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Sonntag, 8. Juli 2012

129 »Sie hatten schwarzes Blut«

Das Geheimnis der Anden VIII,
Teil 129 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Eingang zu Tiahuanaco und Puma
Punku - Foto: Ingeborg Diekmann
Kommt man nach Tiwanaku in den Hochanden Boliviens ... so findet man rasch zur großen archäologischen Stätte. Mich hat es immer wieder verwundert, dass ein eher schäbiger Maschendrahtzaun uraltes kulturelles Erbe »schützen« soll ... Ein fröstelnder Museumsangestellter öffnete die nur mit einem rostigen Vorhängeschloss »gesicherte« Tür. Aber die viele Tonnen schweren Artefakte aus uralten Zeiten sind schon durch ihr gewaltiges Gewicht vor Dieben sicher ...

Einer der großen Kenner des »Alten Peru«, Prof. Dr. Miloslav Stingl stellte, fast ein wenig befremdet fest (1): »Neben der Anbetung der Sonne sind in Altperu auch viele andere Himmelsgestirne angebetet worden.« Diese Verehrung für den Kosmos, so formulierte Prof. Dr. Stingl leise kritisierend (2) »zeugt von jener fast krankhaften Inbrunst, mit der die alten Peruaner wie gebannt den Blick zum Himmel empor auf die Sterne gerichtet haben.« Die Chimú, sie beherrschten einst das »alte Peru« von Lima bis an die Grenze Perus, meinten zu wissen, warum die penible Beobachtung der Himmelswelten so besonders wichtig sei. Die Chimú, so Prof. Stingl (3) »glaubten, daß die Menschen von den Sternen auf die Erde gelangt seien, die Herren von anderen als die gewöhnlichen Leute.« Dieser vermeintliche »Aberglaube« hielt sich noch bis in die Zeit nach der Eroberung Südamerikas durch die raubgierigen Spanier. So mussten die katholischen Geistlichen auf ausdrückliche Anordnung des Erzbischofs von Lima (4) »in ihren Pfarrsprengeln die Überzeugung bekämpfen, daß die Vorfahren der Menschen von den Sternen aus dem Weltall gekommen wären«.

Wo man auch gräbt,
tritt uraltes Mauerwerk
zutage - Foto:
Ingeborg Diekmann
Wo aber in Südamerika mag der Gedanke von der außerirdischen Herkunft des Menschen ursprünglich aufgekommen sein? Wir wissen es nicht! Eine Spur führt in die Hochanden des heutigen Bolivien, nach Tiahuanaco und Puma Punku. In dieser »steinernen Stadt« soll einst ein Volk gelebt haben, das großen Wert auf seine nicht-menschliche Herkunft legte. Seine Vorfahren kamen, so heißt es in uralten Überlieferungen, aus dem Weltall. Sie kamen zur Erde herab, noch bevor die Sonne schien, heißt es ... also aus der Schwärze des Alls. Damals seien steinerne Städte gebaut worden, die allerschönste unweit des Titicaca-Sees: Tiahuanaco, das ruhmreiche.

Dort wohnten dann auch die ersten Nachkömmlinge der Siedler aus dem All. Dem französischen Ethnologen Jean Vellard teilten die Urururur ...-Enkel jener, die einst aus dem All zur Erde kamen, mit (5): »Wir, die anderen ..., wir sind keine Menschen. Wir waren eher da als die Inka, noch bevor der Vater des Himmels Taiú die Menschen erschaffen hat, die Aymara, die Ketschua, die Weißen.« Wesen, die die Erde aus dem All kommend besiedelten, sollen die steinernen Städte Tiahuanaco und Puma gebaut haben ... schon bevor es die Aymara gab?

Alte Überlieferungen über Wesen aus dem All, die zur Erde kamen ... Tiahuanaco und Puma Punku von den Siedlern aus dem All errichtet ... muss der modern-aufgeklärte Mensch ob solcher Mythen nicht herzhaft lachen? Wissen wir doch, dass die Aymara – ein Volk, das Steinzeitniveau hatte – jene steinernen Städte mit primitiven Werkzeugen kreierten! Wir mögen dies dank »wissenschaftlicher« Vorbeter wissen und glauben ... Aber warum sagt dies denn niemand den heutigen Aymara, den Nachkommen jener meisterlichen Städtebauer?

Das ist nicht das Werk von
»Steinzeitmenschen«!
Foto: Ingeborg Diekmann
Wer Puma Punku selbst in Augenschein genommen hat ... kann nicht daran glauben, dass hier »Steinzeitmenschen« mit primitivem Werkzeug gewirkt haben ... und auf einem solchen Niveau werden die Aymara von der Wissenschaft angesiedelt!

»Die Aymara haben sich selber … nicht zum Bau Tiahuanacos bekannt. Manchen Aufzeichnungen – zum Beispiel des Forschers Harold Osborne – zufolge waren sie des Glaubens, daß die Ewige Stadt Perus in der Zeit der ›Chamac Pacha‹ erbaut worden sei, lange bevor überhaupt die Menschen oder wenigstens die Art von Menschen geschaffen worden waren, die nun die Erde bewohnen und zu denen sich selbstverständlich auch die Aymara zählen (die sich selbst übrigens einfach nur ›Haque‹, das heißt ›Menschen‹, nennen).«

Richtig ist, wie mir ein Archäologe vor Ort in Tiahuanaco erklärte, dass es die Aymara waren, die in den letzten 1.000 Jahren die Region von Tiahuanaco und Puma Punku bewohnten. Richtig ist, dass die Aymara nach dem Untergang des Tiahuanaco-Reiches die Herrschaft übernahmen. Das bedeutet aber nicht, dass die Aymara Tiahuanaco und Puma Punku gebaut haben! Wären die heutigen Aymara die Nachkommen der Städtebauer, so würden sie stolz auf die großen Leistungen ihrer Vorfahren hinweisen. Richtig ist: die Aymara herrschten über ein großes Reich. Ein großer Teil des südlichen Peru und Boliviens wurde ebenso wie der Norden Chiles von den Aymara regiert: von etwa 1180 bis 1438 christlicher Zeitrechnung. Dann wurden sie von den Inkas unterworfen.

Diese Monsterbrocken wiegen viele
Tonnen! - Foto: Ingeborg Diekmann
Die Kolossalstatuen von Tiahuanaco – so überlieferten es die Aymara – seien versteinerte Riesen. Diese Giganten seien die ursprünglichen Bewohner von Tiahuanaco und Puma Punku gewesen. Über solche Überlieferungen mag man hochnäsig lächeln. Für mich sind es aber solche Mythen, die die Aymara als Erbauer von Tiahuanaco und Puma Punku ausschließen.

