Sonntag, 30. November 2014

254 »Ein Menschenfresser und Maria«

»Ein Panoptikum des Schreckens – in der Kirche – Teil 3«

Teil 254 der Serie

»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein



Das Münster zu Hameln. Foto W-J.Langbein

Das Münster zu Hameln kann als Modell eines mythischen Universums gesehen werden. Die Krypta stellt die Unterwelt dar, der Innenraum des Gotteshauses steht für die Welt der Lebenden und die hohen steinernen Säulen tragen das Himmelsgewölbe. Fast identisch war die Vorstellungswelt der Mayas. Die Wurzeln des Ceiba-Baums sind ein Abbild der Unterwelt, die hohen schlanken Stämme versinnbildlichen die Welt von uns Lebenden und die Krone wird mit dem Himmel gleichgesetzt. Diese drei »Etagen« finden wir auch im Münster zu Hameln.

Die Krypta von Hameln. Foto W-J.Langbein

Die Krypta – Unterwelt – wird von so manchem Besucher des Gotteshauses aufgesucht. Die zweite »Etage« wird von zahllosen Besuchern aus aller Herren Länder langsam oder hastig durchschritten. Kaum einer freilich bringt die Krypta mit der Unterwelt oder gar mit der Hölle in Verbindung.

Dabei gibt es auch zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus im »christlichen Abendland« nach wie vor die Vorstellung von der »Hölle«. Man denkt an einen nach Schwefel stinkenden Ort, wo gewaltige Feuer lodern und arme Seelen für ihre Sünden büßen müssen. »Das Handbuch der Bibelkunde« vermeldet (1):

»Die Hölle unseres Begriffs hat im biblischen Sprachgebrauch keine genaue Entsprechung:« Und doch hat es einen realen Ort im Land der Bibel gegeben, der unserer Vorstellung vordergründig zumindest nahe kommt. Um 800 v.Chr. gab es diese »Hölle« im Südwesten Jerusalems.


Im Gehenna-Tal wurden dem assyrischen Gott Moloch (links) Opfer dargebracht. Dann und wann sollen sogar Menschen verbrannt worden sein, um ihn gnädig zu stimmen. Den Jahweanhängern war jene Stätte ein Ort des Grauens. Vermutlich störte sie die Tatsache, dass dort gelegentlich Menschen ihr Leben ließen, nicht sonderlich. Dass aber dort einem fremden König gehuldigt wurde, missfiel ihnen sehr. Deshalb ließ König Josias um 625 v.Chr. das Tal entweihen. Weil es den Anhängern eines fremden Glaubens heilig war, ließ er es in eine stinkende Abfalldeponie verwandeln. Berge von Knochen wurden aufgehäuft und verbrannt. Müll wurde angekarrt und ebenfalls angezündet. Schwefel wurde beigefügt, um die Feuersglut Tag und Nacht nie verlöschen zu lassen. Es entstand ein Ort, der unserer Vorstellung von Hölle recht nahe kommt.

Aus der fremden Kultstätte war ein stinkendes Abfallfeuer geworden. Der Prophet Jesaja nun dachte an die Zukunft. Dort würden jene Juden, die nicht nach dem Buchstaben des Gesetzes lebten, ihre gerechte Strafe erhalten: im »Glutofen« (2) des Gehenna-Tals. Hier würden dann die vom rechten Glauben abgefallenen Juden auf ewige Zeiten brennen (3):

»Und sie werden hinausgehen und schauen die Leichname derer, die von mir abtrünnig waren. Denn ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht verlöschen, und sie werden allem Fleisch ein Gräuel sein.«

Die Hölle ist nach unserer Vorstellung der Wohnort der Teufel, die die Sünder peinigen und quälen. Unsere Hölle ist die Heimat bösartiger Dämonen. Die biblische Gehenna-Hölle ist ein Ort, an dem Gott strafen wird: Und zwar ausschließlich vom Glauben abgefallene »Gottlose«. Teufel sind da nicht vorgesehen.

