Sonntag, 22. November 2020

566. »Waren die Götter ›Cyborgs‹?«

Teil 566 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Howard Phillips Lovecraft (*1890; †1937) schrieb Kurzgeschichten und Romane. Und er verfasste eine wahre Flut an Briefen, korrespondierte mit Leserinnen und Lesern. Mit dem Englischlehrer Maruice W. Moe scheint er sich heftig über Religion gestritten zu haben. Anders als der tiefgläubige Moe aus Wisconsin, USA, glaubte Lovecraft nicht an die Notwendigkeit religiösen Glaubens. Lovecraft vertraute auf einen besonderen Impuls.

Am 15. Mai 1918 schrieb Lovecraft an Maurice W. Moe (1): »Sie vergessen einen menschlichen Impuls, der sich trotz seiner Beschränkung auf eine relativ kleine Anzahl von Männern im Laufe der Geschichte als so real und lebenswichtig wie Hunger erwiesen hat – als so stark wie Durst oder Gier. Ich muss ja wohl nicht sagen, dass ich mich auf das einfachste, aber erhabenste Attribut unserer Spezies beziehe – auf das starke, anhaltende, unstillbare Sehnen nach WISSEN.«

Foto 1: Vielleicht stellen
die Kachina-Puppen der Hopi-Indianer
»Cyborgs« dar.
Von geradezu zwanghafter Sehnsucht nach Wissen wurde ein Amerikaner geplagt. Ich meine den großen Archivar von Tatsachen, die von der etablierten Schulwissenschaft verdammt werden, Charles Hoy Fort (*1874; †1932). Von zehn Romanen aus Forts Feder wurde nur ein einziger veröffentlich. Anno 1909 erschien »The Outcast Manufacturers«, von Kritikern gepriesen, vom Publikum kaum zur Kenntnis genommen. Eine Übersetzung ins Deutsche liegt meines Wissens nicht vor. Was aus den anderen neun Romanen wurde? Sie gelten als verschollen. Eine deutsche Übersetzung des publizierten Romans liegt bis heute nicht vor.

Fort veröffentlichte sein erstes Buch anno 1919. Er nannte es »Book of the damned« (2a). Die deutsche Übersetzung ließ lange auf sich warten: »Das Buch der Verdammten« kam erst 1995 auf den Markt. Drei weitere Bücher Forts erschienen, die allesamt sehr zu empfehlen sind (2b-2d). Fort interessierte sich brennend für die Welt der Wissenschaften, allerdings nicht für die hinlänglich beantworteten Fragen und faktenreich belegten Theorien. Ihn faszinierten die unmöglichen Fakten, die seiner Überzeugung nach von der Wissenschaft »unter den Teppich gekehrt« wurden, weil es sie eigentlich gar nicht geben dürfte. Er fand spannend, was mit den herkömmlichen schulwissenschaftlichen Theorien nicht erklärbar war. Fort bezeichnete den etablierten Wissenschaftlern verhassten Fakten als »Verdammte«. Er sah es als seine Lebensaufgabe an, just diese Fakten zu sammeln und zu publizieren. Dank einer Erbschaft konnte Fort zum Vollzeit-Sammler der verbotenen Fakten werden.

Bis zu seinem Tode wühlte er sich wie ein Besessener durch ganze Bibliotheken und trug zigtausende Fakten zusammen, die seiner Überzeugung nach das Dasein von Verdammten fristeten. Er interessierte sich brennend für die Welt der Wissenschaften. Er sah sich selbst als wahren Wissenschaftler, der ohne Vorurteile alles sammelte, um Wissen zu schaffen. Er lehnte es strikt ab, Theorien zu ersinnen und nur solche Fakten zu akzeptieren, die irgendwelche Theorien bestätigten. Es ging ihm um ein breites Spektrum an Fakten, nicht um eine willkürliche Auswahl an Fakten, die irgendeine Theorie beweisen sollen. Fort wollte aufzeigen, dass die Realität sehr viel mehr zu bieten hat als vermeintlich wissenschaftlich Denkende zu erfassen bereit sind. Die Wirklichkeit fühlt sich nicht an Theorien gebunden.