Wir wissen also nicht, wer Puma Punku und Tiahuanaco in den Hochanden gebaut hat. Staunend stehen wir vor den einhundert Tonnen wiegenden Steinplatten von Puma Punku ... und können uns mit aller Phantasie nicht auch nur annähernd ausmalen, wie prachtvoll die steinerne Stadt wohl einst gewesen sein muss! Bedenken wir: Nachdem die Spanier die Kultstätten auf der Suche nach Goldschätzen verwüstet hatten, setzten örtliche Indianer das Werk der Zerstörung fort. Vier Jahrhunderte lang dienten vor allem Puma Punku, aber auch Tiahuanco als Steinbruch. Tausende und Abertausende Tonnen von Stein wurde abtransportiert.

Monstermauer, konserviert im
Erdreich - Foto: W-J.Langbein
Was zu groß war, wurde zerschlagen ... in »kultivierteren« Zeiten mit Dynamit gesprengt. Tonnen und abermals Tonnen von Stein wurden in »primitiven« Häusern ebenso verbaut wie in Mauern. Ganze Kirchen wurden aus Stein aus Puma Punku und Tiahuanaco aufgetürmt. Die Ingenieure der »Eisenbahn des Fortschritts« bedienten sich in Puma Punku ... sie benötigten große Mengen von Stein als Schotter. Bedenkenlos wurden uralte Statuen zerschlagen, um billiges Baumaterial zu gewinnen! Kein Wunder, dass die Götter von Tiahuanaco Tränen vergießen!

Angesichts dieses über Jahrhunderte hinweg vollzogenen Raubbaus ist es ein Wunder, dass heute überhaupt noch etwas von Puma Punku und Tiahuanaco zu sehen ist!

Am besten erhalten geblieben ist ... was viele Jahrhunderte unter dem Erdreich verborgen war ... und so der Zerstörungswut entgangen ist! Noch Ende des 20. Jahrhunderts wurden Statuen zu Schotter zerkleinert! Einzelkämpfer wie Max Uhle und Arthur Posnansky kämpften verzweifelt für den Erhalt der Ruinen, auch gegen die örtlichen Behörden! Arthur Posnansky rettete noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wertvolle Artefakte von Puma Punku, indem er sie in die Metropole La Paz schaffen und öffentlich ausstellen ließ.

Solche Statuen wurden
zertrümmert und in
Schotter verarbeitet.
Foto: W-J.Langbein
Gelegentlich wird – heute noch – Posnansky der Vorwurf gemacht, er habe zum Beispiel Statuen aus ihrer eigentlichen Umgebung verschleppt. Hätte er sie belassen ... wären sie wahrscheinlich zerschlagen worden ... die Werke von Menschen, die stolz darauf waren, dass ihre Urväter aus dem All kamen.

Und diese kosmischen Siedler ... hatten der Überlieferung nach schwarzes Blut! Es waren die Uros, die einst ein großes Reich in den Hochanden hatten, die in den steinernen Städten Tiahuanaco und Puma Punku lebten. Sollten sie es gewesen sein, die die mysteriösen Stätten schufen? Die Uros meiden den Kontakt mit den Menschen, auf die sie verächtlich herabblickten. Sie zogen sich zurück ... und verließen schließlich die Anden.

Auf dem Titicacasee bauten sie sich aus Totora-Schilf künstliche Inseln, hausten in Hütten aus Schilf, fuhren in Booten aus Schilf und lebten hauptsächlich von Fisch und Wasservögeln. Wenn es sich irgendwie vermeiden ließ, ging kein männlicher Uro an Land. Ihre Frauen tauschten allerdings Fisch und Wasservögel gegen landwirtschaftliche Produkte. Süßkartoffeln, zum Beispiel, konnten sie auf ihren schwimmenden Insel nicht anbauen.

Ein Besuch der »schwimmenden Inseln« lohnt sich allemal. Es ist ein eigenartiges Gefühl, auf ihnen zu gehen. Der Boden unter den Füßen hebt sich und senkt sich je nach Wellengang. Von einem kleinen Türmchen aus kann man die künstlichen Eilande überblicken. Touristen sind willkommen. Gegen ein kleines Entgelt wird man zu einer kurzen Bootstour in Schiffen aus Schilf mitgenommen ... Die echten Uros hätten nie und nimmer simple Menschen auf ihre Inseln gelassen ...

Heutige »Uros« bei der Schilfernte
Foto W-J.Langbein
Im 20. Jahrhundert gaben die Uros ihre Sprache auf, nahmen die der Aymara an. Um 1960 soll der letzte echte Uro gestorben sein ... und mit ihm die Überlieferungen von den steinernen Städten in den Anden und den Erbauern der mysteriösen Stätten ... die Erinnerungen an die Wesen aus dem All, die keine Menschen waren und schwarzes Blut hatten!

Fußnoten
1 Stingl, Miloslav: »Auf den Spuren der ältesten Reiche Perus«, Leipzig, Jena, Berlin, 2. Auflage 1990, S. 238
2-4 ebenda
5 ebenda, S. 197


»Abschied von Puma Punku!«,
Das Geheimnis der Anden IX,
Teil 130 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15.07.2012


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Sonntag, 4. September 2011

85 »Der Lebensbaum in der Wüste«

Teil 85 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Auf der Osterinsel erlebte ich mehrere Male, wie sich ein dramatisch grollender Himmel und eine sattgrüne Erde zu berühren schienen. Die Natur bot so eine geradezu ideale Naturbühne für ein mysteriöses Schauspiel ... für eine Voodoozeremonie. »Houngan-Man« leitete die Zeremonie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

Himmel und Erde
Foto: Walter-Jörg Langbein
»Houngan-Man« erklärte mir die Geheimnisse der Osterinsel, die mir das Eiland in ganz anderem Licht erscheinen ließen. Ob seine Version die richtige ist? Ich weiß es nicht. Die Statuen der Osterinsel, so bedeutete er mir, stecken nicht zufällig zu einem großen Teil in der Erde und ragen mit steinernem Haupt in den Himmel empor. »Die Vulkane der Osterinsel verbinden Erde und Himmel. In der Spitze geht der feuerspeiende Berg in den Himmel über.« Die Statuen – aus Vulkangestein – »verbinden ebenfalls Erde und Himmel«.

