Sonntag, 17. Januar 2016

313 »Dicke Steine«

Teil 313 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Jürgen Huthmann im Gespräch mit Dieter Bremer


In Memoriam
Jürgen Huthmann
6. Oktober 1937 – 11. Januar 2016


Foto 2:  Mauerwerk....Foto Carola Gronemann-Habenicht

Am 17. Januar 2010 – also auf den Tag genau vor sechs Jahren – erschien Teil 1 meiner Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«: »Kuelap, eine geheimnisvolle Metropole der Chachapoyas«. Sechs Jahre läuft nun »Monstermauern, Mumien und Mysterien«, Sonntag für Sonntag. 312 Folgen sind erschienen.

Wie viele Fotos mögen im Rahmen der Serie publik gemacht worden sein? Ich schätze vorsichtig:1500 Fotos. Und wie umfangreich mag das Manuskript sein, das da Sonntag für Sonnag bei »Ein Buch lesen« eingesehen werden konnte? Vorsichtig geschätzt: 1500 Seiten!

Sechs Jahre »Monstermauern, Mumien und Mysterien«… Ich schreibe gerade an Folge 313. Ursprünglich sollte es nur zehn Folgen geben, dann peilte ich 100 an. Ich denke an den Sommer 2010 zurück… Heftige Leibschmerzen peinigten mich, wurden immer schlimmer. In der Nacht wurde es unerträglich. »Du musst ins Krankenhaus…«, meine meine besorgte Frau. Da fiel mir ein, dass ich die Serienfolge für den kommenden Sonntag noch nicht fertig geschrieben hatte. Also ging ich, wankte ich in mein Büro, ließ den Rechner hochfahren. Die Schmerzen wurden schlimmer.

Foto 3: »Inkamauer auf der Osterinsel«
Meine Frau wählte »112«, schilderte meine Qualen. Ich schrieb weiter. Als schließlich zwei Sanitäter an der Haustür klingelten, war ich mit dem Text gerade fertig. Ich mailte Text und Fotos an meine Kollegin Ursula Prem. »Wer ist hier der Patient?«, fragte einer der Sanitäter. »Das bin ich…«, rief ich, immer noch am Rechner sitzend. Die beiden Sanitäter waren, gelinde gesagt, fassungslos. »Wenn Sie am PC arbeiten können, kann es ja so schlimm nicht sein!«, meinte einer. Ich gab kleinlaut zu: »Ich glaube, der Schmerz lässt nach… Vielleicht hat ja die Ablenkung geholfen, musste mich ja auf das Schreiben konzentrieren…«

Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich darauf verzichte, ins Krankenhaus geschafft zu werden. Ich fürchte, die beiden Sanitäter konnten mein Verhalten nicht verstehen. Sie dachten wohl an »blinden Alarm«. Dabei wollte ich nur – dem schlimmen Schmerz zum Trotz – nur eine Unterbrechung meiner Serie vermeiden.

Es kam auch nicht zu einer Unterbrechung. Am 29. August 2010 erschien dann Folge 33 meiner Sonntagsserie, betitelt »In der unvollendeten Grabkammer – Teil I«. Ich aber landete dann doch noch in der Nacht im »St. Ansgar Krankenhaus« zu Höxter… Gallenkolik, Gallensteine… Operation. Ich muss zugeben: Gallensteine hatte ich schon seit Jahren, sie meldeten sich immer wieder mit wachsender Schmerzhaftigkeit. Jetzt wurde ich operiert, wurde Gallenblase nebst dicken Steinen los. Die Serie, damals noch in den sprichwörtlichen »Kinderschuhen«, lief weiter, ohne Unterbrechung! Vor dem »St. Ansgar Krankenhaus«, Höxter, steht ein Kunstwerk, geschaffen von Wladimir Zlatkov: ein Engel (Fotos 3 und 13).

Foto 4: Engel vor dem Krankenhaus
Sechs Jahre »Monstermauern, Mumien und Mysterien« sind auch so etwas wie ein Spiegelbild meiner Reisen, die ich unternommen habe, um für meine Bücher vor Ort zu recherchieren. Wenn ich zurückdenke, so drängt sich mir eine Beobachtung auf, die ich im Lauf der vielen Jahre immer gemacht habe. Weltweit, so scheint es, hatten unsere Vorfahren weltweit ein ganz spezielles »Hobby«. Ob auf der Osterinsel…. ob in Ägypten: die Menschen waren offensichtlich weltweit von im wahrsten Sinne des Wortes »dicken Steinen« fasziniert.

