Sonntag, 2. Februar 2020

524. »Die sieben anderen Welten der Kabbala«

Teil 524 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der Babylonische Talmud,
Titelblatt der Wilnaer Ausgabe
(1880-1886)
Seit Mitte der 1970-er Jahre habe ich mich mit jüdischem Geheimwissen beschäftigt. Während meines Studiums der evangelischen Theologie in Erlangen vergrub ich mich förmlich in den alten Texten des Zohar. Ich versuchte die Geheimnisse der Kabbala zu ergründen. Als ich den einen oder den anderen Professor der Theologie auf mein Interesse ansprach, stieß ich schnell auf wachsende Ablehnung. Ein Professor, im Fachbereich »Altes Testament« beheimatet, zeigte sich zunächst belustigt, dann erbost. Schließlich drohte er mir unverhohlen. Wenn ich mein Studium mit Aussicht auf Erfolg fortsetzen wolle, müsse ich auf »diesen Unsinn verzichten«.

In Nürnberg traf ich auf einen immer lächelnden alten Rabbi, der sich über mein Interesse am Zohar zu freuen schien. Er werde mir sehr gern bei meinem Studium des Zohar helfen. Ich möge aber zuerst verschiedene Übersetzungen des Zohar sorgsam lesen und auf mich wirken lassen. Nach »einigen Jahren« dürfe ich dann gern zu ihm zurück kommen. Dann werde er mir die Lektüre bestimmter Textpassagen ans Herz legen und hilfreiche Literatur zu diesen Texten empfehlen. Bei mir trat Ernüchterung ein. Ich hatte gehofft, so etwas wie einen Schlüssel zum Zohar zu erhalten, der mir den sofortigen Zugang zur Welt dieses geheimnisvollen Textes ermöglichen würde. Offensichtlich verbarg ich meine Enttäuschung nicht gut genug.

Der Rabbi versuchte noch, mir Mut zu machen. »Schauen sie mich an!«, forderte mich der weise Mann auf. »Ich beschäftige mich erst seit sechzig Jahren mit dem Zohar und verstehe schon einiges!« Ich resignierte. Den Zohar würde ich wohl nie wirklich begreifen. Aber ich konnte lesen, mich durch Berge von Zohar-Übersetzungen kämpfen und nach verborgenem Wissen suchen. Parallel dazu las ich im »Alten Testament«, in den »Legenden der Juden« und im Koran.

Bei meinen intensiven Textrecherchen dachte ich nicht an magische Rituale oder astrologische Weltbilder, auch nicht an vermeintlich göttliche Gebote über den Umgang mit Gläubigen und Ungläubigen, sondern – zum Beispiel – an fremde Planetenwelten fremder Sonnensysteme. 

Foto 2: Sefer Jezira
Nach dem Koran (1) schuf Allah sieben Welten und sieben Himmel. Die sieben Welten, von Gott erschaffen, finden sich auch in jüdischen Geheimlehren. Das »Sefer Jezira« (auch »Sefer Jetzira« und andere Varianten der Schreibweise) wird als »Buch der Schöpfung« oder »Buch der Formung« bezeichnet. Das Werk gilt als das älteste auf Hebräisch verfasste Buch der Kabbala. Franjo Terhart schreibt in seinem Buch »Kabbala« über »Sefer Jezira« (2): »Seinen Verfasser kennt man nicht. Es entstand etwa um die Mitte des 1. Jahrtausends in Palästina und liegt in zwei Fassungen vor, einer längeren und einer kürzeren. Es enthält grundlegende mystische Ideen. Um das Jahr 1000 wurde der Sefer Jezira häufiger kommentiert als jeder andere mystische Text – unter anderem, weil er vorgibt, bis auf Abraham zurückzugehen.«

Die heute bekannte lange Version umfasst etwa 2.500 Worte, die kurze nur 1.300 Worte. Yisrael Weinstock, einer der führenden Zohar-Experten der Welt, vermutet, dass die verschollene Originalversion vermutlich extrem kurz war. Sie bestand womöglich nur aus 240 Worten. Vergeblich habe ich nach der Ur-Version gesucht.