Dankbar denke ich an aufschlussreiche Gespräche mit dem »Magier« zurück. Immer wieder greife ich auf meine handschriftlichen Notizen, die ich von der Osterinsel mitgebracht habe, zurück. Dann kommt es mir vor, als wäre ich eben erst auf der Osterinsel gewesen ...Wenn dem Menschen die Natur fremd wird, wenn der Mensch meint, die Natur beherrschen zu können ... so der »Houngan-Man«, gehe die Einheit von Erde und Himmel verloren. »Die steinernen Statuen waren der Versuch, Himmel und Erde wieder miteinander zu verbinden ... so wie der Turm zu Babel!«

Ich werfe ein: »Aber hat nicht Gott diesen Turm zerstört?« So stehe es in der Bibel, antwortet der Magier. »Aber die Bibel wurde von Männern des Patriarchats geschrieben! Männliches Machtstreben wollte die Natur unterwerfen und hat den Menschen von der Natur entfremdet. Die Zerstörung des Tempels bedeute Zerstörung der einst heilen, heiligen Natur.

Verbindung von
Erde und Himmel
Foto:
W-J.Langbein
Kurzzeitig gerät der »Houngan-Man« in Rage. »Wer meint, die Natur ausbeuten zu können ... der stört den Kreislauf zwischen Erde und Himmel ... zwischen dem Meer auf Erden und dem Meer des Himmels! Wer dieses Gleichgewicht stört, kann kurzfristig zu Macht und Reichtum kommen ... Langfristig stellt die Natur aber das alte Gleichgewicht wieder her ... auch wenn sie den Menschen wie einen Parasiten auslöschen muss!«

Das alte Wissen von den Kräften von Mutter Erde verbietet eine Ausbeutung der Natur ... so der »Houngan-Man«. »Im Patriarchat wird dieses Wissen den Menschen vorenthalten!« In der Bibel werde dieses Wissen als »göttlich« bezeichnet und den Menschen vorenthalten. Die Schlange stehe für die Göttin des Matriarchats, die den Menschen das Wissen um die Geheimnisse der Natur zugänglich machen will ... was der Gott des Patriarchats verbiete. Im »Alten Testament« heißt es (1): »Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.«

Mir kamen die Interpretationen biblischer Texte damals – im Oktober 1992 – reichlich skurril vor, wie ich zugeben muss. Das gab ich auch dem »Magier« zu verstehen. Der »Houngan-Man« nickte nur väterlich-milde. »Du wirst noch Jahrzehnte brauchen, um zu verstehen ...« Bei unserer letzten Begegnung gab er mir so etwas wie eine Prophezeiung mit auf den Weg.

»Das Geheimnis der ewigen Natur ist der Lebensbaum. Du wirst ihm dreimal begegnen ... und erst dann wirst du wirklich verstehen ...« Ich muss zugeben: fast 20 Jahre sind seit der letzten Begegnung mit dem »Houngan-Man« verstrichen ... und ich verstehe das große Geheimnis immer noch nicht. Mir ist allerdings der »Lebensbaum« erst zwei Mal begegnet ...

Der Lebensbaum in der Wüste
Foto W-J.Langbein
Jahre nach meiner so besonders interessanten Visite auf der Osterinsel war ich mit einer kleinen Gruppe von Leserinnen und Lesern in einem Motorboot unterwegs. Wir fuhren an der peruanischen Küste entlang, unterwegs zum mysteriösen »Dreizack von Pisco«, der auch als »Kandelaber« bezeichnet wird.

Ich erinnere mich: Von Pisco waren wir mit einem Minibus zum Hafen von Paracas gefahren. Von dort aus setzten wir unsere Reise im röhrenden Motorboot fort. In scheinbar rasender Fahrt über mächtige Wellen, die wie mit Riesenfäusten gegen den Rumpf unseres Bootes pochten, passierten wir »Puerto San Martin«. Wir umrundeten eine kleine Insel. Und plötzlich sahen wir etwas, das uns wie ein magisches Zeichen vorkam: den »Kandelaber« von Pisco. Er sieht so aus, als habe ein Riese dieses große Bildnis in den trockenen Wüstenboden gekratzt.

Unterschiedlichste Erklärungen sind in der Literatur zu finden, unterschiedlichste Interpretationen wurden und werden immer wieder vorgetragen ... so wie auch die absurdesten Größenangaben im Internet kursieren.

Was aber soll das Riesenbild – 180 Meter misst seine Höhe, 70 Meter seine Breite – darstellen? Wenn ich mich daran erinnere, wie wir in unserem Boot auf die riesige Erdzeichnung am sanft ansteigenden Hang zufuhren... drängt sich mir (m)eine Interpretation auf: Der »Kandelaber« scheint Meer und Himmel, Erde und Himmel miteinander zu verbinden. Bei Miloslav Stingl lese ich (2): »Andere erblicken darin (im Kandelaber) keinen Kaktus, sondern jenen sagenhaften ›Baum des Lebens‹«. Ich glaube: mir ist in der Bucht von Pisco der vom »Houngan-Man« prophezeite »Lebensbaum« begegnet ... ein riesiger Lebensbaum ... in der Wüste.

Deckengemälde in der Kilianskirche
Foto: W-J.Langbein
Ostern 2011 besuchte ich wieder einmal die Kilianskirche zu Lügde. Nachdem sie monatelang geschlossen und renoviert worden war, durfte sie nun wieder besucht werden. Die Kilianskirche gehört zu den ältesten Gotteshäusern Deutschlands. Ihre Anfänge reichen weit ins erste nachchristliche Jahrtausend zurück. Schon 784 soll Karl der Große im Vorgängerbau der Kilianskirche Weihnachten gefeiert haben. Ostern 2011 betrat ich nach langer Zeit wieder einmal die Kilianskirche ... und nahm so manches Foto auf ... auch von der Decke des Gotteshauses.

Dabei ärgerte ich mich über eine von der Decke hängende, für mein Empfinden hässliche und sehr störende Lampe. Wie ich auch das Teleobjektiv gen Decke richtete ... immer kamen der Lampenschirm nebst Glühbirne und die Aufhängung der Lampe ins Bild. Hätte man die zweifelsohne wichtige Beleuchtung nicht an anderer Stelle anbringen können?

