Sonntag, 17. Mai 2020

539. »Hesekiel sah das Rad«

Teil 539 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung.
Farblich verändert und kontrastverstärkt
zur Hervorhebung der Details.
Zu sehen ist das Rad in vier verschiedenen
Bearbeitungen.



William Levi Dawson (*1899; †1990) komponierte 1942 ein Lied für gemischten Chor, das Hesekiels himmlische Sichtung immer wieder refrainartig besingt. Zahlreiche Künstler nahmen sich des erfolgreichen Songs an. Louis Armstrong (*1901; †1971) hat »Ezekiel sah das Rad« in seiner ganz speziellen Weise besungen, Johnny Cash (*1932; †2003) ebenso. Woody Guthrie (*1912; †1967) hat das Lied über das himmlische Rad ebenso erklingen lassen wie der Gospelchor »The Charioteers« (1930-1957) oder der Chor »The Dixie Hummingsbirds« (gegründet 1928). Bing Crosby (*1903; †1977) nahm »Ezekiel saw the wheel« ebenso auf wie John Lee Hooker (* vermutlich 1917; †2001).

Zahlreiche Künstler nahmen »Ezekiel saw the wheel« in ihr Repertoire auf. Sie variierten den Text manchmal mehr, manchmal weniger. Aber alle beschrieben das himmlische Rad, alle wiederholten refrainartig »Ezekiel sah das Rad, hoch oben in der Luft.« Bei Johnny Cash allerdings »wirbelte« das Rad »hoch oben in der Luft«, bei Louis Armstrong sah Hesekiel das Rad einfach nur »ganz oben in der Luft«.

Weihnachten 1982 präsentierte Johnny Cash mit dem Chor »Mighty Clouds of Joy« und der »Carter Family« meine Lieblingsversion von »Ezechiel saw the Wheel«. Ausführlich zitiert Johnny Cash den mysteriösen Bibeltext von der »Herrlichkeit des Herrn« (»Majestas Domini«).

Foto 2: »St. Maria und Clemens«,
Schwarzrheindorf, um 1900.

Als ich vor Jahren »Hesekiels Rad« begegnete, da geschah dies nicht unter freiem Himmel, sondern in einem altehrwürdigen Gotteshaus, nämlich in »St. Maria und Clemens« in Schwarzrheindorf. Die romanische Doppelkirche ist einer der schönsten und zugleich geheimnisvollsten Sakralbauten, die ich je besucht habe. Ihre großflächigen Deckenmalereien würden einen mehrtägigen Besuch rechtfertigen. Man könnte sich sogar wochenlang in die herrliche sakrale Kunst vertiefen.

»Mein« Taxifahrer freute sich, als ich am Bonner Hauptbahnhof einstieg und mein Ziel, »St. Maria und Clemens«, nannte. »Diese Kirche ist leicht zu finden, wenn man weiß, wo sie ist! Vom ›Beueler Zentrum‹ im Stadtbezirk Beuel geht es nach Norden. Im Bonner Ortsteil Schwarzrheindorf/Vilich-Rheindorf kann man sie dann gar nicht mehr verfehlen!«

Ich ärgerte mich etwas. Von einem Vorortbahnhof aus wäre die Taxifahrt vielleicht nicht so lang ausgefallen. Aber die begeisterten Schilderungen »meines« Taxifahrers ließen meinen Verdruss verschwinden. »Machen Sie ruhig eine Führung mit! Aber genießen Sie einfach die üppige Pracht der Gemälde. Was die im Einzelnen bedeuten, da haben sich die Theologen wohl mancherlei ausgedacht! Aber achten Sie unbedingt auf das fliegende Rad aus der Bibel!« Zu einem besonderen Erlebnis wurde die Fahrt nach Schwarzrheindorf  durch eine musikalische Darbietung des Taxifahrers.

Foto 3: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung.
Farblich verändert und kontrastverstärkt zur
Hervorhebung der Details.

