Sonntag, 5. Juni 2016

333 »Der Schrei der Banshee«

Teil 333 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Die Mauer von Kuelap

Archäologie-Student Werner Kaiser (1) will in den Anden Nordperus in der mysteriösen Stadt der Wolkenmenschen, Kuelap, einen Spuk erlebt haben. Ich bat um möglichst viele Einzelheiten und hielt die Zeugenaussage Kaisers schriftlich fest.

Die Erscheinung glich nach den Aussagen Kaisers einer Mumie der Chachapoyas, wie sie in verschiedenen Gräbern in Felssteinwänden vorgefunden wurden.

»Das Ding war in ein arg verschlissenes, zerfetztes, sich seit Jahrhunderten auflösendes Tuch gewickelt. Man sah die Füße des Skeletts, auch die knöchernen Hände. Der Schädel flößte mir besonders intensive Angst ein. Das Maul der Kreatur war unnatürlich in die Länge verzerrt und weit geöffnet. Der Schädel war weiß, die Zähne ähnelten denen eines Raubtiers oder Vampirs. Fast perückenhaft wirkte dass rotbraune Haar.«

Foto 2: Zwei Mumien vom Chauchilla-Friedhof.

Ganz ähnliche Mumien-Skelette habe ich zu Dutzenden auf dem Friedhof von Chauchilla gesehen. Entdeckt wurde der Friedhof angeblich erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Genutzt wurde er mindestens seit dem späten zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Vermutlich wird das riesige Areal unweit der legendären Ebene von Nazca auch heute noch von Grabräubern heimgesucht. Das anrüchige Gewerbe wird dort wohl schon seit vielen Jahrhunderten praktiziert. Man sucht nach Gräbern, zerrt die Mumien heraus und hofft, dass ihnen wertvoller Schmuck aus Gold auf die Reise ins Jenseits mitgegeben wurde. Vermutlich wurden zigtausende Mumien zerhackt. Wer über den Friedhof geht, muss erkennen, dass der Boden über Quadratkilometer übersät ist mit kleinen und größeren Knochensplittern. In Löchern hocken für uns Besucher Mumien. Oft steckt der gesamte Leib der Toten in einer sackartigen Hülle, auf die man den Schädel gesetzt hat. Prägnant sind die rotbraunen Haare der Mumien.


Foto 3: Schrei der Mumie.
Am »krassesten«, so Werner Kaiser, sei der laute, schmerzhafte, schrille Schrei gewesen. »Wie lange das entsetzliche Geräusch zu hören war, das weiß ich nicht mehr. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Ich denke aber, es waren eher nur einige Sekunden als Minuten!« Als wir uns schließlich verabschiedeten, raunte mir Werner Kaiser zu: »Plötzlich spürte ich, dass ich mich wieder regen konnte. Obwohl es schon recht düster war, rannte ich wieder der Blitz aus Kuelap und den steilen, schmalen Weg hinab. Als ich schon ein ganzes Stück zurückgelegt hatte, legte ich eine Verschnaufpause ein.« Angeblich habe er dann aus der Distanz erneut den grellen Schrei gehört – und seit weiter bergab gerannt, bis er völlig erschöpft an seinem Leihwagen ankam.

Wahrheit oder Fiktion, erlebte unheimliche Wirklichkeit oder blühende Fantasie? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß: Schon vor Jahrzehnten hörte ich auf einer ausgedehnten Englandreise mehrfach vom Schrei der Banshee. Der soll auch durch Mark und Bein gehen! In England erzählte man mir bei meinen Recherchen in Sachen Mysterien unseres Planeten von Banshee, einem weiblichen Geist. Der Name leitet sich vom Irisch-Gälischen »bean sí«, zu Deutsch »Frau aus den Hügeln« ab. Nach altem keltischen Volksglauben, der in Irland noch recht lebendig ist, stammt sie aus dem »Feenreich«, als Geisterfrau könne die Banshee zwischen der Anderswelt der Toten und der Welt der Lebenden pendeln.

Das »Lexikon der keltischen Mythologie« verrät uns (2): »Ihr Rufen, das den Menschen die Haare zu Berge stehen und sie die unendliche Einsamkeit verspüren läßt, ertönt oft nur dreimal, manchmal dauert es jedoch die ganze Nacht an. Distanzen sind für sie gegenstandslos; in vielen Beispielen kündet sie den Tod von Verwandten in Amerika oder Australien an.«

Foto 4: Banshee. Darstellung aus der Zeit um 1825.

