Sonntag, 30. Juni 2019

493. »Kann man Geister fotografieren?«

Teil 493 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


»Mariä Schutz« ist eine Friedhofskapelle, die auf eine lange, ehrwürdige Vergangenheit zurückblicken kann. Sie wird oft auch »Alte Pfarrkirche« genannt, war sie doch einst die »Laienkirche« von Fischbachau. Begonnen wurde ein erster Vorgängerbau bereits anno 1085 und  anno1087 geweiht. Die in ihrer Schlichtheit beeindruckenden früh-barocken Stuckaturen sind vergleichsweise jung. Sie wurden anno 1630 nach Art der Miesbacher Meister angebracht.Nach einem beeindruckenden Besuch der Kapelle des einstigen Klosters von Birkenstein führen mich kundige und Freunde aus Gerblinghausen zur Kapelle »Mariä Schutz« (1). 

Foto 1: »Mariä Schutz«

Geradezu idyllisch ist der alte Friedhof. Schmiedeeiserne Kreuze, Heiligenfiguren aus Stein und vom Zahn der Zeit arg in Mitleidenschaft gezogene Holztafeln mit uralten bayerischen Namen verleihen dem Gottesacker besonderen Charakter. Hier ruhen die Toten, die »Entschlafenen« wie manche gern umschreiben. Noch heute wagen sich manche Zeitgenossen zu nächtlicher Stunde nicht auf so einen Friedhof. Auch wenn sie es nicht zugeben, vielleicht sogar selbst gar nicht glauben wollen: Sie haben Angst vor »Geistern«. An Geister glaubt der vermeintlich aufgeklärte Mensch mit kühlem Sachverstand natürlich nicht. Nach dem Tod kommt nichts, meinen sie. Andere sind ganz anderer Ansicht. 

Foro 2: Sitting Bull
»Geister gibt es ohne Zweifel, denn sonst könnte man sie nicht fotografieren!« meinen die. Und das schon seit den Kindertagen des Fotografierens. Wirklich? Anno 1872 wurden in England das Medium Mrs. Guppy und der Fotograf Mr. Hudson hofiert. Die Lady rief mental Geister herbei, der Fotograf verewigte sie mit seinem primitiven Apparat. Ein anderes Medium, Mrs. A. E. Deane, war gleichfalls dazu in der Lage, die Geister von Toten herbeizuzitieren, die dann bei Seancen fotografiert wurden. Bei einer Sitzung erschien beispielsweise der Geist eines toten Mädchens. Er wurde gebeten, einen bestimmten Geist herbeizurufen: den des legendären Indianerhäuptling Sitting Bull. Der stolze Jenseitige tauchte wenige Minuten später auf. Ein Vergleich mit dem Titelbild von »My Magazine«, Oktober 1920, ergab eine mehr als erstaunliche Ähnlichkeit.

Foto 3: P. von Hindenburg
Auf Schloss Ostrau begegnete Paul von Hindenburg (*2.10.1847, †2.8.1934), der spätere Reichspräsident, auf der breiten Freitreppe des bei Koethen in Anhalt gelegenen Schlosses einem leibhaftigen Geist. Zunächst hielt von Hindenburg die Erscheinung für eine vornehme Dame aus Fleisch und Blut. Er stellte sich ihr vor. Sie reagierte nicht. Von Hindenburg hielt die Dame für schwerhörig. Als er später sein Erlebnis schilderte, dabei die Dame sehr präzise beschrieb, erfuhr er Erstaunliches: »Das war unser Schlossgeist!« In England ist besonders der »Tower« als Erscheinungsort von Geistern bekannt. Fast ebenso berüchtigt ist Clamis Castle. Der Überlieferung nach soll hier McBeth König Duncan ermordet haben. Auf Claimis Castle, so lautet eine uralte Überlieferung, erscheint immer dann, wenn einem Mitglied des Königshauses ein Unheil droht eine »grüne Frau«. Geisterfotograf William Hoppe soll es gelungen sein, die Dame auf die fotografische Platte zu bannen. Mittels Selbstauslöser lichtete er nicht nur die Spukgestalt, sondern auch noch sich selbst ab.