Der fragte mich, ob ich das Lied »Ezekiel saw the Wheel« kenne. Als ich das bejahte, da schmetterte er »Ezekiel saw the wheel« so laut, dass auch andere Verkehrsteilnehmer in den akustischen Genuss kamen. Der Gesangsstil des Taxifahrers war einzigartig. Offensichtlich war er stärker vom Sangeskünstler Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer (*1956) als von Johnny Cash, Woody Guthrie oder Bing Crosby beeinflusst. Aber vielleicht machte der Chauffeur auch gerade eine starke Entzündung der Nasennebenhöhlen durch. Jedenfalls war vom Text des Liedes kaum etwas zu verstehen. Je unklarer seine Artikulation wurde, desto lauter sang der Mann am Lenkrad. Manchmal blieb er kurz stecken, holte dann aber die verlorene Zeit durch schluckaufartige Sangestechnik wieder auf. Oder sollte der singende Taxifahrer zwischendurch tatsächlich immer wieder von mächtigen Schluckaufattacken heimgesucht worden sein? Oder unterliefen ihm einige Rülpser, die allerdings kaum auffielen.

Manchmal war ich mir nicht sicher, in welcher Sprache der Gesang vorgetragen wurde. War das Englisch? Oder Türkisch? Manches klang auch französisch. Unbezweifelbar englisch war allerdings »Ezekiel saw the wheel«.

Foto 4: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung.
Farblich verändert und kontrastverstärkt zur
Hervorhebung der Details.
Zu sehen ist das Rad in vier Variationen.

»Schwarzrheindorf« liegt rechts des Rheins. Der kleine Ortsteil von Bonn hat etwa 4.500 Einwohner. Die Kelten siedelten hier bereits. »Schwarzrheindorf« gilt als eine der ältesten Siedlungen der Kelten im schönen Rheintal. Die Oberkirche von »St. Maria und Clemens« ist der Gottesmutter Maria, die Unterkirche dem »Heiligen Clemens« geweiht. Einst gehörte das Gotteshaus als Kapelle zu einem imposanten burgähnlichen Gebäudekomplex. Vom weltlichen Teil aus konnte man direkt in das Obergeschoss der Kirche gelangen. Eher bescheidene Abbruchreste lassen die einstige »Burg« nicht einmal mehr auch nur erahnen. Dass es so eine Burg einst gegeben hat, das hat Bernhard Hundeshagen (*1784; †1858) bereits anno 1820 nachgewiesen.

»St. Maria und Clemens« (1) wurde, das ist beurkundet, am 25. April 1151 vom Kölner Erzbischof Arnold von Wied im Beisein des Königs Konrad III. geweiht. Die Doppelkirche in Schwarzrheindorf gilt als romanisches Kleinod. Die herrlichen Wandmalereien aus dem 12. Jahrhundert machen das Gotteshaus zu einer echten Kostbarkeit. Die üppigen Malereien in der Unter- und Oberkirche sollen, so erfuhr ich von meinem Führer, zu den am besten erhaltenen Bildwerken dieser Zeit gehören.

Allerdings, so räumte mein Führer ein, sei es da und dort zu »malerischen Rekonstruktionen« gekommen, die wohl der Fantasie der Restaurateure entsprungen sind und nicht die zum Teil leider dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallenen Originale haben wieder entstehen lassen. Weitschweifig erklärte mir mein wortgewandter Führer, dass die zahlreichen Einzelgemälde nach einem »komplexen System« angeordnet worden seien und dass es ein »äußerst genau ausgeklügeltes Miteinander« der einzelnen Darstellungen gebe.

Offen gestanden: Ich habe manches, was mir der Führer erklärte, nicht nachvollziehen können. Vielleicht hat mich auch das »Rad« des Hesekiel, das da über meinem Kopf zu schweben schien, zu stark abgelenkt. Mir ist kein zweites Gotteshaus bekannt, das einen ganzen Hesekiel-Zyklus zu bieten hat. Nirgendwo sonst habe ich in einer Kirche den Propheten Hesekiel thematisiert entdecken können. Mir scheint, da ist »St. Maria und Clemens« einzigartig, und das wohl weltweit.

