Samstag, 15. Oktober 2011

Krimiherbst bei »Ein Buch lesen« Der hässliche Zwilling

Cover: Satzstudio Roth, Emden
Nach dem tragischen Unglücksfall ihrer Nichte Simone kehrt Vera in ihr Elternhaus zurück, das von ihrer Zwillingsschwester Gerda und deren Mann Volker bewohnt wird. Gerda scheint an den Ereignissen um Simone zu zerbrechen, während der Konflikt zwischen Vera und dem passionierten Jäger Volker deutliche Formen annimmt. Dann geschieht ein Mord …

Nach »Der Tote im Zwillbrocker Venn« ist »Der hässliche Zwilling« der zweite Münsterland-Krimi der Tuna von Blumenstein. Mit einem Vorwort von Bestsellerautor Walter-Jörg Langbein (2012-Endzeit und Neuanfang, Das Sakrileg und die heiligen Frauen u.a.).

Vorwort von Walter-Jörg Langbein

»In der Januarnacht waren zwanzig Zentimeter Neuschnee gefallen. Antonius Löbbering betrachtete mit sorgenvollem Gesichtsausdruck die weiße Pracht, die sich um sein Kötterhaus ausgebreitet hatte.« So beginnt Tuna von Blumensteins Kriminalroman »Der hässliche Zwilling«. Für einen Moment könnte man glauben, dass die Autorin vor dem winterlichen Idyll eine kitschige Liebesgeschichte in Szene setzen wird. Doch wer schon Tuna von Blumensteins Krimi »Der Tote im Zwillbrocker Venn« gelesen hat, der weiß: von der Autorin mit dem klangvollen Namen ist alles, nur keine süßliche Schnulze zu erwarten.

»In der Januarnacht waren zwanzig Zentimeter Neuschnee gefallen.« So beginnt Tuna von Blumensteins Krimi. Und bald schon färbt Blut die weiße Pracht rot. Ganz im Stil von Agatha Christies »Mord im Orientexpress« werden wir in eine kleine Welt eingeführt, die sich eine überschaubare Zahl von Menschen teilen. Bald schon wissen wir: So schön unschuldig weiß die Schneepracht auch ist... so düster sind die Geheimnisse der Menschen. Bald schon beginnt man zu zweifeln: Wer sind die Guten? Wer sind die Bösen? Wer ist Täter, wer ist Opfer?

Tuna von Blumensteins Krimi beginnt in weißer Schneepracht... als er endet, schmilzt der Schnee dahin. Es ist, als würde mit der Schneedecke ein Tuch weggezogen, dass so manches Geheimnis bedeckt hatte. Das Ende überrascht. Am Ende wird nicht der »Böse« vom »Guten« … »zur Strecke gebracht«, am Ende klärt sich alles auf – auf unerwartete Weise.

Cover: Satzstudio Roth, Emden
Ich habe »Der hässliche Zwilling« zweimal gelesen. Das erste Mal hastete ich von Seite zu Seite, weil ich so schnell wie nur möglich erfahren wollte, wer denn der Mörder war. Und dann machte ich mich gleich ein zweites Mal an den Krimi, las lustvoll und genießerisch.. achtete auf viele »kleine Hinweise«... und erkannte, wie kunstvoll die Autorin ihr Krimi-Garn gestrickt hat.

Sie kommt ohne vordergründiges Gemetzel abstoßender Splatter-Krimis aus... und beschreibt doch die harten Seiten der Verbrechen auf packende Weise. Sie erspart uns überflüssige Details... und liefert dennoch eine spannende Fülle von Informationen. Sie regt unsere Fantasie an... führt uns mit geschickter Hand durch das Szenario ihrer Krimiwelt, in der vieles nicht so ist wie es scheint.

»Der hässliche Zwilling« ist ein gutes, im besten Sinne des Wortes spannendes Stück moderner Kriminalliteratur, ohne falsche Moral... und lässt uns nachdenklich zurück: Was ist gut? Was ist böse? Kann Böses verständlich, ja akzeptabel sein? »Der hässliche Zwilling« ist jedenfalls nicht »akzeptabel«, er ist gut. Er ist nicht prätentiös. Er bietet gute Unterhaltung... und macht Lust auf weitere Werke von Tuna von Blumenstein....

