohne Erich von Dänikens wunderbare Bücher – seit »Erinnerungen an die Zukunft« – hätte ich mich nie nach Puma-Punku aufgemacht. Ein herzliches Dankeschön an E.v.D.!
Sehr empfehlenswert ist das meiner Meinung nach faszinierendste aktuelle Buch zum Thema überhaupt, verfasst von Erich von Däniken.

Däniken, Erich von: »Götterdämmerung«, Rottenburg 2009



»Schienen in den Himmel«,
Teil 132 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 29.07.2012


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Sonntag, 15. Juli 2012

130 »Abschied von Puma Punku«

Das Geheimnis der Anden IX,
Teil 130 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Das Sonnentor als Teil einer imposanten Anlage.
Fotos: Archiv Hans Schindler-Bellamy,
Ingeborg Diekmann (kl. Foto)
Einst gab es einen riesigen Baukomplex in den Hochanden des heutigen Bolivien. Die heutigen Ruinen von Tiahuanaco und Puma Punku lassen kaum noch erahnen, wie die weitestgehend verwüstete und vernichtete Stätte ausgesehen haben mag. Meine Meinung: Sie bildeten einst einen großen Komplex. Prof. Hans Schindler-Bellamy legte mir vor mehr als dreißig Jahren eine sorgsame zeichnerische Rekonstruktion der einst stolzen Bauten vor. Er breitete Fotos und Zeichnungen auf dem Boden eines luxuriösen Hotels in München aus. »Das war nicht das Werk von steinzeitlichen Menschen!« wiederholte er immer wieder. Ich konnte ihm nur beipflichten.

Die Erbauer der prachtvollen Anlagen hinterließen uns, so der hochgebildete Gelehrte, nicht ein Buch, das wir lesen können ... »Aber die Symbolik des Sonnentores beschreibt in einer mathematischen Sprache ungeheureres Wissen, zum Beispiel Astronomie!« Prof. Hans Schindler-Bellamy war überzeugt, die Sprache des Sonnentores entschlüsselt zu haben und wie ein Buch lesen zu können. (1) Es ist nicht die »primitive« Sprache eines Steinzeitvolkes. Sie wurde – zum Beispiel – in das legendäre »Sonnentor« von Tiahuanaco graviert. Offenbar sollten es spätere Generationen wie ein Buch lesen können.

Das »Sonnentor von Tiahuanaco« war demnach einst Teil einer imposanten Fassade. Heute steht es einsam und verloren auf freier Fläche, notdürftig repariert. Im Trümmerfeld bei Tiwanaku entdeckte ich den traurigen Rest eines ähnlichen Tores. Offenbar wurde es einst zerschlagen. Einen Teil hat man abtransportiert und vielleicht in einer Kirche verbaut ... oder zu Schotter für die Eisenbahntrasse verarbeitet. Vielleicht liegt aber der Rest des Tores irgendwo im Erdreich verborgen.

Rückseite des weltberühmten
Sonnentores (oben).
Unten Fotomontage.
Fotos W-J.Langbein
In einer Fotomontage setzte ich das Bruchstück eines weiteren Tores in das Foto des weltbekannten Sonnentores. Kein Zweifel: Das Teilstück gehörte einst zu einem weiteren Tor. Wie viele solcher Tore mag es einst gegeben haben? Wie viele wurden zerschlagen, wie viele wurden weggeschleppt und verbaut?

Ich erinnere mich gut daran: Mit dem greisen Professor kroch ich am Boden seines Hotelzimmers zwischen Plänen, Büchern, Zeichnungen und Fotos umher. Wir betrachteten faszinierende Fotos der Stätte Puma-Punku/Tiahuanaco, wir verglichen rund 100 Jahre alte Aufnahmen mit heutigen. Wir überprüften zeichnerische Rekonstruktionen mit Fotos von Ruinen, die die Zeiten überdauert hatten.