Wann genau die Ausgestaltung der Kirche mit üppiger Malerei abgeschlossen wurde, das ist nicht bekannt, wie Albert Verbeek anmerkt (2). Die Unterkirche war zu Lebzeiten des Stifters Arnold von Wied (*um 1098; †1156), also spätestens 1156 voll ausgemalt. Unbekannt ist, wann die herrlichen Wandmalereien übertüncht wurden. Dieser barbarische Vorgang dürfte bis zu neun Mal wiederholt worden sein. Gewiss, die Tünche-Schichten schützten die Malereien auch, etwa als die Kirche (3) »als Stall und Scheune diente«.

Foto 5: »Hesekiels Rad« vor der Restaurierung
(Skizze Christian Hohe).

1854 begann Christian Hohe mit der planmäßigen Freilegung der Malereien. Er ließ die Tünche mit tuchumwickelten Holzhämmern abklopfen. Dabei kam es leider zu Beschädigungen der Originalgemälde. Bei der ersten Übermalung hatte sich die frisch aufgebrachte Kalkmilch mit der Originalfarbe verbunden, so dass nicht nur die störende Tünche, sondern auch Originalfarbe abgeschlagen wurde. Offenbar wurden zumindest Teile der äußeren Farbschicht mit der Tünche abgelöst.

Christian Hohe (*1798; †1868) war akademischer Zeichenlehrer der Universität zu Bonn und fantasiebegabt. Freie Stellen ergänzte er nach Gutdünken. Nicht unterschätzt werden darf, dass bei der Restaurierung durch Hohe manches Mal seine Interpretation im Vordergrund stand. Hohe meinte zum Beispiel in einem Gemälde die Darstellung eines Engels erkennen zu müssen und so sah die Gestalt dann auch aus. Daraus wurde nach neuerem Verständnis wieder (?) der Prophet Hesekiel. Christian Hohe einige nur noch schwach auszumachende Gestalten als »Ritter« gesehen und entsprechend »rekonstruiert«. Bereits 1902 wurden die »Ritter« durch neuerliche Bearbeitung zu allegorischen Darstellungen der Tugenden.

Bei aller berechtigter Kritik muss aber festgehalten werden, dass sich Christian Hohe  durchaus in positivem Sinne als Restaurator verdient gemacht hat. Vorhandenes, noch Erhaltenes hat er kenntnisreich gesichert. Ein »Überzug von in Benzol und Terpentingeist aufgelöstem Wachs« schützte nicht nur die alten Farben, vielmehr wurden die alten Malereien klarer und wieder fester.

Foto 6: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung.
Farblich verändert und kontrastverstärkt zur
Hervorhebung der Details.

Was mich in die Unterkirche von »St. Maria und Clemens« zu Schwarzrheindorf geführt hat, das beschreibt Albert Verbeek so (4): »Auf der Südseite ist die Berufungsvision Ezechiels am Flusse Kebar geschildert, im Zwickel der Prophet zusammengekauert, darüber die hergewehte Wolke und daneben ein Rad nach den Worten: ›Ich schaute und siehe: ein Sturmwind kam von Norden, eine große Wolke und flackerndes Feuer; aus deren Mitte strahlte es wie das Blinken von Glanzerz. In seiner Mitte war etwas, was vier Lebewesen glich… Ein Rad war auf der Erde.«

Foto 7: Gestalt in
»Hesekiels Rad«
(Skizze Christian Hohe,
Ausschnitt).

Da stand ich also in der für das Volk bestimmten Unterkirche und starrte zu Hesekiel empor, der da seltsam zusammengekauert zu sitzen schien. Über ihm aber, hoch oben am Himmel, da stand ein gewaltiges Rad, das Rad, das so oft besungen wurde. Und dieses Rad steht nun hoch über mir »am Himmel« der Unterkirche von »St. Maria und Clemens« zu Schwarzrheindorf. Das mysteriöse Rad war freilich, anno 1854 nur noch zum Teil erhalten. Nachdem Christian Hohe die weiße Tünche hatte abschlagen lassen, da zeigte sich, dass fast die Hälfte des Originals fehlte. Bevor mit der planmäßigen Freilegung der Malereien begonnen wurde, fertigte Christian Hohe Zeichnungen an. Mir liegt eine Zeichnung Hohes vom Rad, das Hesekiel sah, in Kopie vor. Sie zeigt Erstaunliches. Da sitzt im Rad eine Gestalt, von der man in der Skizze Kopf und Oberkörper sieht, und blickt aus dem Inneren des Rades heraus. Wer soll das sein? Ein Engel vielleicht?