Ich kämpfte mich durch den »Jerusalemer Talmud«, der im 5. Jahrhundert schriftlich festgehalten worden sein soll. Ich arbeitete mich durch den noch umfangreicheren »Babylonischen Talmud«, der kurz nach dem »Jerusalemer Talmud« entstanden sein soll. Ich las und las, zum Beispiel die äußerst ausführlichen Abhandlungen über die Anwendung der Gesetzesvorschriften des »Alten Testaments« im Alltag. Ich studierte die Erklärungen der biblischen Vorschriften, so wie sie Rabbiner verstehen und interpretieren. Ja es gelang mir kurzzeitig Manuskripte einzusehen, die schließlich im gedruckten »Jerusalemer Talmud« verarbeitet wurden. In diesen Manuskripten wurde wiederholt »Sefer Yetzirah« erwähnt. Warum wurden diese Hinweise aber nicht in die gedruckte Ausgabe des »Jerusalemer Talmud« übernommen? Unklar ist, ob es sich bei diesem »Sefer Yetzirah« um »Sefer Je(t)zira« handelt.

Immer wieder konsultierte ich »meinen« Rabbi zunächst noch in Nürnberg, später in Göttingen und München. Nur selten erhielt ich konkrete Antworten. So teilte mir der gelehrte Mann mit, dass nach den Lehren der Kabbala Gott unzählige Sterne und unzählige Welten schuf. Viele dieser fremden »Erden« würden auf anderen Ebenen der Realität existieren, nicht wenige seien aber physische Himmelskörper wie unser Heimatplanet. Dort lebten, so der Rabbi, Wesen; die sich von uns Menschen sehr stark unterschieden.

Je gründlicher ich mich mit der Welt der mysteriösen alten jüdischen Überlieferungen beschäftigte, desto erstaunter war ich, wie wenig selbst die vermeintlich besten Interpreten verstanden. Was der eine Fachmann für ein simples Werk über die Schrift des alten Hebräischen war, das verstanden andere als magisches Werk, mit dessen Hilfe man Leben erzeugen konnte. Was einige für verklausulierte Vorschriften für ein gottgefälliges Leben hielten, das sahen andere als Entschlüsselung der hebräischen Buchstaben als geheime Zeichen für verborgene Botschaften.

Besonders intensiv interpretiert wird »Sefer Je(t)zira« schon seit Jahrhunderten. Handelt es sich bei dem geheimnisvollen Werk um einen philosophischen Text, um eine Abhandlung über Grammatik oder um einen Leitfaden für den Wanderer in spirituellen Welten? Geht es um Magie oder Meditation? Oder muss man »Sefer Je(t)zira« als »meditativen Text mit starken magischen Elementen« ansehen? Im Meer von zum Teil schwer oder selbst für den in Sachen Mythologie gut Informierten unverständlichen Texten versteckt tauchen immer wieder für uns seltsam klingende Namen von fremden Planeten-Welten auf.

Die Lang-Version des Sefer Jezira benennt, wie uns der Zohar-Experte Aryeh Kaplan mitteilt, sieben Planeten auf (3): »Adamah, Tevel, Nashiyah, Tzaya, Chalad, Eretz, Gai«. Aryeh Kaplan weiter: »Eine andere Quelle (4) gibt sie an als: Eretz, Adamah, Arkah, Gey, Tzaya, Nasya, Tevel. Eine weitere alte Quelle (5) listet auf Eretz, Adamah, Arka, Chariva, Yabasha, Tevel, Chalad.« Je gründlicher in den mysteriösen alten jüdischen Quellen nach diesen fremden Erden suchte, desto mehr entdeckte ich. In einem weiteren Manuskript des Sefer Jezira stieß ich auf eine weitere Auflistung der sieben Planetenwelten (6): »adama, arqa, tevel, neshija, zija, heled, erez«. Es tauchen verschiedene Listen mit den Namen der fremden Erden auf. Sie stimmen teilweise überein, sind aber nie wirklich identisch. Irritiert musste ich Verwirrendes feststellen: Es fällt auf, dass sich die Quellen uneins über die Namen der sieben fremden Planetenwelten sind.