Das Cover wurde von Satzstudio Roth, Emden entworfen.

Der Münsterland-Krimi ist unter der ISBN 978-3-8448-0093-7 überall im gut geführten Buchhandel erhältlich und kostet 7,90 Euro.


Hier der Trailer zum Krimi:





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Sonntag, 9. Oktober 2011

90 »Die Inkamauer«

Teil 90 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Haupttempel von Inga Pirka
Foto: W-J.Langbein
»Inga Pirka« (auch: »Inga Pirca« und »Incapirga«) ist das am besten erhaltene Bauwerk des Inka-Imperiums in Ecuador. Es thront im Norden von Cuenca auf einem nicht besonders imposanten Bergvorsprung ... in einer stolzen Höhe von immerhin 3100 Metern. Am einfachsten erreicht man den einst heiligen Ort von der legendären Panamericana aus. Am besten, man verlässt die Traumstraße bei El Tambo. Von El Tambo aus sind es nur noch etwa zehn Kilometer. Weniger empfehlenswert ist der Weg von Cañar aus. Die »Straße« ist zu unzuverlässig.

Ich habe auf mehreren Reisen »Inga Pirka« besucht. Einige Male erlebte ich sintflutartige Regenschauer, die jegliches Fotografieren unmöglich machten. Eine schöne Fotos gelang mir im Herbst 1992.

»Inga Pirka« bedeutet in der Quechua-Sprache »Steinmauer der Inka«. Diese Bezeichnung verrät nur, dass wohl schon vor Jahrhunderten nicht mehr bekannt war, welchem Zweck der Komplex einst diente. Richtig ist, dass die Inkas um 1480 ihre Bauarbeiten beendeten. Richtig ist aber auch, dass bereits vor den Inkas die Cañari lange vorher ein Kultzentrum gebaut hatten. Leider ist von der ursprünglichen Anlage so gut wie nichts übrig geblieben ... lediglich der ursprüngliche Name: »Cashaloma«, was so viel wie »Ort, an dem die Sterne aus dem Himmel fallen« bedeutet.

Sakrales Observatorium
Foto: W-J.Langbein
Die Cañari nutzten eine steinerne Anlage als Observatorium. Es ist möglich, dass sie apokalyptische Vorstellungen hatten und den Lauf der Zeit berechnen wollten. Tupac-Yupanqui wurde 1471 zum zehnten Inka-Herrscher. Er besiegte feindliche Stämme, ehrte aber ihre Führer und holte sie in die Metropole Cuenca. Sie wurden nicht mehr als Feinde angesehen, sondern bekleideten wichtige Ämter im Reich. So wuchs das Imperium zu beachtlicher Größe. Tupac-Yupanqui förderte die Wissenschaften. Und er ließ Kundschafter auf Balsaflößen den Pazifik erforschen. Nach einem Bericht von Pedro de Gamboa erreichten die Inkas die Osterinsel. Möglich, dass der Inka an dieser Expedition selbst teilgenommen hat.

Tupac-Yupanqui besiegte die Cañari und ließ ihr Heiligtum »Cashaloma« alias »Inga Pirka« erweitern. Die Cañari verehrten Mond und Sonne, die Inkas rückten die Sonne ins Zentrum ihrer religiösen Astronomie. Die Cañari dürften Anhänger eines uralten Mondkults gewesen sein, also die Göttin angebetet haben. Die Inka-Herrscher sahen sich als direkte Nachfahren des Sonnengottes. »Inga Pirka«, fast direkt am Äquator gelegen, war ideal als Sonnenobservatorium geeignet fällt doch das Sonnenlicht fast senkrecht ein.

Teil der einstigen Tempelmauer
Foto: W-J.Langbein
Es ist mit Sicherheit kein Zufall, das »Inga Pirka« exakt ost-westlich ausgerichtet ist. Der Umriss des steinernen Tempels entspricht genau der epilyptischen Laufbahn des Mondes. Eine steinerne Mauer markierte exakt die Nord-Süd-Achse.