Das nur zum Teil erhaltene Rad wurde schließlich vervollständigt. Die Gestalt im Rad (Foto 7!) allerdings wurde nicht in die wiederhergestellte Malerei aufgenommen. Ob sie im Original zu sehen war? Und wenn dem so war, wieso ließ man sie dann verschwinden?

Foto 8:
Noch einmal
das EINE Rad Hesekiels
in vier Variationen
(zur Hervorhebung der sonst schwer
zu erkennenden Einzelheiten!)


Fußnoten
(1) Doppelkirche Schwarzrheindorf, Dixstraße 41, 53225 Bonn
(2) Verbeek, Albert: »Schwarzrheindorf/ Die Doppelkirche und ihre Wandgemälde«, Düsseldorf 1953, Seite XXXVI
(3) Ebenda, 13. Zeile von unten

Zu den Fotos
Foto 1: Hesekiels Rad von Schwarzrheindorf. Fotocollage. Farblich verfremdet.
Kontrastverstärkt zur besseren Sichtbarkeit der Details. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: »St. Maria und Clemens«, Schwarzrheindorf, um 1900. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein (Anmerkung: Nach meinen Recherchen entstand das Foto definitiv vor 1910, vermutlich um die Jahrhundertwende.)
Foto 3: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung. Farblich verändert und kontrastverstärkt zur
Hervorhebung der Details. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung. Farblich verändert und kontrastverstärkt zur
Hervorhebung der Details. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: »Hesekiels Rad« vor der Restaurierung (Skizze Christian Hohe). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung. Farblich verändert und kontrastverstärkt zur Hervorhebung der Details. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Gestalt in »Hesekiels Rad« (Skizze Christian Hohe, Ausschnitt). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Noch einmal das EINE Rad Hesekiels in vier Variationen (zur Hervorhebung der sonst schwer zu erkennenden Einzelheiten!)Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 

540. »Hesekiel, Gilgamesch und Pfeile Gottes«,
Teil 540 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24. Mai 2020


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Sonntag, 10. Mai 2020

538. »Die Herrlichkeit des Herrn«

Teil 538 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Nehmen wir an, vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden hatte jemand Begegnungen mit etwas Unfassbarem. Das geschah etwas, das war für unseren Zeugen zu fantastisch, um es wirklich zutreffend in Worte zu fassen. Was unser Zeuge gesehen hat, er konnte es nicht begreifen. Er konnte nur versuchen, das Geschehene zu umschreiben. Er wählte Bilder aus seiner alltäglichen Umwelt. So entstand so etwas wie ein Bild in Worten, wie eine Collage, die bizarr werden musste. Hesekiel (Ezechiel) schreibt (1):

Foto 1: Was sah der biblische Hesekiel? (Bibelillustration)

»Vers 4: Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Norden her, eine mächtige Wolke und loderndes Feuer, und Glanz war rings um sie her, und mitten im Feuer war es wie blinkendes Kupfer. Vers 5: Und mitten darin war etwas wie vier Wesen; die waren anzusehen wie Menschen. Vers 6: Und jedes von ihnen hatte vier Angesichter und vier Flügel. Vers 7: Und ihre Beine standen gerade, und ihre Füße waren wie Hufe von Stieren und glänzten wie blinkende, glatte Bronze.

