Sonntag, 12. Dezember 2010

47 »Beweise für ein Wunder«

Teil 47 der Serie»Monstermauern, Mumien und Mysterien«von Walter-Jörg Langbein

Gottesdienst im Gotteshaus der Maria von
Guadalupe. Foto: Ingeborg Diekmann
Millionen Pilger strömen Jahr für Jahr zur Maria von Guadalupe. Unzählige Gottesdienste werden gehalten. Die Menschen kommen aber weniger der Priester wegen... sie wollen dem mysteriösen Bildnis nahe sein. Ständig kommen und gehen Menschen, aber dennoch bleibt die Ruhe im riesigen Gotteshaus gewahrt. Als nüchterner Beobachter muss ich konstatieren: Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre, das Bildnis der Gottesmutter zieht jeden in seinen Bann...

Vor fast einem halben Jahrtausend fand Juan Diego auf Geheiß einer Marienerscheinung mitten in der Trockenzeit Knospen und Blüten. Er trug sie in seiner Tilma, in seinem Umhang, zum Bischof. Auf wundersame Weise entstand auf dem groben Stoff ein erstaunliches Bildnis, das es nach aller Logik gar nicht geben dürfte!
Das »unmögliche« und doch höchst
realeBildnis der  Maria von Guadalupe.
Foto: Walter-Jörg Langbein
Schon der Stoff der Tilma selbst ist so etwas wie ein Wunder. Er ist, das haben strenge wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, tatsächlich fast 500 Jahre alt. Er stammt eindeutig aus dem Jahr 1531. Das aber ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Warum? Der Stoff wurde im frühen 16. Jahrhundert – zu Lebzeiten Martin Luthers – aus groben Agavefasern gewebt. Er hätte eigentlich schon zwanzig Jahre nach Herstellung wieder zerfallen müssen. Länger hält so ein Gewebe nämlich gewöhnlich nicht. Und Konservierungsstoffe kamen nicht zum Einsatz! Wie konnte das Gewand des Juan Diego fast ein halbes Jahrtausend überstehen?

Mysteriös ist nach wie vor auch das Bildnis selbst. Ein Sammelsurium aus Pflanzenblüten und Knospen, in einem Stück Stoff getragen, würde niemals ein auch nur ansatzweise erkennbares Bild ergeben. Wie aber entstand die geheimnisvolle Darstellung der Gottesmutter?
Ein Gemälde ist es, das ergaben Analysen von Professor Richard Kuhn, Nobelpreisträger aus Heidelberg eindeutig nicht. Was es auch ist, wie es auch hergestellt wurde: es wurde nicht gemalt. Fakt ist: Nicht die kleinste Spur eines Pinselstrichs ist ausfindig zu machen. Farbe befindet sich weder oberflächlich auf, aber auch nicht in den Fasern. Im Verlauf der letzten dreißig Jahre tauchten immer wieder Meldungen auf, dass angeblich da und dort doch Farbspuren entdeckt worden seien. Diesen Hinweisen bin ich in der Literatur gefolgt. Es fand sich keine Bestätigung!
Maria von Guadalupe auf einem
Heiligenbildchen
Foto: Walter-Jörg Langbein
Sehr verwirrend fiel das Ergebnis einer Untersuchung durch Spezialisten der Firma Kodak aus. Resultat: »Das Bild ist seinem Wesen nach eine Fotografie.« Damit wurde eine geradezu Entdeckung bestätigt, die der mexikanische Fotograf Alfonso Gonzales bereits 1929 gemacht hatte. Gonzales hat damals »Unmögliches« herausgefunden, nämlich dass sich irgend etwas in den Augen zwischen den teilweise geschlossenen Lidern widerspiegelt...in den Augen der Maria von Guadalupe auf dem uralten Umgang Aber was? Genau konnte das Alfonso Gonzales nicht feststellen. Was da in den winzigen Pupillen zu sehen ist, fand erst der Augenarzt Dr. Jorge Escalante Padilla heraus... Jahrzehnte später.

