Sonntag, 10. Juni 2018

438 „Werden wir sein wie die ‚Götter‘?“

Teil 438 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1-3: Götter? Künstliche Intelligenz?

„The Avengers“ wurde zwischen 1961 und 1969 produziert. 161 Folgen entstanden. Die Kultserie wurde im deutschen Sprachraum unter dem Titel „Mit Schirm, Charme und Melone“ ausgestrahlt. Eine Mischung aus Science-Fiction, Thriller, Krimi und Spionage zeichnete die Fernsehserie aus. Unvergessen sind bis heute Diana Rigg (*20.07.1938) als Emma Peel und Patrick Macnee (*06.02.1922;†25.06.2015) als John Steed.

Als 10. Folge der Staffel 5, als 114. Folge insgesamt, wurde am 17.03.1967 „Never, never say die“ (1) ausgestrahlt. Das deutsche Publikum bekam die fantastisch anmutende Folge unter dem Titel „Duplikate gefällig?“ am 7.11.1967 zu sehen. Der deutsche Titel gibt den Inhalt der Folge sehr viel besser als der englische Originaltitel wieder.

Foto 4: Südseegötter...
Zum Inhalt: Professor Frank N. Stone, dargestellt vom großartigen Sir Christopher Lee (*27.05.1922; †7.06.2015) hat begonnen, einen kühnen Plan in die Tat umzusetzen. Es ist ihm gelungen, exakte Kopien von Menschen anzufertigen, Roboter, die den Originalen aus Fleisch und Blut wie ein eineiiger Zwilling dem anderen gleichen. Wichtige Zeitgenossen sollen entführt und durch Roboter-Kopien ersetzt werden.

Man fühlt sich in eine moderne Version von Goethes „Zauberlehrling“ versetzt. Des Professors Kreaturen drehen den sprichwörtlichen Spieß um, sperren ihre menschlichen Originale ein, um im „richtigen Leben“ die Rollen der Menschen zu übernehmen und nach eigenem Gutdünken zu spielen. Die Roboter – künstliche „Menschen“ mit künstlicher Intelligenz können nur mit Mühe von John Steed und der höchst attraktiven Emma Peel ausgeschaltet werden.

Philip Levene (*9.06.1926;†25.03.1973), der in einem Bestattungsinstitut arbeitete, bevor er Schriftsteller wurde, packte also bereits vor einem halben Jahrhundert ein „Eisen“ an, das erst in den nächsten Jahren in der Öffentlichkeit erst richtig zum Glühen gebracht werden wird: „künstliche Intelligenz“.

Computer, wie wir sie heute kennen, sind stets nur so „intelligent“ wie Menschen sie entworfen und gebaut haben. Können also Computer nie intelligenter sein als Menschen? Doch! Man muss lediglich computergesteuerte Roboter bauen, die Computer generieren, die lernen können und immer intelligenter werden. Wie würde eine so geschaffene künstliche Intelligenz handeln? Wie würde sie sich uns Menschen gegenüber verhalten, zumal sich die Menschheit heute nicht wirklich „intelligent“ verhält! Bewohner eines Planeten, die sich im Verlauf einer nur wenige Jahrtausende währenden Geschichte zielstrebig gegenseitig auslöschen, die kann man nicht wirklich als „intelligent“ bezeichnen! Wie würde eine unvorstellbar hoch entwickelte künstliche Intelligenz mit einer vergleichsweise primitiven Menschheit verfahren?

Foto 5: Denkmal für uralte Kontakte mit künstlicher Intelligenz?

Eine von uns selbst initiierte künstliche Intelligenz könnte, das ist nicht auszuschließen, uns Menschen als eine Art Parasit ansehen, der Planet Erde befallen hat und Planet Erde von diesem Schädling befreien. Sollten wir also darauf verzichten, auch nur zu versuchen, künstliche Intelligenz zu schaffen, die sich selbst immer weiter entwickelt, immer intelligenter und intelligenter wird? Leider sind irdische Politiker nie sonderlich weitblickend. Sie denken nur bis zum nächsten Wahltermin. Es wird immer machtgierige Menschen geben geben, die für kurzfristiges Erreichen ihrer Ziele jegliche Skrupel über Bord werfen. Es interessiert sich überhaupt nicht, was mit künftigen Generationen geschehen wird.