Der Moloch von Hameln. Foto W-J.Langbein

Durch den griechischen Einfluss auf das »Neue Testament« kam es zu einer Helenisierung des Begriffs »Hölle«.  Offensichtlich entwickelte sich das Bild vom künftigen Ort des Gerichts zu einem »Warteraum« für Tote, in welchem Verstorbene auf die himmlische Justiz warten. Bei Lukas lesen wir (4): »Als er nun (der Reiche) bei den Toten war, hob er seine Augen in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.« So kommt zum heißen Ort der Qualen im »Neuen Testament« noch eine Art »Himmel« hinzu.

Jesaja weiß nur von einer stinkenden Hölle (5): »Denn vorlängst ist eine Gräuelstätte zugerichtet; auch für den König ist sie bereitet. Tief, weit hat er sie gemacht, ihr Holzstoß hat Feuer und Holz in Menge; wie ein Schwefelstrom setzt der Hauch des Herrn ihn in Brand.« Der »Schwefelstrom« blieb im Volksglauben bis in unsere Zeiten erhalten: Gilt doch nach wie vor bei vielen Gläubigen die Hölle als nach Schwefel stinkender Ort des Grauens. Und der Teufel selbst, Herr der Unterwelt mit vielen Namen, soll ja einen intensiven Schwefelgestank verbreiten!

Menschenfresser Moloch.
Im »Alten Testament« kommt ein Himmel, so wie wir ihn uns heute vorstellen, nicht vor. Das »Alte Testament« kennt lediglich die Himmel als das Firmament, das sich über den Menschen wölbt.

Der modernisierte Terminus »Gehenna« imitiert lautsprachlich das aramäische »Gehanna« und entspricht dem hebräischen »Ge Hinnom«. »Ge Hinnom«  lässt sich das mit »Sohn von Hinnom« übersetzen. Das »Gehenna-Tal« war demnach das »Tal des Sohns von Hinnom« oder – zutreffender –  »Schlucht des Sohns von Hinnom«. Vom stinkenden Höllenschlund zum Teufelsberg. Östlich von Jerusalem wurden auf einem Berg dem Moloch kleine Kinder geopfert (6):

»So sollst du dem Herrn, deinem Gott, nicht dienen; denn sie haben ihren Göttern alles getan, was dem Herrn ein Gräuel ist und was er hasst; denn sie haben ihren Göttern sogar ihre Söhne und Töchter mit Feuer verbrannt.« Es gibt keinen Zweifel, dass da auf grausame Weise dem Gott Moloch gehuldigt wurde: indem Kinder bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Hinter dem Namen Moloch verbirgt sich das hebräische Wort für König. Sollte also ein König der Hölle gemeint sein? Oder war er gar ursprünglich ein Bewohner des Himmels, der zum menschenfressenden Monster mutierte? In der Kunst wurde Moloch immer wieder gern als kinderverschlingendes Ungetüm gezeigt. Nur wenige Besucher des Münsters zu Hameln wissen, dass hoch oben auf einer der Säulen Moloch höchstselbst dargestellt sein könnte.

Moloch frisst ein Kind. Fotos W-J.Langbein

Die Säulenkapitelle erlauben den Blick in eine zum Teil albtraumhafte Welt des Grauens. Spärlich beleuchtet scheinen sich die in Stein gemeißelten Abbildungen zu verändern, zu bewegen. Aus  kunstvoll gearbeiteter Ornamentik formieren sich plötzlich Monsterwesen. Da sind zwei schlangenartige, hoch aufgerichtete Kreaturen. Beide blicken zueinander, das heißt…. auf ein Wesen in ihrer Mitte. Ich halte die rätselhafte Darstellung für ein Bildnis des Menschenfressers Moloch.

Spinnweben erinnern an das Ambiente eines Horrorfilms mit Vincent Price. Pflanzenartig wuchern die zwei hässlichen Geschöpfe, deren Augen und Mäuler immer klarer zu erkennen sind, je genauer man hinschaut. Nach und nach gewöhnt sich das menschliche Auge an die ungünstigen Lichtverhältnisse. Nach und nach tritt »mein« Moloch hervor. Durch das lichtstarke 400-Millimeter-Objektiv meiner Kamera erkenne ich Details. Moloch starrt in Richtung Betrachter. Mit festem Griff hat er ein Kind gepackt, sein Kopf hängt nach unten, die Beine sind anscheinend schon im Maul des gefräßigen Kannibalen verschwunden. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis das arme Geschöpf vollständig im Rachen des Moloch verschwunden sein wird!