Kürzlich schickte mir Frau Carola Gronemann-Habenicht eine Reihe von Fotos zu. Die gewaltigen Steine kamen mir sehr vertraut vor. Wo hatte ich sie gesehen? Etwa in Peru, wo in alten Städten immer noch Mauern aus der Inka- oder Vorinkazeit stehen? Einer der abgelichteten Steinmonster ließ mich an Cuzco, Peru, denken. Frau Gronemann-Habenicht hat da eine steinerne Mauer im Bild festgehalten. Jeder der Steine ist sauber zugeschnitten und bestens poliert. Im Zentrum befindet sich ein echter dicker Brocken, mehreckig, gewiss, tonnenschwer. Die ihn umgebenden Steine sind ebenfalls sauber zugeschnitten, teils größere, teils kleinere… Und alle diese Steine sind millimetergenau aufeinander abgestimmt, so dass sie exakt und fast fugenlos ineinander gefügt werden konnten.

Die von Carola Gronemann-Habenicht aufgenommene Steinmauer erinnert mich aber auch an ähnlich präzise Steinmetzarbeit, wie ich sie auf der Osterinsel gesehen habe!

Foto 5 »Ahu Tahiri«, Osterinsel
Ich glaube, es war bei meinem ersten Aufenthalt auf der Osterinsel. Von meiner kleinen Familienpension hatte mich der wohlbeleibte Fahrer in seinem gerbechlichen Vehikel zur gewaltigen Start- und Landebahn gebracht. Hier kommen die Passagierflugzeuge vom Himmel, hier starten sie wieder, hier kann sogar der Spaceshuttle eine sichere, ausreichend lange Bahn – 3333 Meter – finden. Ich bestaunte die moderne Piste… und weiter ging es, an Brennstofftanks vorbei, zum »Ahu Tahiri«.

Auf der Plattform »Ahu Tahiri« wurden einst sechs riesige Steinriesen aufgerichtet. Die Giganten kamen zu Fall. Vielleicht wurden sie in einer kriegerischen Auseinandersetzung umgestürzt, vielleicht war ein Erdbeben verantwortlich. Was aber weitestgehend noch steht, das ist eine wuchtige Steinmauer. 2,80 Meter ist sie hoch. Auch hier wurde mit äußerster Präzision gearbeitet, auch hier wurden Steinquader millimetergenau zugeschnitten und faktisch fugenlos auf- und ineinander gefügt. Mörtel kam nicht zum Einsatz.

Thor Heyerdahl sieht die frappante Ähnlichkeit zwischen »Inka-Mauerwerk« und der Mauer auf der Osterinsel als Beweis für eine Besiedlung der Osterinsel von Südamerika aus an. Schlüssig ist diese Behauptung Heyerdahls allerdings nicht. Genauso könnten ja Steinmetze der Osterinsel nach Peru ausgewandert sein, um auch dort Mauerwerk zu errichten.

Foto 6: Inka-Mauerwerk in Cuzco. Foto Willi Dünnenberger

Nun ähneln aber nicht nur die Inka-Mauern Perus dem Mauerwerk der Osterinsel (»Ahu Tahiri«). Es sieht vielmehr so aus, als wären ganz besonders »dicke Steine« das spezielle »Hobby« von sehr frühen Baumeistern in aller Welt gewesen! So fotografierte Frau Carola Gronemann-Habenicht ihre »dicken Steine« in Japan! Die Tempel von Nikko Toshogu finden sich in der Präfektur Tochigi, in der Stadt Nikko, und locken Shintoismus-Gläubige ebenso an wie Touristen aus aller Herren Länder. Shintoismus und Buddhismus ähneln einander sehr. In der göttlichen Hierarchie des Shintoismus weit oben steht die Sonnengöttin Amaterasu. Amaterasu gilt zugleich auch als die mythologische Ur-Ur-Ur-Ahnin des japanischen Kaisers. Der Shintoismus gilt als die Urreligion Japans.

Fotos 7-10
Der »Nikko Tosho-gu« ist jüngeren Datums, er soll 1617 erbaut worden sein.  Bewundert werden die »torii« (»Shinto-Tore«) und  die charakteristischen Dachkonstruktionen  der Tempel. In den Tempeln werden »heilige Gegestände« verwahrt, zum Beispiel Bronzespiegel, Juwelen und Schwerter. Als ganz besonders heilig angesehene »Objekte« (wie zum Beispiel Götterstatuen) werden oftmals  im Sanctissimum versteckt. Selbst die Priester dürfen sie nicht sehen.