Sicher, es gibt auch in der Politik ethisch denkende Menschen gibt, die nur das Gemeinwohl und keine persönlichen Interessen im Sinn haben. Gefährlich sind skrupellose Psychopathen, denen jedes Mittel recht ist, um möglichst viele zu beherrschen. In ihren Händen ist künstliche Intelligenz das Mittel schlechthin andere zu unterdrücken.
Foto 6: Geheimnisvoller Himmel.. geheimnisvolle Götter...

Bill Gates pries Prof. Dr. Raymond Kurzweil (*12.02.1948 in Queens, New York City) als (2) „führenden Experten im Bereich der Künstlichen Intelligenz“. Der Visionär wurde 1998 vom „Massachusetts Institute of Technology“ zum „Inventor of the Year“ ernannt. 2002 wurde er für seine Leistungen in die „National Inventors Hall of Fame“ aufgenommen. Heute arbeitet er als „Leiter der technischen Entwicklung“ bei Google. Prof. Dr. Kurzweil sieht die Entwicklung künstlicher Intelligenz positiv. Seiner Meinung nach wird (3) „der nichtbiologische Teil unserer Zivilisation, die künstliche Intelligenz die Stärken von Mensch und Maschine“ vereinen.

Voller Enthusiasmus schreibt Kurzweil (4): „Sobald künstliche Intelligenz im menschlichen Hirn Fuß gefasst hat …, wird unsere (maschinelle) Hirnleistung exponentiell wachsen und sich jährlich mindestens verdoppeln. Da die biologische Kapazität beschränkt bleibt, wird letztlich der nichtbiologische Anteil unserer Intelligenz überwiegen.“

Mit anderen Worten: In zunehmendem Maß wird der Mensch zum biologischen Roboter, der von einem überwiegend nichtbiologischen Gehirn gesteuert wird. Der Mensch würde seine Evolution zunächst in die Hand nehmen und dann aus der Hand geben. Bei exponentiellem Wachstum der nichtbiologischen Hirnleistung würde so ein Mensch rasch zum Superhirn mit einem biologischen Anhängsel „Mensch“ werden. Dieser biologische Restanteil würde vom Superhirn wohl als hemmend, ja störend verstanden. Wird sich das künstliche Superhirn vom biologischen Anhängsel Mensch trennen und sich einen nichtbiologischen Körper schaffen, der zu ganz anderen Leistungen fähig wäre als der vorsintflutliche Mensch? Werden so Roboter-Wesen entstehen mit unvorstellbar hoher Intelligenz?

Foto 7: Das spannendste Geheimnis...

Bis heute wird von Wissenschaftlern weltweit das „missing link“, das „fehlende Glied“ zwischen Noch-nicht-Menschen und ersten Menschen gesucht. Meine Überzeugung: Der heutige Mensch, genannt „Homo Sapiens Sapiens“, ist das Bindeglied zwischen biologischem Wesen Mensch und nicht-biologischem Superhirn im nichtbiologischen Superroboter. Man könnte auch sagen: Der heutige Mensch ist die Vorstufe zur gottgleichen „künstlichen Intelligenz“.

Werden wir sein wie die Götter? Das nicht! Denn vom heutigen Menschen wird in der künstlichen Superintelligenz nichts mehr zu finden sein. Künstliche Intelligenz wird im Gegensatz zur primitiven biologischen nicht mehr an die Zeit gebunden sein und das Universum erobern. Da stellt sich die Frage: Sind die altehrwürdigen, scheinbar allmächtigen Götter nichts anderes als für uns heute unvorstellbare Formen von künstlicher Superintelligenz? Wir werden nicht sein wie die Götter. Aber geniale Wissenschaftler haben schon längst mit dem Erschaffen von künstlicher Intelligenz begonnen. Gemessen an kosmischen Maßstäben wird der biologische Mensch bald wie ein primitives Fossil der Vergangenheit anheimfallen und in Vergessenheit geraten. 

Werden wir sein wie Götter? Waren die kosmischen Besucher, die vor Jahrtausenden als „Götter“ verehrt wurden, fantastische Wesen mit unermesslicher künstliche Intelligenz?Schließt sich eines Tages der Kreis, wenn wir Menschen künstliche Intelligenz erschaffen, die die Reise ins Universum antritt? Zeit spielt keine Rolle. Entfernungen sind somit belanglos. Wird dieses »Produkt« den Menschen überdauern, noch immer im All reisen, wenn der Mensch sich und seinen Heimatplaneten ausgelöscht haben wird? Und wird unser Werk irgendwann einmal auf einem fernen Planeten eines fernen Sonnensystems landen und in die Mythologie der dortigen Bewohner eingehen? Und zwar als Gottheit, die vom Himmel kam? Ist es künstliche Intelligenz, die sich über das Universum ausbreitet? Ist es die Aufgabe jeder Zivilisation, am Projekt »Intelligenz für den Kosmos« zu arbeiten?