Vers 8: Und sie hatten Menschenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; die vier hatten Angesichter und Flügel. Vers 9: Ihre Flügel berührten einer den andern. Und wenn sie gingen, brauchten sie sich nicht umzuwenden; immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter. Vers 10: Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen und zur rechten Seite gleich einem Löwen bei allen vieren und zur linken Seite gleich einem Stier bei allen vieren und hinten gleich einem Adler bei allen vieren. Vers 11: Und ihre Flügel waren nach oben hin ausgespannt; je zwei Flügel berührten einander, und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib.«

Foto 2: Hesekielvision
(Raphael, frühes 16. Jahrhundert)

Wer war »unser« Zeuge? War es Hesekiel selbst, den wir als einen der Verfasser eines Texte kennen, den wir im »Alten Testament« finden? Oder konnte Hesekiel auf eine ältere Überlieferung zurückgreifen, in der Unbegreifbares beschrieben wurde? Übernahm Hesekiel eine sehr viel ältere Beschreibung, weil sie ihm geeignet schien, so etwas wie ein fantastisches Bild von Gott zu erschaffen? Hat Hesekiel seine Vorlage unverändert übernommen? Oder hat er sie bearbeitet?

Nach Luther vermeldet der Zeuge (2) »eine mächtige Wolke und loderndes Feuer«. In der »Elberfelder Bibel« erfahren wir im gleichen Vers mehr. Da lodert das Feuer nicht, da »zuckt es hin und her«. »Hoffnung für alle« wiederum lässt im gleichen Vers weder Feuer »lodern«, noch »hin und her zucken«. Stattdessen »schossen … Blitze aus ihr hervor«. In der »Zürcher Bibel« begegnen uns Bekannte: »eine grosse Wolke und flackerndes Feuer«. von einem hellen Schein umgeben und Blitze zuckten aus ihr. Die »Gute Nachricht Bibel« war die Wolke »von einem hellen Schein umgeben und Blitze zuckten aus ihr«.

Foto 3: Hesekiel als Motiv von Ikonen

Konsultieren wir die »Einheitsübersetzung 2016«. Wieder könnte die Beobachtung von einem anderen Zeugen stammen, der zwar auch eine »große Wolke« beobachtet hat, aber »ein unaufhörlich aufflammendes Feuer, umgeben von einem hellen Schein«. Die »Neue evangelistische Übersetzung« bemerkte der Zeuge – wieder ein anderer? - »ein zusammengeballtes Feuer, das von einem strahlenden Glanz umgeben war«. Nun ziehe ich noch die »English Standard Version« heran (3) und übersetze aus dem Englischen ins Deutsche: »Als ich hinschaute, siehe, kam ein stürmischer Wind aus dem Norden und eine große Wolke mit Helligkeit um sie herum, und Feuer blitzte ununterbrochen und mitten im Feuer auf, als wäre es glänzendes Metall.«

Was aber wurde beschrieben? Was kam da von Norden her? Der allgegenwärtige Gott jedenfalls kommt nach unserem heutigen christlichen Verständnis von nirgendwo her, einfach weil er überall ist. Lesen wir die verschiedenen Übersetzungen unvoreingenommen, dann begegnet uns etwas Störendes. Da ist immer von Metall die Rede (4): »Und mitten darin war etwas wie vier Wesen; die waren anzusehen wie Menschen.« Wenn da etwas irgendwie »Göttliches« abgebraust kam, aus dem es irgendwie leuchtete und blitze, wer oder was waren dann die »vier Wesen«, die wie Menschen anzusehen waren? Jedes dieser vier Wesen hatte wiederum vier Gesichter und vier Flügel.

Wenn wir die verschiedenen Textversionen lesen und vergleichen, so drängt sich der Eindruck auf, dass die Übersetzer nicht wirklich wussten, was der Zeuge – Hesekiel? – beobachtet und beschrieben hat. Notgedrungen stochern sie ein wenig im Nebel herum, denn der Verfasser des ursprünglichen Textes hat offensichtlich selbst nicht so recht begriffen, was er da gesehen hat.


Foto 4: Josef Blumrich und
Hesekiels Raumschiff.

