Posts mit dem Label Juan Diego werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Juan Diego werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 13. September 2015

295 »Maria und die Göttin von Guadalupe –

Mariae Himmelfahrt – Teil 5«
Teil 295 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Artemis
Es lässt sich nicht wissenschaftlich belegen, dass Jesu Mutter in Ephesus leibhaftig in den Himmel aufgenommen wurde. Bewiesen ist allerdings, dass die Göttin des Lebens und des Todes Artemis im Tempel von Ephesus verherrlicht wurde. Wie kam es zur Anbetung der griechischen Göttin in Ephesus? Der mythologischen Überlieferung wurde der Tempel just dort geweiht, wo einst ein Bildnis der Göttin vom Himmel gefallen sein soll. Mit einer mächtigen Göttin kann es die bescheidene Magd Maria nicht aufnehmen. Oder doch? Gewiss, die vier Evangelisten behandeln die Mutter Jesu eher stiefmütterlich, verraten kaum etwas über die Mutter des Messias. Im Mittelalter allerdings übernahm die offizielle Theologie die Marienverehrung der gläubigen Menschen. Vielen Christen war das Christentum zu männlich, fehlte das Weibliche der Göttin, das aus konkurrierenden Religionen bekannt war. Und so wuchs nach und nach die bescheidene Maria zur Himmelskönigin, die sich mit dem Ehrentitel »Regina caeli« (zu Deutsch: »Königin des Himmels«) schmücken durfte. In der Fastenzeit wird Maria auch heute noch mit »Heil, Du Himmelskönigin« (»Ave, Regina Caelorum«) gehuldigt, in der Osterzeit frohlockt der gläubige Katholik »Freu‘ Dich, Du Himmelskönigin!«

Maria soll Artemis übertreffen. Und das erreichten die Theologen durch die Lehre von der »Himmelfahrt« Marias: Während Artemis als Statue vom Himmel fiel, stieg Maria in den Himmel auf, wo sie als »Himmelskönigin« mit Gottvater und Gottsohn eine neue Trinität bildet. Ist Maria die christliche Antwort auf Göttinnen und Götter, die vom Himmel zur Erde herab kamen? Just, wo Artemis verehrt wurde – im Tempel von Ephesus – soll Maria in den Himmel aufgenommen worden sein. Wurde die Gottesmutter und Gottesgebärerin Maria von den frühen Christen bewusst der heidnischen Göttin Artemis entgegengesetzt? Ja verdrängte Maria die heidnische Vorgängerin, weil sie den Artemis-Anhängern mit ähnlichen Attributen vorgestellt wurde? Heidnische Göttinnen bekamen nicht selten ein christliches Gewand. Und Stätten, an denen Göttinnen verehrt wurden, wurden in Orte der Verehrung Mariae verwandelt.

Foto 2: Artemis von Ephesus, Variante von Kybele und Maria?

Im legendären Pantheon zu Rom wurde im ersten vorchristlichen Jahrhundert die Göttin Kybele verehrt. Kaiser Phakos schenkte das alte Heiligtum anno 608 dem Papst Bonifatius IV., der wiederum übertrug es schon ein Jahr später der Jungfrau Maria. Und wo heute Christen im Petersdom  Maria um Fürsprache bitten, just da wurde einst der Großen Muttergöttin Kybele geopfert.

Noch ein Beispiel aus europäischen Gefilden! Erice, Sizilien, ist heute ein Wallfahrtsort für Katholiken. In der »Cattedrale di Santa Maria dell’Assunta« beten sie zu Maria. Wo der Himmelfahrt Marias gedacht wird, just da stand einst ein Tempel der Göttin, die im Verlauf der Jahrtausende immer wieder den Namen wechselte. So wurde Maria zur Nachfolgerin der Göttinnen Inanna, Aphrodite und Venus.

Foto 3: Die Basilika von Guadalupe

Im heutigen »Ville de Guadalupe«, unweit der Moloch-Metropole Mexiko City, strömen zu Beginn des dritten nachchristlichen Jahrtausends mehr Pilger als sonst wo auf unserem Planeten zur Anbetung der Maria zusammen. Ihr Ziel: die Basilika der Jungfrau von Guadalupe. Sie glauben, dass sich hier die berühmte »Jungfrau von Guadalupe«, eine Maria mit deutlich indianischen Zügen, offenbarte. Der Ort eines ausgesprochenen Marien-Kults, der Jahr für Jahr Millionen von Pilgern anlockt, war zuvor den Anhängern der heidnischen Göttin Tonantzin heilig. Ihr Heiligtum soll erst von den spanischen Eroberern, manche bevorzugen Bezeichnungen wie Plünderer, Räuber und Mörder, niedergebrannt worden sein. Maria verdrängte Tonantzin von ihrem heiligen Hügel. (1)

Wie sich doch die Ehrennamen gleichen! Tonantzin, »unsere verehrte Mutter« oder auch »Göttermutter«, wurde ersetzt. Maria, die »Muttergottes« trat an ihre Stelle.  Tonantzin galt als »Mutter aller Götter«, Maria ist für Katholiken wie Protestanten die »Gottesmutter«. Klaus-Rüdiger Mai bringt es in seinem vorzüglichen Werk »Die geheimen Religionen/ Götter, Sterne und Ekstase« auf den Punkt (2):

