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Sonntag, 21. Juni 2020

544. »Tore in andere Welten«

Teil 544 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Ein Gang unter Palenque
soll in die Vergangenheit führen.
Symbolbild.
Auf meinen Reisen zu den geheimnisvollsten Orten unseres Planeten wurden immer wieder Sagen und geheimnisvolle Geschichten erzählt, die von »Toren in die Vergangenheit« berichten. In »Mexico City« hörte ich von einem Archäologen, irgendwo in der »Unterwelt« von Palenque gebe es ein Tor zu einem unterirdischen Gang. Man müsse das Fundament einer eingestürzten Pyramide ausgraben. Im Schutt der Ruine werde man eine Treppe finden, die in die Tiefe, weit unter die Erdoberfläche führt. So gelange man in einen Gang, der mit zahlreichen Nischen ausgestattet sei. Am Ende des Ganges aber komme man an ein massives Tor.

»Wenn es einem gelingt, durch dieses Tor hindurch zu kommen, steht man wieder vor sich einen langen Gang. Wenn man diesem Gang folgt, kommt man irgendwo wieder zurück ans Tageslicht, aber nicht in der Gegenwart, sondern irgendwo in der Vergangenheit. Menschen, die diesen Weg beschreiten, sie scheinen spurlos zu verschwinden. Sie tauchen aber wieder auf, aber in der Vergangenheit.«

Von Toren in die Vergangenheit hörte ich immer wieder. Besonders beeindruckt hat mich »Puerta de Hayu Marca« unweit des Titicacasees in der Gebirgsregion von »Hayu Marca« im südlichen Peru, unweit der Stadt Puno. Das »Tor der Götter/ Geister« wurde von unbekannten Steinmetzen in eine natürliche Felswand gemeißelt. Ein gewisser Jose Luis Delgado Mamani ist zufällig auf die Struktur gestoßen, als er die Region durchwanderte. Er wollte sich mit der Gegend vertraut machen, die er als Führer Touristen zugänglich machen würde. Bekannt ist das Tor aber schon länger. Schon 1928, das ergab mein intensives Literaturstudium, hat ein gewisser Alberto Cuentas das mysteriöse Tor beschrieben.

Aus der Distanz wirkt die Szenerie gespenstisch. Ich fühle mich in die Kulisse eines King-Kong-Filmes versetzt. Eine mächtige »Steinmauer« ragt düster empor. Ist sie als schützende Barriere gedacht? Soll sie die Menschen daran hindern, in das dahinter liegende Gebiet einzudringen? Ich muss über meine Fantasien lächeln. Die steinerne Monsterwand ist ganz ohne Zweifel natürlichen Ursprungs. Über eine Breite von 14 Metern und eine Höhe von sieben Metern wurde der gewachsene Fels massiv bearbeitet. Man hat – wer auch immer – den Stein geglättet, ja poliert. Das eigentliche Tor ist kleiner. Rechts und links wird es von aus der Distanz wie Säulen aussehenden Vertiefungen eingerahmt. Die Abgrenzung nach oben wirkt irgendwie unfertig. Risse durchziehen den Fels. Entstanden sie erst nachdem der Stein geglättet wurde? Oder haben tektonische Veränderungen diese Schäden sehr viel früher angerichtet, also lang bevor das Tor geschaffen wurde?

Fotos 2-5: Das geheimnisvolle Tor von Peru.

»Als ich die Struktur zum ersten Mal sah, wurde ich fast ohnmächtig Ich hatte immer wieder im Laufe der Jahre von so einem geträumt Bau geträumt. Aber im Traum war der Weg zum Tor mit rosa Marmor gepflastert. Rechts und links des Wegs standen rosa Marmorstatuen Spalier. Im Traum sah ich, dass die kleinere Tür offen stand. Es kam ein strahlend blaues Licht aus einem schimmernden Tunnel hinter der Tür. Als ich schließlich Tor und Tür entdeckte, war es für mich wie eine Offenbarung von Gott!«

Ich inspizierte das imposante steinerne Tor mehrfach. Im Tor erkenne ich so etwas wie eine »Tür«, die in den Stein gemeißelt worden ist. Ich messe nach: Sie ist knapp 1,90 hoch und nur 1,10 breit. Einen halben Meter geht sie »in die Tiefe«, in den massiven Stein hinein. Dann endet sie blind. Im Zentrum dieser Tür entdecke ich eine etwa faustgroße Kuhle. Diese Vertiefung soll von besonderer Bedeutung gewesen sein.