Banshees werden noch heute in Irland und Schottland als Todesbotinnen angesehen. Ihr Schrei wird unterschiedlich, oft als schrill und kreischend, beschrieben. Der Mumien-Geist von Kuelap mag ganz ähnlich geklungen haben, hatte aber rein äußerlich überhaupt nichts mit einer Banshee gemeinsam. Ich darf noch einmal das »Lexikon der keltischen Mythologie« zitieren (3): »In der Volkskunde gehört sie zu den bestbeschriebenen Figuren: Sie zeigt sich als ›kleine Alte‹, in weißen oder roten Gewändern, zuweilen rot beschuht. Ihr prächtiges Haar, ob weiß, golden, braun oder rot, trägt sie lang und lose und kämmt es mit einem goldenen oder silbernen Kamm.«

Zur Todesbotin wurde die Banshee freilich erst in christlicher Zeit. Ursprünglich war sie eine Göttin. Verehrt wurde sie von den »Tuatha Dé Danann« in Irland. Der Name des mysteriös-mythisch-legendären Volks lässt sich mit »das Volk der Göttin« übersetzen, was auf matriarchalische Ursprünge hinweist. Die Menschen vom »Volk der Göttin« sollen aus den »nördlichsten Inseln der Welt«, nach anderen Quellen aus Griechenland stammen.

Die Wurzeln der Banshee aufzuspüren, das ist nicht leicht. In der Sagenwelt wurde Banshee zu einem Gattungsbegriff, es gab nicht eine, sondern viele Banshees. In manchen Volkslegenden wird jeder Familie eine eigene Banshee zugeordnet. Banshees tauchen immer dann auf, wenn ein Familienmitglied bald sterben wird. Die Banshees haben als Königin Áine, die irische Muttergöttin. Über Áine verrät uns das »Lexikon der keltischen Mythologie« einiges (4):

»Im Irischen bedeutet ›Áine‹ ›Helligkeit‹, ›Hitze‹, ›Geschwindigkeit‹ und tritt sowohl als weiblicher als auch männlicher Name in der irischen Sage auf, was auf eine (vor)keltische Sonnengöttin und den keltischen Sonnengott schließen läßt, die täglich mit Pferd und Wagen, als Reiter beziehungsweise Reiterin … den Himmelsraum durchmessen.«

Offensichtlich waren die weibliche und der männliche Áine so tief im keltisch-irischen Volksglauben verwurzelt, so dass beide lange der Christianisierung trotzten. Da die beiden nicht offiziell abgeschafft werden konnten, durften sie weiterleben (5): »Die Christianisierung ließ dem Sonnengott Áine die Stellung als Stammvater der Eóganacht-Sippe, während die Göttin Áine zur Feenkönigin degradiert wurde.«

Foto 5: Die Keltin an der Kirchenwand.

Kurzer »Ausflug« in die Gegenwart: Auch heute noch gedenkt man kirchennah der keltischen Vergangenheit. Da gibt es zum Beispiel eine sehr schöne Grabstele mit Medaillon und Reliefbüste einer keltischen Frau aus alten Zeiten. Wo? An der Apsis der Filialkirche in Lendorf, im 14. Bezirk »Wölfnitz« der Landeshauptstadt Klagenfurt, Kärnten, Österreich. Wer Keltisches im Christlichen sucht, wird fündig: Göttin Danu bildete zusammen mit Brigid und Anu eine weibliche Dreifaltigkeit. Die drei keltischen Göttinnen kann man als drei Seiten der weiblichen Schöpfungskraft verstehen, oder als Pendent zur Trinität der christlichen Theologie.

»Tuatha Dé Danann« lässt sich, wie gesagt, »das Volk der Göttin« übersetzen. Es geht aber konkreter: »Volk der Göttin Dana/ Danu«. Danu (moderner Dana) war die große göttliche Urmutter, von der alle Lebewesen abstammen. Urmutter alles Lebenden war, was heutige Bibel-Übersetzungen leider verbergen, auch Eva. Ich darf aus meinem Buch »Als Eva noch eine Göttin war« (6) zitieren:

Foto 6 Als Eva noch eine Göttin war

»Die Hoffnung für Alle-Ausgabe der Bibel versucht dem Laien den Zusammenhang zu verdeutlichen, indem eine Übersetzung von Eva angeboten und in Klammern eingefügt wird: ›Adam gab seiner Frau den Namen Eva (›Leben‹), denn sie sollte die Stammmutter aller Menschen werden.‹

