Dienstag, 15. März 2011

Aus aktuellem Anlass - Atomausstieg Jetzt und Sofort!

Bild
Public Domain
»Wenn ich die Folgen geahnt hätte, wäre ich Uhrmacher geworden«. Dieses Zitat von Albert Einstein bringt in genial einfacher Weise auf den Punkt, dass es Dinge gibt, von denen der Mensch besser die Finger lassen sollte. Schon Johann Wolfgang von Goethe, der noch nichts von Kernenergie wissen konnte, schien gewisse Vorahnungen zu haben, formuliert er doch in seinem berühmten Gedicht »Der Zauberlehrling«: „Herr, die Not ist groß! / Die ich rief, die Geister, / Werd ich nun nicht los.“

Niemand kann von sich sagen, er habe es nicht gewusst. Auch nicht die Politiker, die maßgeblich am Ausbau der Kernenergie mitgewirkt haben, gegen massive Widerstände des Volkes, besonders der jeweiligen Anwohner. Wer in Zeiten von Franz-Josef Strauß Bedenken anmeldete, wurde schnell als grüner Spinner, als weltfremder Ahnungsloser diffamiert. Eine der Lügen, die ich noch als Kind irgendwann in den späten Siebzigern aufgeschnappt habe, lautete sinngemäß: »Die Wahrscheinlichkeit eines Super-GAUs liegt bei 100.000 Jahren.«

Also entweder, die Zeit vergeht noch schneller, als sie es ohnehin schon tut, oder an dieser Berechnung kann etwas nicht stimmen. Ist es nicht erst 25 Jahre her, seit ganz Europa von der radioaktiven Wolke aus Tschernobyl in eine strahlende Zukunft geführt wurde?

Zwischen der Anti-Atomkraft-Bewegung und der linksradikalen Szene im allgemeinen Bewusstsein eine diffamierende Verknüpfung herzustellen, das war zum einen das politische »Meisterstück« des Franz-Josef Strauß und ist zum anderen der Tatsache geschuldet, dass etliche Linksradikale, die bemerkten, dass sie mit ihrer Ideologie in der damaligen Bundesrepublik kein Bein auf den Boden bekommen würden, bei den neu gegründeten GRÜNEN Unterschlupf suchten, um über die Popularität der Anti-Atomkraftbewegung neuen Auftrieb zu erhalten.

Und so blieb alles beim Alten. Wer wollte schon dauerhaft ein grüner Spinner oder ein Stalinist genannt werden? Man richtete sich ein, verdrängte das Risiko und hoffte, dass die 100.000-Jahre-Regel den Tatsachen entsprechen möge. Selbst als im Jahre 1986 das Undenkbare in Tschernobyl Realität wurde, ließ die Gesellschaft sich weiter einlullen. Jetzt sehe man, wohin das führe, wenn Kommunisten mit Kernenergie hantierten!, befand Franz Josef Strauß und schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Ja, so funktioniert die Instrumentalisierung menschlichen Leidens als Waffe in einem Kalten Krieg. Deutsche Sicherheitsstandards hingegen, die seien nicht vergleichbar mit sowjetischer Schlampigkeit, ließ man uns wissen. Deutschland, Deutschland. Mal wieder über alles.

Der von der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder beschlossene Ausstieg aus der Atomkraft wurde durch die darauf folgende schwarz-gelbe Koalition unter dem Stichwort »Ausstieg vom Ausstieg« faktisch rückgängig gemacht. In die Hände gespielt wurde den nuklearen Zauberlehrlingen durch die Klima-Debatte. Atomkraft wurde uns in diesem Zusammenhang als CO2-neutral und sauber verkauft. Wer wird da noch über die Entwicklung der solaren Wasserstofftechnologie nachdenken, wenn das Atomzeugs so schön sauber ist? - Nun kochen die Reaktoren in Japan. Wir stellen langsam fest: Atomkraft ist nicht sauber. Der Dreck ist lediglich unsichtbar, was unserem ästhetischen Empfinden entgegenkommt.

Die Zeiten haben sich geändert. Der Protest ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. So, wie es war, wird es nicht bleiben. Angela Merkel hat offenbar verstanden, dass sie mit einer weiteren Befürwortung der Kernkraft nicht eine einzige Wahl mehr gewinnen wird. Angesichts anstehender Landtagswahlen geht nun alles sehr schnell: Innerhalb der nächsten 48 Stunden soll das Atomkraftwerk Neckarwestheim endgültig vom Netz gehen, folgen soll Isar I.

