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Sonntag, 24. Mai 2015

279 »Die Marienwunder von Lügde«

Teil 279 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Die Marienkirche von Lügde.

Wie alle Jahre rollten auch am Ostersonntag 2015, am Abend des 5. April, sechs brennende »Osterräder« von einer Anhöhe ins Tal. Sie kamen gut voran, was nach altem Volksglauben auf reiche Ernte für die Landwirtschaft hinweist. Heimatforscher Manfred Willeke berichtet (1):


»Wie alt dieser Brauch ist, und woher er ursprünglich stammt, ist weithin unbekannt. Die alten Lügder berichten lediglich davon, daß zwei Jungen einmal einige ausgediente Wagenräder mit Stroh hätten laufen lassen, was den Leuten sehr gut gefallen hätte und schließlich zur Tradition geworden wäre.«

Ein brennendes Rad rollt ins Tal, Ostersonntag in Lügde

Mir erscheint diese Erklärung wenig plausibel zu sein. Ich halte es für nicht glaubwürdig, dass »zwei Jungen« aus einer spielerischen Laune heraus zentnerschwere Wagenräder auf einen Berg geschafft haben und ins Tal haben rollen lassen. Es ist alles andere als wahrscheinlich, dass sich aus einem kindlichen Spiel ein bis in unsere Tage zelebrierter Brauch entwickelt hat. Eine ebenfalls von Manfred Willeke publizierte Lügder Sage datiert den Ursprung der Feuerräder in vorchristliche Zeiten zurück (2):

»Vor vielen hundert Jahren wurden die Osterräder zu Lügde verboten, da sie der Kirche in dieser Zeit nicht mehr genehm waren und auch nicht in die Zeit gepasst hätten… Die Lügder aber hingen sehr an diesem Brauchtum und suchten den Kontakt zur Kirche. Nach langen zähen Verhandlungen einigte man sich schließlich darauf, die Räder weiterhin unter christlicher Vorstellung zu Ehren des auferstandenen Herrn Jesus Christus laufen zu lassen. Zu diesem Zweck wurden die Räder mit den vielen Speichen abgeschafft und nur noch zwei Speichen in die Räder gesetzt, welche wie ein Kreuz aussahen. So war die Kirche und auch das Volk zu seinem Recht gekommen und der Lauf der Osterräder gesichert.« Wurde also ein uralter heidnischer Brauch (»Feuerräder«) christianisiert (»Osterräder«), so dass die Kirche die Fortführung der österlichen Zeremonie dulden konnte?

Feuerräderlauf zu Lügde... Ostersonntag
Dass die »gute alte Zeit« so wirklich gut nicht immer war, beweist auch die Geschichte meiner neuen »Heimatstadt« Lügde (3). In den Jahren 1447, 1548 und 1797 kam es zu katastrophalen Stadtbränden, bei denen fast nur die Befestigungsanlagen und die Kilianskirche erhalten blieben. Große Überschwemmungen suchten Lügde 1539, 1775 und zuletzt 1946 heim. Zu Kriegsschäden kam es besonders im 17. Jahrhundert (4). 1632 standen die Schweden vor der Stadtmauer Lügdes. Die feindliche Übernahme stand unmittelbar bevor. Den Lügdern grauste es vor einem möglichen blutigen Ende. Hatten sie die »Magdeburger Hochzeit« vor Augen? 1631 war Magdeburg von 26.800 kaiserlichen Soldaten belagert wurden. Am 10. Mai 1631 wurde Magdeburg förmlich überrannt. Es kam zu Plünderungen, Morden und Vergewaltigungen. Kinder wie Greise, Frauen wie Männer, Zivilisten wie Soldaten wurden in einem fürchterlichen Gemetzel förmlich abgeschlachtet. Rund 20.000 Tote waren zu beklagen, ein Großteil der gesamten Bevölkerung. Überlebt haben reiche Magdeburger, die sich freikaufen konnten. Überlebt haben zweitausend, vielleicht sogar viertausend Menschen, die im Dom Zuflucht gesucht hatten. Sie wurden vom Heerführer Johann Graf von Tilly verschont. Würde den Lügdern wenige Monate nach dem grausamen Gemetzel von Magdeburg ein ähnlich schlimmes Schicksal widerfahren?

1632 drohte die Stadt Lügde von einem übermächtigen Truppenkontingent der Schweden eingenommen zu werden. In einer alten Lügder Sage wird das Marienwunder beschrieben (5):

Marienkirche zu Lügde
» Als im Jahre 1632 die Schweden die Stadt Lügde angriffen, geschah ein großes Wunder. Machtlos standen die Bewohner Lügdes der angreifenden Übermacht der Schweden gegenüber. Als sie keinen Ausweg mehr wußten, fingen sie in dieser allerhöchsten Not an zu beten und riefen die Hilfe der Stadtschutzpatronin, der Muttergottes, an.

Der Beschuß der Schweden wurde aber immer heftiger und schon flogen die ersten Kanonenkugeln über die Stadtmauer. Immer wilder tobte der Kampf um Lügde. Da erschien an der Stelle, wo heute die Muttergottes in den Stadtmauer steht, eine ›weiße Frau‹ auf der Mauer und blickte den Schweden mutig ins Auge. Sie verschwand trotz des starken Beschusses nicht von der Mauer und schaute furchtlos zu den Schweden. …

Da wichen die Schweden entsetzt zurück und ergriffen die Flucht vor dieser ›weißen Frau‹. Erleichtert sanken die Lügder auf die Knie und stimmten ein Loblied zu Ehren der Muttergottes an, die ihnen doch einen rettenden Engel geschickt – oder ihnen selbst geholfen hatte ????« (Ende des Zitats)

Reste der Stadtmauer von Lügde

Nach meinem intensiven Quellenstudium bin ich zur Überzeugung gelangt, dass bereits rund ein halbes Jahrtausend vor der Belagerung durch die Schweden eine Muttergottes-Figur in einer Nische der Stadtmauer von Lügde verehrt wurde. Nach der wundersamen Rettung durch die »Weiße Frau« nahm die Marienverehrung in Lügde noch zu. Mit großem Eifer dankte man Maria. Wie? Angeblich war es fromme Sitte, zu Ehren der »Heiligen Jungfrau« Kerzen anzuzünden. Die Lügder, als Lipper ansonsten nicht gerade für Verschwendungssucht bekannt, sollen allen Geiz vergessen und voller religiöser Inbrunst zahllose Kerzen in unmittelbarer Nähe der Statue abgebrannt haben. Über die Jahrhunderte sei die »Muttergottes« schwarz geworden. Kleine Kinder sollen sich gar vor der verehrten Statue gefürchtet haben. Also wurde beschlossen, die alte, schwarze Statuette gegen eine neue, ansehnlichere auszutauschen. Das soll Ende des 19. Oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschehen sein.

Die neue Statuette von Jesu Mutter sollte an die Stelle der alten treten. Die alte sollte verschwinden. Ausgediente Heiligenfiguren wurden auf besondere Weise »entsorgt«. So wurde die schwarze Madonna von Lügde einem »Heiligenfeuer« anvertraut….(7) »Doch die Muttergottes verbrannte nicht, sondern strahlte ein viel helleres Licht als das des Feuers aus. Da nahmen sie die Kinder wieder an sich und brachten sie zum Vater. Dieser war zornig und schimpfte die Kinder aus, daß sie das alte Ding nun doch wieder mitgebracht hätten. In seinem Zorn packte er sich die Figur und lief damit zur nahen ›Kleinen Emmer‹, in die er sie hineinwarf. Wenn er nun aber gedacht hatte die Lösung des Problems gefunden zu haben, so hatte er sich geirrt, denn die Muttergottes bewegte sich nicht von der Stelle, ja ging auch nicht unter. Da ergriff ihn ein Gefühl tiefer Ehrfurcht und er fischte die Muttergottesstatue wieder aus der ›Kleinen Emmer‹. Zuhause angekommen reinigte er sie gründlich und räumte ihr einen besonderen Ehrenplatz in der sogenannten Wohnstube ein. Nach vielen Jahren hörte Pfarrer Vogel (1922-40) davon und er bekam die Muttergottesstatue für die Kirche, wo sie noch heute steht.«

Wundersame Statue, Marienkirche, Lügde

Drei Marienwunder werden seit alten Zeiten in Lügde überliefert: Maria verteidigt die Stadt Lügde im Dreißigjährigen Krieg gegen eine überwältigende Überlegenheit der schwedischen Belagerer, die Lügder Muttergottesstatue übersteht auf wundersame Weise die Flammen eines Heiligenfeuers und auf nicht minder wundersame Weise versinkt sie nicht in den Fluten der »Kleinen Emmer«.

Wir finden die wundersame Statue der Muttergottes heute am rechten Pfeiler gegenüber der Kanzel in der Lügder Marienkirche. Es fällt auf, dass sie ein großes Zepter in der rechten Hand hält, von Aussehen und Größe mit dem von Karl dem Großen. Das »Jesuskind« scheint – bei genauerem Hinsehen – gar nicht von der Mutter gehalten zu werden. Es ist, als ob der Miniaturerwachsene mit ernster Miene vor der linken Seite seiner Mutter schwebt. Der Erwachsene in Kindergröße hat auch keine babytypische Haltung. Seine Beine sind angewinkelt, so als ob er auf einem Thron sitzt. In seiner Hand hält er die Weltkugel, als Zeichen dafür, dass Jesus Christus nach christlichem Glauben Herr der Welt ist. Seine rechte Hand ist zum Segensgruß erhoben.