Ein Betrug scheint ausgeschlossen zu sein. Die Fotoplatte kann nicht manipuliert, sprich vorbelichtet worden sein. Sie wurde nämlich von einem Journalisten ausgewählt. Wenige Tage nach dem so dokumentierten Auftauchen der »grünen Frau« starb König Eduard VIII. Kurz nach der Ermordung von US-Präsident Abraham Lincoln am 15. April 1865 wandte sich die Witwe des legendären Staatsmannes Mary Todd Lincoln (*1818; †1882) an William Mumler, einen bekannten Geisterfotografen jener Zeit. Sie gab einen falschen Namen an. Und doch tauchte auf dem »Geisterfoto« ein Phantom auf, das mit Fantasie als Abraham Lincoln identifiziert werden kann.

Foto 4: Abraham Lincoln
Foto 5: Mary Todd Lincoln
Diese Beispiele sind willkürlich gewählt. Es würde den Rahmen des vorliegenden Buches sprengen, auch nur die wichtigsten Geisterfotos aufzulisten. Die Fülle an Material, wovon gewiss ein erheblicher Teil schlichtweg gefälscht ist, wirft eine Frage auf: Was sind Geister eigentlich? Oder profaner: Woraus bestehen sie? In den 1870er Jahren gelang es dem Medium Wilma Hardy durch reine Gedankenkraft, »Geisterhände« aus dem Nichts auftauchen zu lassen. Der Bostoner Geologe William Denton beobachtete das Phänomen kritisch. Es gelang ihm von den »Geisterhänden« sogar Gipsabdrücke anzufertigen. Ähnliche Materialisationen konnte auch das französische Medium Marthe Bértraud bewerkstelligen. Zu Beginn unseres Jahrhunderts tauchten bei Seancen mit ihr »schleierartige Materialisationen« auf, die die Gestalt von Köpfen, Armen oder ganzen Menschen annahmen.

Die Erscheinungen waren dabei so plastisch, dass es manchen Zeitgenossen schwer fiel, an Übersinnliches zu glauben. Lag da nicht vielleicht doch ein geschickter Trick vor? Schaffte es das Medium, etwas durchaus Materielles mit Hilfe von Taschenspielertricks als etwas »Jenseitiges« auszugeben? Der Münchner Arzt und Erforscher des Übersinnlichen, Freiherr von Schrenck-Notzing (*1862, †1929), war bestens vertraut mit solchen Tricks. Er kannte sie alle. Und er unternahm strenge, ja peinliche Kontrollen, um jede Möglichkeit eines Betrugs auszuschließen. So musste sich Medium Marthe Bértraud vor jeder Seance nackt ausziehen.

Foto 6: Mary Todd Lincoln
Ihr Körper wurde peinlich genau auf eventuell versteckte Hilfsmittel hin untersucht. Nichts Verdächtiges wurde gefunden. Freiherr von Schrenck-Notzing gab ihr sogar Brech- und Abführmittel ein, um  auch jede nur denkbare Trickserei zu vereiteln. Schließlich musste Marthe Bértraud ein enges, knapp sitzendes Trikot anlegen. Ihr Kopf wurde mit einer Haube umhüllt. Und trotzdem entstanden die geheimnisvollen Materialisationen. Es bildeten sich dunstartige Wolken aus dem Nichts. »Geister« formierten sich. Dr. Schrenck-Notzing fand heraus, dass auch männliche Medien Geister erscheinen lassen konnten, zum Beispiel die Gebrüder Willy und Rudi Schneider aus Braunau am Inn. Auch bei beiden Brüdern schlossen kriminalistische Überwachungsmethoden aus, dass betrogen wurde. Die beiden Männer waren dazu in der Lage, Geister herbeizurufen, die vor den Augen der Zeugen als nebulöse, halb durchsichtige Wesen entstanden.