Sie lassen aber keinen Zweifel an der Existenz fremder Planetenwelten im Universum aufkommen! Wer auch den Zohar verfasst haben mag, der war von der Existenz von anderen »Erden«, auf denen andere »Menschen« leb(t)en überzeugt. Meine intensiven Recherchen wurden belohnt. Offen gesagt: Ich suchte nach Fakten, nicht nach vieldeutiger Tiefgründigkeit und hatte Erfolg: Ich entdeckte nicht nur eindeutige Hinweise in den geheimen Schriften von Kabbala-Zohar, sondern sehr konkrete Angaben zu den Bewohnern jener fremden Welten. Im Lauf vieler Jahre notierte ich konkrete Angaben zu fremden Planeten auf Karteikarten und sortierte meine Entdeckungen. 

Bereits vor über einem halben Jahrhundert stellte Erich von Däniken (*1935) eine spannende Faktensammlung zusammen: Informationen zu fremden Planetenwelten in der geheimnisvollen Kabbala (7):

»Die sieben anderen Welten der Kabbala werden – bei wechselnden Bezeichnungen für die gleiche Sache – mit ihren Bewohnern sehr anschaulich beschrieben. Hier also Kabbala – Auszüge, die ich sinngemäß wiedergebe:
Die Bewohner der Welt von ›Geh‹ säen und pflanzen Bäume. Sie essen alles vom Baum, kennen aber keinen Weizen und keinerlei Getreide. Ihre Welt ist schattig, und es gibt viele große Tiere dort.
Die Bewohner der Welt von ›Nesziah‹ essen Sträucher und Pflanzen, die sie nicht säen müssen. Sie sind von kleinem Wuchs, und haben anstelle der Nasen nur zwei Löcher im Kopf, durch welche sie atmen. Sie sind sehr vergeßlich, und wissen bei einer Arbeit oft nicht, weshalb sie sie begonnen haben. Auf ihrer Welt sieht man eine rote Sonne.
Die Bewohner der Welt ›Tziah‹ müssen nicht essen, was andere Wesen essen. Sie suchen immer nach Wasseradern. Sie sind sehr schön von Angesicht, und haben mehr Glauben als alle anderen Wesen. Auf ihrer Welt gibt es große Reichtümer und viele schöne Bauwerke. Der Boden ist trocken, und man sieht zwei Sonnen.
Die Bewohner der Welt von ›Thebel‹ essen alles aus dem Wasser. Sie sind allen anderen Wesen überlegen, und ihre Welt ist in Zonen aufgeteilt, in denen sich die Bewohner durch Farbe und Gesichter unterscheiden. Sie machen ihre Toten wieder lebendig. Die Welt ist weit von der Sonne weg.
Die Bewohner der Welt von ›Erez‹ sind Nachfahren von Adam.
Die Bewohner von ›Adamah‹ sind auch die Nachfolger von Adam, weil Adam sich über die Trostlosigkeit auf ›Erez‹ beklagte. Sie bebauen die Erde und essen Pflanzen, Tiere und Brot. Sie sind meist traurig und bekriegen sich oft. Es gibt auf dieser Welt Tage, und die Gruppierungen der Gestirne sind sichtbar. Früher wurden sie oft von Bewohnern der Welt von ›Thebel‹ be-sucht, doch die Besucher wurden auf ›Adamah‹ von Gedächtnisschwäche befallen und wußten nicht mehr, woher sie kamen.
Die Bewohner der Welt von ›Arqa‹ säen und ernten. Ihre Gesichter sind verschieden von unseren Gesichtern. Sie besuchen alle Welten und sprechen alle Sprachen.«