Das »Jesuskind« von Lügde
Übrigens: So wie in Lügde sorgte im gleichen Jahre – anno 1632 – ein Marienbild in Mengen nach altem Volksglauben, dass schwedische Truppen trotz militärischer Überlegenheit auf den siegreichen Angriff verzichteten und abzogen. Derlei sagenhafte Überlieferungen sind, speziell bei älteren Menschen, auch heute noch fest im Volksglauben verankert. Ich sprach im Laufe der letzten fünfunddreißig Jahre wiederholt mit alten Einwohnern Lügdes, die fest an die Wunder »ihrer« Maria glauben. Für diese Katholiken ist der Glaube an Maria Gewissheit und gibt ihnen Sicherheit und. Sie fühlen sich beschützt, so wie wahrscheinlich schon vor Jahrzehntausenden Menschen, deren Muttergöttinen nur einen anderen Namen trugen. Maria, die Muttergottes, übernimmt mehr und mehr die Rolle der schon vor Jahrtausenden im Zentrum des Glaubens stehende Muttergöttin.

Der vermeintlich aufgeklärte Mensch mag zu Beginn des 21. Jahrhunderts altehrwürdige Überlieferungen wie jene von den Marienwundern von Lügde als »Aberglauben« belächeln und ablehnen. In einer aufgeklärten Zeit sollte aber in religiösen Fragen Toleranz herrschen. Jeder sollte den Glauben seines Nachbarn tolerieren und achten. Und niemand sollte versuchen, seinem Nachbarn den eigenen Glauben aufzudrängen, schon gar nicht mit Gewalt. Wer meint, mit Gewalt seinen Glauben durchsetzen oder auch nur »schützen« zu müssen, der beweist nicht die Richtigkeit seines Glaubens. Vielmehr verdeutlicht so ein Mensch nur, wie schwach in Wirklichkeit sein eigener Glaube ist.

Fußnoten

Blick in die Marienkirche
(1) Willeke, Manfred: »Lügder Sagen-Sammlung/ Sagen und sagenhafte Geschichten aus der Stadt Lügde«, Lügde 1988, S. 103, Orthographie blieb unverändert
(2) ebenda, S. 102, das Zitat wurde wortwörtlich übernommen, blieb – Orthographie – unverändert!
(3) Geboren wurde ich 1954 im oberfränkischen Michelau. Anno 1979 zog es mich nach Lügde ins Exil, der Liebe wegen … zu meiner Frau!
(4) Und zwar in den Jahren 1621 folgende, 1632 folgende und 1638 folgende!
(5) Willeke, Manfred: »Lügder Sagen-Sammlung/ Sagen und sagenhafte Geschichten aus der Stadt Lügde«, Lügde 1988, S. 26, Orthographie blieb unverändert
(6) Horstmann, Heinrich von: »Lügde, Stadt der Osterfeuerräder - Entstehung, Werden und Sein einer alten westfälischen Stadt«,  Bad Pyrmont 1970, S. 17 und 18
(7) Willeke, Manfred: »Lügder Sagen-Sammlung/ Sagen und sagenhafte Geschichten aus der Stadt Lügde«, Lügde 1988, S. 28, Orthographie blieb unverändert

Literaturempfehlungen

(8) Linsbauer, Helga Marie: »Marienlegenden/ Zeugnisse der Marienverehrung aus vielen Jahrhunderten«/ Titel innen: »Marienlegenden/ Erzählungen von den Wundertaten der Gottesmutter aus 13 Jahrhunderten«, Augsburg 1989


Jubiläumsschrift zum 100. Geburtstag von St. Marien
(9) Hierzenberger, Gottfried und Nedomansky, Otto: »Erscheinungen und
Botschaften der Gottesmutter Maria/ Vollständige Dokumentation durch zwei Jahrtausende«, Augsburg 1993

(10) Kurte, Andreas (Hrsg.): » St. Marien Lügde 1895 – 1995«, Lügde 1995

Zu den Fotos:

Jubiläumsschrift zum 100. Geburtstag von St. Marien (links): Archiv Walter-Jörg Langbein.

Alle übrigen Fotos: Walter-Jörg Langbein



280 »Die Lichterscheinungen von Lügde und anderswo«
Teil 280 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 31.05.2015







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Sonntag, 17. Mai 2015

278 »Karl der Große, Feuerräder und Gebetsuhren«

Teil 278 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Karl der Große, Kilianskirche Lügde
Im achten Jahrhundert entschied sich das Schicksal Europas. Würde das Christentum vom Islam abgelöst werden? Weite Gebiete um das Mittelmeer waren damals Bestandteil eines wachsenden vom Islam bestimmten Imperiums. War das »Imperium Romanum« von christlichen Herrschern »übernommen« worden, so war jetzt die arabische Macht auf militärische Eroberung bedacht. Missionierung erfolgte weniger mit der Kraft des Wortes, sondern mit der Gewalt des Schwertes. Missionierung hatte auch weniger rein religiöse Intentionen, diente vielmehr knallharter Machtpolitik.

Der Islam breitete sich damals mit Vehemenz aus. Wir könnten, müssten heute in einem muslimisch dominierten Europa leben, mit der Scharia als Gerichtsinstanz, wenn die Geschichte damals zufällig (?) anders verlaufen wäre. Doch 732 unterlagen Araber und Mauren dem fränkisch-christlichen Heer Karl Martells. Unter Karl Martells Sohn »Pippin« wuchs wieder der Einfluss des Christentums. Karl der Große setzte – wie seine Gegner aus der islamischen Welt – auf‘s Militär… und das mit Erfolg. Gefahr drohte aus Sicht Karls des Großen auch von den »heidnischen« Wikingern. 800 fand die feierliche Krönung Karls des Großen durch Papst Leo III. zum »Kaiser des römischen Reiches« statt.

Karl der Große war nicht nur ein geschickter Krieger, er soll auch hochgebildet gewesen sein. Angeblich sprach er, der Analphabet, fließend Latein. Karl, der kaum seinen eigenen Namen kritzeln konnte, lud zahlreiche Gelehrte an seinen Hof. Seine Bibliothek wuchs, Karl der Große selbst ließ sich gern aus den Büchern seiner kostbaren Sammlung vorlesen. Großen Wert legte er auf Bildung, die nicht mehr nur einer kleinen Elite vor allem in Rom vermittelt wurde. Der Analphabet förderte die Wissenschaften für das eigene Volk im riesigen Reich der Franken. Mathematik und Astronomie wurden gefördert.

Karl der Große, Dom zu Bremen
Ob er wirklich ein überzeugter Christ war, ist zumindest fraglich. Als Machtmensch setzte der Regent auf das Christentum als die Staatsreligion. In seinem Imperium sollte es nur eine konkurrenzlose Religion geben. Konkurrenz – etwa das Heidentum – wurde bekämpft. Ein Volk mit einer Staatsreligion ließ sich leichter regieren als ein Reich mit konkurrierenden Glaubensrichtungen. 782, davon ging die Wissenschaft lange aus, ließ Karl der Große in Verden an der Aller das ominöse »Blutgericht« anrichten. 4500 Sachsen, die sich weigerten, zum Christentum überzutreten, sollen auf Befehl Karls enthauptet worden sein. Ihr Blut habe die Aller rot gefärbt. Allerdings ist schon seit Jahrzehnten umstritten, ob es die Massenhinrichtung überhaupt gegeben hat.

Karl Bauer, Theologe und Kirchenhistoriker, veröffentlichte schon 1937 in Münster »Die Quellen für das sogenannte Blutbad von Verden«. Nach Bauer wurden die 4500 Sachsen gar nicht enthauptet, sondern umgesiedelt. Ein Abschreibfehler habe aus den »delocati« (»umgesiedelt«) »decollati« (»enthauptet«) gemacht. Die meisten Historiker folgen heute Karl Bauer und sehen Karl den Großen rehabilitiert. Ernst Schubert hält an der alten Lesart fest. In seinem »Lexikon des Mittelalters« (1) beharrt er auf der Richtigkeit der Schreibweise und geht weiter vom blutigen Gemetzel in Verden an der Aller aus. Andere Historiker wiederum wollen die Zahl der Enthaupteten reduziert wissen. Da ist von »wenigen Dutzend« bis zu »vier- oder fünfhundert Opfern« die Rede.

Anno 784, so steht es in den »Fränkischen Reichsannalen«, zelebrierte Karl der Große hier das Weihnachtsfest in der »Villa Liuhidi« unweit der von Heiden gegründeten Wallanlage der Skidrioburg (heute: »Herlingsburg«). Weshalb Karl der Große gerade das unbedeutende Städtchen Lügde für die christliche Feier wählte? Sollte es damals schon einen heidnischen Feuerzauber in Lügde gegeben haben? Heute strömen Jahr für Jahr Zigtausende zur Osterzeit nach Lügde, um am Ostersonntag zu nächtlicher Stunde zu erleben, wie sechs mit Stroh ausgestopfte Eichenholzräder brennend ins Tal rollen.