Nach NASA-Ingenieur Josef Blumrich hatte das von Hesekiel beschriebene Flugobjekt einen atomar betriebenen »Raketenantrieb« für Flüge aus dem Erdorbit zur Erde. Im erdnahen Raum konnten vier Helikopter-Einheiten eingesetzt werden.

Stellen wir uns vor, Hesekiel habe vor zweieinhalb Jahrtausenden ein Zubringerraumschiff gesehen, das zwischen einer Orbitalstation und der Erde pendelte. Wir können davon ausgehen, dass eine solche Begegnung für Hesekiel damals ein höchst ungewöhnliches, nicht begreifbares Ereignis war. So kann er (oder wer auch immer Zeuge war) nur versuchen, mit seinen sprachlichen Mitteln dieses Ding, das da vom Himmel kam, zu beschreiben. Er musste Ausdrücke seiner Zeit verwenden, in der es Begriffe wie »Raketenantrieb«, »Atomreaktor« oder »Hubschraubereinheit mit Rotoren« nicht gab.

Wenn Hesekiel, bleiben wir bei der Annahme, so ein Zubringerraumschiff sah, dann sind Theologen die Letzten, die das zu erkennen vermögen. Wenn jemand dazu in der Lage ist, hinter den Umschreibungen des Hesekiel die technische Realität wahrzunehmen, dann ist das ein NASA-Mann wie Josef Blumrich. Ich darf auf ein Interview zurückgreifen, das ich mit Josef Blumrich führte.

Frage: »Herr Blumrich, wie kamen Sie eigentlich dazu, in dem Bibeltext Hesekiels die Beschreibung eines Raumschiffes zu sehen?«

Blumrich: »Aus meinen Kenntnissen im Flugzeugbau und dem Bau von Großraketen. Als ich Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft« las, da hielt ich solche Theorien noch für vollkommen unrichtig und fantastisch. Von Däniken schreibt jedoch in seinem Buch ausführlich über die Erlebnisse des Propheten Hesekiel, und ich wollte seine Behauptung, der Prophet habe Raumschiffe gesehen, mit meinem technischen Wissen widerlegen. Das Ergebnis kennen Sie: Ich habe mich selbst von der Richtigkeit der Astronautentheorie überzeugt und auch noch ein Buch geschrieben.«

Frage: »Was halten Sie allgemein von der Theorie, dass einmal in der Vergangenheit – oder vielleicht auch mehrmals – Astronauten auf der Erde landeten und Kontakt mit Menschen aufnahmen?«

Blumrich: »Wenn man einmal weiß, worüber der Prophet berichtet, dann ist man zutiefst beeindruckt von der Genauigkeit der Darstellung des Hesekiel wie auch von der Tatsache, dass er sich nirgends und in keinem Falle widerspricht. Die Schlussfolgerung, dass er tatsächlich Raumschiffe und deren Besatzung gesehen hat, ist zwingend und deshalb unabweisbar und deshalb auch keine Ersatzerklärung, wie ja manchmal behauptet wird.«

Foto 5: Die vier Helikoptereinheiten nach
NASA-Ingenieur Josef Blumrich.


Stellen wir uns vor, Hesekiel erlebte die Landung eines Zubringerraumschiffs. Vier Hubschraubereinheiten rauschten, kamen schließlich zum Stillstand. Wie konnte Hesekiel die technischen Einzelheiten in Worte fassen? Jedes der vier Helikopterelemente hatte vier Rotorblätter. Das ganze Ding konnte fliegen, waren diese vier Dinger dann nicht Flügel? Und wenn an den Helikoptereinheiten mechanische Greifarme angebracht waren, dann kann das vor rund zweieinhalb Jahrtausenden für Hesekiel so ausgesehen haben, als stünden da vier Wesen mit Flügeln und Armen darunter. Das große Ding, das von Norden durch die Lüfte kam, musste es nicht mit dem allmächtigen Gott zu tun haben?