Wie wichtig ... und mit wichtig meine ich heilig ... den Inkas »Inga Pirka« war, das beweist ein besonderer Umstand: Obwohl die Cañari auf Seiten der Spanier gegen die Inkas kämpften, rührten die Inkas ihr Heiligtum nicht an. Vor allem: Mir ist kein zweites sakrales Bauwerk bekannt, das von den Inkas so geschützt wurde wie Inga Pirka. Warum? Was war so besonders an Inga Pirka? Wir werden es wohl nie erfahren!

Die »zivilisierten Spanier« indes verwüsteten mit blindem Hass die Baudenkmäler der Inkas, so »gut« sie das konnten. Offenbar befürchteten die Inkas, dass die marodierenden Eroberer aus Europa auch »Inga Pirka« in Schutt und Asche legen wollten. Also »beerdigten« die Inkas den gesamten Komplex, der riesig gewesen sein muss. Wie er einst aussah ... wir wissen es nicht mehr. Angeblich stellte der steinerne Haupttempel den Kopf eines riesigen Pumas dar. Die altehrwürdige Inkastraße fungierte im Gesamtbild als Rückgrat des gewaltigen mythologischen Tieres. Wo man sich die Schwanzspitze vorstellte, stand einst ein sakrales Gebäude. Wie der Gesamtkomplex aussah ... wir wissen es nicht. Offenbar war er als großes »Bild« für die himmlischen Götter gedacht!

Eingang in Inkabauweise
Foto: W-J.Langbein
Vier schmale Fensterschlitze im Tempel waren von ganz besonderer Bedeutung ... der astronomischen Art. Es waren keine Fenster im heutigen Sinn. Sie waren Teil eines bewusst konzipierten magischen Lichtspiels! An wichtigen kalendarischen Terminen schickte die Sonne exakt durch diese Fensteröffnungen ihre Strahlen, jeweils für einige Stunden ... Sie fielen dann auf eine mit purem Gold verkleidete Wand. Das reflektierte Licht ließ die Priester in ihren prachtvollen Gewändern förmlich aufleuchten. Demontierten die Inka selbst das Gold, bevor sie die Anlage zuschütteten? Fakt ist: die Rettungsaktion der Inka bewahrte das sakrale Bauwerk vor der Zerstörungswut der Spanier. Es blieb unentdeckt und unzerstört.

Traurig aber wahr: Als Alexander von Humboldt anno 1801 das wieder ausgegrabene »Inga Pirka« besuchte, war die Gesamtanlage noch komplett. Auch Theodor Wolf sah die sakralen Bauten noch in ihrer Gesamtheit ... im Jahr 1879. Und doch ist heute nur noch ein Teil der Bauwerke erhalten. Warum? Weil was vor Jahrhunderten der Zerstörungswut der Spanier entgehen konnte ... in unseren Zeit massiv demoliert wurde. »Inga Pirka« wurde als Steinbruch missbraucht. Es ist wahrlich kein Ruhmesblatt für die katholische Kirche, dass das christliche Gotteshaus des Dorfes Ingapirka zum Großteil aus Steinen aus den uralten Gemäuern gebaut wurde! Die Zerstörung uralter Baudenkmäler aus Inka- und Vorinkazeiten endete keineswegs vor Jahrhunderten!

Inga Pirka heute
Foto: W-J.Langbein
Erst 1975 wurde diesem barbarischen Akt der Zerstörung ein Ende gesetzt! Aber da war leider ein erheblicher Teil der einst so stolzen Anlagen für immer zerstört! Ich will keineswegs »die katholische Kirche« als die Verwüsterin von Inga Pirka anprangern. Richtig ist, dass viele Einheimische Steine aus der Tempelanlage brachen, um ihre bescheidenen Behausungen zu bauen. Richtig ist aber auch, dass der Bau des örtlichen christliche Gotteshauses wesentlich zu einer Demontage erheblicher Teile des uralten Komplexes führte. Wie ich vor Ort aus zahlreichen Gesprächen weiß, gehörte die alte Ruine seit Jahrhunderten ... der Kirche. Es ist eine Schande, dass viel zu lange nichts zum Schutz dieses einzigartigen Denkmals getan wurde! Wie soll es zum friedlichen Miteinander der Religionen kommen, wenn so fehlende Achtung vor fremder Kultur gezeigt wird?

»Galerie der Verdammten - Mysteriöse Funde im Museum«,
Teil 91 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 16.10.2011


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