Mit Hilfe eines Elektronikmikroskops konnte er Winziges vergrößern und erkennbar machen. Dem verblüfften Wissenschaftler kam es so vor, als sei er mit Hilfe einer Zeitmaschine fast 500 Jahre in die Vergangenheit gereist. Es ist eine Sensation: In den winzigen Pupillen der Maria von Guadalupe ist eine anrührende Szene dargestellt.

Dr. José Aste Tonsmann, Cornell-Universität, vergrößerte dieses unvorstellbar winzige Szenario auf das 2000fache. Mit Hilfe verschiedener optischer Filter gelang es ihm schließlich, auch noch so unscheinbare Einzelheiten erkennbar zu machen. Um zu erkennen, wie sensationell die Wahrheit ist, muss man sich die Größe des Gesamtbildes (das keines ist) vor Augen führen! Die Jungfrau von Guadalupe ist nur 152,24 Zentimeter groß. Die Pupillen sind weit kleiner als Stecknadelköpfe. Und doch spiegeln sie, winzig klein, ein Szenario wider... und zwar so als handele es sich um »richtige« Augen eines lebendigen Menschen.
Was sah das Bildnis der Maria von Guadalupe? Da ist ein älterer Mann im Profil zu sehen. Vermutlich handelt es sich um Bischof Zumarrage. Der ältere Herr spricht angeregt mit einer weiteren Person, wahrscheinlich handelt mit dem Dolmetscher Gonzales. Am Boden schließlich hockt Juan Diego selbst. Man sieht deutlich, wie er gerade seine Tilma ausbreitet. Weitere unbekannte Personen sind als Zeugen zugegen: Wir machen eine indianisch wirkende Frau mit einem Baby auf dem Rücken aus, einen jüngeren Indio, bei dem es sich um den Mann der Frau handeln könnte und einen kleinen Junge.

Rekapitulieren wir: Juan Diego betritt das Empfangszimmer von Bischof Zumarrage. In seinem Umhang hat er Blumenblüten und Knospen gesammelt. Er schüttet sie auf den Boden. Auf seinem Umhang wird ein Bild sichtbar. Es zeigt Maria... und in ihren Augen spiegelt sich eben diese Szene: Juan Diego im Besuchszimmer des Bischofs. Eine »vernünftige« Erklärung gibt es nicht. Versuchen wir eine fantastische Hypothese: Maria befindet sich unsichtbar im Empfangsraum des Bischofs. Sie sieht, wie Juan Diego den Raum betritt, wie er seinen vor der Brust geschürzten Umhang öffnet und wie die Blütenpracht zu Boden fällt. Sie nimmt wahr, wie die Menschen im Raum reagieren. Das Seznario spiegelt sich in den Pupillen ihrer Augen wieder. Auf dem Umhang Juan Diegos nun sieht man eben diese Maria... mit den Bildern in ihren Pupillen...
Heute wird das Bildnis durch eine
Glasscheibe geschützt
Foto: Walter-Jörg Langbein
Dr. Johannes Fiebag und Peter Fiebag versuchten das Mysterium zu verdeutlichen (1): »Der Prozess der Bildentstehung war dabei allerdings nicht eine Fotografie im herkömmlichen Sinne. Zum einen fungierte die Tilma Juan Diegos sowohl als ›Linse‹ als auch als ›Farbfilm‹, zum anderen blieb das Objekt der Fotografie – nämlich die Mariengestalt – während des Vorgangs unsichtbar. Möglicherweise haben wir es mit einer Art Infrarotaufnahme zu tun, die mit dem Auge nicht wahrnehmbare Wellenlängen sichtbar machte. Fraglos muss sich ›irgend etwas‹ im Raum befunden haben, andernfalls würden sich Juan Diego und die anderen Personen nicht im Auge der Gestalt widerspiegeln können.«

