Samstag, 26. März 2011

Rezension: Mein Vater mein Freund- Arno & André Stern

Dieses Buch habe ich mit großer Neugierde gelesen und es hat mir bestätigt, was ich schon immer vermutet habe: kreative Menschen haben in der Regel ein liebevolles Elternhaus. Das Geheimnis glücklicher Söhne und ich möchte hinzufügen auch glücklicher Töchter liegt in einer harmonischen Beziehung zu ihren Eltern begründet. Wichtig für einen Sohn ist, dass er seinen Vater als Freund begreifen kann.

Mir sind in meinem Leben so viele Männer begegnet, die ihre Väter hassten. Mich irritierte das stets, weil ich eine extrem gute Vaterbeziehung hatte und konnte mir lange nicht wirklich erklären, weshalb Vater-Sohn-Beziehungen oft  so konfliktreich  sind. Später ist mir klar geworden, dass speziell in Deutschland das Verhalten eines Vaters zu seinem Sohn wenig Vertrauen fördernde Maßnahmen beinhaltet. Oft mangelt es an gezeigter Zuneigung und zumeist sind die Erwartungshaltungen geradezu absurd hoch. Söhnen werden keine Freiräume gelassen. Sie sollen zumeist in die Fußstapfen des Vaters treten, aber den Vater  letztlich nicht überflügeln. All zu oft dienen Söhne dazu, der Eitelkeit des Vaters zweckdienlich zu sein. Viel zu selten wird darauf geachtet, dass ein Sohn sich seinen Begabungen gemäß entwickeln kann.

Hier im Buch ist alles völlig anders. Der 1924 in Kassel geborene Jude Arno Stern berichtet im Rahmen seiner Lebensbeschreibung von seiner hervorragenden Vaterbeziehung. Sein 1970 in Paris geborene Sohn André Stern erzählt im zweiten Teil des Buches von seiner ebenso gelungenen Beziehung zu seinem Vater. Die Beziehungen beruhen auf sehr viel Liebe und Verständnis und genau diese Melange bedingt, dass die Söhne erfolgreich ihren eigenen Weg gehen konnten.

Arno Stern berichtet ausführlich von seinem Vater, den er als intuitiven Vernunftmenschen und Glückskind beschrieb. Isidor Stern hat im Laufe seines Lebens viele Höhen und Tiefen durchlebt, folgte stets seiner inneren Stimme - seinem Engel -, wie Arno Stern diese innere Stimme bezeichnet und vertraut ihm immer. Isidor verließ Deutschland rechtzeitig mit seiner Familie als die Nazis die Juden verfolgten. Er ließ seine Habe ohne Wehmut hinter sich, überzeugt, dass es überall einen Neuanfang gibt. Viele Verwandte der Sterns wurden in Konzentrationslagern seitens der Nazis ermordet. Arno Stern sagt, wenn er sich an seinen Vater erinnert: „Wir vertrugen uns lückenlos; hatten uneingeschränktes Vertrauen zueinander.“(Zitat: S. 13).

Arno Stern berichtet von seiner Kindheit und Jugend während der NS-Zeit in Paris und in der Schweiz, von den materiellen Problemen seiner Eltern, die sein Vater stets meisterlich zu lösen vermochte. Arno Stern sagt, dass die Gewissheit, dass er von Gott gesehen und beurteilt wird, seine Handlungen in seiner Kindheit und Jugend prägten, (vgl.: S. 29). Heute allerdings begreift er sich als einen religiösen Atheisten, bzw. ein gottlosen, traditionellen Juden, (vgl.: S. 29). Arno Stern erzählt u.a. davon, wie sein Vater nach dem Krieg aufgrund seiner Kreativität der Familie eine neue Lebensgrundlage geschaffen hat und wie er, Arno, sich zu dem entwickelte, was er heute ist. Es führt zu weit die einzelnen Stationen seines Lebens an dieser Stelle aufzuzeichnen, gesagt sei , dass Arno Stern 1946 die „Académie du Jeudi“, einen Malort für Kinder gründete. Er ist der Entdecker der „Formulation“, bei der es sich um vorgeburtliche Erinnerungen handelt. Arno Stern hat sich mit dem Thema übrigens weltweit auseinandergesetzt und insgesamt 25 Bücher verfasst.

Seinen Sohn Andrè Stern hat er sehr frei aufwachsen lassen. André, der inzwischen auch Vater eines Sohnes ist, ist Musiker, Komponist, Gitarrenbaumeister, Journalist und erfolgreicher Autor eines Buches. André Stern berichtet davon, dass er eine Kindheit ohne Schule, Noten, Wettbewerb und Vergleiche dank seines Vaters erleben durfte und stattdessen Kurse besuchte, die seiner Begabung entsprachen. Er hat die Gegenwart nicht im Namen einer möglichen Zukunft opfern müssen, sondern die Erfahrung gemacht, dass er stets ungeachtet seines Alters alles lernen kann, was seinen aktuellen Beschäftigungen entspricht und diese bereichert, (vgl.: S.142).

