Sonntag, 20. November 2016

357 »Wurde Papst Clemens II. ermordet?« Teil II

Teil  357 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein







Foto 1: Reformpapst Clemens II.
»Vor allem aber fördert das Grab von Papst Clemens II. die Verbundenheit mit Rom.«, schreibt Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, in seinem wirklich lesenswerten Buch »Was der Bamberger Dom uns sagen kann« (1). Und weiter heißt es (2): »Der Dom in Bamberg ist die einzige Kathedrale in ganz Deutschland, die ein Papstgrab beherbergt. Suidger wurde auf einer Synode in Suturi, in der Nähe Roms, 1046 zum Papst gewählt und an Weihachten des gleichen Jahres in St. Peter feierlich inthronisiert.  Leider starb er bereits am 9. Oktober 1047. Er gehört trotz seiner kurzen Amtszeit zu den Reformpäpsten des Mittelalters.«

Papst Clemens II. war trotz seiner kurzen Amtszeit ein Reformpapst? Oder war seine Amtszeit so kurz, weil er zu tiefgreifenden Reformen entschlossen war? Wurde seinem Treiben deshalb ein Ende gesetzt? Wurde Papst Clemens II. ermordet? Schon unmittelbar nach seinem Tod wurde spekuliert und immer wieder behauptet: Papst Clemens II. Starb keines natürlichen Todes, er wurde ermordet! Im Jahr 2007 stellte der Papstbiograph Georg Gresser klipp und klar fest (3):

»Schuld daran waren seine Widersacher, die einen blonden Bischof aus dem Norden gerne beseitigt sehen wollten. Mag der letzte Beweis für die Ermordung des Papstes auch mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden heute nicht mehr zu erbringen sein, aus historischer Perspektive erscheint sie mehr als wahrscheinlich.«

Im Jahr 1959 wurden im »Jahrbuch für fränkische Landesforschung« die Ergebnisse einer kriminalistischen Untersuchung von sterblichen Überresten des Reformpapstes Clemens II. publiziert. Offensichtlich lagen den Wissenschaftlern eine ganze Reihe von Proben vor, nämlich »mumifizierte Gewebsproben« »ein eingetrockneter Knochen«, eine »linke Rippe«, »ein knochenähnliches Stückchen fraglicher Lokalisation« und »einige Haare«.

Foto 2: Clemens II., ermordet?
Was fanden die Wissenschaftler mit modernen Mess- und Analysemethoden heraus? Zunächst einmal wissen wir jetzt, dass der Leichnam des nach nur so kurzer Amtszeit verstorbenen Papstes (5) »durch Einbalsamierung konserviert worden war«. Festgestellt wurden aber auch Spuren von Blei, zum Beispiel in den »Gewebsbrocken«  (6): »Demgegenüber wies die Rippe als wegweisenden Befund eine Bleiimprägnation von 50 mg/100 g lufttrockene Rippensubstanz auf.« Offenbar gibt es keinen Zweifel (7): »Der Nachweis der Bleiverteilung gelang in sehr befriedigender Weise durch quantitative Spektrographie.«

Wichtig ist, dass das Blei nicht etwa im Rahmen der Balsamierung des Leichnams, sondern von Papst Clemens II. zu seinen Lebzeiten aufgenommen wurde, und zwar (8) »im Sinne einer subchronischen Deponierung«. Fakt ist: Der Papst starb an einer Bleivergiftung. Wurde er also ermordet? Der wohl renommierteste Kirchenkritiker überhaupt, Karlheinz Deschner (* 23. Mai 1924 in Bamberg; † 8. April 2014 in Haßfurt) konstatiert in seinem Magnum Opus »Kriminalgeschichte des Christentums« über Clemens II. (9):

»Die Leiche wurde nach Bamberg gebracht und im Dom beigesetzt – im einzigen Papstgrab nördlich der Alpen. Und neunhundert Jahre später, 1942, fand man bei seiner Öffnung nicht nur prächtige Pontifikalgewänder und immer noch, wie bereits bei der Graböffnung 1731, ›viele licht-gelbe Haare‹. Sondern bei einer toxikologischen Untersuchung auch einen merkwürdigen Bleigehalt in den Knochen. Der alte, schon seit dem Hochmittelalter kursierende Verdacht, er sei vergiftet worden, vermutlich von Papst Benedikt, scheint dadurch bestätigt. Für die übrigen vier ›deutschen Päpste‹ damals, für Damasus II., Leo IX., Viktor II. und Stephan IX., ›gilt der Giftmord als unwahrscheinlich‹.«