Feuerräder rollen ins Tal... Ostersonntag in Lügde

Auf der Internetseite der »Stadt der Feuerräder« Lügde lesen wir: »Wie alt dieses Brauchtum ist, lässt sich nicht exakt feststellen. Möglicherweise hat der ›Osterräderlauf‹ seinen Ursprung im heidnisch-germanischen ›Sonnenkult‹. Vor rund 2000 Jahren fühlten sich unsere Vorfahren vom Feuer angezogen. Das Feuer war ihnen geheimnisvoll. Das Feuerrad, als Sinnbild der Sonnenscheibe, weckte Erwartungen auf den kommenden Frühling. Die brennenden Räder symbolisieren das Licht. Das Licht, das über die Dunkelheit des scheidenden Winters triumphiert.

Geschichtlich kann der Räderlauf auch dem sogenannten ›Feuerkult« zugeordnet werden. Bereits Historiker des Altertums berichten über Feuerbräuche. Die Zahl der Feuerrituale war riesig. Alle Feuerrituale aufzuzählen und einzuordnen ist fast unmöglich. Der Lügder Osterräderlauf lässt sich möglicherweise auf das Ritual des Feuerrades zurückführen.«

Hat Karl der Große (links in einer mittelalterlichen Darstellung) versucht, den uralten Brauch des »Feuerräderlaufs« zu verbieten? Unbestreitbar ist die Existenz eines heidnischen »Feuerräderlaufs« schon vor mehr als eineinhalb Jahrtausenden im Raum Agen, Frankreich, wo einst heidnische Gallier einen uralten Brauch zelebrierten. Aus einem hoch gelegenen Tempel, so ist es in einer Lebensbeschreibung des Heiligen Vincent von Agen (4. Jahrhundert) überliefert, soll bei der Zeremonie ein »Flammenrad« aufgetaucht sein, das gen Tal rollte. 

Jenes Rad soll dann auf magische Weise wieder in den Tempel zurückgekehrt und dann erneut brennend ins Tal gesaust sein. Es ist zu vermuten, dass dem staunenden Volk damals nicht ein, sondern mehrere Feuerräder geboten wurden. Gab es damals – oder schon früher – einen ähnlichen Brauch auch in Lügde? Musste Karl der Große erkennen, dass der alte Kult zu stark im Volksglauben verwurzelt war? Ließ sich die Feuerräderfeier nicht verbieten und überlebte sie bis heute in »christlicher« Form?

Wann der »heidnische Brauch« der Osterräder erstmals verboten wurde, lässt sich nicht nachweisen. Erhalten ist ein Verbot aus dem Jahr 1743. Das Dokument befindet sich heute im Archiv des Paderborner Generalvikariats (Band XIVa, Blatt 255).

Wo genau Karl der Große anno 784 Weihnachten feierte, wir wissen es nicht. Die Kilianskirche jedenfalls gab es damals noch nicht in ihrer heutigen Form, wahrscheinlich aber einen höchst bescheidenen »Vorgängerbau« aus Holz. Erst um 1100 gab es einen steinernen Bau, wahrscheinlich als erweiterte Version eines karolingischen Saals. Um 1100 wurde ein steinerner Kirchturm angefügt, der um 1200 aufgestockt wurde. Der Kirchturm überstand die Jahrhunderte bis heute.

Die Kilianskirche zu Lügde

Der massive Steinbau der Kilians-Kirche hatte einen großen Nachteil! Er stand zu weit entfernt vom Stadtzentrum. So konnte die altehrwürdige Kirche auch nicht von der mächtigen Stadtmauer geschützt werden. Die Gottesdienstbesucher fühlten sich in der Kilianskirche auch alles andere als sicher vor militärischen Truppen und anderen Räuberbanden. Es musste eine »richtige« Stadtkirche her, im Zentrum der Stadt! Bis ins 13. Jahrhundert hinein war die Kilianskirche die Stadtkirche. Im 14. Jahrhundert wurde die Marien- oder Stadtkirche gebaut. Eine in den Stein gemeißelte Inschrift an der rechten Seite des Turmeingangs lässt vermuten, dass sie anno 1353 »gefertigt« oder »bereitet« wurde.

Am 13. September 1797 wütete ein großer Stadtbrand in Lügde. Fast die gesamte Stadt wurde ein Opfer der Katastrophe, fast alle Gebäude wurden ein Raub der Flammen oder unbewohnbar. Die Marienkirche wurde stark beschädigt. Der Kirchturm brannte im oberen Teil vollständig ab. Durch die Höllenglut schmolzen die Glocken. 1798 wurde das Gotteshaus notdürftig repariert. 

Anno 1845 bat der Kirchenvorstand , die alte Stadtkirche weitestgehend abreißen und eine neue Stadtkirche errichten lassen zu dürfen. Die Stadt aber war nicht dazu bereit, die Kosten zu tragen. Erst anno 1894 wurde die Marienkirche abgebrochen, bis auf den Turm. 1895 wurde der »Neubau« eingeweiht. Einschließlich der Aufstockung des altehrwürdigen Turms entstanden Kosten in Höhe von 164 288 Reichsmark.

Obere Gebetsuhr am Turm
Ich muss gestehen, dass mich die Marienkirche zu Lügde lange Zeit überhaupt nicht interessiert hat. Bis ich den Hinweis erhielt, zwei alte Sonnenuhren seien am Gotteshaus zu finden. Begonnen hat meine Recherche mit dem Hinweis auf zwei Sonnenuhren an der Marienkirche, eine im Pfarrgarten und eine im Lügder Heimatmuseum. Eine Anfrage beim Pfarramt blieb ohne Ergebnis. Ein sonst kundiger Heimatforscher wusste überhaupt nichts von Sonnenuhren in Lügde. Ein langjähriger Ex-Mitarbeiter der Kirche erklärte mir: 

Untere Gebetsuhr am Turm
»An der Marienkirche gibt es keine Sonnenuhren. Es handelt sich um Gebetsuhren! Eine dritte Gebetsuhr wurde nach dem Abriss der alten Kirche in den Pfarrgarten geschafft. Dort geriet sie in Vergessenheit. Als man das Heimatmuseum einrichtete, erinnerte man sich an die dritte Uhr und holte sie aus dem Pfarrgarten, brachte sie ins Museum.«

Die Gebetsuhren am Kirchturm der Lügder Marienkirche gehören zum erhaltenen Teil des Gotteshauses von 1353. Einen noch älteren Vorgängerbau hat es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gegeben. Beide Gebetsuhren zeigten einst den Gläubigen an, wann es wieder Zeit zum Beten war. Heute sind sie auch in Lügde kaum noch bekannt und fristen ein eher  trauriges Dasein. Beiden fehlt die Polstange, die einst den Schatten auf das steinerne Zifferblatt warf.

Im Pfarrgarten soll sich tatsächlich eine echte Sonnenuhr befunden haben, die ebenfalls vom alten Kirchengebäude stammte. Ich besuchte sie im kleinen Heimatmuseum. Wenige Schritte davon entfernt hängt eine weitere Sonnenuhr, über deren Herkunft nichts bekannt ist. Vage ist eine Jahreszahl zu erkennen, eingeritzt in den Stein: 1690. (Siehe Foto, gelbes Oval!) Man meint auch römische Ziffern ausmachen zu können. (Siehe Foto, blaue Pfeile!) Klar zu erkennen ist, wo einst der Polstab befestigt war.

Es ist schade, dass die Lügder Gebetsuhren – immerhin 662 Jahre alt – selbst in Lügde so gut wie unbekannt sind. Ein Hinweistäfelchen sollten sie der Stadt schon wert sein… oder der Kirche.

Muttergottesbild von Lügde
Noch älter als die Gebetsuhren ist ein Muttergottesbild. Laut Prof. Alois Fuchs, Paderborn, entstand es im 13. Oder 14. Jahrhundert, ist also 700 bis 800 Jahre alt (2). 

Dargestellt ist die Mutter Gottes als Himmelskönigin. Sie trägt eine goldene Krone auf dem Haupt. Ein großes Zepter – in ihrer rechten Hand –  verdeutlicht ihre Autorität. Auf ihrer linken Seite thront das »Jesus-Kind« in rotem Gewand. Der kleine Jesus hat aber nicht das Aussehen eines Babys, sondern eines Erwachsenen. Jesus hat die rechte Hand segnend erhoben. Seine Mine wirkt alles andere als kindlich.

Dieses Muttergottes-Bild soll einst ein Wunder bewirkt haben... in einem blutigen Krieg.

Fußnoten

(1) Schubert, Ernst: »Lexikon des Mittelalters«,
Artikel »Verden, Blutbad v.«, Band 8, Sp. 1500
und folg., München 1997

(2) Kurte, Andreas (Hrsg.): » St. Marien Lügde
1895 – 1995«, Lügde 1995, S. 30

Fotos:

Karl der Große in mittelalterlicher Darstellung: Archiv Walter-Jörg Langbein.
Alle übrigen Fotos: Walter-Jörg Langbein.