Foto 4: Artemis von Ephesus, die Vorgängerin der Gottesmutter

»Der Inbegriff des Christentums, die Theologie der Jungfrau Maria, ist im Grunde nicht christlichen Ursprungs, sondern eine Camouflage wesentlich älterer Kulte, nämlich der Kulte der Magna Mater, der Inanna, der Astarte, der Demeter, der Kybele oder Ceres, der großen … irdischen und unterirdischen Mutter- und Fruchtbarkeitsgottheiten der heidnischen Welt. … Die Person der Gottesmutter half dem Christentum dabei, eine Lücke zu schließen, indem sie dem Bedürfnis nach einer Muttergöttin, nach einer Fruchtbarkeitsgöttin, nach einer Frau, an die sich Frauen in Not wenden können, ein Ziel gab. Und so wurde die pagane (heidnische) Muttergöttin in Ephesos christlich getauft. Interessanterweise gibt es eine schwarze Figur der Artemis, wie im Christentum die Schwarzen Madonnen verehrt werden.«

Foto 5: Blick in die Basilika von Guadalupe

Der Legende nach hatte Juan Diego vom 9. Bis 12. Dezember 1531 auf dem »Berg« – es ist eher ein Hügelchen –  Tepeyac mehrere Erscheinungen der Jungfrau Maria. Präziser: Die Gottesmutter soll ihm leibhaftig begegnet sein. Maria, so wird überliefert, zeigte sich ihm als vornehme, liebenswert-freundliche Frau mit indianischen Zügen. Sie gab ihm den Auftrag, ihr  am Erscheinungsort eine Kapelle errichten zu lassen. Der Bischof, der Franziskanerpater Juan de Zumárraga, war zunächst skeptisch und glaubte ihm nicht. Schließlich gelang es Juan Diego, den hohen Geistlichen zu überzeugen.

Kurz gefasst: Die Gottesmutter gab Juan Diego den Befehl, Blüten zu sammeln, von Blumen die zum Zeitpunkt der Erscheinung – Trockenzeit –  noch gar nicht blühten. Juan Diego gehorchte, trug das Gewünschte in seinem Umhang zusammen und eilte zum Kirchenmann. Als er vor dem Geistlichen die Blüten auf den Boden schüttete, zeigte sich auf dem Umhang ein wunderschönes Bild der Maria von Guadalupe. Heute, fast ein halbes Jahrtausend nach der Begegnung auf dem Hügelchen, wird der Umhang mit dem wundersamen, weil unmöglichen Bild, von Millionen von Pilgern in der Basilika von Guadalupe bestaunt.

Dieses »Bild« ist seinem Wesen nach eher eine Fotografie, es ist nicht gemalt und niemand vermag zu sagen, wie es hergestellt wurde. Der Stoff der Tilma ist, das haben strenge wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, tatsächlich rund 450 Jahre alt. Er stammt wirklich aus dem Jahr 1531. Das aber ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Das Stoffgewebe wurde einst aus groben Agavefasern gewebt. Solcher Stoff hat eigentlich eine nur sehr begrenzte Lebenszeit, zerfällt gewöhnlich nach höchstens zwanzig Jahren. Wie konnte das Gewebe dann rund fünfhundert Jahre überdauern? Konservierungsstoffe wurden keine Gefunden.
       
Foto 6: Heutige »Heimat« der Jungfrau

Rätselhaft ist nach wie vor auch das Bildnis selbst. Ein Gemälde ist es nicht, das ergaben Analysen von Professor Richard Kuhn, Nobelpreisträger aus Heidelberg. Nicht die kleinste Spur eines Pinselstrichs ist ausfindig zu machen. Farbe befindet sich weder oberflächlich auf, aber auch nicht in den Fasern. Verwirrend fiel das Ergebnis einer Untersuchung durch Spezialisten der Firma Kodak aus. Resultat: »Das Bild ist seinem Wesen nach eine Fotografie.« Damit wurde eine Entdeckung bestätigt, die der mexikanische Fotograf Alfonso Gonzales bereits 1929 gemacht hatte. Gonzales kam damals auch zu dem Schluss, dass sich irgendetwas in den Augen zwischen den teilweise geschlossenen Lidern widerspiegelt. Aber was?

Das fand der Augenarzt Dr. Jorge Escalante Padilla erst Jahrzehnte später heraus. Mit Hilfe von modernen Elektronikmikroskopen konnte er Winziges erkennbar machen. Dem verblüfften Wissenschaftler kam es so vor, als sei er mit Hilfe einer Zeitmaschine fast 500 Jahre in die Vergangenheit gereist. In den winzigen Pupillen ist eine anrührende Szene dargestellt. Dr. José Aste Tonsmann, Cornell-Universität, vergrößerte dieses unvorstellbar winzige Szenario auf das 2000fache. Mit Hilfe verschiedener optischer Filter gelang es ihm, auch noch so unscheinbare Einzelheiten erkennbar zu machen.
      
Foto 7: Maria von Guadalupe
als Heiligenbildchen

Man bedenke: Das Bildnis von der Jungfrau von Guadalupe ist nur 152,24 Zentimeter groß. Die Pupillen sind also weit kleiner als Stecknadelköpfe. Und doch spiegeln sie ein Szenario wider, so als handele es sich um »richtige« Augen eines lebendigen Menschen, der etwas betrachtet. Was? Da ist ein älterer Mann im Profil zu sehen. Vermutlich handelt es sich um Bischof Zumarrage. Der ältere Herr spricht angeregt mit einer weiteren Person, wahrscheinlich handelt es sich um den Dolmetscher Gonzales. Am Boden schließlich hockt Juan Diego. Man sieht deutlich, dass er gerade seinen Umhang, Tilma genannt, ausbreitet. Weitere unbekannte Personen sind als Zeugen zugegen: eine indianisch wirkende Frau mit einem Baby auf dem Rücken, ein jüngerer Indio, bei dem es sich um den Mann der Frau handeln könnte und ein kleiner Junge, vielleicht ein Sohn der Eheleute.