Foto 6: Vermessungsarbeiten am »Stargate« von Peru.
Foto Ingeborg Diekmann

Offensichtlich (oder nur scheinbar) führt die Tür im Tor nirgendwo hin. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen, sie zu durchschreiten. Die kleine Tür aus Stein im Fels ließ sich nicht öffnen. Die Türöffnung endet blind. Sie soll mit einem besonderen »Schlüssel« zu öffnen sein. Man muss, so heiß es, eine »goldene Kugel« oder eine »goldene Scheibe« in eine »kleine Vertiefung« in der steinernen Türfassung legen, wenn man die Tür im Tor aufschließen möchte. Dann wird ein Gang in den massiven Stein hinein sichtbar. Passiert man ihn, so kommt in eine andere Welt.

Trotz intensiver Literaturrecherche in diversen örtlichen Bibliotheken konnte ich keine archäologischen Informationen zum mysteriösen Tor finden. Lediglich in einem schmalen Büchlein, verfasst von einem »Brother Philip«, wird das Tor als Portal zu anderen Welten beschrieben (1).

Foto 7: Die Tür im Tor.
Bei meinem ersten Besuch vor Ort hatte ich eine interessante Begegnung. Eine alte Dame brachte unweit des Tores auf einem Feld arbeitenden Männern Trinkwasser und Süßkartoffeln. Ich konnte mich mit Hilfe eines Dolmetschers mit der von langen Jahren schwerer Arbeit gezeichneten würdevollen Dame unterhalten. Zunächst hatte sie sich sehr reserviert gezeigt. Als sie aber von Dolmetscher erfuhr, dass ich Theologie studiert hätte, wurde sie gesprächig. Sie war sichtlich erfreut, dass mich ihre Meinung zum Tor interessierte. So erfuhr ich, dass es mündlich überlieferte Legenden gibt, die sich um das steinerne Tor ranken. Demnach kamen einst aus der steinernen Wand fremdartige Götter. Diese mächtigen Wesen kontaktierten Menschen am Titicacasee. Einige wenige wurden ihre Vertrauten. Und nur die engsten Vertrauten erhielten das Privileg, auch das Tor in der Felswand benutzen zu dürfen. Sie konnten dann die Heimat der Götter aufsuchen, aber auch in die Vergangenheit reisen.

Eines Tages entschwanden die Götter mit ihren Vertrauten durch das Tor und blieben lange Zeit verschwunden. Gelegentlich kehrten sie für Stippvisiten zurück. Sie hielten sich aber nie mehr länger auf. Wie das von zahlreichen Göttinnen und Göttern überliefert wird, die in grauer Vorzeit zu den Menschen kamen, so versprachen auch die Götter vom steinernen Tor, sie würden dereinst wieder erscheinen.

Wenn mein Dolmetscher richtig übersetze, dann war die Heimat der Götter zwar unbeschreiblich weit entfernt, sie lag aber auch direkt hinter dem Tor. Man konnte Ewigkeiten reisen, um irgendwann einmal in der Heimat der Götter anzukommen. Man konnte aber auch die »Abkürzung« durch das Tor nehmen. War man erst einmal durch das Tor aus Stein gekommen, dann befand man sich nach einem Schritt schon in der Welt der kosmischen Besucher. Durch das gleiche Tor konnte man aber auch in vergangene Zeiten reisen. So zumindest übersetzte mir der Dolmetscher die Aussagen der alten Dame.