Erkennen Sie die mysteriöse Muttergottes? Foto W-J.Langbein

Wenn Ihnen der Moloch zu düster ist, suchen Sie am besten die Darstellung der Gottesmutter. Sie finden sie am südlichen Mittelschiffpfeiler, Nordostecke, entstanden vor etwa 800 Jahren! Es handelt sich um eine rätselhafte Maria mit Lichtscheibe. Hoch oben an einem der Säulenkapitelle – in Gesellschaft von Moloch, Sauriern und anderen mysteriösen Wesen – blickt die Muttergottes auf den Kreuzaltar…

Maria mit der »Lichtscheibe«. Foto W-J.Langbein

Die biblischen Bilder – auch jene von Hölle und Himmel – sind das Ergebnis einer Entwicklung über viele Jahrhunderte hinweg, die vielleicht niemals abgeschlossen ist. Die christlichen Glaubensvorstellungen – etwa von Hölle und Himmel – sind nicht als fertige Gedanken übernommen worden. Sie haben sich nach Beendigung der Arbeit an den biblischen Texten nach und nach entwickelt. Das zeigt, dass Glaube sich seit mehr als zwei Jahrtausenden verändert. Diese Erkenntnis gibt zu Hoffnung Anlass: Auch heute und morgen wird sich Glauben ändern. Nur dann kann er langfristig dem suchenden Menschen Hilfe bieten.

Menschenfressende Monster sollten in keiner Religion mehr zu finden sein. Es gibt sie auch nicht mehr, diese schrecklichen Wesen. Sie sind überflüssig geworden, weil fundamentalistische Fanatiker mit zunehmender Begeisterung die Rolle des mordenden Molochs übernehmen. Sie tun das mit religiöser Inbrunst, wollen den Weg ins Paradies antreten. Sie erreichen aber, dass schon im Hier und Jetzt die Welt zur Hölle wird. Als Teufel bewähren sich dann fanatische Menschen.

Ein Glaube, der einmal stehen bleibt, ist ein Auslaufmodell und verschwindet irgendwann in der Versenkung der Bedeutungslosigkeit. Aber sind die Vertreter der heutigen großen Religionen überhaupt dazu bereit, Glaubenslehren der aktuellen Zeit anzupassen? In einer Zeit der moralischen wie religiösen Ungewissheit droht eine große Gefahr, nämlich dass Fundamentalisten immer mehr Zulauf gewinnen. Warum? Weil immer mehr Menschen Zweifel nicht ertragen können und begeistert jenen folgen, die möglichst lautstark ganz präzise postulieren, was angeblich Gott von uns Menschen fordert.

Fußnoten

Der Ceibabaum der Mayas. Foto W-J. Langbein
 
1) Mertens, Heinrich A.: »Handbuch der Bibelkunde«, 

Düsseldorf  1966, Seite 336
2) Der Prophet Jesaja Kapitel 31, Vers 9
3) Der Prophet Jesaja Kapitel 66, Vers 24
4) Das Evangelium nach Lukas Kapitel 16, Vers 23
5) Jesaja Kapitel 30, Vers 33
6) 5. Buch Mose Kapitel 12, Vers 31

»Ketzerisches von einem Theologen«,

Teil 255 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 07.12.2014
 



Fußnoten

1) Mertens, Heinrich A.: »Handbuch der Bibelkunde«, Düsseldorf  1966, Seite 336
2) Der Prophet Jesaja Kapitel 31, Vers 9
3) Der Prophet Jesaja Kapitel 66, Vers 24
4) Das Evangelium nach Lukas Kapitel 16, Vers 23
5) Jesaja Kapitel 30, Vers 33
6) 5. Buch Mose Kapitel 12, Vers 31


Teil 255 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 07.12.2014

 


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Sonntag, 23. November 2014

253 »Noch mehr Saurier«

»Ein Panoptikum des Schreckens – in der Kirche – Teil 2«
Teil 253 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Blick vom hohen Turm des Münsters auf das Münster.

