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Sonntag, 21. Juni 2020

544. »Tore in andere Welten«

Teil 544 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Ein Gang unter Palenque
soll in die Vergangenheit führen.
Symbolbild.
Auf meinen Reisen zu den geheimnisvollsten Orten unseres Planeten wurden immer wieder Sagen und geheimnisvolle Geschichten erzählt, die von »Toren in die Vergangenheit« berichten. In »Mexico City« hörte ich von einem Archäologen, irgendwo in der »Unterwelt« von Palenque gebe es ein Tor zu einem unterirdischen Gang. Man müsse das Fundament einer eingestürzten Pyramide ausgraben. Im Schutt der Ruine werde man eine Treppe finden, die in die Tiefe, weit unter die Erdoberfläche führt. So gelange man in einen Gang, der mit zahlreichen Nischen ausgestattet sei. Am Ende des Ganges aber komme man an ein massives Tor.

»Wenn es einem gelingt, durch dieses Tor hindurch zu kommen, steht man wieder vor sich einen langen Gang. Wenn man diesem Gang folgt, kommt man irgendwo wieder zurück ans Tageslicht, aber nicht in der Gegenwart, sondern irgendwo in der Vergangenheit. Menschen, die diesen Weg beschreiten, sie scheinen spurlos zu verschwinden. Sie tauchen aber wieder auf, aber in der Vergangenheit.«

Von Toren in die Vergangenheit hörte ich immer wieder. Besonders beeindruckt hat mich »Puerta de Hayu Marca« unweit des Titicacasees in der Gebirgsregion von »Hayu Marca« im südlichen Peru, unweit der Stadt Puno. Das »Tor der Götter/ Geister« wurde von unbekannten Steinmetzen in eine natürliche Felswand gemeißelt. Ein gewisser Jose Luis Delgado Mamani ist zufällig auf die Struktur gestoßen, als er die Region durchwanderte. Er wollte sich mit der Gegend vertraut machen, die er als Führer Touristen zugänglich machen würde. Bekannt ist das Tor aber schon länger. Schon 1928, das ergab mein intensives Literaturstudium, hat ein gewisser Alberto Cuentas das mysteriöse Tor beschrieben.

Aus der Distanz wirkt die Szenerie gespenstisch. Ich fühle mich in die Kulisse eines King-Kong-Filmes versetzt. Eine mächtige »Steinmauer« ragt düster empor. Ist sie als schützende Barriere gedacht? Soll sie die Menschen daran hindern, in das dahinter liegende Gebiet einzudringen? Ich muss über meine Fantasien lächeln. Die steinerne Monsterwand ist ganz ohne Zweifel natürlichen Ursprungs. Über eine Breite von 14 Metern und eine Höhe von sieben Metern wurde der gewachsene Fels massiv bearbeitet. Man hat – wer auch immer – den Stein geglättet, ja poliert. Das eigentliche Tor ist kleiner. Rechts und links wird es von aus der Distanz wie Säulen aussehenden Vertiefungen eingerahmt. Die Abgrenzung nach oben wirkt irgendwie unfertig. Risse durchziehen den Fels. Entstanden sie erst nachdem der Stein geglättet wurde? Oder haben tektonische Veränderungen diese Schäden sehr viel früher angerichtet, also lang bevor das Tor geschaffen wurde?

Fotos 2-5: Das geheimnisvolle Tor von Peru.

»Als ich die Struktur zum ersten Mal sah, wurde ich fast ohnmächtig Ich hatte immer wieder im Laufe der Jahre von so einem geträumt Bau geträumt. Aber im Traum war der Weg zum Tor mit rosa Marmor gepflastert. Rechts und links des Wegs standen rosa Marmorstatuen Spalier. Im Traum sah ich, dass die kleinere Tür offen stand. Es kam ein strahlend blaues Licht aus einem schimmernden Tunnel hinter der Tür. Als ich schließlich Tor und Tür entdeckte, war es für mich wie eine Offenbarung von Gott!«

Ich inspizierte das imposante steinerne Tor mehrfach. Im Tor erkenne ich so etwas wie eine »Tür«, die in den Stein gemeißelt worden ist. Ich messe nach: Sie ist knapp 1,90 hoch und nur 1,10 breit. Einen halben Meter geht sie »in die Tiefe«, in den massiven Stein hinein. Dann endet sie blind. Im Zentrum dieser Tür entdecke ich eine etwa faustgroße Kuhle. Diese Vertiefung soll von besonderer Bedeutung gewesen sein.

Foto 6: Vermessungsarbeiten am »Stargate« von Peru.
Foto Ingeborg Diekmann

Offensichtlich (oder nur scheinbar) führt die Tür im Tor nirgendwo hin. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen, sie zu durchschreiten. Die kleine Tür aus Stein im Fels ließ sich nicht öffnen. Die Türöffnung endet blind. Sie soll mit einem besonderen »Schlüssel« zu öffnen sein. Man muss, so heiß es, eine »goldene Kugel« oder eine »goldene Scheibe« in eine »kleine Vertiefung« in der steinernen Türfassung legen, wenn man die Tür im Tor aufschließen möchte. Dann wird ein Gang in den massiven Stein hinein sichtbar. Passiert man ihn, so kommt in eine andere Welt.

