Donnerstag, 25. November 2010

Interview: Markus Lanz über sein Buch »Grönland - Meine Reisen ans Ende der Welt«

Fernsehmoderator, Schriftsteller
und Fotograf: Markus Lanz
Es gibt viele Prominente, die ihr Privatleben fast schon mit Genuss in aller Öffentlichkeit ausbreiten. Über viele Promis wissen wir daher mehr, als uns eigentlich lieb ist. Doch es gibt auch jede Menge bekannte Persönlichkeiten, die wir praktisch tagtäglich sehen, über deren Privatleben aber so gut wie nichts bekannt ist. Fernsehmoderator Markus Lanz gehört sicher dazu. Oder wussten Sie, dass der ZDF-Moderator seit 15 Jahren immer wieder nach Grönland und in die Arktis reist und dort seiner Leidenschaft, dem Fotografieren nachkommt? Über seine Reisen ans „Ans Ende der Welt“ bringt er jetzt mit „NATIONAL GEOGRAPHIC“ ein Buch heraus.

Herr Lanz, vom warmen und mutmaßlich gemütlichen Fernsehstudio bis nach Grönland und in die Arktis ist es ja – vorsichtig formuliert – ein weiter Weg. Wie kam es dazu, dass Sie diesen Weg vor rund 15 Jahren für sich entdeckt haben?

Diese Region wollte ich ehrlich gesagt schon immer bereisen. Ich hatte das Gefühl, ich müsste diese unglaubliche Eislandschaft wenigstens einmal im Leben gesehen haben. Ich wollte vor allem der Frage nachgehen: Wie kann man in einer solch „menschenfeindlichen“ Umgebung leben? Wenn man zum Beispiel ein grönländisches Kind fragt: „Wie sieht ein Baum aus?“, guckt es dich mit großen Augen fragend an. Ich bin schließlich immer wieder nach Grönland gereist, um besser zu verstehen und Antworten auf meine Fragen zu bekommen. Inzwischen habe ich allerdings das Gefühl, je öfter ich nach Grönland reise, desto mehr Fragen tun sich auf und desto rätselhafter wird dieses Land für mich.



Ich denke, die wenigsten Menschen waren bisher in diesem Teil der Welt. Können Sie uns die „Faszination Arktis“ etwas näher bringen?

Es ist so: In Grönland läuft alles nach Plan. Leider ist dieser Plan nie der eigene. So kann einem, wenn man auf Reisen ist, auch mal ein gewaltiger Schneesturm dazwischen kommen. Wenn man das mal miterlebt hat, dann versteht man, was Naturgewalten alles ausrichten können. Es ist einfach ein wahres Abenteuer, in Grönland zu reisen. So wie grönländische Jäger, nämlich in erster Linie mit dem Hundeschlitten oder eben im Sommer mit kleinen Booten.

Sie haben gerade das Wort „Abenteuer“ gebraucht. Ist beim Abenteuer Grönland bei Ihnen auch mal Angst im Spiel?

Angst habe ich komischerweise nie. Und zwar nicht etwa, weil ich kein ängstlicher Mensch bin. Aber wenn ich die Jäger begleite, sehe ich, wie sie die Natur verstehen. Sie lesen die Spuren im Schnee, wenn sie auf die Jagd gehen. Selbst im dichtesten Nebel finden sie immer wieder ihren Weg nach Hause. Außerdem haben sie diese unglaublichen Hunde, auf die sie sich blind verlassen können. Wenn etwas Gefährliches passiert, dann hast du mit den Huskies eine großartige Lebensversicherung. Jeder Eisbär sucht sofort das Weite, wenn er die Huskies sieht, denn er weiß genau: Gegen diese Hunde hat er im Grunde keine Chance.



Sie verdienen Ihr Geld im Showbusiness – wie groß ist der „Kulturschock“, wenn es Sie wieder in den kalten Teil der Welt zieht?