279 »Die Marienwunder von Lügde«
Teil 279 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 24.05.2015

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Sonntag, 4. Mai 2014

224 »Der Teufel, die Fratze und die Säule«

Teil 224 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein



Spiegelbild im See. Foto Walter-Jörg Langbein
Es sind insgesamt dreizehn mächtige, natürlich »gewachsene« Steinsäulen, die vor rund 70 Millionen Jahren durch unvorstellbare tektonische Kräfte aus der Horizontalen in die Senkrechte gepresst wurden. Die schon von Weitem zu erkennende spezielle Verwitterungsform ist für Granit typisch. Die Säulen der Externsteine aber sind aus Sandstein, was die Bearbeitung deutlich vereinfacht. Bis zu 50 Metern ragen die majestätischen Kolosse in den Himmel. Sie bilden so etwas wie eine Felsenburg oder Monstermauer mit Lücken.

Eine weitflächige Lichtung lädt zum Verweilen ein. Betrachtet man die Steine, so meint man da und dort Gesichter ausmachen zu können. Auf dem höchsten steinernen Riesenfinger scheint so etwas wie ein Haupt zu stehen. Mich erinnert das Gesicht an Elvis mit seiner berühmten Haartolle.

»Elvis« in Stein... Krieger oder Gott?
Foto Walter-Jörg Langbein
Daneben, auf dem nächsten Steinfinger, saß einst ein tonnenschwerer Monolith, »Wackelstein« genannt. Der Koloss drohte Jahrtausende in die Tiefe zu stürzen. Eindrucksvoll beschreibt Externsteine-Experte Walter Machalett (1): »Hoch auf der Spitze des Felsens 4, rund dreißig Meter über der Erde, liegt der Wackelstein. Es ist ein gewichtiger Felsblock, der besonders von der Brücke zur Gestirnbeobachtungskammer (Sacellum, der Verfasser) her einen nachhaltigen Eindruck auf den Besucher macht. Er liegt nämlich so sonderbar auf seiner Unterlage, daß er sie nur in zwei Punkten berührt. Kein Sturm, kein Orkan, keine Erderschütterung vermochten bisher, ihn zum Absturz zu bringen. So liegt er anscheinend seit urdenklichen Zeiten.«

Wurfgeschoss des Teufels... sagt die Sage.
Fotos Walter-Jörg Langbein
Als Wackelsteine bezeichnet man gewaltige Steinkolosse, die exakt ausbalanciert auf einer oder zwei Steinspitzen ruhen, dass sie – trotz ihres gewaltigen Gewichts – mit geringer Kraftaufwendung zum »Wackeln« gebracht werden können. Der Wackelstein der Externsteine indes wurde vor einigen Jahrzehnten abgesichert. Mächtige Eisenklammern wurden angebracht, die sein Herabstürzen verhindern sollten.  Zusätzlich wurde zwischen Wackelstein und Unterlage Beton gegossen, so dass die Bezeichnung »Wackelstein« nicht mehr zutrifft.

Der Wackelstein ist aber für die Geschichte der Externsteine von besonderer Bedeutung. Im Volksmund wird überliefert, wie er an seine exponierte Stelle kam. Der Teufel höchstselbst soll ihn mit tückischer Absicht geschleudert haben. Die greise Großmutter eines Geistlichen diktierte mir vor Jahren die fromme Sage: »Lange Zeiten war der Eggesterenstein (einer der älteren Namen der Externsteine) ein Ort, wo zum Teufel gebetet wurde. Die Jünger des Teufels bestiegen eine der hohen Steine und versammelten sich in einer finsteren Kammer. In der Dunkelheit frönten sie ihren heidnischen Riten, die jedem Christenmenschen ein Gräuel sein mussten.  Nur durch ein rundes Loch kam spärliches Licht herein! Manchmal beschien es die in den Stein gehauene Fratze Satans. Ihn verehrten die Heiden, verachteten aber Gottvater, Sohn und Heiligen Geist!«

Fratze des Teufels?
Foto Walter-Jörg Langbein

Offensichtlich ist das einst geschlossene Sacellum gemeint. In diesem »kleinen Heiligtum« sollen einst Sonne, Mond und Planeten beobachtet worden sein, um einen präzisen Kalender zu erstellen. Das kleine, primitive »Observatorium« war ursprünglich ein geschlossener Raum, durch den so gut wie kein Licht fiel. Zu bestimmten Terminen –  Sommersonnenwende und Mitwintervollmond – sollen die Sonnenstrahlen durch das kleine Rundfensterchen gefallen sein und ein steinernes Gesicht aus der Dunkelheit gerissen haben. Bis heute ist ungeklärt, wer da im Stein verewigt wurde. Ein heidnischer Gott der Steine vielleicht? Wurde dieses mysteriöse Schauspiel von Gläubigen staunend beobachtet? Oder waren nur Priester zugelassen?

Lassen wir die alte Dame wieder zu Wort kommen: »Ein frommer Mönch hatte es sich zur Aufgabe gemacht, dem Teufelsspuk ein Ende zu bereiten. So machte er sich eines Morgens auf, um im finsteren Teufelsloch Worte der Weihe zu sprechen und eine heilige Messe zu sprechen. So sollte die Macht Satans gebrochen werden. So sollte Satan aus unserer Mitte vertrieben werden. So sollte der Ort teuflischer Anbetung zu einem Ort frommer christlicher Andacht werden.


Als nun der fromme Mönch sich anschickte, die Stufen zum Raum der Finsternis zu ersteigen, da trat der Satan aus dem Gestrüpp. Er streckte seine glühende Zunge aus dem Maul. Seine spitzen Hörner schickten feurige Flammen aus. Der Mönch aber ließ sich nicht beirren. Das ergrimmte den Satan sehr. Er packte voller Wut einen riesigen Stein, und  warf ihn. Er wollte den frommen Einsiedler treffen, sein hinterhältiger Plan ging aber nicht auf. Der Stein stieg hoch, traf das gotteslästerliche Heiligtum Satans. Höher stieg der Stein empor, um wieder herabzustürzen. Er schlug auf einer der steinernen Säulen auf und blieb auf zwei Steinspitzen liegen. Weil nach wie vor teuflische Kraft in ihm steckt, blieb er dort bis auf den heutigen Tag liegen!«

Satan? Foto Walter-Jörg Langbein

Die Sage geht davon aus, dass die Externsteine ursprünglich ein heidnisches Heiligtum waren, bevor christliche Mönche einzogen. Vermutlich wurde im 14. Jahrhundert die erste Messe im Sacellum abgehalten. Nach der Reformation dürfte das Sacellum aber nicht mehr als Kapelle genutzt worden sein.

Die Sage erklärt zudem den Sachverhalt, dass das Sacellum weitestgehend zerstört wurde. Nach der frommen Überlieferung wollte Satan einen glaubensfesten Priester töten, er verwüstete aber sein eigenes »Heiligtum«. Die weitestgehende Zerstörung des einstigen »Sacellum«, dem kleinen Heiligtum mit dem kreisrunden Fensterchen ist Fakt. Vermutlich war es aber Karl der Große, der im späten 8. Jahrhundert nach Christus das heidnische Heiligtum der Externsteine zerstören ließ. Der Teufel wird wohl nicht Hand angelegt haben. Allerdings trat Karl der Große gerade im Kampf gegen »Heiden« mit blutiger Grausamkeit auf, die aus heutiger Sicht durchaus das Prädikat »teuflisch« verdient!

Inzwischen habe ich über viele Jahre hinweg recherchiert. Ich habe in historischen Quellen nach der Sage gesucht, die mir die alte Dame bei den Externsteinen erzählte. Und ich wurde fündig (2). Karl Theodor Menke. Da lesen wir, dass bis zum Einschreiten des mutigen Mönches »sein Wesen getrieben hatte«. Weiter: »Lang hatte Satanas die glühende Zunge ausgestreckt; aus den Augen schoß er kurze Blitze und auf den Spitzen seiner Hörner sprühte er Feuerflammen.« Auch bei Karl Theodor Menke findet sich der Wurf des gewaltigen Steins, der den frommen Gottesmann verfehlt und schließlich als »Wackelstein« endet.

Bei Menke wird in der alten Sage noch das Ende des Teufels von den Externsteinen vermeldet. Nachdem der christliche Mönch dem Unhold eine tüchtige Weihwasserdusche verabreicht hatte, taumelte der geschwächt zu einer hohlen Eiche. Mit letzter Kraft versteckte er sich im Baum. Der göttlichen Strafe aber konnte er nicht entgehen! Ein Blitz fuhr vom Himmel herab, traf die Eiche und vertilgte sie ganz und gar.

»Magie der Externsteine«...
Foto W-J.Langbein

Sollten die Externsteine also doch ursprünglich ein heidnischer Kultort gewesen sein, bevor die Mönche vom Kloster Corvey kamen? Sollte die heidnische »Verwendung« des Kultortes auch nach der Verwüstung durch Karl den Großen angehalten haben? Das »Kreuzabnahmerelief« enthält jedenfalls einen Hinweis, der meiner Überzeugung nach den Sieg des christlichen über den heidnischen Kult darstellen soll!