Hand aufs Herz: Wenn wir bedenken, wie wir Menschen mit unseren Mitmenschen, mit anderen Lebewesen, ja mit unserem Planeten umgehen, dann zeugt das nicht von überragender Intelligenz!

Foto 8: ... künstliche Intelligenz.

Werden wir sein wie die Götter? Wie »Gott« werden wir niemals sein. Und kein seriöser Präastronautiker hat jemals behauptet, »Gott« sei ein Außerirdischer gewesen. Seit Erscheinen meines ersten Buches, der Titel war »Astronautengötter«, zu Weihnachten 1979 wird mir freilich immer wieder solcher Unsinn unterstellt. So mancher selbstgefällige Kritiker fragt nicht, sondern unterstellt. »Sie behaupten also ernsthaft, Gott war ein Astronaut! Das ist doch absurd und lächerlich!« So ist es. Eine solche These ist unsinnig, lächerlich und absurd, ich habe aber selbst in meiner jugendlichen »Sturm und Drang«-Zeit nie solchen Unsinn propagiert. 

Als alter »Präastronautiker« unterscheide ich zwischen Gott im religiösen Sinne und den Astronautengöttern. Wobei für mich »Gott« unfassbar und unbeschreibbar ist. »Gott« ist das endgültige Geheimnis, das wir nie verstehen werden. Wir können uns kein Bild von Gott machen.
Einst, in grauer Vorzeit, kamen, davon bin ich überzeugt, Außerirdische aus dem All zur Erde. Die Menschen damals verstanden die Naturgesetze noch nicht. Für sie schleuderten Götter im Himmel Blitze oder ließen es donnern. Zeus galt als der mächtigste der olympischen Götter. Er soll so stark wie alle anderen Götter des Olymp zusammen gewesen sein. In der Regel wird Gottvater Zeus mit einem Blitzbündel und Zepter dargestellt. Thor, auch Donar genannt, galt als »der Donnerer«. Für die Seefahrer war Zeus der Gewitter- und der Wettergott.

Indianerstämme im heutigen US-Bundesstaat Kansas glaubten an einen Gott namens Wakan. Sie waren davon überzeugt, dass sich ihnen der Mächtige niemals zeigte, dass sie aber seine laute und furchteinflößende Stimme hörten. Bei welcher Gelegenheit? Wenn es donnerte.

Foto 9: »Götter« kamen einst in »Himmelsschiffen« zur Erde.

Schon im dritten Jahrtausend v. Chr. wurde im heutigen nördlichen Syrien Wettergott Hadda angebetet und gefürchtet. Wann die vedischen Schriften des Hinduismus entstanden sind, ist bis heute umstritten. Offensichtlich entstand die umfangreiche Sammlung von Hymnen nicht in kurzer Zeit wie ein heutiges Buch, sondern über Zeitalter hinweg. Astronomische Angaben in den Texten haben zu einer Entstehungszeit zwischen 12.000 v.Chr. und 4.000 v.Chr. geführt. Immer wieder werden Götter als Urheber von Gewitter und Sturm angerufen. So machte man die Götter wie Parjanya und die Maruts für Blitz und Donner verantwortlich. Budha, Indra und andere Götter besaßen einen zepterartigen Gegestand, »varja« genannt, der auch als »Donnerkeil« beschrieben wird. Es gab unterschiedliche Varianten, die sich aber alle sehr ähnlich sahen. Nach altehrwürdigen Texten wurden Modelle Angefertigt; die schließlich zu Kultobjekten gemacht und religiös verklärt wurden. Einen »Donnerkeil« besaß auch Zeus, wenn man der griechischen Mythologie Glauben schenken will. Die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen. 

Keine Frage: Weltweit glaubte man, dass sich hinter Naturerscheinungen wie Gewitter und Sturm, Blitz und Donner Götter steckten. Mag sein, dass dieser Glaube von der Geistlichkeit geschätzt und unterstützt wurde. Konnte doch die Priesterschaft auf angebliche Kontakte mit den Himmlischen hinweisen und mit den Waffen der Götter drohen. Wer nicht nach den göttlichen Geboten lebte, der musste mit Bestrafung durch die Götter rechnen. Wer Angst schürt und dann Schutz anbietet, der hat besonders bei ängstlichen Menschen »gute Karten«.