André musste nicht ein Schülerleben lang die Erfahrung machen, dass man in der Materie besonders viel üben muss, in der man nicht gut ist und die man nicht mag, um dort zumindest zum Durchschnitt zu gelangen, sondern er hatte die Möglichkeit, die Dinge besonders zu üben, die seinen Begabungen entsprechen, (vgl.: S.142).

Dass Menschen, immer dann, wenn sie ihren Begabungen entsprechend aktiv sind, weder in den Kategorien Arbeit und Freizeit, Job und Urlaub, Berufsleben und Privatleben, Lernen und Erholung denken, kann ich so weit bestätigen. Insofern begrüße ich die Konsequenz und den Mut Arno Sterns, mit denen er seinem Sohn diese Möglichkeit einer freien Entwicklung ermöglichte. Dass sich in dieser Familie alles so vortrefflich entwickelte, hängt wohl  in erster Linie damit zusammen, dass man sich sowohl auf seine Intuition und seine Vernunft verlassen hat und der Liebe innerhalb der Familie viel Raum geschenkt hat. Vielleicht stellt sich Fortune immer dort ein, wo  die Liebe gelebt wird. Vielleicht ist genau dies das Geheimnis.

Das Wissen, sich mit geschlossenen Augen fallen lassen zu können und von seinem Vater selbstverständlich aufgefangen zu werden,  ist die Basis für eine gute Vater-Sohn-Beziehung, die es leider all zu wenig gibt und zwar nach wie vor..
 
Empfehlenswert.






Dienstag, 22. März 2011

Traumziel Hollywood

Kolja Brand im Interview mit Walter-Jörg Langbein

Kolja Brand und
Walter-Jörg Langbein im Gespräch
Foto: ©Juliane Bremer
Kolja Brand straft alle Zeitgenossen Lügen, die gern verallgemeinernd von orientierungslosen Jugendlichen ohne jeglichen Ehrgeiz schwadronieren. Kolja Brand ist 18 und verfolgt schon seit Jahren sein Traumziel: Hollywood! Als Komponist möchte er in der Traumfabrik arbeiten. Großes Talent hat der junge Wolfsburger ohne Zweifel. Er schaffte es in das Finale von »Dein Song« (KIKA, Gemeinschaftsprogramm von ARD und ZDF). Seit einigen Tagen ist er regelmäßig im TV-Programm zu sehen (montags bis donnerstags 19.25 Uhr). Das Finale steht »vor der Tür«: in der großen Live-Show am 8. April ist das Fernsehpublikum gefragt. Die Zuschauer bestimmen, wer »Songwriter des Jahres 2011« wird. Keine Frage: Kolja Brand hat große Chancen, aus seinem beachtlichen Talent etwas zu machen!

Walter-Jörg Langbein sprach für Ein-Buch-lesen mit Kolja Brand...

Walter-Jörg Langbein: Liest Du gerne Bücher?

Kolja Brand
Foto: © Flu Popow
Kolja Brand: Ich liebe Bücher! Ich lese gerne Romane und am liebsten Sachbücher.
Alte Kulturen und Rätsel dieser Welt faszinieren mich am meisten.
Momentan lese ich »Triumph der Musik - Von Bach bis Bono« von Tim Blanning.

Walter-Jörg Langbein: Wie bist Du zur Musik gekommen?

Kolja Brand: Meine Eltern haben mich schon sehr früh zur musikalischen Früherziehung geschickt. Danach habe ich angefangen Keyboardunterricht zu nehmen. Doch das hielt nicht lange an, weil ich nie wirklich Lust hatte zu üben und mir andere Sachen irgendwann wichtiger wurden. Das Keyboard stand jahrelang in der Ecke. Nur gelegentlich spielte ich mal drauf.

Walter-Jörg Langbein: Wann kamst Du dann zum Komponieren?

Kolja Brand beim Musizieren
Foto: ©Mirko Stödter


Kolja Brand: Mit 16 Jahren habe ich im Urlaub versucht etwas zu komponieren und aufzuführen. Mit einem Engländer, der Trompete spielt, gelang mir das dann auch.
Ich war beeindruckt vom guten Feedback und kaufte mir in Deutschland ein E-Piano.Es kamen immer mehr technische Geräte dazu, die ich fürs Komponieren brauche.

