Sonntag, 6. Mai 2018

433 „War Maria Magdalena 'der' Lieblingsjünger Jesu?“

Teil  433 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                        
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Das Abendmahl von Eugène Burnand.
Das Gemälde zeigt Jesus im Kreis seiner Jünger. Jesus hat den Blick gen Himmel gerichtet, er scheint zu beten. Elf Jünger sehen wir. Sie stehen, wie Jesus, hinter einem leeren Tisch. Sechs Jünger machen wir zur Rechten Jesu aus, fünf zu seiner Linken. Entstanden ist das Gemälde um 1900. Es stammt von Eugène Burnand, einem Schweizer Maler (1). Ein Jünger fehlt also. Wenn wir im Evangelium, das nach Johannes benannt wurde, nachlesen, dann können wir die dargestellte Szene zeitlich recht genau einordnen.

Jesus erschreckt seine Jünger, also seine engsten Vertrauten, mit einer Botschaft, die elf von ihnen erschüttert haben muss (2): „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.“ Den Jüngern „wurde bange“, sie „sahen sich untereinander an“ (3). Wen Jesus wohl meinte? Der namentlich nicht genannte „Lieblingsjünger“ wird von Petrus beauftragt zu fragen, wer denn der Verräter sei (4): „Da lehnte der sich (5) an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist's?“

Foto 2
Jesus freilich nennt keinen Namen (6): „Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.“ Somit ist klar: Judas ist der Verräter. Jesus treibt Judas zur Eile an (7): „Was du tust, das tue bald!“ Und Judas verlässt die kleine Gesellschaft (8): „Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.“ Das Gemälde zeigt also Jesus und nur elf Jünger. Judas ist gerade gegangen. 

Noch ist ein Ersatzjünger nicht gewählt. Der Jünger, den Jesus besonders lieb hatte, wird nicht namentlich genannt. Er soll besonders jung gewesen sein. Im Gemälde sehen wir zwei besonders jung wirkende, sprich bartlose Jünger. Der eine steht, vom Betrachter aus, ganz rechts außen im Bild (Foto 2), den anderen sehen wir als zweiten von links außen im Bild (Foto 3). An seinem Kinn: so etwas wie ein Fleck. Ist es eine Beschädigung des Bildes? Oder wollte der Maler dem jugendlichen Jünger noch einen Bart verpassen?

Foto 3
Betrachten wir das Bild genauer, dann fällt uns eine dritte bartlose Person auf. Sie steht im Bild rechts von Jesus, unmittelbar neben Jesus, etwas nach hinten versetzt. Diese Person bedeckt ihr Gesicht mit einer Hand (Fotos 4 und 5). Wenn wir unvoreingenommen sind, müssen wir zugeben: Da steht eine Frau, die weinend ihr Gesicht mit einer Hand bedeckt. Meine Vermutung: Es ist Maria Magdalena. Das wirft ein Problem auf: Wenn wir die Person neben Jesus als Maria Magdalena identifizieren, dann fehlt auf dem Bild nicht ein männlicher Jünger, nämlich Judas. Dann sind nur neun männliche Jünger zu sehen und eine Frau.

Eine „ketzerische“ Lösung des Problems: Maria Magdalena war Jüngerin und gehörte zu den zwölf engsten Vertrauten Jesu. Der vermeintliche Lieblingsjünger war nicht Johannes, sondern eine Frau, nämlich Maria Magdalena!

Im Dezember des Jahres 1945 waren einige ägyptische Bauern etwa elf Kilometer nordöstlich von Nag Hammadi am Fuß des „Jabal al Tarif“-Felshangs unterwegs. Sie suchten Dünger für ihre Felder. Zufällig stießen sie auf einen geheimnisvollen Fund: unter einem Felsbrocken kam ein etwa ein Meter hoher Krug aus rötlichem Ton zum Vorschein. Was mochte er enthalten? Vielleicht einen kostbaren Schatz? Oder einen bösen Geist? Die Hoffnung auf Gold war größer als die Angst vor möglichen Gefahren, also zerschlug man den Krug. Die Enttäuschung war mehr als groß, als nur dreizehn in Leder gebundene Kodizes zum Vorschein kamen. Glücklichen Zufällen ist es zu verdanken, dass zwölf der antiken Kodizes erhalten blieben. Leider wurde „Kodex XII“ zum Großteil als Schürmaterial verwendet.