Als im Dezember 1929 an Bord des Schiffes SS. Watertown zwei Mitglieder der Besatzung starben, wurden sie, altem Brauchtum folgend, auf See bestattet. Einen Tag später geschah Unbegreifliches. Von einer bestimmten Stelle an Bord aus betrachtet, sah man die Gesichter der Toten im Meer. Und das Tag für Tag, erstaunlich deutlich. Die seltsame Geistererscheinung trat auch auf den folgenden beiden Reisen der SS. Watertown auf. Die Gesichter der Toten im Wasser verfolgten das Schiff. Mehrere Fotos beweisen die Realität des Unbegreiflichen. Noch ein Beispiel: 1959 hielt der Geistliche R. S. Blance  eine ehemalige Kultstätte der Ureinwohner Australiens auf im Bilde fest. Als das Foto von einem professionellen Labor entwickelt worden war, war deutlich eine geheimnisvolle, halb durchsichtige Gestalt zu sehen.

Foto 7: So soll »Mary King’s Close« ausgesehen haben.

Geister tauchten auf frühen Fotos des 19. Jahrhunderts auf. In unseren Tagen lassen sie sich per Video aufnehmen. Architekt David Roulston aus Glasgow verbrachte beispielsweise im Juni 1995 eine Nacht im alten Gemäuer von »Mary King’s Close« in Edinburgh. Dem 47-Jährigen wurde bald unheimlich zumute. Er spürte unerklärliche Kältewellen. Da er eine Videokamera dabei hatte, filmte er wahllos. Als er dann Tage später die Aufnahmen zuhause ansah, wurde ihm erst wirklich unheimlich. Da tauchte ein unheimliches schemenhaftes Gesicht aus dem Nichts auf. Dieses unheimliche Etwas hat als »monströse Form« nach amtlichen Dokumenten bereits im 17. Jahrhundert dort sein Unwesen getrieben.

Wenn eine Straße idealer Aufenthaltsort für Geister ist, dann ist es »Mary King’s Close«. Hier grassierte anno 1645 eine fürchterliche Pestepidemie. Die Krankheit breitete sich rasend schnell aus in Edinburgh. Viele Menschen wurden dahingerafft. Wie viele Opfer zu beklagen waren, lässt sich nicht mehr feststellen. Die entsetzten Stadtväter Edinburghs sahen sich genötigt, etwas zu unternehmen. Da sie »Mary King’s Close« für den Ausgangspunkt der tödlichen Krankheit hielten, fassten sie einen Beschluss, der umgehend in die Tat umgesetzt werden musste. Die schmale Gasse wurde einfach an beiden Enden zugemauert. 

Der Legende nach wurde die Gasse zum Gefängnis für viele Menschen, die nicht entkommen konnten. Waren sie schon von der Pest befallen? Wieder gab es Todesopfer zu beklagen. Erst im Frühjahr 2003 wurde die Gasse des Todes wieder geöffnet und zur makaberen Attraktion für ganz spezielle Führungen (2).

Foto 8: »Mariä Schutz«. Foto Heidi Stahl
Spukte es in der »Mary King’s Close«-Gasse? Oder gibt es eine weniger gespenstische Erklärung für seltsame Erscheinungen in dem keine zwei Meter breiten Gässchen? Einst endete es an einem See. Die Bevölkerung wuchs und wuchs, immer mehr Menschen hausten in den Elendsvierteln. So wurde der See in »Baugelände« verwandelt, das heißt man versuchte, das Gewässer zuzuschütten. So entstand ein stinkender Sumpf, dessen wabernde Dämpfe angeblich abends wie »Gespenster« aussahen. Und angeblich löste das Einatmen dieser ungesunden Schaden Halluzinationen aus.
Fragen über Fragen ergeben sich! Wenn es Geister gibt, sind das die Seelen von Verstorbenen? Halten sie sich in einem wie auch immer gearteten Zwischenreich auf? Und können sie ihre Welt verlassen und die unsere besuchen? Nach Prof. Markolf H. Niemz sind Raum und Zeit eine Illusionen und »Licht« kann die Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits überwinden. »Licht« aber sollte fototechnisch dokumentierbar sein.