Fußnoten
(1) Koran, Sure 65, 12
(2) Terhart, Franjo: »Kabbala/ Die jüdische Mystik«, Hannover 2007, S. 25, linke Spalte oben
(3) Kaplan Aryeh: »Sefer Yetzirah: The Book of Creation in Theory and Practice«, eBook, revidierte Fassung, 7. Auflage, San Francisco 1997, Seite 187, Position 3484. Hinweis: Das eBook führt den Planeten Chalad doppelt auf. Den offensichtlichen Fehler habe ich korrigiert.
(4) Ebenda, Fußnote 72: »VaYirka Rabbah 29:11, Pirkey Rabbi Eliezer 18 (43a), BaMidbar Rabbah 3:8. Cf. Raziel 15b (43), 36a (122)«
(5) Ebenda, Fußnote 73: »Otzar HaShem, ad loc., Avot Rabbi Nathan 37«
(6) Herrmann, Klaus (Herausgeber/ Übersetzer): »Sefer Jezira – Buch der Schöpfung«, Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, 1. Auflage 2008, Leipzig 2008. Hier wird als Quelle angegeben: »Sefer Jezira, Ms. Vatikan 299 §§ 43B«
(7) Däniken, Erich von: »Zurück zu den Sternen/ Argumente für das Unmögliche«, Düsseldorf 1969, 201.-250. Tausend, S. 236, 11. Zeile von unten – S. 238, 13. Zeile von unten. Die Rechtschreibung wurde unverändert übernommen und nicht der Rechtschreibreform angepasst.

Zu den Fotos
Foto 1: Der Babylonische Talmud, Titelblatt der Wilnaer Ausgabe (1880-1886). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Sefer Jezira. Cover. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

525. »Kain und der blinde Jäger«,
Teil 525 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 9. Februar 2020

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Sonntag, 26. Januar 2020

523. »Meister der Intelligenz und Wissenschaft«


Teil 523 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1:
Der Zohar, gedrucktes Cover,
1558
Der »Zohar«, andere Schreibweise »Sohar«, hebräisch זֹהַר, ist der wahrscheinlich wichtigste Bestandteil der geheimen Kabbala. Übersetzen lässt sich »Sohar« mit »strahlender Glanz«. Die »Kabbala« umfasst eine wahre Flut geheimnisvoller Texte, in denen »das Überlieferte« der jüdischen Tradition festgehalten wurde. In die »Kabbala« wurden vor Jahrhunderten mündlich überlieferte Lehren ebenso wie bereits in Schriftform fixierte Texte aufgenommen.

Der Zohar tauchte erstmals zwischen 1280 und 1286 in Spanien auf. Zunächst waren lediglich »Teillieferungen« bekannt. Erst in der Zeit von 1370 bis 1410 soll der Zohar als geschlossenes Werk zusammengefügt worden sein. Verborgen in einer Flut von philosophisch-magischen Beschreibungen der vielschichtigen Realität finden sich konkrete Angaben, die auf verblüffende Erkenntnisse über das physisch-reale Universum schließen lassen.

Es wäre mehr als anmaßend von mir, wollte ich auch nur versuchen, den Zohar in seiner Bedeutung zu erfassen. Viele Generationen hochgebildeter Gelehrter haben sich mit der Weisheit des Zohar beschäftigt. Mein Ziel ist weniger ambitioniert. Ich begnüge mich in den weiten, weiten Welten des Zohar konkrete Angaben über Erde und Universum zu entdecken. Dass ich damit dem Zohar als Quell‘ der Weisheit nicht gerecht werden kann, das ist mir natürlich bekannt. Ich habe mit einigem Erfolg Erstaunliches im Zohar gefunden. DEN Zohar zu erfassen, das mag mehr noch als ein lebenslanges Studium der mysteriösen Texte voraussetzen. Auch habe ich im Zohar nicht Gott, den der Gläubige auch den Allmächtigen nennt, gesucht. Ich war lediglich auf scheinbar »unmögliches Wissen« neugierig, das sich in allen heiligen Büchern verbirgt.

Der Zohar weiß zu berichten, dass legendäre Rabbis und andere bedeutsame Wissende offenbar in »himmlischen Lehrstätten« eingeweiht wurden. Der Sohar weiß von »Lehrhäusern« in denen »himmlische Lehrer« wirkten. In einem schwer verständlichen Text ist vom »Knaben im himmlischen Lehrhaus« (1) die Rede (2): »Fürchte dich nicht, heiliger Sohn! Hier wirst du sieben Tage unter uns weilen und jeden Tag baden im heiligen Tau. Dann wird man dich ins Innere dieser Lehrstätte bringen samt den anderen Kindern.«

Was dürfen wir uns die »himmlischen Lehrstätten« und die »himmlischen Lehrer« vorstellen? Wo wurde wem was unterrichtet? Wohin wurden die anderen Kinder Geschafft? Wo befand sich das »himmlische Lehrhaus«? Gab es Lehrbücher? Wer waren die Lehrer?