Die »Biografie« der Maria von Guadalupe ist eine Ansammlung von Unmöglichkeiten. Je mehr ich mich mit dem wundersamen Bildnis auseinander setzte, desto rätselhafter wurde das Phänomen. Nachdem Bischof Zumarrage eine Kapelle für das Bildnis hatte bauen lassen, wurde das wundersame Tuch ein Jahrhundert lang ungeschützt aufgehängt. Unzählige Pilger nahmen es von der Wand, berührten es mit den Händen, küssten es. Leidende rieben schmerzende Glieder daran oder legten sich auf das Bildnis. Andere wollten etwas von der geheimen Wunderkraft des Tuches mit nach Hause nehmen und brachten es in Kontakt mit Kerzen, Kreuzen und anderen Objekten. Auch Amulette und Talismane sollten ein wenig vom Wunder aufnehmen.. und wurden in großer Zahl an das Bildnis gehalten.
Hunderttausende Pilger entzündeten Kerzen in unmittelbarer Umgebung des verehrten Bildes....und das Jahrhunderte lang. Allein schon das Licht dieser Millionen von Kerzen hätten das Bild zerstören müssen.
 Professor Philip Callahan von der Universität von Florida stellte das eigentlich Unmögliche fest. Das Licht dieser unzähligen Kerzen hätte längst schon das wie auch immer entstandene Bild zum Verschwinden bringen müssen, auf einem Stoff, der eigentlich schon vor Jahrhunderten hätte zerfallen müssen. Prof. Callahan (2): »Zu starkes ultraviolettes Licht bleicht die meisten Farbpigmente aus, seien sie organisch oder anorganisch.« Mit anderen Worten: Der Stoff der Tilma hätte vor Jahrhunderten zerfallen müssen. Er blieb auf wundersame Weise erhalten. Das Kerzenlicht hätte im Lauf der Jahrhunderte die Farben zum Verschwinden bringen müssen. Sie strahlen auch heute noch, ein halbes Jahrtausend später, in frischem Glanz!
Aber halt: Farben konnten ja gar nicht zum Verschwinden gebracht werden ... weil sich auf dem Tuch gar keine Farben befinden! Bereits 1936 analysierte der Chemienobelpreisträger Prof. Richard Kuhn eine Materialprobe. Selbst im mikroskopischen Bereich war nicht die Spur einer wie auch immer gearteten Farbe erkennbar.
Wir wissen nicht, wie die Maria auf den Umhang Juan Diegos kam. Wir wissen nicht, warum es das wundersame Bildnis noch gibt. Wir wissen aber, dass Maria eine Vorgängerin hatte: der Tepeyac-Hügel, Ort der Marienerscheinung, war schon in vorchristlichen Zeiten eine heilige Stätte. Coatlicue (die Mutter-Erdgöttin) alias Tonantzin (die Fruchtbarkeitsgöttin) wurden hier verehrt.
Wie sich doch die Bilder gleichen.... Coatlicue wurde als »unsere liebe Mutter« tituliert, so wie im Christentum Maria. Ein anderer Ehrenname war »die alle himmlischen Dinge gebiert«. Eva wurde als »Mutter alles Lebendigen« gepriesen... Coatlicues Tochter Coyolxauhqui war die Göttin des Mondes. In den alten Matriarchaten war stets der Mond das Gestirn der Muttergöttin. Ist es ein Zufall, dass die Maria von Guadalupe... auf einer Mondsichel steht?

Ist es ein Sakrileg, darüber nachzudenken... ob die christliche Maria schon vor Jahrtausenden als eine Muttergottheit verehrt wurde... nur unter anderem Namen? Verehren Christen heute wie einst die Azteken und andere Völker zuvor in Maria die Göttin des Matriarchats?
Ist Maria eine uralte Muttergottheit in
neuem Gewand? Muttergottes in
der Kapelle des St.Ansgar
Krankenhauses, Höxter
Foto: Walter-Jörg Langbein
 Fußnoten

 (1) Fiebag, Dr. Johannes und Fiebag, Peter: »Himmelszeichen«, München 1992, S. 312

 (2) zitiert bei Fiebag, Dr. Johannes und Fiebag, Peter: »Himmelszeichen«, München 1992, S. 302

 »Mysteriöses Mesaverde«,
Teil 48 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 19.12.2010