Trotz intensiver Literaturrecherche in diversen örtlichen Bibliotheken konnte ich keine archäologischen Informationen zum mysteriösen Tor finden. Lediglich in einem schmalen Büchlein, verfasst von einem »Brother Philip«, wird das Tor als Portal zu anderen Welten beschrieben (1).

Foto 7: Die Tür im Tor.
Bei meinem ersten Besuch vor Ort hatte ich eine interessante Begegnung. Eine alte Dame brachte unweit des Tores auf einem Feld arbeitenden Männern Trinkwasser und Süßkartoffeln. Ich konnte mich mit Hilfe eines Dolmetschers mit der von langen Jahren schwerer Arbeit gezeichneten würdevollen Dame unterhalten. Zunächst hatte sie sich sehr reserviert gezeigt. Als sie aber von Dolmetscher erfuhr, dass ich Theologie studiert hätte, wurde sie gesprächig. Sie war sichtlich erfreut, dass mich ihre Meinung zum Tor interessierte. So erfuhr ich, dass es mündlich überlieferte Legenden gibt, die sich um das steinerne Tor ranken. Demnach kamen einst aus der steinernen Wand fremdartige Götter. Diese mächtigen Wesen kontaktierten Menschen am Titicacasee. Einige wenige wurden ihre Vertrauten. Und nur die engsten Vertrauten erhielten das Privileg, auch das Tor in der Felswand benutzen zu dürfen. Sie konnten dann die Heimat der Götter aufsuchen, aber auch in die Vergangenheit reisen.

Eines Tages entschwanden die Götter mit ihren Vertrauten durch das Tor und blieben lange Zeit verschwunden. Gelegentlich kehrten sie für Stippvisiten zurück. Sie hielten sich aber nie mehr länger auf. Wie das von zahlreichen Göttinnen und Göttern überliefert wird, die in grauer Vorzeit zu den Menschen kamen, so versprachen auch die Götter vom steinernen Tor, sie würden dereinst wieder erscheinen.

Wenn mein Dolmetscher richtig übersetze, dann war die Heimat der Götter zwar unbeschreiblich weit entfernt, sie lag aber auch direkt hinter dem Tor. Man konnte Ewigkeiten reisen, um irgendwann einmal in der Heimat der Götter anzukommen. Man konnte aber auch die »Abkürzung« durch das Tor nehmen. War man erst einmal durch das Tor aus Stein gekommen, dann befand man sich nach einem Schritt schon in der Welt der kosmischen Besucher. Durch das gleiche Tor konnte man aber auch in vergangene Zeiten reisen. So zumindest übersetzte mir der Dolmetscher die Aussagen der alten Dame.

Unweit vom Tor gibt es eine meiner Meinung nach natürlich entstandene Höhle. Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, wie tief sie ist. Um ehrlich zu sein: Mir kam die Höhle unheimlich vor. So habe ich darauf verzichtet, hineinzukriechen. Dem »Sonnentor« von Tiahuanaco (»Puerta del Sol«) indes konnte ich nicht widerstehen. Im Jahr 2000 wurde die mysteriöse Ruinenstätte von Tiahuanaco zum Weltkulturerbe der UNESCO. Bis heute ist nur ein kleiner Bruchteil der einstmals riesigen Anlage archäologisch untersucht. Unter der von der Sonne hart gebackenen Erdkruste harren noch viele Geheimnisse in Stein auf ihre Entdeckung.

Foto 8: Das »Sonnentor« von Tiahuanaco. Vorderseite.
Foto Ingeborg Diekmann

Nach schulwissenschaftlichem Weltbild entstand der Komplex von Tiahuanaco in der Vorinkazeit. Das trifft natürlich zu, nur dürften die vollkommen zerstörten Bauten Jahrtausende älter sein als Archäologen allgemein annehmen. In 4.000 m Höhe gab es hier meiner Meinung nach das Zentrum einer unglaublich hochstehenden Zivilisation: Jahrtausende vor Christus und nicht einige Jahrhunderte nach der »Zeitwende«. Die Baumeister damals konnten mit monströsen Steinplatten wie heutige Kinder mit Legosteinen umgehen. Sie konnten harten Stein präzise schneiden und Rillen in Stein fräsen. Auch müssen sie über Bohrer verfügt haben, mit denen sie hartem Stein winzige Löcher verpassten. Riesige Steinplatten wurden von kaum vorstellbaren Kräften zertrümmert. Das ganze Areal sieht wie nach einer gewaltigen Explosion aus. Das »Sonnentor« (vor allem die Rückseite) in der kargen Hochebene des Altiplano wirkt unfertig. Ich halte es für möglich dass das »Sonnentor« ursprünglich nicht so wie heute frei in der Landschaft stand. Es mag in ein Bauwerk integriert gewesen sein, so dass nur die Vorderseite sichtbar war. Die Rückseite mag mit diesem Gebäude verbunden gewesen sein, war dann gar nicht sichtbar.

Foto 9: Das »Sonnentor« von Tiahuanaco. Rückseite.

Irgendwann fiel das steinerne, aus einem Monolithen gearbeitete Tor (Breite 3,75 m, Höhe 3 m) um und zerbrach in zwei Teile. Es wurde wieder aufgestellt und zusammengefügt. Die mysteriösen Reliefs auf der Vorderseite sollen, so Prof. Hans Schindler-Bellamy (*1901; 1982), einen geradezu fantastischen Kalender ergeben, der viele Jahrtausende vor der »Zeitwende« entwickelt wurde (2).