Foto 3: Das Papstgrab, hinter der Kathedra

Die Faktenlage: Clemens II. nahm zu Lebzeiten kontinuierlich Gift ein. Wenn er vergiftet wurde, dann verabreichte man ihm nicht eine tödliche Dosis auf einmal, sondern nach und nach kleinere Mengen. Aus der Kriminalgeschichte ist hinlänglich bekannt, dass geschickte Giftmörder ihre Opfer langsam um die sprichwörtliche Ecke bringen. Bei Papst Johannes VIII. ging man recht zögerlich vor, so dass der Stellvertreter Christi von seinen ungeduldigen Mördern schließlich zu Tode geprügelt wurde. Bei Papst Johannes X. wählte die Tochter seiner Geliebten die richtige Mischung, die den Papst abrupt ins Jenseits beförderte. In seiner Ausgabe  46 berichtete »Der Spiegel«  im Jahr 1997 über den mysteriösen Tod von Papst Johannes Paul I. Was selbst den meisten Theologen unbekannt sein dürfte, stellte »Der Spiegel« nüchtern fest (10): »Fest steht eines: Das Vergiften von Päpsten hat eine lange Tradition. Schon 882 war Johannes VIII. von seinen Getreuen ein toxischer Trank verabreicht worden.«

Fotos 4 und 5: Die Kathedra
Wir stehen mit dem Kaisergrab im Rücken im Dom zu Bamberg und blicken in Richtung Ostchor. Müssten wir nicht das berühmte Papstgrab sehen? Wir gehen weiter zum Westchor, bleiben schließlich stehen. Links harrt an einer steinernen Säule die Statue von Bischof Friedrich von Hohenlohe mit einer Bibel im Arm (Foto 8) stoisch der Dinge, die da noch kommen. Weiter dürfen wir nicht gehen. In der Mitte des Peterschores erkennen wir die bischöfliche Kathedra (Fotos 4 und 5). Der Münchner Künstler Leonhard Romeis hat den imposanten Bischofsthron erst anno 1903/04 geschaffen. Und dahinter verbirgt sich das Hochgrab von Papst Clemens II. (Siehe 4 Foto 4, im gelben Oval!) Diese Tumba des Papstes dürfte vielleicht schon um 1240 an den heutigen Platz im Dom geschafft worden sein. Zahlreiche Fragen konnten bis heute nicht mit Sicherheit beantwortet werden. So ist nach wie vor umstritten, ob die rätselhaften Marmorreliefs am päpstlichen Grabmal Originale aus dem 13. Jahrhundert oder  Kopien aus dem 17. oder 18. Jahrhundert sind (11).

Einigkeit herrscht in Expertenkreisen in einem wichtigen Punkt:  Das heutige Papstgrab wurde zwischen 1232 und 1237 als Ersatz für die ältere, ursprüngliche Tumba geschaffen. Wann genau die mit Reliefs verzierten Seitenwände hinzukamen, ist unsicher, vermutlich im 13. Jahrhundert. Über die erste Version des Clemens-Grabs wissen wir nichts. Und auch die Reliefs am bis heute erhaltenen Grab sind rätselhafter als wie vielleicht wahrhaben wollen.