Fundamentalistische Anhänger der drei großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam nehmen gern für den eigenen Glauben an, dass er das Ergebnis göttlicher Offenbarung ist. »Altes Testament«, »Neues Testament« und Koran sind für strenggläubige Fundamentalisten unantastbar und göttlich. Dabei ist kein »Heiliges Buch« dank göttlicher Eingebung aus dem Nichts entstanden. In der christlichen Theologie ist dies schon sehr lange bekannt und anerkannt. Wo an Universitäten christliche Theologie gelehrt wird, da sind die Texte der Bibel alles andere als unantastbar. Sie werden mit wissenschaftlicher Methodik hinterfragt. So wird mit geradezu detektivischem Spürsinn zu ergründen versucht, wann wohl ein angebliches Jesus-Zitat entstanden ist. Kann es denn wirklich von Jesus selbst ausgesprochen worden sein? Oder wurde es sehr viel später von der christlichen Gemeinde Jesus in den Mund gelegt?

 Völlig zutreffend formuliert wikipedia (3): »Die historisch-kritische Methode ist ein im 18. und 19. Jahrhundert entwickelter Methodenapparat zur Untersuchung von historischen Texten. Bekannt ist sie vor allem aus der biblischen Exegese. Sie hat zum Ziel, einen (biblischen) Text in seinem damaligen historischen Kontext zu verstehen und schließlich auszulegen. Dabei spielen die Rekonstruktion der vermuteten Vor- und Entstehungsgeschichte des Textes und seine Einbindung in das damalige Geschehen eine besondere Rolle. Wichtige Teildisziplinen der historisch-kritischen Methode sind die Textkritik, die Textanalyse, die Redaktions-, Literar-, Form- und die Traditionskritik. Die historisch-kritische Methode ist heutzutage als grundlegende Methode der Bibelauslegung in der evangelischen und in der katholischen Kirche anerkannt, wenn auch nicht unumstritten.« 

Prof. Leonhard Berthold (*1774; †1822) nutzte sie bereits im frühen 19. Jahrhundert in seinen theologischen Publikationen und lehrte sie an der Universität zu Erlangen. Der Gelehrte sah die historisch-kritische Methode als den wichtigsten Schlüssel zu kanonischen und apokryphischen Schriften der Bibel an. Eine vergleichbar kritische Herangehensweise an den Koran dürfte in so manchem vom Islam geprägten Land geradezu lebensgefährlich für jeden Forscher sein.


Unbestreitbar ist, dass sich in Sachen fremde Welten deutliche Parallelen zwischen jüdischen Geheimlehren und dem Koran nachweisen lassen. Während die siebe Erden in den Legenden der Juden namentlich aufgezählt werden, bleiben sie im Koran anonym. In der Koranübersetzung von M. A. Rassoul lesen wir in Sure 65, 12: »Allah ist es, Der sieben Himmel erschuf und von der Erde die gleiche Anzahl.« Der Sachverhalt wird in sämtlichen Übersetzungen des Koran so beschrieben. In Vers 12 von Sure 65 wird in allen mir bekannten Übersetzungen ganz eindeutig festgehalten, dass Gott nicht eine, sondern sieben Planetenwelten schuf. So übersetzt Rudi Paret: »Allah ist es, der sieben Himmel geschaffen hat, und von der Erde ebensoviel.«

Foto 2:
Der Zohar,
gedrucktes Cover,
1558
Dr. Amira El-Zein, »Georgetown Universität« Katar, Doha, ließ in einem Kommentar im Deutschlandfunk keine Zweifel daran aufkommen, dass der Koran nicht nur die Erde als bewohnten Planeten kennt, sondern deren sieben (4): »Ferner gibt es sieben Himmel und sieben Erden. Sie unterscheiden sich untereinander und von unserer Erde. Alle haben ihre eigene Natur und ihre eigenen Bewohner.«