Literatur
Foto 9: Sensationell!
Aries, Judas: »Gefährder Einstein/ Wie Sie Gott mit GOTT zu Fall bringen«, Norderstedt 2019 (Foto 9!)
Holbe, Rainer: »Phantastische Phänomene«, München 1993
Keller, Werner: »Was gestern noch als Wunder galt«, Zürich 1973
»One dog night« in »Fortean Times« Nr. 83
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucy mit c: Mit Lichtgeschwindigkeit ins Jenseits«, Norderstedt 2005
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucy im Licht: Dem Jenseits auf der Spur«, München 2007
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucys Vermächtnis: Der Schlüssel zur Ewigkeit«, München 2009
Niemz, Prof. Markolf H.: »Bin ich, wenn ich nicht mehr bin? Ein Physiker entschlüsselt die Ewigkeit«,  Freiburg 2011
Niemz, Prof. Markolf H.: »Ichwahn: Ein Physiker erklärt, warum Abgrenzung gegen unsere Natur ist. Der Schlüssel für ein neues Miteinander, München 2017

Fußnoten
1) Friedhofskirche »Mariä Schutz«, Martinsweg 3, D-3730 Fischbachau, Telefon  08028.90670
2) https://www.realmarykingsclose.com/plan-your-visit/opening-times-prices/ (Stand 23. Mai 2019)

Foto 10: Kirchhof »Mariä Schutz«.
Zu den Fotos
Foto 1: »Mariä Schutz«, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2:  Häuptling Sitting Bull um 1883. Foto wikimedia commons/ Daniel Guggisberg historical photographs collection
Foto 3: Paul vom Hindenburg, um 1914. Foto gemeinfrei/ Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Abraham Lincoln/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Mary Todd Lincoln/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Mary Todd Lincoln/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: So soll »Mary King’s Close« ausgesehen haben. public domain
Foto 8: »Mariä Schutz«. Foto Heidi Stahl
Foto 9:
Foto 10: Kirchhof »Mariä Schutz«. Foto Heidi Stahl

494. »Berichte vom Leben nach dem Tod«
Teil 494 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07. Juli 2019



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Sonntag, 23. Juni 2019

492. »Unsterbliche Energie und Spukerscheinungen«

Teil 492 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Pyles »Piratengeist«
Von Howard Pyle (*1853;† 1911) stammt das beeindruckende Gemälde eines »Piratengeists«. Der arme Mann, der »Untote«, nicht der Maler, muss wohl bis ans Ende aller Tage auf dem Grunde des Meeres spuken. Ob er zumindest gelegentlich auch an Land kommen darf? Unter dem Meeresspiegel kann er ja nur Fische erschrecken. Das ist doch keine zufriedenstellende Tätigkeit für einen Geist! 

Zwei Jahre lang geschah immer wieder das Unfassbare: Die hübsche Blondine Pam Hambert wurde von einer unsichtbaren Hand geschubst. Türen öffneten sich von selbst in ihrem Haus. Das Bügeleisen wurde ihr aus der Hand gerissen. Die Tür zum  Zimmer ihrer Tochter wurde nachts immer wieder wie von Geisterhand aufgerissen und krachend zugeschlagen. Den letzten Anstoß, sich endlich nach Hilfe umzusehen, gab ihr Enkel. Das Kind rannte schreiend aus der Toilette: »Da drin ist ein unsichtbarer alter Mann. Er ist durch das Fenster geklettert.« Zunächst versuchte Pam Hambert das Kind zu beruhigen, aber das gelang ihr nur bedingt. Schließlich  bat sie zwei Parapsychologen in ihr Haus nach Staines, Middlesex. Alex Owler: »Das ist ein typisches Haus für Gespenster. Solche Vorfälle ereignen sich oft in diesen kleinen Doppelhaushälften.«