Foto 4: Weinende Frau... rechts von Jesus.

Zunächst wurden die kostbaren Dokumente unter mehreren Bauern verteilt. Weil man sie aber für wertlos hielt, bekam sie Muhammed Ali. Der vertraute sie Abd al Masih, einem koptischen Priester, an. Dessen Schwager Raghib Andrawus zeigte sie in Kairo dem Arzt George Sobhi, der sich sofort an das „Amt für Altertümer“ wandte. Eine „Aufwandentschädigung“ in Höhe von 300 Pfund wurde gezahlt, die alten Texte wurden zu Besitz des ägyptischen Staates. Im „Koptischen Museum“ von Kairo fanden sie am 4. Oktober 1946 ein sicheres „Zuhause“.
   
Foto 5
Mancher Theologe hat sich inzwischen wohl gewünscht, die Kodizes wären gar nicht gefunden worden. Denn als die Texte aus dem Koptischen übersetzt wurden, stieß man auf einige unliebsame Informationen aus dem Leben Jesu.

Im „Philippus-Evangelium“ heißt es, zitiert nach seriöser Quelle (9): „Die Sophia ... ist die Mutter der Engel und die Gefährtin des Soter (Heilands/ Erlösers). Der Soter liebte Maria Magdalena mehr als alle Jünger und er küsste sie oftmals auf ihren Mund. Die übrigen Jünger gingen zu ihnen, um Forderungen zu stellen. Sie sagten zu ihm: ‚Weswegen liebst du sie mehr als uns alle?‘“
   
Weltbekannt wurden diese Zeilen durch Dan Brown, der sie in seinem Weltbestseller „Sakrileg“ zitierte. Da es an der Echtheit des Textes keinen Zweifel geben konnte, spielte man seine Bedeutung herunter. Derlei Aussagen seien für eine seriöse Jesusforschung belanglos, weil sie erst Jahrhunderte nach den Ereignissen im „Heiligen Land“ formuliert worden seien. Typisch für die Ablehnung der unbequemen Textstelle durch Brown-Kritiker ist das bayerische „Sonntagsblatt“ (10). Demnach stammt das „Philippus-Evangelium“ angeblich „aus dem vierten Jahrhundert“.  Als zeitnahes Dokument könnte man es dann wirklich nicht mehr bezeichnen. Wer es auch verfasst haben mag, ein Zeitzeuge kann es im vierten Jahrhundert nicht gewesen sein. In Wirklichkeit ist das „Philippus-Evangelium“ aber wesentlich älter. Wilhelm Schneemelcher: „Isenbergs Datierung auf die zweite Hälfte des dritten Jahrhunderts dürfte doch um ein knappes Jahrhundert zu spät liegen. Die ältere und vielgeäußerte Ansicht, die das Philippus-Evangelium noch im zweiten Jahrhundert abgefasst sein lässt, dürfte erheblich wahrscheinlicher sein.“

Foto 6: Das Abendmahl, gemalt von Philippe de Champaigne

Wenn man  den erotischen Aspekt der kurzen Passage einmal unberücksichtigt lässt, ergibt sich eine ganz konkrete Aussage: „ Der Soter (der Messias) liebte Maria Magdalena mehr als alle Jünger.“ Das „Philippus-Evangelium“ benennt eindeutig und klar, was das „Evangelium nach Johannes“ nur andeutet oder umschreibt: der anonyme „Jünger, den Jesus liebte“ bekommt einen Namen: Es ist Maria Magdalena! Jesu Lieblingsjünger war also kein Mann, sondern eine Frau. Diese klare Aussage ist wirklich höchst explosiv: Am Ende des „Evangeliums nach Johannes“ heißt es, der Lieblingsjünger Jesu habe das vierte Evangelium verfasst. Zieht man das Philippus-Evangelium hinzu, dann wird aus dem anonymen Verfasser nicht Johannes, sondern eine Frau, nämlich Maria Magdalena.

