Samstag, 27. Oktober 2012

Mord in Genf Leseprobe 3

Mord in Genf

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Mit einem Presseausweis des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes der DDR versehen, reiste Wilhelm Schulz, Oberst in der Nationalen Volksarmee, im Jahre 1965 nach Nordvietnam: Offiziell als Kriegsberichterstatter, was schon eine Besonderheit darstellte, denn übliches Prozedere in der damaligen Zeit war es, nur Ehepaare zur Berichterstattung ins Ausland zu verschicken. Major Schulz war Spezialist für den Einsatz von Luftabwehrraketen und stand der Nordvietnamesischen Volksarmee als Berater zur Verfügung.

Er lernte Nguyễn Thị Đào kennen und lieben, Đào, was Pfirsich bedeutet, wurde seine Frau. 1967 wurde ihr gemeinsamer Sohn geboren, den das Paar Hùng, Held, nannte. Schulz lernte Hồ Chí Minh kennen. Und kurz darauf auch die Schrecken des Stellvertreterkrieges zwischen Sozialismus und Imperialismus hautnah, als im Frühjahr 1970 ein US-Jagdbomber im Tiefflug Kanister mit Napalm in seiner unmittelbaren Nähe abwarf, um flächendeckend ein Flammenmeer entstehen zu lassen. Schulz hatte sich schützend auf seine junge Frau und das Kind geworfen. Die Brandwaffe Napalm haftete als zähflüssige, klebrige Masse an ihm und seiner Familie. Sie ließ sich nicht mit Wasser löschen und fraß sich mit einer Temperatur von 800° Celsius in das Hautgewebe der Verletzten ein.

Die Familie wurde ausgeflogen und im Militärkrankenhaus der NVA in Ostberlin behandelt. Đào entstellten die Brandnarben die rechte Gesichtshälfte und die entsprechende Körperseite bis zum Fuß. Schulz hatte den Rücken verbrannt und auch Brandnarben im Gesicht. Um beide Leben kämpften die Ärzte. Hùng behielt seine Narben am Arm zurück. Nach seiner Genesung blieb die Familie in der DDR.

Schulz, wegen besonderer Verdienste zum Oberstleutnant befördert, bildete an der Offiziershochschule Angehörige der Vietnamesischen Volksarmee aus. 1975 brachte Đào ein schwerstbehindertes Mädchen zur Welt. Die Augen waren nicht ausgebildet, wie auch die Ärmchen nur aus Stümpfen bestanden. Das Kind starb wenige Monate nach der Geburt.

Agent Orange, von Januar 1965 bis April 1970 als Entlaubungsmitteln durch die US-Luftwaffe in Vietnam eingesetzt, wurde von den Ärzten als Ursache und Spätfolge vermutet. Dass das mit Dioxinen verunreinigte Agent Orange nicht nur das Erbgut schädigte, sondern auch krebserregend war, erfuhr die Familie in den nächsten Jahren. Im Jahre 1980 starb Đào an Krebs. Hùng war 16 Jahre alt, als auch sein Vater mit militärischen Ehren zu Grabe getragen wurde. Als Angehöriger eines hochrangigen Mitglieds der NVA genoss Hùng eine Schulausbildung, die auf einen militärischen Einsatz hinarbeitete.

Erwin hatte Hùngs Akte vor sich liegen und studierte sie aufmerksam. Es war ein nasskalter Februartag des Jahres 1985, als er dem diensthabenden Leiter des Militärgefängnisses in Berlin gegenübersaß. Vietnamesen bildeten als Leiharbeiter des sozialistischen Bruderstaates eine der größten ausländischen Bevölkerungsgruppen in der DDR. Mit einem dieser Leiharbeiter war Hùng in Streit geraten und hatte ihn mit einem gezielten Schlag an die Schläfe getötet.

»Er war mit dem Opfer alleine angetroffen worden, eher zufällig kamen zwei Genossen des Wachregimentes an der Stelle vorbei. Hùng hat sich ausgewiesen als Angehöriger eines Mitglieds der NVA. Die beiden nahmen ihn dann mit und er wurde hier abgeliefert. Weitere Zeugen waren nicht vorhanden.«

Erwin blickte von seiner Akte auf.

