Mittwoch, 17. Februar 2010

Mein Umgang mit dem Feind

»Der Künstler lebt vom Applaus«

Als Autorin freue ich mich, wenn meine Bücher gelesen werden, wenn über sie gesprochen und geschrieben wird. Auf eine für mich besondere Buchbesprechung möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, aufmerksam machen.

Vor mir liegt die aktuelle Mitgliederzeitschrift für KIMM e.V. – Informationen für Morbus Menière Betroffene, KIMM aktuell. Aufmerksam lese ich diese Zeitschrift, gleich auf Seite 3 kann ich mir ein Bild von Anna Bott, der kommissarischen Vorsitzenden machen, die mich herzlich anlacht. Ich lese den Vortrag von Dr. Helmut Schaaf, Oberarzt in der Tinnitus Klinik Dr. Hesse in Bad Arolsen und weitere Beiträge engagierte Ärzte. Um Ihre Frage gleich vorwegzunehmen: Nein, Morbus Menière ist nach wie vor nicht heilbar. Aber: Viele Auswirkungen sind in vielen Teilen ausgleichbar, beeinflussbar und viele ungünstige Faktoren angehbar.

Über die Auswirkungen der Erkrankung auf das Berufsleben berichtet eine junge Frau. Ihren Beitrag konnte ich nur abnicken, Menière verändert das Leben, die Lebensgestaltung, ist ein Karrierekiller. Dann lese ich den Beitrag einer großen Kämpferin: Inge Freifrau von dem Bussche, die für das Jahr 2010 ein Jubiläum ankündigt, 60 Jahre mit Morbus Menière.

So liebevoll und persönlich alle Beiträge gehalten sind, fällt auch die Buchbesprechung aus.

Leseproben finde ich, die häufig beschriebene Situationen von Betroffenen repräsentieren.

Der Schriftführer von KIMM, Herr Fred Knäuel, als Verfasser der Buchbesprechung, lässt zum Abschluss Textstellen einfließen, die ihn selbst persönlich berührt haben. Der für mich wichtigste Satz aber ist dieser: »Das Buch dürfte aus meiner Sicht auch/gerade für den nicht- oder nur indirekt betroffenen Leser eine exzellente Lektüre sein, die sein Verstehen von Morbus Menière bzw. den davon Betroffenen voranbringen kann

Bei keiner meiner Publikationen gehen »mein Ich« und das »lyrische-Ich« so nah beieinander, quasi Hand-in-Hand, wie in »menière desaster«. Herr Dr. Schaaf führt in seinem Vortrag Folgendes aus: »Schon, wenn man „mit Sicherheit“ wissen will, was genau den Morbus Menière ausmacht und vor allem was nicht, kommt man in Definitions- und Abgrenzungsschwierigkeiten bis hin zu der Auffassung, dass es „den Morbus Menière“ gar nicht gibt, sondern nur ein Syndrom, das nach Menière benannt ist.« und » dass es weder „die Menière Krankheit“ noch „den Menièrepatienten“ gibt«.

So können wir davon ausgehen, dass jeder Menière Betroffene sein ureigenes Schicksal hat.

Symptome der Erkrankung sind überliefert bei Julius Caesar 100 v. Chr.- 44 v. Chr., Martin Luther 1483 - 1546, Vincent van Gogh 1853 - 1890. Prosper Menière beschrieb 1861 ein Syndrom, das später nach ihm benannt wurde.

Wie gehen Betroffene mit diesem Syndrom um. Wenn ich von mir sprechen will, so war ich fast zwei Jahrzehnte ein Simulant für meine Außenwelt. Den Menière habe ich zu meinem Feind erklärt. Von Martin Luther wird berichtet, dass er der Meinung war, der Teufel wolle von ihm Besitz ergreifen. Für mich nachvollziehbar, denn begleitet wurden meine Anfälle von einem unglaublichen, Angst einflößenden Dröhnen, das nur ich hörte. So wie ich musste auch Luther gegen einen Feind kämpfen, der heimtückisch aus dem Nichts kam und wieder im Nichts verschwand. Nicht anders kann es Vincent van Gogh ergangen sein, der in meinen Augen tragischste »Bruder im Leid«. Wenn ich Berichte lese, gerade über sein klägliches Ende und lese, wie nach möglichen Erklärungen gesucht wird, berührt mich das tief. Sich während eines Menière Anfalles in die Brust zu schießen und zu hoffen, dass diese Aktion auch den gewünschten Erfolg bringt, ist aus meiner Sicht der Dinge ein Unterfangen, dem ich mich nicht ausgesetzt hätte. Es zeigt aber die Verzweiflung des Betroffenen deutlich auf. Sehen Sie, liebe Leserin und Leser, manchmal gestalten sich die Dinge anders, als sie sich uns darstellen. Betrachten Sie einfach das Wirken der Beschriebenen unter dem Aspekt, dass diese Menschen Menière Betroffene waren.

Mein Umgang mit dem Feind. Für mich war die Zeit mein Freund, sie arbeitete für mich, denn ich lebe in anderer Zeit an anderem Ort. Auch mir war klar, dass dem letzten Anfall, der mich mehr als 30 Stunden lang mit voller Wucht erfasste, kein weiterer mehr folgen durfte. Andere Zeit, anderer Ort, Vincent hat zur Waffe gegriffen, ich zur Überweisung für den Klinikaufenthalt.