Man mag zur Legende um die Maria von Guadalupe stehen wie man will. Fakt ist, dass das der grobe Stoff der Tilma bereits vor Jahrhunderten hätte zerfallen müssen. Fakt ist, dass das Bildnis selbst eine Unmöglichkeit ist. Niemand vermag zu sagen, wie es entstanden ist. Fakt ist, dass die winzigen Darstellungen in den Pupillen der Maria von Guadalupe noch unmöglicher sind als die Tilma selbst. Es dürfte eigentlich weder Tilma noch das Bildnis darauf geben.

Warum war Bischof Zumarrage zunächst Juan Diego gegenüber reserviert und ablehnend? Das ominöse Hügelchen der Marienerscheinung war in den Zeiten vor der mörderischen Eroberung durch die christlichen Spanier  ein wichtiges Heiligtum einer weiblichen Gottheit. Hier wurde einst Göttin Tonantzin von den Azteken verehrt. Der heidnische Tempel war »natürlich« von den Spaniern zerstört worden. Wollte Juan Diegeo, so überlegte der Bischof, die alte Göttin im Gewand der Maria neu aufleben lassen? Der hochrangige christliche Kirchenmann fürchtete immer noch die heidnische Konkurrenz!

Foto 8: Das Bildnis auf der Tilma,
das Original in der Basilika

Die christliche Maria von Guadalupe ist eine ehrwürdige heidnische Göttin in neuem Gewand. Die Maria von Guadalupe hat zu Beginn des dritten nachchristlichen Jahrtausends immer noch die Züge einer heidnischen Göttin.

Erinnern wir uns an die Erkenntnisse der intensiven Recherchen von Klaus-Rüdiger Mai (3): »Der Inbegriff des Christentums, die Theologie der Jungfrau Maria, ist im Grunde nicht christlichen Ursprungs, sondern eine Camouflage wesentlich älterer Kulte, nämlich der Kulte der Magna Mater, der Inanna, der Astarte, der Demeter, der Kybele oder Ceres, der großen … irdischen und unterirdischen Mutter- und Fruchtbarkeitsgottheiten der heidnischen Welt.«

Fußnoten

(1) Bitte beachten Sie auch http://www.ein-buch-lesen.de/2010/12/das-wunder-von-guadalupe.html
(2) Mai, Klaus-Rüdiger: »Die geheimen Religionen/ Götter, Sterne und Ekstase«, Köln 2012, S. 124, untere Hälfte der Seite
(3) ebenda

Zu den Fotos

Foto 9: Ephesus-Bibliothek des Celsus


Foto 1: Artemis von Ephesus, Foto Lutz Langer, creative commons

Foto 2: Artemis von Ephesus, Variante von Kybele und Maria?,Darstellung auf einer Münze, etwa
     4-5 Jahrjundert v. Chr., Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 3: Die Basilika von Guadalupe, Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 4: Artemis von Ephesus, die Vorgängerin der Gottesmutter, Darstellung auf einer Münze,
    Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 5 : Blick in die Basilika von Guadalupe, Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 6: Heutige »Heimat« der Jungfrau, Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 7: Maria von Guadalupe als Heiligenbildchen, Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 8: Das Bildnis auf der Tilma, das Original in der Basilika, Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 9: Ephesus-Bibliothek des Celsus: Foto shetta, creative commons

296»Maria und andere Göttinnen«,
Teil 296 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 20.09.2015



Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 12. Dezember 2010

47 »Beweise für ein Wunder«

Teil 47 der Serie»Monstermauern, Mumien und Mysterien«von Walter-Jörg Langbein

Gottesdienst im Gotteshaus der Maria von
Guadalupe. Foto: Ingeborg Diekmann
Millionen Pilger strömen Jahr für Jahr zur Maria von Guadalupe. Unzählige Gottesdienste werden gehalten. Die Menschen kommen aber weniger der Priester wegen... sie wollen dem mysteriösen Bildnis nahe sein. Ständig kommen und gehen Menschen, aber dennoch bleibt die Ruhe im riesigen Gotteshaus gewahrt. Als nüchterner Beobachter muss ich konstatieren: Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre, das Bildnis der Gottesmutter zieht jeden in seinen Bann...

Vor fast einem halben Jahrtausend fand Juan Diego auf Geheiß einer Marienerscheinung mitten in der Trockenzeit Knospen und Blüten. Er trug sie in seiner Tilma, in seinem Umhang, zum Bischof. Auf wundersame Weise entstand auf dem groben Stoff ein erstaunliches Bildnis, das es nach aller Logik gar nicht geben dürfte!
Das »unmögliche« und doch höchst
realeBildnis der  Maria von Guadalupe.
Foto: Walter-Jörg Langbein
Schon der Stoff der Tilma selbst ist so etwas wie ein Wunder. Er ist, das haben strenge wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, tatsächlich fast 500 Jahre alt. Er stammt eindeutig aus dem Jahr 1531. Das aber ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Warum? Der Stoff wurde im frühen 16. Jahrhundert – zu Lebzeiten Martin Luthers – aus groben Agavefasern gewebt. Er hätte eigentlich schon zwanzig Jahre nach Herstellung wieder zerfallen müssen. Länger hält so ein Gewebe nämlich gewöhnlich nicht. Und Konservierungsstoffe kamen nicht zum Einsatz! Wie konnte das Gewand des Juan Diego fast ein halbes Jahrtausend überstehen?

