Sonntag, 13. November 2011

95 »Elektrizität im Altertum – das Licht der Pharaonen«

Teil 95 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Gigantisches Symbol für Ägypten in Stein
Foto: W-J.Langbein
Die »Alten Ägypter« bauten riesige Pyramiden ... und kannten die Glühbirne! Unbestreitbar ist: Denken wir an Ägypten, kommt uns die »Cheops-Pyramide« in den Sinn, das Symbol für das Reich der Pharaonen am Nil. Aber: Die »alten« Ägypter sollen das Geheimnis der Glühbirne gekannt haben? Eine absurde Behauptung? Keineswegs! 1975 machte mich der dänische Forscher Frede Melhedegaard (1) auf geheimnisvolle Wandreliefs aufmerksam ... verborgen in unterirdischen Krypten eines uralten Tempels ... die so etwas wie Glühbirnen als sakrale Objekte zeigen. Im Tempel von Dendera ... oder besser gesagt darunter … fand man tatsächlich detailreiche, präzise Abbildungen von Glühbirnen.

Nur etwa zwei Fünftel des Tempels von Dendera sind zu sehen ... über dem Wüstenboden. Der größere Teil der uralten Kultanlage befindet sich unter der Erdoberfläche ... in der Unterwelt, in der Finsternis unter dem Wüstensand ... Dendera liegt etwa 70 Kilometer nördlich von Luxor. Der mysteriöse Tempel ist der Göttin Hathor geweiht. Dendera galt schon im »Alten Reich«, also etwa in der Zeit von 2600 bis 2200 vor Christus, als bedeutsame Wallfahrtsstätte. Man kann davon ausgehen, dass der heutige Tempel auf weit älteren Fundamenten eines uralten Bauwerks errichtet wurde.

Wann der »Ur-Tempel« gebaut wurde ... wir wissen es nicht. Im heute noch erhaltenen Tempel fand sich eine der ältesten Darstellungen der Tierkreiszeichen in Form eines Deckengemäldes. Darin verborgen sind verschiedene konkrete Daten zwischen 700 vor Christus und 3733 vor Christus. Auf Grund dieser unterschiedlichen Daten wurde das Alter des Dendera-Tempels oft falsch angesetzt. Verschiedene Daten wurden aus dem Relief gelesen und voreilig als Altersangabe des Tempels verstanden.

So heiß umstritten auch lange Zeit das Entstehungsjahr von Tempel und Tierkreiszeichen war, so herrscht heute Klarheit. Man kann davon ausgehen, dass der Tempel von Dendera 51 vor Christus neu angelegt wurde. Ptolemaios XII. zeichnete für die Neugestaltung verantwortlich. Ptolemaios XII. war es wohl, der den einst sehr viel größeren Komplex verkleinerte. Warum dies geschah, ist unbekannt. Vielleicht waren Teile der sakralen Bauwerke reparaturbedürftig, doch die nötigen finanziellen Mittel fehlten? Oder gab man Teile der Anlage aus welchen Gründen auch immer dem Verfall preis?

Heute liegt der Dendera-Komplex in einer wenig ansprechenden Region Ägyptens. Die Höllenglut der Sonne hat den Besucher fest im Griff. Mühsam schleppt man sich schwitzend über eine Treppe hinauf auf das Dach des Dendera-Tempels. Nur wenigen Besuchern ist klar, dass dies einst ein Privileg von wenigen war. Dendera ist das letzte Tempel-Bauwerk Ägyptens, dessen Dach betreten werden darf. Von hier oben kann man Teile der alten Umfassungsmauern sehen.

Reste der einstigen Schutzmauern
Foto: W-J.Langbein
Einst wurden der Hathor-Tempel und andere sakrale Bauten von geradezu monströsen Mauern geschützt. Sie sollen, wie mir ein Archäologe vor Ort erklärte »mehrere Meter« dick und »zehn Meter« hoch gewesen sein. Wie viele Schutzmauern es insgesamt gab ... das ist ebenso unbekannt wie die ursprüngliche Gesamtgröße der Anlage. Man geht davon aus, dass die Mauern insgesamt Hunderte von Metern lang waren. Auch wissen wir nicht, wann der allererste Grundstein gelegt wurde. Illustre Herrscher wie Augustus, Caligula und Nero jedenfalls verewigten sich als Bauherren.

Teile der Mauern wurden inzwischen ausgegraben und notdürftig restauriert. Die Überreste lassen erahnen, wie gewaltig das Bollwerk einst gewesen sein muss. Dass der Tempel von Dendera heute noch so gut erhalten ist, das ist auch dem Umstand zu verdanken, dass er viele Jahrhunderte weitestgehend unter Sandmassen verborgen lag und so geschützt war. Historische Fotos lassen erahnen, wie Dendera von Archäologen nach und nach freigelegt werden musste.