Im »Alten Testament« wird im »Buch der Richter« Merkwürdiges beschrieben (5). Die »Richterin Debora« will im Kampf Barak gegen seinen Feind Sisera unterstützen. Es kam zu einer Schlacht wahrhaft kosmischen Ausmaßes, an der sowohl Könige als auch Sterne beteiligt waren (6): »Die Sterne am Himmel kämpften mit, von ihren Bahnen aus kämpften sie gegen Sisera.« Die Bürger von Meros werden verflucht, weil sie im gewaltigen Gemetzel nicht auf der Seite Gottes fochten. In der zuverlässigen Übersetzung der »Elbefelder Bibel« lesen wir (7): »Verfluchet Meros! sprach der Engel des HERRN. Verfluchet, ja, verfluchet seine Bewohner! Denn sie sind dem HERRN nicht zu Hilfe gekommen, dem HERRN zu Hilfe unter den Helden.«

Wer oder was war »Meros«? Darüber herrschte unter jüdischen Gelehrten Uneinigkeit. Im »Talmud« heißt es (8): »Manche sagen, er war ein bedeutender Mann, und manche sagen, es war ein Stern.« Talmud-Experte Rabbi Eliyahu Pinchas von Vilna dachte kosmisch. Nach Ansicht des Gelehrten war Meros »die Zivilisation auf einem fernen Planeten«. Rabbiner Chasdai Crescas brachte bereits im 14. Jahrhundert außerirdische Lebewesen ins Spiel. Der Rabbiner und weise Philosoph Chasdai Crescas zitierte zunächst den Talmud (9). Da heißt es doch, dass Gott eine wahrhaft kosmische Reise absolvierte und entweder dem Gesang der Engel lauscht oder in seinem Vehikel 18.000 Welten besucht. Für Rabbi Crescas gab es keinen Zweifel: 

Gott war in 18.000 Welten präsent, also müsse man ja wohl annehmen, dass es auf diesen Welten auch Lebewesen, sprich »Außerirdische« gibt. Baruch Crowley hat für »The Jewish Magazine« einen sehr ausführlichen Artikel verfasst. Der Titel lautet: »Leben auf anderen Welten/ Die Existenz anderer Welten«. Crowley schreibt (10): »Basierend auf einer Aussage im Talmud könnten sich diese außerirdischen Individuen, die in der kabbalistischen Literatur recht seltsam als ›Meister der Intelligenz und Wissenschaft‹ bekannt sind, in einer Hinsicht von den Menschen unterscheiden, nämlich in der Fähigkeit, ›freien Willen‹ so wie wir Menschen es können auszuüben.«
 
Rabbi Ariel Bar Tzadok, Chicago, nimmt Hinweise im Zohar sehr ernst. Und er hält es für möglich, dass die im Zohar beschriebenen außerirdischen Wesen in unseren Tagen zur Erde zurückgekehrt sind und mit Menschen Kontakt aufnehmen. Baruch Crowley spekuliert in »The Jewish Magazine« über mögliche Motive dieser kosmischen Besucher. Sind sie uns technologisch haushoch überlegen, fehlt ihnen aber etwas, was zum Menschsein gehört: Spiritualität? Beneiden sie uns Menschen vielleicht sogar? Wollen sie erkunden, was den Mensch jenseits der Logik ausmacht? Baruch Crowleys Überlegung ist spekulativ, aber sehr interessant.

Es scheint alte Überlieferungen zu geben, die sehr konkrete Angaben zu fremden Planeten und deren Bewohnern bieten. Auf theologische Erörterungen, etwa ob die Bewohner ferner »Erden« in fremden Sonnensystemen über einen freien Willen verfügen, möchte ich mich nicht einlassen. Derlei Gedankengänge mögen Theologen wichtig sein. Freilich können haben Theologen offenbar nur spekulatives Wunschdenken zu bieten. Wenn es schon in anderen Sternensystemen auf anderen Welten Lebewesen gibt, dann dürfen die nicht uns Menschen ebenbürtig oder gar überlegen sein. Sie müssen in einer fiktiven Hierarchie unter uns stehen. Sie dürfen nicht über einen freien Willen verfügen. 