Charles Hoy Fort nahm vor über einem Jahrhundert fantastisches Gedankengut vorweg. Vieles publizierte er, manches nahm er sich für künftige Bücher vor. Über außerirdische Besucher auf unserem Planeten dachte er vor über einem Jahrhundert nach (3): »Eines Tages werde ich mich damit beschäftigen, dass die seltsam geformten Erdhügel von Forschern von irgendwo gebaut wurden, die nicht zurückkehren konnten, konstruiert in der Absicht, die Aufmerksamkeit von einer anderen Welt anzulocken ...«

Charles Hoy Fort weiter (4): »Wir werden ... oder auch nicht ... akzeptieren, dass es eine verlorene Kolonie oder Expedition von irgendwo auf dieser Erde gegeben haben mag und außerirdische Besucher, die nie zurückkehren konnten, und andere außerirdische Besucher, die wieder gegangen sind.«

Vor über einem Jahrhundert spekulierte Charles Hoy Fort über Besucher von Außerirdischen auf unserem Planeten, als Raumfahrt bestenfalls eine verrückte Idee von Fantasten ohne jeglichen Realitätssinn war. Und doch räsonierte Fort schon so früh über kosmische Besucher in grauer Vergangenheit (5): »Ich denke, wir sind Besitz. Ich denke, ich sollte sagen, Etwas besitzt uns. Dass irgendwann diese Erde Niemandsland war und dass andere Welten hier forschten und kolonisierten und untereinander um den Besitz ... der Erde kämpften ... und dass Etwas diese Erde besitzt.« (6)
Wer sich von seiner Sehnsucht nach Wissen motivieren lässt, der wird vermutlich sehr viel mehr Antworten finden als er Fragen gestellt hat. Wer wirklich sucht, muss offen auch für das Ungewöhnliche und Fantastische sein. Wer ein Weltbild bestätigen, aber kein eigenes Weltbild aufbauen möchte, ist nicht wirklich wissbegierig. Und wer unvoreingenommen sucht, der findet mehr. Ob uns eine Vorstellung angenehm ist oder nicht, das sollte kein Kriterium für uns sein, ob etwas der Realität entspricht oder nicht.

Foto 2: Diese Kreationen (Kuelap, Wolkenmenschen)
könnten »Cyborgs« darstellen.

Eine zusehends zerstrittenere Weltgemeinschaft kann durch ein globales Raumfahrtprogramm zu einer wirklichen Gemeinschaft vereint werden. Nur dann werden dereinst gigantische Weltraumstädte ins All aufbrechen, mit Zigtausenden, vielleicht Hunderttausenden von Menschen. Sind derlei Gedanken zu kühne Spekulation? Keineswegs! Schon vor Jahrzehnten kamen 28 Professoren und Techniker der »Stanford University« und der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA zur Erkenntnis, dass eine riesige Weltraumstadt in Walzenform – Hermann Oberth (*1894, †1989) lässt grüßen – im Bereich des Machbaren ist. »Der Spiegel« in seiner Ausgabe vom 1.9.1975: »Die Raumstation, die etwa gleich weit von der Erde und dem Mond entfernt wäre...würde in einem Zwei-Stufen-Programm erbaut werden: Zunächst müssten eine erdumkreisende 2.000-Mann-Raumstation so wie eine kleine Mondstation errichtet werden. Von dort aus würden die Baustoffe, aus Mondmaterialien gewonnen, ins All transportiert und zusammenmontiert. … Die fertige Raumstation, die sich zur Erzeugung künstlicher Schwerkraft einmal pro Minute dreht, würde alles Lebensnotwendige an Bord haben: Felder und Wiesen erstrecken sich 800 m weit vor den Augen der Bewohner, das Trinkwasser würde immer aufs neue regeneriert, die Luft wäre sauberer als in unseren Städten.«