Tempel von Dendera (historische Aufnahme)
Noch heute ist zu erkennen: Es waren echte Baugenies am Werk. So wurde ein unterirdischer Tunnel bis zum Nil getrieben, eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Besagte unterirdische Verbindung ist noch heute intakt... nach Jahrtausenden! Moderne Bauten aus Beton halten keine Jahrhunderte durch. Sie bröckeln schon nach Jahrzehnten!

Das größte Geheimnis Denderas ... ja womöglich Ägyptens ... liegt in der Unterwelt der Tempelanlage ... in geheimen Kellerräumen zeigen Wandreliefs, was so gar nicht in eine Jahrtausende alte Gruft unter einem ägyptischen Tempel passt: diverse Glühbirnen. Aufgeregt berichtete mir der dänische Forscher Frede Melhedegaard 1975 von den fantastischen Abbildungen. Am Rande der Weltkonferenz der A.A.S. In Zürich, wo er einen Vortrag hielt (3), diktierte er mir eine Fülle von Informationen. Emsig notierte ich ...

»Da gibt es Darstellungen von blasenförmigen Glühbirnen. Sie werden zum Teil von Männern gehalten. Im Inneren sieht man in Schlangenform so etwas wie den Draht. Der geht in eine Fassung am Ende der Birne über.« Aus der Fassung heraus führt dann, so Frede Melhedegaard, ein Kabel. Das Kabel wiederum wird in ein Kästchen geleitet. In einem Fall werden sogar zwei parallel geschaltete Glühbirnen gezeigt. Für Frede Melhedegaard gab es keinen Zweifel: Im »Alten Ägypten« war schon vor Jahrtausenden die Glühbirne bekannt.

Glühbirnen in der Gruft
Foto: Archiv W-J.Langbein
Mir kamen Zweifel. »Wenn in Ägypten damals elektrisches Licht bekannt war ... wenn die Menschen ihre Behausungen mit elektrischem Licht beleuchteten ... dann müssten wir doch Überbleibsel finden, Drähte, Glühbirnen ...« Frede Melhedegaard widersprach: »Elektrisches Licht war vor Jahrtausenden nicht so verbreitet wie in unseren Tagen! Glühbirnen waren nicht alltägliche Nutzgegenstände in den Häusern der Menschen! Glühbirnen, die die Nacht zum Tage machen konnten, müssen etwas Magisches gewesen sein. Sie waren nicht Bestandteil des Alltags, sie gehörten in den sakralen Bereich eines uralten Tempels!«

Das »Glühbirnenmotiv«, so erfuhr ich, taucht immer wieder auf. Und immer steht ein grimmig dreinblickender Mensch-Pavian dabei mit scharfen Messern, die er drohend empor hält. Auf diese Weise wird womöglich auf die Gefährlichkeit der technischen Anordnung hingewiesen.

Glühbirne und warnender Affe
Foto: Archiv W-J.Langbein
1975 erfuhr ich von den »Glühbirnen« von Dendera. Frede Melhedegaard stellte mir einige Zeichnungen von den fantastischen Reliefbildern zur Verfügung. Sie erschienen 1979 in meinem Buch »Astronautengötter«. (2) Nicht selten bekam ich den Vorwurf zu hören, es müsse sich bei den Zeichnungen um plumpe Fälschungen handeln. Zu eindeutig seien Glühbirnen zu erkennen ... und Glühbirnen könne es nun einmal nicht vor Jahrtausenden in Ägypten gegeben haben!

Sollten die skeptischen Kritiker Recht haben? Sollte es sich bei den gezeichneten Darstellungen wirklich um Fälschungen handeln? Ich beschloss, selbst nach Ägypten zu reisen und in die Unterwelt von Dendera zu kriechen. Ich wollte selbst in Augenschein nehmen, ob es diese ägyptischen Glühbirnen gab ... oder nicht. Bis zu meinem Besuch in Dendera sollten aber noch zehn Jahre vergehen ...