Mysteriös ist nach wie vor auch das Bildnis selbst. Ein Sammelsurium aus Pflanzenblüten und Knospen, in einem Stück Stoff getragen, würde niemals ein auch nur ansatzweise erkennbares Bild ergeben. Wie aber entstand die geheimnisvolle Darstellung der Gottesmutter?
Ein Gemälde ist es, das ergaben Analysen von Professor Richard Kuhn, Nobelpreisträger aus Heidelberg eindeutig nicht. Was es auch ist, wie es auch hergestellt wurde: es wurde nicht gemalt. Fakt ist: Nicht die kleinste Spur eines Pinselstrichs ist ausfindig zu machen. Farbe befindet sich weder oberflächlich auf, aber auch nicht in den Fasern. Im Verlauf der letzten dreißig Jahre tauchten immer wieder Meldungen auf, dass angeblich da und dort doch Farbspuren entdeckt worden seien. Diesen Hinweisen bin ich in der Literatur gefolgt. Es fand sich keine Bestätigung!
Maria von Guadalupe auf einem
Heiligenbildchen
Foto: Walter-Jörg Langbein
Sehr verwirrend fiel das Ergebnis einer Untersuchung durch Spezialisten der Firma Kodak aus. Resultat: »Das Bild ist seinem Wesen nach eine Fotografie.« Damit wurde eine geradezu Entdeckung bestätigt, die der mexikanische Fotograf Alfonso Gonzales bereits 1929 gemacht hatte. Gonzales hat damals »Unmögliches« herausgefunden, nämlich dass sich irgend etwas in den Augen zwischen den teilweise geschlossenen Lidern widerspiegelt...in den Augen der Maria von Guadalupe auf dem uralten Umgang Aber was? Genau konnte das Alfonso Gonzales nicht feststellen. Was da in den winzigen Pupillen zu sehen ist, fand erst der Augenarzt Dr. Jorge Escalante Padilla heraus... Jahrzehnte später.

Mit Hilfe eines Elektronikmikroskops konnte er Winziges vergrößern und erkennbar machen. Dem verblüfften Wissenschaftler kam es so vor, als sei er mit Hilfe einer Zeitmaschine fast 500 Jahre in die Vergangenheit gereist. Es ist eine Sensation: In den winzigen Pupillen der Maria von Guadalupe ist eine anrührende Szene dargestellt.

Dr. José Aste Tonsmann, Cornell-Universität, vergrößerte dieses unvorstellbar winzige Szenario auf das 2000fache. Mit Hilfe verschiedener optischer Filter gelang es ihm schließlich, auch noch so unscheinbare Einzelheiten erkennbar zu machen. Um zu erkennen, wie sensationell die Wahrheit ist, muss man sich die Größe des Gesamtbildes (das keines ist) vor Augen führen! Die Jungfrau von Guadalupe ist nur 152,24 Zentimeter groß. Die Pupillen sind weit kleiner als Stecknadelköpfe. Und doch spiegeln sie, winzig klein, ein Szenario wider... und zwar so als handele es sich um »richtige« Augen eines lebendigen Menschen.
Was sah das Bildnis der Maria von Guadalupe? Da ist ein älterer Mann im Profil zu sehen. Vermutlich handelt es sich um Bischof Zumarrage. Der ältere Herr spricht angeregt mit einer weiteren Person, wahrscheinlich handelt mit dem Dolmetscher Gonzales. Am Boden schließlich hockt Juan Diego selbst. Man sieht deutlich, wie er gerade seine Tilma ausbreitet. Weitere unbekannte Personen sind als Zeugen zugegen: Wir machen eine indianisch wirkende Frau mit einem Baby auf dem Rücken aus, einen jüngeren Indio, bei dem es sich um den Mann der Frau handeln könnte und einen kleinen Junge.

Rekapitulieren wir: Juan Diego betritt das Empfangszimmer von Bischof Zumarrage. In seinem Umhang hat er Blumenblüten und Knospen gesammelt. Er schüttet sie auf den Boden. Auf seinem Umhang wird ein Bild sichtbar. Es zeigt Maria... und in ihren Augen spiegelt sich eben diese Szene: Juan Diego im Besuchszimmer des Bischofs. Eine »vernünftige« Erklärung gibt es nicht. Versuchen wir eine fantastische Hypothese: Maria befindet sich unsichtbar im Empfangsraum des Bischofs. Sie sieht, wie Juan Diego den Raum betritt, wie er seinen vor der Brust geschürzten Umhang öffnet und wie die Blütenpracht zu Boden fällt. Sie nimmt wahr, wie die Menschen im Raum reagieren. Das Seznario spiegelt sich in den Pupillen ihrer Augen wieder. Auf dem Umhang Juan Diegos nun sieht man eben diese Maria... mit den Bildern in ihren Pupillen...
Heute wird das Bildnis durch eine
Glasscheibe geschützt
Foto: Walter-Jörg Langbein
Dr. Johannes Fiebag und Peter Fiebag versuchten das Mysterium zu verdeutlichen (1): »Der Prozess der Bildentstehung war dabei allerdings nicht eine Fotografie im herkömmlichen Sinne. Zum einen fungierte die Tilma Juan Diegos sowohl als ›Linse‹ als auch als ›Farbfilm‹, zum anderen blieb das Objekt der Fotografie – nämlich die Mariengestalt – während des Vorgangs unsichtbar. Möglicherweise haben wir es mit einer Art Infrarotaufnahme zu tun, die mit dem Auge nicht wahrnehmbare Wellenlängen sichtbar machte. Fraglos muss sich ›irgend etwas‹ im Raum befunden haben, andernfalls würden sich Juan Diego und die anderen Personen nicht im Auge der Gestalt widerspiegeln können.«

