Sonntag, 31. Dezember 2017

415 »Wie schaurig ist dieses Stätte!«

Teil  415 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

    
Foto 1: Nach wie vor rätselhaft.... die Riesen der Osterinsel!

Man kann zu großen Geheimnissen unseres Planeten reisen und ferne Länder aufsuchen. Man kann dann staunend vor den Osterinselriesen stehen oder im Flugzeug über dem riesigen Bilderbuch der Wüste von Nazca kreisen. Man kann aber auch zuhause bleiben und intensives Quellenstudium betreiben, zum Beispiel in Sachen »Jakobs Himmelsleiter«. Vorrang hat da zunächst der biblische Text, den es freilich in unterschiedlichen Übersetzungen gibt. Und die stimmen keineswegs immer überein, es gibt immer wieder Abweichungen und unbeantwortete Fragen.

Gern konsultiere ich bei kniffeligen Bibeltexten auch »Die Heilige Schrift ins Deutsche übertragen« von Naftali Herz Tur-Sinau, die in verschiedenen Auflagen vorliegt. Das wichtige Werk wurde 2013 vom SCM-Verlag in Witten herausgegeben. Eine aktuellere Ausgabe stammt aus dem Jahr 2017 (1). Was diese Ausgabe der Bibel so wertvoll macht: Der Übersetzer ist ein Kenner des Talmud und er folgt dem traditionellen jüdischen Denken. Kurz, seine Übersetzung ist näher am Original als so manche christliche. Im Anhang der Printausgabe werden abweichende Übersetzungen präzise begründet.

Fotos 2 und 3: Bibelillustration, Stich, Ende 17. Jahrhundert

Und da lesen wir: »Und er erschauerte und sprach: Wie schaurig ist dieses Stätte! – Nein, das ist ein Haus Gottes, und dies ist die Pforte des Himmels.« Auch hier wird die Stätte der Himmelsleiter als »schaurig« bezeichnet, wie in der »Vulgata«, wo der Ausdruck »terribilis« verwendet wird, so wie ja auch Piscator »schrecklich« übersetzt.

Emil Friedrich Kautzsch (*1841, †1910), war als Theologe und Kenner der hebräischen Sprache hoch angesehen. 1898 erschienen von Professor Kautzsch das Standardwerk »Die Apokryphen des Alten Testaments (2)“, gefolgt von »Die Pseudepigraphen des Alten Testaments (3)« im Jahr 1900. 1900 kamen »Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments« in einem Band heraus . Weniger bekannt ist, dass Emil Friedrich Kautzsch auch eine Übersetzung des Alten Testaments in zwei Bänden publizierte (4). Die Erstauflage wurde vom angesehenem »Verlag von Mohr« anno 1898 und 1900 veröffentlicht, 1909 und 1910 (5) gab es bereits eine »dritte völlig neugearbeitete, mit Einleitungen zu den einzelnen Büchern versehene Auflage«.

Kautzsch übersetzt Genesis 28, Vers 17 so: »Da fürchtete er sich und sprach: Wie schauerlich ist diese Stätte! Ja, das ist der Wohnsitz Gottes und die Pforte des Himmels.«

Fotos 4 und 5: Jakobs Himmelsleiter, Kupferstich von Martin Tyroff

Während meines Studiums der evangelischen Theologie übersetzte ich zahlreiche Texte der hebräischen Originaltexte ins Deutsche. Ich war dabei stets bestrebt, dem Original so weit wie möglich zu entsprechen. Meine Absicht war es, einen Eindruck zu vermitteln, wie der Text – etwa nach dem Satzbau – im hebräischen Original geschrieben wurde. Ähnlich wie der geniale Piscator, mit dem ich mich natürlich ansonsten nicht vergleichen darf und will, sollte mein deutscher Text so nah wie möglich am hebräischen Original bleiben.