Fotos 10 und 11: Indras »Donnerkeil« (2 Varianten).

Nun stelle man sich vor, dass vor vielen Jahrtausenden ein Vehikel vom Himmel kam. Wie mag das Szenario ausgesehen haben? Spekulieren wir etwas: Die verängstigten Menschen flohen und verseckten sich. Etwas Entsetzliches geschah, ließ die Erde beben. Sie beobachteten, was da zu sehen war und was sie nicht begreifen konnten. Da fuhr etwas vom Himmel herab. Ein Ding, wie sie es noch nie gesehen hatten. Ein Etwas, das schnaubte und fauchte wie ein Monster.

Dieses Ding machte entsetzlichen Lärm und sonderte Feuer ab. Ehrfürchtig warfen sich die Menschen zu Boden. Was sie da sahen, das konnte nur das Himmelsfahrzeug der mächtigen Götter sein. Irdisch war so etwas nicht. Womöglich nutzten die Priester das unheimliche Geschehen, um ihren Schäfchen die Leviten zu lesen. »Die Götter sind erzürnt über euch! Haben wir nicht oft genug gewarnt? Haben wir nicht oft genug gedroht? Ihr aber habt euch über unsere Worte lustig gemacht! Jetzt sind sie vom Himmel herabgestiegen! Fleht um Vergebung! Bittet um Gnade! Wehe euch, die ihr ungläubig wart!«

Als dann gar noch seltsame Wesen aus dem Himmelsvehikel kletterten, da mussten das jene Götter sein, die es immer im Himmel donnern und blitzen ließen. Mag sein, dass die Schäfchen ihren Priestern glaubten und sich vor den vermeintlichen »Göttern« in den Staub warfen. Womöglich haben die Menschen den »Göttern« versprochen, in Zukunft den Priestern zu gehorchen, die doch verkündeten, was die »Götter« von den Menschen erwarteten.

Foto 12: Astronautengott?
Es kamen Außerirdische zur Erde, die mit Göttern verwechselt wurden. Mit einem spirituellen »Gott« hatten diese Wesen nichts zu tun. Der allmächtige Gott, an den Monotheisten jüdischer, christlicher und muslimischer Prägung glauben, ist allmächtig und allgegenwärtig. Ein solcher Gott hat es nicht nötig, Raumfahrt zu betreiben. Er ist immer und überall präsent, zu allen Zeiten und an allen Orten.Wenn ich frage »Werden wir sein wie die Götter?«, dann meine ich natürlich die Astronautengötter, die einst die Erde besuchten. Werden wir sein wie diese Astronautengötter? Davon bin ich überzeugt! Prof. Dr. Dr.-Ing. Hermann Oberth (*1894;†1989) wird mit Fug und Recht als »Vater der modernen Raumfahrt« bezeichnet.

Prof. Hermann Oberth hatte konkrete phantastische Visionen. Irgendwann würden riesige Weltraumstädte in ferner Zukunft von der Erde aus ins All starten. Da sie künstliche Schwerkraft erzeugen würden, können sie dann unter erdähnlichen Verhältnissen unendlich lang unterwegs sein. Generationen werden an Bord geboren, sterben, neue Generationen erblicken das Licht der gewaltigen Raumstation in der von Menschen geschaffenen Miniaturwelt. Warum? Warum würde der Mensch derlei Strapazen auf sich nehmen, um ins All vorzudringen? In so manchem Gespräch erläuterte mir Prof. Oberth diesen Gedanken. Seiner Überzeugung nach würde jedes intelligente Wesen irgendwann Weltraumfahrt betreiben. Der Vater der Weltraumfahrt (X): »Denn das ist das Ziel: Dem Leben jeden Platz zu erobern, auf dem es bestehen und weiter anwachsen kann, jede unbelebte Welt zu beleben und jede lebende sinnvoll zu machen.«