Die »Biografie« der Maria von Guadalupe ist eine Ansammlung von Unmöglichkeiten. Je mehr ich mich mit dem wundersamen Bildnis auseinander setzte, desto rätselhafter wurde das Phänomen. Nachdem Bischof Zumarrage eine Kapelle für das Bildnis hatte bauen lassen, wurde das wundersame Tuch ein Jahrhundert lang ungeschützt aufgehängt. Unzählige Pilger nahmen es von der Wand, berührten es mit den Händen, küssten es. Leidende rieben schmerzende Glieder daran oder legten sich auf das Bildnis. Andere wollten etwas von der geheimen Wunderkraft des Tuches mit nach Hause nehmen und brachten es in Kontakt mit Kerzen, Kreuzen und anderen Objekten. Auch Amulette und Talismane sollten ein wenig vom Wunder aufnehmen.. und wurden in großer Zahl an das Bildnis gehalten.
Hunderttausende Pilger entzündeten Kerzen in unmittelbarer Umgebung des verehrten Bildes....und das Jahrhunderte lang. Allein schon das Licht dieser Millionen von Kerzen hätten das Bild zerstören müssen.
 Professor Philip Callahan von der Universität von Florida stellte das eigentlich Unmögliche fest. Das Licht dieser unzähligen Kerzen hätte längst schon das wie auch immer entstandene Bild zum Verschwinden bringen müssen, auf einem Stoff, der eigentlich schon vor Jahrhunderten hätte zerfallen müssen. Prof. Callahan (2): »Zu starkes ultraviolettes Licht bleicht die meisten Farbpigmente aus, seien sie organisch oder anorganisch.« Mit anderen Worten: Der Stoff der Tilma hätte vor Jahrhunderten zerfallen müssen. Er blieb auf wundersame Weise erhalten. Das Kerzenlicht hätte im Lauf der Jahrhunderte die Farben zum Verschwinden bringen müssen. Sie strahlen auch heute noch, ein halbes Jahrtausend später, in frischem Glanz!
Aber halt: Farben konnten ja gar nicht zum Verschwinden gebracht werden ... weil sich auf dem Tuch gar keine Farben befinden! Bereits 1936 analysierte der Chemienobelpreisträger Prof. Richard Kuhn eine Materialprobe. Selbst im mikroskopischen Bereich war nicht die Spur einer wie auch immer gearteten Farbe erkennbar.
Wir wissen nicht, wie die Maria auf den Umhang Juan Diegos kam. Wir wissen nicht, warum es das wundersame Bildnis noch gibt. Wir wissen aber, dass Maria eine Vorgängerin hatte: der Tepeyac-Hügel, Ort der Marienerscheinung, war schon in vorchristlichen Zeiten eine heilige Stätte. Coatlicue (die Mutter-Erdgöttin) alias Tonantzin (die Fruchtbarkeitsgöttin) wurden hier verehrt.
Wie sich doch die Bilder gleichen.... Coatlicue wurde als »unsere liebe Mutter« tituliert, so wie im Christentum Maria. Ein anderer Ehrenname war »die alle himmlischen Dinge gebiert«. Eva wurde als »Mutter alles Lebendigen« gepriesen... Coatlicues Tochter Coyolxauhqui war die Göttin des Mondes. In den alten Matriarchaten war stets der Mond das Gestirn der Muttergöttin. Ist es ein Zufall, dass die Maria von Guadalupe... auf einer Mondsichel steht?

Ist es ein Sakrileg, darüber nachzudenken... ob die christliche Maria schon vor Jahrtausenden als eine Muttergottheit verehrt wurde... nur unter anderem Namen? Verehren Christen heute wie einst die Azteken und andere Völker zuvor in Maria die Göttin des Matriarchats?
Ist Maria eine uralte Muttergottheit in
neuem Gewand? Muttergottes in
der Kapelle des St.Ansgar
Krankenhauses, Höxter
Foto: Walter-Jörg Langbein
 Fußnoten

 (1) Fiebag, Dr. Johannes und Fiebag, Peter: »Himmelszeichen«, München 1992, S. 312

 (2) zitiert bei Fiebag, Dr. Johannes und Fiebag, Peter: »Himmelszeichen«, München 1992, S. 302

 »Mysteriöses Mesaverde«,
Teil 48 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 19.12.2010

 Weiterlesen:
Walter-Jörg Langbein: Das Sakrileg und die Heiligen Frauen




Sonntag, 5. Dezember 2010

46 »Das Wunder von Guadalupe«

Teil 46 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Die größte Pilgerkirche der Welt ist die Basilika von Guadalupe. Sie wurde gebaut, weil vor fast einem halben Jahrtausend ein armer getaufter Azteke eine Marienerscheinung hatte. Millionen Pilger strömen an den Ort des Geschehens und besuchen das Gotteshaus. Emsige Verkäufer bieten Souvenirs der religiösen Art an. Sie sind aber sehr zurückhaltend und keineswegs so aufdringlich wie an manch’ anderem sakralen Ort der Christenheit.

Händler vor der Basilika von Guadalupe
Foto: Walter-Jörg Langbein
Auf dem Weg zum Gottesdienst hatte Juan Diego eine geheimnisvolle Erscheinung. Die Gottesmutter sei ihm begegnet. Davon war der gläubige Azteke, der zum Christentum übergetreten war, überzeugt. An der Stätte der Erscheinung, so forderte es Maria, solle ein Gotteshaus errichtet werden. Juan Diego berichtete über den himmlischen Auftrag dem Bischof. Der aber war skeptisch und forderte einen Beweis.

Der Wunsch des skeptischen Kirchenmannes beunruhigte Juan Diego sehr. Wie würde Maria, so er sie denn überhaupt noch einmal sehen durfte, auf die doch wohl kränkende Skepsis reagieren? Die Erscheinung erwies sich zur Freude Juan Diegos, als sehr geduldig. Sie willigte ein. Juan solle am 12. Dezember 1531 erneut kommen. Dann werde sie einen unumstößlichen Beweis dafür liefern, dass sie – die Gottesmutter – tatsächlich mit ihm, einem einfachen Indio gesprochen habe.

