Sonntag, 18. November 2018

461 »Acht Drachen mit geringeltem Hinterleib«

Teil 461 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Die Abdinghofkirche von Paderborn

Stündlich fährt eine S-Bahn von Hannover über Hameln, Bad Pyrmont, Lügde und Altenbeken direkt nach Paderborn. Die S5 fährt – Stand Herbst 2018 – von Gleis 1 fünf Minuten zur vollen Stunde (4 Uhr 55 bis 21 Uhr 55) und erreicht ihr Ziel nach einer Fahrzeit von 1 Stunde und 51 Minuten. Wer gut zu Fuß ist, kann vom Hauptbahnhof den Marsch zum Dom antreten. Wer es gern etwas bequemer hat, nimmt sich ein Taxi und lässt sich zur Abdinghofkirche, direkt beim Dom gelegen, kutschieren.

Der Name »Abdinghofkirche« entstand erst im 13. Jahrhundert und lässt sich vom lateinischen »curia abbatis«, »Hof des Abts«, herleiten. Der »Abdinghof« war also der »Hof des Abts«. Mit anderen Worten: Die Ländereien gehörten dem Abt.

Foto 2: Bischof Meinwerk
Der Legende nach geht die Gründung der doppeltürmigen Abdinghofkirche auf Bischof Meinwerk von Paderborn (*um 975; †1036) zurück. Angeblich plante der Kleriker Großes. Vier bedeutende Kirchen im Stadtgebiet von Paderborn sollten die Eckpunkte eines riesigen Kreuzes ergeben. Den Mittelpunkt sollte im Zentrum der Dom markieren. An den vier Enden des Kreuzes sollten vier Klöster stehen. Allerdings kam es nur zur Gründung von zwei der vier geplanten Klöster: »St.Peter und Paul« (Abdinghofkirche) im Westen und das Kanonikerstift »St. Peter und Andreas« (Busdorfkirche/ Foto 3) im Osten. Angeblich wollte Bischof Meinwerk in seiner Stadt den »christlichen Erdkreis« darstellen.

Neuere archäologische Ausgrabungen (Foto 4) allerdings widerlegen die fromme Legende, Bischof Meinwerk habe den Grundstein des Abdinghofklosters gelegt. Nach aktuellem Kenntnisstand dürfte das Kloster erst einige Jahrzehnte nach Bischof Meinwerks Tod gegründet worden sein.

Die Geschichte des Abdinghofklosters weist Höhen und Tiefen auf. Fast ein Jahrtausend Geschichte könnten Bände füllen. Drei Spotlights sollen etwas Licht ins Dunkel der Vergangenheit bringen. Als menschenverachtende Periode muss die Zeit der Hexenprozesse bezeichnet werden. Der Hexenwahn wütete auch im Umfeld des Abdinghofklosters. Nüchtern stellt »historicum.net« fest (1): »Zwischen circa 1510 und 1702 sind Hexenprozesse gegen 260 Personen nachweisbar. Sie endeten in mindestens 204 Fällen mit der Hinrichtung oder dem Tod in der Haft, in 18 Fällen mit der Freilassung, der Ausgang der restlichen Verfahren ist unklar. 

Der Anteil der Frauen liegt bei rund 70 %. Kinder wurden nur vereinzelt angeklagt.« Besonders unrühmlich tat sich aus heutiger Sicht der Paderborner Theologieprofessor Bernhard Löper in den Jahren zwischen 1656 und 1659 hervor. Der Exorzist löste eine wahre Hexenjagd aus, um seine persönlichen Gegner zu bekämpfen (2).

Foto 3: Die Busdorfkirche von Paderborn

Anno 1803 wurde die Abdinghof-Abtei im Rahmen der Säkularisation aufgelöst. In den altehrwürdigen Klostergebäuden wirkten von nun an keine frommen Mönche mehr. Die Räumlichkeiten dienten dem preußischen Infanterie Regiment »Friedrich von Hessen« als Kaserne. Anno 1806 zog das Regiment ab, napoleonische Truppen rückten nach und verwandelten die Kirche in ein Futtermagazin und Pferdestall. 

