Sonntag, 11. August 2019

499. »Ewig sein in jedem Augenblick«

Teil 499 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: König Ludwig XV.
Der Graf von Saint Germain (1), er war vermutlich portugiesischer Herkunft, tauchte um 1740 an verschiedenen Königshöfen Europas auf. Niemand weiß so recht, wann er geboren wurde und ob er vielleicht gar noch lebt. Zahlreichen Zeugen gegenüber behauptete er jedenfalls, mit Hilfe eines »Elixiers« das ewige Leben erlangt zu haben. 

Oft wurde er nach dem Rezept für seine geheime Tinktur gefragt, verweigerte aber stets jede Auskunft. Rasch gewann er das Vertrauen König von Ludwig XV. (*1710, †1774) und seiner Geliebten Jeanne Antoinette Poisson, Marquise de Pompadour (*1721, †1764). Die nicht uneitle Dame soll sich in besonderem Maße für jenes Elixier und für seinen Reichtum interessiert haben. Tatsächlich besaß er herrlichste Edelsteine in großen Mengen, die er, wie später Elvis Aaron Presley (*1935; †1977) Straßenkreuzer, häufig verschenkte, als seien sie nichts wert. Voltaire (*1694, †1774), der große Philosoph und Dichter äußerte sich begeistert. Der Graf von Saint Germain sei der Mann, »der niemals stirbt und alles weiß«.

1710 will ihn die Gräfin de Gegy in Venedig kennengelernt haben. Als sie ihn 50 Jahre später wieder traf, hatte er sich äußerlich überhaupt nicht verändert. 1710 war Saint Germain nach dem Zeitzeugen Jean Philippe Rameau, einem französischen Adeligen, etwa 45, eher 50 Jahre alt. Dann müsste er 1760 fast einhundert Jahre alt gewesen sein, sah aber allenfalls nur halb so alt aus, wie auch die englische Zeitung, der seriöse »Londoner Chronicle« bestätigte:

Der Mann muss über das Geheimnis der ewigen Jugend verfügen! Im gleichen Jahr setzte er sich mit Erfolg für Friedensverhandlungen zwischen Preußen und Österreich ein. Ein Vertrag kam zustande. 1762 warnte er Vertreter des französischen Hochadels vor der nahenden Revolution. Er habe eine schlimme, alptraumartige Vision von Erniedrigung und Tod der Vornehmen gehabt. Seine teilweise grausamen Schilderungen wurden nicht ernst genommen. Man lachte vergnügt, beklatschte die aufregenden Beschreibungen.Von 1766 bis 1769 war Saint Germain wiederum in Indien. Seltsam: 1768 und 1769 soll er in Deutschland auch noch mehrere Fabriken eröffnet haben.

Foto 2: Madame de Pompadour
1770 traf er in Moskau mit dem Fürsten Orlow zusammen, um nach Deutschland zurückzueilen und Franz Anton Mesmer in die Geheimwissenschaften einzuweihen. 1780 veröffentlichte der Tausendsassa in London seine Werke für Violine. Da müsste er immerhin schon das stolze Alter von 120 Jahren erreicht haben. Anno 1784 wurde  der Tod des Grafen durch seinen Gönner, den Prinzen Karl von Hessen-Kassel, bekannt gegeben. »Er war vielleicht einer der größten Weisen, die jemals lebten.«, munkelt so mancher Fan des mysteriösen Mannes. Der Totgesagte tauchte freilich bereits ein Jahr später wieder quicklebendig auf. Er nahm am 15. Februar 1785 am »Internationalen Kongress der Freimaurer« in Paris teil. Das belegen zahlreiche Zeugenaussagen und beglaubigte Protokolle.

1789 ernannte König Gustav von Schweden den Grafen zu seinem persönlichen Leibarzt. Madame d’ Adhemar schätzte ihn »auf etwa 45 Jahre«, dabei müsste er damals bereits etwa 150 Jahre alt gewesen sein. 1793 war er wieder in Frankreich, spendete Marie-Antoinette letzten Trost vor der Enthauptung. Im Jahr 1836 wurde er auf der Beerdigung von Carl von Essen gesichtet. Da müsste er selbst fast 180 gewesen sein. 1820 soll er sich dem Herzog von Berry gezeigt haben, Stunden vor seiner Erschießung. 1867 nahm er als ein in rätselhafte Geheimnisse Eingeweihter aktiv in Wien am Treffen der »Großen Loge« teil. Als 207-Jähriger?