Auch das »Sonnentor« wird in esoterischer Literatur gelegentlich als ein »Stargate« bezeichnet. Ich habe ein Experiment gewagt. Erst habe ich einen niedrigen Zaun aus rostigen Eisenstäben überstiegen, was freilich verboten war. Dann bin durch die relativ schmale Öffnung im Tor hindurchgekrochen. Ich kam ein wenig enttäuscht auf der anderen Seite des Tores wieder heraus und landete nicht auf fernen Planetenwelten.

Wer nach Bolivien kommt, sollte unbedingt Tiahuanaco besuchen und besichtigen. Von La Paz aus beträgt die Fahrtstrecke 75 Kilometer. Bitte die Höhe beachten: 4.000 m über Normalnull, da ist die Luft dünn und es kann empfindlich kalt werden.

In meiner fränkischen Heimat soll es einen Eingang in eine andere Welt geben. Irgendwo in der bizarren Juralandschaft des »Kleinziegenfelder Tales« zwischen geheimnisvollen Felsformationen findet sich angeblich ein Felsentor, das als Eingang in die »Anderswelt« dient. Andreas Motschmann berichtete für das »Obermain Tagblatt« (3):

»Im Buch ›Sagen und Legenden des Lichtenfelser Landes‹ von E (lisabeth). Und K(onrad) Radunz wird die Sage ›Der verschwundene Knabe von Wallersberg‹ (4) in der Fassung von H. Barnickel erzählt. Sie stammt von einem Manuskript aus dem Jahr 1936. Leider ist das Sagenbuch zurzeit in den Buchläden vergriffen.

In dieser Volkssage spiegelt sich die Juralandschaft des Kleinziegenfelder Tales an einem heißen Augusttag wider. Die unterschiedlichsten Felsformationen lassen mit ein wenig Phantasie die Sagenfiguren erkennen. Die bekanntesten sind der Mönch, der Predigtstuhl und der Rolandsbogen. Inzwischen sind diese sagenumwobenen Felsen und Torbögen vom Baumbewuchs freigelegt und in voller Größe sichtbar.

In dieser Wallersberger Sage ist das Felsentor der Eingang in die ›Anderswelt‹, und es ist nicht selbstverständlich, sich einen Eintritt zu verschaffen. Nur mit einem ›Schlüssel‹ lässt sich das Tor öffnen. Der Sagenheld hat mit seinem frisch gepflückten Kornblumenstrauß den passenden Schlüssel in der Hand und findet Einlass. Von dem Alten bekommt der Junge alles Lebensnotwendige und schließlich die Belohnung dafür, dass er die ihm übertragenen Aufgaben erledigt hat.

Zehn Jahre lang erfüllt er pflichtbewusst die Arbeiten, doch dann übermannt ihn die Neugier. Die Quittung für den Fehltritt kommt prompt. Mit der Abfindung und seinem Kornblumen–›schlüssel‹ muss er den Heimweg antreten. Die überglückliche Magd findet ihren Sohn am Kornblumenfeld, aber das Wiedersehen ist getrübt. Aus dem kleinen Jungen ist der ›Höllenbub‹ geworden.«

Das mysteriöse Erlebnis in der Anderswelt muss für den »Höllenbub« recht dramatisch, ja traumatisierend gewesen sein. Die Legende schließt so (5): »Aus dem Burschen ist ein verschlossener Mann geworden, der selten lachte, aber auch nie richtig traurig war.«

Im »Höhlengleichnis« von Platon (*427; †347 v. Chr.) sehen die Menschen, gefangen in einer unterirdischen Höhle, nur einen matten Abglanz von der Wirklichkeit. Sie nehmen nicht die Realität wahr, sondern nur ihren Schatten, den sie für die Wirklichkeit halten. Hand aufs Herz: Wir sind heute, aller Wissenschaft zum Trotz, nur dazu in der Lage, die Schatten der Wirklichkeit zu sehen, die fantastischer sein mag als selbst unsere kühnsten Fantasien!

Fußnoten
(1) »Philip, Brother«: »Secret of the Andes«, Novato, 5. Auflage 1998 (Erstausgabe London 1961)
(2) Bellamy, Hans Schindler: »The Calendar of Tiahuanaco/ The Measuring 
system of the oldest civilization«, London, 1956
(3) Motschmann, Andreas: »Der verschwundene Knabe von Wallersberg«, https://www.obermain.de/lokal/obermain/art2414,567100 (Stand 04.05.2020)
(4) Radunz, Elisabeth und Konrad: »Sagen und Legenden des Lichtenfelser Landes«, Lichtenfels 1996, Seite 117 und 118
(5) Ebenda, Seite  118, 12. Und 13. Zeile von oben


Zu den Fotos
Foto 1: Ein Gang unter Palenque soll in die Vergangenheit führen. Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 2-5: Das geheimnisvolle Tor von Peru. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Vermessungsarbeiten am »Stargate« von Peru. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 7: Die Tür im Tor. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Das »Sonnentor« von Tiahuanaco. Vorderseite. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 9: Das »Sonnentor« von Tiahuanaco. Rückseite. Foto Walter-Jörg Langbein


545. »Elohim der Himmel«,
Teil 545 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28. Juni 2020