Theologen postulieren gern die einzigartige Bedeutung des von Gott höchstpersönlich geschaffenen Menschen als Krone der Schöpfung. Sie behaupten gern, Gott selbst habe uns Menschen über den Rest der Schöpfung gestellt, die wir angeblich nach seinem Willen uns untertan machen sollen. Wissenschaftler mögen über religiöse Weltsicht herablassend lachen und der Theologie jede Wissenschaftlichkeit abstreiten. Sie selbst aber sehen den Menschen auch als eine »Krone« an, freilich nicht als Ergebnis eines göttlichen Schöpfungsakts, sondern als Resultat einer Fülle von Zufällen. An die Stelle des allmächtigen Gottes tritt in ihrem Weltbild die auf Zufällen basierende Evolution. »Wissenschaftliches« wie theologisch-religiöses Weltbild sind Ergebnisse des gleichen elitären »Denkens«. Wissenschaftler wie Theologen huldigen ihrem Wunschdenken. Und beide sehen sich in schöner Selbstüberschätzung als den Überlegenen. Die einen meinen, den tumben Aberglauben der Theologie besiegt zu haben. Die anderen wähnen sich den Wissenschaftlern überlegen zu sein, weil sie sehr viel tiefere und wichtigere »Wahrheiten« erkennen zu können glauben.

Foto 3:
Der Zohar, gedrucktes Cover,
1558
Mir scheint, hier erweisen sich weder Theologen noch »Wissenschaftler« als »Meister der Intelligenz und Wissenschaft« Wie sagte Albert Einstein (11): »Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.« Ein Wort von Heinrich Heine (*1798; †1856) kommt mir in den Sinn (12): »In dunkeln Zeiten wurden die Völker am besten durch die Religion geleitet, wie in stockfinstrer Nacht ein Blinder unser bester Wegweiser ist; er kennt dann Wege und Stege besser als ein Sehender. Es ist aber töricht, sobald es Tag ist, noch immer die alten Blinden als Wegweiser zu gebrauchen.«

Fußnoten
(1) Necker, Gerold (Herausgeber): »Der Sohar/ Das heilige Buch der Kabbala/ Ausgewählte Texte aus dem Sohar«, Wiesbaden, 4. Auflage 2019, Seiten 414-417
(2) Ebenda, Seite 417, 2.-4. Zeile von oben
(3) wikipedia, Stichwort »Historisch-kritische Methode«.
https://de.wikipedia.org/wiki/Historisch-kritische_Methode, Stand 01.01.2020
(4) https://www.deutschlandfunk.de/sure-51-vers-56-geister-namens-dschinn.2395.de.html?dram:article_id=415855 Stand 07.05.2020
(5) »Buch der Richter«, Kapitel 5, Verse 2-31
(6) Ebenda, Vers 20
(7) Ebenda, Vers 23
(8) »Moed Katan« 16a
(9) »Daf Shevui to Avoda Zara« 3b. Zitat in der englischsprachigen Quelle: » God seems to have fun by night. Either he rides around on his chariot, visiting his 18,000 worlds. Or he listens to his singing angels.«
(10) Crowley, Baruch: »Life on Other Worlds/ The Existence of Other Worlds«
http://www.jewishmag.com/8mag/worlds/worlds1.htm Stand 01.01.2020
(11) Zitiert nach Vallentin, Antonina: »The Drama of Albert Einstein«, New York 1954. Originalzitat: »Science without religion is lame, religion without science is blind.«
(12) Heine, Heinrich: »Sämtliche Werke in zwölf Teilen«, Leipzig 1921, Band 12, S. 296

Zu den Fotos
Fotos 1-3: Der Zohar, gedrucktes Cover, 1558. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein



524. »Die sieben anderen Welten der Kabbala«,
Teil 524 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 2. Februar 2020
 


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