Anno 1945 wurden die Abdinghofkirche und das Abdinghofkloster massiv von den Verbänden der »USAAF« bombardiert. Militärische Bedeutung hatten diese Ziele nicht. Uraltes Kulturgut wurde gezielt bombardiert. Hitlers »Deutsches Reich« war längst besiegt, als am 22. und 27. März 1945 eine Luftmine und Brandbomben Abdinghofkirche und Abdinghofkloster trafen und die sakralen Gebäude weitestgehend zerstörten.

Foto 4: Hier (Pfeile) haben Archäologen gegraben.

Die einstigen Klostergebäude aber extrem verwüstet und mussten 1952 abgerissen werden. Am 8. Mai 1945 endete der Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs. Das Bombardement von Paderborn hatte Ende des Krieges keine Berechtigung mehr. »Die Welt« urteilt (3): »Zu dieser Zeit ging es längst nicht mehr darum, mit den Angriffen eine Entscheidung herbeizuführen. Militärisch hatte Hitler-Deutschland schon längst verloren.« Evangelische wie katholische Christen unterstützten die fachkundigen Arbeitskräfte, so dass der Wiederaufbau zügig voranschritt. Am 17. März 1951 konnte die Kirche, am 25. Dezember 1957 die Krypta wiedereingeweiht werden.

111 Minuten benötigt die S5 von Hannover nach Paderborn. Wenige Minuten benötigt man, um in die »Unterwelt« hinab zu steigen. Von beiden Seitenschiffen aus führen Treppen hinab. Die Krypta des Gotteshauses ist meiner Meinung nach sehr viel wichtiger als beispielsweise das erst 2008 vom Axel Kebernik gestaltete Lesepult mit den Darstellungen der Apostel Paulus und Petrus an der Vorderseite. Die neuzeitlichen Figuren wirken älter als sie sind: Sie wurden sakralen Kunstwerken aus dem 19. Jahrhundert nachempfunden.

Der legendenhaften Überlieferung nach wurde die Krypta (zu Deutsch die »Verborgene«) der Abdinghofkirche am 2. Januar 1023 von Bischof Meinwerk dem Märtyrer Stephanus geweiht. Stephanus gilt als erster Märtyrer der Christenheit. Er wurde um das Jahr 40, also wenige Jahre nach der Kreuzigung Jesu, wegen seines Glaubens zu Tode gesteinigt. Aber stammt die Stephanus-Krypta auch von Bischof Meinwerk? Ließ der legendäre Kirchenmann wirklich den unterirdischen Raum komplett neu anlegen? Wohl kaum!

Mich fasziniert die »Stephanus-Krypta« mehr noch als der Dom zu Paderborn. Wann ich immer nach Paderborn komme, steige ich in die verborgene Welt hinab. Besonders krass ist der Kontrast an Markttagen, wenn man aus dem Getümmel von tausenden von Besuchern in die wohltuende Stille der Krypta gelangt. Die Krypta wurde als dreischiffige Halle mit Tonnengewölben angelegt. Auffällig sind die durchaus Vertrauen erweckenden Säulen. An der Südseite gibt es drei Vierpasssäulen, an der Nordseite zwei weitere Vierpasssäulen. Ich rate jedem Besucher dieser mystischen Unterwelt: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit. Setzen Sie sich erst einmal in einer der Bänke und lassen sie die förmlich greifbare Stille auf sich wirken. Kommen Sie erst ein wenig zur Ruhe. Ihre Augen gewöhnen sich dann auch an das Halbdunkel des unterirdischen Raums.
Foto 5: Die Abdinghofkirche
Der Überlieferung nach wurde der Sarkophag von Bischof Meinwerk am 5. Juni 1036 in einer Nische der Krypta aufgestellt. 1958 wurde der steinerne Sarg in die Busdorfkirche, Paderborn, überführt. Unklar ist, wann die Krypta angelegt wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde sie nicht erst für die Abdinghofkirche angelegt. Wir wissen, dass die einstige Abteikirche einen Vorgängerbau hatte. Fakt ist: Anno 1000 n.Chr. machte ein großer Stadtbrand einen Neubau des Gotteshauses erforderlich. Der Vorgängerbau und der Vor-Vorgängerbau dürften bereits über eine Krypta verfügt haben, die wohl kleiner war als die heute noch erhaltene. Häufig liest man, die Arbeiten an der Krypta hätten im frühen 11. Jahrhundert begonnen. Ich halte es für sehr viel wahrscheinlicher, dass damals umgebaut und erweitert wurde.