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Sonntag, 15. Juli 2012

130 »Abschied von Puma Punku«

Das Geheimnis der Anden IX,
Teil 130 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Das Sonnentor als Teil einer imposanten Anlage.
Fotos: Archiv Hans Schindler-Bellamy,
Ingeborg Diekmann (kl. Foto)
Einst gab es einen riesigen Baukomplex in den Hochanden des heutigen Bolivien. Die heutigen Ruinen von Tiahuanaco und Puma Punku lassen kaum noch erahnen, wie die weitestgehend verwüstete und vernichtete Stätte ausgesehen haben mag. Meine Meinung: Sie bildeten einst einen großen Komplex. Prof. Hans Schindler-Bellamy legte mir vor mehr als dreißig Jahren eine sorgsame zeichnerische Rekonstruktion der einst stolzen Bauten vor. Er breitete Fotos und Zeichnungen auf dem Boden eines luxuriösen Hotels in München aus. »Das war nicht das Werk von steinzeitlichen Menschen!« wiederholte er immer wieder. Ich konnte ihm nur beipflichten.

Die Erbauer der prachtvollen Anlagen hinterließen uns, so der hochgebildete Gelehrte, nicht ein Buch, das wir lesen können ... »Aber die Symbolik des Sonnentores beschreibt in einer mathematischen Sprache ungeheureres Wissen, zum Beispiel Astronomie!« Prof. Hans Schindler-Bellamy war überzeugt, die Sprache des Sonnentores entschlüsselt zu haben und wie ein Buch lesen zu können. (1) Es ist nicht die »primitive« Sprache eines Steinzeitvolkes. Sie wurde – zum Beispiel – in das legendäre »Sonnentor« von Tiahuanaco graviert. Offenbar sollten es spätere Generationen wie ein Buch lesen können.

Das »Sonnentor von Tiahuanaco« war demnach einst Teil einer imposanten Fassade. Heute steht es einsam und verloren auf freier Fläche, notdürftig repariert. Im Trümmerfeld bei Tiwanaku entdeckte ich den traurigen Rest eines ähnlichen Tores. Offenbar wurde es einst zerschlagen. Einen Teil hat man abtransportiert und vielleicht in einer Kirche verbaut ... oder zu Schotter für die Eisenbahntrasse verarbeitet. Vielleicht liegt aber der Rest des Tores irgendwo im Erdreich verborgen.

Rückseite des weltberühmten
Sonnentores (oben).
Unten Fotomontage.
Fotos W-J.Langbein
In einer Fotomontage setzte ich das Bruchstück eines weiteren Tores in das Foto des weltbekannten Sonnentores. Kein Zweifel: Das Teilstück gehörte einst zu einem weiteren Tor. Wie viele solcher Tore mag es einst gegeben haben? Wie viele wurden zerschlagen, wie viele wurden weggeschleppt und verbaut?

Ich erinnere mich gut daran: Mit dem greisen Professor kroch ich am Boden seines Hotelzimmers zwischen Plänen, Büchern, Zeichnungen und Fotos umher. Wir betrachteten faszinierende Fotos der Stätte Puma-Punku/Tiahuanaco, wir verglichen rund 100 Jahre alte Aufnahmen mit heutigen. Wir überprüften zeichnerische Rekonstruktionen mit Fotos von Ruinen, die die Zeiten überdauert hatten.

»Vor Jahrtausenden verschwanden die eigentlichen Erbauer von Puma Punku und Tiahuanaco ...« meinte nachdenklich Prof. Hans Schindler-Bellamy. »War es ein freiwilliger Abschied?« Wir wissen es nicht. Gab es eine gewaltige Katastrophe? Übernahmen vermeintlich »primitivere« Stämme die Ruinen, viele Generationen nach dem Verschwinden der Erbauer? Wir würden wahrscheinlich Antworten auf unsere Fragen in jenen alten Texten finden, die von den spanischen Eroberern planmäßig gesucht und dann verbrannt worden sind. Der Chronist Fernando Montesino jedenfalls behauptet, die mysteriösen Steinbauten seien vor der Sintflut errichtet worden. Gab es eine solche Katastrophe? Die Aymara – so wird behauptet – haben angeblich die einst so stolzen Bauten erbaut. Die Aymara aber weisen das weit von sich. Die steinernen Städte seien sehr viel älter ... Sie stammen – so die Aymara – aus Zeiten, da es den heutigen Menschen noch gar nicht gab. Damals sei der Titicaca-See sehr viel größer als heute gewesen.

 Versuch der Rekonstruktion
 Foto: Ingeborg Diekmann
Sollte der »Fantast« Prof. Dr. Arthur Posnansky (1873-1946) die Wahrheit entdeckt haben (2)? Der Gelehrte ging von wiederholten gewaltigen Überschwemmungen aus ... von einem Titicacasee, der die Treppen von Tiahuanaco umspülte. Kalkspuren auf Steinen von Tiahuanaco sollen das beweisen. Noch heute soll auf der Hochebene von Puma-Punku und Tiahuanaco der einstige Küstenverlauf deutlich zu erkennen sein. Mir drängte sich vor Ort dieser Eindruck auf: Da und dort scheinen bei sporadischen archäologischen Arbeiten willkürlich Gräben gezogen oder Löcher ausgehoben worden zu sein. Da und dort liegen noch Schaufeln und Hacken herum. Ob den Wissenschaftlern das Geld ausgegangen ist? Es sieht so aus, als habe man die Arbeiten abrupt abgebrochen. Ich krabble in so einen Graben.