Ein Buch lesen kann heute fast jeder. Gewiss, der Anteil der Analphabeten ist für unser Bildungssystem nicht gerade ein Kompliment. So stellte die Universität Hamburg 2011 fest, dass zwei Millionen Erwachsene in Deutschland »totale Analphabeten« waren, also rund vier Prozent der Bevölkerung. 1992 monierte das  »Institute of Literacy«, dass jeder vierte US-Bürger so gut wie nicht lesen und schreiben konnte. Vor rund einem halben Jahrtausend waren die Lesekundigen in Deutschland eine kleine Minderheit. Luthers Bibelübersetzung erreichte auch trotz des noch jungen Buchdrucks nur eine kleine Zahl von Menschen.

Vor 500 oder gar 700 Jahren war ein Buch nicht Symbol für allgemein zugängliches Wissen, sondern – ganz im Gegenteil – für verborgene Kenntnisse, die nur Wenigen zugänglich waren. Bildliche Darstellungen wie etwa in der evangelisch-reformierten Kirche zu Sonneborn aus dem 16. Jahrhundert sollten den leseunkundigen Menschen Geschichten »erzählen«, die sie als geschriebene Worte nicht lesen konnten.

Wenn in Kirchen und Domen, Kapellen und Kathedralen Gemälde, Reliefs und Statuetten Geschichten vermitteln sollten, wieso wurden dann im Münster zu Hameln erstaunliche Bildnisse als Kapitelle in rund zehn Meter Höhe angebracht, die man als Besucher kaum erkennen kann? Und welche Botschaften sollen uns diese eigenartigen Kunstwerke vermitteln, die der heutige Besucher kaum zur Kenntnis nimmt?

Foto 2: Das Geheimnis des Buchs. Foto Walter-Jörg Langbein

Ein wiederkehrendes Motiv im steinernen »Bilderbuch« der Kapitelle im Münster zu Hameln ist eine Person, die ein Buch in den Händen hält. Der Mensch liest aber nicht im Buch, sondern hält es imaginären Betrachtern geöffnet hin. Der Mensch – ob Mann oder Frau ist nicht genau zu erkennen – bietet uns Wissen an. Welches Wissen? Man darf vermuten, dass dieses Wissen in den Figürchen der Kapitelle zu finden ist.

In zwei miteinander kämpfenden Langhalswesen, verewigt im steinernen »Buch« der Kapitelle im Münster zu Hameln erkenne ich zwei Saurier, genannt »Brachiosaurus altithorax«. Sehr große Ähnlichkeit besteht auch mit Diplodocus-Sauriern.  Es ist mehr als geheimnisvoll, wie der Künstler, der die Reliefs der Kapitelle Brachiosaurus- oder Diplodocus-Saurier so naturgetreu darstellen konnte. Selbst wenn dem Künstler womöglich Saurierknochen bekannt waren, so konnte zur Entstehungszeit der Kapitelle (also im frühen dreizehnten Jahrhundert!) niemand wissen wie so ein »Drachen« vor 60 oder 70 Millionen Jahren ausgesehen hat. Rekonstruktionen von Saurier-Skeletten  wurden damals nicht vorgenommen. Ausgeschlossen ist, dass im frühen dreizehnten Jahrhundert irgendwo auf der Welt noch lebende Saurier existierten, die dem Künstler als Vorlage hätten können.

Fotos 3 und 4: Saurier im Vergleich...

Mehrere Tage hielt ich mich insgesamt im Münster zu Hameln auf und studierte ausgiebigst die  Säulenkapitelle, zunächst mit bloßem Auge, dann durch das 400-Millimeter-Teleobjektiv meiner Nikon D3300. Ich fühlte mich immer wieder in ein wahres Horrorkabinett versetzt, und das in einem der schönsten Gotteshäuser, die ich je besucht habe. Da tauchen plötzlich seltsame Ornamente auf, sorgsam in den Stein geritzt und skulpturiert. Bei näherem Betrachten »verwandeln« sie sich aber scheinbar (oder anscheinend?) in seltsames, geheimnisvolles Blattwerk. Gab es je solche Pflanzen? Konzentriert man sich aber auf einige dieser Pflanzen, so sind plötzlich deutlich Gesichtszüge fantastischer Monster auszumachen, mit Augen, Ohren, Stirn, weit aufgerissenen Mäulern.