Schon einige Jahre gab es Pläne, im Boden der Krypta einen Heizkörper einzubauen. Doch bevor man diese Annehmlichkeit für Besucher des Gotteshauses schaffen konnte, mussten Archäologen ans Werk. Sie sollten die Unterwelt unter der Unterwelt erkunden, bevor man mit dem Einbau der Heizung beginnen konnte. Es sollten ja keine Hinweise auf Vorgängerbauten beschädigt oder gar zerstört werden. Anno 2014 stießen Archäologen  im Auftrag des LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) unter dem Boden der »heutigen« Krypta auf Reste einer älteren Krypta. Und dabei gruben die Archäologen nur einen Meter tief. Was sie wohl in noch größerer Tiefe entdeckt hätten?

Ein Archäologe, der auch heute noch für die Kirche arbeitet, versicherte mir, dass im 11. Jahrhundert beim Wiederaufbau der abgebrannten Abdinghofkirche zumindest erhebliche Teile einer sehr viel älteren Ringkrypta zerstört wurden. Einige der Säulen, die heute kaum das Interesse eiliger Besucher auf sich lenken, könnten deutlich älter sein. 

Foto 6: Blick in die Krypta der Abdinghofkirche

Ring-Krypten gibt es heute so gut wie gar nicht mehr. Die älteste befand sich im Vorgängerbau des heutigen Petersdoms, in »Alt-St.Peter«, anno 324 von Konstantin dem Großen über dem vermuteten Grab des hl. Petrus errichtet. Die Ringkrypta wird auf das Jahr 590 datiert. Seltenes Beispiel:  die St.-Luzi-Kirche in Chur, Schweiz. Als Besonderheit der ehemaligen Klosterkirche gelten ihre beiden Krypten. Eine echte Rarität ist die karolingische Ringkrypta aus dem 8. Jahrhundert. Die zweite Krypta ist wesentlich jünger. Die romanische Hallenkrypta stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die karolingische Krypta wurde als halbrunder, tonnengewölbter Gang angelegt. In seinen Wänden wurden Nischen eingelassen, vermutlich für die Gebeine von Heiligen oder bedeutenden Vertretern der hohen Geistlichkeit. Doch zurück nach Paderborn. Wann mag die Ringkrypta von Paderborn entstanden sein, auf deren Reste man erst vor wenigen Jahren stieß?

Foto 7: Der Altar in der Krypta der Abdinghofkirche

Und welche Teile der ältesten Krypta sind bis heute erhalten geblieben? Paderborn.de macht auf ein geradezu fantastisches Kuriosum in der Krypta aufmerksam. Direkt beim Altar der Krypta befindet sich eine Säule mit einer mehr als mysteriösen Darstellung auf dem Kapitell. Zum Glück kann der interessierte Betrachter die vier Seiten auf dem Kapitell in Augenhöhe genau studieren. Was sieht man da? Paderborn.de beschreibt den Sachverhalt sehr präzise und zutreffend (4):

»Das Tierkapitell zeigt acht Drachen mit geringeltem Hinterleib, Flügeln und einem kleinen Spitzbart am Kopf. Diese mythischen Drachen waren seit der Antike bis ins hohe Mittelalter Sinnbild für Naturkräfte, die hier vermutlich die Wasserquellen der Pader schützen sollten. Diese Schlangendrachen sind hier eine kunstgeschichtliche Kostbarkeit.«