Unweit vom Tor gibt es eine meiner Meinung nach natürlich entstandene Höhle. Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, wie tief sie ist. Um ehrlich zu sein: Mir kam die Höhle unheimlich vor. So habe ich darauf verzichtet, hineinzukriechen. Dem »Sonnentor« von Tiahuanaco (»Puerta del Sol«) indes konnte ich nicht widerstehen. Im Jahr 2000 wurde die mysteriöse Ruinenstätte von Tiahuanaco zum Weltkulturerbe der UNESCO. Bis heute ist nur ein kleiner Bruchteil der einstmals riesigen Anlage archäologisch untersucht. Unter der von der Sonne hart gebackenen Erdkruste harren noch viele Geheimnisse in Stein auf ihre Entdeckung.

Foto 8: Das »Sonnentor« von Tiahuanaco. Vorderseite.
Foto Ingeborg Diekmann

Nach schulwissenschaftlichem Weltbild entstand der Komplex von Tiahuanaco in der Vorinkazeit. Das trifft natürlich zu, nur dürften die vollkommen zerstörten Bauten Jahrtausende älter sein als Archäologen allgemein annehmen. In 4.000 m Höhe gab es hier meiner Meinung nach das Zentrum einer unglaublich hochstehenden Zivilisation: Jahrtausende vor Christus und nicht einige Jahrhunderte nach der »Zeitwende«. Die Baumeister damals konnten mit monströsen Steinplatten wie heutige Kinder mit Legosteinen umgehen. Sie konnten harten Stein präzise schneiden und Rillen in Stein fräsen. Auch müssen sie über Bohrer verfügt haben, mit denen sie hartem Stein winzige Löcher verpassten. Riesige Steinplatten wurden von kaum vorstellbaren Kräften zertrümmert. Das ganze Areal sieht wie nach einer gewaltigen Explosion aus. Das »Sonnentor« (vor allem die Rückseite) in der kargen Hochebene des Altiplano wirkt unfertig. Ich halte es für möglich dass das »Sonnentor« ursprünglich nicht so wie heute frei in der Landschaft stand. Es mag in ein Bauwerk integriert gewesen sein, so dass nur die Vorderseite sichtbar war. Die Rückseite mag mit diesem Gebäude verbunden gewesen sein, war dann gar nicht sichtbar.

Foto 9: Das »Sonnentor« von Tiahuanaco. Rückseite.

Irgendwann fiel das steinerne, aus einem Monolithen gearbeitete Tor (Breite 3,75 m, Höhe 3 m) um und zerbrach in zwei Teile. Es wurde wieder aufgestellt und zusammengefügt. Die mysteriösen Reliefs auf der Vorderseite sollen, so Prof. Hans Schindler-Bellamy (*1901; 1982), einen geradezu fantastischen Kalender ergeben, der viele Jahrtausende vor der »Zeitwende« entwickelt wurde (2).

Auch das »Sonnentor« wird in esoterischer Literatur gelegentlich als ein »Stargate« bezeichnet. Ich habe ein Experiment gewagt. Erst habe ich einen niedrigen Zaun aus rostigen Eisenstäben überstiegen, was freilich verboten war. Dann bin durch die relativ schmale Öffnung im Tor hindurchgekrochen. Ich kam ein wenig enttäuscht auf der anderen Seite des Tores wieder heraus und landete nicht auf fernen Planetenwelten.

Wer nach Bolivien kommt, sollte unbedingt Tiahuanaco besuchen und besichtigen. Von La Paz aus beträgt die Fahrtstrecke 75 Kilometer. Bitte die Höhe beachten: 4.000 m über Normalnull, da ist die Luft dünn und es kann empfindlich kalt werden.

In meiner fränkischen Heimat soll es einen Eingang in eine andere Welt geben. Irgendwo in der bizarren Juralandschaft des »Kleinziegenfelder Tales« zwischen geheimnisvollen Felsformationen findet sich angeblich ein Felsentor, das als Eingang in die »Anderswelt« dient. Andreas Motschmann berichtete für das »Obermain Tagblatt« (3):

»Im Buch ›Sagen und Legenden des Lichtenfelser Landes‹ von E (lisabeth). Und K(onrad) Radunz wird die Sage ›Der verschwundene Knabe von Wallersberg‹ (4) in der Fassung von H. Barnickel erzählt. Sie stammt von einem Manuskript aus dem Jahr 1936. Leider ist das Sagenbuch zurzeit in den Buchläden vergriffen.

