Sonntag, 8. Mai 2011

68 »Das Kreuz des Henkers«

Teil 68 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Die Kilianskirche von Lügde
Foto W-J.Langbein
Vor hundert Jahren rankte wilder Wein am mächtigen Turm der Kilianskirche zu Lügde empor. Und so erinnerte das Gotteshaus damals an ein verwunschenes Märchenschloss. Wann der Grundstein zur ältesten Kirche Lügdes gelegt worden sein mag, wir wissen es nicht. Manfred Willeke schreibt in seinem Buch »Lügder Sagen« (1): »Den Bau der ersten Kirche zeitlich einzuordnen ist sehr schwer und durch kein Schriftstück zu belegen. Ihn jedoch – wie Pfarrer Nussbaum 1629 im Pfarrbuch (Pfarramt Lügde) schreibt – mit dem Besuch Karls des Großen 784 in Verbindung zu bringen ist unsinnig, ja irreführend.«

In der vergangenen drei Jahrzehnten bereiste ich die Welt von Australien bis Vanuatu, legte Zigtausende Flugkilometer zurück. Die mysteriöse Kilianskirche liegt nur wenige Kilometer von meinem Dörfchen entfernt... Ein Besuch des alten Gotteshauses lohnt sich allemal. Monate lang wurde daran gearbeitet. Kurz vor Ostern, vor wenigen Tagen also, wurden die mächtigen Gerüste von den Außenwänden entfernt.

Historisch Tatsache ist wohl der Besuch Karls des Großen anno 784 in Lügde. Er wird, Willeke weist darauf hin (2) in den »Annales Laurensis« (Codex 473, Nationalbibliothek Wien) urkundlich erwähnt. Der fränkische Regent feierte damals das Weihnachtsfest in Lügde. Ein christliches Gotteshaus, wohl eher eine kleine Kapelle, gab es damals schon. Indes: So rein christlich soll die Kapelle nicht gewesen sein. Iroschottische Mönche, so besagt es die Überlieferung, hätten sie gebaut. Sollten tatsächlich iroschottische Mönche – vielleicht schon im sechsten oder siebten Jahrhundert nach Christus – bis nach Lügde gekommen sein? Fakt ist, dass sie nicht nur in ihrer Inselheimat blieben, sondern missionarisch auch das europäische Festland besuchten.

Blick in die Kilianskirche
Foto W-J.Langbein
Drei Wege konnten von den iroschottischen Mönchen beschritten werden: der des »grünen«, der des »weißen« und der des »roten Märtyriums«. Der grüne Weg war der einfachste. Ein Mönch wählte einen einsamen Ort in der Heimat aus, um dort möglichst als Einsiedler entbehrungsreich zu leben. Der weiße Weg war schon schwieriger und führte den Mönch ins Ausland, um dort die christliche Botschaft zu verbreiten. Der rote Weg schließlich war der gefährlichste. Bewusst wählte der Mönch eine besonders gefährliche Region auf, wo durch kriegerische Heiden Lebensgefahr für christliche Missionare bestand. So mancher Missionar suchte wohl bewusst eine Chance zum Tod als Märtyrer.

Lügde dürfte von Mönchen aufgesucht worden sein, die das »rote Märtyrium« anstrebten. Das Heidentum war noch sehr stark. Ließ man doch dort zur Begrüßung des Frühlings brennende Feuerräder von allen Bergen ins Tal hinab rollen. Praktizierte man doch dort noch einen uralten Kult um eine Sonnen-Gottheit, als Lügde offiziell längst schon christlich war. Womöglich waren die iroschottischen Mönche erstaunt, wie friedlich die Heiden sein konnten! Vermutlich fanden die gewieften Missionare Parallelen zwischen Heiden- und Christentum. So mussten sie die Menschen nicht von grundlegend Neuem überzogen. Sie konnten darauf hinweisen, dass der neue Glaube durchaus Gemeinsamkeiten mit ihrem alten hatte! Wurde nicht im Heidentum die Wintersonnende (um den 21./22. 12.) als »Geburtstag« einer Sonnen-Gottheit gefeiert, die der Welt das Licht des Lebens brachte? Geschickte Prediger verkündeten Jesus als den Gott des Lichts und des Lebens, als Sonnen-Gottheit in christlichem Gewand.An eine Sonnengottheit erinnert noch heute der Brauch des Feuerräderlaufs von Lügde, der immer am Ostersonntag stattfindet... heute von der katholischen Kirche christlich interpretiert.