Wieder zuhause studierte ich den kleinen, sehr empfehlenswerten Kirchenführer »Die Kilianskirche in Lügde« (3). Und da lese ich (4): »Die Kirche wurde im Stile der im Weserraum und auch am Hellweg üblichen Dekorationsmalereien ausgeschmückt. Die Kreuzgewölbe wurden durch ochsenblutrote, leider fast nicht mehr vorhandene, spiegelbildliche Gratbänder gegliedert und mit Lebensbäumen versehen. Im südlichen Mittelschiff ist noch Eva mit Schlange in der ursprünglichen Malerei erhalten.«

Eva mit Lebensbaum
und Schlange
Foto: W-J.Langbein
Die Eva war mir beim Fotografieren ... wegen meines kleinlichen Ärgers ob der Lampe ... nicht aufgefallen. Beim genauen Betrachten meiner Aufnahmen habe ich sie dann entdeckt: die biblische Eva ... am »Lebensbaum« mit Schlange! Mit kundiger Hand hat eine liebe Kollegin die störende Leitung zur Lampe aus dem Bild entfernt. (5)

Da steht sie dann ... »Eva mit Schlange«, gemalt im 12. Jahrhundert ... also zwischen 800 und 900 Jahre alt! Und die Schlange ringelt sich am »Lebensbaum« empor. »Houngan-Man« würde das Bild so deuten: Die Göttin Schlange bietet Eva das Wissen des Lebensbaums an ... das Geheimnis von Leben und Tod. Der Mensch ist nicht Herr der Natur. Die Göttin befiehlt NICHT, der Mensch solle sich die Erde untertan machen. Die Göttin fordert Ehre und Achtung für »Mutter Erde« ... nicht ihre Ausbeutung! Wir müssen im Einklang mit der Natur leben, uns nicht einbilden, die Natur beherrschen zu können!

Beim Betrachten des Fotos komme ich zur Überzeugung: Das ist der zweite Lebensbaum, den mir der »Houngan-Man« auf der Osterinsel prophezeite!

Eva mit Lebensbaum und Schlange
in der Kilianskirche
Foto: Ingeborg Diekmann
Nun frage ich mich: Wann und wo wird mir der dritte Lebensbaum begegnen? Und was werde ich dann verstehen? Ich bin schon sehr gespannt ... Schon jetzt verspreche ich: Sie, liebe Leserinnen und Leser, werden als erste bei »EIN BUCH LESEN« informiert!




Fußnoten
1 1.Buch Mose Kapitel 3, Verse 4 und 5
2 Stingl, Miloslav: »Auf den Spuren der ältesten Reiche Perus«, Leipzig, Jena, Berlin, 2. Auflage 1990, S. 107
3 Stumpe, Dieter (Text): »Die Kilianskirche in Lügde«, herausgegeben von der Kath. Kirchengemeinde St. Marien, Lügde und Hameln 2010
4 ebenda, Seite 10
5 Zusätzlich habe ich beim Foto den Kontrast etwas verstärkt, das Foto selbst wurde nicht verändert.

»Das Geheimnis des Drachen«,
Teil 86 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11.09.2011


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Sonntag, 28. August 2011

84 »Das Orakel in der Wüste«

Teil 84 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Fata Morgana oder Ruine in der
Wüste -  Foto: W-J.Langbein
Flimmernd zittert die Luft über dem Wüstenboden. Es ist später Nachmittag ... das Licht verändert sich scheinbar von Augenblick zu Augenblick. Der harte, von der Sonnenglut verbrannte Staub scheint zu glimmen. Und am Horizont taucht plötzlich im Wüsteneinerlei so etwas wie eine Fata Morgana auf. Aber die hügelige Erhebung ist ebenso real wie das Mauerwerk, das vor vielen Jahrhunderten geschaffen wurde.

An einem »freien« Nachmittag bin ich von Lima, der peruanischen Metropole, mit dem Taxi über teilweise kaum noch als solche erkennbare »Straßen« nach Pachacamac gefahren. Pachacamac ist ... war einst eine riesige Anlage. Als die Inkas das Pilgerzentrum eroberten, hatte es schon eine Geschichte von mindestens eineinhalb Jahrtausenden hinter sich.

Im Verlauf der vergangenen drei Jahrzehnte habe ich Pachacamac mehrere Besuche abgestattet. Ich habe stundenlang die immer noch weiträumigen Überreste des einstigen Kultzentrums zu Fuß umrundet und bin fasziniert vom großen Mysterium Pachacamac. Leicht gerät man ins Träumen und sieht märchenhafte Dinge. Es kommt mir so vor, als würde der graubraungelbe Wüstenboden etwas gebären.

Ruinen wachsen aus dem Boden
Foto: W-J.Langbein
Aus kleinen Hügelchen wachsen Mäuerchen. Sie kriechen empor und werden sich im Verlauf der nächsten Jahrhunderte in stolze Gebäude verwandeln. Oder erlebe ich, wie stolze Mauern aus uralten Zeiten, aufgetürmt aus an der Sonnenglut gebackenen Steinen, wieder mit der Wüste verschmelzen? Ehre, wem Ehre gebührt! Es sind Archäologen, die im glühenden Wüstenboden Verfallenes zu neuem Leben erwecken. In mühseliger Arbeit rekonstruieren sie Mäuerchen, trotzen staubigen Hügeln uralte Wände wieder ab ... die nach und nach erkennen lassen, wie Pachacamac wohl einst ausgesehen haben mag. Allerdings ist, wie einer der führenden Inka-Experten, Miloslav Stingl, konstatiert (1), »ein Teil der Ruinen aus der späteren Inka-Zeit restauriert worden«.

Pachacamac war keine Wohnstadt, sondern ein religiöses Zentrum. Pachacamac war das Orakel der Wüste, das schon vor Jahrtausenden im fernen Peru Menschen anlockte wie »unser« europäisches Delphi. Hier regierte Pachacamac, der »Herr der Welt, der die Ordnung und den Gang der Dinge, die Gesetze der Welt und des Weltalls bestimmt« (2). Hier herrschte Frieden in einer neutralen Zone. Mag man sich sonst auch bekriegt haben, in Pachacamac ruhten die Waffen.

Der Sonnentempel der Inkas
Foto W-J.Langbein
Die Inkas respektierten Pachacamac. Gewiss, sie akzeptierten nicht, dass ihr Inti und der Gott Pachacamac identisch sein könnten. Aber sie ließen Pachacamacs Anhänger gewähren ... und blieben selbst ihrem Inti treu. Mir scheint: Beides waren verschiedene Namen eines Schöpfergottes ... Der alte Pachacamac-Kult bestand fort, sie erbauten aber noch ein weiteres Sakralgebäude: den Sonnentempel. Dieser wohl eins mächtige Komplex ist bis heute nur zu einem kleinen Teil rekonstruiert worden. Seine einstige Größe kann nicht einmal mehr erahnt werden. Offenbar hatte der Sonnentempel einst die Form einer Stufenpyramide mit fünf Plattformen. Für Diener und hochrangige Besucher, so meinen Archäologen feststellen zu können, gab es separate Eingänge.

Direkt vor dem Sonnentempel gab es offenbar so etwas wie einen Warteplatz für die Pilger. Bei Ausgrabungen wurden Löcher im Boden erkannt, in denen einst hölzerne Pfosten standen. Sie trugen vermutlich ein Dach, um die Pilger vor Sonne, Wind und Wetter zu schützen. Wie so oft sind wir auf Mutmaßungen und Spekulationen angewiesen.