Walter-Jörg Langbein: Du wolltest schon immer komponieren, nicht selbst singen?

Kolja Brand: Genau. Mir hat es immer Spaß gemacht neue Musik zu erfinden und nicht etwas nachzusingen.

Ich höre die Musik im Kopf und versuche diese dann in die Realität umzusetzen. Nachdem ich stundenlang Blödsinn komponiert habe, kommt dann manchmal auch irgendwann diese eine Melodie, die im Gedächtnis bleibt und auf die es ankommt.

Walter-Jörg Langbein: Du hast Dich recht kurzfristig für den Wettbewerb »Dein Song 2011« beworben. Hand aufs Herz: Hast Du geglaubt, dass Du so weit kommen würdest?

Kolja Brand
Foto: ©Mirko Stödter


Kolja Brand: Ich habe am frühen Morgen/ in der Nacht des Einsendeschlusses versucht, irgendwas zu komponieren, das ich einsenden kann. Nie war ich mit meinem Ergebnis zufrieden. Zwischendurch legte ich mich auch schlafen und sagte mir selbst: »Ich hab doch eh keine Chance, ich versuche es erst gar nicht weiter!«

Doch dann irgendwann hab ich mir gedacht, dass Erfolg nur durch harte Arbeit kommen kann und dann bin ich aufgestanden und es entstanden drei Kompositionen.
Keine davon war ausgereift, sondern nur schnell unter Zeitdruck im Computer durch mein E-Piano eingespielt. Ich hätte also niemals damit gerechnet , dass ich es unter die letzten 16 schaffe.

Und ausgerechnet als der Gewinner der ersten Staffel von »Dein Song« bei mir zu Besuch war, rief das ZDF an und teilte mir mit, dass ich es geschafft habe. Die Arbeit hatte sich also gelohnt.

Walter-Jörg Langbein: Meinen Glückwunsch schon zu diesem Erfolg! Zum Video-Dreh warst Du in Indien ... Welche Eindrücke hast Du mit nach Hause genommen?

Kolja Brand
© Mirko Stödter
Kolja Brand: Meine Vorstellung von Indien war die, wie wir sie aus den Bollywood Filmen kennen. Ich habe gelernt, dass dies nicht der Fall ist.
Wir haben in Alt-Delhi gedreht. Dort gab es viele arme Menschen. Frauen bettelten um etwas zu Essen für ihre Babys und Hunde verhungerten auf der Straße. Ich habe gelernt, dass unser deutscher Lebensstandard nicht selbstverständlich ist.

In Indien herrscht eine viel freundlichere Mentalität und das vegetarische Essen ist auch super gewesen. Delhi ist wirklich eine verrückte Stadt.

Walter-Jörg Langbein: Bevorzugst Du ein bestimmtes Genre in der Welt der Filmmusik?

Kolja Brand: Ich bevorzuge kein bestimmtes Genre ... und genau das ist auch interessant daran! Heute komponiere ich ein Drama, aber morgen könnte es auch eine Komödie sein.

Es wird einfach nie langweilig, weil man immer etwas Neues komponieren muss. Umso mehr man sich mit einem Film beschäftigt, desto mehr erfährt man auch über das Thema des Filmes. Man begibt sich also auch auf eine Art Forschungsreise. Wenn ich beispielsweise den »Da Vinci Code« komponiert hätte, würde ich viel über Kultur dazulernen.

Walter-Jörg Langbein: Würdest Du die Musik zu einem Horrorfilm schreiben?

Kolja Brand: Ja auf jeden Fall!
Musik soll die Menschen berühren manchmal zum Weinen bringen. Manchmal muss die Musik aber auch den Zuschauer durchschütteln, ihn aufwecken und mitreißen.

Walter-Jörg Langbein: Wann fällt die Entscheidung, wer den Wettbewerb gewinnt? Wer entscheidet? Eine Jury? Das Publikum? Publikum und Jury?

Kolja Brand: Am 8. April ab 19 Uhr ist die große finale Liveshow. Dort performen die besten acht Songwriter mit ihren prominenten Musikpaten ihren eigenen Song. Das Publikum entscheidet dann per Telefonvoting, welcher Kandidat »Songwriter des Jahres 2011« wird. Der Gewinner bekommt ein Preisgeld zur Talentförderung und natürlich viel Aufmerksamkeit der Medien.

Walter-Jörg Langbein: Du bist unter die besten acht Songwriter gekommen. Das ist schon ein gewaltiger Erfolg! Herzlichen Glückwunsch! Ein-Buch-lesen drückt Dir ganz fest die Daumen für das große Finale!

Filmmusik von Kolja Brand 



http://www.koljabrand.com/

www.facebook.com/kolja.brand


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