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Maria Magdalena als engste Vertraute, als Jüngerin, die Jesu allen anderen vorzog – ein auch heute noch ketzerischer Gedanke? In der sakralen Malerei von Eugène Burnand bis Philippe de Champaigne finden sich immer wieder recht feminine Jünger an der Seite Jesu. Der Maler Philippe de Champaigne (*1602 in Brüssel; † 1674 in Paris), Vertreter des französischen Barock, setzte in seinem Bildnis vom Abendmahl auch eine „Jüngerin“ neben Jesus. Es lohnt sich, mit offenen Augen und unvoreingenommen Kapellen und Kirchen zu besuchen. Man entdeckt immer wieder Mysteriöses.

Literaturempfehlung

Im voranstehenden Beitrag „War Maria Magdalena der Lieblingsjünger Jesu?“ konnte ich das spannende Thema nur anreißen. Viele Jahre habe ich mich mit provokanten Thesen über Jesus und Maria Magdalena beschäftigt und einige Bücher dazu  geschrieben. Wer sich näher mit meinen Gedanken auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich meine Werke „Maria Magdalena/ Die Wahrheit über die Geliebte Jesu“, „Als Eva noch eine Göttin war“ und „Das verlorene Symbol und die Heiligen Frauen“.


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Fußnoten
1) Burnand (* 30. August 1850 in Moudon; † 4. Februar 1921 in Paris) studierte 1868–1871 Architektur in Zürich, dann Malerei in Genf und Paris und 1876–1877 in Rom. Von ihm stammt eine Darstellung der Bergpredigt auf den Chorfenstern der reformierten Kirche von Herzogenbuchsee. Herzogenbuchsee (berndeutsch Herzogebuchsi, von den Einheimischen Buchsi genannt) ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Oberaargau des Kantons Bern in der Schweiz. Zum 1. Januar 2008 wurde die Fusion mit der Gemeinde Oberönz vollzogen. Die neue Gemeinde trägt weiterhin den Namen Herzogenbuchsee. Zwischen 1907 und 1912 wurden mehrere seiner Zeichnungen für die Banknoten der Schweizerischen Nationalbank verwendet.

Das Abendmahl-Gemälde von Burnand erschien zusammen mit weiteren Werken des Künstlers in  „Zehn farbige Kunstblätter“, Verlag für Volkskunst, Stuttgart 1900.

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2) Evangelium nach Johannes Kapitel 13, Vers 21
3) ebenda, Vers 22
4) ebenda, Verse 23 und 24
5) Also der „Lieblingsjünger“
6) Evangelium nach Johannes Kapitel 13, Vers 26
7) ebenda, Vers 27
8) ebenda, Vers 30
9) Schneemelcher, Wilhelm: „Neutestamentliche Apokryphen“, Band I, Tübingen 1990, S.161
10) Ausgabe vom 2.4.2006


Zu den Fotos
Foto 1: Das Abendmahl von Eugène Burnand. Foto Wikimedia Commons
Foto 2: Einer der jungen Jünger, rechts außen. Foto Wikimedia Commons
Foto 3: Der andere junge Jünger, links. Foto Wikimedia Commons
Foto 4: Weinende Frau, rechts von Jesus. Foto Wikimedia Commons
Foto 5: Die weinende Jüngerin. Foto Wikimedia Commons
Foto 6: Das Abendmahl, gemalt von Philippe de Champaigne. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: „Maria Magdalena/ Die Wahrheit über die Geliebte Jesu“
Foto 8:  „Als Eva noch eine Göttin war“
Foto 9: „Das verlorene Symbol und die Heiligen Frauen“

434 „Göttinnen - eingemauert und vergraben“
Teil  434 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 13.05.2018


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Sonntag, 29. April 2018

432 „Das Leuchten in der Gruft“

Teil  432 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Dom zu Paderborn
Im Nachtzug von Rom nach München kam ich vor Jahren mit einem italienischen Geistlichen ins Gespräch. Der freundliche Herr mit Rauschebart kannte sich erstaunlich gut in meiner Wahlheimat, dem Weserbergland, aus.