Eva, so meint der Laie verstehen zu müssen, heißt also Leben. Und weil Eva die ›Stammmutter aller Menschen‹ wurde, nannte ihr Mann Adam sie in prophetischer Weitsicht ›Eva‹, eben ›Leben‹. Die tatsächliche Brisanz des Textes geht allerdings in sämtlichen Übersetzungen verloren. Im hebräischen Original steht nämlich, wortwörtlich ins Deutsche übertragen: ›Und der Mann nannte seine Frau Eva, denn sie war die Mutter aller lebenden Dinge/ alles Lebendigen.‹

Im Originaltext ist Eva nicht nur Stammmutter aller künftiger Menschen, sondern alles Lebendigen: und das sind nach uralter Vorstellung die Pflanzen, die Tiere, die Menschen – und die Götter. Eva erhält also ihren Namen, weil sie als wirkliche Urmutter von Tieren, Menschen und Göttern und nicht nur von den Menschen angesehen wurde!«

Fußnoten

1) Name vom Verfasser geändert, strikte Vertraulichkeit wurde vereinbart und bleibt gewahrt.
2) Botheroyd, Sylvia und Paul F.: »Lexikon der keltischen Mythologie«, München 1992, S. 36, linke Spalte, Zeilen 15-21 von oben (Rechtschreibung wurde in Zitaten unverändert übernommen, also ß statt ss!)
3) ebenda, Zeilen 8-14
4) ebenda, Seite 13, Artikel »Áine«
5) ebenda, Seite 13, Artikel »Áine«
6) Langbein, Walter-Jörg: »Als Eva noch eine Göttin war«, Großgerau, Oktober 2015,
Foto 7

Zu den Fotos:

Foto 1: Die Mauer von Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Zwei Mumien vom Chauchilla-Friedhof. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Schrei der Mumie. So soll die Spukerscheinung ausgesehen haben.
Das Foto zeigt zur Veranschaulichung eine Mumie aus dem Friedhof von Chauchilla, Peru. Das Foto wurde bearbeitet, um der Schilderung Werner Kaisers besser zu entsprechen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Banshee. Darstellung aus der Zeit um 1825. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Die Keltin an der Kirchenwand. Foto wikimedia commons/ Johann Jaritz
Foto 6 Als Eva noch eine Göttin war, Buchcover. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7 Adam und Eva um 1550 gemalt/ wiki commons (rechts)


334 »Halloween und der Mord an John F. Kennedy«,
Teil 334 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         

von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 12.06.2016


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Sonntag, 29. Mai 2016

332 »Der Schrei der Mumie«

Teil 332 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Spukt es in Kuelap?

»Völlig erschöpft erreicht ich die mysteriöse Ruine der einstigen Metropole der Chachapoyas. Es war kalt. Die Luft war – kein Wunder, bei einer Höhe von 3.000 Metern über dem Meeresspiegel – natürlich sehr dünn. Jeder Atemzug tat weh. Plötzlich war ich in Nebel getaucht. Oder waren es dichte Wolken? Eben noch hatte ich die gewaltige Mauer von Kuelap in greifbarer Nähe gesehen. Jetzt war sie verschwunden! Eben war mir noch angenehm, von der Temperatur her. Und jetzt war mir kalt.«

Foto 2: Ingeborg Diekmann
So schilderte mir Archäologie-Student Werner Kaiser (1) seinen Besuch in Kuelap. Nach einem Diavortrag über »Peru und seine Geheimnisse« waren wir ins Gespräch gekommen. Ich hatte auch über meinen Besuch in Kuelap berichtet.

Tagelang habe ich mich vor Ort aufgehalten. Ich bin außen die Monstermauer abgeschritten. Ich habe die schmalen Ein- und Ausgänge studiert wie steinerne Bücher. Steile Treppen führen durch hohe, schmale, künstlich geschaffene Spalten durch die Monstermauer in das Innere der wehrhaften Stadt. (Foto 2, links: Ingeborg Diekmann hat einen der engen Eingänge fast durchschritten.)

Türen oder Tore waren nicht erforderlich. Es genügten wenige Verteidiger, die jedes Eindringen unmöglich machen konnten. Von oben wurden die Feinde mit Steinen beworfen. Tödlich getroffen sanken sie nieder, versperrten mit ihren Körpern nachrückenden Kämpfern den Weg. Auf breiter Front konnte nicht angegriffen werden. Nur wenige Krieger konnten sich gleichzeitig durch die schmalen Zugänge zwängen. Und die, die den Steinhagel überstanden, konnten im Kampf Mann gegen Mann besiegt werden. Ein riesiges Heer war also nutzlos, da immer nur wenige zugleich versuchen konnten, in die Stadt einzudringen. Die Monstermauer war viel zu hoch, als dass sie hätte schnell erklommen werden können. Wenn das jemand versuchen wollte, konnte er von oben mit Steinhagel eingedeckt werden.

