Mittwoch, 23. Dezember 2009

Damoklesbuch II


So entstand mein erster Roman


Es ist viele Jahre her, um genau zu sein etwa 15 Jahre, vielleicht ein wenig mehr. Zu dieser Zeit war die Vampirliteratur noch nicht weit verbreitet. Jedenfalls habe ich damals nicht viel davon mitbekommen. Doch immer wenn ich einen Vampirfilm, Berichte über das Thema Vampir oder doch einmal den Klappentext eines Buches zu sehen bekam, dachte ich ganz still bei mir: Warum muss ein Vampir eigentlich nur eine blutsaugende Bestie sein?

Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los und in meinem Kopf manifestierte sich eine imaginäre Persönlichkeit, die sich immer mehr in ein nahezu reales Wesen verwandelte. Er entwickelte Eigenschaften, Eigenarten und begann ein Eigenleben zu führen. Im Grunde war Aengus O’Donaghue, mein allererster Romancharakter, damit geboren. Er geisterte immer häufiger in meiner Fantasie herum und diktierte mir förmlich eine Geschichte, die so real anmutete, dass ich begann, sie schriftlich festzuhalten.

Damals noch fern jeden Computers, zückte ich Block und Stift und begann seine Abenteuer und Eskapaden aufzuschreiben. Ich gesellte ihm andere, für mich wesentlich weniger reale, Figuren hinzu und spann ein Geflecht aus Begebenheiten um sie herum. Nach und nach entstand ein Roman von etwa 200 handschriftlichen Seiten.

Mein damaliger Freund beobachtete meine fiebrigen Bemühungen aufmerksam und schenkte mir zu Weihnachten mein erstes Laptop. Wow, war das ein Apparat! Ich fütterte ihn mit meiner Geschichte, überarbeitete sie beim Eingeben gleich vollständig und heraus kamen ganze 250 Datenseiten. Von meiner Arbeit überzeugt, begann ich natürlich sofort die Verlage mit meinem Manuskript zu belagern. Ohne Erfolg! Aussagen wie: Passt nicht ins derzeitige Verlagsprogramm, ein Thema, das die Leser nicht anspricht, zu eigensinnige Charaktere, ein Ende, das nicht gut ankommen würde und die erstaunlichste Absage für einen Vampirroman: zu realistisch!

Überzeugt davon, dass meine Arbeit nichts wert sein kann, wenn so viele Verlage ablehnen, zog ich mich zurück und ließ das Manuskript Jahre auf dem Computer ruhen. Rest in peace!

Doch irgendwann erwachte mein Ehrgeiz, ich wollte mir das Manuskript noch einmal vornehmen, überarbeitete es erneut, gesellte neue Charaktere hinzu, schrieb manches um und strich vieles heraus. Erneut war ich überzeugt, dieser Roman taugt etwas. Aber ich wollte nicht denselben Fehler wie bei meinem ersten Versuch begehen und wandte mich an eine Verlagsagentin, die sofort angetan war von meinem Roman. Plötzlich erhielt ich die erste richtige Anerkennung. Sie teilte mir aber auch ihre Kritikpunkte mit, die ich sehr gut nachvollziehen konnte und zum Großteil innerhalb eines Monats beseitigte. Dann bot sie das Manuskript den Verlagen an und beinahe wäre etwas daraus geworden. Aber knapp vorbei ist eben auch daneben.

Wieder versank mein heiß geliebter Charakter Aengus O’Donaghue in einer Computerschublade und ruhte für viele Jahre dort. Wie es Untote jedoch so an sich haben, entstieg er irgendwann seinem dunklen Grab und forderte erneut meine Aufmerksamkeit. Und diesmal war es genau der richtige Zeitpunkt. Ich hatte durch Zufall von Books on Demand erfahren und entschied mich dafür, diese Chance zu nutzen. Es war nicht der Wunsch nach dem großen Erfolg, der mich dazu trieb, sondern einfach die Hoffnung, ein paar interessierte Leser mit meiner Geschichte anzusprechen, eine Resonanz zu erhalten. Womöglich sogar eine Positive. Darum überarbeitete ich erneut den gesamten Stoff, jagte ihn durch ein Rechtschreibprogramm, gab ihn meiner Schwester zur Korrektur und dann endlich an BoD frei.

Was ich damit ausdrücken will: Gebt Eure Träume niemals auf! Vielleicht dauert es einfach nur ein wenig länger, bis sie sich realisieren lassen. Manchmal gehört harte Arbeit dazu, langwierige Recherchen, viele Enttäuschungen und ganz besonders viel Durchhaltevermögen. Aber wenn man dann sein erstes Buch in Händen hält, egal, auf welche Weise es veröffentlicht wurde, erfüllt es einen mit Stolz. Das ist es wert!

