Sonntag, 15. Juni 2014

230 »Adam und Eva auf der Osterinsel«

»Das Paradiestor und seine Sphingen, Teil 5«,
Teil 230 der Serie

»Monstermauern, Mumien und Mysterien«

von Walter-Jörg Langbein


Das Kirchlein der Osterinsel. Foto: Walter-Jörg Langbein

Der Kontakt mit der christlich-zivilisierten Welt erwies sich für die Osterinsulaner als ganz und gar nicht segensreich. Durch eingeschleppte Krankheiten kam es auf dem einst paradiesischen Eiland in der Südsee zu Epidemien, der im 19. Jahrhundert fast die gesamte Bevölkerung zum Opfer fiel. Nur ein Bruchteil der ursprünglichen sakralen Mythologie blieb erhalten. Schwer zu entscheiden ist, was echte Osterinsel-Mythologie ist und was erst nach der Christianisierung an Glaubensgut entstand.

Im Zentrum der Osterinseltheologie standen Götter wie Make-Make, der ein Schöpfer von Leben gewesen sein muss. Make-Makes erste Kreation war – so heißt es im Mythos »Make-Make, der Schöpfer der Welt« (1) ein monströses Mischwesen: eine Kombination aus Make-Make und einem Vogelwesen mit Schnabel, Flügeln und Federn. Dieses Monster könnte so ausgesehen haben wie eines der Mischwesen vom Paradiestor am Dom zu Paderborn.

Make-Make in Stein graviert. Foto: Walter-Jörg Langbein

So ganz zufrieden war Make-Make mit dem Ergebnis dieses Experiments nicht. Er probierte weiter. Im dritten Anlauf (2) »befruchtete Make-Make das Loch eines Steines, in dem rote Erde war. Er mischte seinen Samen und die Erde und formte so den ersten Menschen.«

Als ich mit einem der örtlichen Geistlichen in der kleinen Kirche der Osterinsel über diese alte Überlieferung diskutierte, löste ich eine heftige Reaktion aus. Der Gottesmann war sichtlich empört und wetterte drauf los: »So ein sündiger Text zeigt doch, wie verderbt diese gottlosen Texte sind! Gott schafft durch das Wort. Er hat es nicht nötig, rote Erde mit seinem Samen zu verarbeiten und daraus einen Menschen, sozusagen Adam, zu fabrizieren!« Auf die erste Kreation des Gottes, das Mischwesen aus Make-Make und Vogel, wollte er auf gar keinen Fall eingehen. Dabei wimmelt es im Kirchlein auf der Osterinsel förmlich von Darstellungen von Mischwesen, die sehr wohl das erste Werk Make-Makes, ein Mischwesen mit den Zügen eines menschenähnlichen Gottes und eines Vogels, zeigen können.

Mischwesen Mensch-Gott-Vogel in der Kirche.
Foto W-J.Langbein

Mit seinem »Adam« war Make-Make zufrieden (3), »da der Mensch, den er eben geformt hatte, ihm ähnlich war und sprechen und denken konnte«. Die Parallelen zur biblischen Genesis sind offensichtlich: Der namenlose »Adam« der Osterinsel wird aus roter Erde geformt, der biblische Adam ebenso (4): »Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.«

Schon bei der Erschaffung des »Adams« der Osterinsel wird die Anlehnung an den Text der Genesis deutlich. Das gilt auch für die Erschaffung der ersten Frau nach der Osterinselmythologie. Lesen wir zunächst im »Alten Testament«:

Bibelillustration aus dem 15. Jahrhundert.
Foto Archiv W-J.Langbein

»Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre.

Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch.

Und Gott der Herr baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.

Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist.«

Adam und Eva am
Adam-und-Eva-Haus,
Höxter, Foto W-J.Langbein
In der Osterinselmythologie bleibt die erste Frau – wie der erste Mann – namenlos (6): »Nach einiger Zeit bemerkte er (Make-Make), dass … der von ihm geformte Mensch sich langweilte und sich einsam fühlte. Dies deuchte ihm nicht gut. Er schläferte ihn ein, legte sich zu ihm und befruchtete seine linke Rippe, so die Frau erschaffend.«

Auch die Schilderung der Erschaffung der ersten Frau durch Make-Make löste beim sittenstrengen christlichen Priester helle Empörung aus. Gott, so schrie er schließlich, sei kein sexuelles Wesen und schwängere weder Rippen noch rote Erde. Als ich gar nach dem ersten von Make-Make geschaffenen Wesen fragte, rastete der Gottesmann völlig aus: »Gott schuf Adam und Eva als erste Menschen und kein Monster vorher! Das ist eine heidnische Erfindung, um die Menschen in die Irre zu führen!« Woher er das denn so genau wisse? »So steht es in der Bibel! Im Schöpfungsbericht! Halten Sie sich an den Schöpfungsbericht und vergessen Sie diesen heidnischen Unglauben!«

Der Geistliche war inzwischen so von Zorn erfüllt, dass an eine Fortführung unseres Gesprächs vor dem Kirchlein der Osterinsel nicht zu denken war. Ob der Priester wusste, dass laut christlicher Bibel Gott erst eine göttliche Konkurrentin beseitigen musste, bevor er sich ans eigentliche Werk der Schöpfung machen konnte?

Versteckt – und selbst Theologen oft unbekannt – im »Alten Testament« findet sich aber ein anderer Anfang der Geschichte von Gott. Bevor Gott mit der Schöpfung beginnen konnte musste er erst Rahab besiegen (7): »Durch seine Kraft hat er das Meer erregt, und durch seine Einsicht hat er Rahab zerschmettert.« 

Gott hat, noch bevor er mit seiner Schöpfung begann, das Meer aufgewühlt und Rahab getötet. Vor dem Beginn der biblischen Geschichte von Gott, wie sie das Alte Testament erzählt, war also Rahab. Wer oder was aber war Rahab? Diverse Lutherausgaben der Bibel erklären in Fußnoten, Rahab sei »der Drache der Urzeit« gewesen. Und in der Tat: der Prophet Jesaja umschreibt Rahab als Drachen. Jesaja appelliert an Gott (8): »Wach auf, wach auf, zieh’ Macht an, du Arm des Herrn! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt! Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen durchbohrt hat?«

Adam und Eva in der kleinen Wehrkirche von Urschalling.
Foto: Walter-Jörg Langbein

Bevor der Gott des Alten Testaments mit der eigentlichen Schöpfung anfangen konnte, musste er erst einmal den »Drachen« Rahab töten. Rahab existierte also schon bereits vor der Schöpfung. Verschweigt uns die Bibel da etwas? Der Schlüssel zum Geheimnis um Rahab findet sich gleich zu Beginn des Alten Testaments, allerdings muss man den Text gründlich im hebräischen Original untersuchen. In der Übersetzung heißt es wenig aussagekräftig (1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 2): »Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe.«. Übersetzt man das hebräische Original wörtlich, lautet der zweite Teil des Verses: »Finsternis lag auf dem Antlitz von Tehom.« Tehom aber lässt sich auf uralte babylonische Mythologie zurückführen: auf die babylonische Gottheit Tiamat, die auch als Meeresdrachen bezeichnet wird. Ursprünglich aber war Tiamat die Meeresgöttin.

Die biblische Geschichte vom Kampf Gottes gegen Rahab ist eine Kopie einer älteren Vorlage. Das Original steht in der babylonischen Geschichte von Gott: Schöpfergott Marduk muss erst Tiamat besiegen, damit er den Kosmos erschaffen kann. Jahwe, der biblische Gott, entspricht dem babylonischen Gott Marduk, Rahab ist die hebräische Variante der babylonischen Meeresgöttin Tiamat. In Rahab lebt also die Göttin des Meeres weiter. Das Alte Testament verdrängt weitestgehend die Erinnerung an die Göttin, die vor Jahwe geherrscht haben muss. Im biblischen Text wird aus der Göttin ein böser Drache, der von Jahwe zerhackt wird. Auf diese drastische Weise beschreibt der unbekannte Textautor die Verdrängung des Matriarchats durch das Patriarchat. Dass allerdings noch zu biblischen Zeiten, und das trotz Androhung der Todesstrafe, weiterhin Göttinnen verehrt und angebetet wurden, steht auf einem anderen Blatt!