Zunächst schwärmte er von der Kilianskirche zu Lügde. »Wenn sie bei Nacht angeleuchtet wird, dann erahnt man, dass sie Geheimnisse hat. Sie wurde auf einer Kapelle errichtet, erklärte mir der Geistliche, die ihrerseits auf einem heidnischen Quellheiligtum gebaut wurde. Noch vor wenigen Jahren habe es unter der Kilianskirche eine einst heilige Quelle gegeben. »Inzwischen ist sie versiegt!«

Ich habe die Kilianskirche mehrfach bei Nacht besucht. Sie scheint dann förmlich von innen heraus zu leuchten, zu glühen. Karl der Große soll hier Weihnachten gefeiert haben, anno 784.

An der Südseite des östlichen Jochs ist noch eine alte Bemalung zu erkennen. Eva mit Lebensbaum. Am besten sieht man Eva nebst Baum mit Schlange, wenn man sich auf den Boden legt und mit einem guten Teleobjektiv die kleine geheimnisvolle Malerei. Eva hat eine Hand kess gegen ihre Hüfte gestemmt. Sie spricht mit der Schlange am »Lebensbaum«. Der unbekannte Maler hat die bekannte Szene aus dem Buch Genesis in einen Sternenhimmel verlegt.

Foto 2: Eva, der Lebensbaum mit Schlange und Sterne

Das Motiv des »Lebensbaums« ist uralt. Im alten Indien wie in Mesopotamien kannte man ihn. Er verband die Unterwelt mit dem Himmel, wo die Götter lebten. Ab dem 3. Jahrtausend v.Chr. stellte man den Lebensbaum in der Region des heutigen Afghanistan auf Siegeln und Amuletten dar. Bei Ausgrabungen auf dem »Goldenen Hügel« im Norden Afghanistans wurden 1978 sechs Gräber entdeckt, die zu Jesu Lebzeiten angelegt wurden. 20.000 Schmuckstücke wurden geborgen und sorgfältig restauriert. Immer wieder kam auch das Lebensbaum-Motiv zum Vorschein. Während des Afghanistan-Krieges verschwand dieser außergewöhnliche Schatz spurlos und galt als verloren. 2004 tauchte er wohlbehalten wieder auf.

Vor vielen Jahren, so berichtete mir mein Gesprächspartner im Zug, habe er zunächst die Kilianskirche in Lügde, dann den Dom zu Paderborn besucht. „Hat man denn inzwischen den Brunnenschacht zu den unterirdischen Räumen unterhalb des mächtigen Gotteshauses gefunden?“, fragte er mich in fast fehlerfreiem Deutsch. Weitschweifig erzählte er von einem angeblichen „Brunnenschacht“ aus „heidnischen Zeiten“. 

Der Gottesmann rezitierte eine alte Volkssage, in der von einem Brunnenschacht die Rede ist, der zu unterirdischen Räumen tief unter dem Dom führt. Nur mit Magie sei es möglich gewesen, das Wasser im Brunnen vorübergehend zum Versiegen zu bringen und über eine Treppe im Schacht hinab in die „Unterwelt“ zu steigen. Eine Tür würde dann zu Räumen führen, in denen unermessliche Schätze lagerten. Vor allem, so der Priester in ernstem Ton, seien die unterirdischen Räume stet erleuchtet. Eine geheimnisvolle Lampe spende seit vielen Jahrhunderten Licht. Die Sage vom Brunnenschacht konnte ich tatsächlich verifizieren.