Ob die Inka Kuelap je eingenommen haben? Oder wurde die Stadt warum auch immer aufgegeben? Fiel sie durch Verrat?

Foto 3: Kuelap über den Wolken

»Eben noch arbeitete ich mich im wabernden Nebel vor. Und plötzlich stand ich direkt vor der Mauer von Kuelap, im strahlenden Sonnenlicht. Und unter mir machte ich den Nebelschleier aus. Oder waren es Wolken? Jedenfalls wurde mir klar, wie hoch über Normalnull Kuelap angelegt worden war!«

Mich hat die nicht wirklich in Worte zu fassende Abgeschiedenheit von Kuelap zutiefst beeindruckt. Und damit meine ich nicht nur die räumliche Distanz der in den hohen Anden aufgetürmten Metropole. Diese Ferne vom Leben in niederen Gefilden war einst ein Schutz der Chachapoyas. Sie wurden von Feinden so schnell nicht entdeckt. Kuelap kam mir vor wie eine surreale Insel, fern von jeder Zeit. Wenn ich in Kuelap war, dann war der stressige Alltag unserer modernen Zeit weit, weit weg. Und in Kuelap, so versicherte mir Werner Kaiser, spukt es. Zumindest will er dort den Schrei der Mumie gehört und eine gespenstische Erscheinung gesehen haben.

Foto 4: Rekonstruiertes Rundhaus
Die monströse Wehrmauer bietet einen imposanten Eindruck. Im Inneren sind noch die Fundamente der seltsamen Rundhäuser zu erkennen. Archäologen haben so ein Gebäude rekonstruiert. Andere Reste von Bauwerken sind nur noch so bruchstückhaft erhalten, so dass nicht mehr zu erkennen sind, welchem Zweck sie einst dienten. Leider gibt es auch keinerlei Schrifttum der Erbauer der Stadt, so dass wir wohl auf so viele Fragen keine Antworten erhalten werden. Wir wissen nichts über das Leben der Chachapoyas. Wir wissen auch überhaupt nichts über die Religion der Chachapoyas. Wir kennen nicht ihre Sagen und Legenden, ob sie an ein Leben nach dem Tode glaubten und wie sie wohl – falls überhaupt – Götter verehrten und anbeteten.

Ungeduldig fragte mich Archäologie-Student Werner Kaiser nach meinem Vortrag: »Haben Sie auch die Knochen gesehen?« Das hatte ich in der Tat. Ich war im Inneren von Kuelap auf massive Gebäudereste geklettert, hatte da und dort enge Spalten in dicken Mauerstümpfen entdeckt und hatte mich neugierig hineingezwängt. Mir waren seltsame, leicht zu übersehende, sauber gearbeitete kleine »Eingänge«  aufgefallen. Ich habe sie, so gut es ging, erkundet. Da und dort lagen, geschützt von Ruinenresten Knochen, offensichtlich menschliche Knochen. Waren es Gräber im steinernen Mauerwerk? Wurden da einst Tote von den Chachapoyas bestattet? Oder war ich auf Reste von einst geopferten Menschen gestoßen?

Foto 5: Knochen im Gemäuer von Kuelap

Die Abgeschiedenheit von Kuelap bot bislang Schutz. Wenn sich aber erst einmal zigtausende Menschen auf den Weg machen und in Massen durch die »Ruine« ziehen? Von Vandalismus will ich gar nicht reden. Für einen solchen Ansturm ist die Stadt nie gedacht gewesen. Ich fürchte, dass vieles zerstört werden wird, bevor eine profunde Forschung beginnt. Das ist ja der »circulus vitiosus«, der »Teufelskreis«. Heute fehlt das Geld für umfangreiche Erforschung der Stadt in den Hochanden und für ihren Schutz vor dem Verfall. Viele Touristen würden viel Geld bringen, könnten also Forschung und Erhalt der faszinierenden Stätte finanzieren. Viele Touristen würden aber auch gefährden, was doch geschützt, erhalten und erforscht werden soll!