Sauber bearbeitete Steine scheint fest im einstmals schlammigen Morast förmlich verbacken worden zu sein. Es kommt mir so vor, als ob ein Erdbeben Gebäude umgestürzt hat, als ob die Trümmer dann von einer gewaltigen Flutwelle mit Schlamm bedeckt worden seien. Als sich die Wassermassen zurückzogen, blieb vieles im Schlamm verborgen. Nach und nach verfestigte sich der Schlamm. Für die christlich-missionierten Ureinwohner durfte eine solche Flut-Katastrophe nur jene des Alten Testaments gewesen sein.

So manches Mal habe ich Puma Punku und Tiahuanaco besucht. So manches Mal habe ich Abschied von den mysteriösen Ruinen genommen ... und mir einen Schatz aus Erinnerungen zusammengetragen. Was, so frage ich mich, ist das Geheimnis der Ruinen in den Hochanden?

Tonnenschwere
Steinmonster
Fotos: W-J.Langbein
Sind es die viele Tonnen schweren Steinmonster, von denen auch heute noch manche halb im Erdreich stecken? Sind es die zum Teil über 100 (einhundert!) Tonnen schweren Platten aus massivem Stein, die man – wie auch immer – transportiert hat? Sind es die kleinen gelben Blümchen, die in einer Höhe von 4.000 Metern über dem Meeresspiel förmlich strahlen?

Sind es die unglaublichen Steinmassen, die präzise bearbeitet wurden? Ist es die Präzision einzelner Steinquader, die nie und nimmer mit primitiven Werkzeugen so exakt zugeschnitten worden sein konnten? Wie wurden sie geschaffen ... und zu welchem Zweck? Schon vor rund 130 Jahren wurden tonnenschwere Steinquader millimetergenau vermessen, die einfach paradox sind. Sie sind Fremdkörper in der Geschichte.

Beispiel: Wer kreierte in »grauer Vorzeit« einen gut acht Tonnen (!!!) schweren Steinquader ... um ihn dann mit unbekannten Werkzeugen zu traktieren? Wer schnitt vielzackige Kanten in den Stein, wer fräste Vertiefungen? Wer hat diese Steinbearbeitungen geplant? Wie wurden die Pläne festgehalten ... von einem Volk, das keine Schrift kannte?

Ich muss immer wieder fragen: Wie konnte diese Präzision erreicht werden ... ohne Metallschablonen, ohne hochtourige Bohr/Schneide-Maschinen? Mir ist nicht bekannt, dass auch nur ein einziger solcher Stein in unseren Tagen kopiert wurde ... unter Verwendung primitiver Werkzeuge! Heute würde man Diamantbohrer verwenden, mit hoher Drehgeschwindigkeit. Man würde Stahlschablonen fest fixieren, die zu bearbeitenden Brocken in mächtige Klammern spannen. Man würde heute modernste Geräte einsetzen ... und hätte doch seine liebe Not, wollte man wiederholen, was vor ewigen Zeiten angeblich mit primitiven Werkzeugen gelungen ist!

Unglaublich komplex bearbeitete Steinquader
Fotos: Bellamy /Archiv Langbein
Die »Hünengräber« Norddeutschlands sind Zeugnisse erstaunlicher Fähigkeiten der Menschen vor Jahrtausenden. Sie konnten mit Brocken gewaltiger Masse scheinbar spielerisch umgehen. Sie konnten sie über große Entfernungen schleppen. Die Erbauer von Puma-Punku waren dazu auch in der Lage. Sie konnten aber zudem die Monstersteine millimetergenau schneiden, fräsen, schleifen, bohren.

Immer wieder höre ich von sogenannten »Skeptikern«, es gebe gar kein »Geheimnis« Puma-Punku/ Tiahuanaco. Wirklich nicht: Dann ans Werk: Man fertige mit einfachsten Mitteln so ein kurioses Steingebilde, sagen wir aus härtestem Diorit ... Man schleppe einen 130-Tonnen-Block mit primitivsten Mitteln nur ein paar Kilometer querfeldein, in der dünnen Luft der Hochanden! Wenn es so einfach war, jene steinernen Kuriosa zu erschaffen ... dann möge man bitte wiederholen, was den »Steinzeitmenschen« angeblich so leicht von der Hand ging. Man muss sich dann aber auch wirklich auf die primitiven Methoden beschränken, die man den Menschen von Puma-Punku zubilligt. Bis heute ist das nicht gelungen!

Ich habe den Eindruck, dass sich mancher »Experte« rasch von Puma-Punku/Tiahuanaco verabschiedet, ohne über die eigentlichen Geheimnisse nachzudenken.

Vielleicht muss man wirklich vor Ort vor diesen riesigen Steinmonstern stehen, um wahrzunehmen, dass »primitive Werkzeuge« nicht ausgereicht haben können, um die Meisterleistungen von Puma-Punku zu vollbringen! Man mag darüber streiten, ob Puma-Punku vor 1.500 oder vor 15.000 Jahren gebaut wurde. Das ist nicht die zentrale Frage! Ob Puma-Punku vor 15, vor 150, vor 1.500 oder 15.000 Jahren kreiert wurde ... mit »primitiven« Werkzeugen ging es nicht!