In dieser Volkssage spiegelt sich die Juralandschaft des Kleinziegenfelder Tales an einem heißen Augusttag wider. Die unterschiedlichsten Felsformationen lassen mit ein wenig Phantasie die Sagenfiguren erkennen. Die bekanntesten sind der Mönch, der Predigtstuhl und der Rolandsbogen. Inzwischen sind diese sagenumwobenen Felsen und Torbögen vom Baumbewuchs freigelegt und in voller Größe sichtbar.

In dieser Wallersberger Sage ist das Felsentor der Eingang in die ›Anderswelt‹, und es ist nicht selbstverständlich, sich einen Eintritt zu verschaffen. Nur mit einem ›Schlüssel‹ lässt sich das Tor öffnen. Der Sagenheld hat mit seinem frisch gepflückten Kornblumenstrauß den passenden Schlüssel in der Hand und findet Einlass. Von dem Alten bekommt der Junge alles Lebensnotwendige und schließlich die Belohnung dafür, dass er die ihm übertragenen Aufgaben erledigt hat.

Zehn Jahre lang erfüllt er pflichtbewusst die Arbeiten, doch dann übermannt ihn die Neugier. Die Quittung für den Fehltritt kommt prompt. Mit der Abfindung und seinem Kornblumen–›schlüssel‹ muss er den Heimweg antreten. Die überglückliche Magd findet ihren Sohn am Kornblumenfeld, aber das Wiedersehen ist getrübt. Aus dem kleinen Jungen ist der ›Höllenbub‹ geworden.«

Das mysteriöse Erlebnis in der Anderswelt muss für den »Höllenbub« recht dramatisch, ja traumatisierend gewesen sein. Die Legende schließt so (5): »Aus dem Burschen ist ein verschlossener Mann geworden, der selten lachte, aber auch nie richtig traurig war.«

Im »Höhlengleichnis« von Platon (*427; †347 v. Chr.) sehen die Menschen, gefangen in einer unterirdischen Höhle, nur einen matten Abglanz von der Wirklichkeit. Sie nehmen nicht die Realität wahr, sondern nur ihren Schatten, den sie für die Wirklichkeit halten. Hand aufs Herz: Wir sind heute, aller Wissenschaft zum Trotz, nur dazu in der Lage, die Schatten der Wirklichkeit zu sehen, die fantastischer sein mag als selbst unsere kühnsten Fantasien!

Fußnoten
(1) »Philip, Brother«: »Secret of the Andes«, Novato, 5. Auflage 1998 (Erstausgabe London 1961)
(2) Bellamy, Hans Schindler: »The Calendar of Tiahuanaco/ The Measuring 
system of the oldest civilization«, London, 1956
(3) Motschmann, Andreas: »Der verschwundene Knabe von Wallersberg«, https://www.obermain.de/lokal/obermain/art2414,567100 (Stand 04.05.2020)
(4) Radunz, Elisabeth und Konrad: »Sagen und Legenden des Lichtenfelser Landes«, Lichtenfels 1996, Seite 117 und 118
(5) Ebenda, Seite  118, 12. Und 13. Zeile von oben


Zu den Fotos
Foto 1: Ein Gang unter Palenque soll in die Vergangenheit führen. Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 2-5: Das geheimnisvolle Tor von Peru. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Vermessungsarbeiten am »Stargate« von Peru. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 7: Die Tür im Tor. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Das »Sonnentor« von Tiahuanaco. Vorderseite. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 9: Das »Sonnentor« von Tiahuanaco. Rückseite. Foto Walter-Jörg Langbein


545. »Elohim der Himmel«,
Teil 545 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28. Juni 2020