Foto 6: Das »Castillo« von Kuelap

Werner Kaiser schien es gar nicht abwarten zu können, bis die Zuhörerinnen und Zuhörer nach meinem Diavortrag und der anschließenden Diskussion endlich gegangen waren. Als ich meinen Diaprojektor einpackte, erzählte er mir aufgeregt eine kuriose Geschichte. Ob er wirklich erlebt hat, was er mir da offenbarte? Das jedenfalls behauptete er mit Nachdruck. Ich gebe seinen Bericht wieder, ohne eine Wertung vorzunehmen.


Foto 7: Das Gesicht am »Castillo«

Werner Kaiser: »Es war schon später Nachmittag, als ich die Ruine betrat. Ich war offenbar allein. Jedenfalls begegnete mir schon beim Aufstieg und dann auch innerhalb der Mauer kein Mensch. Als ich gerade die seltsame Gravur am Mauerwerk eines eigenartigen Turmstumpfs untersuchte, hörte ich plötzlich einen gellenden Schrei, der mir durch Mark und Bein fuhr! Woher kam er? War da jemand in Lebensgefahr?«


Foto 8: So soll der Geist ausgesehen haben

Diesen Turm habe ich bei meinem Besuch genauer »unter die Lupe genommen«. Ich habe die wissenschaftliche Literatur dazu studiert. Vermutlich war er einst von astronomischer Bedeutung. Ich glaube, er war eine Art von Observatorium. Das »Castillo« hatte, so nennt man ihn heute, hatte ursprünglich wie Ausgrabungen ergeben haben, ein rechteckiges Fundament und bestand aus drei plattformartigen Stockwerken. Heute ist das »Castillo« einsturzgefährdet. Holzbalken sollen Mauerwerk stützen. Eingraviert in einen der Mauersteine: ein menschliches Antlitz.


Foto 9: Der »schreiende Schädel«
Wen oder was stellt es dar? Tatsächlich gibt es die Theorie, es könne sich bei Kuelap insgesamt um ein Solar-Observatorium gehandelt haben. (2) Sollten die Chachapoyas einem Sonnengott gehuldigt haben?

Werner Kaiser: »Ich lauschte. Woher kam dieser Schrei? In welche Richtung musste ich eilen, wenn ich helfen wollte? Ich rannte, so gut ich im unebenen, unwegsamen Gelände konnte, los. Ich stürzte, verletzte mich dabei. Ich wollte so schnell wie möglich aufstehen, fühlte mich aber irgendwie wie gelähmt. Ich konnte mich nicht bewegen. Vor mir lagen in einer Art Nische bleiche Knochen. Es waren Menschenknochen. Und für Sekundenbruchteile tauchte in der Nische so etwas wie ein ›Geist‹ auf. Das ›Etwas‹ war – eine Mumie, in Tuch gehüllt. Der Kopf, ein Totenschädel, riss weit seine Kiefer auseinander. Noch einmal stieß das Wesen diesen grässlich schrillen Laut aus!«

Fußnoten

1) Name vom Verfasser geändert, strikte Vertraulichkeit wurde vereinbart und bleibt gewahrt.
2) McGraw, James, sowie Oncina, Manuel, Sharon, Douglas und Torres, Carlos: »Kuelap: A Solar Observatory?«, San Diego, Museum of Man, 1996

Foto 10: Der Totenkopf des Geistes
Zu den Fotos:

Foto 1: Spukt es in Kuelap? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Ingeborg Diekmann hat einen der engen Eingänge fast durchschritten.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3 Kuelap über den Wolken. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4 Rekonstruiertes Rundhaus.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5 Knochen im Gemäuer von Kuelap.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6 Das »Castillo« von Kuelap.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7 Das Gesicht am »Castillo«Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8 So soll der »Geist« in etwa ausgesehen haben.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: So soll der »schreiende Schädel« ausgesehen haben. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: So soll der Totenkopf des Mumien-Geistes ausgesehen haben. Foto Walter-Jörg Langbein

Hinweis: Foto 8 zeigt natürlich nicht den Schrei der Mumie. Die Mumie soll in etwa ao ausgesehen haben.
Fotos 9 und 10 zeigen natürlich auch nicht den  schreienden Totenschädel der Mumie. Foto 8 zeigt eine Chachapoya-Mumie, Fotos 9 und 10 wurden auf dem Friedhof von Chauchilla, Peru aufgenommen. Fotos 8 und 9 wurden etwas bearbeitet, um der Schilderung von Werner Kaiser nahe zu kommen.

 333 »Der Schrei der Banshee«,
Teil 333 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 05.06.2016

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