»Ich möchte ihn sehen!«
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Montag, 22. Oktober 2012

Halloweenspecial auf »Ein Buch lesen!«

Ein Beitrag von Walter-Jörg Langbein


Die Nacht war pechschwarz ... überall grinsten Kürbisköpfe aus geschlitzten Mündern und ihre Augen wirkten seltsam bedrohlich. »Trick or treat!« schrie ich und rannte zum nächsten Haus. Ich klingelte Sturm. Schon tat sich die Türe auf, ich hielt meinen schon prall mit Süßigkeiten gefüllten Beutel hin ... Süßigkeiten plumpsten hinein ... und weiter ging's, zum nächsten Haus.

»Trick or treat« kann man vielleicht mit »Scherz oder Leckerei« übersetzen. Wer sich mit einer Leckerei freikaufte, der kam ungeschoren davon. Wer nicht, der wurde »Opfer« eines Scherzes. Ich hatte eine große Tube Zahnpasta dabei. Wer auf mein Klingeln und Klopfen nicht öffnete ... der bekam eine tüchtige Portion Zahncreme an die Tür geschmiert ... in Form eines grinsenden Gesichts ...

Es war Halloween 1963 im kleinen Dörfchen Stevensville am Michigan-See, als ich (damals 9 Jahre alt) mit meinem Bruder (damals 6) auf Beutezug unterwegs war ... Damals hatte ich keine Ahnung, dass Halloween keine amerikanische Erfindung war, sondern aus Europa stammte. Die Kelten haben Halloween »erfunden«, allerdings nicht als vergnügliches Kinderfest. Es ging den Kelten wohl um die Vertreibung der Totengeister, die in unheimlicher Nacht aus dem Jenseits ins Diesseits drängten.

Heidnischen Ursprungs ist das »Halloween«-Fest allemal. Nur umstritten ist der konkrete Ursprung. Wurde »Halloween« zum Sommerende zelebriert, wenn das Vieh von den Weiden in die heimischen Ställe getrieben wurde ... und die Toten zu den Lebenden zurückkehren wollten? Oder war das Totenfest zu Ehren des Knochenmanns »Samhain« der originale Auslöser? Oder hatte man zur »Halloween«-Zeit im noch heidnischen England Angst vor den unheimlichen Mächten? In der »Halloween«-Nacht, so sollen schon die alten Kelten gefürchtet haben, schwindet die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits, so dass die Totengeister in die Welt der Lebenden eindringen und Unheil anrichten können.

Wie auch immer: Der alte heidnische Brauch war der christlichen Geistlichkeit ein Ärgernis und ließ sich nicht einfach verbieten. Also tat man, was man konnte ... um den alten Brauch zu verdrängen. Man stülpte »Halloween« ein christliches Gewand über. Das christliche Hochfest Allerheiligen wurde installiert und aus heidnischem Brauch ein christliches Fest gemacht. Und schon hatte man keine Angst mehr vor den bösen Totengeistern, sondern der Heiligen ... jener, die von der katholischen Kirche geehrt werden, aber auch jener, die nur Gott selbst bekannt sind. Auf diese Weise wollte man sich die Gunst der Heiligen erhalten. Und man wollte jene Heiligen, die man nicht kannte, nicht verprellen.

Mit europäischen Auswanderern gelangte »Halloween« nach Amerika ... und kehrt nun verstärkt wieder nach Europa zurück. Gelegentlich wird kritisiert, dieser »amerikanische Unsinn« verdränge doch nur altehrwürdige christliche Feiertage. Die Realität ist aber eine andere, auch wenn die Details nicht mehr genau bekannt sind ... »Allerheiligen« sollte heidnisches Brauchtum ersetzen. Ganz verschwunden war das gruselige »Halloween« übrigens nie aus Europa. Es wurde da und dort noch praktiziert: Rüben wurden ausgehöhlt, ähnlich wie die bekannten Kürbisse aus den USA ... Mit einer Kerze im Inneren leuchten die europäischen »Rübengeister« ganz ähnlich wie die Kürbisköpfe in den Staaten. Allerdings scheint sich die amerikanische Form von »Halloween« da und dort durchzusetzen ... Kinder verkleiden sich, rennen von Haus zu Haus ... und fordern »Süßes oder Saures«. Wo man sich nicht freikauft ... da gibt’s »Saures«, und das in Form von manchmal zu drastischen »Scherzen« ...



Walter-Jörg Langbein ist Autor vieler Sachbücher. Unter anderem auch:








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