Foto 13: Mein »Erstling«
Mit anderen Worten: Wenn sich der Mensch nicht vorher selbst auslöschen wird, wird er irgendwann interstellare Raumfahrt betreiben. Vielleicht werden sich Menschen selbst auf den Weg ins All machen. Vielleicht werden sie Vertreter entsenden, Wesen mit künstlicher Intelligenz. Vielleicht wird es Möglichkeiten geben, von denen wir heute nicht zu träumen wagen. Vielleicht werden künftige Oberths keine physischen Körper ins All senden, sondern komplexe Systeme aus »Energiefeldern«. Und wenn es dann eines Tages Kontakt geben wird, zwischen den Abgesandten von Planet Erde und den Bewohnern eines fremden Planeten? Dann werden wir die Besucher aus dem All sein. Wie werden wir auf fremden Welten empfangen werden? Ich halte es für sehr gut möglich, dass man uns wiederum mit »Göttern« verwechseln wird, so wie unsere Vorfahren Besucher aus dem All für Götter hielten. In diesem Sinne glaube ich, dass »wir« wirklich wie die Götter sein werden, wie die »Astronautengötter«, die einst zur Erde kamen. Und ich glaube, dass sich auf diese Weise die Intelligenz im gesamten Universum weiter und weiter verbreitet. Denn auch die Wesen, die uns für Götter halten werden, auch diese Wesen werden ihrerseits wieder Raumfahrt betreiben. Und sie werden sich an unseren himmlischen Besuch erinnern.

Fußnoten
(1) Zu Deutsch: „Sag‘ niemals, niemals stirb!“
(2) Das Zitat stammt aus einem CNN-Artikel, der inzwischen nicht mehr online ist.
(3) Kurzweil, Ray: „Menschheit 2.0/ Die Singularität naht“, eBook, 2., durchgesehene Auflage 2014, Pos. 640
(4) ebenda, Position 674
(5) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum/ Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt«, 4. Auflage, Düsseldorf 1963, S. 301

Zu den Fotos
Fotos 1-3: Götter? Künstliche Intelligenz. Motive: Sonnentor von Tiahuanaco. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Südseegötter? Künstliche Intelligenz. Fotomontage. Motiv: Statue einer Gottheit, Pohnpei, Mikronesien, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Denkmal für uralte Kontakte mit künstlicher Intelligenz? Motiv: Statue einer Gottheit, Pohnpei, Mikronesien, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Geheimnisvoller Himmel.. geheimnisvolle Götter... Foto bearbeitet vom Verfasser. Fotovorlage Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Das spannendste Geheimnis... Foto bearbeitet vom Verfasser. Fotovorlage Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: ... künstliche Intelligenz. Foto bearbeitet vom Verfasser. Fotovorlage Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: »Götter« kamen einst in »Himmelsschiffen« zur Erde. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 10 und 11: Indras »Donnerkeil« (2 Varianten). Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 12: Ein »Astronautengott« (Val Camonica, Italien) wird begrüßt. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 13: Cover meines Erstlings mit Astronautengöttern auf dem Cover. Archiv Langbein
 
439 „Und er sprach: Nichts wird euch unmöglich sein.“,
Teil 439 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17.06.2018



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Montag, 4. Juni 2018

Serie Teil 4: Vincent van Gogh und Morbus Menière

Bild: Tuna von Blumenstein

Von Liebe, Leid und Dunkelheit


Anständige Mädchen gehen im Hellen nach Hause. Manchmal, gerade in der dunklen Jahreszeit, lässt es sich nicht verhindern, dass ich bei schlechteren Lichtverhältnissen unterwegs bin. Da machen sich die Störungen des Gleichgewichts bei meiner Steh- und Gehmotorik bemerkbar. Das versuche ich natürlich durch erhöhte Aufmerksamkeit wett zu machen. Wenn es mir möglich ist, verlasse ich unebene Bürgersteige und benutze die Straße.

Sie werden sicherlich den Begriff der »wandelnden Dorfzeitschrift« kennen, vielleicht wohnt ja eine solche Person in Ihrer Nachbarschaft. Stellen Sie sich vor, eine solche Person würde mich regelmäßig abends von ihrem Aussichtspunkt betrachten, wie ich mit unsicherem Gang den Heimweg beschreite. Sie würde denken: »Oh Straße, was bist du so wunderlich! Na, Sylvia hat aber wieder ordentlich einen gehoben!« In der Tat kann dieser Eindruck entstehen. Jetzt stellen Sie sich bitte weiter vor, irgendein junger Naiver hätte bei Tageslicht ein interessiertes Auge auf mich geworfen und befragt diese benannte Dorfzeitschrift, ob sie etwas über mich wüsste. Was denken Sie, wie die Antwort ausfallen würde? Richtig: »Lass es bleiben, die Frau trinkt!«