Fußnoten
1 Melhedegaard, Frede: »The Power of the Past«, Kopenhagen 1975
2 Langbein, Walter-Jörg: »Astronautengötter – Versuch einer Chronik unserer phantastischen Vergangenheit«, Luxemburg 1979
In den folgenden Jahren erschienen überarbeitete Taschenbuchausgaben und Übersetzungen meines Buches in Fremdsprachen. Ich war wohl der erste deutschsprachige Autor, der in einem Buch über das Geheimnis von Dendera berichtete.
3 Frede Melhedegaard hielt am 31.Mai 1975 auf der 2. Weltkonferenz der A.A.S.-Gesellschaft in Zürich einen Vortrag: »Die Tempel der Vergangenheit sind technische Bibliotheken«.
Die A.A.S.-Gesellschaft widmet sich dem Studium der Geheimnisse unserer Vergangenheit. Auslöser für die Gründung der Gesellschaft war Erich von Däniken mit seinen Weltbestsellern über vorgeschichtliche Besuche von Außerirdischen auf unserem Planeten. Die »A.A.S. - Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI« ist auch heute noch sehr aktiv und gibt zweimonatlich ein interessantes Magazin heraus. Alljährlich werden Konferenzen veranstaltet, die auf reges Interesse stoßen.
Kontaktanschrift: Redaktion »Sagenhafte Zeiten«, A.A.S. GmbH, Postfach, CH-3803 Beatenberg, Schweiz

Literaturempfehlung
Krassa, Peter und Habeck, Reinhard: »Das Licht der Pharaonen : Hochtechnologie und elektrischer Strom im Alten Ägypten.«, München 1992

»Eine Schlange aus Licht«,
Teil 96 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 20.11.2011


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Samstag, 12. November 2011

Krimiherbst: Thriller, die das Leben schrieb

»Der Code des Bösen« von Raimund H. Drommel

Eine Buchvorstellung von Ursula Prem

Vielen Krimiautoren wird oft die scheinbare »Unwahrscheinlichkeit« ihrer Geschichten angelastet. So könne sich ein Fall in Wirklichkeit nie zugetragen haben, argumentieren Kritiker, dabei unverhohlenen Stolz auf ihre angebliche Lebenserfahrung zur Schau stellend. Dass manche »echte« Fälle oft noch unglaublicher sind, erfährt der staunende Leser des Buches »Der Code des Bösen«, welches der renommierte Sprachprofiler Raimund H. Drommel verfasst hat.

Drommel gewährt uns einen Einblick in seine Profession, die er mit unverkennbarer Leidenschaft ausübt. Sein Arbeitsgebiet ist die kriminalistische Analyse von Schriftstücken, die er nicht etwa auf Fingerabdrücke untersucht, sondern auf verräterische Sprachspuren. Möglichst viele authentifizierte Vergleichstexte desselben Genres zieht Drommel heran, wenn es gilt, einen anonymen Text seinem Urheber zuzuordnen. Dies tut er mithilfe eines Konkordanzprogramms, dem nicht die kleinsten sprachlichen Besonderheiten eines Schreibers entgehen. Wiederholen sich bestimmte Fehler besonders oft? Gibt es grammatische Konstruktionen, für die der Verfasser eine überdurchschnittliche Vorliebe hat? Oder verwendet er ungewöhnliche Formulierungen, die auf eine fremdsprachige Herkunft schließen lassen? Drommels Untersuchungsmethoden sind so genau, dass er nicht nur die ganz allgemeine Fremdsprachigkeit eines anonymen Verfassers herausfindet, sondern oft zutreffend definieren kann, welcher Nationalität der Schreiber entstammt.

Bei seinen Analysen verlässt sich Drommel nicht etwa auf sein »Sprachgefühl«, sondern bevorzugt eine rein wissenschaftliche Herangehensweise, um gerichtsfeste Beweise aus dem ihm vorliegenden Text zu gewinnen. Eine Methode, die er selbst in jahrzehntelanger Tätigkeit als Sprachprofiler entwickelt und immer weiter verfeinert hat. Raimund H. Drommel kann deshalb mit Fug und Recht als der Pionier des modernen Sprachprofilings bezeichnet werden.

Die von ihm bearbeiteten Fälle sind so vielfältig, wie das Leben selbst und lesen sich teilweise wie das Who-is-Who der jüngeren deutschen Kriminalgeschichte: Ob der Fall Barschel, die Einkaufswagenaffäre von Jürgen Möllemann oder die hessische Lotto-Affäre – Drommel bietet einen interessanten Einblick in eine Welt abseits des schönen Scheins. Wer noch Illusionen über die wahre Funktionsweise unseres politischen Systems haben sollte, der sollte die Lektüre auf jeden Fall in kleinen Häppchen genießen.

Der Autor versteht es, die Erkenntnisse seiner Arbeit so aufzubereiten, dass sie auch für den Laien verständlich werden, ohne deshalb ins Triviale abzugleiten. »Der Code des Bösen« ist ein Buch, das trotz der Gewichtigkeit der Materie unterhaltsam zu lesen ist.



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