Es ist vor allen Dingen etwas, was ich brauche, um einen gesunden Ausgleich zu bekommen. Diese Stille, die du dort erlebst, macht etwas mit dir. Und es ist ganz interessant, das zu erleben. Unser Gehirn ist wahnsinnig reizüberflutet, wir brauchen die ganze Zeit neue Zerstreuung: Wir brauchen die Zeitung, das Fernsehen und das Internet. In Grönland ist dann plötzlich alles weg. Du bist zurückgeworfen, auf dich allein gestellt. Zu Anfang wirst du nervös und unruhig. Mit der Zeit lässt man sich aber auf die Umgebung ein und wird ruhiger. Irgendwann fängt man schließlich an weniger zu denken. Bis der Zeitpunkt kommt, besonders auf so langen Märschen, wo Du gar nicht mehr denkst und sprichst. Das tut unheimlich gut. Umgekehrt, wenn man dann zurückkommt ins laute Fernsehstudio, ist das Umstellen natürlich gar nicht so einfach.

Das klingt nach einer „Beziehung“, die wohl noch länger andauern wird, oder?

Ich glaube, man hasst Grönland oder man liebt es. Wenn man bereit ist auf bestimmte Annehmlichkeiten zu verzichten und im Zweifel mal zwei Wochen auf das Duschen verzichten kann, dann gibt es meiner Meinung nach wenig schönere und vor allem romantischere Plätze als die Arktis. Ich werde da mit Sicherheit noch oft hinreisen. Wenn man mich allerdings richtig quälen möchte, dann schenkt man mir zwei Wochen Mallorca. Das wäre so ziemlich das Ende für mich.

Seit bald 15 Jahren sind Sie in der Fernsehbranche, nun haben Sie ein Buch über Ihre Grönland-Erlebnisse geschrieben und auch selber dafür fotografiert. Wie ist das für einen „Fernsehmann“, dann auf die Materie Buch umzuschwenken?

Ich habe 2007 mein erstes Buch geschrieben, da ich immer schon großen Spaß am Schreiben hatte. Das ist ein schönes Gefühl, etwas Bleibendes zu schaffen. Da steckt für mich eine große Motivation dahinter, seine Erlebnisse zu Papier zu bringen und irgendwann sein „Baby“ vor sich liegen zu haben: Ein schönes Buch, das nicht so flüchtig ist wie eine Fernsehsendung, die ja in dem Moment zu Ende ist, nachdem sie gesendet wurde.

Das Buch “Grönland – Meine Reisen ans Ende der Welt” erscheint bei NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND und ist für 39,95 € im Buchhandel und unter www.nationalgeographic-shop.de erhältlich.

Gebundene Ausgabe: 285 Seiten

Verlag: National Geographic; Auflage: 1., Aufl. (1. Oktober 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3866901957
Größe und/oder Gewicht: 30 x 25 x 3 cm

Bild Markus Lanz: Mit freundlicher Genehmigung des National-
Geographic-Verlags.



Mittwoch, 24. November 2010

Für Sie gelesen: »Grönland - Meine Reisen ans Ende der Welt« von Markus Lanz

Seite 30-31: Eisbär vor einem Walkadaver
Schwer zu sagen, in welchem Augenblick der Neuzeitmensch vom Teilnehmenden zum Beobachter geworden ist. Zu einem, der die Dinge der Welt zählend, messend und wertend beurteilt, statt unmittelbar mit ihnen verbunden zu sein. Der in der Bibel geschilderte Sündenfall mag es schwerlich gewesen sein, denn bis heute gibt es Menschen, die im unverfälschten Kreislauf der Natur existieren, sich als kleinen Teil eines unfassbar viel größeren Ganzen begreifen und mit voller Bewusstheit akzeptieren, dass sie im tödlichen Spiel von Fressen und Gefressenwerden schnell auch die Beute darstellen könnten, wenn sie auch nur den kleinsten Fehler begehen. Wenige tausend grönländische Ureinwohner führen auch heute noch ein Leben, welches eine tägliche Herausforderung für die menschliche Anpassungsfähigkeit darstellt. Ein Leben zwischen Steinzeit und Handy.