»Vor Jahrtausenden verschwanden die eigentlichen Erbauer von Puma Punku und Tiahuanaco ...« meinte nachdenklich Prof. Hans Schindler-Bellamy. »War es ein freiwilliger Abschied?« Wir wissen es nicht. Gab es eine gewaltige Katastrophe? Übernahmen vermeintlich »primitivere« Stämme die Ruinen, viele Generationen nach dem Verschwinden der Erbauer? Wir würden wahrscheinlich Antworten auf unsere Fragen in jenen alten Texten finden, die von den spanischen Eroberern planmäßig gesucht und dann verbrannt worden sind. Der Chronist Fernando Montesino jedenfalls behauptet, die mysteriösen Steinbauten seien vor der Sintflut errichtet worden. Gab es eine solche Katastrophe? Die Aymara – so wird behauptet – haben angeblich die einst so stolzen Bauten erbaut. Die Aymara aber weisen das weit von sich. Die steinernen Städte seien sehr viel älter ... Sie stammen – so die Aymara – aus Zeiten, da es den heutigen Menschen noch gar nicht gab. Damals sei der Titicaca-See sehr viel größer als heute gewesen.

 Versuch der Rekonstruktion
 Foto: Ingeborg Diekmann
Sollte der »Fantast« Prof. Dr. Arthur Posnansky (1873-1946) die Wahrheit entdeckt haben (2)? Der Gelehrte ging von wiederholten gewaltigen Überschwemmungen aus ... von einem Titicacasee, der die Treppen von Tiahuanaco umspülte. Kalkspuren auf Steinen von Tiahuanaco sollen das beweisen. Noch heute soll auf der Hochebene von Puma-Punku und Tiahuanaco der einstige Küstenverlauf deutlich zu erkennen sein. Mir drängte sich vor Ort dieser Eindruck auf: Da und dort scheinen bei sporadischen archäologischen Arbeiten willkürlich Gräben gezogen oder Löcher ausgehoben worden zu sein. Da und dort liegen noch Schaufeln und Hacken herum. Ob den Wissenschaftlern das Geld ausgegangen ist? Es sieht so aus, als habe man die Arbeiten abrupt abgebrochen. Ich krabble in so einen Graben.

Sauber bearbeitete Steine scheint fest im einstmals schlammigen Morast förmlich verbacken worden zu sein. Es kommt mir so vor, als ob ein Erdbeben Gebäude umgestürzt hat, als ob die Trümmer dann von einer gewaltigen Flutwelle mit Schlamm bedeckt worden seien. Als sich die Wassermassen zurückzogen, blieb vieles im Schlamm verborgen. Nach und nach verfestigte sich der Schlamm. Für die christlich-missionierten Ureinwohner durfte eine solche Flut-Katastrophe nur jene des Alten Testaments gewesen sein.

So manches Mal habe ich Puma Punku und Tiahuanaco besucht. So manches Mal habe ich Abschied von den mysteriösen Ruinen genommen ... und mir einen Schatz aus Erinnerungen zusammengetragen. Was, so frage ich mich, ist das Geheimnis der Ruinen in den Hochanden?

Tonnenschwere
Steinmonster
Fotos: W-J.Langbein
Sind es die viele Tonnen schweren Steinmonster, von denen auch heute noch manche halb im Erdreich stecken? Sind es die zum Teil über 100 (einhundert!) Tonnen schweren Platten aus massivem Stein, die man – wie auch immer – transportiert hat? Sind es die kleinen gelben Blümchen, die in einer Höhe von 4.000 Metern über dem Meeresspiel förmlich strahlen?

Sind es die unglaublichen Steinmassen, die präzise bearbeitet wurden? Ist es die Präzision einzelner Steinquader, die nie und nimmer mit primitiven Werkzeugen so exakt zugeschnitten worden sein konnten? Wie wurden sie geschaffen ... und zu welchem Zweck? Schon vor rund 130 Jahren wurden tonnenschwere Steinquader millimetergenau vermessen, die einfach paradox sind. Sie sind Fremdkörper in der Geschichte.

Beispiel: Wer kreierte in »grauer Vorzeit« einen gut acht Tonnen (!!!) schweren Steinquader ... um ihn dann mit unbekannten Werkzeugen zu traktieren? Wer schnitt vielzackige Kanten in den Stein, wer fräste Vertiefungen? Wer hat diese Steinbearbeitungen geplant? Wie wurden die Pläne festgehalten ... von einem Volk, das keine Schrift kannte?