Der Tempel von Pachacamac war das Mekka des Alten Peru. Jeder Anhänger des mächtigen Gottes sollte mindestens einmal im Leben die heiligen Stätten aufsuchen. Die Pilgerströme aus nah und fern brachten kostbare Opfergaben, auch aus Gold und Silber, in die altehrwürdigen Gemäuer. Es wurde ein riesiger Tempelschatz gehortet. Und es wurde viel in die Bauwerke investiert. Kein Zweifel: Pachacamac war sehr reich! Weite Regionen der Küste zahlten nicht in Cuzco, der Hauptstadt des Reiches, sondern in Pachacamac ihre Steuern. Selbst nach der Unterwerfung des Inkareiches wurden aus weit entfernten Regionen Abgaben nach Pachacamac gebracht. So verwundert es nicht, dass in einer Chronik aus der Zeit der Eroberung festgestellt, dass Pachacamac größer als selbst Rom gewesen sei.

Die Pyramide mit der Rampe
Foto: W-J.Langbein
Das weckte Begehrlichkeiten bei den Spaniern, die sich aufmachten, um das uralte Heiligtum zu plündern. Trotz reicher Beutezüge hofften die Spanier, noch »erfolgreicher« sein zu können. Sie folterten auf grausamste Wiese, um Hinweise auf geheime Verstecke zu erhalten.

Miloslav Stingl (3): »Zum Glück bekamen die Priester der Orakelstätte Wind von dem Feldzug der Spanier nach der heiligen Stadt, so dass sie den Hauptteil des Tempelschatzes rechtzeitig im Sand der Küstenwüste vergraben konnten. Aber auch das wenige, was in der Orakelstätte von Pachacamac übrig geblieben war, genügte Pizarros Raubgesellen. Sie erbeuteten in dem Tempel über 650 Kilogramm goldene Gegenstände von nie gesehener Schönheit und 16.000 Unzen Silbersachen.«

Und so wartet noch heute ein riesiger Schatz auf seine Entdeckung ... vermutlich zwei bis drei Tonnen (!) Gold und Silbersachen! Gold sahen die Inkas als »Schweißperlen der Sonne«, Silber als »Tränen des Mondes« an. Gold und Silber aber waren für die Inkas nicht der wirkliche Schatz. Die vierzehn Königsmumien galt es vor allem zu verteidigen ... doch vergeblich. Die Spanier plünderten die heiligen Tempel der Inkas, stampften edelste Arbeiten aus Gold und Silber ein. In Barrenform gegossen wurde die Beute nach Europa geschickt.

Der Mondtempel von
Pachacamak - Foto: W-J.Langbein
Die Spanier begnügten sich nicht damit, materielle Güter zu rauben. Sie zerrten auch die Königsmumien der Inkas aus ihren Gräbern und verbrannten sie öffentlich. So demonstrierte das »christliche Europa« seine Überlegenheit über das »heidnische Inkareich«!

Schon lange bevor die Inkas zur Großmacht im heutigen Südamerika aufstiegen, wurde das Orakel von Pachacamac befragt. Die Menschen nahmen strapaziöseste Märsche auf sich, um dem Orakel Fragen über die Zukunft zu stellen. Es gibt keine Überlieferungen, wie erfolgreich oder erfolglos das Orakel war. Offenbar warnte es aber nicht vor der Eroberung durch die Inkas. Auch die Inkas befragten das Orakel, als die »christlichen« Eroberer anrückten ... und wurden beruhigt. Sie würden, so wurde ihnen verkündet, die goldgierigen Fremden besiegen. Die Geschichte nahm, wie wir wissen, einen anderen Verlauf.

Besuche beim Orakel waren alles andere als Stippvisiten. Nach oft lebensgefährlicher Anreise folgte die intensive Vorbereitung des Pilgers. Priester leiteten die Pilger an. 90 Tage dauerte die Vorbereitungszeit. Es wurde gefastet. Und der Pilger musste aus seiner alltäglichen in eine spirituelle Welt geführt. Erst dann durfte er sich dem Orakel nähern. Wir wissen nicht, ob es so etwas wie ein Allerheiligstes gab. Wir wissen nicht, ob jeder Pilger bis zur Gottheit vorgelassen wurde ... oder ob dieser direkte Kontakt nur den Priestern erlaubt war.


Pachacamac selbst
Foto: W-J.Langbein
Bei Ausgrabungen in Pachacamac wurden erstaunlich gut erhaltene, gewebte Teppiche mit geheimnisvollen Motiven gefunden. Im Wüstenboden blieb auch ein hölzerner »Totempfahl« erhalten. Er hat – wie Janus – zwei Gesichter, blickt also in die Vergangenheit und in die Zukunft. Handelt es sich bei dem altehrwürdigen Objekt um das einstige Heiligtum von Pachacamac ... vielleicht gar um eine Darstellung der Gottheit selbst?

Übrigens: Pachacamac, der mächtige männliche Gott, war nicht allein! Seine Partnerin war Pachamama, auch Mama Pacha genannt. Sie soll ein weiblicher Drachen gewesen sein und war als Göttin der Fruchtbarkeit für Aussaat und Ernte verantwortlich ... und für Erdbeben!

Wie man Pachamama übersetze ... da gehen die Meinungen auseinander: »Mutter Erde« wird häufig verwandt, aber auch »Mutter Welt«. Das Wort »pacha« machte offenbar eine Entwicklung durch ... und soll zuletzt »Kosmos« und »Universum« bedeutet haben. Zuletzt? Oder war Pachamama in Wirklichkeit eine jener Urmütter, die vor dem Einsetzen des Patriarchats Himmel und Erde regierten?

Als der Katholizismus im einstigen Inkareich verbreitet wurde, war der neue Glaube für die Nachfahren der einst mächtigen Inkas so fremd nicht. Vertraut war ihnen die von den katholischen Priestern so verehrten Mutter Gottes Maria! War das nicht ihre Pachamama? Und so lebt Pachamama auch heute noch weiter, allen missionarischen Bemühungen zum Trotz ... als Himmelskönigin Maria!