Foto 6: Barbusige »Mäßigkeit« oder Giftmischerin?
Auf der nördlichen Längsseite des päpstlichen Marmorsargs sind drei Persönen im Halbrelief verewigt. In der Mitte steht eine Frau. Sie ist, wie man bei genauerem Hinsehen deutlich erkennt, barbusig. Ihre lockigen Haare fallen der Lady auf die Schultern. Den Kopf hält sie geneigt. Ein Bein hat sie angewinkelt, das andere weit ausgestreckt. In ihrer rechten Hand hält sie einen großen Krug am Henkel. Auf dem linken Arm trägt sie einen weiteren Krug. Sie hält ihn ein Stück hoch. Aus der weiten Öffnung strömt Flüssigkeit in den tiefer gehaltenen Krug mit Henkel. Die Theologie hat eine Erklärung parat: Die Dame ist die personifizierte »Temperantia«, die bildliche Darstellung einer der Kardinaltugenden, nämlich der Mäßigkeit. Übermäßiger Alkoholkonsum ist unvereinbar mit dem Ideal der »Temperantia«. Deshalb mischt die Dame dem Wein Wasser bei. So kann man viel trinken, ohne zu viel Alkohol aufzunehmen. Wieso freilich ausgerechnet die personifizierte »Mäßigkeit« barbusig daherkommt, ist mir schleierhaft.

Aber könnte das Bild am Papstgrab noch eine versteckte Botschaft enthalten? Vor dem Hintergrund einer möglichen Ermordung von Papst Clemens II. mit Gift lässt sich die Schöne auch als Giftmischerin verstehen, die dem Wein des Papstes Gift beimengt. Wurde in edlem Marmor ein Hinweis verewigt, warum der Reformpapst nach nur einigen Monaten der Amtszeit bereits das Zeitliche segnete? Das für den Papst tödliche Gift kann ihm sehr wohl in süßem Wein verabreicht worden sein.

Eine »Giftmischerin« auf dem Papstgrab mag schon befremdlich wirken. Was sagt man dann aber zu einer Drachenbändigerin auf dem gleichen Grab? Fortsetzung folgt...

Foto 7: Die Drachenbändigerin

Fußnoten
1) Schick, Ludwig:  »Was der Bamberger Dom uns sagen kann«, Bamberg, 1. Auflage 2012, Seite 48, leicht gekürzt
2) ebenda
3) Zitiert nach dem Wikipediartikel über Benedikt IX
4) Specht, W.: »Der Tod des Papstes Clemens II./ Eine toxikologische Studie«, erschienen in dem »Jahrbuch für fränkische Landesforschung«, 19, 1959, herausgegeben vom »Institut für fränkische Landesforschung an der Universität Erlangen«, S. 261-S.264
Foto 8: Bischof Friedrich von Hohenlohe mit einer Bibel im Arm
5) ebenda, Seite 263, Zeilen 5 und 6 von unten
6) ebenda, Seite 262, Zeilen 20 und 21 von unten
7) ebenda, Seite 262, Zeilen 9 und 10 von unten
8) ebenda, Seiet 263, Zeilen 19 und 20
9) Deschner, Karlheinz: »Kriminalgeschichte des Christentums/ Band 6/ Das 11. Und 12. Jahrhundert«, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 192
10) »Der Spiegel« 46/ 1997,  S.190-192: »Tödliche Menge«
11) Zerbes, Maren; »Bauforschung zum Grabmal Papst Clemens II.«, erschienen in »Clemens II. Der Papst aus Bamberg«, herausgegeben vom Erzbischöflichen Ordinariat, Bamberg 1997, S. 45-80
12) Specht, Walter und Fischer, Kurt: »Vergiftungsnachweis an den Resten einer 900 Jahre alten Leiche«, erschienen in: »Archiv für Kriminologie«, Band 124, H. 3/4, 1959, S. 61–84.

Fotos 9 und 10: Der geheimnisvolle Drache vom Papstgrab
Zu den Fotos
Foto 1: Reformpapst Clemens II. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2:  Clemens II, ermordet? Darstellung etwa 1910, Archiv Langbein
Foto 3: Das Papstgrab, hinter der Kathedra. Foto wiki commons Johannes Otto Först
Fotos 4 und 5: Die bischöfliche Kathedra
Foto 6: Barbusige »Mäßigkeit« oder Giftmischerin? Foto wiki commons Immanuel Giel
Foto 7: Die Drachenbändigerin. Foto wiki commons Johannes Otto Först
Foto 8: Bischof Friedrich von Hohenlohe mit einer Bibel im Arm. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9 und 10: Der geheimnisvolle Drache am Papstgrab. Fotos wiki commons Johannes Otto Först

358 »Das Grab des Papstes«,
Teil  358der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 27.11.2016


