Samstag, 24. März 2012

Karl May- Glanz und Elend eines Bestsellerautors

Teil 1: Vom Zuchthäusler zum Bestsellerautor
Walter-Jörg Langbein


Hohenstein-Ernstthal
Geburtshaus Karl Mays
in Hohenstein-Ernsthal
um 1910 - Foto: Archiv
Karl May Gesellschaft
Karl May schien von seiner Geburt an zum Scheitern verurteilt. Dem Sohn einer bitterarmen Familie von sächsischen Webern sollte offenbar der Weg in ein bürgerliches Leben verwehrt bleiben. Die Versuche, aus unbeschreiblichem Elend auszubrechen, scheiterten immer wieder. Karl May wurde straffällig und wegen Lappalien zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Immer wieder schien sich zu bewahrheiten, was Hans Fallada in seinem Roman »Wer einmal aus dem Blechnapf frißt« beschreibt. Es schien auch für Karl May zu gelten: Wer einmal im Gefängnis saß, hat schlechte Karten ...

Wie Falladas Kufalt wird Karl May immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus Zwickau (»Schloss Osterstein«) scheitert May erneut. Er hatte keine Chance auf Rehabilitation. Zaghafte Versuche, auf ehrliche Weise Geld zu verdienen, wurden von der guten, ehrbaren Gesellschaft nicht geduldet.

Am Rande ... Die Geschichte von »Schloss Osterstein« bietet Stoff für ein umfangreiches Werk ... Ursprünglich war es ein landesherrliches Residenzschloss, wurde dann zur Zuchtanstalt. Es verfiel zur Ruine. Der Zellentrakt musste abgerissen werden. 2006 begann der Wiederaufbau. 2008 öffnete die einstige Zuchtanstalt wieder ihre Tore ... als Senioren- und Seniorenpflegeheim ...

Wieder wird Karl May straffällig, wieder ist er als kleiner Gauner und Trickbetrüger unterwegs. Wieder schließen sich Gefängnismauern für Jahre hinter ihm. Als Karl May 1874 aus dem Zuchthaus Waldheim entlassen wird, hat er eigentlich – wie Falladas Kufalt – keinerlei Zukunftsperspektive. Der nächste längere Zuchthausaufenthalt scheint schon vorprogrammiert zu sein. Und es sieht so aus, als reagiere Karl May auf seltsame Weise trotzig. Er glaubt, dass die Gesellschaft ihn nur als Kriminellen sehen will ... also will er kriminell sein. In Waldenheim aber kommt es zur Wende ...

Schloss Osterstein - Ruine
Osterstein - Foto oben:
Archiv Langbein,
Foto unten: André Karwath
Karl May fasst nach der Entlassung in der bürgerlichen Gesellschaft Fuß. Er beginnt zu schreiben: zunächst als Redakteur im Verlag von Heinrich Gotthold Münchmeyer und später beim Dresdner Verlag von Bruno Radelli. 1879 beginnt das eigentliche Leben des Karl May, der es zum reichen, meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache bringen sollte. Karl May verfasst Erzählungen, die unter verschiedensten Pseudonymen erscheinen. Fast wie besessen schreibt Karl May für Zeitschriften. Seine Texte erscheinen im »Deutschen Hausschatz«, werden im »Guten Kamerad« veröffentlicht.

Für Münchmeyer produziert May im Eiltempo Kolportageromane. »Das Waldröschen« wird von Hunderttausenden verschlungen. Mit 50 gelingt Karl May der Durchbruch. Friedrich Ernst Fehsenfeld ermöglicht es dem immer wieder vom Schicksal gebeutelten Sachsen, seine Erzählungen in Buchform zu publizieren. 1892 – vor 120 Jahren – startet die Serie »Carl May's Gesammelte Reiseromane«. 1896 wird die Erfolgsreihe in »Karl Mays's Gesammelte Reiseerzählungen« umbenannt. Karl May hat es geschafft ... aus dem armen Weberssohn, dem gescheiterten Lehrer und mehrfach Vorbestraften wird der hoch angesehene, geachtete, ja verehrte Bestsellerautor Karl May.