Feuerräderlauf 24.4.2011
Foto W-J.Langbein
Iroschottische Mönche, so weiß es die Überlieferung, errichteten in Lügde eine Kapelle. War es gar der Mönch Kilian, der um 600 bis 700 n.Chr. Das Frankenland missionierte? Aus dem Würzburger Raum kamen Missionare, schließlich der Weser folgend, bis nach Hameln. Sie ließen schon sehr früh Kapellen und Kirchen errichten. In Lügde sei, so wird überliefert, eine Kilians-Kapelle gebaut worden... etwa vom Missionar Kilian? Tatsächlich benannten iroschottische Mönche Kapellen und Kirchen nicht nach längst dahingeschiedenen Heiligen, sondern nach ihren Stiftern! So erfolgreich sie als Missionare waren, so wurden die Mönche von der Obrigkeit der katholischen Kirche argwöhnisch beobachtet. Lehnten sie doch kirchliche Hierarchie weitestgehend ab!

Wo schriftliche Aufzeichnungen fehlen, ist man auf mündliche Überlieferungen angewiesen. Der Sage nach (3) soll es dort, wo heute die Kilianskirche steht, ein heidnisches Heiligtum gegeben haben, das »Ewige Licht«. Das nie erlöschende Licht habe eine heilige Quelle markiert. Salziges Wasser sei aus dem Boden gequollen. Eine Salzquelle in Lügde ist so unwahrscheinlich nicht. Wenige Kilometer entfernt spendet eine salzige Quelle an der Saline Wasser, sehr zur Freude der Kurgäste. Fakt ist Jahrtausende lang wurden Heiligtümer dort errichtet, wo Quellen ans Tageslicht sprudelten!

Das doppelte Kreuz
Foto: W.-J. Langbein
Karl der Große soll darüber empört gewesen sein, dass die Iroschotten viel zu bereitwillig Kompromisse mit den Heiden eingingen. Er ließ daher die Kilians-Kapelle abreißen und ein katholisches Gotteshaus errichten... wiederum eine Kapelle? Ist die Geschichte von Karls wahr? Oder wurde die Verwüstung eines alten Heiligtums dem Herrscher nur zugeschrieben?

Der Überlieferung nach schütteten christliche Mönche die heilbringende Quelle von Lügde zu... und vergruben ein heidnisches Götterbild, das im 17. Jahrhundert zufällig wieder entdeckt wurde. Ein katholischer Geistlicher, dem ich strikte Anonymität zugesagt habe, versicherte mir: Die einstige Heilquelle gab es. Sie wurde von Mönchen zerstört und verschüttet. Und das heidnische Heiligtum wurde tatsächlich vergraben und wieder gefunden. »Wo befindet es sich jetzt?« wollte ich wissen. Die Antwort des Geistlichen verblüffte mich. Sollte er recht haben mit seiner Behauptung, dann habe ich das »heidnische Idol« schon viele Male gesehen.

Vor dem Eingang der Kilianskirche steht ein steinernes Kreuz. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass es aus zwei Kreuzen besteht, die zusammengefügt wurden. Was ist nun die vordere Seite, was die Rückseite des Kreuzes? Auf der einen Seite sind drei »Engelsköpfe« zu sehen: an den beiden Enden des Querbalkens und ganz unten am Fußende des Balkens. Auf dieser Seite ist auch eine Inschrift angebracht. Sie verrät, dass Christian Brocker am 17. September 1628 in Osnabrück geboren wurde und am 6. Januar 1691 im Alter von 63 Jahren starb. Auch eine Berufsbezeichnung finden wir: »Ehrbarer Meister Scharf- und Nachrichter zu Lidia und Bermont«. Matthias Brocker war der letzte Henker von Lügde und Pyrmont.