Besonders gern habe ich die Geschichte von Jakobs Traumvision von der Himmelsleiter übersetzt (6):

Foto 6
»12) Und da träumte ihm und siehe! Da war eine Leiter aufgerichtet auf der Erde und die Spitze, sie ging bis an den Himmel und siehe, da waren Boten Gottes, steigend hinauf und steigend herab auf ihr.
13) Und Jahwe stand über ihm und er sprach: Ich bin der Alles-Überdauernde, der Gott Abrahams, deines Vaters, der Gott Jizchaks. Das Land,  auf welchem du ruhst, ich werde es dir geben und deiner Nachkommenschaft.
14) Deine Nachkommenschaft, sie wird sein wie der Staub der Erde! Und du wirst dich ausbreiten gen Westen, Osten, Norden und Süden. Und mit dir werden sich segnen alle Geschlechter des Erdkreises und mit deiner Nachkommenschaft!
15) Und siehe: Ich bin mit dir! Ich werde dich behüten, wo immer du auch hingehst, und ich werde dich zurückkehren lassen in dein Land. Ich werde dich nicht verlassen bevor ich getan haben werde, was ich zu dir gesprochen habe!
16)  Und Jakob erwachte aus seinem Schlaf und er sprach wie folgt: Wahrhaftig, Jahwe weilt an dieser Stätte. Und ich, ich wusste es nicht!
17) Und ihm wurde Angst und er sprach wie folgt: Wie schrecklich ist diese Stätte. Sie ist nichts anderes  als ein Haus Gottes und dies hier ist der Eingang zum Himmel.
18) Und Jakob erhob sich beim Morgengrauen und er nahm den Stein, auf dem sein Kopf geruht hatte, und er  stellte ihn auf als  Erinnerungsstein und er schüttete Öl auf seine Spitze.
19) Und er nannte den Namen eben dieses Ortes Beth-El (Beth = Haus, El = Gott). Und diese Stätte war vordem Lus.«

Ich wiederhole meine wortgetreue Übersetzung von Vers 17: »Und ihm wurde Angst und er sprach wie folgt: Wie schrecklich ist diese Stätte. Sie ist nichts anderes  als ein Haus Gottes und dies hier ist der Eingang zum Himmel.«

Emil Kautzsch übersetzt Genesis 28, Vers 17 so: »Da fürchtete er sich und sprach: Wie schauerlich ist diese Stätte! Ja, das ist der Wohnsitz Gottes und die Pforte des Himmels.«

Fotos 7 und 8
Nach meiner Übersetzung war der Ort, wo die »Engel« zwischen Himmel und Erde pendelten eine »schreckliche Stätte“, Kautzsch nennt sie »schauerlich«, die »Vulgata« benutzt den Terminus »terribilis« (schrecklich, furchtbar). Zur Kontrolle konsultiere ich Eduard Königs »Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament« in der dritten Auflage, Leipzig 1922. Das Nachschlagewerk gibt als Übersetzung an »furchtbar«.

Was beschreibt Genesis Kapitel 28, Vers 17? Jakob bekam Angst. Warum? Er befindet sich an einem Ort, der »Haus Gottes« genannt wird. Wichtig: Just in diesem Vers ist nicht von einem Haus Jahwes die Rede, sondern von einem Haus von Elohim. Und dieses Elohim-Haus ist der »Eingang«, ja das »Tor« zum Himmel, wortwörtlich eigentlich der Himmel.

Was aber haben wir uns unter einem »Tor«, unter einem »Eingang« zu den Himmeln zu verstehen? Jakob schildert, wie »Boten Gottes« von der Erde in das »Haus Gottes« gelangen oder von dort zur Erde herab steigen. Was geschieht da? Vielleicht kommt Piscator in seiner Bibelübersetzung der Realität am nächsten, wenn er schreibt: »schrecklich) Nemlich von wegen der herrlichen majestaet Gottes, welche den menschen wegen ihrer bloedigkeit erschroecklich ist.«  Die Herrlichkeit Gottes erscheint den Menschen als schrecklich… »wegen ihrer Bloedigkeit«? Geschah damals etwas, was Jakob nicht begreifen konnte und was selbst heutige Theologen nicht verstehen wollen? Steckt etwas ganz anderes hinter der Vorstellung einer »Leiter« zwischen Himmel und Erde?

Die Vorstellung vom »Tor zum Himmel« gibt Anlass zu heute noch kühnen Gedanken. Geht es um einen Energie, die zwischen unserer Realität und einer anderen fließt? Machte dieser Energiefluss für Jakob den Ort seiner »Vision« zu einem schrecklichen? Oder sollte es gar wirklich ein Tor in den Himmel gegeben haben?