Ich muss immer wieder fragen: Wie konnte diese Präzision erreicht werden ... ohne Metallschablonen, ohne hochtourige Bohr/Schneide-Maschinen? Mir ist nicht bekannt, dass auch nur ein einziger solcher Stein in unseren Tagen kopiert wurde ... unter Verwendung primitiver Werkzeuge! Heute würde man Diamantbohrer verwenden, mit hoher Drehgeschwindigkeit. Man würde Stahlschablonen fest fixieren, die zu bearbeitenden Brocken in mächtige Klammern spannen. Man würde heute modernste Geräte einsetzen ... und hätte doch seine liebe Not, wollte man wiederholen, was vor ewigen Zeiten angeblich mit primitiven Werkzeugen gelungen ist!

Unglaublich komplex bearbeitete Steinquader
Fotos: Bellamy /Archiv Langbein
Die »Hünengräber« Norddeutschlands sind Zeugnisse erstaunlicher Fähigkeiten der Menschen vor Jahrtausenden. Sie konnten mit Brocken gewaltiger Masse scheinbar spielerisch umgehen. Sie konnten sie über große Entfernungen schleppen. Die Erbauer von Puma-Punku waren dazu auch in der Lage. Sie konnten aber zudem die Monstersteine millimetergenau schneiden, fräsen, schleifen, bohren.

Immer wieder höre ich von sogenannten »Skeptikern«, es gebe gar kein »Geheimnis« Puma-Punku/ Tiahuanaco. Wirklich nicht: Dann ans Werk: Man fertige mit einfachsten Mitteln so ein kurioses Steingebilde, sagen wir aus härtestem Diorit ... Man schleppe einen 130-Tonnen-Block mit primitivsten Mitteln nur ein paar Kilometer querfeldein, in der dünnen Luft der Hochanden! Wenn es so einfach war, jene steinernen Kuriosa zu erschaffen ... dann möge man bitte wiederholen, was den »Steinzeitmenschen« angeblich so leicht von der Hand ging. Man muss sich dann aber auch wirklich auf die primitiven Methoden beschränken, die man den Menschen von Puma-Punku zubilligt. Bis heute ist das nicht gelungen!

Ich habe den Eindruck, dass sich mancher »Experte« rasch von Puma-Punku/Tiahuanaco verabschiedet, ohne über die eigentlichen Geheimnisse nachzudenken.

Vielleicht muss man wirklich vor Ort vor diesen riesigen Steinmonstern stehen, um wahrzunehmen, dass »primitive Werkzeuge« nicht ausgereicht haben können, um die Meisterleistungen von Puma-Punku zu vollbringen! Man mag darüber streiten, ob Puma-Punku vor 1.500 oder vor 15.000 Jahren gebaut wurde. Das ist nicht die zentrale Frage! Ob Puma-Punku vor 15, vor 150, vor 1.500 oder 15.000 Jahren kreiert wurde ... mit »primitiven« Werkzeugen ging es nicht!

Steine ... wie »gegossen«
Foto: W-J.Langbein
Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Eine Antwort freilich ist auszuschließen: Das Steinzeitvolk der Aymara hat Puma-Punku nicht gebaut!

Ich glaube – um es etwas provokant zu formulieren – sogenannte »Experten« verabschieden sich viel zu schnell von Puma-Punku, weil es vor unserer Zivilisation mit ihren technischen Möglichkeiten nichts Vergleichbares gegeben haben darf! Also wollen sie die »unmöglichen« Steinbearbeitungen aus den Hochanden gar nicht wirklich kennen.

Der Weg nach Puma-Punku in den Hochanden Boliviens ist auch heute noch steinig, mühsam und nicht ungefährlich. So manches Vehikel stürzte beim Erklimmen der Serpentinen ab ... schon mancher Mensch kam ums Leben. Mir scheint: Der Weg nach Puma-Punku ist besonders jenen Experten viel zu weit und zu beschwerlich, die nicht zugeben mögen / können (??), dass die Vergangenheit immer noch so manch' ungelöstes Rätsel zu bieten hat. Manchmal sind die Bretter vor unseren Köpfen härter als Granit ...

Wissenschaft soll Wissen schaffen. Wirkliche Wissenschaftler geben zu, wenn es auf manche Frage keine plausible Antwort gibt.