1972 machte der Graf nochmals Schlagzeilen: Ein gewisser Richard Chanfray behauptete im französischen Fernsehen, er sei Saint Germain und demonstrierte geheimnisvolle Experimente. Im gleichen Jahr wurde Richard Chanfray der neue Lebensabschnittspartner der damals höchst erfolgreichen Sängerin Dalida, nachdem ihr Mann Lucien Morisse und ihr Geliebter Luici Tenco beide Selbstmord begangen hatten. Im Internet – bei youtube – finden sich immer wieder kurze Filmchen, die Richard Chanfray im Duett mit Sängerin Sängerin Dalida zeigen (2).

Foto 3: Carl von Hessen.
Dalida war ein echter Megastar. Sie hat über 1.000 Lieder in 15 Sprachen aufgenommen, hat über 150 Millionen Alben verkauft und war weltweit die erste Künstlerin überhaupt, die eine »Diamantene Schallplatte« erhielt. Sie wurde mit dem höchsten Orden der Republik Frankreichs geehrt. Viele Jahre hintereinander wurde sie in Frankreich zur zweitwichtigsten Persönlichkeit des Landes gewählt. Platz 1 hielt Charles de Gaulle (*1890; †1970) inne. Dalidas Leben endete tragisch: Am 3. Mai 1987 wurde die einst so gefeierte Sängerin gegen 18 Uhr von einer Hausangestellten in ihrem Pariser Haus auf dem Montmartre tot aufgefunden. Sie hatte, wie die Polizei mitteilte, mit Schlaftabletten Selbstmord verübt. Ihr »Abschiedsbrief« bestand aus einem einzigen Satz: »Das Leben ist mir unerträglich – vergebt mir.«

Chanfray behauptete von sich, er sei »der Mann, der Blei in Gold verwandelt« und der niemals stirbt. Die alchemistische »Kunst« des Goldmachens führte er immer wieder staunendem Publikum vor, angeblich ohne zu Tricksen. Selbst »Experten« hätten keinen Schwindel erkennen können. »Böse Zungen« behaupten allerdings, dass sich Chanfray sein Wissen über Saint-Germain lediglich im Gefängnis anlas, wo er eine sechsjährige Strafe wegen eines Raubes und anderer Delikte absaß. In der Gefängnisbibliothek habe er einige Werke über den mysteriösen Grafen entdeckt.

Im Juni 1983 trat der Mann, der behauptete, der Graf von Saint-German zu sein, letztmals öffentlich bei einer Party auf. Angeblich sah er sehr schlecht aus, war hager, hatte schlohweiße Haare und wirkte erschöpft. Obwohl der angeblich Graf in einige Skandale verwickelt war, obwohl er wieder eine Haftstrafe absitzen und durch zum Teil abstruse Behauptungen auf sich aufmerksam machte, blieb er doch ein Liebling der »Promi-Gesellschaft«. So zeigte er dem spanischen Journalisten José María Íñigo ein »Wunderpulver« vor. Angeblich wurde ein toter Hund wieder lebendig, um kurz darauf erneut zu sterben.

Foto 4: »Über die Religion«
Richard Chanfray (3), am 4. April 1940 in Lyon geboren, beging am 14. Juli 1983, so lautet die offizielle Version, gemeinsam mit seiner Geliebten »Baroness Paula de Loos«, Selbstmord: durch Einnahme eines Cocktails von Barbituraten und Einatmen von Autoabgasen. In seinem Abschiedsbrief war zu lessen: »Ich gehe und nehme sie mit mir, weil sie so wie ich ist«.

Fans hat Richard Chanfray nach wie vor, die nicht an seinen Tod glauben wollen. Es kursiert das Gerücht, Richard Chanfray sei lediglich spurlos verschwunden und nicht gestorben. Im Internet zumindest lebt er weiter. Wer sucht, der findet bei youtube nach wie vor »Dokumentationen«, in der Regel in spanischer oder französischer Sprache, in denen der umstrittene Chanfray über seine alchemistischen Fähigkeiten spricht und seine Künste demonstriert (4).

Sollte der reale Saint Germain gefunden haben, was Gilgamesch und Alexander der Große suchten, nämlich das Geheimnis vom ewigen Leben? Oder sind die Legenden um den mysteriösen Adeligen Ausdruck unserer Sehnsucht nach dem Wunderbaren einerseits und nach einem Leben ohne Tod. Aber wäre ein »ewiges Leben« nicht irgendwann weniger eine Belohnung als unendlich langweilig?