Welches Geheimnis birgt
die Grabinschrift?
Foto W-J.Langbein
Gewöhnlich befindet sich der Name eines Verstorbenen, zusammen mit Geburts- und Sterbedatum auf der Vorderseite eines Grabsteins oder Grabkreuzes. Beim Kreuz des Henkers ist auf der einen Seite Jesus am Kreuz zu sehen. Ist das nun die Vorder- oder die Rückseite? Auf der anderen Seite finden sich drei Engelsköpfe und die Lebens- und Sterbedaten des Henkers. Ist das die Vorderseite? Man möchte davon ausgehen. Soll doch der Besucher auf dem Friedhof der vor dem Grabdenkmal steht, die Inschrift lesen können. Das würde aber bedeuten, dass der Gekreuzigte an der hinteren Seite des Kreuzes hängt. Nie und nimmer wurde Jesus an der Rückseite eines Kreuzes angebracht. Des Rätsels Lösung: das Henkerskreuz hat zwei Vorder- und keine Rückseite! Es wurden zwei steinerne Kreuze Rücken an Rücken miteinander verbunden, so dass das Grabkreuz des Henkers... tatsächlich zwei Vorderseiten hat.

Als besonders ehrbar wurde der Henkersberuf, der Berufsbezeichnung zum Trotz, aber nicht angesehen. Henker Bröcker musste sich in der Kilianskirche mit einem ungünstigen Platz begnügen. Wenn er einem Gottesdienst beiwohnen wollte, dann musste er hinter einer Säule sitzen, die ihm den Blick auf den Altar verwehrte. Offenbar sollte der Mann mit dem blutigen Beruf daran gehindert werden, durch direktes Hinsehen den Altar zu beschmutzen.

Das Kreuz des Henkers
Foto W-J.Langbein
Man muss schon genau hinsehen, um die doch schon stark verwitterte Inschrift entziffern zu können. Dabei fällt auf, dass der Buchstabe »N« konsequent spiegelverkehrt geschrieben wurde. Auch das »INRI« (Abkürzung für Iesus Nazarenus Rex Iudorum«, »Jesus aus Nazareth, König der Juden«) über dem Haupt Jesu enthält das spiegelverkehrt eingravierte »N«. Was mag das bedeuten? Es gibt ein weiteres Rätsel: Bei der Altersangabe hat sich ein »Schreibfehler« eingeschlichen, so es denn einer ist: »ALTERS 63 JAWRE«. Warum wurde das »H« durch ein »W« ersetzt? Soll auf den Gottesnahmen des Alten Testaments Jahwe hingewiesen werden, der nicht ausgesprochen werden durfte?

Betrachtet man den Gekreuzigten, so fällt zunächst auf, dass seine Arme nicht waagrecht nach außen am Kreuz befestigt sind, sondern nach oben erhoben. Das könnte als ein Hinweis auf einen iroschottisch-keltischen Hintergrund gesehen werden. Jesu Leib bildet, aus Sicht eines Christen mit keltischem Hintergrund, die Rune des Lebens. Das Zeichen des Lebens am Todespfahl... diese Botschaft verstanden heidnische Kelten wie Christen... Wer weiß, welche geheime Botschaft das Kreuz des Henkers mitzuteilen versucht. Im Inneren der Kilians-Kirche schlummern Geheimnisse.... uralte Malereien, die einfach übertüncht wurden. Wird man sie je wieder sichtbar werden lassen?

Fußnoten
1: Willeke, Manfred: »Lügder Sagen/ Sagen und sagenhafte Geschichten aus der Stadt Lügde«, Lügde 1986, S. 54
2: ebenda, S.7
3: ebenda, S. 52

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Das Gruselkabinett von Sechin,
Teil 69 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15.05.2011

Samstag, 7. Mai 2011

»Ein Buch lesen! - Privat« Heute: Grete C. Roth

Im IV. Teil unserer Interview-Serie »Ein Buch lesen! - Privat« stellt sich heute Grete C. Roth den Fragen von Walter-Jörg Langbein