Mrs. Hambert erzählte den Experten, dass sie sich in Lisas Zimmer stets unwohl fühle. »Ich bleibe höchstens kurz zum Staubwischen, dann bin ich schon wieder draußen. Nicht einmal der Hund mag da hineingehen.« Die beiden Parapsychologen fanden heraus: Im Haus nebenan hatte einmal ein alter Mann gewohnt. Als er krank wurde, machte er sich hauptsächlich um seinen Garten Sorgen. Würden ihn seine Erben verwildern lassen? Würden sie sein grünes Paradies pflegen und hegen? Sollte er seine Erben im Testament dazu verpflichten, wenn sie seine Ersparnisse »kassieren« wollten? Jener Mann hatte auch den Garten, der jetzt Pam Hambert gehörte, gepflegt. Beide Gärten waren einst die schönsten im ganzen Bezirk. Dann aber starb der alte Mann. Was so gepflegt und gehegt worden war, verwilderte. Carmen Rogers: »Der in seinen Augen unverzeihliche Umgang mit den ›kleinen Paradiesen‹, die ihm einst alles bedeuteten, schmerzt den Geist des toten Mannes. Deshalb spukt er!« Carmen Rogers war davon überzeugt, dass es möglich sein müsse, den alten Mann zu besänftigen, seinen Geist zu beschwichtigen. Und Zeugen, die jegliche Vorstellung von einer übersinnlichen Welt als Humbug ablehnen, hätten gewiss die folgenden Szenen als belustigend empfunden. Carmen Rogers redete in verschiedenen Räumen des Hauses von Pam Hambert auf den unsichtbaren Geist ein: »Schau, ich verstehe, dass du böse bist über den Garten. Aber alles, was du machst ist, diese armen Leute in Angst und Schrecken zu versetzen.«

So lächerlich die Prozedur auch einem aufgeklärten Zeitgenossen erscheinen mag, sie zeigte umgehend die erhoffte Wirkung. Die Spukerscheinungen hörten fast ganz auf und wurden schließlich gar nicht mehr registriert, als der Garten des Hauses wieder in Ordnung gebracht worden war. Jeder zehnte Engländer ist, so ergab eine Umfrage, von der Existenz von Geistern und Gespenstern überzeugt und behauptet, selbst schon einmal Kontakt mit »übernatürlichen Wesen« gehabt zu haben. In England ist die Realität von Gespenstern sogar von einem Urteil des Obersten Richters Ihrer Majestät der Königin bestätigt worden. Dem richterlichen Spruch vorausgegangen war eine Auseinandersetzung zwischen einem Hauswart und seinen Mietern. Vier Brände, die das Haus teilweise zerstört hatten, schrieben die Bewohner einem weiblichen Geist zu, der angeblich schon seit mehr als neunzig Jahren spuke. Der Hauswart wollte nichts davon wissen und klagte auf Schadenersatz. Doch der Richter wies auf seine irdischen Grenzen hin. Es sei nicht auszuschließen, dass die Brände von Geistern gelegt wurden, solange nicht das Gegenteil bewiesen sei.

Foto 2: Sigmund Freud
Weniger gefährlich waren die Begegnungen mit der »Spukfrau aus dem Salzburger Land«. In der Weihnachtszeit des Jahres 1981 wollten zunächst Jugendliche ein Gespenst gesehen haben: an der Pinzgauer Bundesstraße. Sie meldeten ihre Sichtung sofort der Polizei und wurden verlacht. Als sie auf der Wahrheit ihrer Schilderungen beharrten, drohten ihnen sogar die Ordnungshüter. Sie sollten mit »so einem Blödsinn« nicht den Betrieb der Polizeistation behindern. Glaubwürdiger war schon der Report eines Bäckermeisters. »Wegen des dichten Schneetreibens konnte ich auf der Bundesstraße nur sehr langsam, im Schritttempo, fahren. Man sah wirklich kaum etwas. Plötzlich stand am Straßenrand eine Gestalt, eine schwarzgekleidete Frau mit hellblonden Haaren. Ich hielt an. Da war sie weg, spurlos verschwunden.«

Ein anderer Autofahrer hatte da mehr Glück. Das seltsame Wesen stieg zu ihm ins Auto. Erst verhielt sich die »Spukfrau aus dem Salzburger Land« sehr schweigsam. Dann sagte sie plötzlich: »Wenn du nicht angehalten hättest, um mich mitzunehmen, dann hättest du einen schlimmen Unfall gehabt!« Kaum hatte sie das gesagt, löste sich das im Auto sitzende Wesen in Luft auf. Mehr als 120 Menschen meldeten sich nach und nach mit ähnlich schaurigen Berichten. Einige von ihnen wollen die »Spukfrau« sogar identifiziert haben: als die 22jährige Elisabeth Schilchegger aus Salzburg. Just auf der Straße, auf der sie Autofahrern erscheint, starb sie ein Jahr zuvor bei einem Unfall. Damals trug sie ihre Arbeitskleidung, ein schwarzes Kostüm. Sie war Kellnerin.