Noch 1879 war Karl May – zum letzten Mal – zu einer Arreststrafe von drei Wochen verurteilt worden ... wegen angeblicher »Amtsanmaßung«. Karl May hatte versucht zu klären, wie der Onkel seiner damaligen Verlobten Emma Pollmer ums Leben gekommen war. Der Sachverhalt ist klar: Am 25. April 1878 befragt Karl May Zeugen, behauptet, er sei »von der Regierung eingesetzt und etwas Höheres, wie der Staatsanwalt« (1). Karl May verstößt dabei allerdings nicht gegen das Gesetz. Er maßt sich keinen Titel an. Er gibt nicht vor, ein Amt auszuüben. Er deutet nur an, flößt Respekt ein. Man hält ihn für eine »hochgestellte Persönlichkeit«. So soll Karl May geäußert haben (2): »Wenn der Staatsanwalt nicht richtig gehandelt hat, lass ich ihn einstecken – zu was sind denn die Kerle da?!«

Karl May und seine zweite
Ehefrau Klara um 1904
Eine »Amtshandlung« hat Karl May nicht vorgenommen, somit hat er sich ganz eindeutig keiner »Amtsanmaßung« schuldig gemacht. Karl May wurde ganz klar Opfer eines Fehlurteils. Ein Gnadengesuch wurde abgelehnt. Karl May verbüßt seine Strafe, wird am 22. September um 19 Uhr (3) »dem Gerichtsamt vorgeführt, vor Rückfall gewarnt und entlassen«.

Karl May war seinen fiktiven alter egos Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi im wirklichen Leben nie so nahe wie in jenen Tagen des Jahres 1878, als er zu klären versuchte, unter welchen Umständen Emil Pollmer zu Tode gekommen war. Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi setzten sich in Karl Mays Fantasiewelt immer wieder für Recht und Ordnung ein. Wo Gesetzeshüter versagten, wo Verbrecher fern der Justiz ihr Unwesen treiben konnten ... da schritten Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi, begleitet und unterstützt von Winnetou und Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah, ein. Ob Nscho-tschi, von Marie Versini im Film ideal verkörpert, im realen Leben Karl Mays ein Vorbild aus Fleisch und Blut hatte?

In seiner Fantasie wurde Karl May, der im realen Leben zum »Kriminellen« abgestempelt worden war, zur heldenhaften Lichtgestalt, zum Heros, zum Superman des Wilden Westens und des Orients, der der Gerechtigkeit immer wieder zum Sieg verhalf.



Schreibend ließ Karl May seine Vergangenheit hinter sich, die allerdings den greisen Karl May wieder einholen sollte! Schreibend wurde aus dem von der Gesellschaft ausgestoßenen Karl May der geachtete, bewunderte und verehrte Volksschriftsteller Karl May. Schreibend schuf er sich ein Leben in Wohlstand. Der Sohn armer Webersleute wurde zum Wohlstandsbürger. 1891 zogen die Mays in der »Villa Agnes«, Radebeul, 1895 in »Villa Shatterhand«, Radebeul, ein.

Karl May im Kostüm
als Old Shatterhand
Schreibend schuf sich Karl May eine alternative Realität, in der sein Blutsbruder Winnetou und sein Gefährte Hadschi Halef Omar zu realen Personen wurden. Und schreibend wurde Karl May wirklich zu Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi. Berichtete er zunächst noch über die beiden Abenteurer in der dritten Person, so identifizierte er sich nach und nach immer stärker mit den fiktiven Gestalten. Karl May war dabei kein Hochstapler, vielmehr wusste er wohl manchmal selbst nicht mehr zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden. Im Roman bekam Old Shatterhand einen Namen ... aus dem anonymen Helden wird der Schriftsteller aus Germany Sharlih. Winnetou, der edle Häuptling der Apachen, nennt ihn so.

Millionen Fans folgten Karl May lesend ... und identifizierten sich ihrerseits mit den Helden Karl Mays. Unzählige Leserinnen und Leser träumten sich in eine Welt, in der sie – wie die Mayschen Helden – die Welt gerechter machen konnten. Sie wollten an die Wirklichkeit der schönen Welt Karl Mays glauben ... und der sächsische Schriftsteller machte es ihnen leicht. So ließ er die aus seinen Romanen bekannten Wundergewehre »Bärentöter«, »Silberbüchse« und »Henrystutzen« anfertigen. Und Karl May schlüpfte in Kostüme, ließ sich als »Old Shatterhand« und »Kara Ben Nemsi« fotografieren. So entstanden nicht nur Fotos von Karl May vor Wild-West- und Orientkulissen, auch Besucher Mays wurden kostümiert mit ihrem Helden im Bild festgehalten.