W.-J. Langbein: Liebe Grete, Du »machst« Bücher (Layout, Satz usw.) und Du schreibst Bücher. Was kam zuerst: das Schreiben oder das Machen und Gestalten?

gcroth
g.c.roth: Zuerst kam das Schreiben. Mein Vater und mein Klassenlehrer ermunterte mich oft, mehr zu schreiben. Da ich allerdings viel lieber draußen durch die Natur getobt bin, durch mannshohe Kornfelder strich, über Gräben sprang, Insekten beobachtete, Schnecken sammelte, mich auf Bauernhöfen tummelte und mit Ferkeln und Kälbchen spielte, kam es eher selten vor, dass ich Geschichten darüber schrieb. Natur und Tiere zu erleben ist ungleich intensiver, als man sie beschreiben könnte.

An meinem dritten Geburtstag eröffnete mein Vater seine Druckerei und es entstand der Kontakt zum Papier und zu den Buchdruckfarben, deren Geruch mich noch heute in die Zeit meine Kindheit versetzt. Ich erinnere mich an schöne Stunden, wenn er in der Papierverarbeitung an der Schneidemaschine arbeitete, deren riesiges schwarzen Schwungrad mit Muskelkraft zu bedienen war. Dann saß ich oft in einer der großen Teekisten, die er als Container für den Papierabfall nutzte und wir haben uns Geschichten erzählt.

Gelernt habe ich den Beruf der Schriftsetzerin in der Firma meines Vaters. Seinerzeit wurde noch im Bleisatz ausgebildet, wo jedes Wort aus einzelnen Bleilettern zusammengesetzt wurde, bis einige Zeilen im Winkelhaken erfasst waren. Diese kamen dann auf das „Schiffchen“, so wuchs ein Artikel Zeile um Zeile. Anschließend wurde der Block mit der Kolumnenschnur ausgebunden und zwar so fest, dass man ihn bequem von der Setzerei in die Druckerei tragen konnte. War der Block schlecht ausgebunden, löste sich alles in Wohlgefallen auf und rieselte einem durch die Hände. Also hieß es: alles einsammeln, zurücksortieren in die Setzkästen und noch einmal von vorn beginnen. Deshalb trug man seinen fertigen Satz, ab einer bestimmten Größe, dann vorsichtshalber doch meistens auf dem Schiffchen zur Druckmaschine.

Die Gestaltung von Anzeigen und Plakaten war seinerzeit um einiges aufwendiger. Von Bildern und Logos wurden Lithos hergestellt, um die herum der Text gearbeitet wurde. Man musste also vorher genau berechnen, wie viel Text man unterbringen konnte, welche Schrift und Schriftgröße benutzt werden und wie groß die Bilder sein konnten. Hatte man sich verrechnet, mussten neue Lithos angefertigt werden, was zusätzliche Kosten und Zeitverlust bedeutete.

Walter-J. Langbein: Den größten Teil Deines Lebens stellst du Druckproduckte her, nimmt da die Routine überhand?

g.c.roth: Nein, absolut nicht! Das ist das Faszinierende an meiner Arbeit, dass jeder neue Auftrag ein völlig neues Projekt ist, das von Grund auf aufgebaut und entwickelt wird. Individuelle Drucksachen – ob Flyer, Broschüren oder Bücher werden einmalig erschaffen. Und ich bin mit Herzblut dabei, von den ersten Entwürfen über Korrekturabzüge, bis zur Auslieferung. Ich empfinde mich selbst in diesem Prozess als eine Art Hebamme, die viele „Kinder“ ans Licht der Welt geholt hat. Routine ist etwas, das ich in meinem Beruf noch nicht erfahren habe.

W.-J. Langbein: Du schreibst selbst Bücher, hast Du literarische Vorbilder?