Hans Holzer (*1920; †2009), ehemals Direktor der New Yorker Gesellschaft für Parapsychologie, war von der Existenz von Geistern überzeugt. Er hat auch eine durchaus vernünftig klingende Erklärung parat. Jeder Mensch hat eine Art von »Magnetfeld«, eine Aura um sich. Es kann, so ein Mensch jäh aus diesem Leben gerissen wird, bestehen bleiben und sensitiven Menschen sichtbar werden. Ein derartiges »Kraftfeld« vermutet Holzer auch in der »Erscheinung von der Burg Wolfsegg im Landkreis Regensburg. Über Jahre hinweg erschien auf  Burg Wolfsegg der Geist der attraktiven, jung verstorbenen Gräfin, jammernd und weinend. Von einem Tag auf den anderen Tag blieb die Erscheinung aus.

Handfester ging es im »Fall Rosenheim« zu. Und da, so schien es, reichte die Theorie von der »Magnetfeldaura«, wie Hans Holzer zugeben muss, nicht mehr aus. Sobald die neunzehnjährige Annemarie ihren Arbeitsplatz in der Anwaltskanzlei Adam betrat, geschah Kurioses. Fast ein ganzes Jahr lang versetzten die Ereignisse zahlreiche Menschen in Angst und Schrecken. Glühbirnen drehten sich von selbst, wie von Geisterhand bewegt, aus den Fassungen und zerschellten am Boden. Neonröhren zerplatzten ohne ersichtlichen Grund. Kuriose Spannungsunterschiede ließen elektrische Geräte verrücktspielen. Das gesamte elektrische Netzt des Hauses musste ersetzt werden. Aktenordner flogen durch die Luft. »Geister« warfen schwere Blumenvasen durch die Gegend.

Foto 3: C.G.Jung
Einige der Phänomene wurden von einem Fernsehteam gefilmt. Da drehte sich vor laufender Kamera ein Bild an der Wand um 360 Grad. Ging die »Kraft« von dem jungen Mädchen aus? Es hatte allen Anschein, als ob diese Vermutung zuträfe. Annemarie wechselte den Arbeitsplatz. Sie fing bei einer neuen Kanzlei mit der Arbeit an. Der Spuk ging in der neuen Kanzlei weiter. Ein ähnlicher Fall schien sich in Bremen zu wiederholen. Lehrling Heinrich löste kuriose Erscheinungen aus. In seiner Gegenwart ertönten Geisterstimmen. An seinem Arbeitsplatz, der junge Mann lernte Lebensmittelkaufmann, sausten Fruchtkisten durch die Lüfte und zerbarsten an Wänden und Decken. Einmachgläser klatschten zu Boden, Teekannen platzten, ohne dass es einen ersichtlichen Grund dafür gab. Parapsychologe Professor Hans Bender berichtete ausführlich auf dem zwölften Kongress der Parapsychologischen Gesellschaft in New York über die Ereignisse und klassifizierte den Spuk als echt. Da gestand der junge Mann, alles manipuliert zu haben. war auf die Tricks hereingefallen. Eine nicht minder unrühmliche Figur machte der Professor auch im Fall »Chopper«. Er hielt die Stimme von Arzthelferin Claudia Judenmann, sie krächzte durch einen Spalt weit geöffnete Fenster Schimpfworte, für ein »Phänomen«. »Chopper« war, wie sich herausstellte,  ganz offensichtlich ein Schwindel.