Wahrscheinlich würde ich von einem solchen Gespräch nichts erfahren und was ich nicht weiß, kann mich nicht betrüben. Die theoretische Chance, eine solche Aussage zu revidieren hätte ich schon, wenn ich denn wollte. Jetzt, wo ich auch ärztlich bestätigt nachweisen kann, dass ich an Morbus Menière leide. Das konnte ich aber in den ersten 20 Jahren meiner Erkrankung nicht. Da galt ich als Simulant, war eine Frau, die sich scheinbar auf problematische Art und Weise interessant machen wollte, war auch Sticheleien ausgesetzt und wurde sogar ausgelacht. Gut, Sie haben recht, ich hätte mich auch aus dem kaltschnäuzigen Umfeld entfernen können, zumal ich ja schon früh ahnte, woran ich krankte. Dass es »vom Ohr« kam, war mir klar, außerdem konnte ich die Symptome dank medizinischer Bücher schon zu frühem Zeitpunkt selbst herausfinden. Trotzdem mag ich mich nicht an all die dummen Sprüche und gut gemeinten Ratschläge selbst ernannter Wunderheiler erinnern.

Lassen Sie dieses Gefühl von Verbitterung ruhig weiter auf sich wirken und begleiten Sie mich auf eine Zeitreise in das Jahr 1888 und dort in das südfranzösische Arles. In eine Zeit, zu einem Ort, an dem es keine Telekommunikation, kein Internet, kein Fernsehen gab, aber dafür bestimmt in jedem zweiten Haus eine »wandelnde Dorfzeitschrift«. Erst 16 Jahre vorher hatte der französischer Neurologe Jean-Martin Charcot die Symptome als Menière'sche Erkrankung bekannt gemacht, was sich aber wohl noch nicht in vollem Umfang herumgesprochen hatte.

In Arles hielt sich ein Genie namens Vincent van Gogh auf, der im Oktober des Jahres den Maler Paul Gauguin zu sich einlud, um mit ihm gemeinsam zu arbeiten. Gauguin hatte der Einladung nur zögerlich nachgegeben. Beide Männer waren religiös orientiert vorbelastet, Vincent van Gogh hatte in Vorzeiten als Hilfsprediger gearbeitet, sich aber zu dem Zeitpunkt von der Amtskirche abgewandt. Paul Gauguin hatte in der Internatsschule den Bischof Félix Dupanloup als Lehrer, der ihn in katholischer Liturgie und Philosophie unterrichtete.

Beiden Männern dürfte das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 5 also die Bergpredigt bekannt gewesen sein: »Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.«

Es ist nie geklärt worden, warum sich Vincent van Gogh bei einem Streit mit Paul Gauguin ein Stück seines Ohres abschnitt. Für mich, als Menière Patientin ist diese Angelegenheit allerdings völlig klar. Was, wenn Paul einen Anfall bei Vincent miterlebt, ihn vielleicht während eines Anfalles aufgefunden hat? Davon ausgegangen ist, dass Vincent, wie ja allgemein bekannt war, was jede Dorfzeitschrift wusste, dem Absinth wieder zugesprochen hat? Was, wenn Vincent, geschwächt durch die Anfälle, verzweifelt mitteilte: »Es kommt vom Ohr!« Und Paul darauf den dummen Spruch setzte: »Dann schneide es doch ab!«

...
Selbstporträt mit verbundenem Ohr und Pfeife (1889)
hat vincent geschwindelt
war er ein bruder im leid

ich weiß es nicht
aber was ich weiß
hätte mir jemand am ende
meiner zwei jahrzehnte menière gesagt
wir müssen das ohr abschneiden
hätte ich gesagt
macht das
hauptsache
es hört auf …

Für Vincent folgte eine Zeit der Aufenthalte in Krankenhäusern und Nervenheilanstalten.

Im Mai 1890 reiste Vincent van Gogh nach Auvers. Er ist Gast von Dr. Gachet, in dessen Tochter sich Vincent verliebt. Diese Liebe wird ihm von dem Vater der Frau verboten. Warum wollte Dr. Gachet Vincent nicht zum Schwiegersohn? Vielleicht, weil die Dorfzeitungen es von den Dächern pfiffen, dass Vincent in der Dunkelheit betrunken durch die Gassen stolpert?