Dieser Beitrag gibt meine Meinung wider und ist nicht für alle Autoren zu verallgemeinern.

©Sylvia Seyboth

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Dienstag, 22. Dezember 2009

Damoklesbuch I

Wir Schreiberlinge sind schon ein ganz eigenes Völkchen. Wir können nicht einfach nur Fantasien in unserem Kopf wie einen Film ablaufen lassen, um sie kurz darauf schon wieder zu vergessen. Wir müssen unsere Fantasien in Worte fassen, schwarz auf weiß vor uns sehen, um sie dann in gebundener Form auch anderen Interessierten zugänglich zu machen. Wir gieren danach, die Meinung des Lesers mitgeteilt zu bekommen, wollen uns im Lob suhlen und bibbern doch ständig, dass die erste negative Kritik kommen könnte. Wir sind schizophren!

Einerseits stehen wir zumeist mitten im Leben, gehen einer geregelten Arbeit nach, pflegen Beziehungen, wie jeder andere. Andererseits schweben wir weit oben in Regionen, die für Nichtschreiber unerreichbar sind. Unser Kopfkino veranlasst uns dazu, den Stift zu zücken, Notizen zu machen und sobald wir können, den Computer hochzufahren, um endlich alles in eine gepflegte Datei umzuwandeln.

Ist erst einmal eine Idee geboren, dann hirnen wir stundenlang herum, suchen nach einem realisierbaren Inhalt, um diese kleine Idee festzuhalten und in eine richtige Geschichte einzubauen. Doch es gehört noch viel mehr dazu, als einfach nur eine Idee in Worte zu fassen, und mal schnell auf 300 Seiten auszudehnen. Es muss der berühmte rote Faden gesponnen werden, alles muss nachvollziehbar sein, muss einen realen Hintergrund haben, soll den Leser später an den Roman binden, ihn fesseln und dazu veranlassen das Buch am Besten bis zum Schluss nicht ein einziges Mal aus der Hand zu legen.

Um dies zu erreichen, benötigen wir Recherchen, einen klugen Aufbau der Story, Charaktere, die den Leser vereinnahmen oder gekonnt abstoßen, Schauplätze, die magisch, spannend oder einfach nur anheimelnd sind. Wir Autoren benötigen eine Mixtur aus allem und müssen dafür sorgen, dass daraus eine fließende Geschichte entsteht, die keinerlei Schwachstellen aufweist. Immer auf ihre Art dazu verlockt, noch eine Seite weiter zu lesen.

Alles in allem tragen wir systematisch Informationen zusammen und verweben sie zu einer sinnvollen Story. Um einzelne Handlungsstränge nicht aus den Augen zu verlieren, müssen wir Einzelheiten im Auge behalten und diese für uns in einen zweckdienlichen Kontext bringen, zugreifbar machen, also konservieren. Denn schon die kleinste Kleinigkeit, die plötzlich in veränderter Form dem Leser dargeboten wird, wird uns als Schwäche angekreidet. Wir leisten sozusagen Reparaturdienste auf einer Großbaustelle und am Ende soll ein perfektes Gebäude vor uns stehen.

Doch sogar, wenn ein im Prinzip fertiges Manuskript vor uns liegt, nimmt die Arbeit kein Ende. Schon muss alles noch einmal überarbeitet werden, müssen Fehler korrigiert, Szenen besser dargestellt und Charaktere ausgefeilt werden. Wieder versinken wir Autoren in einer Flut aus Informationen, die verarbeitet werden müssen.

Ich denke, der schönste Augenblick für jeden Schriftsteller ist der, wenn wir endlich ein Manuskript in gebundener Form als Buch in Händen halten und wissen, dass wir nun endlich die Arbeit als abgeschlossen betrachten dürfen. Doch selbst dann finden wir immer noch kleine Fehlerteufel, würden am liebsten doch noch eine Szene umschreiben, etwas herausstreichen oder hinzufügen. Im Grunde ist unsere Arbeit nie getan, denn solange unser Gehirn arbeitet, wir durch äußere Einflüsse zu neuen Gedankengängen angeregt werden, nimmt das Schreiben kein Ende.

Das Damoklesbuch schwebt unaufhörlich über uns. Und wir lieben diesen Zustand!


Dieser Beitrag gibt meine Meinung wider und ist nicht für alle Autoren zu verallgemeinern.
©Sylvia Seyboth

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Vampir in Untermiete: O`Donaghue-Chroniken Teil 1

Rebellion der Vampire: O`Donaghue-Chroniken - Teil 2

Maskerade des Todes

Seele im Glashaus


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