Der deutsche Philosoph, Zoologe und Freidenker Ernst Haeckel (*1834; †1919) leugnete die Vorstellung, ein individueller Mensch könne ewig leben. Er berief sich auf Aristoteles (*384 v.Chr; †322 v.Chr.): »Schon Aristoteles leugnete die Ewigkeit des Individuums in jeder Beziehung: er behauptete, ewig könnte vielleicht die Art oder Gattung sein, die aus den gleichartigen Individuen gebildet werde; allein, das Individuum selbst sei vergänglich, es entstehe neu während des Zeugungsaktes und gehe beim Tode wieder zugrunde.«

Der Physiker schreibt Prof. Markolf H. Niemz (* 1964) leugnet nicht die ewige Existenz des Lebens, wohl aber das ewige Leben des Einzelnen als Individuum (5): »Das Jetzt ist. Es hat weder Anfang noch Ende, sondern währt immerzu. … Wir irren gewaltig, wenn wir glauben, Raum und Zeit seien real, die Ewigkeit sei dagegen eine Illusion. In Wahrheit verhält es sich genau anders herum. Der Raum und die Zeit sind Illusionen, aber die Ewigkeit ist real.«

Foto 4: »Über die Religion«
»Dein ist ein sterbliches Los, Nichtsterbliches aber begehrst du!« schrieb der große Ovid Ovid (*43 v. Chr.; †17 n. Chr.) in seinen »Metamorphosen«. Ich sehe das so: Sterblich bin ich als Individuum, aber unsterblich ist alles was alle Begrenzung ablegt und in das ewig Es eingeht. An diese Form der Unsterblichkeit glaube ich.

Um es pointiert zu formulieren: Nach der Philosophie des Physikers Prof. Niemz existiert alles in einem Computerspeicher aus Licht. Dieser Lichtspeicher, aus dem wir kommen und in den wir zurückkehren, nimmt jeden Gedanken auf und nichts geht verloren. Das empfinde ich als Trost: Jeder Mensch lernt sein ganzes Leben lang und jede Erkenntnis bereichert das in jeder Hinsicht unvorstellbare universale Es. Nichts geht verloren.

Der deutsche evangelischer Theologe, Philosoph und Pädagoge Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (*1768; †1834) hat in einem Satz die modernste Umschreibung von »Unsterblichkeit« erfasst. Wohl weil er seiner Zeit sehr weit voraus war, wagte er sein Werk anno 1799 erst nur anonym zu publizieren. Schleiermacher schreibt (6): »Mitten in der Endlichkeit Eins werden mit dem Unendlichen und ewig sein in jedem Augenblick, das ist die Unsterblichkeit der Religion.«

Fußnoten
1) Terhart, Franjo: »Das Geheimnis der Eingeweihten/ Was spirituelle Persönlichkeiten uns erschließen«, Kreuzlingen 1996 (›Saint Germain/ Vom Geheimnis der Unsterblichkeit‹, S. 158-161)
2) https://www.youtube.com/watch?v=OTjeiTWIMHM (Stand: 28.05.2019)
3) http://www.thefullwiki.org/Richard_Chanfray (Stand 28.05.2019)
4) https://www.youtube.com/watch?v=wiT_Dtitn-U (Stand: 28.05.2019)
5) Niemz, Prof. Markolf H.: »Ichwahn: Ein Physiker erklärt, warum Abgrenzung gegen unsere Natur ist. Der Schlüssel für ein neues Miteinander«, Ludwig-Verlag/ Random Hose, München 2017, e-Book-Ausgabe, Position 982 und Position 985
6) Schleiermacher, Friedrich: »Über die Religion/ Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern«, Printausgabe Hamburg 1958, eBook Berlin 2016, Seite 80/ Position 1137

Foto 5: 2 Ausgaben von Schleiermachers »Über die Religion«.