An jenem 12. Dezember freilich erkrankte der Onkel Juan Diegos schwer. Juan Bernardino, so schien es, würde bald sterben. Sein Neffe solle nur rasch einen Priester herbeiholen. Juan rannte los, befürchtete aber, von der Jungfrau aufgehalten zu werden. So nahm er einen Umweg in Kauf, mied bewusst jene Stelle, an der er mehrfach die Erscheinung gesehen hatte. Die Erscheinung aber »schnitt ihm den Weg ab«, fragte, warum er denn nicht zu ihr gekommen sei, so wie man es doch abgesprochen habe.

Die Maria von Guadalupe
auf einem Heiligenbildchen
Foto: Walter-Jörg Langbein
Als die edle Frauengestalt von der Erkrankung des Onkels vernahm, da lächelte sie nur milde und erklärte, der Onkel sei durch ein Wunder genesen. Und genau das sei auch wirklich geschehen – behaupten zumindest glaubhafte Dokumente aus dem 16. Jahrhundert.

Juan Diego erhielt einen kurios anmutenden Befehl. Er solle umgehend jene Stelle, an der er zum ersten Mal die Erscheinung gesehen habe, aufsuchen und ganz bestimmte Knospen und Blüten einsammeln. Am angegebenen Ort fand der Indio aztekischer Herkunft tatsächlich Knospen und Blüten, obwohl ja Trockenzeit war, obwohl es also nichts Grünes, geschweige denn Knospendes oder gar Blühendes geben durfte. Eigentlich war der Befehl, den Juan Diego ausführen sollte, unsinnig. Und doch machte er sich auf den Weg.

Zu seinem Erstaunen fand er, mitten in der Trockenzeit, an der angegebenen Stelle ... ein Meer von Knospen und Blüten. Juan Diego pflückte sie gehorsam, und sammelte sie in seiner Tilma, einem schürzenähnlichen Umhang. Wieder suchte Bischof Juan de Zumarrage auf. Der Bischof und weitere hohe Würdenträger, zum Beispiel Bischof Don Sebastian Ramirez y Funeral, waren zugegen, als der getaufte Azteke seine Tilma öffnete.

Die Knospen und Blüten, die es eigentlich zu jener Jahreszeit gar nicht geben konnte, fielen zu Boden. Auf dem Umhang Juan Diegos war plötzlich ein wunderschönes Bildnis zu erkennen, »das geliebte Bild der Vollkommenheit, der heiligen Jungfrau Maria, der Mutter Gottes«. Das überzeugte Bischof Juan de Zumarrage. Er und seine Gäste knieten ergriffen nieder und beteten. Der Bischof erfüllte nun den Auftrag der Erscheinung. Auf seinen Befehl hin wurde am Erscheinungsort eine Kapelle errichtet.

Fast ein halbes Jahrtausend ist seit jenem denkwürdigen Ereignis vergangen... Ich habe nach ausgiebigem Literaturstudium zusammengefasst, was in dieser Zeit geschah!

1649: Nican Mophua übersetzt ältere Beschreibungen der Ereignisse von Guadalupe ins mexikanische Nahuatl. Die Kunde vom »Wunder« wird im ganzen Land bekannt. Immer mehr Pilger strömen an den mysteriösen Erscheinungsort.

1695: Die Kapelle am Erscheinungsort ist für den wachsenden Pilgerstrom viel zu klein geworden. Sie muss einer Kathedrale weichen.

1754: Papst Benedikt anerkannt das »Wunder der Jungfrau von Guadalupe« als echt.

1970: Die Kathedrale droht einzustürzen. Das Gebäude weist starke Schäden auf. Teile der Kathedrale haben sich deutlich gesenkt. Risse sind entstanden. Ein Besuch der Kathedrale wird immer gefährlicher. Man will nicht so lange warten, bis es zu einem Unglück kommt. Experten werden befragt. Sie halten erhebliche Renovierungsarbeiten für unbedingt erforderlich... als Minimallösung. Mit Nachdruck fordern sie aber einen Neubau.

Der Vorgänger der heutigen Basilika von
Guadalupe. Foto: Walter-Jörg Langbein


1976: Eine Basilika wird neben die Kathedrale gebaut. Sie bietet 40 000 Menschen Platz.

1981: Papst Johannes Paul II. besucht die Basilika.

1990: Neuerlicher Besuch des Papstes in Guadalupe. Ein großes Denkmal erinnert an den höchsten Repräsentanten der katholischen Kirche am Erscheinungsort.

Mehr als drei Jahrzehnte besuchte ich mysteriöse Stätten von Ägypten bis Vanuatu. Immer wieder hörte ich seltsame Erzählungen und märchenhafte Legenden. Ersinnt der fromme Mensch aus Sehnsucht nach Beweisen für seine Religion wundersame Geschichten, die mit der Realität nichts zu tun haben? Das »Wunder von Guadalupe« ereignete sich in einer für die katholische Kirche äußerst günstigen Zeit!

Mit den mordenden Eroberern aus Europa waren auch Missionare zu den Azteken gekommen. Sehr überzeugend waren die Geistlichen nicht. Verkündeten sie doch das Christentum als Lehre der absoluten Nächstenliebe ... während ihre Glaubensgenossen mit Grausamkeit gegen die Azteken vorgingen, um möglichst viel Gold zu erbeuten. Die Missionare wurden weitestgehend abgelehnt... bis sich das »Wunder von Guadalupe« ereignete. Plötzlich mieden die Einheimischen nicht mehr die Missionare. Sie suchten sie auf und baten, den christlichen Glauben annehmen zu dürfen. In kürzester Zeit ließen sich Millionen von Menschen taufen!