Dr. Thomas Heppenheim, Luftfahrtingenieur am »California Institute of Technology«, schilderte das Leben in der Raumstation im »National Enquirer« (November 1975) so: »Das Leben in der geplanten Weltraumstadt wird nicht nur angenehmer sein als auf der Erde, sondern die Menschen werden dort alles haben, was für größtes Wachstum notwendig ist. Keine Ernte wird fehlschlagen. Die ersten 10.000 Menschen werden in Terrassenapartments mit modernstem Wohnkomfort leben. Von den Fenstern aus blicken sie auf gewölbte Erntefelder und überschauen grüne Parks. Das Leben wird angenehm und sonnig sein.«

Die zweite Weltraumstadt könnte dann schon ganz andere Ausmaße haben. Prof. Gerard Kitchen O’Neill (*1927; †1992) lehrte an der »Princeton University«, publizierte seine fundierten Visionen in einem Buch »Unsere Zukunft im Raum/ Energiegewinnung und Siedlung im Weltraum« (7). Für den Physiker O’Neill, Inhaber wichtiger Patente, ist eine Besiedlung des Universums von der Erde aus keine unsinnige Science-Fiction-Illusion, sondern realistisch, finanzierbar und auch machbar. Der Wissenschaftler entwickelte mehrere Modelle von Weltraumstädten in Röhrenform. Die größeren (Länge etwa 30 km, Durchmesser 6 km) bieten 10.000.000 Menschen Lebensraum. In absehbarer Zukunft könnte – so postulierte Prof. O’Neill – ein erheblicher Teil der Weltbevölkerung in Weltraumstädten leben. Liegt also die Zukunft der Menschheit im All?

So wie primitive Lebensformen vom Wasser aus das fremde, scheinbar feindselige Terrain Erde erobert haben, so werden wir Menschen oder unsere »Nachfolger« einst den interstellaren Weltraum erkunden. Der Schritt an Land brachte das Leben in seiner Entwicklung weit voran. Wird der Weg ins All zu einer wiederum weit höheren Entwicklungsstufe des Menschen führen?

Zurückbleiben wird »Atlantis Erde«. Astronauten werden dann erst wirklich ihren Namen mit Recht tragen: Sternenfahrer! Sie werden die Fackel des Lebens ins Universum tragen. So wird das Leben auch dann noch fortbestehen, auch wenn es auf Planet Erde schon lange nicht mehr existiert. Und in den Weiten des Alls werden neue Zyklen des Lebens beginnen, ganz so wie im unendlichen Kalender der Mayas geschrieben steht.

Das göttliche Gebot (8) »Seid fruchtbar und mehret euch!« wird dann eine ganz andere Bedeutung gewinnen als Theologen und Laien gewöhnlich meinen. Ein Fragenkomplex aber wird von vielen Menschen seit den Anfängen von irdischer Raumfahrt erörtert: Warum? Wozu? Prof. Dr. Dr.-Ing. Hermann Oberth antwortete auf Einwände gegen interplanetare und interstellare Raumfahrt so (9): »Aber wozu das alles? Wer das faustische Streben nicht kennt, dem kann man auf diese Frage nicht antworten, und wer es kennt, der weiß die Antwort selbst. Ihm ist es selbstverständlich, alles Erforschbare zu erforschen, alles Unentdeckte zu entdecken, mit den Bewohnern anderer Welten in Verbindung zu treten.«

Prof. Oberth war davon überzeugt, dass jede Intelligenz, so sie sich nicht vorher selbst auslöscht, einmal Raumfahrt betreiben und in die Tiefen des Alls vordringen wird. Sollte es also seit Anbeginn der Zeit in den Weiten des Universums immer wieder dazu kommen, dass Zivilisationen die Kinderstube ihrer Entwicklung verlassen und Vertreter in die Unendlichkeit von Zeit und Raum schicken?