Weiterführende Literatur
Allgeier, Kurt: »Niemand stirbt für ewig«, Zürich 1988
Delacour, Jean-Baptiste: »Aus dem Jenseits zurück«, Düsseldorf 1974
Ditfurth, Hoimar von: »Wir sind nicht von dieser Welt«, Hamburg 1981
Fair, Charles: »Das fehlprogrammierte Gehirn«, München 1971
Grabow, Sandra: »Der Graf von Saint Germain«, Beitrag zu »Unknown Reality«, Frankfurt/ Oder, Januar/ Februar 1996
Jessen, Willers: »Der Graf Saint-Germain« 1907, Nachdruck Jahrbuch Heimatgemeinschaft Eckernförde Heft 5, Eckernförde 2004
Krassa, Peter: »Der Wiedergänger/ Das zeitlose Leben des Grafen Saint-
Germain«, München 1998
Volz, Gustav Berthold (Hrsg.): »Der Graf von Saint Germain – das Leben eines Alchemisten nach großenteils unveröffentlichten Urkunden«, Dresden 1923
Wambach, Helen: »Leben vor dem Leben«, München 1979
Wegener, Franz: »Der Freimaurergarten. Die geheimen Gärten der Freimaurer des 18. Jahrhunderts«, Gladbeck 2008

Zu den Fotos
Foto 1: König Ludwig XV. Foto gemeinfrei
Foto 2: Madame de Pompadour. Foto gemeinfrei
Foto 3: Carl von Hessen. Foto gemeinfrei
Foto 4: Schleiermachers Buch »Über die Religion«. Foto gemeinfrei
Foto 5: 2 Ausgaben von Schleiermachers »Über die Religion«.

500. »Hinter'm Horizont«
Teil 500 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18. August 2019



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Sonntag, 4. August 2019

498. »Der ›Trank der Unsterblichkeit‹ und der Graf von Saint Germain«


Teil 498 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der Airavateshwarartempel
»Einst, so lautet die uralte Überlieferung, waren die meisten Götter sterblich wie Menschen. Doch dann gab es einen Krieg zwischen den Göttern und ihren göttlichen Feinden. Vishnu und Shiva fühlten sich bedroht und suchten tatkräftige Unterstützung. Um andere Götter als Mitkämpfer gewinnen zu können, bedurfte es eines überzeugenden Geschenks: Unsterblichkeit. Der »Trank der Unsterblichkeit« musste zubereitet werden, der aus Sterblichen Unsterbliche machte. Von heute auf morgen ging das freilich nicht. Einige Jahrhunderte lang musste das ›Milchmeer‹ gequirlt werden, bis der wundersame Zaubertrunk entstanden ist.«

So erzählte mir »mein« Guide im November 2005 einen geheimnisvollen Mythos aus der Zeit, als Götter und Dämonen auf unserem Planetenlebten und stritten. Ich saß, ermüdet vom Erkunden der sakralen Anlage von Darasuram, neben einem steinernen Elefanten auf einem steinernen Treppchen, als ich die wundersame Geschichte hörte. Emsige Pilger kletterten die wenigen Stufen empor zum Tempel, andere kamen zufriedenlächelnd aus dem steinernen Gotteshaus retour.

Der Airavateshwarartempel war ist ein himmlischer »Götterwagen« gestaltet. In solchen Vehikeln sausten einst die Götter des »Alten Indien« durch die Lüfte und legten dabei zum Teil gewaltige Strecken zurück. So manchen Abend in so manchem südindischen Tempelstädtchen lauschte ich den faszinierenden Geschichten von Göttern und ihren Kriegen, von Menschen und den Tempeln für die Götter und weitschweifigen Heldensagen. Immer wieder bekam ich zum Teil stark abweichende Varianten von einem uralten Mythos zu hören: über den »Trank der Unsterblichkeit«. Märchenhaft muteten die Geschichten an und nirgendwo klangen sie so glaubwürdig wie im Umfeld von Tempeln, deren Plastiken Göttinnen und Götter, Tempeltänzerinnen und erstaunlich gewandte Akrobaten der besonderen Art zeigen.

Wagen wir einen Sprung durch Raum und Zeit, begegnen wir einem echten Abenteurer, der nach eine Quelle suchte, die ewiges Leben spenden sollte! Ponce de León (* um 1460; †1521) war ein echter Haudegen. Bereits mit 18 nahm er an den brutalen Kämpfen gegen die Mauren in Südspanien teil. 1493 war er an Bord, als Christoph Kolumbus zum zweiten Mal gen Amerika aufbrach. Anno 1508 wurde de León von Häuptling Agüeybaná auf Puerto Rico begeistert empfangen. Er baute die erste europäische Siedlung auf Puerto Rico auf und wurde der erste Gouverneur. Die Urbevölkerung freilich litt unter der Herrschaft de Leóns. 1512 erteilte ihm König Ferdinand den Befehl, die mysteriöse Insel Bimini zu suchen, zu erkunden und zu übernehmen. Warum? Sollte Gonzalo Fernández de Oviedo den sagenumwobenen »Jungbrunnen« ausfindig machen? Das ist heute allerdings umstritten. Fakten und Fabeln sind manchmal kaum zu unterscheiden.