Josef Seiler (*1823; †1877) war fasziniert von alten Erzählungen und Sagen. 1848 erschien sein Werk »Volkssagen und Legenden des Landes Paderborn«. Im schmalen Sammelbändchen findet sich die mysteriöse Geschichte »Der Brunnen im Dom« fest. Da geht es um unheimliche Magie, um die menschliche Gier nach Reichtum. Von kostbaren Schätzen in Kammern unter dem Dom ist die Rede, nicht aber von dem mysteriösen Licht, das meinen Gesprächspartner so faszinierte.

Ich muss wohl zweifelnd drein geblickt haben, was den Geistlichen etwas zu ärgern schien. „Es gibt unzählige Berichte aus vielen Jahrhunderten, aus aller Welt, in denen magische Lampen beschrieben werden, die Jahrhunderte, ja Jahrtausende Licht spenden.“

Foto 3: Ewiges Licht in einer Synagoge.

Judentum und Christentum katholischer Prägung haben eine besondere Gemeinsamkeit: Im Tempel wie in der katholischen Kirche brennt ein „ewiges Licht“. Es symbolisiert die ständige Gegenwart Gottes im Tempel wie in der katholischen Kirche. Im Katholizismus wie im Judentum beruft man sich auf zwei Verse, die angeblich vom Propheten Jesaja verfasst wurden. In der aktuellen Luther-Bibel lesen wir (1):

„Die Sonne soll nicht mehr dein Licht sein am Tage, und der Glanz des Mondes soll dir nicht mehr leuchten, sondern der Herr wird dein ewiges Licht und dein Gott wird dein Glanz sein. Deine Sonne wird nicht mehr untergehen und dein Mond nicht den Schein verlieren; denn der Herr wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leidens sollen ein Ende haben.“ Lesen wir in „Hoffnung für Alle“ nach (2):

Foto 4: Ewiges Licht in einer katholischen Kirche.

„Das Licht der Sonne wirst du nicht mehr brauchen und auch nicht das Leuchten des Mondes. Denn ich, der Herr, werde dein ewiges Licht sein, dein Gott, die Sonne, die dir scheint. Es wird nie wieder dunkel um dich werden. Denn anders als Sonne und Mond werde ich nie aufhören, dein Licht zu sein. Dann ist deine Trauerzeit vorbei.“

Das „ewige Licht“ im jüdischen Tempel wie im katholischen Gotteshaus steht also für die göttliche Präsenz: des Unaussprechlichen im Judentum, von Jesus im Christentum. Umstritten ist, wann das erste „ewige Licht“ entzündet wurde. In Europa, so heißt es, geschah dies erstmals im 13. Jahrhundert. In den orthodoxen Kirchen des Orients brannten „ewige Lichter“ schon etwa ein Jahrtausend früher, nämlich an den Gräbern von Märtyrern.

Foto 5: Götter Lakshmi, Vishnu und Shiva.

Im Judentum war es die ewige Präsenz Jahwes, im Katholizismus die Allgegenwart Jesu, an die das „ewige Licht“ erinnern sollte. Aber wer hat das „ewige Licht“ erfunden? Walter Raymond Drake (*1913, †1989), Verfasser einer Vielzahl von Werken der Präastronautik, war davon überzeugt, dass es echte „ewige Lichter“ schon vor Jahrtausenden gab. Mysteriöse Lampen, die – so Walter Raymond Drake – im wahrsten Sinne des Wortes ewig brannten, weil sie aus einer uns bis heute unbekannten Energiequelle schöpften. Nach Drake, den ich am Rande so mancher Konferenz der „Ancient Astronaut Society“ sprechen durfte, handelte es sich dabei um ein technisches Artefakt, dass einst von Besuchern aus dem Kosmos zur Erde gebracht wurde.

Vom symbolischen „ewigen Licht“ des Juden- und des Christentums zu mysteriösen Lampen, die über Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende Licht spenden. Einige Beispiele dieser rätselhaften Technologie begegneten mir immer wieder bei meinen Recherchen.

Foto 6: Gott  Vishnu mit seinen Waffen.