»Jesus«-Statue in der Osterinsel-Kirche.
Foto: Walter-Jörg Langbein

Auf der Osterinsel erinnern geheimnisvolle Steinzeichnungen noch an das Mensch-Gott-Vogel- Mischwesen, das Make-Make erschaffen haben soll. Wer das kleine christliche Gotteshaus der Osterinsel besucht, kann seltsame Darstellungen finden. An allen Ecken und Enden begegnet uns die »heidnische« Mythologie, die mehr oder minder dezent verchristianisiert wurde. Der mysteriös-legendäre Vogelmensch, dessen ursprüngliche Bedeutung längst in Vergessenheit geraten ist, findet sich als »Heiliger Geist« auf dem Haupt eines grimmig dreinblickenden Jesus. Der unbekannte Künstler ließ Gesichtszüge von Make-Make in die Holzstatuette einfließen. Wer die Jesus-Figur in der Kirche genauer betrachtet, erkennt die starr dreinblickenden Glotzaugen von Make-Make wieder, die so häufig in Brocken von Vulkangestein eingraviert worden sind.

Oft fand ich nur die stilisierten Augen Make-Makes in den porösen Stein geritzt, kaum noch zu erkennen, im Lauf der Jahrhunderte stark verwittert. Auch in den Schriftzeichen der Osterinselschrift entdeckt man monströse Mischwesen. Leider konnte bis heute, allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz, die Schriftzeichen der Osterinsel nicht entziffert werden. Unzählige Schrifttafeln aus Holz wurden im Rahmen der Christianisierung als Teufelszeug verbrannt. Wie viele in Verstecken erhalten geblieben sind, wir wissen es nicht. Wie viele Schrifttafeln in Depots kleiner Museen oder in Privatsammlungen exzentrischer Millionäre ruhen mögen, wir wissen es auch nicht. Wir wissen aber, dass durch die Christianisierung uraltes Glaubensgut der Osterinsulaner gezielt verdrängt wurde. Nur noch einzelne Sätze in der Ursprache der Osterinsel sind erhalten geblieben, die heute nicht mehr übersetzt werden können.

Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein

So soll Make-Make zu Adam und Eva der Osterinsel gesagt haben: »Vivinavivina hakapiro e ahue.« Was diese in unseren Ohren wohlklingenden Worte einst bedeutet haben? Sie können leider nicht mehr übersetzt werden…. Erhalten sind lediglich seltsame Gravuren und Schnitzwerk aus alten Zeiten, so wie am Paradiestor des Doms zu Paderborn eingravierte Mischwesen aus uralten Mythen zu finden sind, die wahrlich alles andere als »christlichen« Ursprung haben. Wenn aber in christlicher Kunst »heidnisches« Gedankengut weiter lebt, was hat das zu bedeuten? Dass uralte »heidnische« Überlieferungen so stark waren, dass sie nicht einfach verboten werden konnten. Was im Gedächtnis der missionierten Völker fest verankert war, wurde manchmal christianisiert und in den Volksglauben integriert! Das geschah in Paderborn ebenso wie auf der Osterinsel.