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Sonntag, 13. November 2016

356 »Wurde Papst Clemens II.ermordet?« Teil I

Teil  356 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Blick zur Decke
31. Juli. 2016. Sonntag. 13.00 Uhr. Ich suche am Bamberger Bahnhof nach einem Schließfach für meinen Koffer. Die Sommersonne steht hoch am Himmel. Es ist sommerlich warm. Als ich wenige Minuten später nach einer kurzen Fahrt mit dem Taxi vor dem Dom stehe, bin ich von der Wucht des gewaltigen Bauwerks beeindruckt. Plötzlich ziehen Wolken auf. Es regnet. Eben wuchsen die vier Türme des Doms in den babyblauen bayerischen Himmel, jetzt droht ein Gewitter aufzukommen. Im Verlauf der nächsten Stunden erweist sich das Wetter als höchst wechselhaft, mal sommerlich hell, mal herbstlich trübe.

Ich betrete das Gotteshaus. Es wimmelt von Touristen, die in Scharen von einer Statue zur nächsten, vom Altar zur Krypta hasten. Gerade große Gotteshäuser wie der Dom zu Bamberg werden heute mehr und mehr zu überlaufenen Attraktionen für Touristen, wie Burgen, Schlösser und Denkmäler. Kleine Kirchen und Kapellen bieten meist bessere Möglichkeiten als ihre großen »Kollegen«. Und doch kann man auch in Riesenbauten wie dem Dom zu Bamberg Ruhe finden. Vom hohen Haus geht so etwas wie eine stoische Ruhe aus, die die Scharen von Menschlein nicht wirklich stören können. Die hohe Decke überspannt seit rund 800 Jahren das Gotteshaus.

Die Schlichtheit des Doms entspricht unserem heutigen Geschmack. Im Mittelalter war der Dom freilich bunt. Die hohen Wände zum Beispiel strahlten in Rot, die Pfeiler und Gewölberippen hingegen waren in Elfenbeinweiß gehalten. Die Kapitelle der Säulen setzten sich in Gelb deutlich vom Rot der Wände ab. 

Fotos 2, 3 und 4: Der Bamberger Reiter heute

Bunt war auch der berühmte Bamberger Reiter. Seine Haare waren dunkelbraun. Der unbekannte stolze Reitersmann war ursprünglich sehr hellhäutig. Seine Lippen wirkten wie rot geschminkt. Sein Mantel leuchtete förmlich orange-gelb. An Gold wurde nicht gespart. So war das Gewand des edlen Reiters golden gesäumt, vergoldet waren auch Krone, Gürtel, wie auch das Zaumzeug. Das Pferd kam gar nicht unscheinbar daher. Sein lichtgraues Fell stand im Kontrast zur pechschwarzen Mähne und den schwarzen Hufen.

Im 19. Jahrhundert musste der Dom renoviert werden. Er sollte wieder mittelalterlich wirken, so wie man sich damals das Mittelalter vorstellte, nämlich karg und farblos. Man ließ die Farben verschwinden, was ursprünglich bunt war, wurde schlicht. Es ist diese Einfachheit, die uns heute so gefällt. Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, der Dom sah in seiner Urfassung ganz anders aus.

Fotos 5 und 6: Blick aus dem Ostchor Richtung Westchor

Wechselhaft war das Wetter am 31. Juli 2016. Mal strahlte minutenlang fast grelles Licht durch die hohen Fenster, mal war es draußen trüb-regnerisch und drinnen für einen Moment halbdunkel. Waren eben noch große Menschengruppen im Dom, so konnte es im nächsten Moment fast menschenleer im mächtigen Gotteshaus sein. Wechselhaft war auch die Geschichte des Christentums der vergangenen zwei Jahrtausende. Da gab es immer wieder auch Mord und Totschlag. Selbst Päpste sollen ermordet worden sein, zum Beispiel Johannes Paul I. und Clemens II.

Albino Luciani (* 17. Oktober 1912; † 28. September 1978 in der Vatikanstadt), wurde am 26. August 1978 als Nachfolger Pauls VI. zum Papst gewählt. Er nahm den Namen Johannes Paul I. an. Sein Pontifikat währte nur 33 Tage. Starb er eines natürlichen Todes? Oder wurde er ermordet? Vatikan und die Familie von Johannes Paul I. verweigerten eine Obduktion. So konnte die Todesursache des Heiligen Vaters nie wirklich geklärt werden. Fiel er, wie bis zum heutigen Tage spekuliert wird, einem Mord zum Opfer?