Foto 4: Kirlianfotografie eines Blattes.
Gelegentlich gehen derlei Meldungen über getrickste »Spukerscheinungen« durch die Weltpresse. Sie lösen Gelächter und Beruhigung aus. Unberechtigter Weise wird dann nämlich unterstellt, dass es sich bei allen ähnlichen Phänomenen grundsätzlich und immer um Schwindel handelt. Das ist aber nicht der Fall. (Es gibt ja auch Falschgeld, woraus aber nicht die Schlussfolgerung gezogen werden kann, dass jeder Geldschein gefälscht ist.) Im Jahr 1909 diskutierten zwei berühmte Männer sehr heftig miteinander: der »Vater der Psychoanalyse«, Sigmund Freud (*1856; †1939) und Carl Gustav Jung (*1875; †1961). In ihrem schnell an Heftigkeit zunehmendem Streitgespräch ging es um übersinnliche Phänomene. Freud lehnte derlei übersinnliche Erscheinungen rundweg als unmöglich ab. Er sollte sein Urteil revidieren. C. G. Jung berichtete später: »Während Freud seine Meinung vertrat, ertönte ein solcher Krach im Bücherschrank, der unmittelbar neben uns stand, dass wir beide fürchterlich erschraken.« Er lieferte auch eine Erklärung: »Freud sprach und ich hatte dabei plötzlich eine seltsame Empfindung. Mir war, als ob mein Zwerchfell aus Eisen bestünde und glühend wurde. Dann setzte der Lärm schlagartig ein. Die Hitze war weg.« So laut der Krach auch war: Schaden entstand keiner. Weder wurden die berühmten Männer verletzt, noch wurde das Mobiliar beschädigt.

Gibt es eine »natürliche« Erklärung? Staute sich im Laufe des Gesprächs bei Jung jene Energie an, die sogar den physischen Tod des Menschen überleben und als Geistererscheinung auftreten kann? Entlud sie sich, warum auch immer, schlagartig? Energieansammlungen setzt Hans Holzer voraus: Geister als »Energierest« von plötzlich verstorbenen oder gewaltsam entleibten Menschen. Energie ist nach dem Energieerhaltungsgesetz unvergänglich. Sie wird allenfalls umgewandelt, verschwindet aber nicht ins Nichts. Nach Holzer sind Geistererscheinungen nichts anderes als Energieformen, die von sensitiv veranlagten Menschen wahrgenommen werden.

Foto 5: Kirlianfotografie eines Blattes.
Für das Forscherehepaar Semjon Davidovitsch Kirlian und Walentina Kirlian gab es keinen Zweifel an der Existenz dieser Energie, die den physischen Tod von Pflanze, Tier und Mensch überdauert. Sie entwickelten ab 1937 ein Spezialsystem, mit dessen Hilfe sie eben diese Energie nicht nur sichtbar machen, sondern auch fotografieren konnten. Sie wird in Hochfrequenzströmen sichtbar, und das bei Pflanzen, Tieren und Menschen. Sie kann fotografiert und gefilmt werden. Das so für jedermann erkennbare farbensprühende Feld bleibt bestehen, auch wenn der physische Körper nicht mehr komplett ist. Beispiel: Die Kirlianfotografie einer Hand, von der ein Finger amputiert wurde, zeigt noch einige Zeit die farbenfrohe Aura der gesamten Hand. Schneidet man das Stück eines Blattes ab, so bleibt zunächst das Bild des Blattes in der Kirlianfotografie vollständig.

Die Kirlians bekundeten in zahlreichen Interviews ihre zentrale Erkenntnis: Pflanzen, Tiere und Menschen haben so etwas wie einen Geistkörper, der im Alltag unsichtbar bleibt. Davon waren, lange bevor die Kirlians diese Energiefelder für jedermann sichtbar machen konnten, die Weisen der alten Völker schon vor Jahrhunderten, ja vor Jahrtausenden überzeugt.  Keinen Zweifel an der Existenz solcher Felder hatten schon die alten Chinesen, die Ägypter und die Inder. Der Mensch ist allem Anschein weit mehr als nur sein physischer, feststofflicher Körper. Er ist von einer Energie umgeben, die ihn einhüllt wie ein zweiter Körper. Seit den 1940er Jahren kann dieser feinstoffliche Leib fotografiert werden. Er ist es, der den Tod überdauert.