Weit weniger beachtet werden allerdings die massiven Mauern, die zu den Tempelkomplexen gehören, deren Bauweise durchaus an die Osterinsel und Peru erinnert. Es kommt mir so vor, als sei das Mauerwerk sehr viel älter als die heute bewunderten Shinto-Tempel. Bekannt ist, dass die Shinto-Tempel – wie auch die »Gotteshäuser« im alten Indien – oft an Stelle älterer Kultbauten errichtet wurden. Auch christliche Kirchen hatten häufig sehr viel ältere »Vorgänger«. Und die wiederum wurden einst dort gebaut, wo zuvor heidnische Tempel standen.

Aus sehr viel älteren Zeiten sollen heilige Gegenstände stammen, die in den Tempelschreinen verwahrt werden. Von manchen sollen nicht einmal Eingeweihte wissen, wie sie aussehen und welche Funktion sie haben. Auch der eigentliche Ursprung der auch heute mit riesigem Aufwand zelebrierter Prozessionen im Frühjahr und im Herbst dürfte längst in Vergessenheit geraten sein. So eindrucksvoll wie zum Beispiel die Frühjahresprozession der Tausend Krieger auch ist, was wurde ursprünglich wirklich gefeiert? Das gilt natürlich auch für christliche Prozessionen, in denen mit katholischem Ernst Heiligen gehuldigt wird, bei denen es sich – was weitestgehend verdrängt wurde und wird – um »getaufte« heidnische Götter handelt.

Foto 11: Frühjahresprozession der Tausend Krieger

DANK

Frau Carola Gronemann-Habenicht hat mir für diesen »Jubiläumsbeitrag« meiner Blogserie vorzügliche Fotos von »dicken Steinen« aus Japan zur Verfügung gestellt. Dafür darf ich mich ganz besonders herzlich bedanken!

Foto 12: Millimeterpräzision... im japanischen Mauerwerk
Zu den Fotos:
Foto 1: Jürgen Huthmann im Gespräch mit Dieter Bremer: Foto Ingeborg Diekmann, aufgenommen am 29.2.2008 im »Cordoba«, Bremen-Vegesack
Fotos 2, 7 bis 10 und Foto 12: Carola Gronemann-Habenicht. Copyright Carola Gronemann Habenicht
Die Fotos zeigen massives Mauerwerk japanischer Tempelanlagen.
Fotos 3 bis 5: Walter-Jörg Langbein.
Foto 13: Der Engel vor dem Krankenhaus
Copyright Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Inkamauerwerk auf der Osterinsel.
Foto 4: Engel vor dem Krankenhaus, Höxter.
Foto 5: »Ahu Tahiri«, Osterinsel
Foto 6: Inka-Mauerwerk in Cuzco. Foto Willi Dünnenberger
Fotos 7-10: Japanische Monstersteine. Fotos/ Copyright Carola Gronemann-Habenicht
Foto 11: wikimedia commons public domain Fg2 NikkoSennin
Foto 12: Japanische Monsterseine. Foto/ Copyright Carola Gronemann-Habenicht
Foto 13: Der Engel vor dem Krankenhaus, Kunstwerk von Wladimir Zlatkov. Foto Walter-Jörg Langbein

314 »Landung auf Dekehtik«,
Teil 314 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 24.01.2016

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Sonntag, 10. Januar 2016

312 »Woher, wohin?«

Teil 312 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: So soll es einst auf der Osterinsel ausgesehen haben

Joe Luis Rosaco und Juan Pablo Lira beschreiben die Osterinsel als »endloses Rätsel«, als »endless enigma« (1). Und in der Tat: Je intensiver ich recherchiere, desto mehr neue Fragen ergeben sich!

Nach den ältesten Mythen der Osterinsel gab es einst in grauer Vorzeit weit im Westen Südamerikas ein paradiesisches Eiland, »Maori Nui Nui«, zu Deutsch »Groß Maori«. König Taenen Arei regierte das Reich. Groß waren seine Sorgen. Stand doch die Existenz seines gesamten Volkes auf dem Spiel! »Maori Nui Nui« würde in den Fluten des Pazifiks versinken. Hatte sein Volk überhaupt eine Chance zu überleben?
     