Fußnoten
1 Stingl, Miloslav: »Auf den Spuren der ältesten Reiche Perus«, 2. Auflage, Leipzig 1990, S. 210
2 ebenda
3 ebenda, S.211 und 212

Weiterführende Literatur
4 Kurella, Doris: »Kulturen und Bauwerke des Alten Peru«, Stuttgart 2008
5 Langbein, Walter-Jörg: »Bevor die Sintflut kam/ Von Götterbergen und Geisterstädten, von Zyklopenmauern, Monstern und Sauriern«, München 1996, S.282 und S.283
6 Squier, George: »Peru/ Incidents of Travel and Exploration in the Land of the Incas«, New York 1877, Seiten 71, 149 und 150

»Der Lebensbaum in der Wüste«,
Teil 85 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 04.09.2011


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Sonntag, 5. Juni 2011

72 »Die Lanze zwischen Himmel und Hölle«

Teil 72 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Mysteriöse Schlangen von Chavín
Foto: W-J.Langbein
Hoch in den Anden Nordperus gab es einen rätselhaften religiösen Kult. Er wurde in einem Tempelkomplex zelebriert, der im Lauf der vielen Jahrhunderte weitestgehend zerstört und unter Schlammmassen begraben wurde. Schlangen waren von zentraler Bedeutung in diesem Kult ... und ein monströs wirkendes Wesen aus Stein, das in der Unterwelt hauste. Die »Schlange« wurde im Judentum verteufelt, als die böse Versucherin, die Adam und Eva zum Ungehorsam gegen Gott aufstachelte. Ältere Kulturen indes haben »die Schlange« positiv gesehen, als göttliches Wesen das niemals starb und voller Weisheit war. Die Erinnerungen an viel ältere Kulte klingen auch im biblischen Schöpfungsbericht noch an: Die Schlange verspricht den Menschen, die von den Früchten des verbotenen Baumes essen, Erkenntnisse und Gottgleichheit!

Wie groß die Gesamtanlage von Chavín einst war, wir wissen es nicht. Ein Großteil der überirdischen Bauten ist im Lauf der Jahrtausende verschüttet und zerstört worden. Kleine Teile – wie eine »Tempelmauer« mit wuchtigen polierten und einst mit Gravuren reich verzierten Steinplatten – lässt erahnen, wie imposant Chavín einst gewesen sein muss!

Eine der Tempelmauern - Foto W-J.Langbein
Unter den Gebäuden, Pyramiden und Plätzen von Chavín de Huantar gab es ein komplexes unterirdisches Labyrinth, von dessen einstigen Ausmaßen wir keine Ahnung haben. Die unterirdische Welt mag noch größer gewesen sein als die überirdische. Zu welchem Zweck mögen die Labyrinthe angelegt worden sein? Doris Kurella fasst in »Kulturen und Bauwerke des Alten Peru« (1) einige unterschiedliche Vermutungen über die unterirdischen Gänge zusammen: »Sie dienten möglicherweise als Abflusskanäle, Geheimgänge, Lüftungsanlagen, Schächte für akustische Effekte, als Vorratskammern und Aufbewahrungsorte für Opfergaben, vielleicht auch tatsächliche Opferorte.«

Ich habe den Eindruck, dass häufig wild spekuliert wird, wenn es um Chavín de Huantar geht. Unterschiedlichste Thesen werden in Studierstuben aufgestellt. Wer aber einmal ausgiebig in der Unterwelt von Chavín de Huantar herum gekrochen ist, der weiß, dass die meisten nicht stimmen können! Als »Vorratskammern« dürften die unterirdischen Räume wohl kaum gedient haben. Vorratskammern sind in der Regel so angelegt, dass sie bequem und rasch erreicht werden können. Wer mag sich schon erst mühsam durch lange sehr schmale, teilweise äußerst Gänge quetschen, um mühsam zu nicht minder schmalen hohen Räumchen zu gelangen? Ist es schon eine Tortur, die »Vorratskammern« kriechend zu erreichen ... so ist es so gut wie ausgeschlossen, dabei noch Vorräte mit sich zu führen. Zugänge zu Vorratskammern sind auch in der Regel nicht so schmal, dass man in ihnen nur mit Mühe etwas tragen kann ... und schon gar nichts Großes!

Einer der vielen schmalen Gänge - Foto W-J.Langbein

Als »Lüftungsanlagen« sind die unterirdischen Gänge vollkommen ungeeignet. Luft zirkuliert nicht in ihnen. Es ist auch nicht ansatzweise zu erkennen, was wie auch immer durch das unterirdische Labyrinth hätte ent- oder belüftet werden können. Welche »akustischen Effekte« sollen erzeugt worden sein? Opfergaben wurden in einem kleinen Teil der Unterwelt gefunden: in der »Galerie der Opfergaben«, und zwar in einem unterirdischen Gang vor sehr kleinen schmalen Kammern ... Offenbar hat man vor vielen Jahrhunderten zum Teil Hunderte von Kilometern weit Keramiken herbeigebracht und zertrümmert. Zerschlagen wurden auch Knochen von Menschen und Tieren. Es gab also tatsächlich Opferungen. Wie aber der Kult aussah, warum, wo und wie sie zelebriert wurden ... wir wissen es nicht.

Von besonderer Bedeutung war zweifelsohne »El Lanzon«, vielleicht das zentrale sakrale Objekt der gesamten Anlage von Chavín de Huantar. Die steinerne Stele ist viereinhalb Meter hoch. Sie befindet sich in der Unterwelt, exakt auf dem zentralen Schnittpunkt zweier Gänge postiert.

»El Lanzon«,
Illustration von
W-J.Langbein
Die beiden Gänge, keinen halben Meter breit, schneiden sich rechtwinkelig. Und sie sind nur drei Meter hoch. Über diese Gänge kann man, sich mühsam durch die Enge windend, »El Lanzon« erreichen. Wie hat man »El Lanzon« durch das Labyrinth transportiert und schließlich aufgestellt? Es gibt nur eine Lösung: der lange, schmale Monolith wurde von oben in eine Grube gestellt. Dann hat man die unterirdischen Tunnel gegraben, so dass das Kultobjekt unterirdisch erreichbar wurde. Schließlich hat man die Grube geschlossen. Die Kultanlage wurde um das zentrale Heiligtum herum gebaut.

Archäologe Miloslav Stingl versucht eine Beschreibung von »El Lanzon«. Es sei, so schreibt er, (2) ein: »Gott – halb Mensch, halb Jaguar«. Noch heute flöße die Darstellung Schrecken ein. Stingl weiter: »Wie muss er erst vor 3000 Jahren auf die Gläubigen gewirkt haben! Über der Unterlippe treten mächtige Jaguarzähne hervor. Die Augen sind starr nach oben gerichtet, als ob sie zum Himmel empor sähen. Auch der Gürtel, der den Leib des Gottes umspannt, ist mit Jaguarköpfen geschmückt ... Die eine Hand – die rechte – hält der Gott empor, die andere ruht auf der Hüfte.«

Die steinerne »Lanze« ist das Zentrum der Anlage von Chavín de Huantar. Sie stellt einen monströsen Gott dar. Seine »Füße« sind im Erdboden, sein Kopf im steinernen »Himmel« verankert. Die »Lanze« verbindet Hölle und Himmel. Der furchteinflößende Gott deutet mit einer Hand zum Himmel, mit der anderen zur Hölle. Sein Gesicht – es ist aus unserer Sicht eher eine Fratze – wird weitestgehend von Schlangen bedeckt, die ich in der Zeichnung farbig markiert habe. Auch wenn die Schlange im Juden- wie im Christentum als Symbol des teuflischen Bösen angesehen wird ... in den Mythen und Überlieferungen der sonstigen Welt ist die Schlange positiv besetzt. Das Tier, das sich häutend scheinbar immer wieder verjüngte und neu geboren wurde, dürfte eines der wenigen universellen Symbole sein, und das seit Jahrtausenden: für die Ewigkeit, für die Unsterblichkeit.