Fußnoten

1) Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, S. 27
2) ebenda
3) ebenda, S. 28
4) 1. Buch Mose, Kapitel 2, Vers 7
5) 1. Buch Mose, Kapitel 2, Verse 20-24
6) Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, S. 27
7) Hiob Kapitel 26, Vers 12
8) Jesaja Kapitel 51, Vers 9

»Bibel, Götter, Monsterwesen«,
Teil 231 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 22.06.2014

Sonntag, 8. Juni 2014

229 »Monster aus Stein«



»Das Paradiestor und seine Sphingen Teil 4«, 
Teil 229 der Serie 
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                          
von Walter-Jörg Langbein



Kreaturen aus der Hölle? Foto Walter-Jörg Langbein

Ich stehe am »Paradiestor« des Doms zu Paderborn und fotografiere. Ein Geistlicher im Talar bleibt grüßend stehen. »Warum interessieren Sie sich denn für dieses Eselchen?«, fragt er und schreitet weiter. »Ein Eselchen ist das nicht…«, widerspreche ich höflich. »Es hat Flügel! Und die Füße passen auch nicht…« Der Gottesmann kehrt um. »Sie haben recht! Ein Esel ist das nicht! Das Tier hat Pfoten wie eine Großkatze…« Kopfschüttelnd betrachtet der Geistliche den steinernen Fries. »Drei von diesen merkwürdigen Tieren… nebeneinander. Zwei erinnern an Mischungen aus Esel, Großkatze und Engel…« Er deutet auf das dritte Wesen. »Schade, dass diese Kreatur so stark beschädigt ist! Es könnte ein gehörnter Stier sein, aber mit Flügeln….« 

Auf ein weiterführendes Gespräch will der Kleriker sich nicht einlassen. »Das sind teuflische Kreaturen der Hölle!«, zischt er förmlich, die Hände abwehrend in Richtung Fries ausgestreckt. »Oben stehen die Heiligen, zu ihren Füßen kriechen die gottlosen Tiere… in der Hölle!«

Im Land der Pyramiden, im mysteriösen Reich am Nil, wurden vor mindestens fünf Jahrtausenden geheimnisvolle Fabelwesen in Form von Plastiken dargestellt, zum Beispiel Löwe-Mensch-Wesen. Mischwesen tummeln sich in nicht zu überschauender Anzahl auch im Ägyptischen Museum von Kairo. Letztlich wurden da alle Arten von Tieren miteinander kombiniert und mit teilweise menschlichen Merkmalen versehen. Diese kuriosen Fabelwesen gehören zu den »main attractions«, zu den »Hauptattraktionen« Ägyptens. Eines davon steht unweit von den großen Pyramiden: die oder der Sphinx.

Wir wissen nicht wirklich, wie alt die Sphinx im Schatten der Cheopspyramide ist. Unklar ist auch, wie sie ursprünglich ausgesehen hat. Hatte das Mischwesen einst das Haupt eines Löwen? Wurde das menschliche Haupt erst später modelliert? Es fällt auf, dass der Kopf der Sphinx von den Proportionen her zu klein ist. Sah er ursprünglich ganz anders aus, war er ursprünglich größer? Wurde er kleiner, weil er ummodelliert wurde, sprich neue Konturen verpasst bekam?

Verwandt mit der Sphinx... die Lamien.
Foto Archiv W-J.Langbein

Sphinxartig sind die Lamien, die in verschiedenen Varianten in Griechenland bekannt waren. Stets haben sie den Leib eines Tieres, zum Beispiel pferdeartig, aber mit gespaltenen Hufen an den Hinterbeinen und Klauen an den Vorderbeinen. Engelsgleich soll ihr weibliches Gesicht gewesen sein, passend zu den besonders ansehnlichen Brüsten. Manche Lamien scheinen menschenähnlich gewesen zu sein: attraktive Vampirinnen, die ihren Männern nächtens das Blut aus den Adern saugten.

Bartholomaeus Anglicus ( ca. 1190 bis ca. 1250), franziskanischer Scholastiker und früher Enzyklopädist, verfasste das Sammelwerk »De Proprietatibus rerum«. Er kennt Lamien als »Tiere mit Menschengestalt und Pferdefüßen«.