Fluffige und andere Zeiten
von gcroth
g.c.roth: Nein, ich habe keine Vorbilder. Mein erstes Buch „Kein Herbst ist ein Ende“ (1986) entstand als Anthologie mit zwei weiteren Autoren und enthielt zu 90 % Gedichte. Das zweite Büchlein „Der Wolken silberne Tropfen ...“ (1991) ist schon eine Mischung aus Geschichten und Poesie, während mein drittes Buch „Fluffige Zeiten“ (2004) hauptsächlich heitere Kurzgeschichten enthält. Diese drei Bücher habe ich noch selbst vertrieben und sie sind, bis auf einige Exemplare für mein eigenes Bücherregal, ausverkauft. Das vierte Buch, „Fluffige und andere Zeiten“ (2008) ist eine erweiterte Neuauflage und das fünfte: „"Bestatten, mein Name ist Tod!" Friedhofsgeschichten aus dem Leben gerissen“ (2008), fällt völlig aus der Reihe meiner üblichen Themen, was einfach daran liegt, dass mir das Leben Gelegenheit zu diesem morbiden Thema anbot.

W.-J. Langbein: Wenn Du ein Buch schreibst, schöpfst Du nur aus der Fantasie oder recherchierst Du, oder greifst Du auf Erlebtes zurück?

Bestatten, mein Name ist Tod!
von g.c.roth
g.c.roth: Ich schreibe so, wie ich meine Geschichten erlebe. Ich erfinde keine kompletten Storys, sondern verarbeite das, was das Leben mir anbietet. Und deshalb findet sich auch die ganze Palette an in meinen Büchern wieder. Lustiges, Kurioses, Nachdenkliches oder auch Trauriges in Form von Kurzgeschichten, Gedichten und Fabeln, so unterschiedlich, wie das Leben sich auch präsentiert. Der Humor, den man zweifelsohne braucht im Alltag, überwiegt meistens.
Mein Buch „Bestatten, mein Name ist Tod!“, ist zum Beispiel aus jahrelang gesammelten Erzählungen eines alten, schrulligen Totengräbers sowie aus Unterhaltungen mit ehemaligen Bestattern entstanden. Natürlich ist nicht alles 1:1 so geschehen, wie ich es erzähle, aber man kann davon ausgehen, dass 70 % der Ereignisse so oder so ähnlich stattgefunden haben.

W.-J. Langbein: Wie siehst Du die Zukunft von Buch- und Verlagswesen im Printbereich? Werden »elektronische Bücher« die gedruckten ablösen?

g.c.roth: Nein, ich gehe nicht davon aus, dass das E-Book das gedruckte Buch ablöst. Ein Buch ist etwas mit allen Sinnen Erfahrbares. Es verheißt gemütliche Stunden in Sessel- und Sofaecken, auf grünen Wiesen und unter schattigen Bäumen, zu denen es keine Alternative gibt. Keine Festplatte der Welt kann ein schön gefülltes Bücherregal toppen. Das Lesen eines Buches verschafft sehr persönliche Momente, das Umblättern der Seiten, der Geruch des Buches, einfach das Material in der Hand zu spüren, das alles ist nicht einfach austauschbar. Bücher haben eine unvergleichliche Ausstrahlung und sind viel mehr als eine Datei.

Das E-Book ist meiner Ansicht nach eine tolle Ergänzung, die besonders für Fachliteratur in großen Mengen perfekt ist. Man kann am PC lesen und gleichzeitig arbeiten, bestimmte Textstellen können in Sekunden aufgefunden werden, schnelle umfangreiche Informationen, ohne vollgestapelte Schreibtische, sind beim E-Book einfach ein Pluspunkt, den das Buch nicht hat. Praktisch sind E-Books auf E-Readern auch für unterwegs, besonders für Vielleser, die nicht kiloweise Bücher schleppen möchten. Oder für Sehbehinderte, die sich die Schrift in angenehm lesbarer Größe darstellen lassen können. Vermutlich wird jede Buchvariante ihren Platz finden. Verlage werden sich an dem orientieren, was der Leser wünscht.

W.-J. Langbein: Hast Du konkrete Zukunftspläne für Dein Studio?

g.c.roth: Die Zukunft für mein Satzstudio ist gleichzeitig die Frage nach meiner persönlichen Zukunft. In meinem Alter blickt man in die Zukunft etwas anders, als im Alter von vielleicht 30 Jahren. Zukunft ist selten das, was man sich erhofft, im Nachhinein aber genau das, was man gebraucht hat, um als Persönlichkeit wachsen zu können.