Ein Gang teilt sich
Foto: W-J.Langbein
War Gott »Lanzon« Herrscher über Leben und Tod? Wurde ihm geopfert, um den Kreislauf der Natur am Leben zu erhalten? Für die Menschen der alten Hochkulturen war es nicht selbstverständlich, dass auf die Todesstarre des Winters oder der Trockenzeit wieder von Neuem Leben erblühte. Im Kult der »Heiligen Hochzeit«, wie sie zum Beispiel vor Jahrtausenden auf dem legendären Turm von Babel zelebriert wurde, galt es, Himmel und Erde miteinander zu vermählen. Nur so wurde das Rad des Lebens weiter gedreht. Nur dann folgte auf das scheinbare Absterben der Natur wieder ihre neue Geburt. Nur dann gibt es wieder Nahrung. Nur so konnte das Leben weiter bestehen.

So lange es keinerlei Dokumente aus der Zeit von Chavín de Huantar gibt, sind wir auf Spekulationen angewiesen. Ich erinnere mich gut an meinen Besuch in Chavín de Huantar vor fast genau zehn Jahren: Nach anstrengender Erkundung der Unterwelt der Tempelanlage entdeckte ich eine schmale Tür zu einer schmalen Kammer. Ich setzte mich auf ein steinernes Bänkchen ... und ließ die Situation auf mich wirken. Wurden hier einst Rituale vollzogen ... von Tod und Wiedergeburt? Wer sich stundenlang in der engen Finsternis im Labyrinth von Chavín aufhält ... und wieder ins Tageslicht zurückkehrt, fühlt sich wie wiedergeboren. War das der Sinn von Chavín: die rituelle Wiedergeburt? Die Schlangen im Gesicht des Gottes »Lanzon« könnten sehr wohl auf so einen Kult hinweisen. Von steinernen Schlangen soll es einst in den Ruinen von Chavín gewimmelt haben. Zwei habe ich noch entdeckt ...

WJL in der Unterwelt
Foto: Ingeborg Diekmann
Eine profane Siedlung war Chavín de Huantar wohl nicht. So gab es keinen Friedhof. Nichts spricht für handwerkliche Tätigkeiten oder landwirtschaftlichen Anbau. Nichts spricht dafür, dass einst dauerhaft Menschen in Chavín lebten. Chavín war wohl eher eine Pilgerstätte, zu der die Menschen von weit her strömten. Das beweisen Opfergaben wie Meeresmuscheln von der Küste und Keramiken aus unterschiedlichsten Gefilden des Alten Peru. Chavín war wohl so etwas wie ein magisch-religiöser Ort. Womöglich kamen die Menschen nur zu bestimmten Festtagen in die luftigen Höhen. Vielleicht war die Anlage sonst menschenleer und verlassen.

Miloslav Stingl, profunder Peru-Kenner schreibt (3): »Vieles, beinahe alles, was mit Chavín zusammenhängt, ist zur Zeit noch von so dichten Schleiern des Geheimnisses verhüllt, dass wir noch immer in erster Linie Fragen aufwerfen müssen und nach den Antworten zu suchen haben.« (4 und 5)

Fußnoten:
1: Kurella, Doris: »Kulturen und Bauwerke des Alten Peru«, Stuttgart 2008, S.63
2: Stingl, Miloslav: »Auf den Spuren der ältesten Reiche Perus«, Leipzig, Jena, Berlin, 2. Auflage 1990, S.40
3: ebenda, S. 42

Empfehlenswerte Lektüre
4: Miranda-Luizaga, Jorge: »Das Sonnentor/ Vom Überleben der archaischen Andenkultur«, München 1985
5: Däniken, Erich von: »Strategie der Götter/ Das achte Weltwunder, Düsseldorf und Wien 1982, siehe Kapitel II, »Am Anfang war alles anders«, S.49-112

»Der Gott von El Baul«,
Teil 73 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 12.06.2011


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Sonntag, 16. Januar 2011

52 »Wie alt ist Cuicuilco?«

Teil 52 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Das Szenario wirkte auf geheimnisvolle Weise mystisch: Da standen schmuddelige Hochhäuser. Einst mögen sie weiß gestrahlt haben, doch längst liegt ein undefinierbarer schmutziger Belag auf dem einst sauberen Putz. Kahl und kalt ragten sie in den Himmel. Es sind triste Wohntürme für schwer arbeitende, schlecht bezahlte Menschen. Ihre Vorfahren waren einst die Erbauer von Pyramiden und Tempeln. Und mittendrin war die einst stolze Pyramide von Cuicuilco eher nur zu erahnen... ein Relikt aus uralten Zeiten. Unter meterdickem Erdreich hatte es unzählige Jahrhunderte, ja vielleicht sogar Jahrtausende überdauert. Im Leib der Erde versteckt.. hatte sie Ewigkeiten geschlummert.

Die mysteriöse runde Pyramide. Foto: W.J.Langbein
Immer wieder habe ich im Rahmen von Reisen durch Zentralamerika den Komplex von Cuicuilco besucht. Immer wieder stieg ich auf den Pyramidenhügel, suchte nach den alten Mauern. Und immer wieder wunderte ich mich darüber, in welch desolatem Zustand sich die alte Pyramide befindet.

Einst führte eine breite Treppe hinauf auf die oberste Pyramidenplattform. Vermutlich stand hier einst ein stolzer Tempel. War er auch rund angelegt, so wie die Pyramide selbst? Wurden, wie Sprachforscher dem Namen Cuicuilco entnehmen zu können meinen, rituelle Tänze von sakraler Bedeutung oben auf der Pyramide zelebriert? Welchen Göttern mögen sie gegolten haben? Was sollten sie bewirken?

Ein Schornstein ragte einen Steinwurf entfernt in den Himmel und spuckte Rauschwaden in die Luft. War dieser Schornstein für die manchmal beißende Luft verantwortlich? Oder waberten giftige Dämpfe von der Millionenmetropole herüber?