Villa Agnes - Foto X-Weinzar
Mit der wachsenden May-Begeisterung wuchs auch Mays Wohlstand. Jetzt konnte es sich der sächsische Schriftsteller leisten, luxuriös zu wohnen ... in Villen, nicht in Armenhäuschen ... und die Länder seiner Träume zu bereisen. 1899 und 1900 erkundete er den Orient. Zusammen mit seinem Diener Sejd Hassan kam er bis nach Sumatra. 1908 trat May, zusammen mit seiner Frau Klara, seine sorgfältig vorbereitete Amerikareise an. Von Bremerhaven ging's mit dem »Großen Kurfürst« nach New York, dann den Hudsonfluss hinauf nach Albany. Die Mays unternahmen Ausflüge, zu den Niagara-Fällen, aber auch in das Reservat der Tuscarora-Indianer und nach Toronto. Am 18. Oktober 1908 begeisterte Karl May in Lawrence, Massachusetts, mit einem Vortrag.

Emsig schrieb Karl May von seinen beiden Weltreisen Karten an Freunde, Zeitungsredaktionen und treue Leserinnen und Leser. Stolz ließ sich Karl May vor den Pyramiden Ägyptens wie vor den Niagarafällen ablichten. Der blinde Bub aus einer Weberfamilie war allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz am Ziel seiner Sehnsüchte angekommen ... Der Sachse mit der unerschöpflichen Phantasie war endlich angesehen und wohlhabend.

Und doch wird Karl May auf dem Zenit seines Erfolgs von seiner Vergangenheit eingeholt. Ein Erpresser will Karl May lobpreisen ... gegen Bezahlung. Karl May lehnt ab. Und der Erpresser versucht, mit allen Mitteln Karl Mays Namen in den Schmutz zu ziehen, den greisen Schrifsteller zu vernichten.

Karl May vor den
Niagarafällen 
Rudolf Lebius (1868-1946) sucht im Frühjahr 1904 Karl May auf. Der Journalist bietet ein »Geschäft« an: Er will in Artikeln tüchtig für ihn werben, Karl May lobpreisen ... und erwartet als Gegenleistung ein »Darlehen«. Im September trifft bei Karl May eine anonyme Karte ein ... von Lebius verfasst. Er droht May mit Enthüllungen. Der Schriftsteller aber reagiert nicht. Und so beginnt Rudolf Lebius eine wahre Hetzkampagne gegen Karl May. Eine Flut von Prozessen ist die Folge, die Karl Mays Gesundheit – psychisch wie physisch – stark schädigen.

Fußnoten
1: Sudhoff, Dieter und Steinmetz, Hans-Dieter: »Karl-May-Chronik«, Band I, 1842-1896, Bamberg und Radebeul 2005, S. 235 unten und S. 236 oben
2: ebenda, S. 237
3: ebenda, S. 254

Karl May- Glanz und Elend eines Bestsellerautors
Teil 2: Zum 100. Todestag
Walter-Jörg Langbein
erscheint am 29. März 2012


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Sonntag, 18. März 2012

113 »Das Geheimnis der steinzeitlichen Schienen«

Teil 113 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


In Maltas Unterwelt. Historische
Aufnahme um 1910.
Archiv W-J.Langbein
Mit ganzer Kraft treibt der Arbeiter seinen schweren Eisenpickel in den Kalkstein. Wieder lösen sich Brocken, die er mit den Händen aus dem wachsenden Loch hebt. Wieder schlägt er mit seinem wuchtigen Eisenhammer zu. Seltsam hohl klingt es. Und plötzlich tut sich ein Spalt im Boden auf. Der Eisenpickel entgleitet den Händen des Arbeiters, verschwindet im Spalt und schlägt nach einigen Sekunden auf. Sekunden später gibt der Boden nach, der Arbeiter stürzt in die Tiefe. So wurde das mysteriöse unterirdische Hypogäum von Malta entdeckt ... beim Ausgraben eines Brunnens.