Auf einer meiner Studienreisen, die mich zu so manchem indischen Tempel führte, hörte ich von einem mysteriösen „ewigen Licht”, das nie erlischt, obwohl es schon seit Jahrtausenden brennt. In so mancher antiker Gruft habe ein „Licht“ geleuchtet, als Plünderer oder Archäologen alte Grabstätten öffneten. Immer wieder war von unerklärbaren „ewig leuchtenden Lampen“ die Rede. Manchmal war angeblich nicht zu erkennen, wie das Licht erzeugt wurde, öfter war von „Jahrhunderte lang brennenden Öllampen“ die Rede.

In der Stadt Jawalamukhi (3), Kangra-Distrikt, Bundesstaat Himachal Pradesh, steht „Jwala Ji“, der vielleicht älteste Tempel Indiens. Wie man mir versicherte, wird das uralte sakrale Gebäude bereits im Mahabharata-Epos erwähnt. Dort verehrt man die Göttin Jwala. Nach einem Bildnis oder einer Statue der Göttin wird man freilich vergeblich suchen. Stattdessen wird ein „ewiges Licht“ verehrt, eine rätselhafte bläuliche Flamme, die seit ewigen Zeiten knisternd züngelt. „Jwala“ lässt sich, so versicherte man mir, mit „Flamme“ übersetzen. Angeblich haben im Laufe der Jahrhunderte Skeptiker immer wieder versucht, die heilige Flamme der Göttin zu ersticken. Vergeblich!

Foto 7: Vishnu mit seinen Waffen.

Dschalāludin Mohammed Ākbar, Großmogul von Indien, wollte das geheimnisvolle Licht im 16. Jahrhundert mit einer Eisenplatte ersticken. Das gelang nicht. Auch seine Versuche, es mit Wasser zu löschen, schlugen fehl. Und so brennt das „ewige Licht“ der Göttin Jwala auch heute noch. Wo genau? Angeblich züngeln seit ewigen Zeiten mehrere Flammen, auch in einer unterirdischen Höhle. Nach alter Mythologie wurde der Himalaya einst von Dämonen beherrscht. Die Götter beschlossen, die Dämonen zu vernichten. Sie konzentrierten ihre Kräfte und riesige Flammen schossen aus dem Boden. Setzten die Himmlischen unter der Leitung von Vishnu höchstpersönlich Waffen ein? In zahlreichen Darstellungen hält er eine „Keule“ und eine „Wurfscheibe“.

8: Vishnus Käule
Die „göttliche“ Waffe, die am leichtesten zu handhaben war, war die Gattung der Wurf- oder Diskuswaffen. Dazu  gehörte zum Beispiel die »Chakra«. Sie hatte einen wesentlichen Vorteil, nämlich dass sie gezielt gegen einzelne Personen eingesetzt werden konnten, ohne dass dabei, wie es bei den größeren Waffentypen der Fall war, die Menschen und Tiere in der unmittelbaren Umgebung des Einzelopfers gefährdet wurden. Man konnte die „Chakra“ innerhalb von größeren Zimmern wie im freien Raum einsetzen, und das recht wirkungsvoll.

Zurück zum „ewigen Licht“, zurück zu mysteriösen „Lampen“, die seit Urzeiten leuchten sollen. Der chinesische Naturwissenschaftler Shen Kuo (* 1031; † 1095) gilt als der wichtigste Wissenschaftler seiner Zeit. Erfunden hat er einen Kompass für die Navigation und eine Lampe, die ohne Brennstoff auskam und doch immer leuchtete. Die Wunderlampe wurde dem genialen Erfinder mit in die Gruft gestellt. 250 Jahre nach seinem Tod drangen Plünderer in die Gruft ein. Die mysteriöse Lampe leuchtete immer noch. Weil sie nicht die erhofften Schätze fanden, zerstörten sie die fantastische Erfindung des Shen Kuo. Zur Strafe wurden sie lebendig begraben. Bis heute ist ungeklärt, was genau Shen Kuo erfunden hat. Wurde seine Wunderlampe mit elektrischem Strom aus einer Batterie betrieben? Was leuchtete? Eine Glühbirne?