Als Fabelwesen und reine Fantasiegebilde tut sie ab, wer nach dem Motto urteilt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Sobald man aber auch das scheinbar Fantastische als möglich ansieht, entdeckt man tatsächlich ein Panoptikum des Schreckens in der Münster-Kirche zu Hameln, hoch oben an den Säulen-Kapitellen verewigt: Saurier und andere Monster! Und manchmal verwandeln sich zunächst scheinbar harmlose Bilder in furchteinflößende.

Ganz besonders raffiniert sind einige Darstellungen, die man nur von ganz bestimmten Punkten in der Kirche in ihrer Gesamtheit erkennen kann. Da sieht man in einem Fall zunächst ein niedliches »Kätzchen«. Der aufgerichtete Schwanz ist zu erkennen. Auch die kleinen Öhren meint man ganz klar ausmachen zu können. Tritt man aber einen Schritt zur Seite. Dann verwandelt sich das Bild vollkommen, wenn man es in seiner Ganzheit betrachtet.

Fotos 5 und 6: Links die »Katze«, rechts Tyrannosaurus Rex und Beutetier...

Da taucht plötzlich ein furchteinflößendes Monster auf. Es steht, aufgerichtet, auf seinen mächtigen Hinterbeinen. Der Leib passt zu den Hinterpranken, auf denen das Tier steht. Ganz und gar nicht scheinen die Ärmchen des Tieres im Einklang zum gesamten Körper zu stehen. Der Kopf des Tieres verschmilzt mit dem Kopf des »Kätzchens«. Wir erkennen jetzt allerdings nicht mehr, um was für ein Wesen oder Tier es sich bei dem »Kätzchen« handelt. Auf alle Fälle ist das kleinere Wesen das Opfer des großen, das dem kleinen offenbar in den Kopf beißt.

Versuchen wir unvoreingenommen zu sein. Stellen wir uns eine Filmszene vor. Ein großes Tier kämpft gegen ein kleineres, ja das große Tier ist dabei, das kleinere zu verschlingen. Das große Tier hat lange kräftige Hinterbeine, auf denen es aufgerichtet steht. Völlig unpassend zu diesen Hinterbeinen sind die kleinen, kurzen Ärmchen. Um was für ein Tier könnte es sich handeln? Wenn Sie sich je etwas näher mit Sauriern beschäftigt haben oder zumindest einen Teil aus der Filmreihe »Jurassic Park« kennen, werden Sie an einen besonders monströsen Saurier denken: an Tyrannosaurus Rex. Dessen Merkmale sind: Mächtige Hinterbeine mit kraftvollen Pranken, dazu im Verhältnis scheinbar unpassend kleine Ärmchen, halbaufrechter oder aufrechter Gang… Und genau diese Merkmale hat auch das Tier auf dem Säulenkapitell in der Münsterkirche zu Hameln aufzuweisen!

Foto 7: Tyrannosaurus Rex beißt zu... in der Kirche...

Betrachten Sie bitte noch einmal das Wesen aus dem »Panoptikum« der Hamelner Münster-Kirche.

Mit ein wenig Fantasie erkennen Sie zusätzlich zu den schmächtigen Vorderbeinen (Ärmchen) und den kräftigen Hinterbeinen den langen Schwanz des »Tyrannosaurus Rex« in Stein. Oder nicht? Wenn Sie voreingenommen sind, wenn Sie davon ausgehen, dass kein Mensch vor 700 Jahren wissen konnte, wie ein Tyrannosaurus ausgesehen hat, ist der Sachverhalt klar. Dann kann es auf der Darstellung auf einem Säulenkapitell in der Klosterkirche zu Hameln keine Darstellung eines Sauriers gegeben haben. Und dann sehen Sie natürlich kein solches Tier, das nach Schulwissenschaft vor 60 oder 70 Millionen Jahren ausgestorben ist. Wenn aber diese Grundannahme falsch ist? Wenn es eine Zeit gegeben haben sollte, in der es Menschen und Saurier als Zeitgenossen gegeben hat?