Das Bildnis der Maria von Guadalupe -
Wunder oder Fälschung?
Foto: Walter-Jörg Langbein
Die Überlieferung über das Wunder von Guadalupe mutet dem modernen, skeptischen Menschen von heute wie eine unglaubwürdige Legende an. Wunder machen dem »modernen« Rationalisten, auch wenn er das nicht zugeben mag, Angst. Der »aufgeklärte« Skeptiker lehnt Wundersames grundsätzlich ab. Er protestiert lautstark, aber letztlich ängstlich, gegen die Existenz von Unerklärbarem...

In Theologenkreisen wird unterstellt, sie entbehre jeder historischen Grundlage. Man habe die Story nur erfunden, um den Menschen Zentralamerikas eine »eigene« Maria bieten zu können. Und in der Tat: Nach dem »Wunder« wurden die Nachfahren der einst stolzen Azteken katholisch. Aber genügt dies als Beweis dafür, dass das »Wunder von Guadalupe« reine Fiktion ist? Was ist Tatsache, was ist Fiktion?

Das verehrte Bildnis, so höre ich immer wieder, sei auf ganz natürliche Weise entstanden, ein unbekannter Künstler habe es vor Jahrhunderten gemalt. Für viele Theologen sind »Wunder« heute nicht mehr vermittelbar. Zumindest glauben »moderne« Theologen, dass unsere so wissenschaftliche Zeit keine Wunder mehr anerkennen mag. Also muss die »Maria von Guadalupe« eine Fälschung sein.

Das aber ist falsch. Und: Es ist schon ein Wunder, dass wir heute die Maria auf Juan Diegos Tilma überhaupt noch bewundern können!


»Beweise für ein Wunder«,
Teil 47 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 12.12.2010

Sonntag, 28. November 2010

45 »Das Geheimnis der Maria von Guadalupe«

Teil 45 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Andenkenhändler vor der Basilika von Guadalupe
Foto: Walter-Jörg Langbein
Der gewaltige, moderne Bau der Basilika von Guadalupe wirkt höchst imposant, ja futuristisch-kühn. Pedro Ramirez Vasquez hat das Gotteshaus entworfen. Am 13. Oktober 1976 wurde die Basilika geweiht, ein Jahr später eröffnet. Mit 10.000 Sitzplätzen gehört sie zu den größten Kirchen unseres Planeten. Insgesamt kann sie 40.000 Pilger aufnehmen, wie ein riesiges Zelt aus Stahl und Beton. Gewaltig ist die Last, die die unsichere Erde von Guadalupe außerhalb von Mexiko-City zu tragen hat. Um die größte Pilgerkirche der Welt abzusichern, wurden gut 1000 massive Säulen ins Erdreich versenkt, die den monumentalen Bau tragen. Für motorisierte »Pilger« wurde ein unterirdisches Parkhaus ins Erdreich gegraben. 1000 Autos finden Platz.

Beim Bau der Basilika hat man sich auf den Besuch von Millionen von Pilgern eingestellt. Dem Architekten war klar: Die Menschen würden in die Basilika strömen, um ein physisch greifbares Wunder zu sehen: das mysteriöse Bildnis der Maria von Guadalupe. Jeder sollte die Chance haben, das verehrte Tuch zu sehen. Würden aber fromme Pilger nicht zu lange vor der Reliquie stehen bleiben... und andere daran hindern, möglichst nahe an das Ziel ihrer Reise zu treten... an das Bildnis der Maria von Guadalupe? So wurden drein mechanische Förderbänder installiert, die am Hauptaltar vorbeiführen.

Innenansicht der Basilika von Guadalupe
Foto: Joaquín Martínez Rosado (Public Domain)


Pedro Ramirez Vasquez, der berühmte Architekt, durfte das Tuch von Guadalupe mit dem berühmten Bildnis untersuchen. Er soll, so heißt es, kein gläubiger Christ gewesen sein. Nachdem Vasquez die Tilma studiert hatte, trat er der katholischen Kirche bei ... Was hat den kühlen Denker so beeindruckt?

»Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.«... So heißt es in Goethes Faust. Und in der Tat entziehen sich fast alle religiösen Wunder der rationalen Hinterfragung. Eine ganz erstaunliche Ausnahme gibt es freilich - und die ist eine Sensation. Die Jungfrau von Guadalupe hat so etwas wie einen fotografischen Beweis hinterlassen. Und das, obwohl die mehr als mysteriösen Ereignisse bereits vor fast 500 Jahren stattfanden. Ein wundersames Bildnis erschien auf nicht nachvollziehbare Weise auf dem Umhang eines einfachen Indio ...

Dieses Bildnis ist in Mexiko allgegenwärtig. Es wurde über die Jahrhunderte zu einer Ikone des Glaubens der mexikanischen Ureinwohner, der Nachfahren der Azteken. Auch wenn es nicht leicht fällt, zu verstehen: der christliche Glaube, der vor rund einem halben Jahrtausend mit gewalttätigen Plünderern ins Land kam, wurde von der gedemütigten Bevölkerung angenommen ... nach den wundersamen Ereignissen von Guadalupe. Auf einem kleinen Friedhof außerhalb von Mexiko-City sah ich das Bildnis von Guadalupe auf einem heutigen Grabstein verewigt...