Als Mutter von drei Kindern, bin ich dankbar, dass ich mit Blick auf die Gegenwart sagen kann: Sie sind alle wohlgeraten, die ersten beiden gehen ihren Weg im Leben und haben mir bereits vier Enkelkinder geschenkt. Mein Nesthäkchen muss sich noch einige Jahre durch den Schulalltag kämpfen und wird dann ebenfalls seinen Weg finden.

Zukunft ist unberechenbar. Kein Mensch weiß, was schon morgen auf ihn wartet. Deshalb versuche ich offen zu sein, für das, was sie mir anbietet. Wenn man aufmerksam ist, dann liegt alles, was man braucht, immer bereit, nur sehen und aufnehmen muss man es. Das gelingt manchmal und manchmal nicht.

W.-J. Langbein: Liebe Grete, es würde mich interessieren, was Du noch für Interessen hast.

g.c.roth: Was mir in meiner Freizeit Spaß macht, das ist mein Garten, sowohl der Anbau von Gemüse als auch das Ziehen von Zierpflanzen. Mein Garten ist ein meditativer Ort. Gartenarbeit macht still und einig mit der Natur und bringt mich wunderbar nahe an die wesentlichen Dinge des Daseins heran. Wann immer Zeit ist, zeichne, male oder fotografiere ich. Die Fotografie –wie könnte es anders sein –hat den praktischen Nebeneffekt, dass sie eine reiche Motivauswahl für meine Arbeit abwirft. Mein Herz schlägt für alles, was mit der Natur zu tun hat. Ich versuche meinen Alltag so zu leben, dass ich möglichst wenig Schaden an der Natur anrichte. Wenn es mir vergönnt ist, werde ich einen Teil meiner Zeit nach dem aktiven Berufsleben in umweltpolitische Arbeit investieren.

W.-J. Langbein: Welche Ziele hast Du Dir für Deine Arbeit als Autorin gesteckt?

g.c.roth: Autorin und Texterin bin ich hauptsächlich aus beruflichen Gründen, da ist das Ziel natürlich, meinen Kunden ansprechende und anspruchsvolle Texte zu liefern. Zufriedene Kunden empfehlen mich weiter, sodass mein Kundenstamm kontinuierlich wächst. Meine Bücher sind eher ein Hobby, das sich daraus ergeben hat, dass sich Geschichten ansammelten. Hier habe ich kein festes Ziel.
Letztlich ist bei all meinen Arbeiten wichtig, dass sie mir Freude machen, dass ich anderen damit Freude mache und dass ich mit meiner jüngsten Tochter gut davon leben kann. Das ist mehr, als die meisten Menschen auf der Welt haben und somit schon Luxus. Reichtum ist das, was man spürt, wenn man einer Beschäftigung nachgeht und ganz eins wird mit ihr, sodass Zeit und Raum bedeutungslos werden. Reichtum ist nicht das, was man sieht, wenn man auf seinen Kontoauszug schaut.

W.-J. Langbein: Wenn Du einen Wunsch freihättest, was würdest Du Dir wünschen?

g.c.roth: Dass wir „zivilisierten“ Menschen uns in etwas mehr Demut und Bescheidenheit üben würden, damit wir die Vielfalt und Schönheit der Erde mit unserer Unersättlichkeit nicht völlig zerstören. Und natürlich, dass unsere Gemeinschaft „Ein Buch lesen“, die aus einer gemeinsam erlebten Krise erwachsen ist und die ich als eine große Bereicherung empfinde, noch viele Jahre so kreativ, mit viel Spaß und menschlicher Wärme zusammen wirken kann.

W.-J. Langbein: Liebe Grete, danke für das aufschlussreiche Interview. Ich wünsche Dir noch viel Freude mit Büchern, interessante Lektüre guter Werke von Kollegen, viel Freude beim kreativen Erstellen von Büchern in Deinem Satzstudio und genussreiche Selbstverwirklichung beim Schreiben! Und uns allen wünsche ich... mach weiter so, im Team von Ein-Buch-lesen ... und überhaupt!

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