Im »Kreuzabnahmerelief« sehen wir Nikodemus. Er steht erhöht, sein Helm ist ihm in den Nacken gerutscht. Mit dem rechten Arm hält er sich  am Kreuz fest. Sein linker Arm ist abgebrochen. Vermutlich reicht er den Leichnam des toten Jesus nach unten. Joseph von Arimathäa, mit seltsam abgewinkeltem Oberkörper, nimmt den Toten entgegen und schultert ihn. Worauf aber steht Nikodemus? Was wie ein merkwürdiger Stuhl oder Sessel aussieht, ist in Wirklichkeit eine umgeknickte Irminsul-Säule! Die Irminsul-Säule war der Lebensbaum der »Heiden«. Und die Irmisul steht nicht stolz und aufrecht, sondern sie ist rechtwinklig abgeknickt und dient Nikodemus demütig als Schemel.

Einer der Externsteine
Foto: Walter-Jörg Langbein


 Klaus Zetzsche, langjähriger Erforscher der Externsteine, schreibt (3): »Das karolingische Apostelbild (Kreuzabnahmerelief, der Verfasser)  sollte gleichzeitig zum Ausdruck bringen, dass das siegreiche Christentum nun über das zerbrochene germanische Heidentum von jetzt an ohne Kommentar anzuerkennen sei! Denn das Symbol der Irminsul bedeutete in der Welt der Germanen immer ein aufrechtstehendes, signifikantes Kult- und Heilsemblem. Mit dieser ›geknickten Darstellung‹ sollte den Germanen immer die Überwindung ihrer höchsten Kultstätte (Externsteine) durch den neuen christlichen Glaubenssieg vor Augen gehalten werden.«

Man kann darüber streiten, ob es überhaupt »die« Germanen überhaupt als eine geschlossene Gemeinschaft gegeben hat. Womöglich gab es »die« Germanen als ein Volk gar nicht, sondern nur eine Vielzahl von Stämmen.

Fakt ist: Die Irminsul war ein frühmittelalterliches Heiligtum der Sachsen, bevor sie von Karl dem Großen mit brachialer Gewalt und Gemetzel zum Christentum »bekehrt« wurden. (»Blutgericht von Verden an der Aller«. 782 ließ Karl der Große angeblich 4500 Sachsen ermorden, die sich nicht taufen lassen wollten!)

Fakt ist, dass Karl der Große anno 772 die Irminsul zerstören ließ. Unklar bleibt, wo sich diese Irminsul (zu Deutsch »Große Säule«) stand. Ein heißer Kandidat als Irminsul-Heiligtum sind die Externsteine.

Links im Bild: Die Irminsul.  wiki commons
Foto Marianne Klemment-Speckner
Rechts im Bild:
Die geknickte Irminsul im Relief der Externsteine.
Foto Walter-Jörg Langbein

Fakt ist: Das kleine Heiligtum mit dem runden Fenster wurde weitestgehend zerstört. Vermutlich gab Karl der Große den Auftrag. Ließ er ein altes heidnisches Relief umarbeiten? Wurde aus einer Darstellung der Verehrung der Irminsul die Kreuzabnahme Jesu? Wurde die Aussage des ursprünglichen Reliefs ins Gegenteil verkehrt, von der Verehrung der Irminsul zum Sieg des Christentums über die »Irminsul-Gläubigen«?

Übrigens: Der »Lebensbaum« Irminsul-Säule hat das Heidentum überlebt. Die christliche Kirche hat ihn in abgewandelter Form übernommen. So finden sich an der Decke der Kilianskirche zu Lügde, deren Ursprung auf Karl den Großen zurückgehen soll, Lebensbäume.

Lebensbäume an der Decke der
Kilianskirche. Foto W-J.Langbein
Fußnoten

1) Machalett, Walther: »Externsteine«, Maschen, 1970, S. 132

2) Menke, Karl Theodor: »Lage, Ursprung, Namen, Beschreibung, Alterthum, Mythus und Geschichte der Externsteine«, Münster 1824, Seiten 106-108

3) Zetzsche, Klaus: »Das sagen uns die Externsteine«, Köln-Seeberg 1983/84/85, S. 77

»Der Drachen und der Heilige«,
Teil 225 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 11.05.2014


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Sonntag, 18. September 2011

87 »Maria im Dornenbusch«

Teil 87 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Biblische Geschichten
als Comicstrip
Foto: W-J.Langbein
Die Freskenmalereien im Gotteshaus von Urschalling sind so etwas wie eine Bibel für Analphabeten. Farbenprächtige Bilder zeigen wichtige Episoden aus dem Alten wie dem Neuen Testament. Comicstripartig wird so die Geschichte Jesu erzählt ... ohne Worte, ohne Schrift. Eine von wenigen Ausnahmen findet sich hoch oben im Gewölbe. Sie gehören zu einem zweiten Zyklus, der um 1390 entstand. Wir sehen einen altehrwürdigen Greis. In der Linken hält er ein Buch, mit der Rechten deutet er auf Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. In lateinischer Sprache erklärt ein kurzes Schriftband, wer der alte Mann sein soll: Moses.

Im überaus hilfreichen Kirchenführer »Urschalling« erfahren wir, was Bild und Schriftband (2) zu bedeuten haben: »Moses, in der Linken das Buch (= Wort Gottes) haltend, mit der Rechten hinweisend auf die Offenbarung und Erscheinung Jahwes, die ihm am Gottesberg Horeb zuteil wurde.«

Was immer weniger Menschen des christlichen Abendlandes wissen ... emsige Bibellesern meinen es zu kennen. Aber wissen alle, die meinen, die Geschichte vom Dornbusch zu kennen, wirklich was in der Bibel steht? Nach christlicher Lehre erschien Gott höchstpersönlich im brennenden Dornbusch und gibt Moses
einen Auftrag. Er soll die »Kinder Israel« aus der ägyptischen Gefangenschaft führen. Lesen wir den Text in der Bibel, erfahren wir: Zunächst offenbarte sich nicht Gott im Dornbusch (3):

Ehrwürdiger Greis mit
Buch - Foto: W-J.Langbein
»Moses aber hütete die Schafe seines Schwiegervaters und trieb die Schafe über die Steppe hinaus, und kam an den Berg Gottes, den Horeb. Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.« Der »Engel« wird im biblischen Text (4) plötzlich zu Gott. Erklärt wird dieser kuriose Vorgang nicht. Sollten zwei unterschiedliche Geschichte – in der einen taucht der Engel, in der anderen Gott selbst im brennenden Busch auf – vermischt worden sein?

Moses jedenfalls wundert sich sehr (5): »Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht brennt.« Es ist symptomatisch für den vermeintlich aufgeklärten Menschen: Wundersames passt nicht in sein Weltbild, eine »natürliche« Erklärung muss her. Im Fall »brennender Dornbusch« wurde die rasch gefunden: Bei dem Busch müsse es sich um eine Abart des »Dictammus Albus« gehandelt haben. Diese Pflanze gedeiht besonders gut in heißen Wüstengegenden. Sie hat an ihren Blättern kleine Drüsen, die eine ölartige Flüssigkeit absondern. Und die entzündet sich an besonders heißen Tagen leicht selbst. So entsteht der falsche Eindruck, dass der Busch brenne. Sobald die brennbare Flüssigkeit von den Flammen verzehrt ist ... erlöscht das Feuer von selbst.

Mir leuchtet diese »Erklärung« nicht ein: Moses war ein Kind der Wüste und kannte zweifelsohne das kuriose Phänomen. Er hat es wohl kaum mit einer göttlichen Erscheinung verwechselt. Was auch immer Moses gesehen haben mag ... Was auch immer aus dem Busch gesprochen haben mag ... in Urschalling ist es Maria mit dem Jesuskind, die in den allenfalls symbolisch angedeuteten Flammen steht.

Maria mit dem Jesuskind
im Dornbusch
Foto: W-J.Langbein
Die Freskenmalerei von Urschalling versucht erst gar nicht, die widersprüchliche Bibelgeschichte in Bilder umzusetzen. Es geht nicht um die Frage, wer denn nun den Moses ansprach ... ob Engel oder Gott. Es ging dem unbekannten Maler vielmehr um eine theologische Aussage, die man vergeblich in der Bibel sucht. Maria und das Jesuskind werden im Bild an die Stelle Gottes gesetzt. Wichtig ist: Es ist nicht Jesus allein, der die Position Gottes im brennenden Dornbusch einnimmt. Dann könnte man so interpretieren: Der unbekannte Maler wollte auf diese Weise die Göttlichkeit Jesu darstellen.

Wird also im Gemälde nicht nur das Jesuskind, sondern auch seine Mutter vergöttlicht? Unbestreitbar ist, dass Maria – über die wir aus der Bibel so gut wie nichts Konkretes erfahren – immer mehr zur himmlischen Lichtgestalt erhoben wird. Drei Dogmen belegen diese grandiose Entwicklung. 1854 wurde das Dogma verkündet, dass Maria unbefleckt empfangen wurde. 1950 wurde es zum Dogma der katholischen Kirche, dass Maria leibhaftig in den Himmel aufgefahren ist. Und 1954 wurde Maria per Dogma zur Himmelskönigin erklärt. Papst Paul verkündete am 21. November 1964, Maria sei die »Mutter der Kirche«, die »Mater ecclesia«.