Stellen wir uns vor, dass das fliegende Etwas zur Landung ansetzte. Der Raketenantrieb glühte, die Rotoren der Hubschraubereinheiten machten mächtig Lärm (5): » Und ich hörte ihre Flügel rauschen wie große Wasser, wie die Stimme des Allmächtigen, wenn sie gingen, ein Getöse wie in einem Heerlager.« Schließlich stand das Ding. Hesekiel (oder wer auch immer der ursprüngliche Beobachter gewesen sein mag) notierte (6): »Und ihre Flügel waren nach oben hin ausgespannt; je zwei Flügel berührten einander, und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib.«

Foto 6: Blumrichs Werk
Dieses fliegende Ding muss großen, ja gewaltigen Eindruck auf Hesekiel gemacht haben. Kein Mensch konnte so etwas gebaut haben. Musste Hesekiel das Ding nicht für etwas Göttliches halten? Er schreibt (7): »So war die Herrlichkeit des HERRN anzusehen. Und als ich sie gesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen reden.« Immer wieder verwendet Hesekiel diesen Ausdruck. So schildert er bei einer späteren Begegnung mit dem Ding (8): »Und ich machte mich auf und ging hinaus in die Ebene; und siehe, dort stand die Herrlichkeit des HERRN, wie ich sie am Fluss Kebar gesehen hatte; und ich fiel nieder auf mein Angesicht.«

Raumfahrtpionier Prof. Eugen Sänger stellte schon 1958 in seinem Werk »Raumfahrt« (9) Überlegungen über Wesen von anderen Sternen an, die unsere Erde in der Vergangenheit besucht haben könnten. Er schreibt (10): »Der Wunsch, nach den Sternen zu greifen, ist so alt wie die Menschheit selber ... Der Gedanke der Raumfahrt erscheint daher am frühesten schon in der prähistorischen Menschheitsperiode in den Göttermythen und Sagen.«

Entstand der Wunsch nach Raumfahrt aus Mythen der Vorzeit und aus alten heiligen Büchern der Völker, weil die Menschen davon träumten, in die Tiefen des Alls vorzudringen? Wurden schon vor Jahrtausenden fiktive »Raumfahrergeschichten« formuliert? Prof. Sänger hält das für unwahrscheinlich. Er geht vielmehr von Erinnerungen an reale Ereignisse aus (11):

»Es erscheint uns heute fast wahrscheinlicher, dass unsere Vorfahren diese Vorstellungen aus realen Erfahrungen bei der Begegnung mit prähistorischen Besuchern aus dem Weltraum erwarben, als dass eine ans Unglaubwürdige grenzende Zukunftsschau sie ihnen schon vor Jahrtausenden auf wunderbare Weise geoffenbart hätte.« Der Raumfahrtpionier betonte vor einem halben Jahrhundert, dass entsprechende Hinweise nicht etwa nur bei einzelnen Völkern oder Religionen vorkommen, »sondern praktisch bei allen Völkern der Erde in sehr ähnlicher Weise auftauchen«.


Fußnoten
(1) Hesekiel Kapitel 1, Verse 4-11 (Lutherbibel 2017)
(2) Ebenda, Vers 4
(3) »As I looked, behold, a stormy wind came out of the north, and a great cloud, with brightness around it, and fire flashing forth continually, and in the midst of the fire, as it were gleaming metal.«
(4) Hesekiel Kapitel 1, Vers 5 (Lutherbibel 2017)
(5) Ebenda, Vers 24
(6) Ebenda, Vers 11
(7) Ebenda, Kapitel 28
(8) Hesekiel, Kapitel 3, Vers 23
(9) Sänger, Eugen: »Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges«, Hamburg 1958
(10) Ebenda, S. 124 und S. 125
(11) Ebenda, S. 124

Zu den Fotos
Foto 1: Was sah der biblische Hesekiel? (Bibelillustration).
Foto 2: Hesekielvision (Raphael, frühes 16. Jahrhundert).
Foto 3: Hesekiel als Motiv von Ikonen.
Foto 4: Josef Blumrich und Hesekiels Raumschiff.
Foto 5: Die vier Helikoptereinheiten nach NASA-Ingenieur Josef Blumrich.
Foto 6: Blumrichs Werk.

539. »Hesekiel sah das Rad«,
Teil 539 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17. Mai 2020

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