 Weiterlesen:
Walter-Jörg Langbein: Das Sakrileg und die Heiligen Frauen




Samstag, 11. Dezember 2010

Samstagsrezension Helga König: Massimo Marini

Der Schriftsteller Rolf Dobelli (Top 10 Rezensent bei Amazon) setzt seinem Roman ein Zitat aus Georg Büchners "Woyzeck", 5. Szene voran:" "Süd-Nord! Ha! Ha! Ha!. O er ist dumm, ganz abscheulich dumm. Woyzeck, er ist ein guter Mensch, ein guter Mensch- aber er hat keine Moral! Moral ist das, wenn man moralisch ist." Nach dem Romanende folgt abermals ein Zitat aus Büchners Drama "Gut Woyzeck. Du bist ein guter Mensch, ein guter Mensch. Aber du denkst zu viel, das zehrt, du siehst immer so verhetzt aus. Der Diskurs hat mich ganz schön angegriffen. Geh`jetzt und renn nicht so; langsam, hübsch langsam die Straße hinunter."


Noch bevor ich das Buch zu lesen begann, machten mich die Zitate neugierig. Was haben diese beiden Zitate mit dem Inhalt des Buches zu tun? Gibt es Parallelen zwischen Dobellis Protagonisten und dem von Büchners Drama?

Wikipedia fasst Büchners Drama wie folgt zusammen: "Der einfache Soldat Franz Woyzeck, der seine Freundin Marie und das gemeinsame uneheliche Kind, die genau wie er am Rande der Gesellschaft leben, zu unterstützen versucht, arbeitet als Laufbursche für seinen Hauptmann. Außerdem lässt er sich von einem skrupellosen Arzt als Versuchsperson auf Erbsendiät setzen, um einen zusätzlichen Verdienst zu seinem mageren Sold zu erhalten, den er restlos an Marie (und sein Kind) abgibt. Hauptmann und Arzt nutzen Woyzeck physisch und psychisch aus und demütigen ihn in der Öffentlichkeit. Marie beginnt eine Affäre mit einem Tambourmajor. Woyzecks aufkeimender Verdacht wird durch ihm nicht freundlich gesinnte Mitmenschen geschürt, bis er Marie und den Nebenbuhler beim Tanz im Wirtshaus ertappt. Er hört Stimmen, die ihm befehlen, die treulose Marie umzubringen. Weil sein Geld für den Kauf einer Pistole nicht ausreicht, besorgt er sich ein Messer und ersticht Marie in einem Wald nahe einem See."

Noch immer hatte ich das Buch nicht zu lesen begonnen, blätterte, suchte nach einer knappen erhellenden Zusammenfassung dessen, was darüber entscheiden sollte, ob ich mich mit diesem Roman befassen werde, oder eher nicht und fand auf Seite 358 das, wonach ich suchte: "Massismos lebenslanges Experiment in Standhaftigkeit. Seine erstaunlichen Wandlungen dabei. Vom italienischen Immigrantenkind zum Züricher Gesellschaftslöwen. Vom Opernhausdemonstranten zum Opernhaussponsor. Vom Existenzphilosophen zum Bauunternehmer. Vom Tunnelbohrer zum Stradivari-Besitzer. Vom Linken zum Rechten. Vom Tiefen zum Hohen. Vom Süden zum Norden. Seine monströse Bewegung auf dem Koordinatennetz des Lebens. Und dann das Aufblitzen einer Frau, die alles zerstörte. Die Größe seines Aufstiegs und Falls. Die Chronologie der Schrecken."

Oh, dachte ich, das klingt interessant. Diesen Roman werde ich lesen.


Die Lebensgeschichte des Protagonisten Massimo Marini wird von dessen Anwalt erzählt, der von seinem Klienten fasziniert ist, weil dessen Leben alles andere als gradlinig verlaufen ist, auch weil Massimo von der Natur so viele Vorzüge geschenkt bekam- Schönheit, Intelligenz, Intellektualität, Kampfgeist, wenn es darum ging, seine Ideale oder auch einfach nur seine Ziele durchzusetzen.

Massimo ist das Kind italienischer Immigranten. Seine Kindheit in der Schweiz erlebt er in materiell schwierigen Verhältnissen. Seine fleißigen, aufstiegsbewussten Eltern schaffen es, die Schweizer Staatsbürgerschaft zu erhalten. Sein Vater macht sich alsdann als Bauunternehmer selbstständig. Massimo ist ein exzellenter Schüler- einer der besten seines Jahrgangs- , interessiert sich für Philosophie, Literatur und ist in der Schule in der Theatergruppe der Star. Mit der Rolle als Woyzeck beginnt sein Links-Rutsch. Sein Vater sieht diese Entwicklung nicht gerne, denn er möchte, dass sein Sohn, sein Unternehmen weiter- und zu noch nicht geahnten Höhen führt.