Fotos 8a und 8b: Zwei der acht Drachen

Fußnoten
(1) https://www.historicum.net/de/themen/hexenforschung/lexikon/alphabetisch/p-z/ (Stand 21. September 2018)
(2) Decker, Rainer: »Die Hexenverfolgungen im Hochstift Paderborn«, in: »Westfälische Zeitschrift« 128 (1978) S. 315-356.
(3) https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article140674954/So-zerstoerten-Bomben-deutsche-Staedte-eine-Bilanz.html (Stand 21. September 2018)
(4) https://www.paderborn.de/tourismus-kultur/sehenswuerdigkeiten/Abdinghofkirche_Sehensw.php (Stand 21. September 2018)

Zu den Fotos
Foto 1: Die Abdinghofkirche von Paderborn. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Bischof Meinwerk. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Die Busdorfkirche. Foto Walter-Jörg Langbein Foto 4: Hier wurde von Archäologen gegraben. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Hier (Pfeile) haben Archäologen gegraben, bevor die Heizung eingbeuat wurde. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Blick in die Abdinghofkirche. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Blick in die Krypta der Abdinghofkirche. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der Altar in der Krypta der Abdinghofkirche. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 8a und 8b: Zwei der acht Drachen. Fotos Walter-Jörg Langbein

462 »Mysteriöse Pflanzen und gefährliche Drachen«,
Teil 462 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 25.11.2018



Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 11. November 2018

460 »Astronautengötter oder ein kosmogonischer Mythos?«

Teil 460 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Unzählige Künstler ...
Wie ist das Leben auf unserem Planeten entstanden? Wie kam es zu den unterschiedlichen Arten und wie entstand der Mensch? Wer in der Schule aufgepasst hat, wer gelegentlich vermeintlich wissenschaftliche Dokumentationen über sich ergehen ließ, der hat keinen Zweifel mehr. Alles ist mit Prinzip Zufall und Darwins Weisheiten zu erklären. Aber sind wirklich alle Fragen beantwortet? Vor allem ist Allzweckwaffe Evolutionstheorie bewiesen und in der Welt der Wissenschaft allgemein anerkannt? Offenbar nicht. Michael Denton (1943) hat es auf den Punkt gebracht (1): »Letztendlich ist die Darwinsche Evolutionslehre nicht mehr und nicht weniger als ein großer kosmogonischer Mythos des 20. Jahrhunderts.«

Was wir als wissenschaftlich erwiesen glauben möchten, weil wir religiöse Antworten nicht mehr glauben möchten - »nichts weniger als ein großer kosmogonischer (2) Mythos? Kosmogonie lässt sich vom griechischen »kosmogonia«, »Welterzeugung« herleiten. Eine Kosmogenie bietet eine Erklärung für Entstehung und Entwicklung von unserem Planeten Erde und von allem, was darauf wächst, lebt und gedeiht.

Foto 2: ... versuchten sich am Thema...


Noch heute bieten vermeintlich klar denkende Zeitgenossen, die sich ausschließlich der Wissenschaft verpflichtet fühlen mythologisch-religiösen Erklärungen für das Werden auf unserer Erde Paroli. Alles wirklich und vermeintlich Religiöse wird herablassend abgelehnt. Aber letztlich wird nur eine Religion durch eine andere, pseudowissenschaftliche Religion ersetzt. Der britische Physikprofessor Henry Lipson (*1910; †1991) monierte süffisant (3): »Die Evolution wurde in einem gewissen Sinne zu einer wissenschaftlichen Religion; fast alle Wissenschaftler haben sie akzeptiert, und viele sind darauf eingestellt, ihre Beobachtungen zu ›verbiegen‹, dass sie mit ihr übereinstimmen.«


Wird also lediglich alte durch neue Mythen ersetzt? Studiert und vergleicht man den kosmogonischen Mythos mit diversen religiös-mythischen Kosmogonien, wird ein wesentlicher Unterschied deutlich. Der moderne Mythos baut auf den allgegenwärtigen Faktor Zufall, die uralten religiös-mythischen Kosmogonien gehen von gelenkter Evolution aus, wobei Götter die Entwicklung vorantreiben. Wenn wir eine vollständige Geschichte unseres Planeten und der Menschheit schreiben wollen, müssen wir endlich die uralten Mythen einbeziehen und dürfen sie nicht mehr als unglaubwürdige Ammenmärchen abtun. Wir müssen unser Wissen hinterfragen, wenn altehrwürdige Mythen mehr zu wissen scheinen als wir Jetztmenschen, die wir uns so viel auf unsere Wissenschaftlichkeit einbilden.