Auch in Auvers blieb Vincent nicht von Anfällen verschont. Wieder kann ich mich der gängigen Meinung nicht anschließen, kein Liebeskummer kann einem Menière Anfall in der Qualität der meinen das Wasser reichen. Unterstelle ich, dass Vincent mindestens so gebeutelt wurde wie ich, wird er, so wie ich auch, irgendwann den Entschluss gefasst haben: »Dieser Anfall war definitiv der letzte«. Mir wurde die Gnade erteilt, bei meinem Hausarzt die Überweisung zur Gentamycin Behandlung abzuholen. Vincent wird sich die Schusswaffe besorgt haben. Wo ich mir auch sicher bin: Vincent hat das Leben trotz allem geliebt, wird, wie ich auch, immer wieder gehofft haben, dass dieser Anfall nicht so heftig ausfällt wie die vorhergehenden. Sie fragen sich, wieso ich das so bestimmt schreiben kann? Nun, Vincent hat zu lange gewartet, bevor er abdrückte. Und so kommt es, dass er als verzweifelter Versager in die Geschichte einging, der es noch nicht einmal schaffte, sich richtig zu erschießen. Glauben Sie mir eins: Es wäre ein großes Glück im Unglück gewesen, wenn er den Schuss richtig gesetzt hätte, aus meiner Sicht bei einem Menière Anfall ein fast unmögliches Unterfangen.

Für Ihre Aufmerksamkeit danke ich Ihnen und vielleicht ist es mir gelungen, einen Denkanstoß zu geben, wer Vincent van Gogh verstehen will, sollte auch Morbus Menière in seine Überlegungen einbeziehen.

Ihre



Dazu weitere Beiträge:


... Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, der Meinung sind, dass Julius Caesar, Vincent van Gogh oder Martin Luther Epileptiker waren, dann revidieren Sie bitte Ihre Meinung. Diese Männer litten, so wie ich auch, an Morbus Menière ...

Serie Teil 2:Morbus Menière – Drehschwindel 

... Morbus Menière ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose, d.h. es müssen viele andere Ursachen als Verursacher ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose als solche gestellt werden kann ...

Serie Teil 3:Morbus Menière – Das Gleichgewicht und das Gehör

... Der Mensch hat normalerweise zwei Innenohre, rechts und links, darum auch zwei Gleichgewichtsorgane. Bei mir sind beide Seiten in unterschiedlicher Schwere geschädigt. Da aber der Sehnerv an das Innenohr gekoppelt ist, kann ich sehen, wo oben und unten ist ...

Serie Teil 5:Morbus Menière

... Von Balance, Gymnastik und Meditation - In irgendeiner Ecke meines Lebens steht Morbus Menière etwas orientierungslos herum. Der Rest meines Lebensraumes ist angefüllt mit kreativen Tun und positiver Einstellung zum Leben und damit mit Lebensqualität, die ich mir selber schaffe. So kann ich auch meine innere Balance, das seelische Gleichgewicht, bewahren. Trotz allem ...

Serie Teil 6:Morbus Meniére und der Pawlowsche Hund

Gerade in der schlimmen Zeit vor der Gentamicinbehandlung, damals kamen die Anfälle in immer kürzeren Abständen, hatte ich das Gefühl, wie ein Pawlowscher Hund zu reagieren. Klingelte das Glöckchen des Meniére? Ständig hörte ich irgendwelche Glocken, die den nächsten Tsunami in meinem Innenohr einläuteten.

Serie Teil 7:Morbus Meniére und die Würde des Menschen

... Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz) - Jeden Meniére - Anfall habe ich bei vollem Bewusstsein ertragen müssen. Mit klaren Gedanken die eigene Hilflosigkeit erdulden zu müssen, ist aus meinem Selbstverständnis heraus, nicht nur quälend, sondern auch entwürdigend ...


»Ein Buch lesen! -Privat« Heute: Sylvia B.

... Sylvia B.: Mein Vater war Kunstmaler und ein kreativer Mensch, seine Ideen setzte er um und ich würde bei seinem Tun von einer alltagstauglichen Kreativität sprechen. Mit seinen Schöpfungen verblüffte er sein Umfeld, und zu mir pflegte er dann immer zu sagen: »Man kann noch so dumm sein, man muss sich nur zu helfen wissen« ...


Auch noch:
»Der Mörder und der Kinderschänder«
Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert.

Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.


Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
 
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
 
Bei Thalia
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook





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