Himmelskönigin Maria mit dem Jesuskind
Foto: W-J.Langbein
Noch wird die Frage nur diskutiert: Ist Maria als Himmelskönigin und Mutter des Erlösers nicht selbst die »Miterlöserin«? Alles spricht meines Erachtens nach dafür, dass Maria im »Himmel« bald neben Jesus steht. Jesu Geschichte ist stark von uralter Mythologie geprägt. Er ist der »Sonnengott« von einst, dessen Geburt, Verfolgung, Tod und Auferstehung in den Texten des Neuen Testaments verchristlicht werden ...

Die ältesten »Mariendarstellungen« entstanden lange vor dem christlichen Zeitalter in Ägypten! Sie zeigen die Himmelskönigin, die Gottesmutter, die göttliche Isis und ihren Sohn Horus! Als Himmelskönigin – gekrönt und von Sternen umgeben – wird Maria auch in der Kilianskirche von Lügde gezeigt. Nach Jahrzehnten des Studiums alter Glaubensformen und Kulte komme ich zu der Überzeugung, dass die Verehrung der himmlischen Gottesmutter nach und nach wieder an Bedeutung gewinnt. In den Anfängen des Christentums wurde die »heidnische Göttin« verdrängt ... seit vielen Jahrzehnten kehrt sie wieder zurück ... in den Katholizismus.

Himmelskönigin Maria
Foto: W-J.Langbein
Auf meinen Reisen durch Südamerika und die Südsee konnte ich feststellen, wie sehr sich offizieller Katholizismus und katholischer Glauben vor Ort unterscheiden. Die Verehrung der alten Göttinnen – etwa Pachamama – gibt es heute noch. Sie wird von der »niederen« Geistlichkeit vor Ort geduldet, ja akzeptiert. In Rom allerdings verschließt man offensichtlich die Augen vor dieser Entwicklung. Es scheint so zu sein: Gern wurden und werden die Nachkommen der einst so stolzen, verfolgten und gepeinigten Inkas als »katholische Schäflein« in den Schoß der Mutter Kirche aufgenommen. Sie werden mit Stolz als »Christen« in die Statistiken der Religionen aufgenommen. So bleibt das Christentum nach wie vor die größte Religion auf Erden. Dabei sind viele der Christen Südamerikas Verehrer von Muttergöttinnen wie Pachamama, nach christlicher Definition also Heiden! Die »niedere Geistlichkeit« vor Ort ist da pragmatisch.

So manches Gotteshaus habe ich im Verlauf von mehr als drei Jahrzehnten auf meinen Forschungsreisen besucht. Immer wieder erkannte ich, dass sich die christliche Himmelskönigin nicht von heidnischen Himmelsregentinnen unterscheidet. Der göttliche Himmelskönigin begegnete ich in katholischen Gotteshäusern weltweit: von Urschalling am Chiemsee bis nach Mexiko City.

Die Himmelskönigin
von Guadalupe
Foto: W-J.Langbein
Im Protestantismus indes hat man von der Reformation im 16. Jahrhundert an unzählige Kostbarkeiten generalstabsmäßig vernichtet. Heiligenfiguren wurden aus den Gotteshäusern verbannt, uralte Gemälde in Gotteshäusern brutal übertüncht. Mir ist ein Fall aus unseren Tagen bekannt. Da wollte ein evangelischer Pfarrer herrliche religiöse Bildnisse aus »katholischen« Zeiten in »seinem« Gotteshaus schwarz übermalen lassen. Dieser Akt theologisch begründeter Barbarei konnte zum Glück noch rechtzeitig verhindert werden ...

Die Göttin wurde vom Christentum vertrieben. Auf die Verehrung von »Mutter Erde« folgte der Versuch ihrer Unterwerfung. Auf die altehrwürdige Religion folgte »Religion« Wissenschaft, die uns die Herrschaft über die Natur versprach. Es folgte die Ausbeutung der Ressourcen und die Verwüstung unserer Umwelt.

Es ist »5 vor 12«! Aber: Die Göttin ist längst wieder in »christlichem« Gewand zurückgekehrt. In christlichen Kirchen wird längst wieder – ohne dass das den Gläubigen bewusst wird – zur »heidnischen Göttin« gebetet ... zu Maria, die einst eine »Drachengöttin« war. Offensichtlich ist die Sehnsucht nach der Göttin zu stark im menschlichen Bewusstsein verwurzelt als dass wir sie vergessen könnten. Die Göttin lässt sich nicht verbieten ...
.

Moses deutet auf die Himmelskönigin
von Urschalling - Foto: W-J.Langbein
In unserer patriarchalischen Gesellschaft unter männlicher Dominanz wird endlich der Wunsch nach einer Welt im Einklang mit der Natur wieder stärker. Das männliche »Macht euch die Erde untertan!« hat uns sehr nah, zu nah, an die Apokalypse gebracht. Es geht nicht um Frömmelei und theologische Spitzfindigkeiten. Es geht um den Fortbestand des Lebens auf unserem Planeten. Wird es uns gelingen, wieder mit der Natur zu leben?

Fußnoten
1 Brugger, Walter und Bahnmüller, Lisa: »Urschalling«, Raubling, 3. Auflage 2003, S. 10
2 »rubum quam viderit Moyse«
3 Zweites Buch Mose Kapitel 3, Verse 1und 2
4 eben da, Vers 4
5 eben da, Vers 3

»Auf der Suche nach verschollenen Pyramiden«,
Teil 88 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 25.09.2011


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Sonntag, 4. September 2011

85 »Der Lebensbaum in der Wüste«

Teil 85 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Auf der Osterinsel erlebte ich mehrere Male, wie sich ein dramatisch grollender Himmel und eine sattgrüne Erde zu berühren schienen. Die Natur bot so eine geradezu ideale Naturbühne für ein mysteriöses Schauspiel ... für eine Voodoozeremonie. »Houngan-Man« leitete die Zeremonie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

Himmel und Erde
Foto: Walter-Jörg Langbein
»Houngan-Man« erklärte mir die Geheimnisse der Osterinsel, die mir das Eiland in ganz anderem Licht erscheinen ließen. Ob seine Version die richtige ist? Ich weiß es nicht. Die Statuen der Osterinsel, so bedeutete er mir, stecken nicht zufällig zu einem großen Teil in der Erde und ragen mit steinernem Haupt in den Himmel empor. »Die Vulkane der Osterinsel verbinden Erde und Himmel. In der Spitze geht der feuerspeiende Berg in den Himmel über.« Die Statuen – aus Vulkangestein – »verbinden ebenfalls Erde und Himmel«.

Dankbar denke ich an aufschlussreiche Gespräche mit dem »Magier« zurück. Immer wieder greife ich auf meine handschriftlichen Notizen, die ich von der Osterinsel mitgebracht habe, zurück. Dann kommt es mir vor, als wäre ich eben erst auf der Osterinsel gewesen ...Wenn dem Menschen die Natur fremd wird, wenn der Mensch meint, die Natur beherrschen zu können ... so der »Houngan-Man«, gehe die Einheit von Erde und Himmel verloren. »Die steinernen Statuen waren der Versuch, Himmel und Erde wieder miteinander zu verbinden ... so wie der Turm zu Babel!«

Ich werfe ein: »Aber hat nicht Gott diesen Turm zerstört?« So stehe es in der Bibel, antwortet der Magier. »Aber die Bibel wurde von Männern des Patriarchats geschrieben! Männliches Machtstreben wollte die Natur unterwerfen und hat den Menschen von der Natur entfremdet. Die Zerstörung des Tempels bedeute Zerstörung der einst heilen, heiligen Natur.

Verbindung von
Erde und Himmel
Foto:
W-J.Langbein
Kurzzeitig gerät der »Houngan-Man« in Rage. »Wer meint, die Natur ausbeuten zu können ... der stört den Kreislauf zwischen Erde und Himmel ... zwischen dem Meer auf Erden und dem Meer des Himmels! Wer dieses Gleichgewicht stört, kann kurzfristig zu Macht und Reichtum kommen ... Langfristig stellt die Natur aber das alte Gleichgewicht wieder her ... auch wenn sie den Menschen wie einen Parasiten auslöschen muss!«

Das alte Wissen von den Kräften von Mutter Erde verbietet eine Ausbeutung der Natur ... so der »Houngan-Man«. »Im Patriarchat wird dieses Wissen den Menschen vorenthalten!« In der Bibel werde dieses Wissen als »göttlich« bezeichnet und den Menschen vorenthalten. Die Schlange stehe für die Göttin des Matriarchats, die den Menschen das Wissen um die Geheimnisse der Natur zugänglich machen will ... was der Gott des Patriarchats verbiete. Im »Alten Testament« heißt es (1): »Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.«

Mir kamen die Interpretationen biblischer Texte damals – im Oktober 1992 – reichlich skurril vor, wie ich zugeben muss. Das gab ich auch dem »Magier« zu verstehen. Der »Houngan-Man« nickte nur väterlich-milde. »Du wirst noch Jahrzehnte brauchen, um zu verstehen ...« Bei unserer letzten Begegnung gab er mir so etwas wie eine Prophezeiung mit auf den Weg.