Foto 3: Göttin Chalchiuhtlicue (Mexico)
war vielleicht ein Cyborg.
Generationenraumschiffe hin oder her: das zentrale Problem für bemannte interstellare Raumfahrt sind die unvorstellbaren Distanzen zwischen den Sternen. Daraus resultiert das Zeitproblem: Gigantische Entfernungen benötigen viel Zeit für Raumreisende. Eine Lösung bietet sich an: Künstliche Intelligenz! Cyborgs, so wie sie sich James Lovelock vorstellt, nämlich als superintelligente »Wesen« ohne biologischen Anteil können theoretisch und wohl auch praktisch Ewigkeiten überdauern und so Intelligenz im Kosmos ausbreiten. Solche Cyborgs könnten einen elektronischen »Winterschlaf« nutzen, um ihr Intelligenzpotential zu steigern. Sie würden, so Lovelock, bald schon wie Götter sein. Vielleicht stellen die Kachina-Puppen der Hopi-Indianer »Cyborgs« dar, die einst zur Erde kamen. Vielleicht erinnern die mysteriösen Sarkophagfiguren der »Wolkenmenschen« an solche Besucher? Womöglich war die Göttin Chalchiuhtlicue (Mexico) so ein »Cyborg«!

Mir drängen sich wieder Fragen auf: Waren die vermeintlich »göttlichen« Besucher auf unserem Planeten vor Jahrtausenden keine Lebewesen wie wir, sondern »Cyborgs«? Hatten diese »Cyborgs« die Aufgabe, für die Ausbreitung von Intelligenz im Kosmos zu sorgen?

Fußnoten
(1) Lovecraft, Howard Phillips: »Against Religion/ The Atheist Writings of H. P. Lovecraft«, Herausgeber Joshi, S. T., New York 2010, Seite 13. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein
(2a) Fort, Charles Hoy: »Book of the damned«, New York 1919/ Übersetzung »Das Buch der Verdammten«, Frankfurt 1995
(2b) Fort, Charles Hoy: »New Lands«, New York 1923/ Übersetzung »Neuland«, Frankfurt am Main 1996
(2c) Fort, Charles Hoy: »Lo!«, New York 1931/ Übersetzung »Da!«, Frankfurt am Main 1997
(2d) Fort, Charles Hoy: »Wild Talents«, New York 1932/ Übersetzung »Wilde Talente«, Frankfurt am Main 1997
(3) Fort, Charles Hoy: »The Book of the damned«, Gesamtausgabe in einem Band, New York 1974, S. 157, 14.-11 Zeile von unten. Übersetzung aus dem Amerikanischen Walter-Jörg Langbein
(4) Ebenda, S. 159, 7.-11. Zeile von oben. Übersetzung aus dem Amerikanischen Walter-Jörg Langbein
(5) Ebenda, S. 163, 6.-10. Zeile von oben. Übersetzung aus dem Amerikanischen Walter-Jörg Langbein
(6) Siehe hierzu auch Langbein, Walter-Jörg und Sachmann, Hans-Werner: »Charles Hoy Fort – Der Chronist des Unerklärlichen« in Däniken, Erich von (Herausgeber): »Das Erbe der Götter/ Auf ›kosmischen Spuren‹ rund um die Welt«, München 1997, S.19-25
(7) O'Neill, Gerard K.: »Unsere Zukunft im Raum«, Bern und Stuttgart 1978
(8) 1. Buch Mose Kapitel 9, Vers 7
(9) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum – Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt«, Düsseldorf 1954, Seite 301

Zu den Fotos
Foto 1: Vielleicht stellen die Kachina-Puppen der Hopi-Indianer »Cyborgs« dar. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Diese Kreationen (Kuelap, Wolkenmenschen) könnten »Cyborgs« darstellen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Göttin Chalchiuhtlicue (Mexico) war vielleicht ein Cyborg. Foto Walter-Jörg Langbein


567. »Und es gab weder Anfang, noch Ende«,
Teil 567 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 29. November 2020


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