F.3: Adam und Eva
Prof. Dr. Pierre Grimal (*1912; †1996) war ein bedeutender französischer Altphilologe und Althistoriker. Er gilt auch heute noch als einer der einflussreichsten und wirkkräftigsten klassischen Philologen des 20. Jahrhunderts. In Anerkennung seiner immensen wissenschaftlichen Leistungen wurde Prof. Grimal zum »Ritter der Ehrenlegion« ernannt. Besonders wichtig ist das dreibändige Werk »Mythen der Völker«, das Prof. Grimal schon 1963 herausgab. In seinem einleitenden Beitrag (4) zu Band 1 schrieb der Gelehrte (4): »Denn der Mythos – und auch dies ist eine seiner grundlegenden Eigenarten – ist ein Band zwischen Vergangenheit und Zukunft.«

Dr. Bronisław Kasper Malinowski (*1884; †1942) stammte aus einer polnischen Adelsfamilie, studierte in London und wurde einer der bedeutendsten Kulturanthropologen überhaupt. Sein Werk »Argonauten des westlichen Pazifik« entwickelte sich rasch zum Bestseller und machte ihn weit über die Grenzen Europas hinaus bekannt. Bereits 1926 erschien sein Buch »Myth in Primitive Psychology« in London und ist heute als eBook erhältlich. Dr. Malinowski schreibt (5): »Mythos, so wie er in einer primitiven Gemeinschaft existiert, ist nicht nur eine erzählte Geschichte, sondern gelebte Wirklichkeit. Er ist nicht von fiktivem Naturell in der Art unserer heutigen Romane,  sondern er ist eine lebende Wirklichkeit, von der man glaubt, dass sie sich einst in uranfänglichen Zeiten tatsächlich ereignete, und die nach wie vor die Welt beeinflusst.«

Zum Glück sind die Mythen, wie Prof. Dr. Pierre Grimal konstatiert (6), »in allen Gebieten recht zahlreich«, so dass wir zahlreiche »Bänder« zur Verfügung haben, die uns mit der Realität urzeitlicher Geschehnisse verbinden. Wir müssen aber diese Wege in die Vergangenheit nutzen, wollen wir uns über womöglich fantastische Ereignisse der grauen Vergangenheit informieren. Leider wollen viele Laien wie Wissenschaftler diese Nachrichten aus der Vorzeit nicht zur Kenntnis nehmen. Sie schließen aus, was ihrer Meinung nach nicht sein kann, weil es nicht sein darf.

Dr. Anton Eduard Wollheim da Fonseca (*1810; †1884) studierte Philosophie, Philologie und Geschichte und promovierte schließlich über altindische Sanskrit-Texte. Besonders intensiv setzte sich der Gelehrte mit altindischer Mythologie auseinander. Schließlich verfasste er eine grundlegendes Werk: »Mythologie des alten Indien«(7). Für da Fonseca gab es keinen Zweifel: Wer Mythen für unglaubwürdige Fabeln hält, der versteht das wahre Wesen der Mythen nicht. Für ihn waren Mythen »erhabenster Ausdruck der erhabensten Wahrheiten.« Mythen, so konstatierte der Gelehrte, sind »die Urgeschichte der Menschheit«.

Foto 4: Eva und die Schlange

Eine solche »Wahrheit« wird in so gut wie allen mythologischen Überlieferungen über den Ursprung der Menschheit beschrieben: vom aztekischen Aztlan-Mythos bis zum Zoroastrismus. Juden, Christen und Moslems sind von dieser »Wahrheit«. Ob sumerisches Atrahasis-Epos oder babylonischer »Enuma-Elisch«-Mythos: überall wird berichtet, wie der Mensch durch einen göttlichen Schöpfungsakt entstand. Weltweit wird überliefert, dass der Mensch nicht durch eine unglaubliche, unrealistische Anhäufung von Zufällen entstand, sondern durch gezieltes Eingreifen von »Göttern«? Alles nur Ammenmärchen?