»Das Geheimnis der ewigen Natur ist der Lebensbaum. Du wirst ihm dreimal begegnen ... und erst dann wirst du wirklich verstehen ...« Ich muss zugeben: fast 20 Jahre sind seit der letzten Begegnung mit dem »Houngan-Man« verstrichen ... und ich verstehe das große Geheimnis immer noch nicht. Mir ist allerdings der »Lebensbaum« erst zwei Mal begegnet ...

Der Lebensbaum in der Wüste
Foto W-J.Langbein
Jahre nach meiner so besonders interessanten Visite auf der Osterinsel war ich mit einer kleinen Gruppe von Leserinnen und Lesern in einem Motorboot unterwegs. Wir fuhren an der peruanischen Küste entlang, unterwegs zum mysteriösen »Dreizack von Pisco«, der auch als »Kandelaber« bezeichnet wird.

Ich erinnere mich: Von Pisco waren wir mit einem Minibus zum Hafen von Paracas gefahren. Von dort aus setzten wir unsere Reise im röhrenden Motorboot fort. In scheinbar rasender Fahrt über mächtige Wellen, die wie mit Riesenfäusten gegen den Rumpf unseres Bootes pochten, passierten wir »Puerto San Martin«. Wir umrundeten eine kleine Insel. Und plötzlich sahen wir etwas, das uns wie ein magisches Zeichen vorkam: den »Kandelaber« von Pisco. Er sieht so aus, als habe ein Riese dieses große Bildnis in den trockenen Wüstenboden gekratzt.

Unterschiedlichste Erklärungen sind in der Literatur zu finden, unterschiedlichste Interpretationen wurden und werden immer wieder vorgetragen ... so wie auch die absurdesten Größenangaben im Internet kursieren.

Was aber soll das Riesenbild – 180 Meter misst seine Höhe, 70 Meter seine Breite – darstellen? Wenn ich mich daran erinnere, wie wir in unserem Boot auf die riesige Erdzeichnung am sanft ansteigenden Hang zufuhren... drängt sich mir (m)eine Interpretation auf: Der »Kandelaber« scheint Meer und Himmel, Erde und Himmel miteinander zu verbinden. Bei Miloslav Stingl lese ich (2): »Andere erblicken darin (im Kandelaber) keinen Kaktus, sondern jenen sagenhaften ›Baum des Lebens‹«. Ich glaube: mir ist in der Bucht von Pisco der vom »Houngan-Man« prophezeite »Lebensbaum« begegnet ... ein riesiger Lebensbaum ... in der Wüste.

Deckengemälde in der Kilianskirche
Foto: W-J.Langbein
Ostern 2011 besuchte ich wieder einmal die Kilianskirche zu Lügde. Nachdem sie monatelang geschlossen und renoviert worden war, durfte sie nun wieder besucht werden. Die Kilianskirche gehört zu den ältesten Gotteshäusern Deutschlands. Ihre Anfänge reichen weit ins erste nachchristliche Jahrtausend zurück. Schon 784 soll Karl der Große im Vorgängerbau der Kilianskirche Weihnachten gefeiert haben. Ostern 2011 betrat ich nach langer Zeit wieder einmal die Kilianskirche ... und nahm so manches Foto auf ... auch von der Decke des Gotteshauses.

Dabei ärgerte ich mich über eine von der Decke hängende, für mein Empfinden hässliche und sehr störende Lampe. Wie ich auch das Teleobjektiv gen Decke richtete ... immer kamen der Lampenschirm nebst Glühbirne und die Aufhängung der Lampe ins Bild. Hätte man die zweifelsohne wichtige Beleuchtung nicht an anderer Stelle anbringen können?

Wieder zuhause studierte ich den kleinen, sehr empfehlenswerten Kirchenführer »Die Kilianskirche in Lügde« (3). Und da lese ich (4): »Die Kirche wurde im Stile der im Weserraum und auch am Hellweg üblichen Dekorationsmalereien ausgeschmückt. Die Kreuzgewölbe wurden durch ochsenblutrote, leider fast nicht mehr vorhandene, spiegelbildliche Gratbänder gegliedert und mit Lebensbäumen versehen. Im südlichen Mittelschiff ist noch Eva mit Schlange in der ursprünglichen Malerei erhalten.«

Eva mit Lebensbaum
und Schlange
Foto: W-J.Langbein
Die Eva war mir beim Fotografieren ... wegen meines kleinlichen Ärgers ob der Lampe ... nicht aufgefallen. Beim genauen Betrachten meiner Aufnahmen habe ich sie dann entdeckt: die biblische Eva ... am »Lebensbaum« mit Schlange! Mit kundiger Hand hat eine liebe Kollegin die störende Leitung zur Lampe aus dem Bild entfernt. (5)

Da steht sie dann ... »Eva mit Schlange«, gemalt im 12. Jahrhundert ... also zwischen 800 und 900 Jahre alt! Und die Schlange ringelt sich am »Lebensbaum« empor. »Houngan-Man« würde das Bild so deuten: Die Göttin Schlange bietet Eva das Wissen des Lebensbaums an ... das Geheimnis von Leben und Tod. Der Mensch ist nicht Herr der Natur. Die Göttin befiehlt NICHT, der Mensch solle sich die Erde untertan machen. Die Göttin fordert Ehre und Achtung für »Mutter Erde« ... nicht ihre Ausbeutung! Wir müssen im Einklang mit der Natur leben, uns nicht einbilden, die Natur beherrschen zu können!

Beim Betrachten des Fotos komme ich zur Überzeugung: Das ist der zweite Lebensbaum, den mir der »Houngan-Man« auf der Osterinsel prophezeite!

Eva mit Lebensbaum und Schlange
in der Kilianskirche
Foto: Ingeborg Diekmann
Nun frage ich mich: Wann und wo wird mir der dritte Lebensbaum begegnen? Und was werde ich dann verstehen? Ich bin schon sehr gespannt ... Schon jetzt verspreche ich: Sie, liebe Leserinnen und Leser, werden als erste bei »EIN BUCH LESEN« informiert!




Fußnoten
1 1.Buch Mose Kapitel 3, Verse 4 und 5
2 Stingl, Miloslav: »Auf den Spuren der ältesten Reiche Perus«, Leipzig, Jena, Berlin, 2. Auflage 1990, S. 107
3 Stumpe, Dieter (Text): »Die Kilianskirche in Lügde«, herausgegeben von der Kath. Kirchengemeinde St. Marien, Lügde und Hameln 2010
4 ebenda, Seite 10
5 Zusätzlich habe ich beim Foto den Kontrast etwas verstärkt, das Foto selbst wurde nicht verändert.

»Das Geheimnis des Drachen«,
Teil 86 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11.09.2011


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Sonntag, 8. Mai 2011

68 »Das Kreuz des Henkers«

Teil 68 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Die Kilianskirche von Lügde
Foto W-J.Langbein
Vor hundert Jahren rankte wilder Wein am mächtigen Turm der Kilianskirche zu Lügde empor. Und so erinnerte das Gotteshaus damals an ein verwunschenes Märchenschloss. Wann der Grundstein zur ältesten Kirche Lügdes gelegt worden sein mag, wir wissen es nicht. Manfred Willeke schreibt in seinem Buch »Lügder Sagen« (1): »Den Bau der ersten Kirche zeitlich einzuordnen ist sehr schwer und durch kein Schriftstück zu belegen. Ihn jedoch – wie Pfarrer Nussbaum 1629 im Pfarrbuch (Pfarramt Lügde) schreibt – mit dem Besuch Karls des Großen 784 in Verbindung zu bringen ist unsinnig, ja irreführend.«

In der vergangenen drei Jahrzehnten bereiste ich die Welt von Australien bis Vanuatu, legte Zigtausende Flugkilometer zurück. Die mysteriöse Kilianskirche liegt nur wenige Kilometer von meinem Dörfchen entfernt... Ein Besuch des alten Gotteshauses lohnt sich allemal. Monate lang wurde daran gearbeitet. Kurz vor Ostern, vor wenigen Tagen also, wurden die mächtigen Gerüste von den Außenwänden entfernt.

Historisch Tatsache ist wohl der Besuch Karls des Großen anno 784 in Lügde. Er wird, Willeke weist darauf hin (2) in den »Annales Laurensis« (Codex 473, Nationalbibliothek Wien) urkundlich erwähnt. Der fränkische Regent feierte damals das Weihnachtsfest in Lügde. Ein christliches Gotteshaus, wohl eher eine kleine Kapelle, gab es damals schon. Indes: So rein christlich soll die Kapelle nicht gewesen sein. Iroschottische Mönche, so besagt es die Überlieferung, hätten sie gebaut. Sollten tatsächlich iroschottische Mönche – vielleicht schon im sechsten oder siebten Jahrhundert nach Christus – bis nach Lügde gekommen sein? Fakt ist, dass sie nicht nur in ihrer Inselheimat blieben, sondern missionarisch auch das europäische Festland besuchten.