Steine ... wie »gegossen«
Foto: W-J.Langbein
Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Eine Antwort freilich ist auszuschließen: Das Steinzeitvolk der Aymara hat Puma-Punku nicht gebaut!

Ich glaube – um es etwas provokant zu formulieren – sogenannte »Experten« verabschieden sich viel zu schnell von Puma-Punku, weil es vor unserer Zivilisation mit ihren technischen Möglichkeiten nichts Vergleichbares gegeben haben darf! Also wollen sie die »unmöglichen« Steinbearbeitungen aus den Hochanden gar nicht wirklich kennen.

Der Weg nach Puma-Punku in den Hochanden Boliviens ist auch heute noch steinig, mühsam und nicht ungefährlich. So manches Vehikel stürzte beim Erklimmen der Serpentinen ab ... schon mancher Mensch kam ums Leben. Mir scheint: Der Weg nach Puma-Punku ist besonders jenen Experten viel zu weit und zu beschwerlich, die nicht zugeben mögen / können (??), dass die Vergangenheit immer noch so manch' ungelöstes Rätsel zu bieten hat. Manchmal sind die Bretter vor unseren Köpfen härter als Granit ...

Wissenschaft soll Wissen schaffen. Wirkliche Wissenschaftler geben zu, wenn es auf manche Frage keine plausible Antwort gibt.

Fußnoten
1 Die umfangreichen Ausführungen von Prof. Hans Schindler-Bellamy würden den Rahmen dieser Serie sprengen. Ich muss und kann daher nur auf die leider nur noch antiquarisch beziehbaren, rar gewordenen Werke des Gelehrten hinweisen ...
Bellamy, H.S. Und Allan, P.: »The Calendar of Tiahuanaco/ The Measuring System of the Oldest Civilization«, London 1956
Bellamy, H.S. und Allan, P.: »The Great Idol of Tiahuanaco«, London 1959
2 Posnansky, Arthur: »Tihuanacu, the Cradle of American Man«, Bände I und II, ins Englische übersetzt von James F. Sheaver, New York und La Paz, Bolivien, 1945 und Bände III und IV, ins Englische übersetzt von James F. Sheaver, New York und La Paz, Bolivien, 1957

Dank und Lektüre-Empfehlung
Ohne Erich von Dänikens wunderbare Bücher – seit »Erinnerungen an die Zukunft« – hätte ich mich nie nach Puma-Punku aufgemacht. Ein herzliches Dankeschön an E.v.D.!

Sehr empfehlenswert ist das meiner Meinung nach faszinierendste aktuelle Buch zum Thema überhaupt, verfasst von Erich von Däniken.

Däniken, Erich von: »Götterdämmerung«, Rottenburg 2009



»Eine steinerne Nachlese«,
Das Geheimnis der Anden X,
Teil 131 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 22.07.2012


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Sonntag, 10. Juni 2012

125 »Das Sonnentor«

Das Geheimnis der Anden IV,
Teil 125 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Das Sonnentor von
Tiahuanaco.
Vorderseite (oben,
Foto: Ingeborg Diekmann)
und Rückseite
(unten, Foto: W-J.Langbein)
Eisiger Wind beißt sich durch meine zwei dicken Wollpullover. Jeder Schritt fällt schwer, jeder Atemzug schmerzt. Kein Wunder: Ich befinde mich in 4.000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel, nicht im Flugzeug, sondern in den Hochanden Boliviens. Vor mir erhebt sich ein Monument aus schwärzlich-grauem Stein. Das seltsame »Sonnentor« wurde aus einem einzigen Andesitblock gemeißelt. Irgendwann einmal zerbracht es in zwei Teile ... wurde es von einem Erdbeben gestürzt? Wurde es in einer apokalyptischen Katastrophe umgeworfen, so als wäre es ein kleines Modell für die Spielzeugeisenbahn und nicht dreieinhalb Meter hoch und vier Meter breit?

Seltsam: Ich habe einige Grabungsberichte gelesen, in denen geschildert wird, wie die kostbaren Steinmonumente von Tiahuanaco »gefunden« wurden. Sie mussten ausgegraben werden, lagen unter einer oft meterdicken Schicht aus hart gebackenem Schlamm. Eine Vermutung drängt sich auf: Eine Flut zerstörte einen riesigen Tempel aus Stein, warf die Steine und Statuen durcheinander ... weichte den Boden auf, wühlte ihn förmlich auf ... und ließ Statuen und Steine im Schlamm versinken.

Im Lauf der Jahrtausende wurde der morastige Schlamm fast so hart wie Zement ... und bedeckte die uralten Zeugnisse der Kultur von Tiahuanaco mit einer schützenden Schicht.