Fußnoten
1 Die umfangreichen Ausführungen von Prof. Hans Schindler-Bellamy würden den Rahmen dieser Serie sprengen. Ich muss und kann daher nur auf die leider nur noch antiquarisch beziehbaren, rar gewordenen Werke des Gelehrten hinweisen ...
Bellamy, H.S. Und Allan, P.: »The Calendar of Tiahuanaco/ The Measuring System of the Oldest Civilization«, London 1956
Bellamy, H.S. und Allan, P.: »The Great Idol of Tiahuanaco«, London 1959
2 Posnansky, Arthur: »Tihuanacu, the Cradle of American Man«, Bände I und II, ins Englische übersetzt von James F. Sheaver, New York und La Paz, Bolivien, 1945 und Bände III und IV, ins Englische übersetzt von James F. Sheaver, New York und La Paz, Bolivien, 1957

Dank und Lektüre-Empfehlung
Ohne Erich von Dänikens wunderbare Bücher – seit »Erinnerungen an die Zukunft« – hätte ich mich nie nach Puma-Punku aufgemacht. Ein herzliches Dankeschön an E.v.D.!

Sehr empfehlenswert ist das meiner Meinung nach faszinierendste aktuelle Buch zum Thema überhaupt, verfasst von Erich von Däniken.

Däniken, Erich von: »Götterdämmerung«, Rottenburg 2009



»Eine steinerne Nachlese«,
Das Geheimnis der Anden X,
Teil 131 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 22.07.2012


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Sonntag, 8. Juli 2012

129 »Sie hatten schwarzes Blut«

Das Geheimnis der Anden VIII,
Teil 129 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Eingang zu Tiahuanaco und Puma
Punku - Foto: Ingeborg Diekmann
Kommt man nach Tiwanaku in den Hochanden Boliviens ... so findet man rasch zur großen archäologischen Stätte. Mich hat es immer wieder verwundert, dass ein eher schäbiger Maschendrahtzaun uraltes kulturelles Erbe »schützen« soll ... Ein fröstelnder Museumsangestellter öffnete die nur mit einem rostigen Vorhängeschloss »gesicherte« Tür. Aber die viele Tonnen schweren Artefakte aus uralten Zeiten sind schon durch ihr gewaltiges Gewicht vor Dieben sicher ...

Einer der großen Kenner des »Alten Peru«, Prof. Dr. Miloslav Stingl stellte, fast ein wenig befremdet fest (1): »Neben der Anbetung der Sonne sind in Altperu auch viele andere Himmelsgestirne angebetet worden.« Diese Verehrung für den Kosmos, so formulierte Prof. Dr. Stingl leise kritisierend (2) »zeugt von jener fast krankhaften Inbrunst, mit der die alten Peruaner wie gebannt den Blick zum Himmel empor auf die Sterne gerichtet haben.« Die Chimú, sie beherrschten einst das »alte Peru« von Lima bis an die Grenze Perus, meinten zu wissen, warum die penible Beobachtung der Himmelswelten so besonders wichtig sei. Die Chimú, so Prof. Stingl (3) »glaubten, daß die Menschen von den Sternen auf die Erde gelangt seien, die Herren von anderen als die gewöhnlichen Leute.« Dieser vermeintliche »Aberglaube« hielt sich noch bis in die Zeit nach der Eroberung Südamerikas durch die raubgierigen Spanier. So mussten die katholischen Geistlichen auf ausdrückliche Anordnung des Erzbischofs von Lima (4) »in ihren Pfarrsprengeln die Überzeugung bekämpfen, daß die Vorfahren der Menschen von den Sternen aus dem Weltall gekommen wären«.

Wo man auch gräbt,
tritt uraltes Mauerwerk
zutage - Foto:
Ingeborg Diekmann
Wo aber in Südamerika mag der Gedanke von der außerirdischen Herkunft des Menschen ursprünglich aufgekommen sein? Wir wissen es nicht! Eine Spur führt in die Hochanden des heutigen Bolivien, nach Tiahuanaco und Puma Punku. In dieser »steinernen Stadt« soll einst ein Volk gelebt haben, das großen Wert auf seine nicht-menschliche Herkunft legte. Seine Vorfahren kamen, so heißt es in uralten Überlieferungen, aus dem Weltall. Sie kamen zur Erde herab, noch bevor die Sonne schien, heißt es ... also aus der Schwärze des Alls. Damals seien steinerne Städte gebaut worden, die allerschönste unweit des Titicaca-Sees: Tiahuanaco, das ruhmreiche.