Blick in die Kilianskirche
Foto W-J.Langbein
Drei Wege konnten von den iroschottischen Mönchen beschritten werden: der des »grünen«, der des »weißen« und der des »roten Märtyriums«. Der grüne Weg war der einfachste. Ein Mönch wählte einen einsamen Ort in der Heimat aus, um dort möglichst als Einsiedler entbehrungsreich zu leben. Der weiße Weg war schon schwieriger und führte den Mönch ins Ausland, um dort die christliche Botschaft zu verbreiten. Der rote Weg schließlich war der gefährlichste. Bewusst wählte der Mönch eine besonders gefährliche Region auf, wo durch kriegerische Heiden Lebensgefahr für christliche Missionare bestand. So mancher Missionar suchte wohl bewusst eine Chance zum Tod als Märtyrer.

Lügde dürfte von Mönchen aufgesucht worden sein, die das »rote Märtyrium« anstrebten. Das Heidentum war noch sehr stark. Ließ man doch dort zur Begrüßung des Frühlings brennende Feuerräder von allen Bergen ins Tal hinab rollen. Praktizierte man doch dort noch einen uralten Kult um eine Sonnen-Gottheit, als Lügde offiziell längst schon christlich war. Womöglich waren die iroschottischen Mönche erstaunt, wie friedlich die Heiden sein konnten! Vermutlich fanden die gewieften Missionare Parallelen zwischen Heiden- und Christentum. So mussten sie die Menschen nicht von grundlegend Neuem überzogen. Sie konnten darauf hinweisen, dass der neue Glaube durchaus Gemeinsamkeiten mit ihrem alten hatte! Wurde nicht im Heidentum die Wintersonnende (um den 21./22. 12.) als »Geburtstag« einer Sonnen-Gottheit gefeiert, die der Welt das Licht des Lebens brachte? Geschickte Prediger verkündeten Jesus als den Gott des Lichts und des Lebens, als Sonnen-Gottheit in christlichem Gewand.An eine Sonnengottheit erinnert noch heute der Brauch des Feuerräderlaufs von Lügde, der immer am Ostersonntag stattfindet... heute von der katholischen Kirche christlich interpretiert.

Feuerräderlauf 24.4.2011
Foto W-J.Langbein
Iroschottische Mönche, so weiß es die Überlieferung, errichteten in Lügde eine Kapelle. War es gar der Mönch Kilian, der um 600 bis 700 n.Chr. Das Frankenland missionierte? Aus dem Würzburger Raum kamen Missionare, schließlich der Weser folgend, bis nach Hameln. Sie ließen schon sehr früh Kapellen und Kirchen errichten. In Lügde sei, so wird überliefert, eine Kilians-Kapelle gebaut worden... etwa vom Missionar Kilian? Tatsächlich benannten iroschottische Mönche Kapellen und Kirchen nicht nach längst dahingeschiedenen Heiligen, sondern nach ihren Stiftern! So erfolgreich sie als Missionare waren, so wurden die Mönche von der Obrigkeit der katholischen Kirche argwöhnisch beobachtet. Lehnten sie doch kirchliche Hierarchie weitestgehend ab!

Wo schriftliche Aufzeichnungen fehlen, ist man auf mündliche Überlieferungen angewiesen. Der Sage nach (3) soll es dort, wo heute die Kilianskirche steht, ein heidnisches Heiligtum gegeben haben, das »Ewige Licht«. Das nie erlöschende Licht habe eine heilige Quelle markiert. Salziges Wasser sei aus dem Boden gequollen. Eine Salzquelle in Lügde ist so unwahrscheinlich nicht. Wenige Kilometer entfernt spendet eine salzige Quelle an der Saline Wasser, sehr zur Freude der Kurgäste. Fakt ist Jahrtausende lang wurden Heiligtümer dort errichtet, wo Quellen ans Tageslicht sprudelten!

Das doppelte Kreuz
Foto: W.-J. Langbein
Karl der Große soll darüber empört gewesen sein, dass die Iroschotten viel zu bereitwillig Kompromisse mit den Heiden eingingen. Er ließ daher die Kilians-Kapelle abreißen und ein katholisches Gotteshaus errichten... wiederum eine Kapelle? Ist die Geschichte von Karls wahr? Oder wurde die Verwüstung eines alten Heiligtums dem Herrscher nur zugeschrieben?

Der Überlieferung nach schütteten christliche Mönche die heilbringende Quelle von Lügde zu... und vergruben ein heidnisches Götterbild, das im 17. Jahrhundert zufällig wieder entdeckt wurde. Ein katholischer Geistlicher, dem ich strikte Anonymität zugesagt habe, versicherte mir: Die einstige Heilquelle gab es. Sie wurde von Mönchen zerstört und verschüttet. Und das heidnische Heiligtum wurde tatsächlich vergraben und wieder gefunden. »Wo befindet es sich jetzt?« wollte ich wissen. Die Antwort des Geistlichen verblüffte mich. Sollte er recht haben mit seiner Behauptung, dann habe ich das »heidnische Idol« schon viele Male gesehen.

Vor dem Eingang der Kilianskirche steht ein steinernes Kreuz. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass es aus zwei Kreuzen besteht, die zusammengefügt wurden. Was ist nun die vordere Seite, was die Rückseite des Kreuzes? Auf der einen Seite sind drei »Engelsköpfe« zu sehen: an den beiden Enden des Querbalkens und ganz unten am Fußende des Balkens. Auf dieser Seite ist auch eine Inschrift angebracht. Sie verrät, dass Christian Brocker am 17. September 1628 in Osnabrück geboren wurde und am 6. Januar 1691 im Alter von 63 Jahren starb. Auch eine Berufsbezeichnung finden wir: »Ehrbarer Meister Scharf- und Nachrichter zu Lidia und Bermont«. Matthias Brocker war der letzte Henker von Lügde und Pyrmont.

Welches Geheimnis birgt
die Grabinschrift?
Foto W-J.Langbein
Gewöhnlich befindet sich der Name eines Verstorbenen, zusammen mit Geburts- und Sterbedatum auf der Vorderseite eines Grabsteins oder Grabkreuzes. Beim Kreuz des Henkers ist auf der einen Seite Jesus am Kreuz zu sehen. Ist das nun die Vorder- oder die Rückseite? Auf der anderen Seite finden sich drei Engelsköpfe und die Lebens- und Sterbedaten des Henkers. Ist das die Vorderseite? Man möchte davon ausgehen. Soll doch der Besucher auf dem Friedhof der vor dem Grabdenkmal steht, die Inschrift lesen können. Das würde aber bedeuten, dass der Gekreuzigte an der hinteren Seite des Kreuzes hängt. Nie und nimmer wurde Jesus an der Rückseite eines Kreuzes angebracht. Des Rätsels Lösung: das Henkerskreuz hat zwei Vorder- und keine Rückseite! Es wurden zwei steinerne Kreuze Rücken an Rücken miteinander verbunden, so dass das Grabkreuz des Henkers... tatsächlich zwei Vorderseiten hat.

Als besonders ehrbar wurde der Henkersberuf, der Berufsbezeichnung zum Trotz, aber nicht angesehen. Henker Bröcker musste sich in der Kilianskirche mit einem ungünstigen Platz begnügen. Wenn er einem Gottesdienst beiwohnen wollte, dann musste er hinter einer Säule sitzen, die ihm den Blick auf den Altar verwehrte. Offenbar sollte der Mann mit dem blutigen Beruf daran gehindert werden, durch direktes Hinsehen den Altar zu beschmutzen.

Das Kreuz des Henkers
Foto W-J.Langbein
Man muss schon genau hinsehen, um die doch schon stark verwitterte Inschrift entziffern zu können. Dabei fällt auf, dass der Buchstabe »N« konsequent spiegelverkehrt geschrieben wurde. Auch das »INRI« (Abkürzung für Iesus Nazarenus Rex Iudorum«, »Jesus aus Nazareth, König der Juden«) über dem Haupt Jesu enthält das spiegelverkehrt eingravierte »N«. Was mag das bedeuten? Es gibt ein weiteres Rätsel: Bei der Altersangabe hat sich ein »Schreibfehler« eingeschlichen, so es denn einer ist: »ALTERS 63 JAWRE«. Warum wurde das »H« durch ein »W« ersetzt? Soll auf den Gottesnahmen des Alten Testaments Jahwe hingewiesen werden, der nicht ausgesprochen werden durfte?

Betrachtet man den Gekreuzigten, so fällt zunächst auf, dass seine Arme nicht waagrecht nach außen am Kreuz befestigt sind, sondern nach oben erhoben. Das könnte als ein Hinweis auf einen iroschottisch-keltischen Hintergrund gesehen werden. Jesu Leib bildet, aus Sicht eines Christen mit keltischem Hintergrund, die Rune des Lebens. Das Zeichen des Lebens am Todespfahl... diese Botschaft verstanden heidnische Kelten wie Christen... Wer weiß, welche geheime Botschaft das Kreuz des Henkers mitzuteilen versucht. Im Inneren der Kilians-Kirche schlummern Geheimnisse.... uralte Malereien, die einfach übertüncht wurden. Wird man sie je wieder sichtbar werden lassen?

Fußnoten
1: Willeke, Manfred: »Lügder Sagen/ Sagen und sagenhafte Geschichten aus der Stadt Lügde«, Lügde 1986, S. 54
2: ebenda, S.7
3: ebenda, S. 52

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Das Gruselkabinett von Sechin,
Teil 69 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15.05.2011

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