Ernst von Hesse-Wartegg (1851 oder 1854-1918), »Geheimer Hofrat und Generalkonsul« war österreichischer Diplomat ... und Weltreisender in Sachen »Wunder der Welt«. Ausführlich berichtet er über die Unterwelt von Malta (1): »Die Behörden übernahmen nunmehr die Beseitigung der Schuttmassen, die sich im Laufe der Jahrtausende hier angesammelt hatten, und so wurde in einer Tiefe von mehreren Metern ein Netz von Kammern, Hallen und Gängen freigelegt, die sich über einen Raum von nahezu einem Hektar ausdehnen.«

Bewundernd stellt von Hesse-Wartegg fest (1): »An einer Stelle liegen zwei derartige künstliche Höhlen sogar übereinander, durch eine steile Treppe verbunden. Die ganze Anlage ist viel sorgfältiger ausgeführt als etwa die Katakomben von Rom und zum Teil sogar künstlerisch ausgeschmückt. Die natürliche Felsendecke der meisten Räume ... war ursprünglich rot übermalt, jene der innersten Kammer zeigt sogar aufgemalte Schneckenlinien, Kreise und Scheiben.«

Die rote Deckenbemalung, aber auch die aufgemalten Symbole sind typisch für einen matriarchalischen Kult um die große Muttergöttin. Auch wenn den Erbauern der unterirdischen Welt nur primitivste Werkzeuge – Steinbeile und Feuersteinmeißel – zugebilligt werden ... so arbeiteten sie doch mit unglaublicher Präzision. Von Hesse-Wartegg (2): »Die natürlichen Felswände, welche die einzelnen Kammern voneinander trennen, sind mitunter bis auf Fingerdicke zugehauen worden.«

Welchem Zweck mag ein Wasserbecken in einem der unterirdischen Räume gedient haben? Auch wenn alles auf einen Kult um die »heilige Muttergöttin« hinweist, so wissen wir doch nichts über die Rituale der alten Religion. Mussten sich Pilger im Wasserbecken waschen, bevor sie ins Allerheiligste vorgelassen wurden? Durften sie erst dann die Göttin besuchen? Oder waren es die Priesterinnen, die sich im Becken waschen mussten, bevor sie ihren Dienst antreten duften?

Mysteriöses Wasserbecken.
Historische Aufnahme um 1910.
Archiv W-J.Langbein
Was von Hesse-Wartegg noch nicht wusste: die Unterwelt von Malta war mit einem erstaunlichen akustischen System ausgestattet. Worte, die in ein muschelförmiges Loch in der Wand gesprochen werden ... hallen in anderen Räumen gespenstisch wider. Ob es ein bis heute nicht erforschtes Röhrensystem im Stein gibt, das die Schallwellen weiterleitet? Welchen Zweck erfüllten diese steinzeitlichen Klangwelten? Sollten sie etwa geschaffen worden sein, um naive Pilger zu beeindrucken? Sollten die Besucher in der Unterwelt rätselhafte Stimmen vernehmen, die scheinbar aus dem Inneren der Wände aus gewachsenem Fels kamen?

Erich von Däniken mutmaßt (3): »Ich nehme an, man kann es freilich nicht sehen, dass sich im Fels Hohlräume verzweigen, die die Rufe weiterleiten und an anderen Stellen wieder in den Raum freigeben.«

Vor Jahrzehnten war das Hypogäum von Malta allenfalls ein Geheimtipp ... heute ist es ein touristisches Highlight! Die Altertumsbehörde hat vor Jahren beschlossen, nur noch wenige Besucher zuzulassen. Täglich dürfen nur noch siebzig Menschen in die unterirdischen Räume steigen ... um die Jahrtausende alte Anlage zu schonen. Sie wurden nicht drei Stockwerke tief in die felsige »Unterwelt« gemeißelt, um tagtäglich von tausenden Touristen besucht zu werden.

Einst ein Geheimtipp, heute
Tourismusattraktion. - Historische
Aufnahme um 1910.
Archiv W-J.Langbein
Wind und Wetter, aber auch den Füßen unzähliger Touristen ausgeliefert ist ein weiteres Rätsel von Malta. Ernst von Hesse-Wartegg erwähnt es mit keinem Wort. Die Jahrtausende haben dem steinzeitlichen Schienensystem schon arg zugesetzt. Jahrhunderte lang wurde es mutwillig zerstört: beim Straßenbau ebenso, wie bei der Erschließung neuen Baulands. Und unzählige Besucher trampeln darüber hinweg. Worüber?