Dort wohnten dann auch die ersten Nachkömmlinge der Siedler aus dem All. Dem französischen Ethnologen Jean Vellard teilten die Urururur ...-Enkel jener, die einst aus dem All zur Erde kamen, mit (5): »Wir, die anderen ..., wir sind keine Menschen. Wir waren eher da als die Inka, noch bevor der Vater des Himmels Taiú die Menschen erschaffen hat, die Aymara, die Ketschua, die Weißen.« Wesen, die die Erde aus dem All kommend besiedelten, sollen die steinernen Städte Tiahuanaco und Puma gebaut haben ... schon bevor es die Aymara gab?

Alte Überlieferungen über Wesen aus dem All, die zur Erde kamen ... Tiahuanaco und Puma Punku von den Siedlern aus dem All errichtet ... muss der modern-aufgeklärte Mensch ob solcher Mythen nicht herzhaft lachen? Wissen wir doch, dass die Aymara – ein Volk, das Steinzeitniveau hatte – jene steinernen Städte mit primitiven Werkzeugen kreierten! Wir mögen dies dank »wissenschaftlicher« Vorbeter wissen und glauben ... Aber warum sagt dies denn niemand den heutigen Aymara, den Nachkommen jener meisterlichen Städtebauer?

Das ist nicht das Werk von
»Steinzeitmenschen«!
Foto: Ingeborg Diekmann
Wer Puma Punku selbst in Augenschein genommen hat ... kann nicht daran glauben, dass hier »Steinzeitmenschen« mit primitivem Werkzeug gewirkt haben ... und auf einem solchen Niveau werden die Aymara von der Wissenschaft angesiedelt!

»Die Aymara haben sich selber … nicht zum Bau Tiahuanacos bekannt. Manchen Aufzeichnungen – zum Beispiel des Forschers Harold Osborne – zufolge waren sie des Glaubens, daß die Ewige Stadt Perus in der Zeit der ›Chamac Pacha‹ erbaut worden sei, lange bevor überhaupt die Menschen oder wenigstens die Art von Menschen geschaffen worden waren, die nun die Erde bewohnen und zu denen sich selbstverständlich auch die Aymara zählen (die sich selbst übrigens einfach nur ›Haque‹, das heißt ›Menschen‹, nennen).«

Richtig ist, wie mir ein Archäologe vor Ort in Tiahuanaco erklärte, dass es die Aymara waren, die in den letzten 1.000 Jahren die Region von Tiahuanaco und Puma Punku bewohnten. Richtig ist, dass die Aymara nach dem Untergang des Tiahuanaco-Reiches die Herrschaft übernahmen. Das bedeutet aber nicht, dass die Aymara Tiahuanaco und Puma Punku gebaut haben! Wären die heutigen Aymara die Nachkommen der Städtebauer, so würden sie stolz auf die großen Leistungen ihrer Vorfahren hinweisen. Richtig ist: die Aymara herrschten über ein großes Reich. Ein großer Teil des südlichen Peru und Boliviens wurde ebenso wie der Norden Chiles von den Aymara regiert: von etwa 1180 bis 1438 christlicher Zeitrechnung. Dann wurden sie von den Inkas unterworfen.

Diese Monsterbrocken wiegen viele
Tonnen! - Foto: Ingeborg Diekmann
Die Kolossalstatuen von Tiahuanaco – so überlieferten es die Aymara – seien versteinerte Riesen. Diese Giganten seien die ursprünglichen Bewohner von Tiahuanaco und Puma Punku gewesen. Über solche Überlieferungen mag man hochnäsig lächeln. Für mich sind es aber solche Mythen, die die Aymara als Erbauer von Tiahuanaco und Puma Punku ausschließen.

Wir wissen also nicht, wer Puma Punku und Tiahuanaco in den Hochanden gebaut hat. Staunend stehen wir vor den einhundert Tonnen wiegenden Steinplatten von Puma Punku ... und können uns mit aller Phantasie nicht auch nur annähernd ausmalen, wie prachtvoll die steinerne Stadt wohl einst gewesen sein muss! Bedenken wir: Nachdem die Spanier die Kultstätten auf der Suche nach Goldschätzen verwüstet hatten, setzten örtliche Indianer das Werk der Zerstörung fort. Vier Jahrhunderte lang dienten vor allem Puma Punku, aber auch Tiahuanco als Steinbruch. Tausende und Abertausende Tonnen von Stein wurde abtransportiert.