Foto 7: Wurde Papst Johannes Paul I. ermordet?

1984 publizierte David Yallop sein Buch »Im Namen Gottes« (1). Er kam nach intensiven Recherchen zum Ergebnis, dass Johannes Paul I. vergiftet worden sei. Motiv: Der Papst hatte massive Fälle von Korruption in der Vatikanbank entdeckt und wollte sie publik machen. Wollte der Papst wirklich gegen höchste Würdenträger, die in eine Affäre mit die Bank mit dem frommen Namen »Banco Ambrosiano« verwickelt waren, vorgehen? Wollte der Papst gegen Licio Gellis faschistische (?) Freimaurerloge »Propaganda Due« (»P2«) einschreiten? Bis heute kursieren zum Teil obskure Verschwörungsgeschichten. So unterschiedlich sie ausfallen, in einem Punkt sind sich einig: Der Papst wurde ermordet.

Wurde eine Obduktion des nach so kurzer Amtszeit verstorbenen Johannes Paul I. verweigert, im Fall von Papst Clemens II. kam es fast ein Jahrtausend nach dem Tod des Papstes zu einer wissenschaftlichen Untersuchung seiner sterblichen Überreste. Resultat: Todesursache war eindeutig Gift.

Fotos 8 und 9: Papst Clemens II., wurde er ermordet?

Suitger, Graf von Morsleben und Hornburg  (* 1005 in Hornburg, Niedersachsen; † 9. Oktober 1047 im Kloster S. Tommaso am Apsella bei Pesaro) strebte mit großem Eifer Reformen der Kirche an. Er sympathisierte mit Papst Clemens I., der im ersten Jahrhundert lebte und starb. Clemens II. wollte seine Kirche zurück zu den Ursprüngen des Urchristentums führen . Im 11. Jahrhundert, rund ein Jahrtausend nach Jesu grausamem Tod am Kreuz, war die katholische Kirche in die Kritik geraten. Viele Gläubige, auch Teile des einfachen Klerus, waren entrüstet und empört. Die hohe Geistlichkeit hielt sich keineswegs an den Zölibat, die Priesterehe war weit verbreitet. Zum Alltag gehörte auch die Simonie, hohe Kirchenämter wurden auf dem »freien Markt« feil geboten und an den jeweils Höchstbietenden verschachert.

Freilich waren es nicht theologische Erwägungen, die manchen Reichen ein hohes kirchliches Amt kaufen ließen, sondern profanes Gewinnstreben. Enorme Beträge konnten eingefahren, sprich den Gläubigen abgeknöpft werden und wurden nicht selten verprasst. Noch im 15. Jahrhundert war die Simonie, allen kirchlichen Reformbestrebungen zum Trotz, nach wie vor Alltag in der Kirche. Ja im 15. Jahrhundert wurde der Ämterverkauf intensiver denn je betrieben! Selbst um hohe Ämter wurde gefeilscht. So war noch Papst Innozenz VIII. (*1432, †1492),  im Jahr 1484 durch Simonie zum »Stellvertreter Christi« geworden. Innozenz VIII. war ein Befürworter von Inquisition und Hexenverfolgung. Heftig kritisiert wurde er von Girolamo Savonarola (2). Savonarola, ein italienischer Dominikaner und Bußprediger, wagte es, weltlichen und kirchlichen Adel – ganz im Geiste von Papst Clemens II. – zu kritisieren. Folge: Am 13. Mai 1497 beschimpfte Papst Alexander VI. Savonarola  als »Ketzer, Kirchenspalter und Verächter des Heiligen Stuhles« - und exkommunizierte ihn.