Der Morbus Menière hat meine uralte Kriegerseele zum Leben erweckt. Bevor mich ein Feind vernichtet, vernichte ich ihn. Ich komme jetzt zu dem wohl spannendsten Teil meiner Ausführung. Denn die Anfälle, die zuvor im Abstand von zwei Tagen kamen, blieben plötzlich aus, während sich die ohrtoxische Substanz ihren vernichtenden Weg zu meinem Gleichgewichtsorgan bahnte. Wie ein Cyberstalker, der, wissend, dass es ihm an den Kragen geht und doch nicht über seinen kranken Schatten springen kann, stichelnd darauf lauert, dass sein Opfer doch noch einen Rückzieher macht um wieder aus dem Nichts kommend zuzuschlagen und zu verschwinden. Der Krieger in mir hat die Entscheidung getroffen, die Behandlung weiterzuführen. Der Feind saß in meinem Gleichgewichtsorgan, dort habe ich ihn vernichten lassen. Das war eine gute Entscheidung – für mich. Es war kein Pyrrhus-Sieg. Diese Entscheidung hat mir ein Mehr an Lebensqualität gebracht. Und eine gewisse Sicherheit, im Umgang mit meinen Feinden. Es musste etwas in mir sterben, damit ich wieder leben konnte.

Sylvia B. menière desaster Der Feind in meinem Innenohr
bei hugendubel    bei buecher.de 
 
Helmut Schaaf Morbus Menière bei buecher.de
 
Vielen Dank KIMM für die Buchbesprechung
 
Ich hatte einen Traum

Montag, 15. Februar 2010

Träume verwirklichen

Hat nicht ein jeder von uns, seine ganz eigenen Träume, von dem, was er im Leben noch erreichen will?

Manchmal erscheint es nahezu unmöglich, sich diesen Traum zu erfüllen. Doch der Traum bleibt bestehen, das Sehnen nach der Realisation des Traumes wird mit den Jahren immer drängender. Aber je älter wir werden, desto mehr beschleicht uns das Gefühl, dass es aussichtslos ist, diesen Traum weiter zu verfolgen. Er scheint unerreichbar, weltfremd oder einfach unbezahlbar.

Wenn wir uns aber vorstellen, diesen Traum aufzugeben, ihn einfach ad acta zu legen und die Hoffnung fahren zu lassen, dann bricht uns beinahe das Herz. Er ist es, der uns vorantreibt, der uns immer wieder neuen Aufschwung verleiht, der unserem Leben einen Sinn verleiht.

Wir rennen also weiterhin unserem ganz persönlichen Traum hinterher. Und das ist gut so! Denn Träume machen nur dann einen Sinn, wenn man sie ernst nimmt, wenn man ihnen jede freie Minute widmet, wenn man immer aufs Neue mit Einfallsreichtum an ihre Verwirklichung herangeht. Manchmal erleidet man derbe Rückschläge, oder kommt auch gar nicht von der Stelle. Aber dann gibt es diese Moment, in denen man der Erfüllung eines Traumes plötzlich ganz nahe kommt, ja womöglich sogar schon das Gefühl hat, nun wird er endlich wahr.

Jeder Traum ruft jedoch auch seine ganz eigenen Kritiker hervor. Sie sprießen wie Pilze aus dem Boden und reden unseren Traum klein, wollen ihn zu einem unwichtigen Nichts herabwürdigen. Wer jedoch an seinen Traum glaubt, der läßt sich von ihnen nicht beeinflussen, beharrt auf der Erfüllung, kämpft weiter um den Erfolg. Man muss lernen mit diesen Kritikern umzugehen, ja vielleicht auch einfach sie zu ignorieren.

Und manchmal öffnet sich ganz plötzlich und unvermutet ein Türchen des Schicksals und man entdeckt einen Weg, um den heißgeliebten Traum wahr werden zu lassen. Dann ergreifen wir unsere Chance und durchschreiten den Torbogen der unbegrenzten Möglichkeiten, treten ein in ein ganz neues Reich der Traumrealität. Hier herrscht Zufriedenheit, trotz schwerster Arbeit. Denn die wird uns zumeist für unseren Traum abgefordert. Wir investieren Zeit, Geld, und Kraft in diesen Traum, ackern Stunde um Stunde und verfolgen sein Wachstum. Denn Träume stagnieren niemals, sie wollen weiter wachsen, wollen sich entfalten, von einem kleinen Stadium in das Nächstgrößere überwechseln.
Trotz all dieser Mühen und manchmal auch geplatzten Hoffnungen, kämpfen wir weiter, ergötzen uns an den kleinen Erfolgen, hecheln nach einer Steigerung und seufzen doch am Abend zufrieden, denn all die Mühen haben sich gelohnt, wenn auch nur ein kleiner Teil unserer Wünsche, Hoffnungen und Träume Realität wurde.

Und aus diesen Gründen ist ein Traum unabdingbar nötig, um dem Leben einen tieferen Sinn zu verleihen. Selbst wenn wir es niemals schaffen unsere Träume umzusetzen, wir dürfen sie auf gar keinen Fall gänzlich aus den Augen verlieren, denn wo wäre dann noch die Hoffnung, die uns am Leben erhält?

©Sylvia Seyboth

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Maskerade des Todes
Seele im Glashaus
Katzenaugen können Herzen rauben

Meine Internetseite:http://www.sylviaseyboth.cms4people.de/

"Fotos: Dirk Paeschke, www.kostenlos-fotos.de"

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