Schließlich übernahm Taenen Areis Sohn, Hotu Matua, die Regierungsgewalt als König. Voller Tatendrang rüstete er Expeditionen aus. Seine tüchtigsten Seefahrer sollten eine neue Heimat für das vom Untergang bedrohte Volk finden. Doch die Kundschafter kamen immer wieder zurück, ohne in den Weiten des Meeres neues Land gefunden zu haben.
    
Foto 2: In den Weiten des Pazifiks...

Im letzten Augenblick gab es himmlische Hilfe. Gott Make Make stieg vom Himmel herab, ergriff den Priester Hau Maka und verschleppte ihn  durch die Lüfte zu einem fernen, unbekannten Eiland. Make Make erklärte dem verblüfften Priester genau, wie man von seiner alten Heimat, dem vom Untergang bedrohten Atlantis der Südsee, zur neuen Insel gelangen konnte. Make Make warnte eindringlich vor gefährlichen Felsenriffen und wies auf Vulkane hin. Er zeigte dem Geistlichen eine Kuriosität: »weiches Gestein«. Es dürfte sich um noch nicht ganz erstarrte Lava gehandelt haben.

    
Schließlich wurde Hau Maka in die alte Heimat zurück gebracht. Sofort berichtete er seinem König von seinem Traum. Ein Traum musste der Flug mit dem Gott Make Make ja gewesen sein. Der König wählte sieben Seefahrer aus, die sofort zu einer Erkundungsfahrt aufbrachen. Tatsächlich fanden sie die neue Insel... nach dreißig Tagen strapaziöser Fahrt übers Meer. Nach weiteren vierzig Tagen waren die sieben Seefahrer wieder zu Hause. Der König befahl den Exodus. Die gesamte Bevölkerung von »Maori Nui Nui« siedelte um: vom Atlantis der Südsee auf die Osterinsel. Die neue Heimat wurde planmäßig erkundet und in Besitz genommen.

Foto 3: .... verloren in einem endlosen Meer....

Aber waren die Flüchtlinge von »Maori Nui Nui« wirklich die ersten Menschen auf der Osterinsel? Nach Osterinselexperte Fritz Felbermayer war das Eiland damals menschenleer (2).

Nach Admiral T. de Lapelin (3) gab es auf den Gambier-Inseln, Tuamotu-Archipel, 1800 Kilometer südöstlich von Tahiti gelegen, eine interessante Überlieferung. Auf der Insel Mangareva kam es zu einer Rebellion. Ein »Chief« – der Name wird nicht überliefert – wurde besiegt und floh. Er entkam auf zwei großen Kanus mit Männern, Frauen und Kindern. Proviant hatten sie reichlich dabei. Einer der Flüchtlinge soll später wieder nach Mangareva heimgekehrt sein. Er berichtete, dass die beiden Kanus eine Insel gefunden hätten. Der Beschreibung nach handelte es sich um die Osterinsel.

Das Eiland sei bewohnt gewesen, heißt es weiter. Die Einheimischen überfielen die Neuankömmlinge, wurden aber besiegt. Bis auf Frauen und Kinder sollen alle Insulaner erschlagen worden sein. Auf der Osterinsel versicherte man mir, das könne nur vor der Besiedelung ihrer Insel durch Hotu Matua geschehen sein.

Eine Lehrerin berichtete mir in Hanga Roa, der einzigen Siedlung auf dem Eiland, dass ihre Vorfahren beim ersten Besuch auf der Osterinsel Spuren einer früheren Besiedlung entdeckt hätten.

Foto 4: ... liegt die Osterinsel

Da habe es deutliche Überreste einer einst sehr schön angelegten Straße gegeben. Und in den »Höhenlagen« der Vulkane habe man steinerne Befestigungsanlagen früherer Bewohner gefunden. (4) Diese Befestigungsanlagen sollen sich auf einem der beiden Hügel befunden haben, die am Strand der Anakena-Buch liegen. Meines Wissens ist davon heute nichts – mehr? – zu sehen. Einer der beiden Hügel soll – von wem auch immer – oben künstlich abgeflacht worden sein. Wurden auf diesem Hügel einst Posten aufgestellt, die aufs Meerhinaus starren mussten, um frühzeitig Neuankömmlinge zu entdecken?