Das Bildnis der Maria auf einem Grabstein
Foto: Walter-Jörg Langbein
Juan Diego war ein gebürtiger Azteke. 1525 trat er zum christlichen Glauben über. Er war vom neuen Glauben zutiefst überzeugt. Man muss ihn als guten Katholiken bezeichnen. Fast täglich suchte er die Kirche im mexikanischen Tlaticlo auf. Er verbrachte einen erheblichen Teil seines Alltags damit, von seinem bescheidenen Heim im Dörfchen Tolpetlac zum Gotteshaus und zurück zu marschieren. Neun Weilen war der Weg lang, Juan Diego stand meist schon in der Nacht auf.

Am 9. Dezember 1531 war Juan Diego wieder einmal unterwegs zur Kirche, da hörte er unweit des Berges Tepeyac wunderschöne Musik. Als er nach kurzer Pause weitermarschieren wollte, so wird überliefert, sprach ihn eine Stimme an: »Juanito, Juan Dieguito.« Wer redete ihn da so zärtlich an? Wer verwandelte seinen Namen im Spanischen geradezu zu einem Kosewort? Man kann die Anrede so übersetzen: »Kleiner Juan-chen, Juan Diego-chen«.

Die Gläubigen sind von der Realität des mysteriösen Erlebnisses überzeugt. Sie kommen aus aller Welt nach Mexiko, um dem Ort des rätselhaften Geschehens zumindest einmal im Leben nahe zu sein. Da schläft der erschöpfte Hirte in ärmlicher Kleidung im Gotteshaus ein. Neben ihm sitzt ein reicher Industrieller im teuren Anzug. Wo man auch im gewaltigen Kirchenhaus sitzt, man kann immer das Bildnis der Maria sehen. Gar manches Mal war ich in der Basilika. Mehr als der mächtige Bau hat mich die friedliche Stimmung im Gotteshaus beeindruckt. Nonnen und Mönche, Arme und Reiche erweisen der Maria ihre Referenz. Selbst Touristen in grellbunter Kleidung fallen hier nicht unangenehm auf.

Die Atmosphäre ist nicht in Worte zu fassen. Es liegt ein geheimnisvoller Frieden über dem Raum. Die Menschen spüren so etwas wie eine geistig-seelische Verbindung. Sie verstehen einander, auch wenn sie aus unterschiedlichsten Kulturkreisen und Schichten kommen. Mich, der ich alles andere als kirchenfromm bin, hat Guadalupe immer wieder zutiefst beeindruckt. Mir war, als würde in jener riesigen Kathedrale zumindest für einen Moment die tiefe Sehnsucht nach Ruhe und Frieden erfüllt ... in einer Welt der Hektik, nur einen Katzensprung von der lauten, oft stinkenden Metropole Mexiko City entfernt.

Es ist, als gehe ein Zauber von den mysteriösen Ereignissen aus, die vor fast einem halben Jahrtausend Juan Diego in ihren Bann zogen. Ein »edles Fräulein, dessen Gewand leuchtete wie die Sonne, als ob es vom Licht widerstrahle« stand da, so ist uns überliefert worden, auf einem Felsen. »Der Glanz von ihr schien wie Edelsteine, wie der schönste Schmuck. Und die Kakteen und die übrigen Kräutlein sahen aus wie Smaragde. Wie Türkis sah ihr Blätterwerk aus, und ihre Zweige, ihre Dornen leuchteten wie Gold.«

Juan Diego fiel auf die Knie. Er schlug ergriffen, ja erschüttert, die Augen nieder. Das himmlische Wesen erklärte, es sei »die vollkommene heilige Jungfrau Maria«. Juan Diego bekam den Befehl, auf dem Tepeyac eine Kapelle errichten zu lassen. Er solle nur rasch den Bischof von Mexiko aufsuchen und das dringende Anliegen Mariens vortragen. Juan Diego hatte keinen Zweifel: Er musste gehorchen, dem Willen Mariens konnte er sich nicht widersetzen. Er stürzte in die Stadt, um eine Audienz bei Bischof Juan de Zumarrage zu erbitten. Der hochrangige Mitarbeiter in Gottes Bodenpersonal war allerdings nicht unbedingt ein Mann des Volkes, der sich auf ein Gespräch mit einem einfachen Gläubigen einließ ... schon gar nicht mit einem Indio, der sich womöglich eine obskure Geschichte ausgedacht hatte. Oder war der Mann gar alkoholisiert gewesen, als er angeblich eine Erscheinung hatte?

Wenn Juan Diego aber doch die Wahrheit sprach? Immerhin ließ er sich nicht abwimmeln, sondern beharrte darauf, den Bischof unbedingt sprechen zu müssen. Seine Ausdauer wurde auf eine harte Probe gestellt. Man ließ ihn warten... stundenlang...Immer wieder versuchte man, ihn abzuwimmeln... Vergeblich. Schließlich hörte sich der hohe Würdenträger Juan Diegos Bericht an und schickte ihn wieder weg. Enttäuscht machte sich Juan Diego auf den Heimweg. Unterwegs begegnete ihm wieder die Erscheinung. Wieder bekam er den Auftrag, zum Bischof zu gehen. Wieder wurde er vorgelassen. Der Bischof fühlte sich belästigt. Er forderte Juan Diego auf, ihm doch einen Beweis für seine angebliche Begegnung zu bringen. Wie aber sollte so ein Beweis aussehen? War das Wort Marias nicht Beweis genug? Wie sollte er dem Bischof glaubhaft machen, dass ihm tatsächlich Maria, die Mutter Gottes nach katholischem Glauben, begegnet war?


Die Maria von Guadalupe, das Original
Foto: Walter-Jörg Langbein
»Das Wunder von Guadalupe«,
Teil 46 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 5.12.2010

















Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)