Foto 2: Ein steinerner Elefant am Airavateshwarartempel von Darasuram

Bereits im März 1513 startete de León von Haiti aus ins Unbekannte. Doch  im Norden fand man nicht nur eine, sondern zahlreiche Inseln. Welche aber war nun Bimini? Quellen gab es ebenfalls viele. Welche war die gesuchte? Wie sollte man sie erkennen? Man entschloss sich zu experimentieren, trank aus jedem Rinnsal. Der erhoffte Erfolg, Verjüngung nach Genuss des Wassers, blieb freilich aus. Also suchte man weiter.

Ostersonntag 1513 betrat man Neuland, sumpfige Gefilde. Das Land wurde nach dem christlichen Feiertag »Pascua de Flores« Florida genannt. Gab es hier irgendwo den Brunnen mit dem Wasser des ewigen Lebens? Die Spur schien heiß zu sein: »Indianer« berichteten, dass ihr Gott Olelbis einst, als er die Welt erschuf, für die Menschen Unsterblichkeit vorgesehen hatte. Erde und Himmel (»Olelpanti«) sollten mit einer Leiter verbunden werden. Auffällig ist die biblische Parallele: Jakobs Himmelsleiter wurde von Engeln genutzt, um aus dem Himmel zur Erde und wieder in himmlische Gefilde zurück zu gelangen. Nach der »Indianer-Legende« sollte es Irdischen möglich sein, zum Gott Olelbis zu gelangen und bei ihm zu leben. Zwei magische Vögel sollten die Leiter bauen. Sie machten sich auch ans Werk, wurden aber von einem bösen Kojoten überredet, die Arbeit einzustellen. Der Kojote selbst wollte der Überlieferung nach in die Welt des Olelbis fliegen, um unsterblich zu werden. Er scheiterte aber.

Foto 3: Vishnu und Shiva.
In den Sagen und Mythen der Wintun-»Indianer« ist von zwei Zauber-Quellen die Rede. In der einen müsse man baden, aus der anderen trinken und schon werde aus dem kränkelnden Alten wieder ein gesunder, junger Mensch. Ponce de León  und seine brutalen Gefolgsleute scheinen an diese Quellen geglaubt zu haben. Stand damals die Entdeckung des Jungbrunnens unmittelbar bevor? Oder wurden die plündernden Eroberer nur weiter und weiter geschickt, weil man sie los werden wollte? Die Suche wurde intensiviert. Zahlreiche »Indianer« wurden grausam gefoltert.

1521 machte sich Ponce de León wieder nach Florida auf. Ziel war nach wie vor der »heilige Brunnen, dessen Wasser die Alten verjüngt«. Florida aber war, wie der Abenteurer erkannt hatte, keine Insel. Auf einem Eiland aber sollte das wundersame Wasser zu finden sein. De León kam zu der Überzeugung: Damit konnte nur die Bahamas-Insel Bimini gemeint sein. Er kam aber nicht mehr dazu, dort das segensreiche Wasser zu suchen. Ein giftiger Indianerpfeil setzte seinem Leben eher zu spät als zu früh ein Ende. Die Spanier gaben die Suche nach dem Zauberwasser auf. Sie wurde aber rund 400 Jahre später wieder aufgenommen.

Edgar Cayce (*1877, †1945), das berühmte amerikanische Trancemedium, äußerte wiederholt, es handele sich bei Bimini um Reste des vor Jahrtausenden versunkenen Kontinents Atlantis (1). Und in jenem Reich habe einst eine wundersame Quelle gesprudelt. Verschiedene Details der übersinnlichen Aussagen Cayces haben sich inzwischen bestätigt. So führten 1957 Wissenschaftler der Columbia-Universität Bohrungen an einer seichten Stelle nahe Bimini durch. Das geförderte Material wurde datiert. Es ist etwa 4.370 Jahre alt. Die Wissenschaftler: »Dieser Umstand lässt vermuten, dass Materialien, die sich in einer Tiefe von zwölf oder fünfzehn Fuß befinden, einige Jahrtausende älter sein dürften. Sie könnten durchaus 10.100 Jahre alt sein oder etwas mehr.« Edgar Cayce hatte vorhergesagt, die künftigen Funde würden sich als 12.000 Jahre alt erweisen. (2)