Foto 8: »Mysteries«
Der Schweizer Journalist und Buchautor Luc Bürgin gibt das Fachmagazin »mysteries« heraus. In der September/ Oktober-Ausgabe 2014 erschien ein Artikel (1), von Luc Bürgin selbst verfasst. Wie so oft publiziert Bürgin eine Vielzahl von Informationen, die der bisher gültigen Lehre der Schulwissenschaftler radikal widersprechen. In der Schulwissenschaft gibt es keinen Platz für Menschen und Dinosaurier als Zeitgenossen. Auf fünf durchweg mit Farbfotos illustrierten Seiten prasseln Informationen auf Leserinnen und Leser herab, die die immer noch als allgemeingültig angesehene Lehrmeinung als falsch erkennen lassen können.

Bürgin schreibt (2): »Verzweifelt attackieren kleinwüchsige Afrikaner monströse Riesenkreaturen, die verdächtig an Dinosaurier erinnern. Dies nicht in irgendwelchen Fantasyfilmen – sondern auf altrömischen Mosaiken! Ähnlich paradoxe historische Darstellungen finden sich in Thailand, Kambodscha, England und nun auch in Peru, wie soeben bekannt wurde. Existieren Menschen und Riesenechsen in grauer Vorzeit doch gemeinsam?«

Besonders faszinierend finde ich die Entdeckung einer »Dinosauriermalerei«, die der Kanadier Vance Nelson mit seinem Team kürzlich in Nordperu, am Rand des Amazonas-Regenwalds filmen konnte. Da sieht man die stilisierte, korrekte Wiedergabe eines Dinosauriers, der von neun winzigen Jägern oder Kriegern umstellt ist. Die im Verhältnis zum Saurier winzig wirkenden Menschen sind mit Speeren bewaffnet und wollen offensichtlich den Saurier erlegen. Der Forscher bestätigte »mysteries«, dass man nicht nur die unmögliche Darstellung gefilmt und fotografiert habe. Es wurden auch »Pigmente der Felszeichnungen« von einem wissenschaftlichen Institut datiert. Eindeutiges Ergebnis: Die Darstellung des Sauriers mit den neun bewaffneten Jägern ist drei Jahrtausende alt.

Foto 9: Kämpfende Monster, ein Buch bietet Geheimnisvolles....

Kehren wir noch einmal in die Münster-Kirche zu Hameln zurück. Direkt neben der beschriebenen und im Bild vorgestellten Darstellung des »Tyrannosaurus« im Kampf mit seinem Beutetier (Pfeil) befindet sich ein menschliches Wesen, das uns Betrachtern ein geöffnetes Buch entgegenstreckt (zwei Pfeile). Man kann diese Kombination wie folgt interpretieren: Der Du diese Bildnisse betrachtest, ich offenbare Dir ein Geheimnis. Das Geheimnis von furchteinflößenden Monstern, die gegeneinander kämpften.

Das Geheimnis von Sauriern, die vor rund 700 Jahren von unbekannten Künstlern in den Stein gemeißelt wurden, der noch heute im Münster zu Hameln besichtigt werden kann?

Zu den Fotos: Alles Fotos - falls nicht anders angegeben - Walter-Jörg Langbein

Fotos 1, 2, 3, 5, 6, 7 und 9 - Walter-Jörg Langbein

Fotos 3 und 4: 
Foto 3 - Walter-Jörg Langbein
Foto 4 -  wiki-commons - Dmitry Bogdanov

Fußnoten

1) »mysteries«, Erscheinungsort Basel, Ausgabe September/ Oktober 2014, S. 56-60: »Lebten Dinos und Menschen zusammen?«, Verfasser lb., Luc Bürgin
2) ebenda, S. 56
3) ebenda, S.60

»Ein Menschenfresser und Maria...
Ein Panoptikum des Schreckens – in der Kirche – Teil 3«
Teil 254 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 30.11.2014


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