Üppiges Grün droht die Pyramide zu
überwuchern. Foto: W.J.Langbein
Informationen über Cuicuilco sind so leicht nicht zu finden. Erst 1922 entdeckte der amerikanische Archäologe Byron Cummings am Rande von Mexiko-City die geheimnisvolle Pyramide. Cummings erhielt die Genehmigung, Ausgrabungen durchzuführen. Große Mengen Erde mussten entfernt werden. Ja es mussten dicke Bäume gefällt werden, die auf dem Erdreich, das sich auf der Pyramide angesammelt hatte, wuchsen. Was Vielen wie ein natürlicher Erdhügel vorkam... war in Wirklichkeit eine unter Erde verborgene Pyramide.

Byron Cummings (1): »Die Pyramide war einst 60 Meter hoch, 129 Meter im Durchmesser an der Basis breit. Mindestens zweimal wurde die Pyramide vergrößert, wobei jedes mal eine neue Außenverkleidung aufgetragen wurde.« Mit anderen Worten: Sie wurde über einen längeren Zeitraum verändert, muss also längere Zeit als ein wichtiges Gebäude angesehen worden sein.

Wie alt aber ist dieses geheimnisvolle Bauwerk? Der britische Forscher und Experte für frühe mittelamerikanische Kulturen Cottie A. Burland (1905-1983) setzte sich in seinem Werk »Völker der Sonne« (2) auch mit der Pyramide von Cuicuilco auseinander. Seiner Überzeugung nach wurde das Bauwerk um 900 v.Chr. begonnen und u, 350 v.Chr. wieder dem Verfall preisgegeben worden. Je intensiver in Sachen Cuicuilco recherchierte, desto mehr stark voneinander abweichende Altersangaben fand ich. Leo Deuel zum Beispiel nennt gleich zwei unterschiedliche »Geburtsstunden« von Cuicuilco (3), nämlich 600 v.Chr. oder 300 v.Chr. Miloslav Stingel (geboren 1930), kenntnisreicher Experte in Sachen alter Völker, kommt zu einem weiteren Resultat. Seiner Meinung nach wurde Cuicuilco erst 200 v. Chr. begonnen (4).

Tanzten hier einst Anhänger eines
uralten Kults? Foto: W.J.Langbein
Je mehr Experten sich über das mysteriöse Denkmal am Rande von Mexiko-Ciry geforscht und publiziert haben, desto mehr voneinander abweichende Ergebnisse wurden postuliert... und das stets im Brustton der Überzeugung: »Meine Zahlen stimmen!« Es ist schon kurios: Cuicuilco erstrahlte nach Meinung des einen Experten in imposantem Glanz.... Jahrhunderte nachdem die Kultur von Cuicuilco nach Meinung eines anderen Experten längst untergegangen war. Wann die mysteriöse Pyramide erbaut wurde.... darüber diskutieren die Gelehrten, ohne freilich zu einem übereinstimmenden Ergebnis zu kommen! Bei allem Streit um die Wahrheit herrscht in der Gelehrtenwelt aber Übereinstimmung in einem Punkt: Cuicuilco darf auf keinen Fall Jahrtausende alt sein. Zu genau diesem Resultat aber kommt der Geologe George E. Hyde. Hyde stellte fest, dass ein Teil der Pyramide beim Ausbruch eines nahegelegenen Vulkans mit Lava übergossen wurde.

Der Vulkan brach, so Hyde, vor etwa 7000 Jahren aus. Demnach müsste also die Pyramide von Cuicuilco mindestens 7 000 Jahre alt sein, also zu einer Zeit entstanden sein, zu der es nach klassischer Archäologie noch gar keine Azteken gab. Ein Bauwerk, das vor sieben Jahrtausenden teilweise von Lava verschlungen wurde... muss vor mehr als sieben Jahrtausenden errichtet worden sein!

Fachautor und Archäologe Ron Willis verfasste 1973 einen umfangreichen Artikel über Cuicuilco. Er konstatierte (5): »Obwohl die Pyramide etwas Aufsehen erregte, wurde der Fund bald von vielen Archäologen ignoriert, einfach weil die Pyramide eine komplexe Zivilisation in Mexiko voraussetzen würde, die mehrere Jahrtausende vor Ägypten und Sumer bestand.«

Bis heute ist Cuicuilco rätselhaft geblieben. In der Nähe der Pyramide soll es einst weitere »Erdhügel« gegeben haben, unter denen wohl ebenfalls Pyramiden schlummerten. Einst gab es wohl einen groß angelegten Tempelkomplex, deren Bedeutung in Vergessenheit geraten ist.

Der Zustand 2005
Foto: W.J.Langbein
Vor Ort versicherte mir ein an Ausgrabungen beteiligter Archäologe, dass die Pyramide von Cuicuilco auf einer künstlich geschaffenen Plattform steht. Irgendwann wurde der Boden nivelliert und gepflastert bevor darauf die Pyramide errichtet wurde: wann und von wem?

Radiocarbon-Datierungen weisen auf ein sehr hohes Alter der runden Pyramide von Cuicuilco hin. Im Bereich des Fundaments der Pyramide wurden unter der Lavaschicht organische Substanzen entdeckt, die immerhin 4161 Jahre alt sind. Ist die Pyramide nun sieben Jahrtausende... der »nur« 4200 Jahre alt?

Es ist an der Zeit, dass Cuicuilco endlich gründlich erforscht wird. Fragen über Fragen warten noch auf Antworten. Byron Cummings war überzeugt, dass einst der wichtige Pyramidenkomplex einst durch massive Dämme vor Überschwemmungen geschützt werden sollte. Mir scheint aber, dass Cuicuilco für die Mehrheit heutiger Wissenschaftler ein viel zu heißes Eisen ist....




Fußnoten
(1) Cummings, Byron: »Ruins of Cuicuilco May Revolutionize Our
History of Ancient America«, »National Geographic
Magazine«, 1923/ 44
(2) Burland, Cottie A.: »Völker der Sonne«, Bergisch Gladbach 1982
(3) Deuel, Leo: »Kulturen vor Kolumbus«, Bergisch Gladbach 1989
(4) Stingl, Miloslav: »Indianer vor Kolumbus«, Leipzig 1987
(5) Willis, Ron: »Cuicuilco ---«, »Info Journal«, 3:1-7, 1973, nachgedruckt in
Corliss, William: »Ancient Man: A Handbook of puzzling artifacts«, Glen
Arm, 2. Auflage November 1980, S. 210-213
(6) Siehe auch Siebenhaar, Wolfgang: »Gelehrtenstreit um die Pyramide von
Cuicuilco«, »Ancient Skies«, deutsche Ausgabe, Mai/ Juni
1984

»Das Tor in eine andere Welt?«
Teil 53 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 23.01.2011


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