Lassen wir uns diese historische Chance nicht entgehen! Der schnellstmögliche Ausstieg muss auch nach den bevorstehenden Wahlen weitergehen. Wir sind das Volk! Der Atomdreck muss weg. Endgültig und ohne Wiederkehr. Drängen wir auf den Ausbau der Solarenergie und des solaren Wasserstoffs. Die Technologie ist weitgehend vorhanden. Noch ungelöste Probleme müssen jetzt zügig angegangen werden. Sorgen wir dafür, dass Politiker, die uns Scheiße für Gold verkaufen, kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Wer uns »höchste Sicherheitsstandards« vorgaukelt, während er heimlich für die gesamte Bevölkerung Jodtabletten hortet, falls das mit der Sicherheit sich als Fehler herausstellen sollte, darf keine Chance mehr auf Wiederwahl haben.

Hier weiterlesen zur Atomkatastrophe in Japan:
http://nachrichten.t-online.de/atomkatastrophe-in-japan-kuehlung-mit-hilfe-von-hubschraubern/id_44992592/index

Sonntag, 13. März 2011

60 »Der geheimnisvolle Tote von Túcume«

Teil 60 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Hunderte von Pyramiden gab es einst im Verwaltungsbezirk Lambayeque bei Túcume. Zigtausende Arbeiter haben sie vor mindestens eintausend Jahren aus ungebrannten, an der Sonne getrockneten Lehmziegeln errichtet. Anders als die Pyramiden von Ägypten und Mexiko hat ihnen die Witterung schon sehr stark zugesetzt. Tiefe Furchen hat der Zahn der Zeit in sie hinein gebissen.

Anscheinend waren die gleichen Baumeister wie in Sipán am Werk. Die Pyramiden von Túcume gleichen jenen in der Region von Sipán nicht nur, sie sind zum Verwechseln ähnlich. Die Baumeister waren offenbar Nachkommen der Mochica, die schon Jahrhunderte zuvor »wak'a« bauten: heilige Berge, auch Tempelberge genannt. Womöglich dienten sie als Plattformen für Tempel... oder astronomische Observatorien. Den Spaniern jedenfalls waren sie verhasst. Offenbar wussten die christlichen Eroberer, dass die künstlichen Berge den »Heiden« heilig waren.

Modell von Túcume (Foto W-J.Langbein)
Heutige Besucher sollten bedenken: Die Pyramiden sind aus brüchigem Material gebaut. Man sollte die uralten Denkmäler respektieren und die vorgesehenen Wege nicht verlassen, um Beschädigung zu vermeiden. Es ist in der Wüstenregion dort oft extrem heiß. Besucher sollten unbedingt ausreichend Getränke mit sich führen, sich intensiv eincremen und eine Kopfbedeckung tragen.

Um ihre Macht zu demonstrieren boten die marodierenden Spanier den Pyramidenbauern von Túcume milde die Chance, den eigenen Göttern abzuschwören und sich taufen zu lassen. Vermutlich wirkten die Missionare nicht besonders überzeugend auf die Einheimischen. Predigten sie doch einen Gott der Liebe... und das in Begleitung ihrer spanischen Landesleute, die in oft unvorstellbar grausamer Weise folterten und mordeten.

Unter einer Pyramide wie dieser ...
(Foto Walter-Jörg Langbein)
Bei Túcume errichteten sie auf einer der Pyramiden Scheiterhaufen. »Störrige Heiden«, die nicht zum Christentum konvertierten, wurden grausam misshandelt und schloeßlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Wer »störrisch« bleibe und kein Christ werde... der habe kein besseres Ende verdient, verkündeten die geistlichen Herren. Noch heute wird die mysteriöse Ansammlung von Pyramiden von den Einheimischen »Purgutario« genannt, zu Deutsch »Fegefeuer«.

Pedro Cieza de León beschrieb als vermutlich erster Europäer die riesige Ansammlung von Pyramiden anno 1553. Seither lockten die vom Zahn der Zeit arg in Mitleidenschaft gezogenen Bauwerken unzählige Grabräuber an. Niemand weiß, was sie entdeckten und verschwinden ließen. Unter einer der typischen Túcume-Pyramiden wurde – von Grabräubern übersehen – der Leichnam eines Häuptlings gefunden, der so gar nicht nach Peru zu gehören schien.

Langohr-Osterinsulaner
War er doch gekleidet wie ein vornehmer.... »Fürst« der Osterinsulaner! Ganz so wie die »adeligen« Langohren vom einsamsten Inselchen der Welt hatte der vornehme Tote von Túcume künstlich verlängerte Ohrläppchen. Eine Darstellung aus dem 18. Jahrhundert zeigt so einen Menschen mit für uns ungewöhnliche Ohrkunst. Vermutlich schon Babys wurden traktiert, um ihre Ohrläppchen in die Länge zu ziehen. Was zunächst ein schmerzerzeugendes Instrument war – Gewohnheit ist alles – zum Schmuck.