Massimo schreibt sich nach dem Abitur nicht in Architektur ein, wie er zu Hause vorgibt, sondern stattdessen heimlich in Philosophie. 1979 verlässt er Zürich, studiert ein Semester an der Sorbonne und hofft dort auf ein Wiederaufflammen von 1968. Massimo ist ein Idealist, der gegen Unrecht kämpfen möchte, der nach Sartre, Camus und Cohn-Bendit Ausschau hält und sich nach Straßenbarrikaden und Tränengas sehnt, (vgl.: S. 153). Dies alles findet er in Paris nicht und geht zurück nach Zürich, wird dort wegen der Genehmigung der kostenträchtigen Renovierung des Opernhauses aktiv, weil er die Gelder lieber in ein autonomes Jugendzentrum investiert sehen würde. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, er wird verhaftet. Sein Vater ist enttäuscht von ihm. Massimo geht nun nach Berlin, um sich dort in Literatur und Philosophie einzuschreiben.

Es sind nicht seine politischen Erfahrungen, die er dort sammelt, die ihn verändern, sondern es ist das private Schicksal, das hier das erste Mal zuschlägt und ihm die Frau, in die er sich verliebt hat, auf tragische Weise nimmt. Als sein Vater stirbt, er daraufhin in der Schweiz eine tatkräftige junge Mitarbeiterin im Betrieb seines Vaters heiratet, nimmt er von allem, was davor war, vermeintlich Abschied und baut mit der diplomierten Bauingenieurin die Firma seines Vaters in der Weise auf, wie dieser sich dies erwünscht hat. Massimo gibt vor, Architekt zu sein. Doch nicht darin liegt seine größte Lebenslüge, sondern im Verleugnen all dessen, was ihm einst etwas bedeutet hat.

Dass er nach 20 Jahren seine Frau wegen einer Cellistin verlässt, hängt wohl weniger mit seinem Aufstiegsbewusstsein, nun endlich zur Schweizer Oberschicht zu gehören, zusammen, wie man ihm vorwirft, sondern wohl eher mit seiner verdrängten intellektuellen Berufung. Massimo ist kein wirklicher Tunnelbauer, seine Welt ist eine geistige. Dass seine beiden Ehefrauen ihn betrogen haben, macht deutlich, dass er im Leben versagt hat und das, weil er bei allem Besitz, den er erwarb, niemals er selbst war.

Es ist erschütternd, dass alle Frauen im Buch, mit Ausnahme von Massimos Mutter, nicht treu sein können. Die Untreue der Studentin Klara und seiner Ehefrauen Monika und Julia bilden die Ursache für Massimos tragischen Lebensverlauf. Wie ist es möglich, dass ein solch schöner, intelligenter Mann im Grunde so glücklos bei Frauen ist? Hängt es damit zusammen, dass Frauen ein feines Gespür dafür haben, wenn ein Mann neben sich steht?

Die Charaktere im Buch sind sehr gut herausgearbeitet. Das trifft im besonderen Maße auch auf Julia zu, die im Alter von 35 Jahren von dem 15 jährigen Raffael, dem vermeintlichen Sohn Massimos, geschwängert wird und auch für den Anwalt, der nicht grundlos an Depressionen leidet.

Höchst interessant ist es, all die Sachinformationen zum Tunnelbau zu lesen. Hoch,- Tief- und Untertagebau war für mich bislang ein Buch mit sieben Siegeln.

Woyzeck   hat weit  mehr  mit Massimo gemeinsam als man denkt. Nicht nur, dass beide mit der Treulosigkeit von Frauen konfrontiert werden, sondern auch, dass beide in ihrer Eigentlichkeit gedemütigt werden, macht sie einander verwandt, wenn auch nicht zu Zwillingsbrüdern.

Sehr empfehlenswert.

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