Dr. Injuschin legte einen umfangreichen Aufsatz über die Arbeit der Kirlians vor: »Die biologische Essenz des Kirlian- Effekts«. Sein zentrales Resümee: »Alle Lebewesen, Pflanzen, Tiere und Menschen, haben nicht nur einen physischen Körper, der aus Atomen und Molekülen besteht, sondern auch einen Gegenstück-Energiekörper, den wir biologischen Plasmakörper nennen wollen.« Damit war im Ostblock, zumindest in Kreisen der Wissenschaft, ein radikaler Wandel im Denken vollzogen worden. Zuvor hatte das Primat der kommunistischen Lehre über die Wissenschaft gegolten. Diese Ideologie war nichts anderes als eine vordergründig materialistische Religion, der im Osten gehuldigt wurde. Freilich gab man sie als »Wissenschaft« aus. Es durfte nur Materie geben. Auch der Mensch besteht nach dieser Ideologie nur aus Materie. Sein Leib zerfällt nach dem Tode in materielle Bestandteile. Nichts überdauert die physische Existenz.

Jetzt wurde anerkannt, dass es doch so etwas wie feinstoffliche Energie gab. Und diese Energie überdauerte den Tod. So neu war diese Erkenntnis nicht. Schon Carl Ludwig Freiherr von Reichenbach (*1788, †1869), einer der bedeutendsten Chemiker des 19. Jahrhunderts, Entdecker des Paraffins, ging davon aus, dass es neben der sichtbaren Welt des Alltagslebens eine zweite, feinstoffliche, aber genauso reale Welt gibt Diese für die meisten Menschen unsichtbare Realität könne, so Reichenbach, von Sensitiven gesehen werden. Der menschliche Leib erstrahle für sie in farbenfrohem Glanz, der den Körper eines jeden Menschen wie eine Hülle umgibt. Er nannte dieses unsichtbare Etwas Od und verstand es als Ausdruck der Lebenskraft.

Foto 6: Prof. Dr. mult. Hermann Oberth und W.-J.Langbein

Professor Dr. Dr. Ing. Hermann Oberth (*1894, †1989), der als »Vater der Weltraumfahrt« in die Wissenschaftsgeschichte einging, beschäftigte sich viele Jahre auch mit parapsychologischen Phänomenen. Im Gespräch mit dem Verfasser erklärte der nachdenkliche Philosoph: »Es wird sicher der unsichtbaren Welt des Feinstofflichen und Übersinnlichen nicht vollkommen gerecht, wenn wir sagen, dass der Mensch einen feinstofflichen Energiekörper besitzt. Wir können aber als Wissenschaftler nur das Messbare registrieren. Und die Kirlians haben nun einmal etwas wie einen unsichtbaren Energiekörper sichtbar gemacht. Jahrhunderte lang sprach man von Spuk und Geistern. Als Wissenschaftler sieht man die Dinge nüchterner. Diese Phänomene sind Erscheinungsformen einer Energie, die auch heute noch nicht in vollem Umfange ergründet ist! Diese Energie ist ›unsterblich‹.«

Literatur
Bender, Hans: »Parapsychologie«, Bremen 1970
Gierer, Alfred: »Die Physik, das Leben und die Seele«, München 1985
Langbein, Walter-Jörg: »Auch Gespenster brauchen Liebe«, in »Das Neue Zeitalter«, Nr. 39/82
Watson, Lyall: »Geheimes Wissen«, Frankfurt 1976
Watson, Lyall: »Beyond Supernature«, London 1986
Wilson, Robert Anton: »The Science of the Impossible«, New York 1969

Zu den Fotos
Foto 1: Pyles »Piratengeist«, Foto wiki commons public domain 
Foto 2: Sigmund Freud um 1921, Foto gemeinfrei.jpg
Foto 3: C.G. Jung, gemeinfrei
Foto 4: Kirlianfotografie eines Blattes. Foto wikimedia commons/ Thomas Wedekind
Foto 5: Kirlianfotografie eines Blattes. Foto wikimedia commons/ Thomas Wedekind
Foto 6: Prof. Dr. mult. Hermann Oberth und W.-J.Langbein. Foto privat

493. »Geister kann man fotografieren«,
Teil 493 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 30. Juni 2019



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