Edmund Kiss (1886-1960) kam nach intensiver Recherche zu einer mehr als erstaunlichen Erkenntnis. Demnach war Tiahuanaco – ältere Schreibweise Tihuanaku – vor vielen Jahrtausenden ... Hafenstadt. Und es soll Epochen gegeben haben, zu denen die mysteriöse Ruinenstadt vollständig überschwemmt war. So schreibt Kiss (1): »Daß Tihuanaku einmal ganz unter Wasser gestanden hat, ist sicher. Die große Freitreppe der Sonnenwarte Kalasasaya in Tihuanaku ist von einer dünnen Schicht im Wasser abgesetzten Kalkes überzogen, der so fest haftet, daß man ihn mit dem Messer abkratzen muß, um eine Probe zu Versuchszwecken nach Hause zu nehmen.«

Rückseite des Sonnentors
Fotos W-J.Langbein
Kiss trägt fantastisch anmutende Thesen vor: Eine gewaltige Flutkatastrophe hat vor vielen Jahrtausenden Tiahuanaco zerstört (2): »Diese Annahme ist wahrscheinlich und entspricht auch dem Augenschein, denn die Anden-Metropole ist durch ein plötzliches Ereignis, wahrscheinlich durch eine Flutwelle vernichtet und ihr Bau jäh unterbrochen worden. Die Gebeine von Menschen und Tieren, darunter von heute ausgestorbenen Tierarten, liegen in wüstem Durcheinander meilenweit in den Alluvien (3) Tihuanakus. Dieses Knochensediment hat an einer Stelle, die der Beobachtung zugänglich ist, eine Mächtigkeit von etwa 3,50 m. Diese Stelle liegt in der Nähe von Tihuanaku. Die Eisenbahn fährt hier durch einen Hohlweg, und dieser hat eine Wandhöhe von 3,50 m, ohne daß das Knochensediment durchstoßen ist. Denn unter den Schienen liegt immer noch das gleiche unheimliche Sediment von weißgrauer Farbe, zusammengesetzt aus Abermillionen größerer und kleinerer Knochen, Bruchstücken von bemalter und glasierter Keramik, Schmuckstücken aus Bronze, mitunter auch aus Gold und Silber, Malachitperlen und anderem mehr.«

Edmund Kiss interpretiert das Durcheinander von Knochen von Menschen und längst ausgestorbenen Tieren als Beweis für Kataklysmen vor vielen Jahrtausenden. Wie ein Detektiv durchforstet er die Artefakte aus uralten Zeiten ... und kommt zu der Schlussfolgerung, dass die mysteriöse Stadt in den Hochanden Boliviens noch im Bau war, als die Apokalypse über sie hereinbrach.

Original (oben) und
»moderne« Kopie
(unten) - Fotos:
W-J.Langbein
Noch einmal zitiere ich Edmund Kiss (4): »Mit welch katastrophaler Plötzlichkeit die Bauarbeiten an der Stadt unterbrochen worden sind, beweisen die Funde silberner und kupferner Mauerlote, die neben begonnenen Bauten liegen geblieben sind, die Funde säuberlich nebeneinander aufgereihter Hausteinblöcke mit nagelneuer Skulptur, die wohl in den nächsten Tagen versetzt werden sollten, nun aber bis auf den heutigen Tag stehengeblieben sind und auch nicht mehr an die Stelle ihrer Bestimmung gelangen werden.«

Mich erinnert das von Kiss skizzierte Bild von den durch eine gewaltige Naturkatastrophe abrupt beendeten Bauarbeiten ... an die Osterinsel. Auch auf diesem einsamsten Fleckchen in der Südsee muss es eine Katastrophe gegeben haben. Von einem Tag auf den anderen wurden die Arbeiten in den Steinbrüchen abgebrochen. Halbfertige Statuen, noch mit dem Vulkan verbunden, warten seit vielen Jahrhunderten auf Fertigstellung. Andere Kolosse waren aus dem Vulkangestein herausgemeißelt worden, wurden aber nur einige Meter transportiert und blieben dann liegen. Wieder andere tonnenschwere Kolosse wurden offensichtlich fast bis an den Ort ihrer Bestimmung geschafft ... aber nicht mehr aufgerichtet!

Sonnentor von Tiahuanaco
Foto: Ingeborg Diekmann
Zurück nach Bolivien ins Hochland der Anden ... So manches Mal stand ich vor dem »Sonnentor«. Die Vorderseite wird von zahlreichen Bildnissen geziert. Halbreliefs wurden in den harten Stein geschnitzt. Zentrale Figur ist ein mythisches Wesen, dem Tränen über die Wangen rinnen. Strahlenförmig umrahmen, fast wie beim »Struwwelpeter«, Haare das Gesicht. Bei näherem Betrachten erkennt man, dass es Schlangen sind. Das seltsame Wesen hält rechts und links in nach außen gehaltenen Händen »Stangen«.

Insgesamt verlaufen über die gesamte Breite des »Sonnentores« vier Zeilen mit halbreliefartig in den Stein gravierten Bildern. Schon aus nur wenigen Metern Entfernung betrachtet wirken sie wie sich wiederholende »Stempel«. Im untersten, im vierten Band erkennen wir wiederum Gesichter, die dem Zentralmotiv »Struwwelpeter« ähneln. Kiss spricht von ihren »geflügelten Augen«, die (4) »den Eindruck erwecken, daß es sich bei den Darstellungen vielleicht um Sinnbilder einer fliegenden Bewegung, also vielleicht der Zeit, handeln könnte.«

Historische Aufnahme
Foto: Archiv W-J.Langbein
Bänder 1 und 3 lassen eine Schar mythologischer Wesen aufmarschieren. Sie alle tragen seltsame Zeremonialstäbe. In Bändern 1 und 3 meinen wir, gekrönte Wesen mit Flügeln ausmachen zu können. Sie erinnern uns an Engel mit mächtigen Schwingen. Die Wesen von Band 2 recken mächtige Schnäbel gen Himmel. Es könnte sich um »Mischwesen« aus Kondor und Mensch handeln.