Foto 9: »Kautzsch-Bibel«, Band 1
Wie dem auch sei: Die »Biblia Hebraica« spricht von »furchtbar«, was nicht so recht zu einem gütigen Gott passt. Um das Bild vom »lieben Gott« aufrecht erhalten zu können, wird in Übersetzungen aus dem »furchtbar« eine Stätte der Ehrfurcht. Warum aber wird der Ort der Begegnung als »schrecklich« bezeichnet?

Erlebte Jakob etwas, was für ihn einfach nur grauenhaft war? Was verstehen wir unter »Haus Gottes«, was unter »Pforte des Himmels«?

Fußnoten
1) Naftali Herz Tur-Sinau: »Die Heilige Schrift«,Verlag SCM R. Brockhaus, Witten,  3. Auflage19. April 2017 (ISBN-10: 341725180X , ISBN-13: 978-3417251807). Im gleichen Verlag ist erschienen »Das jüdische Neue Testament« von David D. Stern, 2. Auflage 3. April 2017 (ISBN-10: 3417254124,ISBN-13: 978-3417254129) David H. Stern hat auch einen Kommentar zum jüdischen Neuen Testament verfasst. David H. Stern: »Kommentar zum Jüdischen Neuen Testament«, SCM R. Brockhaus, Witten, 2. Auflage, Witten, 7. September 2017 (ISBN-10: 3417254116 13: 978-3417254112). Diese Werke sind alle sehr empfehlenswert!

2) Kautsch, Emil: »Die Apokryphen des Alten Testaments«, Tübingen 1898
3) Kautsch, Emil: »Die Pseudepigraphen des Alten Testaments«, Tübingen 1900
4) Kautzsch, E(mil): »Die Heilige Schrift des Alten Testaments«, Band 1, »Von Mose bis Ezechiel«, Tübingen 1909
5) Kautzsch, E(mil): »Die Heilige Schrift des Alten Testaments«, Band 2, »Hosea bis Chronik«, Tübingen 1910
6) 1. Buch Mose Kapitel 28, Verse 12-19


Foto 10: Plakat Seminar 2018
Zu den Fotos
Foto 1: Nach wie vor rätselhaft.... die Riesen der Osterinsel! 
Fotos 2 und 3: Bibelillustration, Stich, Ende 17. Jahrhundert.
Fotos 4 und 5: Jakobs Himmelsleiter, Kupferstich von Martin Tyroff. 
Foto 6: Jakobsleiter an der Westfront der Abtei von Bath, England, wiki commons Haukurth.
Fotos 7 und 8: Die »Kautzsch-Bibel« in 2 Bänden 
Foto 9: Die »Kautzsch-Bibel«, Band 1.
Foto 10: Plakat »Phantastische Phänomene« 2018

416 »Mit dem ›Fahrstuhl‹ oder durchs ›Sternentor‹ ins All?«
Teil  416 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 07.01.2018


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Samstag, 23. Dezember 2017

414 »Untergeordnete Gottheiten und der Weltraumprofessor«

Teil  414 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Jakob  von Rembrandt
»Wir sollten nur danach trachten, die Menschen zum Nachdenken anzuregen, nicht sie zu überzeugen.« Dieses kluge Wort wird dem Maler, Grafiker und Bildhauer Georges Braque (*1882,†1963), einem der Mitbegründer des Kubismus, zugeschrieben.

Mit meiner ausführlichen Recherche in Sachen »Jakobs Himmelsleiter« möchte ich auch nur zum Nachdenken anregen und niemanden auf Teufel komm raus von (m)einer Interpretation überzeugen. Es wird sich aber zeigen, dass eine fantastische Interpretation in Richtung Prä-Astronautik zumindest möglich ist.

Was Jakob im Traum wiederfuhr, es mutet mysteriös an. Aber was sagte kein Geringerer als Albert Einstein (*1879,†1955)? »Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.« Mag sein, dass der biblische Jakob etwas erlebte, was ihm so fantastisch vorkam, dass er es nur als Traum akzeptieren konnte. 

Was aber könnte dem biblischen Jakob vor fast vier Jahrtausenden widerfahren sein? Wie müssen wir die Geschichte von den Engeln, die via Leiter aus dem Himmel zur Erde herab steigen und aus unseren niederen irdischen Gefilden wieder in den Himmel gelangen?