Seite 122-123:
Die Schlittenhunde des Jägers Paulus Simigaq
Der bekannte Fernsehmoderator Markus Lanz setzt ihnen mit dem Buch »Grönland: Meine Reisen ans Ende der Welt«, für dessen Fotos und Texte er verantwortlich zeichnet, ein atemberaubendes Denkmal. Das Buch ist weit mehr als ein qualitativ erstklassiger Bildband. Statt auf oberflächliche Sensationen und falsche Sentimentalitäten setzt Markus Lanz auf die Poesie des Tatsächlichen. Auf beklemmend-schöne Bilder, die dem Betrachter die unendliche Überlegenheit der Natur unmittelbar begreifbar machen. Auf einfühlsame Texte, in denen er die Gratwanderung zwischen romantischen Vorstellungen und harter Realität mühelos meistert.

Bemerkenswert ist der liebevolle Blick, mit dem Lanz die Welt und insbesondere Grönland betrachtet. Dass er zudem in der Lage ist, diesen auch durch die Kameralinse aufrechtzuerhalten, zeugt von einem hohen technischen Niveau dieses äußerst vielseitig begabten Moderators, Schriftstellers und Fotografen.

Seite 56-57:
Paulus Simigaq auf dem Weg zur Robbenjagd
Dabei ist »Grönland: Meine Reisen ans Ende der Welt« weit mehr als ein bloßer Bilderrausch: es ist ein Werk, das betroffen macht. Das die Schattenseiten dieser fast unwirklich schönen Eiswelt nicht verschweigt. Das die Zerrissenheit der Ureinwohner zwischen archaischer Jägergesellschaft und den Errungenschaften der modernen Welt eindringlich darstellt. Klimawandel, Fischfangquoten und territoriale Ansprüche der US-Army zerstören das in Jahrtausenden entstandene Gleichgewicht des Daseins. Dass die moderne Zivilisation, ihre Zumutungen und Verlockungen, offensichtlich weitaus gefährlicher sind als Schneestürme, monatelange Polarnächte, Eisbären und trügerisches Packeis, das ist ein beklemmender Gedanke, dem man sich beim Lesen dieses großartigen Buches nicht entziehen kann.

Seite 244-245:
Winterstimmung im Eisfjord von Ilulissat
Besonders berührt hat mich unter anderem, was Markus Lanz von seiner ersten Begegnung mit dem Inuit-Jäger Duumaji Jonathansen berichtet, der sich nur widerwilligt mit seiner erlegten Beute von ihm fotografieren lassen wollte. Später erfuhr Lanz auch den Grund dafür: Jonathansen fürchtet die Reaktionen, die solch ein Bild in unserer gutmenschlichen Empörungskultur auszulösen pflegt. Dass gerade die Menschen auf der Welt, die wohl den härtesten Daseinskampf führen, sich inzwischen ihrer Lebensweise fast zu schämen scheinen, das sollte vor allem den Berufsempörern in Gesellschaft und Politik die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Markus Lanz zieht aus den Entwicklungen den Schluss, dass es diese einmalige Kultur womöglich schon bald nicht mehr geben wird. Dass ihr Aussterben die Welt wesentlich ärmer machen würde, daran kann nach der Betrachtung dieses wundervollen Buches niemand mehr zweifeln.

Buchcover

Fotos: Markus Lanz, © G + J /RBA GmbH Co. KG,
- mit freundlicher Genehmigung -
Buchvorstellung: ©Ursula Prem

Buch jetzt bei amazon bestellen:
Grönland: Meine Reisen ans Ende der Welt

Morgen in diesem Blog:
Interview mit Markus Lanz
















 

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