Viele Fragen in Sachen Osterinsel beginnen mit dem Wort »woher«. Woher kamen die ersten Bewohner der Osterinsel? Vermutlich gab es mehrere Wellen von Einwanderungen. Unbestreitbar ist der starke Anteil an polynesischen Vorfahren der Osterinsulaner. Woher stammt der osterinsulanische »Vogelmensch-Kult«? Wir verstehen diesen Kult bis heute nicht wirklich. Steingravuren auf der Osterinsel zeigen den Vogelmenschen als eine Art Mischwesen aus Mensch und Vogel.

Auf zahlreichen Steingravuren, die meist im Lauf der Jahrhunderte schon sehr stark verwittert sind, scheint sich der Vogelmensch kopfüber mit vorgestreckten Armen nach unten zu stürzen. Von wo nach wo springt er da? Vom Himmel zur Erde?

Foto 5: Vogelmenschkult Osterinsel
Auf den Solomon-Inseln gab es offenbar auch einen Vogelmensch-Kult. Offenbar wurde da der Fregattvogel mit menschlichen Merkmalen versehen. Die Vogel-Menschen der Osterinsel ähneln nun sehr jenen von den Solomon-Inseln.

Vermutlich kamen die Fregatt-Vogel-Mensch-Mischungen von den Solomon-Inseln zur Osterinsel.

Dort wandte man sich nach und nach einer Seeschwalbenart zu, da es auf der Osterinsel an Fregattvögeln mangelte. Unverkennbar ist der für Fregatt-Vögel typische »Hakenschnabel« auf der Osterinsel. Fregattvögel aber waren und sind auf der Osterinsel unbekannt.

Woher kam der Vogelmensch-Kult? Und was hat er wirklich zu bedeuten? Geht es um Fruchtbarkeitsriten, um Zeremonien zum Erhalt des Lebens? Im Kult der Osterinsel galt es, das erste Ei einer Rußseeschwalbe von einer der Osterinsel vorgelagerten Miniaturinsel heil zur Osterinsel zu bringen. Wurde auf diese Weise die Rückkehr des Lebens auf das Eiland zelebriert, ja beschworen?

Viele »Woher-Fragen« stellen sich zur alten Osterinselkultur. Wichtiger aber scheint mir die Frage nach dem Wohin zu sein! Wohin wird sich die heutige Osterinsel-Kultur entwickeln? Schon seit vielen Jahrzehnten versucht man sich von der Vorherrschaft durch Chile zu befreien. Fast klammheimlich kehrt der alte Kult um den »Vogelmenschen« wieder. Darstellungen von Vogelmenschen finden sich heute wieder in der christlichen Kirche der Osterinsel, auf Heiligenfiguren geschnitzt, aber auch auf Rückseiten von Grabsteinen.

Fotos 6 und 7: Mysteriöser Kult
Im Verlauf der rund dreißig Jahre, die ich die Osterinsel immer wieder aufsuchte, erkannte ich ein Erstarken der Bewegung »Zurück zu den Wurzeln«-Bewegung. Leider wurden unzählige der Schrifttäfelchen der Osterinsulaner von übereifrigen Missionaren gesucht und vernichtet. Leider wurde die Muttersprache »Rapanui« der Osterinsel viele Jahrzehnte verboten. Erst seit 1975 darf »Rapanui« wieder in der Schule gelehrt und gelernt werden. 1984 schließlich wurde »Rapanui« sogar zum Pflichtfach. Und die örtliche Folklore, lange Zeit von Missionaren als »Teufelswerk« verdammt, wird seither wieder an der Schule unterrichtet.

Für Sebastian Englert, 1964 mit dem »Bundesverdienstkreuz 1. Klasse« geehrt, hatte ausschließlich die Missionierung der Osterinsulaner Bedeutung. Das unsägliche Leid, das den Menschen durch Vertreter der »zivilisierten Welt« zugefügt wurde, scheint ihn überhaupt nicht interessiert zu haben. Er sah seine Aufgabe wohl ausschließlich darin, die »Heiden« zu Christen zu machen. Dass die Rapa Nui ohne Rechte als Fremde in der Heimat lebten, unfrei hinter Stacheldraht hausend, das war für den eifrigen Missionar ohne Belang, ohne Bedeutung.

Foto 8: Heutige Osterinselkunst
Wohin geht der Weg der Osterinsulaner? Zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus wächst der Wunsch der Menschen der Isla la Pascua, wieder eine eigene Kultur zu entwickeln, die eigenen Wurzeln wieder zu entdecken. Heutige Rapanui-Künstler schaffen wieder Werke mit den uralten Motiven ihrer Heimatinsel. Im Zentrum steht der Vogelmensch aus dem alten Kult. Auch Make-Make-Motive fließen in die moderne Kunst wieder ein. Rapanui lebt!