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Sonntag, 23. Januar 2011

53 »Das Tor in eine andere Welt?«

Teil 53 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Vom Westufer des Titicacasees aus sei es nur »ein Katzensprung« zur Monstermauer des Teufels, zum Sternentor »Hayu Marca«, versicherte mir ein peruanischer Archäologe am Telefon. Als ich interessiert nach einer etwas näheren Ortsangabe erkundigte, wurde der gelehrte Mann unwirsch. »Fahren Sie zum Titicacasee. Schauen Sie sich die künstlichen Inseln der Uros an. Dann machen Sie sich auf nach Puno, von da aus nach Juli. Von dort aus bringt Sie jeder Taxifahrer zum Hayu Marca!« Als ich um wissenschaftliche Erkenntnisse zum mysteriösen Tor bat, legte der Archäologe wortlos auf.

Die künstlichen Inseln vom Titicacasee
Foto W.J.Langbein
In Juli war das Ziel meiner Reise durchaus bekannt. Nur hinbringen wollte mich keineswegs »jeder Taxifahrer«. Eine Übernachtung in Juli hatte ich eingeplant... es wurden drei. Am Morgen des dritten Tages trommelte jemand mit Fäusten gegen die brüchige Tür meines Zimmers einer kleinen Pension. »I’ll take you to the Gate of the Gods!« bekam ich zu hören. Rasch zog ich mich an.. und Minuten später ging es mit einem alterschwachen Jeep querfeldein auf »Landstraßen«, die eher bescheidenen Feldwegen glichen, zu einer der geheimnisvollsten Stätten unseres Planeten, die ich je besucht habe.

Misstrauisch von einigen alten Bauersleuten beäugt fuhren wir an die »Puerta de Hayu Marca« heran. Müde stützte sich eine erschöpft wirkende Nachfahren der Inka auf ihre Hacke, bevor sie sich wieder kopfschüttelnd ihrer Arbeit zuwandte. Mein Guide redete mit ernster Miene auf mich ein, als wir zu Fuß dem Tor in eine andere Welt zustrebten.

Das mysteriöse Sternentor
Foto: W.J.Langbein
»Am Titicacasee lebten einst die Uros, ein mysteriöses Volk. Sie hatten angeblich Kontakt mit Sternengöttern, deren Sprache sie als einzige auf der Erde beherrschten!« Auf dem Grund des Titicacasees gebe es noch Ruinen, die aus der Zeit der Sternengötter stammten.... Auf verschiedenen Peru-Reisen bekam ich immer wieder sagenhafte Überlieferungen erzählt: von Menschen, die von himmlischen Lehrmeistern in die Geheimnisse der Wissenschaften eingeführt worden seien. Diese Irdischen seien dank ihrer Kenntnisse bald selbst fast wie Götter gewesen.

Diese mächtigen Menschen seien den Göttern unheimlich geworden. Sie bestraften die Irdischen, zerstörten ihre Welt. Die Sternengötter selbst seien wieder in ihre ferne Heimat zurückgekehrt... in die Tiefen des Alls. »Sie gingen durch das steinerne Stargate, durch die Pforte von Hayu Marca!«

Schon 1928, das ergab mein intensives Literaturstudium, hat Alberto Cuentas das mysteriöse Tor beschrieben. Aus der Distanz wirkt die Szenerie gespenstisch. Ich fühle mich in das Szenario eines King-Kong-Filmes versetzt. Eine mächtige »Steinmauer« ragt düster empor. Ist sie als schützende Barriere gedacht? Soll sie die Menschen daran hindern, in das Gebiet dahinter einzudringen?

Ich muss über meine Fantasien lächeln... und trete an die steinerne Monsterwand. Sie ist ganz ohne Zweifel natürlichen Ursprungs. Über eine Breite von 14 Metern und eine Höhe von sieben Metern wurde der gewachsene Fels massiv bearbeitet. Man hat – wer auch immer – den Stein geglättet, ja poliert.

Das Tor in eine andere Welt? Foto: W.J.Langbein
Sieben Meter hoch und acht Meter breit ist das eigentliche »Tor«.. spiegelglatt geschliffen. Rechts und links wird es von aus der Distanz wie Säulen aussehenden Vertiefungen eingerahmt. Die Abgrenzung nach oben wirkt irgendwie unfertig. Risse durchziehen den Fels. Entstanden sie erst nachdem der Stein geglättet wurde? Oder haben tektonische Veränderungen diese Schäden sehr viel früher angerichtet?