Gibt es eine technische Interpretation im Sinne der Präastronautik? Die Geschichte von der »Himmelsleiter« beschreibt ja die Verbindung zwischen Himmel und Erde via »Leiter«. »Engel« kommen aus dem Himmel zur Erde und kehren von der Erde in den Himmel zurück. Darf man bei einem biblischen Bericht über »Reisen« zwischen Himmel und Erde an vorgeschichtliche Astronauten denken, die zwischen Himmel und Erde denken? Prof. Georg Fohrer (*1915,†2002) war »ordentlicher Professor für Alttestamentliche Wissenschaft« in Erlangen.

Foto 2: Jakobs Leiter
Ich habe manche Vorlesung bei Prof. Fohrer besucht, an einigen seiner Seminare teilgenommen. Je näher seine Emeritierung 1979 rückte, desto offener wurde der Gelehrte auch für »Randfragen«. Mehrfach haben wir uns über das Thema der »Engel« im »Alten Testament« unterhalten. Prof. Oberth gab mir schließlich zu verstehen, dass seiner Ansicht nach »Engel« ihren Ursprung außerhalb des Judentums hatten. Sie waren, so Prof. Fohrer, ursprünglich »untergeordnete Götter«, die als »Engel« Eingang in die Schriften des »Alten Testaments« fanden.

Was haben wir uns unter »untergeordneten Gottheiten« vorzustellen, die zwischen Himmel und Erde pendelten? Martin Heinrich schlug eine präastronautische Lösung vor, verfasste ein sachkundiges Werk zum spannenden Thema: »Jakobs Himmelsleiter war ein Weltraumlift« (1). Ich erfuhr vor vielen Jahren zum ersten Mal vom »Projekt Weltraumlift«. Und zwar von Hermann Oberth. Prof. Dr. Dr.-Ing. Hermann Oberth (*1894,†1989) wird mit Fug und Recht als »Vater der modernen Raumfahrt« bezeichnet. Jules Vernes utopischer Roman »Die Reise zum Mond« war es, die den Gymnasiasten Hermann Oberth mit dem »Utopie-Bazillus« infizierte. Schon als Schüler tüftelte er an Experimenten, versuchte zum Beispiel Schwerelosigkeit zu simulieren: in der Badeanstalt. Er suchte nach realistischen Möglichkeiten, Menschen zum Mond und zurück zu bringen. Mit 14 Jahren entwarf Hermann Oberth bereits eine Rakete. Expandierende Gase sollten sie ins Weltall befördern.

1923 erschien sein bahnbrechendes Buch »Die Rakete zu den Planetenräumen«. Als Doktorarbeit war seine Abhandlung abgelehnt worden. 1929 erlebte Hermann Oberth auf dem »Raketenplatz Berlin« einen ersten Triumph: Sein Raketenmotor funktionierte. Studenten der »Technischen Universität« halfen ihm bei dem Experiment. Darunter befand sich Wernher von Braun (*1912,†1977) der auch als führender Mann bei der NASA nie seinen Lehrer Hermann Oberth vergaß.

Foto 3: Im Gespräch mit Prof. Hermann Oberth, März 1983

1969 saß der »Vater der Weltraumfahrt« beim Start von Apollo 11 zur ersten bemannten Expedition zum Mond auf der Ehrentribüne im »Kennedy Space Center«, Florida. Bereits 1922 hatte er in Heidelberg seine Abhandlung »Die Rakete zu den Planetenräumen« als Doktorarbeit eingereicht. Sie wurde abgelehnt. Hermann Oberth im Gespräch mit dem Verfasser: »Ein Professor aus Heidelberg meinte damals, derlei Pläne für Raumflüge zum Mond und darüber hinaus würden vielleicht in ferner Zukunft, in den letzten Tagen der Menschheit verwirklicht werden.«

Gern denke ich an so manchen Nachmittag zurück, den ich mit Prof. Oberth in seinem bescheidenen Domizil in Feucht bei Nürnberg verbringen durfte. So manche Stunde durfte ich dem »Vater der Weltraumfahrt« helfen, Briefe und Dokumente zu sortieren, zu archivieren. Hermann Oberth, dessen warmherzige Ausstrahlung mich von Anfang an faszinierte, geriet ins Schwärmen, wenn er von seinen frühesten Experimenten in Sachen Schwerkraft erzählte. Sie brachten ihm, als er noch Gymnasiast war, den Spitznamen »Mondoberth« ein. Für mich sind die Erinnerungen an Begegnungen mit diesem großen Menschen die schönsten, die ich nicht missen möchte. Hermann Oberth war Zeit seines Lebens von Raketen fasziniert, suchte aber auch nach Alternativen.