Monstermauer, konserviert im
Erdreich - Foto: W-J.Langbein
Was zu groß war, wurde zerschlagen ... in »kultivierteren« Zeiten mit Dynamit gesprengt. Tonnen und abermals Tonnen von Stein wurden in »primitiven« Häusern ebenso verbaut wie in Mauern. Ganze Kirchen wurden aus Stein aus Puma Punku und Tiahuanaco aufgetürmt. Die Ingenieure der »Eisenbahn des Fortschritts« bedienten sich in Puma Punku ... sie benötigten große Mengen von Stein als Schotter. Bedenkenlos wurden uralte Statuen zerschlagen, um billiges Baumaterial zu gewinnen! Kein Wunder, dass die Götter von Tiahuanaco Tränen vergießen!

Angesichts dieses über Jahrhunderte hinweg vollzogenen Raubbaus ist es ein Wunder, dass heute überhaupt noch etwas von Puma Punku und Tiahuanaco zu sehen ist!

Am besten erhalten geblieben ist ... was viele Jahrhunderte unter dem Erdreich verborgen war ... und so der Zerstörungswut entgangen ist! Noch Ende des 20. Jahrhunderts wurden Statuen zu Schotter zerkleinert! Einzelkämpfer wie Max Uhle und Arthur Posnansky kämpften verzweifelt für den Erhalt der Ruinen, auch gegen die örtlichen Behörden! Arthur Posnansky rettete noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wertvolle Artefakte von Puma Punku, indem er sie in die Metropole La Paz schaffen und öffentlich ausstellen ließ.

Solche Statuen wurden
zertrümmert und in
Schotter verarbeitet.
Foto: W-J.Langbein
Gelegentlich wird – heute noch – Posnansky der Vorwurf gemacht, er habe zum Beispiel Statuen aus ihrer eigentlichen Umgebung verschleppt. Hätte er sie belassen ... wären sie wahrscheinlich zerschlagen worden ... die Werke von Menschen, die stolz darauf waren, dass ihre Urväter aus dem All kamen.

Und diese kosmischen Siedler ... hatten der Überlieferung nach schwarzes Blut! Es waren die Uros, die einst ein großes Reich in den Hochanden hatten, die in den steinernen Städten Tiahuanaco und Puma Punku lebten. Sollten sie es gewesen sein, die die mysteriösen Stätten schufen? Die Uros meiden den Kontakt mit den Menschen, auf die sie verächtlich herabblickten. Sie zogen sich zurück ... und verließen schließlich die Anden.

Auf dem Titicacasee bauten sie sich aus Totora-Schilf künstliche Inseln, hausten in Hütten aus Schilf, fuhren in Booten aus Schilf und lebten hauptsächlich von Fisch und Wasservögeln. Wenn es sich irgendwie vermeiden ließ, ging kein männlicher Uro an Land. Ihre Frauen tauschten allerdings Fisch und Wasservögel gegen landwirtschaftliche Produkte. Süßkartoffeln, zum Beispiel, konnten sie auf ihren schwimmenden Insel nicht anbauen.

Ein Besuch der »schwimmenden Inseln« lohnt sich allemal. Es ist ein eigenartiges Gefühl, auf ihnen zu gehen. Der Boden unter den Füßen hebt sich und senkt sich je nach Wellengang. Von einem kleinen Türmchen aus kann man die künstlichen Eilande überblicken. Touristen sind willkommen. Gegen ein kleines Entgelt wird man zu einer kurzen Bootstour in Schiffen aus Schilf mitgenommen ... Die echten Uros hätten nie und nimmer simple Menschen auf ihre Inseln gelassen ...

Heutige »Uros« bei der Schilfernte
Foto W-J.Langbein
Im 20. Jahrhundert gaben die Uros ihre Sprache auf, nahmen die der Aymara an. Um 1960 soll der letzte echte Uro gestorben sein ... und mit ihm die Überlieferungen von den steinernen Städten in den Anden und den Erbauern der mysteriösen Stätten ... die Erinnerungen an die Wesen aus dem All, die keine Menschen waren und schwarzes Blut hatten!

Fußnoten
1 Stingl, Miloslav: »Auf den Spuren der ältesten Reiche Perus«, Leipzig, Jena, Berlin, 2. Auflage 1990, S. 238
2-4 ebenda
5 ebenda, S. 197


»Abschied von Puma Punku!«,
Das Geheimnis der Anden IX,
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von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15.07.2012


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