Im Tor erkenne ich so etwas wie eine »Tür«, die in den Stein gemeißelt worden ist. Ich messe nach: Sie ist knapp 1,90 hoch und nur 1,10 breit. Einen halben Meter geht sie »in die Tiefe«, in den massiven Stein hinein. Im Zentrum dieser Tür entdecke ich eine etwa faustgroße Kuhle. Diese Vertiefung soll von besonderer Bedeutung gewesen sein. Angeblich diente sie als »Schlüsselloch« zum Übergang in fremde Welten. Auserwählte Menschen seien von den Sternengöttern durch diese Tür in den Fels in ferne Gefilde gebracht worden sein. Und aus dieser Tür seien sie auch wieder zurückgekehrt... Götter und Menschen.

Die Tür im Tor
Foto W.J.Langbein
Als die goldgierigen Spanier das Inkareich mit seiner erstaunlichen Kultur zerstörten habe der Inka-Priester Aramu Maru das Geheimnis des Tores gekannt. Aramu Maru, so heißt es, entkam den grausam wütenden Spaniern. Aramu Maru, vom »Tempel der sieben Strahlen«. In seinem Besitz befand sich demnach eine goldene Scheibe. Mit diesem geheimnisvollen Objekt konnte er die Tür im Tor öffnen. Hinter der Tür sei der Priester in einen »Tunnel aus hellblauem Licht« getreten... um für immer zu verschwinden!

Ich habe den Eingang in die Monstermauer betreten. Aber nach knapp einem halben Meter stand ich vor massivem Fels. Weiter kam ich nicht. Ich legte meine Hand in die Steinkuhle... verspürte aber nichts. Ich legte mein Ohr an den Fels und vernahm nichts. Anders als esoterisch-angehauchte Zeitgenossen verspürte ich kein Vibrieren, sah ich kein Licht und vernahm auch keine lieblichen Sphärenklänge. Vielleicht haben mich meine Reisen zu den geheimnisvollsten Stätten unseres Planeten etwas zu prosaisch werden lassen.

Walter-Jörg Langbein im Stargate
Foto: Ingeborg Diekmann, Bremen
Und doch muss ich zugeben: Tor und Tür in der Monstermauer schaffen eine nicht in Worte zu fassende mysteriöse Atmosphäre. Inzwischen habe ich auch – als erster Autor überhaupt – eine kleine Reisegesellschaft zum »Stargate« geführt. Wir standen staunend vor dem Zeugnis einer uralten Kultur. Wir haben ein Maßband angelegt, das Sternentor vermessen... aber das Geheimnis der Tür in die Felswand konnten wir nicht ergründen!

Das »Sternentor« lässt uns Menschen zu Beginn des dritten nachchristlichen Jahrtausends bescheiden werden. So viel Wissen unsere Gelehrten auch angesammelt haben.... zu welch erstaunlichen Leistungen der moderne Mensch dank heutiger Wissenschaften auch in der Lage ist.... kennen wir wirklich die Realität? Oder stehen wir nur – sinnbildlich gesprochen – staunend vor dem äußeren Schein?

Im »Höhlengleichnis« von Platon (427–347 v. Chr.) sehen die Menschen, gefangen in einer unterirdischen Höhle, nur einen matten Abglanz von der Wirklichkeit. Sie nehmen nicht die Realität wahr, sondern nur ihren Schatten.... den sie für die Wirklichkeit halten. Hand auf’s Herz: Sind wir heute, aller Wissenschaft zum Trotz, auch nur dazu in der Lage... den Schatten der Wirklichkeit zu sehen... die fantastischer sein mag als selbst unsere kühnsten Fantasien?

Vermessungsarbeiten am Tor
Foto: Ingeborg Diekmann, Bremen
»Auf den Spuren von Pater Crespis Sammlung«,
Teil 54 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 30.01.2011


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