Fotos 4 und 5:  Jakobs Himmelsleiter. 

Bereits 1954 legte Oberth sein Werk »Menschen im Weltraum – Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt« (2) vor. Er dachte schon damals sehr konkret darüber nach, wie man andere Planeten unseres Sonnensystems für Menschen bewohnbar machen kann. Und das lange bevor der Begriff »Terraforming« geschaffen wurde. Er entwickelte Pläne für interstellare Raumfahrt mit gigantischen »Siedlungen im Weltraum«. Oberth berechnete riesige Weltraumstädte in Walzen- oder Radform, in denen eine künstliche Schwerkraft erzeugt werden kann, so dass der Mensch ohne Probleme der Schwerelosigkeit die Weiten des Universums erforschen würde. Hermann Oberth legte nicht nur den Grundstein der heutigen Raumfahrttechnologie. Er blickte als echter wissenschaftlicher Visionär in die Zukunft. Seine wohl kühnste Vision klingt heute, ein halbes Jahrhundert nachdem Hermann Oberth sie entwarf, reichlich utopisch. Hermann Oberth in »Menschen im Weltraum« (4):

Foto 6: Menschen im Weltraum
»Trotzdem könnte man sich vorstellen, dass Menschen ferne, unbekannte Planeten anderer Sonnen erreichen. Sie würden sich in Wohnwalzen als auf sich selbst gestellte Gemeinschaften auf den ungeheuer weiten Weg machen und nach Tausenden von Jahren ans Ziel kommen. Gewaltige, mehrschichtige Meteordämpfer an der Stirnseite der durch den Raum rasenden Wohnwalze würden für Sicherheit sorgen. 

Am Ziel würden die Nachfahren der einst von der Erde ausgezogenen Menschen neue Planeten erforschen und für ihre Nachkommen erschließen. Die Erinnerung an die alte Erde, die für sie in den Tiefen des Weltraumes versunken sein würde, wäre nur noch schwach und unwirklich, und die auf Mikrofilme und Tonbänder gebannte Geschichte der irdischen Menschheit klänge diesen Weltraumfahrern nicht anders als ein geheimnisvolles Märchen aus dem Reich der Toten.«


Hermann Oberth war davon überzeugt, dass wirkliche »Raumfahrt«, die diesen Namen auch verdient, möglich ist. Er sah den Bau von gigantischen Weltraumstädten als durchführbar an und suchte nach Alternativen zum Raketenantrieb. »Wenn man eine gewaltige Weltraumstadt auf der Erde baut, benötigt man unvorstellbare Mengen an Energie, um sie ins All zu bringen.«, so sagte er zu mir. Einzige Möglichkeit: Die Weltraumhabitate werden nicht auf der Erde gebaut, sondern im All. Wie aber bringt man das Material ins All?

Foto 7: Handschriftliche Widmung Oberths

Prof. Oberth arbeitete an einem »Windkraftwerk«, (5) das in sehr großer Höhe über dem Erdboden Strom gewinnen und zur Erde leiten sollte. Er verlor nie die praktische Seite aus den Augen. Ein »Seil« würde Windkraftwerk mit dem Erdboden verbinden. Techniker würden in »Gondeln« zum Windkraftwerk fahren, etwa um Wartungsarbeiten zu verrichten. Und sie würden auf diesem Wege wieder zum Erdboden zurück fahren. Mit leuchtenden Augen schilderte mir Prof. Oberth die »Steigerung«.