1970 wurde vor der Insel Bimini, nur fünfzig Meilen von der Metropole Miami entfernt, auf dem Meeresboden eine eindeutig künstliche Struktur gefunden. Vorsichtigen Schätzungen von Archäologen zufolge entstand sie 5000 vor Christus, zu einer Zeit, als der Wasserspiegel des Atlantiks mindestens sechs Meter unter dem heutigen Niveau lag. Die Meldung über den Fund schlug in der wissenschaftlichen Welt wie eine Bombe ein. Sie bestätigte genau, was Edgar Cayce vorhergesehen hatte. Der Seher hatte präzise die Lokalisation vorherbeschrieben, anno 1926 waren seine Aussagen protokolliert worden.

Foto 4: Bhrama, Vishnu und Shiva.
Im Jahre 1977 machte sich eine Fischfangexpedition von Don Henry auf, um mit modernster Technologie verstärkt Kapital durch Leerfischen zu gewinnen.

In  der Cay Sal Bank wurden Messungen per Echolot durchgeführt. Exakt südlich der Florida Keys, vor den Bahamas, registrierte das Gerät etwas Merkwürdiges. Das entdeckte Objekt hat eine Höhe von rund 140 m und eine Kantenlänge von 150 m. Es handelt sich also um ein pyramidenförmiges Gebilde, das die legendäre »Cheops-Pyramide« an Höhe überragt. Bis heute ungeklärt ist die Frage, ob es sich um ein künstliches Bauwerk auf dem Meeresgrund handelt oder nicht.»Jene Bewohner von Atlantis hatten das Geheimnis entdeckt, wie man die Sonnenenergie einfangen konnte. Sie konzentrierten sie in einem Stein mit magnetischen Eigenschaften, der mehr Energie abgab als er erhielt.« Und in der Region westlich der Bimini-Insel, so Cayce, soll es unter dem Schlamm des Ozeans noch »Reste von Tempeln geben«. »Dies war die erste Hochkultur. Sie wird in dem westlich und südlich an die Inseln angrenzenden Gebiet entdeckt werden. Man wird Tempel finden. Es hat in den unterseeischen Bergen auch Gold, Spat und Ammonium.« Dann würden, so Cayce, wieder Quellen sprudeln, die angeblich vor Jahrtausenden versiegten. Ganz besonderes Quellwasser werde dann zutage treten: ein moderner Jungbrunnen. Das Wasserreservoir werde »knapp unter dem Meeresspiegel angebohrt werden«. Wird es je dazu kommen?

Gilgamesch, Alexander der Große, Kolumbus, Ponce de León und Edgar Cayce, sie alle stehen für die Suche nach dem Geheimnis vom ewigen Leben. Es stellt drängen sich einige Fragen auf: Ist diese Suche mit der Jagd nach einer Fata Morgana zu vergleichen? Entstand sie aus der Angst vor dem Tod, der unvermeidbar auf jedes Lebewesen zukommt? Oder gibt es doch die Möglichkeit, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen? Einer der geheimnisvollsten Menschen der europäischen Geschichte jedenfalls behauptet, das Geheimnis vom ewigen Leben gelöst zu haben: der Graf von Saint Germain (3).

Foto 5: Der Graf von Saint Germain.
Fußnoten
1) Stearn, Jess: »Der schlafende Prophet/ 
Prophezeiungen in Trance«, 20. Auflage, Genf 1984
Sugrue, Thomas: »Edgar Cayce/ Sein Leben/ There is a river«, München 1981
2) Heyden, Martin: »Auf der Suche nach der Ewigkeit: Realitäten«, Alsdorf 2015 (Interessante Gedanken zum Phänomen Zeit)
3) Krassa, Peter: »Der Wiedergänger/ Das zeitlose Leben des Grafen Saint-Germain«, München 1998

Zu den Fotos
Foto 1: Der Airavateshwarartempel von Darasuram, Foto W-J.Langbein
Foto 2: Ein steinerner Elefant am Airavateshwarartempel von Darasuram. Foto W-J.Langbein
Foto 3: Vishnu und Shiva. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Von links nach rechts Bhrama, Vishnu und Shiva. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Der Graf von Saint Germain. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein





499. »Ewig sein in jedem Augenblick«
Teil 499 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11. August 2019



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