Manche Lamien scheinen Zwitter gewesen zu sein. In historischen Darstellungen haben sie gelegentlich weibliche wie männliche Geschlechtsattribute.
Lamien haben durchaus etwas Sphinxartiges. Denken wir an Sphinx, kommt uns die ägyptische Sphinx auf dem Pyramidenplateau in den Sinn. Im griechischen Kulturbereich gab es interessante Sphinx-Varianten: 

·        Die Sphinx als ein Löwe mit Flügeln und dem Kopf einer Frau,
·       die Sphinx als Frau mit ausgeprägten Brüsten und den Tatzen einer Löwin
·       und die Sphinx als Mischwesen mit einem Schlangenschwanz und  Vogelflügeln.
Aus dem griechischen Kulturraum stammt auch ein anderer Klassiker der monströsen Art, die Harpyie. Schon Homer hat sie beschrieben,  Hesoid kannte sie auch. Harpyien setzten einst in den legendären Berichten über die Argonauten dem blinden König Phineus zu. Sie rauben sein Essen oder machen es zumindest für den menschlichen Verzehr ungenießbar. Die Harpyie war ein monsterhaftes Mischwesen, hatte den Leib eines Vogels, meist eines Adlers, und das Haupt einer Frau.

Wen es ins »British Museum« verschlägt bekommt mit einigem Glück einen Fries eines Denkmals aus Xanthos in Lykien zu Gesicht. Es zeigt Harpyien, die der Kreatur vom Nürnberger Stadtwappen recht ähnlich sind.

Eine Kreatur aus der Familie der Harpyien.
Foto Archiv W-J.Langbein

Heute neigen Wissenschaftler dazu, derlei Kreaturen als reine Hirngespinste oder »symbolisch gemeinte Darstellungen«  abzutun. Die mit reichlich Phantasie ausgestatteten Dichter sollen einfach unterschiedliche Tiere mit Menschen kombiniert haben, um ganz außergewöhnliche Wesen zu erschaffen, die in sich ganz unterschiedliche Fähigkeiten vereinten. Aber waren diese mysteriösen Wesen wirklich nur Produkte der menschlichen Erfindungsgabe?

Warum hört man nicht auf die antiken Historiker, die sich ganz konkret zu den monströsen Schöpfungen äußern? Historiker Eusebius zum Beispiel lässt auch nicht den geringsten Zweifel aufkommen: Monströse Mischwesen, Geschöpfe der Götter, hat es ganz real und in Fleisch und Blut gegeben: 

»Menschen mit Schenkeln von Ziegen und Hörnern am Kopfe, noch andere, pferdefüßige, und andere von Pferdegestalt an der Hinterseite und Menschengestalt an der Vorderseite. Erzeugt hätten sie (die Götter, Ergänzung des Autors) auch Stiere, menschenköpfige, und Hunde, vierleibige, deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückseits an den Hinterteilen hervorliefen, auch Pferde mit Hundeköpfen...sowie andere Ungeheuer, pferdeköpfige und menschenleibige und nach Art der Fische beschwänzte, dazu weiter auch allerlei drachenförmige Unwesen und Fische und Reptilien und Schlangen und eine Menge von Wunderwesen, mannigfaltig gearteten und untereinander verschieden geformten.«

»Die Chronik« des Eusebius sei jedem Zeitgenossen wärmstens empfohlen, der sich für die Epochen unserer Historie interessiert, die auch heute noch von der Schulwissenschaft tabuisiert werden. Die Entwicklung der heutigen Menschheit hat linear zu erfolgen. Von der Amöbe bis zum Jetztmenschen ging es angeblich immer nur aufwärts. Sehr frühe Hochkulturen, die in Kataklysmen vor Ewigkeiten ausgelöscht wurden, haben in der offiziellen Geschichtsschreibung keinen Platz.