Bei den Osterinsulanern wurden also Gewichte angebracht, Ohrpflöcke, steckten in ihren Ohren. Eben diese Besonderheit soll auch der Tote von Túcume aufgewiesen haben. Auch seine Kleidung soll sehr osterinsulanisch gewesen sein! Das gilt auch für ein Paddel, das man dem Toten von Túcume offenbar als Grabbeigabe mitgegeben hatte. Ein Paddel in einem Wüstengrab mutet seltsam an... es sei denn der Tote war ein Osterinsulaner!

Nach Überzeugung der Osterinsulaner stammten ihre Vorfahren aus dem Westen des Eilands, also aus dem polynesischen Raum: ihre einstige Heimat sei – wie ein Atlantis der Südsee – in grauer Vorzeit in den Fluten versunken! In Polynesien galt es als besonders vornehm, sich die Ohren mit Gewichten in die Länge zu ziehen. Diese eigenartig anmutende Sitte übernahmen die Osterinsulaner. Womöglich gab es immer wieder Auswanderungswellen von West nach Ost: Vom Atlantis der Südsee zur Osterinsel, von der Osterinsel nach Südamerika, nach Peru... und womöglich nach Guatemala!

Guatemala-Statue
(Foto-Archiv Langbein)
Vor nunmehr 60 Jahren, anno 1951, wurde auf dem Gebiet der »Los Encuentros«-Plantage, San Felipe, Department Retalhuleu, ein wirklich mysteriöses Monument gefunden.

Dr. Oscar Rafael Padilla Lara aus Guatemala, der zeitweise in Florida lebte, machte mich auf die fremdartige Figur aufmerksam. Nach allgemein akzeptiertem Kenntnisstand ist sie einzigartig in Südamerika. Nach hat sie beachtliche Ausmaße. An der Basis soll sie einen Durchmesser von vier Metern haben. Die Höhe beträgt angeblich acht Meter.

Unbekannt ist, wann welcher Bildhauer dieses Kunstwerk geschaffen hat. Einem südamerikanischen Stil kann man sie nicht zuordnen. Dem Foto – das schon älteren Datums sein muss – nach zu urteilen weist die Figur typische Merkmale auf: die Nase im steinernen Gesicht und die hochmütig-arrogant zugespitzten Lippen erinnern deutlich an die legendären Statuen der Osterinsel!

Auch die Kolosse des Südseeeilandes haben diesen blasierten Gesichtsausdruck um Augen, Mund und Nase: und zwar jede einzelne dieser Statuen, die so aussehen, als seien sie nach einer Vorlage wie am Fließband gefertigt worden.

Osterinselkoloss
(Foto W.-J.Langbein)
Seit vielen Jahren recherchiere ich: Wann genau entstand das Foto? Das Automobil sowie die Person daneben lassen vermuten, dass es schon vor einigen Jahrzehnten entstand. Ist die Statue einzigartig in Guatemala? Oder gibt es, verborgen im Urwald, weitere ähnliche Kolosse? Wiederholt plante ich eine Reise zum Koloss von Guatemala, musste das Vorhaben aber immer wieder aufgeben. So hieß es, dass genau dort rivalisierende Banden einander bekämpfen würden. Ein Fremder würde leicht und schnell als vermeintlicher Spion der jeweils anderen Gruppe ins Jenseits befördert und ohne Umstände irgendwo im Urwald verscharrt.

Angeblich haben inzwischen schwer bewaffnete Bandenmitglieder die Statue als Zielobjekt für ihre Schießübungen missbraucht und dadurch stark beschädigt. Angeblich, so teilte mir Dr. Oscar Rafael Padilla Lara bereits 1995 per Brief mit, sei die steinerne Figur »stark beschädigt«. Damals bereitete ich mein Buch »Bevor die Sintflut kam« vor.

Ob sie heute noch existiert? Oder wurde sie gänzlich zerstört, um so ein mögliches Ziel potentieller neugieriger Besucher zu beseitigen: von politischen Rebellen oder von gewaltbereiten Rebellen?

Osterinselriese mit europäischem
Zwerg - (Foto: Ingeborg Diekmann)
Dann wieder – so hieß es bei meinen Vorabrecherchen – war von Verbrecherbanden die Rede, die die Gegend dort unsicher machten und für Eindringlinge keinerlei Sympathien hegen sollen. So verzichtete ich bis heute auf einen Besuch vor Ort.

»Das unmögliche Tal«,
Teil 61 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 20.03.2011


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