Er dachte an einen kleinen Himmelskörper, etwa einen Asteroiden als »Endpunkt« eines »Lastenaufzugs«. Mit einer solchen »Vorrichtung« könne man gewaltige Materialmengen in den Weltraum schaffen, und das mit einem sehr viel kleineren Energieaufwand. Raketen, so Oberth, können das auch. Raketen würden die Lasten sehr viel schneller ins All schaffen können als so ein »Lastenaufzug«, aber enormen Mengen an Treibstoff verbrauchen. Der »Aufzug« ins All sei natürlich sehr viel langsamer, aber auch sehr viel sparsamer im Energieverbrauch.

Die »Himmelsleiter« ist im Prinzip so eine Art »Weltraumlift für Arme«. Die »Engel« - »untergeordnete Götter«! -  werden aber nicht in Gondeln vom Himmel auf die Erde und retour geschafft, sie müssen mühsam eine Leiter nutzen, sprich Sprosse für Sprosse hinunter und hinauf steigen. Beschreibt der biblische Text einen »Weltraumlift« als »Leiter«? Kannte der Verfasser so ein energiesparendes Bauwerk? Ich habe da meine Zweifel! So ein Weltraumaufzug hätte mit einer Leiter wenig gemeinsam, wäre technisch enorm aufwändig und von gewaltigen Proportionen. Ich kann man nicht vorstellen, dass so ein Weltwunder der Baukunst und der Technologie spurlos verschwinden würde.

Wahrscheinlicher ist, dass es sich bei der »Jakobsleiter« um Teil eines »Stargates« gehandelt hat. Die »Leiter« führte zum Übergang in andere Welten, andere Dimensionen. Ein solcher Übergang muss für die Menschen zu biblischen Zeiten eine Stätte des Schreckens gewesen sein, ein göttliches Wunder, das sie nicht verstehen konnten. 

Im März des Jahres 1983 besuchte ich Prof. Oberth zum letzten Mal in seinem Haus in Feucht bei Nürnberg. Wir unterhielten uns lange. Schließlich durfte ich Prof. Oberth ausführlich interviewen. Zum Abschluss fragte ich den greisen Gelehrten: »Herr Professor, diese Macht der Kirche zu bestimmen, was Wissenschaftler lehren dürfen und was nicht... ist vorbei. Verhalten sich aber nicht auch Wissenschaftler ebenso autoritär wie die Kirchenvertreter von einst?«

Fotos 8 und 9: Bibel Illustration um 1875

Hermann Oberth antwortete: »Aber ja! Das war so, ist zum Teil auch noch so. Viele Wissenschaftler verhalten sich dem Wissen gegenüber wie eine gestopfte Gans gegenüber dem Futter. Nur um Gottes willen nicht noch mehr. Das war so, schon immer!« Ich fragte nach: »Wird es auch immer so bleiben?« Hermann Oberth antwortete: »Ich möchte nicht immer sagen.«

Foto 10: Oberths Abhandlung  »Drachenkraftwerk«.
Fußnoten
1) Heinrich, Martin: »Jakobs Himmelsleiter war ein Weltraumlift«, 
Hanau 2012. Mir liegt das eBook der interessanten Publikation vor.
2) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum/ Neue Projekte 

für Raketen- und Raumfahrt«, 4. Auflage, Düsseldorf 1963
3) ebenda, S. 198
4) ebenda, S. 201
5) Oberth, Hermann: »Das Drachenkraftwerk/ Neue Vorschläge 

für Windkraftwerke, die von prallgefüllten drachenähnlichen 
Ballons getragen werden als Alternative zu luftverschmutzenden – und Atomkraftwerken«, Feucht o.J. (Foto 8)

Zu den Fotos:
Foto 1: Jakob in einem Gemälde von Rembrandt.
Foto 2: Jakobs Leiter, mittelalterliche Bibelillustration.
Foto 3: Im Gespräch mit Prof. Hermann Oberth, März 1983.
Fotos 4 und 5:  Jakobs Himmelsleiter.  Kupferstich von Martin Tyroff nach Johann Melchior 1731
Foto 6: Oberths Menschen im Weltraum.
Foto 7: Handschriftliche Widmung Oberths für den Verfasser.
Foto 8: Oberths Abhandlung zum »Drachenkraftwerk«.
Fotos 8 und 9: Bibel Illustration um 1875.
Foto 10: Oberths Abhandlung zum »Drachenkraftwerk«.

415 »Wie schaurig ist dieses Stätte!«,
Teil  415 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 31.12.2017



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