Schon manches Mal stand ich vor dem »Sonnentor« von Tiahuanaco ... und versuchte vergeblich, die winzigen Einzelheiten in jedem der einzelnen Gestalten zu erkennen. Prof. Hans Schindler-Bellamy machte mich darauf aufmerksam, dass die millimetergenau in den harten Stein gefrästen, detailreichen Bildchen von einem Steinzeitvolk mit Faustkeilen nicht geschaffen werden konnten. Sie müssen fortgeschrittenes Werkzeug besessen haben.

Am 29. Mai 1975 hielt der Gelehrte einen viel beachteten Vortrag im Rahmen der »2nd World Conference« der »Ancient Astronaut Society« in Zürich zum Thema »Tiahuanaco und das Sonnentor«. Der höchst sympathische Österreicher, gebildet und ein präziser Analytiker, wusste die Zuhörerschaft für sich zu gewinnen und zu überzeugen.

Zeichnung Zentralmotiv
Prof. Schindler-Bellamy führte aus (5): »Wir kennen auch nicht die hochwertigen Werkzeuge, die sie für die Arbeit mit den unwahrscheinlich harten Andesiten ihrer Monumente benutzt haben: zum Schneiden, Polieren und Gravieren. Sie müssen Flaschenzüge zum Heben und Geräte zum Transportieren großer Lasten (bis zu 200 Tonnen) über beträchtliche Entfernungen von den Steinbrüchen bis zu ihrem derzeitigen Standort besessen haben. Es ist schwierig, sich vorzustellen, all die gewaltige Arbeit könne ohne irgendeine Form der Schrift und ohne ein System der Aufzeichnung bewerkstelligt worden sein.«

Ich darf zusammenfassen: Hoch in den Anden gibt es die Ruinen einer wahrlich mysteriösen Stadt. Sie wurde, so der Gelehrte Edmund Kiss, schon vor vielen Jahrtausenden in einer gewaltigen Naturkatastrophe unvorstellbaren Ausmaßes zerstört, und zwar bevor sie vollendet werden konnte. In der archäologischen Literatur wird sie einem primitiven Volk auf Steinzeitniveau zugeschrieben. Glaubwürdig ist das nicht. Historische Detailfotos – viele Jahrzehnte alt – offenbaren einen Detailreichtum, den der perplexe Besucher vor Ort in den Hochanden kaum zu erfassen vermag!

Mythologisches Wesen
Foto: Archiv W-J.Langbein
Vergleichen wir doch einmal eine moderne »Kopie« des Sonnentorreliefs mit dem Original. Die moderne Fassung kann nur als stümperhaft bezeichnet werden ... im Vergleich zum Original.

Edmund Kiss hat nun versucht, die unglaublich präzisen Einzelbilder mit ihren zahllosen Details wie ein Buch zu lesen (6). Und das ist ihm offenbar gelungen. In seinem umfangreichen Werk interpretiert er mit der detektivischen Pedanterie eines Sherlock Holmes ... als einen Kalender von geradezu unglaublicher Präzision! Es ist bewundernswert, wie Edmund Kiss die Symbole bis zum kleinen Häkchen übersetzt. Er belegt, dass das Sonnentor dem Betrachter einen Kalender zeigt, der das Jahr in zwölf »Monate« unterteilt. Sonnwendtermine wie Tagundnachtgleichen können abgelesen werden. Ein Tiahuanaco-»Monat« umfasst 24 Tage. »Februar« und »März« haben 25 Tage. Anders als heute hat der Tiahuanaco-Kalender 30 Stunden zu je 22 Minuten.

Rätsel über Rätsel machen uns staunen! Da gab es vor Jahrtausenden auf der Hochebene in den Anden Boliviens eine unglaublich fortgeschrittene Kultur mit einem fremdartigen Kalender. Das Sonnentor von Tiahuanaco erweist sich als komplexer Kalender von unglaublicher Präzision! Bestätigt wurden die kühn anmutenden Kalender-Thesen von Edmund Kiss Jahrzehnte später durch Prof. Hans Schindler-Bellamy! (7)


Der Sonnentor-Kalender nach Kiss
Foto: Archiv W-J.Langbein
Fußnoten
1 Kiss, Edmund: »Das Sonnentor von Tihuanaku«, Leipzig 1937, S. 28
2 Kiss, Edmund: »Das Sonnentor von Tihuanaku«, Leipzig 1937, S. 31
3 alluvium, das Angeschwemmte
4 Kiss, Edmund: »Das Sonnentor von Tihuanaku«, Leipzig 1937, S. 125
5 Schindler-Bellamy, Prof. Hans: »Tiahuanaco und das Sonnentor«, Vortragsmanuskript
6 Kiss, Edmund: »Das Sonnentor von Tihuanaku«, Leipzig 1937, siehe Kapitel III, »Das Sonnentor zu Tihuanaku. Versuch der Enträtselung seiner Ideographien«, S. 121-194
7 Bellamy, H.S. und Allan, P.: »The Great Idol of Tiahuanaco«, London 1959


Der steinerne Riese von Tiahuanaco
Das Geheimnis der Anden V,
Teil 126 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17.06.2012


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