Die mysteriöse Harpyie fand auf geheimnisvolle Weise und aus unerfindlichen Gründen ihren Weg ins große Stadtwappen der Stadt Nürnberg. Monsterhafte Wesen fanden ihren Weg aber auch nach Paderborn, wo sie am »Paradiestor« mit bestechender Detailfreude in den Stein graviert wurden: als eine endlose Kette von Vogel Greifen, die gen Himmel steigen und wieder vom Himmel herab kommen, als merkwürdige Mischwesen mit Leibern von nicht immer definierbaren Vierbeinern mit Gesichtern oder Köpfen von Menschen. »Stiere, menschenköpfige« wurden laut Eusebius von den Göttern erzeugt. Solche Kreaturen haben unbekannte Künstler vor vielen Jahrhunderten am Paradiestor zu Paderborn im Stein verewigt. Woher hatten sie ihr Wissen? Entsprang es der Phantasie?


Ein Monsterwesen von Paderborn... Rechtes Foto:
Vergrößerung der »Kopfpartie«, Fotos W-J.Langbein

Wie kommt es, dass Kreaturen ganz ähnlicher »Machart« am Fries des Doms zu Paderborn verewigt wurden? Die mysteriösen Darstellungen in Stein sollten endlich einmalgründlich untersucht werden. Es lohnt sich, einmal zu recherchieren, wo es ähnliche Darstellungen gibt. Am Münster zu Freiburg gibt es ebenso Mischwesen in Stein. Da kämpfen Kentauren – Mensch/Pferd-Mischwesen gegen Menschen. Da begegnen wir einem weiteren Mischwesen, dem Vogel Greif. Alexander der Große tritt eine Himmelsreise an, in die Lüfte emporgehoben von zwei Greifen!

Überall begegnen sie uns, die Mischwesen, die laut Eusebius ein Werk der Götter waren. Hat es sie wirklich gegeben, wie der antike Historiker postuliert? Gehen alte Mythen, die sich um diese monströsen Wesen ranken, auf wahre Begebenheiten zurück? Diese Frage ist berechtigt in einer Zeit, in der sich Wissenschaftler anschicken, auf gentechnischem Wege Mischwesen zu erschaffen. Noch sind derartige Experimente stark durch Gesetze reglementiert oder gar verboten. Ich bin aber davon überzeugt, dass in geheimen Forschungslabors die Entwicklung sehr viel weiter fortgeschritten ist als wir erfahren.

Wenn Eusebius von den Monsterwesen als Kreationen der »Götter« spricht, dürfen wir dann eine kühn anmutende Spekulation wagen? Experimentierten die »Götter« in Sachen Gentechnologie? Kreierten sie Wesen, wie sie zum Beispiel im Münster von Freiburg und im Dom zu Paderborn in Stein verewigt wurden? (Zum Vergleich: Das Foto zeigt oben und unten Mischwesen von Paderborn, in der Mitte von Freiburg!)

Von oben nach unten:
Paderborn, Freiburg, Paderborn.
Fotos W-J.Langbein


Empfehlenswerte Quellen

Die Welt der Monsterwesen aus alten Zeiten wird bis heute sträflich vernachlässigt.

Wer Quellenstudium betreiben möchte, sei auf folgende Werke verwiesen. Es handelt sich dabei allerdings nur um eine bescheidene kleine Auswahl! Interessant ist, dass in uralten Enzyklopädien über das Leben monströse Fabelwesen als reale Kreaturen beschrieben werden, als Bestandteil der Gesamt-Zoologie von Planet Erde.

Albertus Magnus: De Historia Animalium, Lyon 1562
Bartholomäus, Anglicus: De Proprietatibus Rerum, London 1935
Claudius Aelanius: De Historia Animalium, Lyon 1562
Karst, Josef: Eusebius’ Werke, Band V, Die Chronik, Leipzig 1911
Kircher, Athanaius: Mundus Subterraneus, ohne Ortsangabe, 1665
Münster, Sebastian: Cosmographey, Basel 1598

Mischwesen auf einem alten Mosaik.
Privatbesitz. Foto: W-J.Langbein

»Adam und Eva von der Osterinsel«,
»Das Paradiestor und seine Sphingen Teil 5«,
Teil 230 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
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erscheint am 15.06.2014




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