Erich von Däniken (*1935) sieht den Menschen als Produkt außerirdischer Besucher auf Planet Erde. Diese Theorie vertritt er seit mehr als einem halben Jahrhundert, zuletzt in seinem Buch Botschaften aus dem Jahr 2118 (8): »Und woher kommt der Mensch? In fast allen Überlieferungen wurde er durch himmlische Wesen erschaffen.«

Anno 2017 erschien »Human by design«, ein populärwissenschaftliches Buch von Gregg Braden, das die alten Schöpfungs-Mythen bestätigt. Die deutsche Übersetzung des Werks folgte 1 Jahr später, anno 2018: »Mensch: Gemacht«. Autor Gregg Braden kommt zu einer atemberaubenden Erkenntnis (9): »Neueste Forschungen zeigen, dass der Mensch, wie wir ihn heute kennen, vor 200.000 Jahren bereits existierte. Er trat plötzlich in Sein – aufgrund einer Verschmelzung von Genen, die bewusst herbeigeführt worden sein muss.«

Foto 5: Im Paradies. Meisterwerk von Michelangelo

Eine »Verschmelzung von Genen, die bewusst herbeigeführt worden sein muss«? Von wem? Von Außerirdischen, die einst zur Erde gekommen sind und als Götter verehrt wurden?

Anmerkung zu den Fotos (Warnung: Humor!)
Ich hoffe sehr, dass ich die angekündigte Rückkehr der Astronautengötter noch erleben darf. Ich hoffe dass mir die Astronautengötter dann Dokumentarfotos von der Kreation von »Adam und Eva« zur Verfügung stellen werden. Dann werde ich die Fotos von Kunstwerken zum Thema »Adam und Eva« entfernen und durch Dokumentarfotos ersetzen.

Fußnoten
(1) Denton, Michael: Evolution. »A Theory in Crisis«, 1986, Seite 358, zitiert nach Braden, Gregg: »Mensch: Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018, Seite 53 Mitte
(2) Siehe auch wikipedia Artikel »Kosmogenie«, Stand 11.11.2018
(3) Lipson, H.S.: »A Physicist Looks at Evolution«, »Physics Bulletin«, Bd. 31, Nr. 4 (Mai 1980), S. 138, zitiert nach Braden, Gregg: »Mensch: Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018, Seite 52 Mitte
(4) Grimal, Pierre: »Der Mensch und der Mythos« in Grimal, Pierre (Hrsg.): »Mythen der Völker Band I«, Frankfurt 1976, S. 12-27
(5) Malinowski, Dr. Bronisław Kasper: »Myth in Primitive Psychology«, London 1926, S. 21, eBook-Ausgabe, Read Books Ltd. 2011, Pos. 138, Übersetzung aus dem Englischen durch den Verfasser.
(6) Grimal, Pierre: »Der Mensch und der Mythos« in Grimal, Pierre (Hrsg.): »Mythen der Völker Band I«, Frankfurt 1976, S. 14 Mitte
(7) Anton Eduard Wollheim da Fonseca: »Mythologie des alten Indien«, Berlin 1856. Siehe hierzu Däniken, Erich von: »Botschaft aus dem Jahr 2118/ Neue Erinnerungen an die Zukunft«, Rottenburg 2016, S. 133 (eBook-Ausgabe, Rottenburg 2016, Pos. 1635)
(8) Däniken, Erich von: »Botschaften aus dem Jahr 2118/ Neue Erinnerungen an die Zukunft«, Rottenburg 2016. S. 132 oben
(9) Braden, Gregg: Mensch: »Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018

Zu den Fotos
Foto 1: Adam und Eva. Heidelberger Stundenbuch Codex 536. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Adam und Eva, Bibelillustration 1595
Foto 3: Adam und Eva, Maate van Heemskerck 1498-1574, wiki commons
Foto 4: Eva, Vézelay, wiki commons vassil 
Foto 5: Adam und Eva, Michelangelo 1475-1564, wiki commons

461 »Acht Drachen mit geringeltem Hinterleib«,
Teil 461 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18.11.2018



Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)