Foto 10: Öffentliche Hinrichtung Savanarolas
Unter den schlimmsten Folterqualen gestand Savonarola alle ihm zur Last gelegten Verbrechen gegen den Papst, widerrief dann aber seine Geständnisse. Gerichtsprotokolle und Dokumente wurden gefälscht. Der äußerst unbequeme Kritiker musste einfach ein Verbrecher sein und zum Schweigen gebracht werden. Auf der »Piazza della Signoria« hängte man ihn zunächst und verbrannte ihn dann auf einem gewaltigen Scheiterhaufen. Einige seiner Anhängerinnen versuchten vergeblich, Knochen des Hingerichteten als »Reliquien« an sich zu nehmen. Papst Clemens II. starb an einer Vergiftung, Savonarola wurde 1498 hingerichtet.

Zurück zu Clemens II. von Bamberg. Louis Lewin (3), ein bedeutender deutscher Arzt, Pharmakologe, Toxikologe und Autor, begründete schon vor rund einem Jahrhundert die Industrietoxikologie und modernen Suchtmittelforschung. Der Verfasser des fundamentalen, immer wieder neu aufgelegten Standardwerkes »Die Gifte in der Weltgeschichte« (4) war felsenfest davon überzeugt: Clemens II. wurde vergiftet. Schon in der süditalienischen Quelle  »Lupus Protospatarius« heißt es zum Jahr 1047, dass Papst Benedikt IX. Papst Clemens II vergiftet hat.

Benedikt IX. wurde Weihnachten anno 1046 von aufständischen Römern vom Papstthron gestoßen. Heinrich III. machte daraufhin sofort Suidger von Bamberg zum neuen Papst. Ermordete Benedikt IX. seinen Nachfolger aus Rache? Papst Viktor III. warf später Benedikt IX. Handel mit Ämtern, lasterhaftes Leben und Mord vor. Vergiftete also tatsächlich Benedikt IX. Reformpapst Clemens II.? Fakt ist: Clemens II. war nur wenige Monate im Amt. Nach seinem Tod beanspruchte Benedikt IX. erneut das Pontifikat und wurde tatsächlich wieder zum Papst erhoben.

Foto 11: Dom zu Bamberg, Grundriss

Durch die Marienpforte betreten wir den Dom zu Bamberg. Links steht ein steinerner Clemens II. Die Figur lag womöglich einst auf seinem Sarkophag. An der nördlichen Chorschranke vorbei geht es weiter. Wir biegen nach links ab und stehen vor dem Kaisergrab. Im Rücken haben wir jetzt den Ostchor. Wir blicken Richtung Westchor, durchschreiten das Kirchenschiff – auf der Suche nach dem Papstgrab.

Wir gehen an der Orgel vorbei. Unser Blick fällt auf einen mysteriösen Stuhl. Was verbirgt sich dahinter? (Fortsetzung folgt!)

Foto 12: Kanzel und Orgel
Fußnoten

1) Yallop, David: »Im Namen Gottes?/ Der mysteriöse Tod des 33Tage Papstes Johannes Paul I./ Tatsachen und Hintergründe«, gebundene Ausgabe Droemer Knaur Verlag 1984
2) * 21. September 1452 in Ferrara; † 23. Mai 1498 in Florenz
3) * 9. November 1850 in Tuchel, Westpreußen; † 1. Dezember 1929 in Berlin
3) Lewin, Louis: »Die Gifte in der Weltgeschichte«, Berlin 1920

Zu den Fotos 

Foto 1: Blick zur Decke. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 2-4: Der Bamberger Reiter heute. 
 Fotos Walter-Jörg Langbein

Fotos 5 und 6: Blick aus dem Ostchor
Richtung Westchor. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Wurde Papst Johannes Paul I. emordet? 
Vatikanische Grotten, Petersdom, Rom,
Foto wiki commons public domain
Foto 13: Was verbirgt sich hinter diesem Stuhl?
itUtenteRiccardov
Fotos 8 und 9: Papst Clemens II., wurde er ermordet?
Foto 8 Walter-Jörg Langbein, Foto 9
Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Öffentliche Hinrichtung Savanarolas
Foto wikimedia commons public domain
Foto 11: Dom zu Bamberg. Grundriss.
wikimedia commons public domain Immanuel Giel
Foto 12: Kanzel und Orgel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 13: Was verbirgt sich inter diesem Stuhl?
Foto Walter-Jörg Langbein

357 »Wurde Papst Clemens II.ermordet?«
Teil II
Teil  357 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 20.11.2016



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