Lukian (*120 n.Chr.;†180-200 n.Chr.)  berichtete über eine „Syrische Göttin“ (4). In seinem Werk schildert er, wie er im „Tempel von Heirapolis“ eine Statue der Göttin Hera bestaunte. An der Stirn der Figur war demnach eine „Lampe“ angebracht, die Tag und Nacht leuchtete und nie erlosch. Nachts habe sie mit ihrem Licht den ganzen Tempel erhellt.

Foto 9: Vishnus Wurfscheibe
In Athen, so berichtet Pausanias, namhafter Geograph und Historiker im 2. Jahrhundert, gab es auf der Akropolis einen weit über die Stadtgrenzen bekannten Tempel. Dreizehn Helden und Götter wurden verehrt. Anhänger verschiedener Kulte huldigten friedlich nebeneinander allen Unterschieden auf religiösem Gebiet zum Trotz ihren „Himmlischen“. Als besonders heilig galt eine Statue der Minerva-Athene, der ewig jungfräulichen Göttin der Weisheit. Angeblich war das verehrte Kultbild einst vom Himmel gekommen (6). Das Heiligtum wurde Tag und Nach von einer „goldenen Lampe“ erhellt (7), die kein Geringerer als der Bildhauer und Erfinder Callimachus bereits im 4. Jahrhundert angefertigt haben soll (8).

Ich meine: Das Thema der ewig leuchtenden Lampen wird von der seriösen Wissenschaft außer Acht gelassen und selbst von den Grenzwissenschaften stiefmütterlich behandelt. Eine Zusammenfassung entsprechender Berichte aus aller Welt mit Zitaten und genauen Quellenangaben ist überfällig! Wann wurden wo leuchtende Lampen in Gruften entdeckt? Welche frühe Historiker beschrieben wo über mysteriöse Lampen in Tempeln?

Fußnoten
1) Jesaja Kapitel 60, Verse 19 und 20, zitiert nach der „Lutherbibel 2017“
2) Jesaja Kapitel 60, Verse 19 und 20, zitiert nach „Hoffnung für Alle“
3) Nächster größerer Ort ist Dharamsaka, Entfernung 55 Kilometer
4) „De Dea Syria“
Foto 10: Der Dom von Paderborn
5) Seine genauen biographischen Daten sind nicht bekannt.
6) Als Quelle benutze ich eine Übersetzung von Pausanias‘ Werk ins Englische, Delphi Classics 2014. Pausanias 1, 26, 6: „But the most holy symbol … is the image of Athena… A legend concerning it says that it fell from heaven; whether this is true or not I shall not discuss.“
7) Dopatka, Ulrich: „Die große Erich von Däniken Enzyklopädie“, Düsseldorf 1997, Seite 211, Stichwort „Lampen“.
8) Als Quelle benutze ich eine Übersetzung von Pausanias‘ Werk ins Englische, Delphi Classics 2014. Pausanias 1, 26, 6: „A golden lamp for the goddess was made by Callimachus.“

Zu den Fotos
Foto 1: Der Dom zu Paderborn. Unter dem Dom soll es geheime Schatzkammern geben. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Eva, der Lebensbaum mit Schlange und Sterne
Foto 3: Ewiges Licht in einer Synagoge. Foto gemeinfrei/ Bachrach44
Foto 4: Ewiges Licht in einer katholischen Kirche. Foto wikimedia commons/ Membeth
Foto 5: Götter Lakshmi, Vishnu und Shiva. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Gott  Vishnu mit seinen Waffen. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Vishnu mit seinen Waffen.  Foto wikimedia commons/ Sarah Welch
Foto 8: Vishnus Keule.  Foto wikimedia commons/ Sarah Welch
Foto 9: Vishnus Wurfscheibe. Foto wikimedia commons/ Sarah Welch
Foto 10: Der Dom birgt noch manches Geheimnis. Foto Walter-Jörg Langbein

433 „War Maria Magdalena 'der' Lieblingsjünger Jesu?“,
Teil  433 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 06.05.2018


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