Der Weg zur Eigenständigkeit ist noch ein weiter. Wird die Unabhängigkeit je verwirklicht werden können?

Fußnoten

1) Rosasco, Jose Luis und Lira, Juan Pablo: »Easter Island/ The Endless Enigma«, Santiago 1991
2) Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971. »Die sieben Seefahrer«, S. 16-18
 3) »Revue Maritime et Coloniale«, Band XXXV, S. 108, 1872 erschienen (nähere Quellenangaben liegen mir leider nicht mehr vor!)
4) Leider ließen sich diese vagen Angaben nicht weiter verifizieren.

Empfehlenswerte Literatur zum Themenkomplex »Osterinsel«
(eine Auswahl!):


Foto 9: Moderne Kunst...
Bacon, Edward (Herausgeber): »Versunkene Kulturen/ Geheimnis und Rätsel früher Welten«, Volksausgabe, München 1970
Bahn, Paul und Flenley, John: »Easter Island, Earth Island/ A message from our past for the future of our planet«, London 1992
Barthel, Thomas S. et al.: »1500 Jahre Kultur der Osterinsel/ Schätze aus dem Land des Hotu Matua/ Ausstellungskatalog«, Mainz 1989
Berg, Eberhard: »Zwischen den Welten/ Anthropologie der Aufklärung und das Werk Georg Forsters«, Berlin 1982 (Die Osterinsel: »Verschiedene Grade von Cultur« S. 99-101)
Blumrich, Josef F.: »Kasskara und die sieben Welten«, Wien 1979
Brown, John Macmillan: »The Riddle of the Pacific«, Honolulu, Hawaii, Nachdruck 1996
Diamond, Jared: »Kollaps/ Warum Gesellschaften überleben oder untergehen«, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt 2011 (Teil 2/ Kapitel 2: »Schatten über der Osterinsel, S. 103-154)
Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971
Francé-Harrar, Annie: »Südsee/ Korallen – Urwald – Menschenfresser«, Berlin 1928. (»Osterinsel« S. 143-152)
Gray, Randal: »Lost Worlds«, London 1981. (»Osterinsel« S. 44-55)
Heyerdahl, Thor: »Aku-Aku/ Das Geheimnis der Osterinsel«, Berlin 1972
Lee, Georgia: »The Rock Art of Easter Island/ Symbols of Power, Prayers to the Gods«, Los Angeles 1992
Machowski, Jacek: »Insel der Geheimnisse/ Die Entdeckung und Erforschung der Osterinsel«, Leipzig 1968
Fotos 10 und 11: Alte Kunst....
Mann, Peggy: »Land of  Mysteries«, New York 1976
Métraux, Alfred: »Ethnology of Easter Island«, Honolulu, Hawaii, 1971
Orliac, Catherine und Michel: »Mysteries of  Easterisland«, London 1995
Petersen, Richard: »The Lost Cities of Cibola«, Phoenix 1985 (»Island of Mystery«, chapter 10, pages 219 fff.)
Richter-Ushanas, Egbert: »Die Schrifttafeln der Osterinsel in der Lesung Metoros und Ure Vaeikos«, Bremen 2000
Rosasco, Jose Luis und Lira, Juan Pablo: »Easter Island/ The Endless Enigma«, Santiago 1991
Routledge, Katherine: »The Mystery of  Easter Island«, 1919, Nachdruck, Kempton 1998
Krendeljow/ Kondratow: »Die Geheimnisse der Osterinsel«, 2. Auflage, Moskau und Leipzig 1990
Winkel, Karl zum: »Köpfe, Schlangen, Pyramiden in Lateinamerika/ Alte Kulturen von Mexiko bis zur Osterinsel«, Heidelberg 2001



Fotos 12 (oben) und 13 (unten)



Zu den Fotos:
Foto 1: »So soll es einst auf der Osterinsel ausgesehen haben«, wikimedia commons Rod6807
Fotos 2 bis 11: Walter-Jörg Langbein
Zeichnungen zur Verdeutlichung: Walter-Jörg Langbein
Foto 12: Walter-Jörg Langbein
Foto 13: Zeichnerische Rekonstruktion. Archiv Walter-Jörg Langbein
(Siehe auch Fotos 6 und 7)




313 »Dicke Steine«
Teil 313 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 17.01.2016


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