Stellen Sie sich vor, Malta war vor Jahrtausenden von einem verzweigten Schienennetz überzogen. Stellen Sie sich vor, man konnte vor Jahrtausenden mit einem »Eisenbähnchen« kreuz und quer auf der Insel herumfahren. Die Schienenstränge hat man in den gewachsenen Fels eingelassen ... und dann irgendwann wieder entfernt. Zurück blieben dann Rillen im gewachsenen Stein. Stellen Sie sich weiter vor, dass man irgendwann vergessen hat, dass es einst ein Gleissystem auf Malta gegeben hat. Dann steht man vor den unzähligen Rillen im Stein vor einem Rätsel.

Kehren wir aus dem Reich der Fantasie in die Realität zurück: Natürlich wurde Malta vor Jahrtausenden nicht von steinzeitlichen Jim Knopfs und Lukas' per Lokomotive befahren. Natürlich gab es vor Jahrtausenden kein Schienensystem. Aber: Vor rund 5.000 Jahren wurden seltsame Rillen in den Stein gefräst ... und das immer paarweise.

Schienen von Malta.
Foto: W-J.Langbein
Bray Warwick datiert im »Lexikon der Archäologie«, Stichwort Malta, die seltsamen Spuren so (4): »Gegen 3200 v.Chr. kamen weitere Einwanderer aus Sizilien auf die Insel In der Zeit von etwa 2800 bis 1900 v.Chr. Errichteten sie eine erstaunliche Anzahl von Megalith-Tempeln.. In diese Zeit gehören auch die seltsamen ›Wagengeleise‹.«

Die Einheimischen nennen die seltsamen Spuren »cart ruts«, also Karrenspuren. Ist das die Erklärung für das »Geheimnis der steinzeitlichen Schienen«? Waren vor Jahrtausenden Fuhrwerke auf Malta unterwegs, deren Räder die seltsamen Rillen erzeugten? Diese simple Antwort scheint zu überzeugen, hält aber einer Überprüfung nicht stand.

Mehrfach war ich auf Malta. Insgesamt habe ich mehrere Tage »cart ruts« vermessen. Die tiefsten »Geleise« waren 72 Zentimeter tief. Eine solche Rille würde ein Rad mit einem Durchmesser von mindestens 144 Zentimetern voraussetzen. Ein Wagen auf solchen Riesenrädern wäre höchst unpraktisch. Außerdem verlaufen die »Geleise« sehr häufig in Kurven. Sie könnten mit Wagen auf größeren Rädern gar nicht befahren werden. Außerdem ist es unsinnig anzunehmen, die Fuhrwerke wären immer exakt auf den gleichen Bahnen gefahren ... um nach und nach die tiefen Rillen zu erzeugen.

WJL beim Vermessen von
Cartruts - Foto: Ilse Pollo
Nehmen wir trotzdem an, dass die Geleise von Karren oder Wagen erzeugt wurden. Motoren gab es vor Jahrtausenden noch nicht. Also müssen Wagen von Tieren – etwa von Rindern oder Pferden – gezogen worden sein. Wenn nun die Wagen immer exakt die gleichen Bahnen befuhren und so Rillen erzeugten ... müssen die Zugtiere immer die gleichen Wege benutzt haben. Wenn die Räder so tiefe Spuren hinterlassen haben ... wo sind dann die Spuren der Zugtiere? Es gibt sie nicht.

Fußnoten
1 Hesse-Wartegg, Ernst von: »Die Wunder der Welt«, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1912/1913, Band II, S.264
2 ebenda
3 Däniken, Erich von: »Prophet der Vergangenheit«, Düsseldorf und Wien 1979, S. 127
4 Warwick, Bray und Trump, David: »Lexikon der Archäologie«, 2 Bände, Reinbek bei Hamburg 1975

Lesetipp: Erfahren Sie mehr über die ungelösten Rätsel der Menschheit in den Büchern von Walter-Jörg Langbein!

»Ein ungelöstes Rätsel«,
Teil 114 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 25.03.2012


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